* Braunfels, 22. Juni. Gestern Morgen gegen 7 Uhr entfernte sich eine bei einem hiesigen Einwohner sich aushaltende 80jährige Wittwe vom Hause, um nicht wieder zurückzukehren. Als man einige Zeit nach ihrem Weggange dem Verbleib der alten Frau nachforschte, fand man dieselbe tobt in einem Fischweiher liegen. Wahrscheinlich hat die Unglückliche aus Lebensüberdruß oder in einem Anfalle augenblicklicher Geistesstörung den Tod gesucht.
* Marburg, 22. Juni. Gestern Nachmittag verbreitete sich das Gerücht, daß ein Student, welcher mit einem Grönländer nach Wehrda fahren wollte, eine Strecke oberhalb des Grüneberg'schen Hauses ertrunken sei. Nachdem diese Nachricht auch in Wehrda bekannt geworden war, kam rasch eine Anzahl Studenten von dort und anderes Publikum am Wehrdaer Weg zusammen und man erfuhr die Stelle, wo der unglückliche junge Mann zum letzten Male 'gesehen worden war. Es stellte sich heraus, daß es der stud. pharm. Namacher aus Görlitz, Mitglied der Pharmazia, war. Herr Ruhl gab den Studenten sogleich zwei Kähne zur Verfügung, um nach ihrem unglücklichen Kameraden zu suchen- ihnen schloß sich noch der Gärtner Model an, dem es auch, da Herr Ruhl das Suchen mit Haken, Stangen und Seilen unterstützte, gelang, nach beinahe zwei Stunden den jungen Mann als Leiche zu finden und zu landen. Wie der Unglücksfall sich ereignet hat, ist bis jetzt noch nicht ganz aufgeklärt. Es sollen noch zwei andere Herren gleichzeitig mit dem Verunglückten nach Wehrda gefahren sein und es ist gesehen worden, daß sich diese drei Herren gegenseitig auf dem Wasser geneckt haben. Ein größeres Boot, worin zwei Herren saßen, war auf den Hülferuf des jungen Mannes zwar herbeigeeilt, kam aber zu spät, um noch Hülfe bringen zu können, da derselbe schon untergesunken war. Es ist dies der erste schwere Unglücksfall seit 1884, welcher bei den Kahnfahrten oberhalb der Stadt vorgekommen ist.
* Frankfurt a. M., 22. Juni. Die Ausstellung wurde am Sonntag den 21. von 16 629 Besuchern ä 20 Psg. frequentirt, während nach 4 Uhr 3767 Tickets abgegeben wurden. Der Gesammtbesuch des Tages betrug somit 20496 Personen. In der fünften Woche seit Eröffnung der Ausstellung wurde dieselbe von 24 697 Personen mit Tickets und von 16 629 Personen mit 20 Pfg.-Billets, das ist zusammen 41326 Personen, besucht. Die Gesammtzahl der seit der Eröffnung abgegebenen Tickers beträgt 137 598. Die Verbindungsbahn nach und von dem Maine wurde am Sonntag von 2105 Personen, insgesammt bisher von 5674 Personen, besucht.
* Paris, 17. Juni. Die Kaiserin Eugenie hält sich, zum ersten Male seit ihrem Sturz, einige Wochen in Paris aus, lebt jedoch äußerst zurückgezogen im Hotel Continental, dem Tuileriengarten gegenüber. Sie verkehrt nur mit wenigen Personen, besucht hauptsächlich die Stätten, an
welche sich ihre Erinnerungen knüpsen; so am Sonntag am Arm eines Freundes die Stelle, wo einst die Tuilerien standen. Sie sprach mit einem jungen Gärtner, der die jetzt dort befindlichen Anlagen zu pflegen hat, wurde aber nicht erkannt. Ueberhaupt vermöchten nur die wenigsten Pariser, selbst wenn sie sie früher wohl gekannt hatten, in der alten, gebeugten, greisen Frau die ehemalige, in stolzer Haltung strahlende Kaiserin zu erkennen. Besonders suchte sie den alten Schloßgarten der Tuilerien zu erkennen, in welchem einst ihr Sohn spielte, während sie von den Neugierigen, außerhalb des Gitters, angeftaunt wurde.
HtttoeHitate < Nachrichten.
— Die Frequenz der deutschen Universitäten beläuft sich in dem gegenwärtigen Sommersemester auf 28,625 gegen 28,711 im vorigen Winter und 29,317 im Sommer 1890. Es hat also die seit einigen Jahren rückläufige Bewegung im Universitätsbesuche auch diesmal wieder sich geltend gemacht. Im Einzelnen sind an den deutschen Universitäten zur Zeit immatrtculirt (in Klammern ist überall die entsprechende Zahl des vorigjährigen Sommers beigefügt): in Berlin 4611 (4781), Bonn 1386 (1424), Breslau 1342 (1308), Erlangen 1078 (1006), Freiburg 1138 (1254), Gießen 562 (590), Göttingen 831 (928), Greifswald 834 (878), Halle 1483 (1626), Heidelberg 1171 (1089), Jena 645 (656), Kiel 605 (634), Königsberg 717 (782), Leipzig 3242 (3177), Marburg 952 (941), München 3551 (3551), Münster 377 (396), Rostock 368 (360), Straßburg 917 (902), Tübingen 1393 (1422) und Würzburg 1422 (1612). Auf die Facultäten vertheilt sich die Gesammtzahl von 28,625 folgendermaßen: es sind eingeschrieben bei der theologischen Facultät 5552 (4251 evangelische und 1301 katholische), bei der juristischen 7381, wobei aber 412 Kameralisten und 148 Studirende der Forstwissenschaft eingerechnet sind, bei der inedtzintschen 8907, unter Zuzählung von 353 Studirenden der Zahnheilkunde (in Gießen sind noch 33 Studirende der Thierbeilkunde dieser Facultät beigezählt), bet der philosophischen endlich 6785; von den letzteren studiren 2968 Philosophie, Philologie oder Geschichte, 2168 Mathematik oder Naturwissenschaften, 1130 Pharmacie, 519 Landwirtschaft (von diesen letzten sind 364 allem in Bonn und Halle immatricultrt). Diese Zahlen bedeuten eine kleine Zunahme bei den katholischen Theologen, den Juristen und Medizinern, bei allen anderen Fächern ist dagegen eine nicht unbedeutende Abnahme der Zahl eingelreten.
Spielplan der vereinigten frankfurter Stadttheater.
Schauspielhaus.
Mittwoch den 24. Juni: Kabale und Liebe. (Louise: Fräulein Deman als Gast.) Gewöhnliche Preise.
Donnerstag den 25. Juni: Vorletztes Auftreten des Fräulein Minow. Der Fall El em ence au. Gewöhnliche Preise. Außer Abonnement. „ , ~ ,
Freitag v?n 26. Juni: Egmont. (Elarchen: Fräulein Deman als ($. ft.) Gewöhnliche Preise.
Samstap Den 27. Juni: Die Widerspänstige. Hierauf: Zum ersten Male wiederholt: Schneckenbergers Reiseabenteuer. Gewöhnliche Preise. ~ ,
Sonntag den 28. Juni: Abschieds-Vorstellung des Fraulein Minow. Die Geschwtstelr. (Marianne: Fräulein Minow.) Hierauf: Die Neuvermählten. (Laura: Fräulein Minow.)
Zum Schluß: SchneckenbergerS Reiseabenteuer. Gewöhnliche Preise.
Montag den 29. Juni: Gemeinschaftliche Hochzeitsreise. Gewöhnliche Preise.
Dienstag den 30. Juni: Letzte Vorstellung vor den Schauspielferien. Tochter des Herrn FabriciuS. (Agathe: Fräulein Deman als Gast.)
verkehr, Land« und volksw^'ttzdrhaft.
Sießen, 23. Juni. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,80—0,90, Hühnereier 1 St. 5-6, 2 St. - H, Enteneier 1 St. 6-7 H, 2 St. - A, Käse pr. St. 5-8 4, Käsematte pr. St. 3 H, Erbsen pr. Liter 18 4, Lstisen pr. Liter 80 H, Tauben pr. Paar X 0,80—1,00, Hühner pr. Stück * 1,20—1.40, Hahnen pr. St- X 1,50-2,30, Enten pr. Stück X 2,00-2,30, Ochsenfleisch pr. Pfd- 70—74 Kuh- und Rindfleisch 60-64 H, Schweinefleisch 56-64 4, Hammelfleisch 50—76 A, Kalbfleisch 50-56 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 7.50-9,00, Weißkraut pr. St- 3—7 3), Zwiebeln per Centner X 12,0—15,0, Milch per Liter 12—18 H, Kirschen per Pfd. 30 H.
Friedberg, 20. Juni. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. X 0.95-1.15, Eier 1 St. 7 H, 2 St. 13 H.
Literatur Uunft.
— In der Buchhandlung von E. Trenckmann hier wird z. Z. ein .Jllustrirter Reiselatalog* ausgegeben. Derselbe enthält nicht nur ein reichhaltiges Verzeichniß bewährter Reisehandbücher und Führer, Routen- und Touristenkarten, Reisebeschreibuvgen, prachtvoller Atlanten, Eonversationsbücher usw., sondern auch, was gewiß von VortheU, eine Anleitung zu reisen. Etn reicher Bilderschmuck, der uns von vornherein mit den schönsten Punkten der Schweiz, des Schwarzwaldes, des Harzes usus. bekannt macht, begleitet die so recht die Reiselust weckende Vorrede des Merkchens. Uebersichtlich geordnet ist das Verzeichniß der Reisehandbücher und Führer, welchem sich ein Verzeichniß von Woerls Städteführer, sowie ein solches über Werke der Erdkunde, Reisebeschretbungen, wissenschaftliche Reisen usw. anreiht.
Verfälschte schwarze Seide.
Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seidenfabrik-DvpLt von €r. Henne- berg (K. u. K. Hoflief.) Zurich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und zollfrei ins Haus. Doppeltes Briefporto nach bet Schweiz. 1019
Temperatur der Lahn und Lust
gemessen am 23. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 12V2, Luft 19 Grad Reaumur.
L. Ehr. Rübsamen Wwe.
Veröffentlichung
In unsenin Genoffenschaftsregister ist eingetragen, daß durch Neuwahl zum Director des Spar- und Vorschußvereins zu Alten-Bufeck, einge-! tragens Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, Heinrich Seuling I. von Alten - Buseck und zum Rechner August Th- Krämer von da bestellt worden sind.
Gießen, 18. Juni 1891.
Großh. Amtsgericht.
________Land mann._____5780
Arbeitsvergebung.
Montag den 28. L M, Mittags 1 Uhr, sollen in der Gemeinde Mainzlar nachstehende Arbeiten öffentlich versteigert werden:
veranschlagt zu Maurerarbeiten 48 jl. 75 H,
Zimmerarbeiten 188 „ 22 „
Schlofferarbeiten 16 „ — „
Chaussirarbeiten 108 „ — „
Mainzlar, den 23. Juni 1891. Großh. Bürgermeisterei Mainzlar.
Vogel._______5779
-Mittwoch den 24. Ium,
Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Adler" dahier Möbel aller Arten, 2 Hobelbänke, 1 noch neues Pianino und ein gr. Quant. Backsteine
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5808 Gr. Gerichtsvollzieher.
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