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StaatSsecretär Dr. v. Boetticher: Die Regierungen hätten dasselbe Interesse an erleichterter Polksernährung als irgend eine Partei des Haules. Deshalb müsse er dagegen protestirev, daß der Aufhebung des Verbots andere als rein gesundheitliche Rücksichten entgegenständen. Die Bezugnahme auf England sei nicht beweis­kräftig. Die Engländer ätzen überhaupt kein rohes Fleisch.

Abg. Graf Kanttz (cons.)i Für ihn stehe die wirtschaftliche Bedeutung der Frage im Vordergründe. Die amerikanische Con- currenz würde die deutsche Schweinezucht erdrücken, wenn man ihr die Grenzen öffnete. Dr. Barth führte die Consumtntereffen der Bergarbeiter an; seit dem Uebergang zu den Schutzzöllen hätten sich aber die Löhne der Bergarbeiter um 20 bis 30pCt. erhöht.

Hierauf vertagt sich das Haus.

Nach einigen persönlichen Bemerkungender Abgg. Brome! und Dr. Barth (dfr.) wird die nächste Sitzung auf Freitag 11 Uhr an­beraumt. Tages-Ordnung: Fortsetzung der soeben abgebrochenen Debatte.

Schluß oVi Uhr.

Nerreste Nachrichten.

WoM telegraphisches Correspondcnz»BucrüM

Berlin, 22. Januar. Dem gestrigen diplomatischen Diner in der chinesischen Gesandtschaft wohnten Staats- secretär Marschall, der französische und russische Botschafter und mehrere Gesandte bei, darunter der persische und der japanische. Der chinesische Gesandte toastete in chinesischer Sprache auf den deutschen Kaiser und die guten Beziehungen zwischen Deutschland und China. Herr v. Marschall antwor­tete durch einen Trinkspruch aus den Kaiser von China.

Berlin, 22. Januar. DerReichsanzeiger" meldet, der Kaiser befahl, an seinem Geburtstage von einer Illumi­nation aller öffentlichen Gebäude auf Staatskosten Abstand zu nehmen.

Cuxhaven, 22. Januar. Der SchnelldampferAugusta Victoria" trat heute Nachmittag um P/2 Uhr mit 140 Paffa­gieren die Gesellschaftsreise nach dem Mittelmeer an. In ^Southampton kommen noch 20 und in Genua 70 Passagiere Hinzu. Als der Kaiser heute früh das Schiff besichtigte, ließ er Maße nehmen zu einem Bilde der Kaiserin für den Schnell­dampfer.

München, 22. Januar. Dem Vernehmen nach hofft die bayerische Regierung ein Uebereinkommen für Deutschland betreffend die' Herabsetzung der Eisenbahn-Fahr­preise noch zu erzielen. Sie schlägt vor, den Preis für die dritte Klaffe auf zwei Pfennig pro Kilometer herabzusetzen und die Retourbillette aufzuheben.

Konstanz, 22. Januar. Der Dampfschiffsverkehr zwischen Konstanz und Lindau ist heute wieder ausgenommen worden- der Verkehr mit Bregenz ist noch unterbrochen.

Bern, 22. Januar. Die vomSole" gebrachte Nach­richt, der Bundesrath werde noch in diesem Monat der italie­nischen Regierung ein neues Project über den Simplon- tunnel unterbreiten, ist unbegründet. Die Jura-Simplon- bahn wird das Project noch vor Ostern fertig haben und erst nachher kann sich der Bundesrath mit der Angelegenheit Hefaffen.

Paris, 22. Januar. Nachrichten aus Buenos Aires zufolge besetzten die chilenischen Insurgenten Pisagua. Nach einem in Mexiko aus Jquique eingegangenen Specialtelegramm vermehrt sich die Zahl der Insurgenten täglich - ein Zusammen­stoß stehe bevor.

Paris, 22. Januar. Der Handelsminister legte dem Ministerrathe ein Dekret betreffs des höheren Arbeits­rath es vor, welchem nebst anderen Senatoren Simon, Challemel-Laconr, Tolain, die Deputirten Sah, Thevenet und Gras Mun, sowie als Arbettervertreter Delahaye an­gehören. Den Vorsitz im Arbeitsrath führt der Handels­minister.

Paris, 22. Januar. In fast ganz Frankreich herrscht jetzt Th auw etter. In vielen Gegenden ist Regen ein­getreten. In Saint Valery bei Rouen und in Mont Villiers bei Havre stellte sich Überschwemmung ein.

Athen, 22. Januar. Ein königliches Decret ernennt den Herzog von Sparta zum Commandanten des ersten Infanterie-Regiments. In Arkandia sind an Stelle von zwei Anhängern der Opposition, deren Wahlen annullirt waren, zwei Regierunzscandidaten gewählt worden.

untersucht, hatte durch die Entdeckungen Gay Lyssacs und v. Humboldts über die Verbindungsverhältnisje der Körper im Gaszustand, und v. Mitscherlich über die Beziehungen der Crystallgestalt zur chemischen Zusammensetzung bereits einen festen Boden gewonnen, und in den chemischen Proportionen schien das Gebäude seine Spitze erhalten zu haben und vollendet dazustehen.

Alles, was das Ausland in der vorangegangenen Zeit an Entdeckungen erworben hatte, brachte jetzt in Deutschland reiche Früchte.

Eine organische Chemie, oder was man heute so nennt, bestand damals noch nicht- Thenard und Gay Lyffac, Ber- zelius, Prout, Döbereiner hatten zwar den Grund zu der organischen Analyse bereits gelegt, allein selbst die großen Untersuchungen von Chevreul über die fetten Körper erregten viele Jahre hindurch nur geringe Aufmerksamkeit. Die un­organische Chemie nahm noch allzuviele und zwar die besten Kräfte in Anspruch.

Meine in Paris gewonnene Richtung war eine andere- durch die Arbeit, welche Gay Lyffac mit mir über das Knall­silber gemacht hatte, wurde ich mit der organischen Analyse vertraut, und ich sah sehr bald, daß aller Fortschritt in der organischen Chemie wesentlich von ihrer Vereinfachung ab­hängig sei - denn man hat es in ihrem Gebiete nicht mit ver­schiedenartigen Elementen, die sich in ihren Eigenthümlichkeiten erkennen lassen, sondern immer mit denselben Elementen zu thun, deren Verhöltniß und Anordnung die Eigenschaften der organischen Verbindungen bestimmt. Was in der unorgani­schen Chemie eine Reaction war, mußte m der organischen eine Analyse sein.

(Schluß folgt.)

Zanzibar, 22. Januar. Wißmann trat am 13. Jan. mit 4 Compagnien von Pangani eine Expedition nach Masinde an. In Kilimandscharo wird er Ende Februar znrück- erwartet.

Rio de Janeiro, 22. Januar. Sämmtliche Minister haben ihre Entlassung cingereicht.

Rio de Janeiro, 22. Januar. Der brasilianische Unter-- richtsminister Constant ist heute gestorben.

Locales «n- jSrovittzreLlss.

Gießen, 23. Januar.

Ueber die hiesige Feier des Allerhöchsten Geburts­tages Sr. Maj. des Kaisers wird uns mitgetheilt, daß am 26. d. Mts. Abends zwischen 8 und 9 Uhr Zapfenstreich, sowie am 27. zwischen 6 und 7 Uhr früh Wecken stattfindet. Um 7^4 Uhr wird ein Choral vom Thurm der Stadtkirche geblasen. Um 9*/z Uhr findet Gottesdienst in der katho­lischen, um 10 Uhr Gottesdienst in der evangelischen Kirche statt. Hieran schließt sich um IP/, Uhr Militär-Parade in Oswalds Garten, bei welcher Plätze für Zuschauer offen ge­halten werden. Um 2*/, Uhr beginnt das Festessen im großen Saale des Gesellschastsvereins.

Sitzung der Stadtverordneten am 22. Januar. An­wesend ; Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Langsdorff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Georgi, Grüneberg, Habenicht, Heyligenstacdt, Horn­berger, Jughardt, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schmall, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels. Von dem Beschlüsse der Stadtverordneten-Versammlung vom 8. Januar, sich in allen Theilen dem von der Großh. Bürger­meisterei Mainz angeregten, an Großherzogl. Ministerium zu richtenden Gesuche um Ertheiluug der Ermächtigung zur Befreiung der untersten Steuer stufen von der Gemeindesteuer anzuschließen, ist der Bürgermeisterei Mainz Mittheilung gemacht worden. Gleichzeitig wurde die Bürgermeisterei Mainz um Mittheilung der Begründung ihres Antrages ersucht, und daraus die hiesige Bürgermeisterei benachrichtigt, daß auf Antrag von Worms die Sache dem nächsten Städretage unterbreitet werden würde. Die Ver­sammlung erklärt sich damit einverstanden, daß bis dahin über den Mainzer Antrag nicht weiter verhandelt werden solle. Herr Oberbürgermeister Gnauth theilt mit, daß er die ausgeschrieben gewesene Stelle eines Schreibgehülfen dem Gerichtsschreibereigehülfen Wilhelm Döring übertragen habe, die Versammlung ertheilt die Genehmigung hierzu. Unter Mittheilung des Programms der militärischen Feier zu Kaisers Geburtstag (s. die betr. Notiz an der Spitze der Localnachrichten) ist vom Commandeur des 116. Regi­ments eine Einladung zur Theilnahme an der Parade ergangen. Das Gesuch der Ehefrau des Herrn Hermann Zoll um Ertheiluug der Concession zum Wirthschaftsbetrieb im Hause Nr. 69 der Rodheimerstraße wird, da es sich um Fortbetrieb einer bestehenden Wirthschajt handelt, befürwortet. Befürwortet wird ferner das Gesuch des Herrn Georg Burkhardt aus Hegnenbach in Bayern um Ausnahme in den hessischen Staats-Verband. Der Erhöhung der Wohnungs- Vergütung für Herrn Schulverwalter Oehlenschläger wird, da der Anspruch des Gesuchstellers darauf gesetzlich begründet ist, zugestimmt. Für einen Theil der 90 bei der Ortskrankenkasse versicherten, von der Stadt be­schäftigten unständigen land- und forst wirth- schaftlichen und gewerblichen Arbeiter sind die Versicherungsbeiträge aus der Stadtkasse (ca. 59 Mk.) zu entrichten, da die Betreffenden zahlungsunfähig sind. Die Versammlung ertheilte hierzu die Genehmigung, ebenso zur Uebernahme der dem Rechner der Ortskrankenkasse für diese Kategorie der Versicherungspflichtigen zu gewährende Gebühr im Betrage von 70 Mk. auf die Stadtkaffe. Die Eröffnung der neuen Kliniken selbst wie namentlich auch, die Anwendung des Koch'schen Heilmittels gegen die Tuberkulose in denselben hat eine Ueberfüllung der Kliniken mit Kranken und Hülsesuchenden aus näherer und weiterer Umgebung herbeigesührt. Durch diese Ueberfüllung erjcheint die Gießener Bevölkerung, besonders aber derjenige Theil, der auf Grund bestehenden Vertrages zwischen Stadt und Klinik durch die Armen-Verwaltung auf unentgeltliche Behandlung in der Klinik und Verabreichung von Arznei u. s. w. Anspruch hat, eine Beschränkung in der Ausnahme in die Kliniken zu er­leiden. Diese räumliche Einschränkung der Gießener Kranken hat zur Folge, daß durch eine zu frühe Entlassung aus der Klinik eine ungenügende Reconvalescenz herbeigesührt wird, wenn die Reconvalescenlcn, soweit sie nicht ansässig, nicht in dieHerberge zur Heimath" oder in das städtische Hospital eingewiesen werden können. Es können auch dadurch, daß als nicht vollständig wiederhergestellt aus der Klinik Ent­lassene auswärtige Krankenhäuser aufsuchen und als krank in dieselben ausgenommen werden, für die Stadt mehr oder weniger unliebsame Weiterungen entstehen. Nach dem be­stehenden Vertrage ist die Klinik gegen eine jährlich von der Stadt zu entrichtende Pauschalsumme von 10,000 Mk. ver­pflichtet, auf der städtischen Armenliste stehende Kranke zu behandeln, so lauge der Raum ausreicht. Um in Berück­sichtigung der jeweiligen Umstände einer aus räumlicher Beschränkung etwa entstehenden Abweisung von Orrskranken vorzubeugen, ist Großh. Direction der Kliniken die z. Z. als Baubureau dienende, in der Nähe der Klinik gelegene Jsolir- baracke zur Benutzung unter der Bedingung angeboten worden, daß nur hiesige Kranke darin untergebracht werden dürfen. Die Großh. Direction der Kliniken hat das An­erbieten angenommen, und darauf die Armendeputation unter Einverständniß mit der Ueberlassung der Baracken an die Klinik beantragt, die erforderlichen 10 bis 12 Betten und sonstigen Einrichtungsgegenstände zu beschaffen. Nach ein­gehender Berathung, an der sich die Mehrzahl der Stadt­verordneten betheiligt, und in welcher auch die Errichtung eines Bürgerhospitals mit in Erwägung gezogen wurde, wurde beschlossen, im Wege der Correspondenz mit der

Direction der Kliniken wegen der Ueberweisung der Baracken und Ausrüstung derselben auf Kosten der Stadt dahin zu unterhandeln, daß damit eine Beeinträchtigung der Auf­nahme hiesiger Kranken in die Kliniken nicht herbeigeführr werde. Das Gesuch des Herrn W. Gail um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes amLahnstein" wird unter' Festsetzung des Preises auf 10 Mk. pro H)Meter genehmigt. Zu dem Gesuche um Uebernahme der Grabenstraße auf die Stadt wird dem Anträge der Baudeputation gemäß beschlossen, die Entscheidung hierüber um ein halbes Jahr zu vertagen, dagegen soll dem Gesuche des Herrn W. Seuliug um Erlaubniß zur Eröffnung einer Privatstraße von der Wetzsteinsgasse nach der Nordanlage staitgegeben werden, so­fern sich Gesuchsteller den gestellten Bedingungen (Sicherheits­leistung für Herstellung der Straße durch Bürgschaft ober Caution und Beseitigung des Rahn'schen Hauses) unterwirft. Zu dem am 17. November v. I. von der Baudeputarion gestellten Anträge, im Anschluß an die vom Brandplatz nach der Ostanlage zu erbauende Straße einen Fußgängerpfad von dcr Ostanlage (Wiesenstraße) nach der Grünbcrgerstraße anzulegen, hat Herr Löber einen Zusatzantrag gestellt, wo­nach an Stelle des Fußpfades eine fahrbare Straße an­gelegt werden möge. In Rücksicht darauf, daß ein Ausbau von Straßen in fraglicher Gegend, so wie sie im Bauplan eingezeichnet sind, sich nicht empfiehlt und an eine Aeuderunx in der Flucht derselben wegen der Bebauungsfähigkeit einer Parallelstraße zur Grünbergerstraße gedacht werden muß, die Nothwendigkeit einer fahrbaren Verbindung zwischen Ost- anlage und Grünbergerstraßc für die nächste Zeit nicht vor­liegt, ein Fußgängerpfad dagegen auf längere Zeit öen Verkehrsverhältnisfen entsprechen würde, wird beschlossen, von der Anlage einer Straße abzusehen. Es soll ein 2*/z Meter breiter, hochwafferfreier Fußweg angelegt werden, welcher von der Kreuzung der Wiesenstraße und Ollanlage, zwischen dem Laspeyres'schen und St. George'schen Hause in gerader Richtung auf das Eishaus des Gießener EisvereinS stößt und unter Benutzung des Weges zwischen der alten Fießer scheu Fabrik und der Hammel'schen Wirthschafc auf die GrÜnberger- straße führt. Sollte sich eine fahrbare Straße uöthig machen, so kann fraglicher Fußweg bis zum Eishaufe ausgebaut und von da aus in senkrechter Richtung zwischen dem neuen Fießer'fchen Fabrikgebäude und dem Petri'schcn Hause auf die Gabelung der Licher und Grünberger Straße geführt werden.

Theater.Das Bild des Signorclli" ist die erste Arbeit eines jungen Dichters, und manches Einzelne in der Scenensührung und Characterisiruug der Personen läßt in der That noch die Unsicherheit eines ersten Versuches erkennen. Aber im Ganzen macht das Schauspiel den Eindruck, daß sein Dichter gewiß kein Stümper ist, vielmehr ein bedeutendes Talent besitzt, Begebenheiten undCharactere aus dem modernen Leben dramatisch auf das Wirksamste auszustatten. Vornehm­lich ist das Seelengemälde, zu dem es die sich kreuzende» Strebungen' in dem Herzen Waedes seine Wahrheitsliebe und Gewissenhaftigkeit, seine Schwäche und bis zum Wahnsinn führenden Gewisfensbisie vereinigt hat, ausgezeichnet gelungen. Die Direction hat nach ihrer Ankündigung nur eine einmalige Aufführung geplant, würde aber sicherlich den Abonnenten, einen Gefallen thun, wenn sie sich zu einer Wiederholung beS wirklich interessanten und seinen Schauspiels im Abonnement entschlösse. Was die Aufführung anlangt, jo muß bemerkt werden, daß sie eine bedeutende Unsicherheit zu Tage treten ließ und größere Schwankungen zeigte, als wir im All­gemeinen jeder Premiere als berechtigte Eigenthümlichkeit gerne zugestehen. Als Professor Waede stand Herr Winolr vollkommen an seinem Platze. Sein Waede war von Anfang bis Ende ein ernster, würdiger Gelehrter, deffen Seelen- schmerz. und Verzweiflung eben deßhalb um so ergreifender wirkten- vorzüglich war der Eindruck seines tresflichen Spieles, in den ergreifenden Scenen des dritten und letzten Actes ein tiefer und' nachhaltiger. Weniger glücklich zeigte sich Herr Rudolf Biebrach, der sich in die Rolle deS ernsten Oskar ebensowenig hineinfand, wie neulich in feine ganz ähnliche Partie inHasemanns Töchter". Wiederum mißfiel uns an mehr als einer Stelle ein gewisses, natürlicher Sprech­weise ganz fremdes, hohles Pathos, vor dem Herr Biebrach ganz besonders aus seiner Hut sein muß, und ebenso einige übel angebrachte Reminiszenzen aus dem Robert und Willy. In Bezug auf Äußerlichkeiten möchten wir Herrn Biebrach den gutgemeinten Rath geben, das von ihm mit besonderer Vorliebe angewandte Aufziehen der Augenbrauen sich möglichst abzugewöhnen. Daß trotz diesen Versehen Herr Biebrach sick im Ganzen seiner Aufgabe geschickt und gewandt entledigte, braucht nicht besonders angemerkt zu werden. Erheblich wirksamer indeffen war Herrn Goullons Spiel, der den Fritz mit treffender Auffassung und großer Lebhaftigkeit sehr hübsch repräsentirte. Sehr niedlich gab Frau Anni Reiners die verwöhnte und vorlaute Käthe wieder. An Fräulein Elisabeth Bischoff haben wir nur wegen der in der That sehr übel gewählten Maske Aussetzungen zu machen ihr Spiel war so sympathisch, wie man das von ihr gewöhnt ist. Zur vollen Zufriedenheit spielte Herr Schreiner - - Kunsthändler Pfeifer, den er in Spiel und Maste gleich vet* tbeilhaft darstellte. Fräulein Ida Unger hatte die kleine. Rolle der Frau Waede, aus der sie alles zu machen wußte^ was daraus zu machen ist. Die Vertretung des Dr Kci dagegen ließ zu wünschen übrig.

? Der von keiner Seite bestrittene künstlerische Er­folg, den der Gießener Theaterverein mit dem ersten Abend errungen, dürfte denn auch den stärksten Pessimisten belehrt haben, daß es den Leitern des Vereins mit ihren künstleri scheu Bestrebungen Ernst ist. Aber auch die practische Seite war durch den Vorstand überraschend glücklich gelöst worden, Bühne und Zuschauerraum machten einen reizenden Eindruck, alles gut erwärmt, ohne übergroße Hitze, kein störender Zug, kurz und gut man befand sich in einer Stimmung, um öcrr sich darbietenden Kunstgenuß so recht mühelos entgegen zrr I nehmen- es war mit einem Worte gesagtgemüthlich". Nurt