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1891

Nr. 20

Amts- und Anzeigeblutt für den Ttrers Giefzen

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es« Anzeigen |u der Nachmittag» für den ftfgcnhtn Lag erscheinenden Nummer bi» 8orm. 10 Uhr.

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Samstag den 24. Januar

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Anitlicher Thrrl.

zweckmäßigste Weise em reines Präparat darzustellen. Die Darstellung eines Präparats ist eine Kunst und dabei eine qualitative Analyse, und es gibt gar keinen anderen Weg, um sich mit den mannigfaltigen chemischen Eigenschaften eines Körpers bekannt zu machen, als wenn man denselben auS dem Rohmaterial zuerst darstellen und dann in seine zahl­reichen Verbindungen überführen und diese damit kennen lernt. Durch die gewöhnliche Analyse erfährt man nicht, welch ein wichtiges Scheidungsmittel in ihrer geschickten Handhabung die Crystallisation lst, ebensowenig den Werth der Bekannt­schaft mit den Eigentümlichkeiten verschiedenartiger Lösungs­mittel. Man denke sich nur einen Pflanzen- oder Fleisch- Extract, der ein halb Dutzend crystallinischer Körper in sehr geringer Menge, eingebettet in schmierige Materie, enthält, welche die Eigenschaften der anderen beinahe ganz verhüllt, und man soll nun in diesem Magma durch chemische Re- actionen die Eigentümlichkeiten jedes einzelnen Körpers in der gemengten Masse kennen und unterscheiden lernen wollen, was Zersetzungsproduct ist und was nicht, um sie nachher mit Mitteln, welche keinen zersetzenden Einfluß ausüben, scheiden zu können. Von der großen Schwierigkeit, den rechten Weg in solchen Untersuchungen zu finden, gibt die Analyse der Galle von Berzelius ein Beispiel ab; von all den zahl­reichen Stoffen, die er als Bestandtheil derselben beschrieben hat, ist eigentlich keiner in der natürlichen Galle enthalten gewesen. L

Eine außerordentlich kurze Zeit hatte den berühmten Schülern des schwedischen Meisters genügt, der Mineral- Analyse, welche auf der genauen Kenntniß der Eigenschaften der unorganischen Körper beruht, einen bewunderungswürdigen Grad von Vollkommenheit zu geben, ihre Verbindungen und ihr gegenseitiges Verhalten wurde durch die schwedische Schule mit einer bis dahin ganz ungewöhnlichen und jetzt noch un­übertroffenen Schärfe nach allen Richtungen studirt. Die physikalische Chemie, welche die gesetzlichen Beziehungen der physikalischen Eigenschaften zu der chemischen Zusammensetzung

Justus von Liebig.

Eigenhändige biographische Aufzeichnungen.

(3. Fortsetzung.)

Ramen u. Wohnort der epileptischen Kinder, Namen u. Stand des Vaters.

2 Mark 20 Pfg. öti Bringerlohu.

Durch Sie Potz bez»H« 2 Mark 50 Pfg

ftcbacticn, Expedm»» und Druckerei:

-chulstraße

Her»Ü»recher 51

Deutsicher Reich.

Darmstadt, 22. Januar. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Section für Justiz­verwaltung, Rr. 19, enthält Ausschreiben vom 22. Deccmber 1890 an die Großh. Amtsgerichte der Provinz Rheinhessen, das Vormundschaftswesen in der Provinz Rheinhessen betreffend.

Nr. 20 enthält Ausschreiben vom 29. December 1890 an die Großh. Amtsgerichte und Notare, die Nichtüberein­stimmung der Angaben der Grundbücher mit den thatsächlichen Besitz- und Eigenthumsverhältniffen betreffend.

gönnen hatte, und getragen durch die warme Empfehlung v. Humboldts wurde mir eine außerordentliche Professur der Chemie in Gießen in meinem einundzwanzigsten Jahre überragen. Im Mai 1824 begann meine Laufbahn in Gießen. .

Ich denke stets mit Freude an die achtundzwanzig Jahre zurück, die ich dort verlebte; es war wie eine höhere Fügung, die mich an die kleine Universität führte. An einer großen Universität oder an einem größeren Orte wären meine Kräfte zerrissen und zersplittert und die Erreichung des Zieles, nach dem ich strebte, sehr viel schwieriger, vielleicht unmöglich ge­worden ; aber in Gießen concentrirte sich Alles in der Arbeit und diese war ein leidenschaftliches Genießen.

Das Bcdürsniß eines Instituts, in welchem sich der Schüler einer chemischen Kunst unterrichten konnte, worunter ich die Vertrautheit mit den chemischen Operationen der Analyse und Gewandtheit in dem Gebrauche der Apparate verstehe, lag damals in der Lust, und so kam es denn, daß mit der Eröffnung meines Laboratoriums für den Unterricht in der analytischen Chemie und den chemischen Untersuchungs­methoden mir nach und nach Schüler von allen Seiten zu­strömten.

Die größte Schwierigkeit hatte ich, als die Anzahl sich vermehrte, mit dem praktischen Unterricht selbst: um Viele auf einmal zu unterrichten, dazu gehörte ein geordneter Plan oder ftusenweiser Weg, der erst ausgedacht und erprobt werden mußte. Die Anleitungen, welche mehrere meiner Schüler später publicirten (Fresenius und Will), enthalten im Wesent- lichen den Gang, der in Gießen befolgt wurde, mit geringen Abweichungen; er ist jetzt beinahe in allen chemischen Labo­ratorien heimisch.

Die Darstellung von chemischen Präparaten war em Gegenstand, dem ich ganz besondere Aufmerksamkeit zuwandte,- sie ist sehr viel wichtiger, als man gewöhnlich glaubt, und man wird häufiger Männer finden, die sehr gute Analysen machen können, als solche, welche im Stande find, auf die

Ich erkannte, oder richtiger vielleicht es dämmerte mir das Bewußtsein, daß nicht allein zwischen zweien oder dreien, sondern zwischen allen chemischen Erscheinungen in dem Mineral-, Pflanzen- und Threrreich ein gesetzlicher Zu­sammenhang bestehe, daß keine allein stand, sondern immer verkettet mit einer andern, diese wieder mit einer andern und so fort alle miteinander verbunden, und daß das Entstehen und Vergehen der Dinge eine Wellenbewegung in einem Kreis-

Bekanntmachung,

Reubau einer katholischen Kirche zu Ober Roden betreffend.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großh. Ministerium des Innern und der Justiz dem katholi­schen Kirchenvorstand zu Ober-Roden im Kreise Dieburg die Erlaubniß zur Veranstaltung einer Collecte zum Besten de» rubr. Kirchenbaues ertheilt und uns demgemäß ermächtigt hat, einen mit gehöriger Vollmacht versehenen Vertreter deffelben innerhalb der ersten 6 Monate des laufenden Jahres zum Einsammeln freiwilliger Beiträge für den genannten Zweck bei den katholischen Anwohnern des Kreises zuzulaffen.

Gießen, den 21. Januar 1891.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

ratisßeikage: Hießmer Kamttienökätter

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BHwff Mid»« erftfctmt täglich.

«M SuSnahmr de» IBtontag».

IHt Vießener He*UU*mtUe dem Anzeiger «üchentttch dreiwal fceigekgt

Alle Annoncen-Bureaux de» In« und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

lauf sei.

Was in den französischen Vortragen am meifteu auf «ich wirkte, war die innere Wahrheit derselben und die sorg­fältige Vermeidung allen Scheines in den Erklärungen; es war der vollständigste Gegensatz der deutschen Vorträge, in Öfchen durch das Ueberwiegen des deductiven Verfahrens die ganze wissenschaftliche Lehre ihre feste Zimmerung ver­loren hatte. , , .

Ein zufälliges Ereigniß lenkte die Aufmerkamkett A. v. Humboldts in Paris aus mich und das Interesse, was er an mir nahm, veranlaßte Gay Lyffac, eine von mir be­gonnene Arbeit gemeinschaftlich mit mir zu vollenden.

In dieser Weise wurde mir das Glück zu Theil, mit diesem großen Naturforscher in den innigsten Verkehr zu kommen; er arbeitete mit mir, wie er früher mit Thenard zusammen gearbeitet hatte, und ich kann wohl sagen, daß in seinem Laboratorium im Arsenal der Grund zu allen meinen späteren Arbeiten und meiner ganzen Richtung gelegt wurde. Ich kam nach Deutschland zurück, wo durch die Schulen von Berzelius, H. Rose, Mitscherlich, Magnus und Wöhler in Ker unorganischen Chemie bereits ein großer Umschwung be-

Wchmer Anzeiger

Keneral-Mzeiger.

Deutsche* Reichstag.

49. Plenarsitzung. Donnerstag, 22. Januar 1891, 1 Uhr.

Das Präsidium wird ermächtigt, Sr. Majestät dem Kaiser zu dessen Geburtstage die Glückwünsche des Hauses zu übermitteln.

Die zweite Etatberathung wird mit dem Etat des Reichs- amts des Innern fortgesetzt.

Abg. Dr. Hammacher (natl.) fragt, wie es mit dem Erlaß einer Prüfungsordnung für Nahrungschemiker stehe.

Slaalssecretär Dr. v. Bötticher erwidert, daß eine solche in Vorbereitung sei.

Abg. v. Münch wünscht beffere Desinficirung der Viehtrans­portwagen der Eisenbahnen, um der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche oorzubeugen. t , .

Staatssecretär Dr. v. Boetticher entgegnet, daß hierzu kein Bedürfniß vorliege, da die vorhandenen Maßregeln genügten.

Abg. Dr. Bürkiin (natl.) fragt, ob die Regierung ein Wein- aesetz vorzulegen gedenke. t _

Staatssecretär v. Boetticher erwidert, daß die Frage im Auge behalten werde. Wünschenswerth wäre es, wenn zunächst ein Ein- »erftändniß des HauseS über die wichtigsten Gesichtspunkte herzustellen versucht würde.

Abg. Dr. Bamberger: Es sei richtiger, wenn die Initiative von der Regierung ausginge. Der Entwurf könne auf Annahme zählen, wenn er sich an die Wiesbadener Beschlüsse anschlietze.

Abg. Dr. Lingens (Ctr.) wendet fich gegen die Bestrebungen auf Einführung der Feuerbestattung, die ihre Hauptwaffe in den sanitären Verhältnissen der Kirchhöfe fänden, weshalb diese fortgesetzt verbessert werden müßten.

Abg. Dr. Barth (dfr.) beantragt, unterstützt von seinen politischen Freunden, die Aufhebung des Verbots der Einfuhr von amerikanischen Schweinen, Schweinefleisch und Würsten. Mit diesem Verbote setze man sich dem Verdachte aus, unter der Maske sanitärer Nothwendig- keit protectionistischeu Bestrebungen zu huldigen. Es erbittere die Amerikaner, daß man ihre Solidität in Frage stelle, indem man ihre Waare für gesundheitsschädlich erkläre. Die Amerikaner thäten Alles, um den europäischen Eonsumenten die Sicherheit zu geben, daß ihre Waare gesundheitsschädlich nicht sei. Die betreffenden Bestimmungen seien sehr scharf. Die verbündeten Regierungen sollten die Auf­forderung der amerikanischen Regierung zur Aufhebung des Verbots nicht erst abwartm, sondern derselben zuvorkommen, um sich nicht Recriminationen auszusetzen, wie sie der französischen Regierung zu Theil geworden. Der deutsche Handel habe ein dringende» Interesse

an der Aufhebung des Verbots eines so wertbvollen Volksnahrungs- mittels. Das Verbot schädige zudem schwer unsere guten Beziehungen zu Amerika.

Staatssecretär Dr. v. Boetticher: Der einzige für den Erlaß des Verbots maßgebende Gesichtspunkt, der gesundheitliche, bestehe nach wie vor fort. Der protectionistische Gesichtspunkt fei nicht maßgebend gewesen. Es sei nachgewiesen, daß in Deutschland die Trichinose infolge Genusses amerikanischen Fleisches wiederholt aus­gebrochen sei. Während von deutschen Schweinen nur 0.60pEt. als trichinenhaltig befunden wurden, stellten sich von den amerikanischen 7pCt. als trichinös heraus. Die neuesten amerikanischen Schutz­bestimmungen würden in Amerika selbst noch als ungenügend erachtet. Die wirthschaftliche Bedeutung der Frage werde übertrieben; der Consum amerikanischen Fleisches sei vor dem Verbot keineswegs ei» so ausgedehnter gewesen, als man annahm. So lange die gesund­heitliche Gefahr des Consums amerikanischen Fleisches fortbestehe, müsse auch das Verbot aufrecht erhalten werden.

Abg. Schmidt-Sachsen (Soc.) befürwortet den Antrag auf Aufhebung des Verbots, durch welches den Arbeitern der Genuß vo» Schweinefleisch entzogen werde. Namentlich würden die sächsische» Textilarbeiter durch das Verbot schwer betroffen. Wenn der Antrag abgelehnt würde, so würden die, welche ihn zum Falle bringen, gewiß nicht im Sinne ihrer Wähler handeln. Die Aufrechterhaltung deS Verbots stehe im Widerspruch mit dem Grundsätze, den noch jüngst Seine Majestät der Kaiser dem Staatssecretär Stephan gegenüber über dm Verkehr bekundete.

Abg. Dr. Frege (cons.): Wenn Amerika Garantie für die Ausführung nur gesunden Fleisches schaffe, so werde der Aufhebung des Verbotes nichts im Wege stehen. Der deutsche Grundbesitz und besonders der Großgrundbesitz hätten die amerikanische Concurrenr in Schweinen nicht zu fürchten. Die Schutzzollpolitik habe wobl- thätig gewirkt. Die neuliche Abstimmung habe bewiesen, daß die 8ahl der Vertreter dieser Politik auch in diesem Hause angewachsm sei- das werde beruhigend im Lande und besonders auch unter de» Arbeitern wirken. (Widerspruch bei den Socialdemokraten.) ES möge dafür gesorgt werden, daß der ganz kleine Landwirth, der fich mit Schweineaufzucht beschäftigt, nicht durch Vexationen des ameri- kanifchen Großcapitals geschädigt werde. Redner weist schließlich die Versuche zurück, neben der Erregung der Unzufriedenheit in irdische» Dingen dem Volke noch seinm Glauben an die göttliche Vergeltung zu nehmen. (Beifall rechts, v. Bollmar ruft: Wir sind ja bei de» Schweüren.-Dr, Sr5mcl ^r). $n feinem Lande der Welt feie* die Holle auf die nothwendigstm Lebensmittel in so geradezu bar- barifcher Weise eingefühlt worden als bei uns. Ein Nachweis für die Nothwendigkeit der Beibehaltung des amerikanischen Schweine­einfuhrverbotes babe der Staatssecretär nicht beigebracht und dies damit motivirt, daß neuere Untersuchungen über die Beschaffenheit des amerikanischen Fleisches nicht angestellt seien, weil dasselbe ja nicht angeführt werden dürfe. Das Verbot laste schwer auf dem Volke- der Preis des amerikanischen Specks und Schinkens würde sich um die Hälfte billiger stellen als er für die inländischen Produkte gelte In England findet ein riesiger Consum amerikanischen Fleischer statt; wäre diesesZeug" so gefährlich, so müßte doch nachgerade schon jeder Engländer an der Trichinose erkrankt sein. Das Verbot fei bis auf Weiteres" erlassen; Staatssecretär v. Boetticher habe bem"eine Interpretation gegeben, die sich der Puttkamer'schm des Wörtchenssofort" würdig zur Seite stelle,

Gießen, den 20. Januar 1891.

Bett.: Die Ausstellung einer Statistik über die Zahl der schulpflichtigen epileptischen Kinder im Groß- herzogthum.

Die

Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

an die Schirlvorftärrde de- Kreise-.

Wir sehen innerhalb 14 Tagen Ihren Berichten in rubr. Betteff unter Einhaltung des nachfolgenden Schemas entgegen. Es find nur die zur Zeit schulpflichtigen epilepti­schen (fallsüchtigen) Kinder Ihrer Gemeinden auszuführen.

Wenn solche schulpflichtige Kinder nicht vorhanden sind, ist dieses ebenfalls b sichtlich anzuzeigen.

v. Gagern.