Deutsches Reich.
Darmstadt, 20. December. Die Erste Kammer der Stände wird am Dienstag den 29. d. Mts. behufs Erledigung einiger Gegenstände zu einer Sitzung zusammen- treten.
Berlin, 21. December. Auf dem parlamentarischen Sch lacht selbe ruhen nun vorläufig die Waffen, um erst im neuen Jahre wieder ausgenommen zu werden. Vor Allem werden sicherlich die Reichsboten den Eintritt der Weihnachtspause mit Genugthuung begrüßt haben, denn die achttägige Redeschlacht über die Zoll- und Handelsverträge stellte an die parlamentarischen Vertreter der Nation ungewöhnliche Anforderungen, dauerte doch fast jede dieser acht Sitzungen durchschnittlich sechs Stunden! Dafür hat nun auch der Reichstag die Handelsverträge noch vor dem Weih- nachtsseste unter Dach und Fach gebracht, wie dies die Regierung und die große Mehrheit des Reichstages von allem Anfang an beabsichtigten,' und Freunde der Verträge sind deß herzlich froh. Einen entschieden effectvollen Nachklang haben jedoch die langen handelspolitischen Debatten des Reichstages durch die bekannten Ansprachen des Kaisers beim Festmahle zur Einweihung des Teltower Kreiskrankenhauses und die Erhebung des Reichskanzlers v. Caprivi in den Grasenstand gesunden. Diese Kundgebungen des Monarchen haben seine hohe Befriedigung über die Annahme der Handelsverträge voll und ganz vor aller Welt zum Ausdruck gebracht i und überaus anerkennend klingen die kaiserlichen Worte sowohl bezüglich der Thätigkeit des Reichstages, als auch hinsichtlich der Verdienste des Reichskanzlers. Beide, das Parlament wie der leitende Staatsmann, dürfen stolz sein auf diese aus so erlauchtem Munde gezollte Anerkennung, und die Reichsboten wie der oberste Beamte des Reiches werden sich hierdurch gewiß nur angespornt fühlen, auch fernerhin mit allen Kräften für das Wohl des Vaterlandes zu wirken.
— Nach Neujahr wird sich der Reichstag zunächst mit der weiteren Berathung des Etats befassen, wobei namentlich beim Militär- und Marine-Etat lebhafte Debatten erwartet werden. Von bereits eingegangenen Regierungsvorlagen sind außerdem noch zu erledigen: Das Gesetz betr. die Immunität der Abgeordneten, die Novelle zum Krankenkassengesetz, letztere allerdings nur noch in dritter Lesung, die Vorlagen über die Bestrafung des Sclavenhandels, über die Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete, über das Reichstelegraphenwesen, über die Unterstützung der Familien von zu Friedensübungen eingezogenen Mannschaften und über die Einziehung der i österreichischen Vereinsthaler, außerdem ist der Handelsvertrag mit der Schweiz durchzuberathen. Ueber das anderweitige, für den Reichstag in Aussicht stehende Arbeitsmaterial, das Trunksuchtsgesetz, die Vorlage betr. die Abänderung des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz, das Weingesetz usw. sind endgiltige Entscheidungen noch nicht getroffen.
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Berlin, 21. December. Die „Nordd. Allg. Ztg." gibt den anläßlich der Annahme der Handelsverträge im deutschen Reichstage zwischen Kalnoky und Caprivi stattgehabten Depeschenwechsel wieder. Kalnoky telegraphirte: „Ew. Excellenz bitte ich als einer der überzeugtesten Mitarbeiter meine Freude und meine wärmsten Glückwünsche aussprechen zu dürfen anläßlich der Annahme der Handelsverträge im deutschen Parlament. Daß dies so mit überwältigender Majorität geschah, beweist, daß man in Deutschland die großen Ziele dieses Friedenswerkes ebenso zu würdigen weiß wie das eminente Verdienst, das Ew. Excellenz dabei zusällt und das von Ihrem Monarchen in so ehrender Weise anerkannt wurde." — Caprivi antwortete: „Ew. Excellenz sage ich meinen aufrichtigen Dank für den erneuten Beweis des warmen Anrheils an dem Fortgang unserer gemeinsamen Arbeit, der in Ihrem Telegramm zum Ausdruck kommt. Die Ueberzeugung, mich auch hierbei mit Ew. Excellenz eins zu wissen, ist und bleibt für mich von unschätzbarem Werthe."
Rom, 21. December. In Domo d'Ossola (an der Simplonstraße, westlich vom Lago Maggiore) erfolgte gestern Nachmittag 5 Uhr 36 Minuten ein drei Secunden langer Erdstoß. Die Häuser wurden erschüttert und die Bewohner sehr erschreckt.
London, 21. December. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Buenos Ayres von gestern: In Rio Grande ist es zwischen den Bundestruppen und der Nationalgarde zu einem Scharmützel gekommen. Nähere Nachrichten fehlen, da die telegraphische Verbindung unterbrochen ist.
Newyork, 21. December. Nach einem Telegramm aus Valparaiso zahlte die chilenische Regierung dem deutschen Gesandten für bte im März durch Balmaceda angeordnete Zurückhaltung des Dampfers „Romulus" 1000 Pfund Entschädigung aus.
Depeschen des „Bureau Herold".
Braunschweig, 21. December. Der Bankier Schönfeld wurde vom Landgericht wegen einfachen Bankerotts, zehn Betrugsfällen und drei Unterschlagungen zu 6 Jahren Gesängniß verurtheilt.
Hildesheim, 21. December. Definitives Resultat der Reichstags-Ersatzwahl: Sander, nationalliberal, 6623, Bauermeister, Centrum, 5944, Bertram, Socialdemokrat, 4593, Oelmann, Antisemit, 1810, Quensell, sreis., 1689 Stimmen. Die Stichwahl findet am 4. Januar 1892 statt.
Pest, 21. December. Im Abgeordnetenhause wurden die Handelsverträge einhellig angenommen. Handels- Minister Baroß betonte die loyale Vertragstreue Ungarns. Mehrere Redner wünschten, Frankreich möge sich die Worte des deutschen Kaisers beherzigen.
Petersburg, 21. December. Die „Nowostis" befürworten den Anschluß Rußlands, Frankreichs und Scan- dinaviens an die Zollliga, um einen europäischen Zollbund gegen Amerika zu schaffen.
Riga, 21. December. Der „Polizei-Zeitung" zufolge müffen die Lehrer und Schüler sämmtlicher Lehranstalten der orthodoxen und anderer christlicher Confessionen an allen hohen Feiertagen am griechisch-orthodoxen Gottesdienst bei Strafe der Ausstoßung aus den Lehranstalten theilnehmen.
Die diesjährige Ernte Nordamerikas.
Der Bericht des statistischen Bureaus zu Washington für November bringt Angaben über den Ernte-Ertrag 1891 pro Acre und zeigt hierdurch erst, wie colossal sich die Ernte Nordamerikas gestaltet. In 1890 wurden von der wichtigsten Frucht, vom Mais, pro Acre (— 0,40467 ha) 20,7 Bushel (— 0,35237 hl) gewonnen, was in deutsche Maße umgerechnet, 14,51 hl vom Hectar bedeutet. Das Jahr 1891 lieferte dagegen 26,6 Bushel vom Acre oder 18,6 hl vom Hectar, insgesammt reichlich 2 Milliarden Bushel Mais oder für jeden Kopf der Bewohner 31 Bushel — 8,79 hl. Diese Unmasse kann Amerika selbst nicht verzehren, obwohl Mais zur täglichen Nahrung für Mensch und Vieh dient, sondern muß einen Theil ans Ausland verkaufen. Das kann in natura, also als Mais, wie er geerntet wird, geschehen, ferner als Maismehl und Grütze, schließlich als Fleisch, da Mais bekanntlich daß beste und in Amerika fast ! das einzige Mastfutter ist.
In einzelnen Gegenden wurden colossale Mengen gewonnen, so in der Grafschaft Greane, Staat Illinois, auf Flußniederung 80—100 Bushel pro Acre — 56 bis 70 hl per Hectar. Da in 1890 nur 1489 Millionen Bushel geerntet wurden, stieg der Preis saft auf das Doppelte des Vorjahres und müßte dem jetzigen Ueberflusse entsprechend nun fallen, wenn nicht der starke Begehr des Auslandes ihn hielte. So war er denn an den amerikanischen Seehäfen während des October und November zwischen 70—60 Cents, ungefähr 10 Cents höher als im Vorjahre, und ist etwa 5 Cents gefallen, für spätere Lieferungen noch billiger. — Auch die Kartoffeln lieferten brillante Erträge, durchschnittlich 93,9 Bushel vom Acre, gegen 57,5 tm Vorjahre (65,73 gegen 40,25 hl vom Hectar), im Ganzen 225 Millionen Bushel gegen 125 in 1890. Die Amerikaner sind daraus ganz stolz, weil sie schon fürchteten, die Ertragsfähigkeit ihres Ackers für Kartoffeln habe abgenommen. Im October fingen einzelne Gegenden an, über Fäule zu klagen, indessen auch ! sie ist glücklich vorüber gegangen. Sie sind kein Ausfuhrartikel und der Ueberfluß hat daher den Preis unter die Hälfte geworfen- während der Bushel im Januar 1 Dollar kostete, bezahlt man ihn jetzt mit 40 Cents. Was Ausfuhr bedeutet, lehren uns hier Kartoffeln und Mais. Auch Baumwolle ist besser gerathen und wird auf 179 Pfund pro Acker gegen 168,1 in 1890 geschätzt- da Frost im Norden am 29. November eintrat, jedoch im Süden noch nicht, kann sich der Ertrag in letzterem noch etwas höher stellen. Tabak lieferte 748 Pfd. vom Acre gegen 721,1 im Vorjahre und halten sich die Preise hoch, weil die Sumatra-Concurrenz durch die neuen Zölle stark beschränkt ist. Diese Frucht liefert die höchsten Einnahmen vom Acre wegen der vielen Handarbeit, die sie verursacht, bis über 60 Dollar per Acre, steigt aber bis über 200 Dollar für seine Sorten, da das Hoyshead von 1—12 Dollar bezahlt wird. An Heu lieferte der Acre 1,18 t und da im Vorjahre 1,17 gewonnen wurden, ist hier allein eine Kleinigkeit, noch nicht l0/^, weniger geerntet, was durch die um ca. 1—2 Dollar höheren Preise, 9 Dollar für schlechtes, 14 für bestes, mehr als ausgeglichen ist.
Locales unö Krovinziellss.
Gießen, 22. December 1891.
— Im Museum des Geschichtsvereinß sind nun auch die von Hrn. Kamwerrath Fresenius in Assenheim gesammelten und dem Verein gütigst vermachten Alterthümer eingereiht worden. Außer einem prachtvollen Broncekelt bestehen dieselben aus einer größeren Anzahl von theilweise sehr wohlerhaltenen und zum Theil sehr großen Steinbeilen und einer Menge von mittelalterlichen eisernen Pfeilspitzen. Das Museum ist am Sonntag (dritten Feiertag) von 11 bis 1 Uhr geöffnet.
— Aus der Garnison. Es wurden befördert: die Vice- seldwebel der Reserve Bramm, Weiffenbach, Kammer und Zinßer vom Landwehrbezirk Gießen und der Vice- seldwebel der Reserve Cloeßner vom Landwehrbezirk Wetzlar zu Secondlieutenants der Reserve des Infanterie- Regiments „Kaiser Wilhelm" (2. Großh. Hessisches) Nr. 116- ber Viceselbwebel ber Reserve Bruns vom Landwehrbezirk Gießen wurde zum Secondlieutenant der Reserve des Infanterie- Regiments Herzog von Holstein (Holsteinschen) Nr. 85 befördert.
— Bei der Verloosuug des Kuustvereius für das Groß- herzogthum Hessen war diesmal die Abtheilung Gießen besonders vom Glück begünstigt: von 45 Gewinnen, ^worunter 19 Oelbilder, fielen 6 hierher und zwar von den Oelbildern der 1., 2. und 7. Gewinn - von den Kupferstichen, Farbenbildern 2C. der 1., 18. und 21. Gewinn. Es haben gewonnen: Herr Gymnasiallehrer Matthäi: „Aus der Hinterriß" von Stell (Tölz), Herr Professor Dr. Bose: „An der Amper" von Röth (München), Herr Bankier Wasserschleben: »Fleißige Scholaren" von Prof. Breling (München), Herr Commerzienrath Heyligenstaedt: „Empfang der Refugies durch den großen Kurfürsten" von Hugo Vogel, Herr PaScoe: „Unheimliche Begegnung" von Kowalsky, Herr Fabrikant Emil Sch mall: „Flora" von Tizian.
— Reise Verkehr. Zu unserer gestrigen Mittheilung, betr. die Ablassung von Vorzügen vor den aus der Strecke Caffel-Frankfurt verkehrenden fahrplanmäßigen Zügen tragen wir nach, daß am 24. December aus der Linie Gteßen-Deutz ein Vorzug abgelassen wird. Dieser Zug
wird vor dem um 5 Uhr 45 Min. hier abgesertigten Per- sonenzuge von Gießen abgehen.
— Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzogthums Hessen Nr. 19 enthält: 1) Kirchengesetz bom 25. November 1891, die Sterbequartale der Geistlichen betreffend. 2) Kirchengesetz vom 29. November 1891, den Vorsitz im Kirchenvorstand und im Pfarrcollegium betreffend. — Nr. 20 enthält: 1) Ausschreiben Nr. 30 vom 20. November 1891, betreffend die Verwaltung der Decanatskassen. 2) Ausschreiben Nr. 31, vom 19. November 1891, betreffend die an den evangelischen Centralkirchenfonds abzuliefernden Ueberschüsse der evangelischen Pfarreien. 3) Ausschreiben Nr. 32, betreffend die Erhaltung künstlerisch oder kunst- geschichtlich werthvoller kirchlicher Bauten. 4) Bekanntmachung, betr. die kirchliche Statistik für das Jahr 1891. 5) Dienstnachrichten. 6) Concurrenzeröffnung. 7) Nachricht.
— Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Leidhecken, Kr. Büdingen, mit einem jährliche« Gehalt von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Jngelhetm, Kr. Bingen, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalte von 1000—1600 Mk. Mit dieser Stelle ist ein Theil des Organistendienstes verbunden. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Ingelheim, Kr. Bingen, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalt von 1000 bis 1600 Mk.
— Schuldienst > Nachrichten. Am 6. December wurde dem Schulverwalter Karl Joses Freund zu Abenheim, Kreis Worms, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Radheim, Kr. Dieburg, — am 8. December wurde dem Schulamtsaspiranten Friedrich Frank aus Langen - Bergheim, Kreis Büdingen, die Lehrerstelle an der evangel. Schule zu Groß- Steinheim, Kr. Offenbach, übertragen; — an demselben Tage wurde ber von betn Herrn Grasen zu Erbach-Erbach auf bie erste Lehrerstelle an ber Gemeinbeschule zu Reichelsheim i. O., Kr. Erbach, präsentirte Schullehrer Heinrich Peter Bormuth baselbst für btefe Stelle bestätigt.
— Molkereiwefen. Die obere landwirthschaftliche Behörde gibt bekannt, daß sich vier Landwirthschastslehrer des Groß- herzogthums auf Veranlassung des Ministeriums an auswärtigen Anstalten theoretisch und practisch mit dem Molkereiwesen beschäftigt haben. Dieselben sind nunmehr angewiesen, innerhalb der ihnen zugewiesenen Bezirke Verbesserungen im Molkereibetriebe anzuregen und den vorhandenen Unternehmungen mit Rath und That kostenfrei beizustehen. Für Rheinhessen ist Landwirthschastslehrer Müller-Alzey, für Starkenburg Lang-Heppenheim, für die Kreise Alsfeld, Gießen und Lauterbach ist Leithiger-Alsfeld und für die Kreise Büdingen, Friedberg und Schotten Andrae-Büdingen mit den betreffenden Functionen betraut. Zu letzteren gehört auch die Abhaltung von Cursen zur Ausbildung von Molkerei- personal.
L. Reiskirchen, 19. December. Am 16. d. Mts. Abends fand der Briefträger H. Sch. von hier auf seinem Botengang zwischen Hattenrod und Reiskirchen einen Mann in dem stark mit Wasser gefüllten Grenzgraben, der sog. Goßholber, liegen. Es gelang Herrn Sch., nachdem er den Mann, einen 70jährigen Greis von Hattenrod, aus dem Wasser gezogen, denselben nach Hattenrod zu bringen. Der völlig erschöpfte Mann hatte wahrscheinlich in der Dunkelheit den Weg verfehlt und war in den Graben gerathen, in welchem er wahrscheinlich, wäre der Briefträger nicht des Weges gekommen, umgekommen wäre. Die That des Herrn Sch. verdient alle Anerkennung.
L. Reiskirchen, 19. December. Im Laufe der vergangenen Woche waren hier mehrere Arbeiter damit beschäftigt, einen alten Steinbruch zu verebnen. Zur Beseitigung größerer Gesteinsmassen mußten sie sich des Sprengpulvers bedienen, wobei eine Ladung versagte. Im Begriff, diese Ladung auszubohren, entzündete sich das Pulver- der eine ber Arbeiter trug eine schwere Handverletzung davon, die seine Verbringung in die Gießener Klinik nvthig machte, der andere wurde im Gesicht verletzt und mußte ebenfalls Hülfe in der Gießener Augenklinik (Balser'sche Stiftung) suchen.
Mücke, 21. December. Ein Dorf ohne Wirth - schast wurde vor Kurzem als eine große Merkwürdigkeit in verschiedenen Zettungen namhaft gemacht. Wirthshauslose Dörfer sind doch wohl gar nicht so sehr selten. In hiesiger Gegend befinden sich mehrere derselben, wie Klein-Eichen, Kirschgarten, Schadenbach. Ihre Zahl dürfte leicht noch zu vermehren sein. Gr. Anz.
□ Vom Vogelsberg, 21. December. So sehr man auch das trübe, regnerische Wetter der letzten Wochen müde und das Kommen des Winters ersehnt, zumal das Weihnachtsfest naht, wünscht man doch allgemein, daß Falb mit seiner Prophezeiung, am 22. d. Mts. würde Thauwetter eintreten, Recht behielte- denn der Winter beginnt ein so strenges Regiment zu führen, wie es Niemand eben erwünscht ist. Heute Morgen stand das Thermometer zwischen 8—9 Grad Kälte nach Reaumur. Die hochgeschwollene Ohm ist fast mit einer geschlossenen Eisdecke überzogen, was nur bei der strengsten Kälte des Winters zu geschehen pflegt. Auch ist die Schneedecke über der Saat zu leicht, um gegen eine solche starke Kälte genügenden Schutz bieten zu können. Da die Wiesenlachen durch das vorausgehende Regenwetter mit Wasser angefüllt waren, so haben diese sich jetzt in große Eisflächen verwandelt, waS leicht dem Graswuchs Schaben bringen kann wie im vorigen Winter.
Bad-Nauheim, 21. December. Badecommissar Major Freiherr v. Rots mann ist heute Nacht 2^ Uhr am Herzschlag gestorben.
Darmstadt, 21. December. Anläßlich des Ablebens be& ! Herrn Oberbürgermeister Ohly sand heute eine außer-


