ordentliche Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung statt. Albrecht Ohly war am 29. December 1829 zu Großen-Buscck bei Gießen als Sohn des dortigen Pfarrers — sein Bruder Emil Ohly, zuletzt Pfarrer in Ginsheim, ist ihm im vorigen Jahre im Tode vorangegangen — geboren, besuchte das Gymnasium zu Gießen, studirte von 1847—52 die Rechte und ließ sich später als Rechtsanwalt in Darmstadt nieder. Im Jahre 1873 wurde er durch das Vertrauen seiner Mitbürger an die Spitze der Verwaltung unserer Stadt berufen, in welcher Stelle er bis zu seiner Erkrankung unermüdlich thätig war. D. Ztg.
VemntschLes.
* Marburg, 21. December. Der bei der hiesigen Gasanstalt beschäftigte Arbeiter Jacob Fr ös aus Bürgeln wurde am Samstag Abend von einem jähen Tode ereilt. Derselbe benutzte den Abends 6 Uhr 30 Min. von hier nach Cölbe abgehenden Personenzug und ging von dort, um schneller nach Hause zu kommen, auf dem Bahndamme nach Bürgeln weiter. In der Nähe des Cölber alten Bahnhofs wurde er jedoch von einem Eilzuge der Main-Weser-Bahn erfaßt und zermalmt. Frös, ein 45jähriger Mann, war hier als ein sehr fleißiger, tüchtiger Arbeiter bekannt und hinterläßt eine trauernde Wittwe mit sieben Kindern, denen der Ernährer hinweggerafft wurde.
* Preisrückgang des Aluminium. Dem „Electrotechn. Anz." zufolge hat die Aluminium-Gesellschaft in Neuhausen den Preis für ein Kilogramm reines Aluminium soeben auf 5 Mk. ermäßigt. Noch vor Jahresfrist betrug der Preis 16 Mk. Wenn das so weitergeht, wird das Aluminium, das sich bekanntlich durch seine außerordentliche Leichtigkeit auszeichnet, bei gleichem Volumen bald billiger sein als Kupfer. Augenblicklich ist der Preis dieses Metalls noch um ein Fünftel höher.
* Tölz, 14. December. Wie dem „Bayer. Vaterland" gemeldet wird, ist man hier einem großen Schwindel auf die Spur gekommen. Die im Mai 1890 „entdeckte" Kaiserquelle, die „stärkste Jodquelle der Erde," hat sich nämlich als ein raffinirter Betrug entpuppt. „Ingenieur" (Maurerparlier) Bertsch, der Entdecker, hat, wie eine gerichtliche Untersuchung ergab, die neu entdeckte Quelle selbst mit Hülse eines sumpfigen Bächleins, das er durch einen mit Chemikalien gefüllten Mischkessel leitete, eigenhändig fabricirt. Sofort hat sich seiner Zeit eine Gesellschaft gebildet, die sich unter der Firma „Kaiserquelle Jod-Bad Tölz, M. Schall, K. Bertsch & Cie." als Commanditgesellschast constituirte. Die Analysen der Quelle waren gradezu staunenerregend durch den großen Gehalt von Natron, Bicarborn, Kochsalz, Jodnatrium und Bromnatrium. Viele tausend Bäder zu je 2 Mark, ebenso viele Flaschen Mineralwasser, Jodsoole und Jodseife wurden in der letzten Saison verkauft. Im „Tölzer Kurier" macht der Staatsanwalt beim Landgericht München II. bekannt, daß gegen den Kreidebruchbesitzer Karl Bertsch daselbst wegen Betrugs die Beschlagnahme des Vermögens verfügt worden sei. In demselben Blatte wird vom Amtsgerichte Tölz das Concursverfahren gegen eben denselben eröffnet. Bertsch ist flüchtig.
U«ivevfitätr - Kacbrid^eie»
Marburg, 19. December. Dem Herrn Profeffor Dr. F. Jufti in der philosophischen Faculrät der hiesigen Universität ist der Character als Geheimer Regierungsrath verliehen worden.
— Aus Leipzig wird berichtet: Der an Stelle des unlängst verstorbenen Kunsthistorikers Pros. Dr. Anton Springer berufene Pros. Dr. Juftt in Bonn hat den an ihn ergangenen Ruf abgelehnt. Dagegen wird der hiesige Professor der Theologie Dr. Zahn dem Rufe an die Universität Erlangen, wo er bereits früher als Docent gewirkt hat, Folge leisten.
— Aus Straßburg wird geschrieben: Das „Elsässer Journ." berichtet, daß btr hresige Kunsthistoriker Prof. Dr. Janttschek als Nachfolger Springers nach Leipzig berufen worden ist. Das Ausscheiden Jinttschrks aus dem hiesigen akademischen Lehrkörper würde ein schwerer Verlust für die Kaiscr-Wilbelms^Universität bedeuten, an der Janttschek bisher eine so erfolgreiche Lehrtätigkeit entfaltet hat; eine verhältnißmäßtg sehr große Zahl von hervorragend tüchtigen jungen Kunsthistorikern ist aus der Straßburger Schule Janttschrks hervorgegangen. Gleichzeitig wäre der Weggang des genannten Gelehrten auch im Interesse der Kunstpflege im Allgemeinen sehr zu bedauern. So ist er es gewesen, dem neben Bode das glückliche Zustandekommen der neuen Straßburger Gemäldegalerie in erster Lmie zu danken ist. Hoffentlich gelingt es, Herrn Janttschek in seiner Straßburger Thättgkeit festzuhalten.
Verkehr, £anb» und Volksrvirthschaft.
«ietzen, 22. December. Marktbericht. Aus dem heurigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 1,10—1,20, Hühnereier 1 St. -, 2 St. 15—17 Enteneier 1 St.--2 St. -
Käse pr St. 7—9 H, Käsematte pr. St. 8 H, Erbsen pr. Liter 20 4s, Linsen pr. Liter 30 X Tauben pr. Paar X 0,60 —0,00, Hühner pr. Stück X 0,85—1 00, Hahnen pr. St X 0,70—1,20, Enten pr. Stück X 1,50-1,70, Ochsenfletsch pr. M 70—76 H, Kuh- und Rindfleisch 62—66 Schweinefleisch 60-70 H, Hammelfleisch 50—70H, Kalb' fleisch 54-60 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 7,50—8,50, Weißkraut pr. St- 4—10 X Zwiebeln per Eentuer X 6,50—7,50, Milch per Liter 12-18 4, Gänse 48-62 H.
Was, dieser kleine Kasten soll 3 Mark kosten r in dem Bazar gegenüber bekomme ich für denselben Betrag einen viel größeren Steinbaukasten! Das glaube ich schon, erwiderte der Verkäufer, das sind Nachahmungen, bei mir dagegen bekommen Sie nur echte Anker-Steinbaukasten; nehmen Sie diesen Kasten nur ruhig mit, wenn er auch kleiner ist, Sie werden trotzdem viel mehr Freude damit bereiten, als mit den größeren Nachahmungen. Der Käufer nahm den Kasten, schien aber doch nicht recht befriedigt zu sein. — An dieses Vorkommniß wurde ich erinnert, als ich bei meinem diesjährigen ersten Weihnachtsrundgang vorwiegend nach Anker Stetnbaukasten fragen hörte. Ich suchte deshalb den mir zufällig bekannten vorjährigen Käufer auf und fragte ihn, wie er mit dem kleinen Kasten zufrieden gewesen sei. „O, sehr put, man sieht es dem Dinge nicht an, welche Fülle von Unterhaltung darin steckt, ich kaufe diese Weihnachten einen Ergänzungskasten! So ost ich mit meinem Jungen zusammen baue, freue ich mich darüber, daß ich mich seiner Zeit nicht durch die Größe der Nachahmung verleiten ließ, diese zu kaufen, denn ich habe bei einem Bekannten einen solchen Kasten gesehen, das ist gar nichts gegen meinen Kasten." Einige Tage später hatte ich Gelegenheit, ein gleich günstiges Urtheil über die Anker-Stetnbaukasten zu hören, Eltern und Kinder find ganz entzückt von den Vrachtbauten und erfreut über die Einrichtung, vermittelst Ergänzungskasten den Stein- und Büchervorrath jedes Jahr vergrößern zu können. Ich glaube deshalb allen Eltern diesen gediegenen Geschenk-Artikel in erster Linie mit dem Bemerken empfehlen zu sollen, daß die Rtchter'sche Anker-Stetnbaukasten-Fabrk in Rudolstadt auf Wunsch gern Jedermann eine Preisliste zusendet.
Literat«» u«6 A««st.
— Nr. 12 (3. Jahrgang) der Wochenschrift zur Unterhaltung und Belehrung für junge Mädchen »DaS HarrSmütierchen" ist
erschienen und hat folgenden Inhalt: Hauöwirthschaftlicher Thell: Wochenspruch. — Bilde den Geist. — Eifersucht. — Briefe einer Lehrerin an ihre ehemalige Schülerin. — Das Wort der Frau. — Gern und ungebeten. — Der Schuh. (Schluß.) — Heidnische Nachklänge in unseren Weihnachtsgeschenken. — Handarbeiten. - Küchenzettel und Reccpte. — Unterhaltender Thetl: Weihnachten im Schnee. Eine heitere Geschichte. (Schluß.) — Stille Tiefe. — Bunte Ecke. — Bücherschau. — AuSkunflsecke. — Briefkasten. — Anzeigen. — Abonnements auf das „Hausmütterchen" nehmen sämmtliche Post- anstalten und Buchhandlungen entgegen. Probenummern werden jederzeit gratis abgegeben von dem Verlage: Emil Kaulfuß tu Ueckermünde.
Lingesandt.
Gieße«, 22. December.
Der Veteranen-Verein Gießen pflegt alljährlich dm 18. August, den Tag der Schlacht bet Gravelotte, festlich zu begehen und hatte seither zu dieser Festlichkeit alljährlich Einladungen an daS hiesige Regiment, insbesondere an die Herren Offiziere und Unter- ossiztere ergehen lasten.
In früheren Jahren nahmen in Folge dessen sowohl Vertreter der Herren Offiziere, als auch fast das gesammte UnteroffiztercorpS an der Feier Theil. Im Gegensätze hierzu hielt sich in diesem Jahre plötzlich das Militär fern. Wie verlautet, auf Wunsch des Herrn Eommandeurs.
Man hielt es auch nicht einmal für angezeigt, für die Einladung des Deteranen-Vereins seinen Dank auszusprechen.
Die Gründe für dieses Vorgehm kennen zu lernen, wäre sehr erwünscht.
Zweifelsohne ist angesichts des erwähnten Vorkommnisses die Besorgniß gerechtfertigt, daß über die Ziele und die Thättgkeit des Veteranenvereins bei einem Theile des Publikums unrichtige Vorstellungen bestehen. Um diesen und etwaigen falschen Gerüchten zu begegnen, soll deshalb hier Folgendes rnitqethetlt werden.
Zweck des Veteranen-Veretns ist: Aufrechterhaltung der kameradschaftlichen Beziehungen seiner Mitglieder und Unterstützung noth- leibenber Kameraden.
Der Verein hat es zu seiner Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die glorreichen Tage von 1870 und 1871 im Volke wach zu erhalten; er bestrebt eine angemessene Feier der nationalen Gedenktage; bewahrt den im Feldzuge gefallenen oder verstorbenen Kameraden ein liebevolles Andenken, sorgt für Erhaltung derer Gräber und läßt eS sich nicht nehmen, die Hinterbliebenen verstorbener Mitglieder am Weihnachtsabend angemessen zu bedenken.
Der Veteranen-Verein steht fest in Treue zu Kaiser und Reich. Er steht aber dem politischen Parteigetriebe vollständig fern und erachtet jede politische Thättgkeit für unvereinbar mit den Bestrebungm des Vereins.
Derselbe ist ein Localverein und schließt sich keinem Verbände an. Mitglied kann nur werden, wer an einem Feldzuge Thell genommen hat.
Wenn gleichwohl seit dem Jahre 1885, dem Gründungsjahre, bis jetzt sich die Zahl der Mitglieder des Vereins von 50 auf 130 erhöht hat — obschon naturgemäß die Zahl der Veteranen sich jedes Jahr verringert —, wenn ferner die finanzielle Lage des Verein- eine günstige genannt werden darf und eine Sicherheit dafür bietet, daß der Verein auch in Zukunft den Aufgaben, welche er sich gestellt hat, gerecht werden kann, so konnte der Verein darin einen Beweis dafür finden, daß im Publikum sein Bestreben und seine Thätigkeit verdimtermaßen gewürdigt werden. Möge das auch sernerhin der Fall sein! Der Verein wird ungeachtet aller Anfeindungen auch in Zukunft seinen Bestrebungen treu bleiben.
Der Vorstand des Veteranen-Vereins.
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Die Benutzung des Schweinemarkt- platzes zur Förderung _ des in der Lahn gewonnenen Eises soll für diesen Winter Mittwoch, 23. l. M., Vormittags 10 Uhr, an Ort und Stelle öffentlich verpachtet werden.
Gießen, den 21. December 1891. Großh. Bürgermeisterei Gießen.
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Wir ersuchen danach alle Diejenigen, welche in der Lage sind, Arbeitskräfte zu dauernder oder vorübergehender Beschäftigung zu suchen, sich wegen des Nachweises von solchen zunächst an unser Armenamt (Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 6) gefälligst zu wenden.
Laufdienste, leichtere Taglohnarbeiten, Strick-, Näh-, Bügel- und Wasch-Arbeit, sowie schriftliche Arbeiten werden fast beständig von einer Anzahl unserer Armen gesucht.
Gießen, dm 27. November 1891.
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