das Coalitionsrccht gemißbraucht werde. Trotzdem würde sich eine Beschränkung desselben nicht empfehlen.
Abg. v. Kardorff (Rp.) erklärt, für ihn sei die Annahme des § 153 der Regierungsvorlage die conditio sine qua non für die Annahme des Gesetzes überhaupt. Er könne sich der Meinung nicht anschließen, die vielfach laut geworden, daß es das beste wäre, auf jeden gesetzlichen Schutz gegen die soctaldcmokratische Bewegung zu verzichten, damit diese bet der Unterdrückung der daran unausbleiblichen Ausschreitungen mit unterdrückt werde. Gegen den Massen- Eontractbruch u. s. w. würde sich eine ähnliche Bestimmung empfehlen, wie sie in Frankreich bestehe: Entziehung des Wahlrechts auf Zeit.
Abg. Singer (Soc.): Die Socialdemokraten lassen sich angesichts ihrer heute so ungünstigen Position nicht vrooociren. Der Boycott sei eine Waffe in dem Kampfe um die Gleichberechtigung der Arbeiter, die sie benützen werde, so lange der Kampf währe. Die Angst der Bourgeoisie am vorigen 1. Mai sei der Ausdruck des dösen Gewissens. Sie habe eigentyümliche Blüthen erzeugt, so sei in Dresden das Militär consignirt worden. Werde der soctaldemokrattsche Antrag abgelehnt, so werde man unter den Arbeitern wissen, daß es sich bei diesem Gesetze weniger um den Schutz der Arbeiter als um den Schutz der Unternehmer-Interessen handle.
Bundescommissär Senator Burchardt weift dem Vorredner gegenüber nach, daß, trotzdem das Eoalitionsrecht der Arbeiter in Hamburg nicht beschränkt gewesen, dasselbe in ärgster Weise gemißbraucht worden. Am 1. Mai v. I. seien auch die Soctaldemokraten nicht sicher gewesen. (Zuruf.) Glauben Sie wirklich, daß Sie die Hunderttausende an dem Tage an der Hand haltend (Jawohl! Bei den Socialdemokraten). Daß die Behörden am 1. Mai Vorsichtsmaßregeln trafen, war ihre Pflicht.
Hieraus wird Vertagung beschlossen.
Donnerstag: Kleine Vorlagen.
Ne«este Nachrichten.
Wolfis telegraphisch«^ Äorrcspondmz-Bureatt
Berlin, 21. April. Abgeordnetenhaus. Landgemeindeordnung. Die Paragraphen 15 bis 43 wurden durchweg nach den Beschlüssen der zweiten Lesung, § 44 mit »dem Zusatz, wouach für nicht angesessene Stimmberechtigte, "deren Stimmrecht ruht, ein commissarischer Vertreter zu wählen ist, und die Paragraphen 45, 46, 47 mit kleinen redactionellen Aenderungeu angenommen. Zu $ 48 (Verkeilung der Stimmen in der Gemeindeversammlung) wird der bekannte Compromißautrag der Conservativen, Freicon- servativen und Nationalliberaleu, womit der Minister Herr- surth sich einverstanden erklärt hatte, angenommen. § 74 (Verwaltung der Landgemeinden) wird mit dem Antrag Rickert, wonach bei den Gemeinden mit nur zwei Schöffen ein Stellvertreter zu wählen ist, § 75 (Wahlvorstand mit Antrag Richter, wonach Gemeinden über 3000 Seelen einen besoldeten Gemeindevorsteher wählen können) angenommen, ebenso die übrigen Paragraphen bis 108 unverändert oder unerheblich verändert genehmigt. — Fortsetzung Donnerstag <11 Uhr.
Berlin, 21. April. Für den Schillerpreis gewählt und Vom Kaiser bestätigt wurden: Theodor Fontane- Berlin und Klaus Groth- Kiel.
Esten, 21. April. Laut der „Rhein.-Westf. Zeitung" wurde der Bergarbeiterstrike auf Zeche „Vereinigte Seller- beck" heute Morgen beendet. Auf Zeche „Eintracht Tiefbau" sind auf Schacht I angefahren 156 Mann, auf Schacht II 61 Mann, im Ganzen 73 Mann mehr als gestern.
Esten, 21. April. Nach der „Rhein.-Westf. Zeitung" fuhren heute Morgen auf der Zeche „Fröhliche Morgensonne" bei Wattenscheid von 674 Bergarbeitern nur 271 an, ohne den Grund der Nichtanfuhr anzugeben. Da die Zeche „Morgensonue" an die Zeche „Eintracht" stößt, so wird ver- muthet, die Leute der ersteren seien von denen der letzteren zum Strike bewogen worden.
Esten a. d. Ruhr, 21. April. Der „Rh.-Westf. Ztg." zufolge brach heute Nachmittag auch auf Zeche „Centrum" bei Wattenscheid wegen des Ausstandes auf der benachbarten Zeche „Fröhliche Morgensonne" ein Th eilstrike aus. Während noch die gesammte Morgenbelegschaft angesahren war, verweigerten von der 441 Mann zählenden Belegschaft der Nachmittagsschicht 236 die Anfahrt, lieber Tage arbeitet Alles. Außerdem fuhren gleichfalls Nachmittags nicht an die Belegschaften der Zechen „Hasenwinkel" (1078 Mann) und „Friedlicher Nachbar" (446 Mann) bei Dahlhausen a. d. Ruhr in unmittelbarer Nähe der Zeche „Eintracht Tiefbau".
Köln, 21. April. Nach einer Mittheilung der „Köln. Ztg." aus Wattenscheid brach der Aus stand auch auf den Zechen „Baaker Mulde" und „Holland" im Bezirk Dahlhausen aus. In Bochum finden morgen ebenfalls viele Arbeiterversammlungen statt. Im Dahlhausener und Bochumer Bezirk wird für Donnerstag oder Freitag der Ausbruch eines allgemeinen Ausstandes erwartet.
Bordeaux, 21. April. Die hiesige „Import- und Export- Liga" nahm eine Resolution an, welche auf die mißlichen "Folgen der Zollerhöhungen insbesondere für Rohstoffe hinweist und die Regierung eindringlich auffordert, im Interesse der Stabilität der nationalen Production dauernde Handelsverträge abzuschließen.
Bordeaux, 21. April. Die Actionäre der Bordeaux- Newyorker Dampsschifffahrtsgesellschaft „Compagnie Bor- delaise“ beschlossen gestern, angesichts der fortdauernden Abnahme des Getreidetransports infolge des Verbots der Einfuhr gesalzenen Fleisches, sowie der beabsichtigten französischen Getreidezölle und amerikanischen Repressalien (Mac-Kinley-Bill) zu liquidiren. Demnächst erfolgt der öffentliche Verkauf der Schiffe der Gesellschaft.
Arras, 21. April. Das Bergarbeitersyndicat des Pas de Calais wird anläßlich des 1. Mai zur Unterzeichnung von Petitionen auffordern, die die Beschwerden der Arbeiter darlegen und von jeglichen Straßendemonstrationcn abrathen.
Brüste!, 21. April. Die hiesige Vereinigung der Arbeiterpartei wird durch Maueranschläge und ein Manifest, welches sie in 100,000 Exemplaren vertheilen läßt, die Arbeiter auffordern, am 1 Ai a i an der Kundgebung zu Gunsten des achtstündigen Arbeitstages und des allgemeinen Stimmrechts theilzunehmen.
La Croyere, 21. April. Einige Walzwerkarbeiter, welche seit sechs Wochen strikten, nahmen heute die Arbeit wieder auf. Zahlreiche noch Strikende versammelten sich vor dem Ausgange der Werkstätten und wurden durch Geus- darmerie und Polizei zerstreut. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen.
Mons, 21. April. Der Ausstand im Kohlenbecken des Borinage verringert sich. Nur noch 900 Arbeiter sind ausständig.
London, 21. April. Die Mannschaften der ersten Compagnie des dritten Grenadierbataillons, dessen Kaserne sich in Chelsea befindet, weigerten sich heute früh, nach dem gegebenen Signal, ihre Stuben zu verlasseu und zu felddienstmäßigem Exerziren anzutreten. Die Leute sind sehr unzufrieden, vorgeblich wegen Ueberlastuug und zu großer Strenge im Dienst.
Rom, 21. April. Alte Polizeicommissare werden laut „Fansulla" am 25. April eine Verordnung veröffentlichen, wouach am 1. M a i Versammlungen und nicht staatsfeindliche Reden gestattet, öffentliche Auszüge jedoch verboten werden.
Petersburg, 21. April. Ein heute veröffentliches Gesetz untersagt jüdischen Handwerkern, zu denen das Gesetz auch Mechaniker, Branntweinbrenner und Bierbrauer rechnet, die Uebersiedelung nach Moskau und das Moskauer Gouvernement.
Locales «nfr provinzielles.
Gießen, 22. April.
— Der gestrige Vortragsabend des Herrn Electrotechniker W. H. Berner, verbunden mit Productionen des Phonographen, war leider nicht so zahlreich besucht, wie in Anbetracht des Vortragsgegenstandes erwartet werden durfte. Herr Berner leitete die Productionen mit wissenschaftlichen Erklärungen und Erläuterungen der Schallerscheinuugen ein. Was den praktischen Gebrauch des Phonographen betrifft, so hat Herr Berner dargethan, daß dieser in Bezug auf Deutlichkeit der Wiedergabe anvertrauter Gespräche, Gesänge und Musikstücke Vorzügliches leistet; Bruchstücke aus Glanzrollen berühmter Schauspieler, Trompeten-Solis bekaunter Musiker, schon vor mehreren Jahren auf den Phonographen übertragen, wurden den Zuhörern ebenso getreu vorgeführt, wie die Klänge von Militärcapellen und die besondere Heiterkeit erregenden Märsche und Walzer einer Straßenmusikcapelle; bei letzterer glaubte man fast die verfrorenen Gesichter derMusikantenzu sehen. Der Uebertragung zweier Pistonsolos eines hiesigen Militärmusikers folgte die sofortige vortreffliche Wiedergabe bis in die kleinsten Nüaucen. Große Heiterkeit erzielte auch das Lachcouplet eines Casseler Hofschauspielers. Gegen Schluß des Vortrags sprach noch Herr Geh. Hofrath Professor Br. Ducken ungefähr Folgendes in den Apparat: Ich habe im Jahr 1878 zuerst den Phonograph in Paris gesehen, ich freue mich, constatiren zu können, daß der Apparat seitdem wesentliche Fortschritte gemacht,- während der ältere Apparat recht unvollkommen war, ist dieser Phonograph sehr leistungsfähig, sowohl Sprache wie Musik giebt er ganz vorzüglich wieder, der Apparat dürfte später im öffentlichen Leben, bei Gerichtsverhandlungen zur Ausnahme der den Zeugen vorgelegreu Fragen wie der von diesen gegebenen Antworten eine große Rolle spielen u. s. w. — Zum Schluß verband nun Herr Berner den Apparat noch mit den Hörschläuchen, und hörte man nun einen Militärmarsch in geradezu staunenerregender Reinheit und Deutlichkeit. Die Vorführungen des Phonographen in- teressiren nicht nur wissenfchaftlich, sie sind auch geeignet, zu erheitern, und sonach in doppelter Hinsicht eines Besuches werth. Aus die heute und morgen Abend noch stattfindenden Vorträge in Steins Garten wird besonders aufmerksam gemacht.
— Die 20. Sitzung des hessischen Eisenbahnraths wird am 30. April in Darmstadt stattfinden. Außer den Verhandlungen über die auf der Oberhessischen Bahn, Main- Neckar-Bahn und Hessischen Ludwigsbahn geplanten Fahrplanänderungen enthält die Tagesordnung folgende Be- rathungsgegenstände: Antrag Frankfurt: Ermäßigung der Arbeiter-Rücksahr- und Arbeiter-Wochenkarten von 1,33 auf 1 Pfennig pro Kilometer, analog dem Vorgehen der preuß. Staatsbahn. Antrag Frankfurt: Erstellung directer Billets zwischen Cöln, Coblenz und Bad Salzschlirf. Antrag Worms: Einlegung eines Localzugs zur Ermöglichung einer Früherverbindung von Worms nach Frankfurt. Antrag Hanau: Der Großh. Hess. Eisenbahnrath wolle befürworten, bei einer Aenderung der Personentarise die auf der Hess. Ludw.-Bahn, Main-Neckar-Bahn und Oberhejsischen-Bahn bestehenden Sonu- tagsbillets in seitherigem Umfange, zu seitherigen Preisen und zu seitherigen Tarisbestimmungen beizubehalten. Antrag Frankfurt: Befürwortung eines Ausnahmetariss für Braunkohlen. Antrag Frankfurt: Ausdehnung des preußischen Ausnahmetariss für landwirthschaftliche Artikel auf die Hess. Bahnen. — Außerdem gibt die Tagesordnung Mittheilung, daß vom Jahre 1892 au der Beginn der Sommersahrplanperiode auf den 1. Mai in Aussicht genommen sei.
+ Hungen, 21. April. Gestern Abend starb dahier der hiesige^ Großherzogliche Bürgermeister Georg Bender. Siebzehn Jahre lang stand der Verstorbene als Bürgermeister unserem Gemeinwesen vor und genoß derselbe die Hochachtung aller hiesigen Einwohner. Seit einiger Zeit litt er an einem Halsleiden, welches sehr rasch zunahm und dem Leben des noch sehr rüstigen, im 64. Lebensjahre stehenden Mannes ein Ziel setzte. Friede seiner Asche!
Schlitz, 21. April. Zu Ehren Seiner Majestät des Kaisers findet auf Anregung des Herrn Grafen von Görtz am Montag den 27. ds. Mts. eine Auffahrt der Bauern des ganzen Schlitzerlandes in Nationaltracht mit Zweigespann und Viererzug in Schlitz statt und wird sich dieselbe zu einem Schauspiel gestalten, welches selbst einem deutschen Kaiser neu sein dürste.
-1-. Nidda, 19. April. Gestern wurde hier der Grundstein zu der neu zu erbauenden Handwerkerschule gelegt. Es fand unter Theilnahme der Mitglieder des Ortsgewerbevereins, des Stadtvorstandes, des Vorstandes der Spar- und Leihkasse eine der Bedeutung des Actes entsprechende Feier statt, bei welcher Herr Decan Hofweier die Festrede hielt. Herr Bürgermeister Rullmann verlas die zur Einmauerung bestimmte Urkunde, die von dem Vorsitzenden des Gewerbe- Vereins, Herrn Carl Ringshauseu, in die Mauer ciugefügt wurde.
Butzbach, 21. April. Um dem immer mehr hervortreteudew Bedürfniß nach Leibesübung unter Männern, welche die Jugend hinter sich haben, zu genügen, hat der Turnverein in seiner letzten Versammlung einen Turnabend für ältere Herren beschlossen. Unter Leitung eines Vorstandsmitgliedes sollen minder schwierige Volks- und Gerütheübungen gepflegt und dadurch eine passende Gelegenheit der Erholung geschaffen, werden. — Ein schändlicher Bubenstreich ist in den Nacht zum Montag in dem hiesigen Realschulgebäude aus- sührt worden. In den Schulsaal der 4. Klasse wurde durch ein nach dem Garten gelegenes und geöffnet gewesenes Fenster eingestiegen, dortselbst ein Theil des Ofens abgebrochen und aus den Fußboden gestellt, sowie die große Schultafel mitgenommen und in einen benachbarten Garten über eine mehrere Meter hohe Mauer geschleudert, woselbst man sie nach langem Suchen vorsand.
B. Stockhausen i. Vogelsberg, 19. April. Der gestrige Tag brachte unserem Orte ein Fest, wie es in unserer jubiläumsfrohen Zeit wohl nicht oft gefeiert wird. Die allseitig geliebte und hochgeachtete Schwester und Vorsteherin der hiesigen Kleinkinderschule, Fräuleiu Cäcilie Geismar, beging den 25. Jahrestag ihrer Wirksamkeit als Schwester. Hervorgegangen aus dem Schwesternhaufe zu Nonnenweier verbrachte sie 24 Jahre ihrer segensreichen Thätigkeit in unserer Gemeinde und erwarb sich während dieser Zeit die Liebe und Hochachtung Aller. Dies zeigte sich deutlich an ihrem gestrigen Ehrentag, den in würdigster Weise zu gestalten sich die Bewohner Stockhausens nicht hatten nehmen lassen. Von auswärts waren eine große Zahl Gäste ein- getroffen, darunter der Leiter der Mutteranstalt Nonnen-» weier, Herr Director Brandt, und die Schulschwestern von Gießen, Lauterbach uud Hersseld, die auf festlich geschmücktem Wageu von Lauterbach abgeholt wurden. Die Feier selbst verlief in schönster Harmonie. Eingeleitet wurde sie durch eine Conferenz der Schwestern, die Samstag Nachmittags unter Leitung des Herrn Director Brandt in der Kleiutinder- schule stattfand. Sonntag Mittag 1 i/i Uhr setzte sich ein stattlicher Zug, an dem sich fast die ganze Gemeinde beteiligte, von der Kleinkinderschule nach der sinnig decorirten Kirche in Bewegung. Hier fand der kirchliche Festact in der Rede des Herrn Brandt seinen Gipfelpunkt. Den würdigen Schluß der Feier bildete die Bewirthung der Festtheilnehmer seitens der Protectorin der Kleinkinderschule, Freifrau Martha Riedesel, zu Eisenbach. Unter den zahlreichen Geschenken, die der Jubilarin als Zeichen der Verehrung und Anhänglichkeit dargebracht wurden, ist besonders ein massiv silbernes Kreuz zu erwähnen, dessen Vorderseite geschmackvolle Gravirungeu zieren, während die Rückseite die Jahreszahlen 1866 und 1891 trägt. Die gütige Spenderin dieser Gabe ist die ebenerwähnte hohe Dame.
= Frankfurt a. M., 21. April. Die feierliche Eröffnung der internationalen electrotechnischen Ausstellung findet, laut Mittheilung des Vorstandes, Samstag den 16. Mai, 12 Uhr Mittags statt. — Das Project, Offenbach zur Badestadt zu machen, nimmt immer greifbarere Gestalt an. Wie von dort berichtet wird, hat der Besitzer der Kaiser-Friedrich-Quelle, Herr A. Neubecker, sich bereit erklärt, der Gründung eines Actienunternehmens zuzustimmen. Die Stadtverordneten werden sich kommenden Donnerstag mit der Frage beschäftigen, ob die städtischen Promenaden der im Entstehen begriffenen Actiengesellschaft unentgeltlich zur Errichtung eines Kurhauses mit der Verpflichtung der Unterhaltung der Anlagen, zur Verfügung gestellt werde.— Die Crematorium-Frage in Offenbach ist noch nicht endgültig entschieden. Die Hessische Regierung soll durchaus nicht gewillt sein, die Leichenverbrennung im Großherzogthum zu gestatten und binnen Kurzem eine generelle Verfügung des Ministeriums erfolgen. In diesem Falle werden, wie aus Offenbach geschrieben wird, die beteiligte« Kreise Schritte thun, von denen man Erfolg erhofft.
* Beim Musterungsgeschäft in Heidelberg ereignete sich folgendes spassige Intermezzo. Ein Gestellungspflichtiger wurde gefragt, ob er denn mit Pferden umzugehen wisse? Hierauf erfolgte die bedeutsame Antwort: „Nein, ich habe bis jetzt nur beim Rindvieh gedient." Allgemeines Gelächter war selbstverständlich die Folge dieser freimüthigen Antwort.
* Leipzig, 13. April. Der Deutsche Verein für öffentliche Gesundheitspflege hält seine siebzehnte Versammlung in den Tagen vom 17. bis 20. September, d. I. hier, unmittelbar vor der am 21. September beginnenden Versammlung Deutscher Naturforscher uud Aerzte in Halle a. d. S. ab. Die Tagesordnung ist wie folgt festgestellt: 1) Antrag des Ausschusses bctr.: „Systematische Untersuchungen über die Selbstreinigung der Flüsse." Referent: Oberingenieur F. Andreas Meyer (Hamburg). 2) Die Handhabung der Gesundheitspolizei in Bezug auf Benutzung der Wohnung und ihrer Einrichtungen. Referenten: Stadtbaurath Stübbeu (Köln), Oberbürgermeister Zweigert (Essen). 3) Sanatorien für Lungenkranke. Referent: Geheimrath Professor Dr. von Ziemßen (München). 4) lieber die Anforderungen der Gesundheitspflege au die Beschaffenheit der Milch. Referent: Profefsor Dr. Soxhlet (München). 5) Wie sind Abdeckereien in großen Städten einzurichten? Referent: Geh. Medinalrath Professor Dr. Franz Hofmann (Leipzig). 6) Die Schulspiele der deutschen Jugend. Vortrag von Turninspector Hermann (Braunschweig).


