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C. A

Freitag dm 23. Januar

1891

Nr. 19

Kichener Anzeiger

Keneral-Wnzeiger

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Oe iLlmsk-cM-Buceaux des In« mtb Auslandes nehm« Anzeigen für btnGießener Kngeigec* mtgegev

AinLLiel-ev Thril.

Gießen, den 20. Januar 1891. Betr.: Die Fleischbeschau.

Das Grostherzogliche Kreisamt Gießen

au G^oßb PolizsLamt Gießen und die Großh.

Bürgermeistereierr btt Landgemeiuden des KreiseS.

Soweit Sie mit Einsendung der Tagebücher der Fleisch­beschauer und Fleischbeschauer-Stellvertreter an das zuständige Großh. Kreisveterinäramt noch im Rückstand sind, werden Sie an Erledigung mit 8 Tagen Frist erinnert

Hierbei bemerken wir, daß die Einträge aus den Monaten October bis December enthaltenden Tagebücher abzuliesern find. (Bgl. Verfügung vom 30. Mai 1890, Kreisblatt Nr. 128).

v. Gageru.

Gießen, den 20. Januar 1891.

Betr.: Das Reichsgesetz vom 14. Mai 1879 über den Verkehr mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegen­ständen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

arr die Grotzh. Bürgermeistereien de- Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Erledigung unserer Verfügung vom 5. Januar L Js (Anzeiger Nr. 5) im Rück­stände sind, werden hieran mit Frist von 8 Tagen erinnert.

v. Gagern.

Statut

sie Benutzung der Gemeinde Viehwaage zu Eberftadt betreffend.

Mit Genehmigung Gr. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 9. Januar l. I zu Nr. M. I. 066 und unter Zustimmung des Kreis-Ausschusses des Kreises Gießen, wird wegen Benutzung der Gemeinde - Viehwaage zu Eberstadt bestimmt:

8 1.

Alle zur Verwiegung gebrachten Gegenstände müssen durch einen verpflichteten Wiegmeister ober durch dessen Stellvertreter gewogen werden. Außer diesen hat Niemand das Recht auf der Waage zu wiegen.

§ 2.

Der Wiegmeister oder dessen Stellvertreter haben der ihnen Zugehenden Aufforderung zum Wiegen alsbaldige Folge zu leisten.

Die Aufforderung hat von den Betheiligten direet an den Wiegmeister zu geschehen. Wenn derselbe der Auf­

forderung nicht entspricht, so ist sich an die Großh. Bürger­meisterei zu wenden, welche denselben zum Wiegen anhalten und uöthigcnfalls Großh. Kreisamt Anzeige erstatten wird.

§ 3.

Der Wiegmeistcr oder dessen Stellvertreter baden über die von ihnen besorgten Geschäfte em Tagebuch zu führen, in welchem unter fortlaufenden Ordnungs-Nummern anzugeben sind:

a. der Ort des Wieggeschäfts,

"b. der Name des Verkäufers und Käufers,

c. Datum der Verwiegung,

d. die Art der gewogenen Gegenstände,

e. das Gewicht des gewogenen Gegenstandes,

f. der Verkaufspreis, per Gentner, insofern Verkäufer oder Käufer denselben angeben, wozu sie jedoch nicht gezwungen werden können,

g. den Betrag der erhobenen Wieggebühren.

§ 4-

Der Wiegmeister hat dem Verkäufer oder Käufer ein dem Eintrag im Tagebuch gleichlautendes Abdruck - Bittet, worauf das Gewicht enthalten ist, auszirstellen.

§ 5.

Gebühre utarif.

An Gebühren werden erhoben:

1. für Kleinvieh, als Schafe, Ziegen, Kälber, Schweine u.s.w.

von einem jeden Stück.......5 Psg.

2. für Großvieh > a?s Ochsen, Kühe, Rinder u. s. w. unter 10 Ctr. von einem Stück . . . .15 Pfg. über 10 Ctr. von einem Stück.....20

3. für jeden anderen zur Verwiegung kommenden Gegen­stand, als Frucht, Kartoffeln, Steinkohlen u. s. w.

bis zu 3 Ctr...........10 Psg.

für jeden weiteren Ctr........2

$ 6*

Sogleich nach stattgesundener Wiegung sind die vor­bemerkten Wieggebühren nebst 5 Pfg. Vergütung an den Wiegmeister zu entrichten.

Für ortsfremdes Vieh oder sonstige Gegenstände sind 10 Psg. Vergütung für jede Wiegung an den Wiegmeister nebst den unter § 5 angeführten Wieggeldern zu bezahlen.

§ 7.

Am Schlüsse eines jeden Vierteljahres hat der Wiegmeister das Tagebuch abzuschließen, sodann hat er einen Auszug aus dem Tagebuch über die. im verflossenen Vierteljahr gewogenen Gegenstände zu fertigen, woraus sowohl das Gewicht der gewogenen .Gegenstände, als auch die erhobenen Gebühren ersichtlich sind. Diesen Auszug hat er in beglaubigter Form der Bürgermeisterei zu überreichen.

Die erhobenen Wieggebühren werden dann dem Gemeinde- Einnehmer in Einnahme becrctirt und dann von dem Wieg­meister an denselben ausbezahlt.

§ 8.

Der Wiegmeister- wird von dem Ortsvorstand auf Widerruf ernannt, und von Großh. Kreisamt verpflichtet,- er unterliegt als Gemeindebeamter den für solche geltenden Disciplinarvorschristen.

Gießen, den 14. Januar 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Verits<ches Heid».

Darmstadt, 21. Januar. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog empfingen heute 11. A. den Hauptmann Winter, h la suite des 2. Großh. Infanterie-Regiments (Großherzog) Nr. 116, Mitglied der Gewehr - Prüfuugs- Commission.

Darmstadt, 21. Januar. Se. Königl. Hoheit der Groß­herzog werden sich mit Ihren Großh. Hoheiten der Prin­zessin Alix, sowie den Prinzen Heinrich und Wilhelm zur Theilnahme an dem hundertjährigen Jubiläum des 4. Großherzogt. Infanterie-Regiments (Prinz Carl) Nr. 118 morgen Nachmittag 1 Uhr 40 Miu. mittels Extrazuges von hier nach Mainz begeben, während Se. Kvnigl. Hoheit der Erb gr 0 ß herzo g direet von Gießen dort eintreffen wird. I. Großh. Hoheit Prinzessin Alix kehren morgen Abend nach der Theatervorstellung hierher zurück, die übrigen Herrschaftem verbleiben in Mainz.

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Neuefte Nachrichten.

WolfsS telegrapbffcheS (Sorrefponben^^ureau.

Berlin, 21. Januar. Frhr. v. Lucius, der frühere Landwirthschaftsminister, stellte den Betrag des vielberufenen, ihm seinerzeit erlassenen FideicommißstempelS (30000 Mk.) dem Kaiser zur Verfügung. Der Börsencurier" will wissen, der Kaiser habe die Summe dem Baufonds für die Erinnerungskirche überwiesen.

Hannover, 21. Januar. Am Schluß der gestrigen Vor­stellung int königlichen Theater, welche vor ausverkauftem Hause stattfand, wurde dem Kaiser seitens des Publikums eine begeisterte Ovation dargebracht. Heute Morgen be­gab sich der Kaiser mittelst Sonderzuges zur Jagd nach Springe.

Springe, 21. Januar. Der Kaiser traf um 10 Uhr im Jagdschloß em und fuhr sofort mit Schlitten zur Pürsche nach Hallergrund. Er erlegte hier 2 Zwölfender und 4 starke' Schaufler. Um halb 12 Uhr war eingestelltes Jagen aus Schwarzwild, an dem das Gefolge theilnahm. Auf der Strecke

Ferrillrton.

Justus von Liebig

Eiseuhändige biographische Aufjeichnungen.

(2. Fortsetzung.)

Es galt beinahe für eine erniedrigende und einem Ge­bildeten unanständige Gesinnung, zu glauben', daß in dem Selbe eines lebendigen Wesens die rohen und gemeinen un­organischen Kräfte eine Rolle spielten. Man war mit dem Leden und allen seinen Aeußerungen und Bedingungen ganz :m Reinen die Naturerscheinungen waren mit sauberen, schmucken Kleidern angethan, von geistreichen Männern zu- geschnitten und zusammengemacht, und dies nannte man philo­sophische Forschung. Der Experimental - Unterricht in der Chemie war auf den Universitäten beinahe untergegangen und nur die hochgebildeten Pharmaceuten Klaproth, Hermstedt, Valentin, Rose, Trommsdorf, Buchholz hatte er sich, freilich in einem anderen Gebiete, erhalten.

Ich erinnere mich, daß mir sehr viel später noch Pro­fessor Wurzer, der den Lehrstuhl der Chemie in Marburg bekleidete, eine alte hölzerne Tischschublade zeigte, in welcher ) Vermögen wohnte, von drei zu drei Monaten Quecksilber zu erzeugen; er besaß einen Apparat, dessen Hauptbestand- theil ein langer thönerner Pfeifenstiel war, mit dem er Sauer- üoffgas in Stickstoff verwandelteder poröse Pfeifenstiel wurde nämlich zwischen Kohlen glühend gemacht und Sauer­stoff durchgeleitet.

Chemische Laboratorien, in welchen Unterricht in der Analyse ertheilt wurde, bestanden damals nirgendwo; was man so nannte, waren eher Küchen, ungefüllt mit allerlei Offen und Gerätheu zur Ausführung metallurgischer oder

pharmaeeutifcher Proeesse. Niemand verstand eigentlich die Analyse zu lehren.

Ich folgte später Kastner nach Erlangen, da er mir ver­sprochen hatte, einige Mineralien mit mir zu analhsiren er wußte es aber leider selbst nicht und niemals führte er eine Analyse mit mir aus. Der Vortheil, den ich durch meinen Aufenthalt in Bonn und Erlangen durch den Verkehr mit anderen Studirenden gewann, war das Bewußtsein meiner Unwissenheit in sehr vielen Dingen, die sic von der Schule mit auf die Universität brachten, und da mir die Chemie keine Arbeit machte, so gingen alle meine Anstrengungen in dem Nachholen der früher vernachlässigten Schulkennt- niffe auf.

In Bonn und Erlangen nun vereinigte sich eine kleine Anzahl von Studirenden mit mir zu einem chemisch-physi­kalischen Vereine, in welchem jedes Mitglied abwechselnd einen Vortrag über die Fragen des Tages zu halten hatte, welcher natürlich nur in einem Berichte über die Gegenstände der Abhandlungen bestand, welche in den Journalen von Gilbert und Schweigger monatlich erschienen.

In Erlangen zogen mich Schellings Vorträge eine Zeit lang an; allein Schelling besaß feine gründlichen Kenntnisse in den Fächern der Naturwissenschaft und das Einkleiden der Naturerscheinungen mit Analogien und in Bildern, was man Erklären nannte, sagte mir nicht zu.

Ich kam nach Darmstadt zurück mit der vollen lieber- zeugung, daß ich meine Ziele in Deutschland nicht er­reichen könne.

Die Abhandlungen von Berzelins, namentlich die bessere Uebersetznng seines Handbuchs, welche damals sich verbreitete, waren wie Erquickungen in einer dürren Wüste.

Mitscherlich, H. Rose, Wohler, Magnus waren damals nach Stockholm zu Berzelins gegangen, allein Paris bot mir

in sehr vielen anderen Zweigen der Naturwissenschaft, nament­lich der Physik, Mittel zum Unterrichte dar, wie sie sich an keinem anderen Orte vereinigt fanden. Ich faßte den Ent­schluß, nach Paris zu gehen, ich war damals 171/2 Jahre alt. Meine Reise nach Paris, die Art und Weise, wie ich mit Thenard, Humboldt, Dnlong und mit Gay Lyssae in Berührung kam und wie diese Männer dem Knaben ihre Neigung zuwandten, grenzt an das Fabelhafte und gehört auch nicht hierher. Ich habe später sehr häufig Cie Er­fahrung gemacht, daß ein ausgesprochenes Talent bei allen Menschen, ich glaube ich kann sagen, ohne Ausnahme, eine unwiderstehliche Begierde erweckt, es zur Entwickelung zu bringen, Jeder hilft in seiner Weise und Alle zusammen, wie wenn sie sich miteinander verabredet hätten - daß aber das Talent nur dann Erfolge erringt, wenn es sich mit einem festen, unerschütterlichen Willen vereinigt findet,- die äußeren Hindernisse seiner Entfaltung sind in den meisten Fällen sehr viel geringer als die, welche in dem Menschen selbst liegen, denn so wie eine Naturkraft, wie mächtig sie auch sei, niet mals für sich allein eine Wirkung hervorbringt, sondern immer nur im Verein mit anderen Kräften, so kann ein Mensch das, was er ohne Mühe lernt oder geistig erwirbt-, wozu er, wie man sagt, eine natürliche Anlage hat, nur dann verwerthen, wenn er noch sehr vieles andere dazu (ernt, was ihm zu erwerben mehr Mühe vielleicht noch als Anderen macht.

Lessing sagt, daß das Talent wesentlich Wille und Arbeit sei, und ich bin sehr geneigt, ihm beizustimmen.

Die Vorträge von Gay,Lyssae, Thenard, Dulong re. in der Sorbonne hatten für mich einen unbeschreiblichen Reiz; die Einführung der astronomischen oder mathematischen Me­thode in der Chemie, welche jede Ausgabe womöglich in eine Gleichung verwandelt und bei jeder gleichförmigen Aufeinander­folge zweier Erscheinungen einen ganz bestimmten causalen