Ausgabe 
22.1.1891
 
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Der Antrag Singer wird der VeschLftSordnungS-Tommission Rberwtefen, der Antrag v. Unruh gegen die Stimmen der Social- demokraten und eine« Thetl» der Freisinnigen angenommen.

Hieraus tritt da« Hau« in die -wette Berathung bcü Etats etn.

Abg. Richter (dir.) verlangt Drucklegung bcü Etats nach Feststellung durch den Reichstag.

Betm Etat deü Reichstages befürwortet Abg. Richter Mr.) die Gewährung von Diäten an die Reichütagüabgcordnelen. Die Diätenlosigkett sei Grund der schwachen Besetzung de« Hause« und der häufigen Bcschlutzunsähtgkett desselben, wodurch die Ab­wicklung der Geschäfte verschleppt würde. Er bezeichnet als wünschenöwerth, daß der Reichskanzler die Initiative zu dieser Ge­währung ergreife, wenn nicht, würde seine Partei einen bezüglichen Antrag einbrtngen.

Die Etat« deü Reichstag«, deü Retchvkan-lerÜ und der Reichs- kanzlet werden unverändert angenommen.

Betm Etat dev Retchüamtü de« Innern weist Abg. v. Äeubcll (Rctchüp.) auf die oeibängnttzvoUcn Folgen der Trunk­sucht hin. Dteselbe besördere die Verbrechen, verursache Krankheiten aller Alt und steigere die Sterblichkeilvztsfer. Rach Inangriffnahme der Soctalreform habe Deutschland etn erhöhte« Interesse, derselben entaegenzutreten. Er frage, ob e« sich bestätige, datz noch in dieser Geffion ein bezügl. Gesetz vorgeicgt werde.

Staatüsecretär v. Boetttcher: Die verbündeten Regierungen erkennen die Rothwendtgkett einer solchen Gesetzgebung an. Die Grundzüge deü Entwurfes hierzu sind bereit« veietilbart, der Ent­wurf aber noch nicht ausgestellt. Bleibe der Reichstag bt« nach Ostern beisammen, dann könne die Vorlage gemacht werden.

Abg. Wurm (Soc): Die Socialdemokratte sei eine entschiedene Gegnerin der Trunksucht; seine Partei werde aber nie für etn Gesetz gegen dteselbe stimmen, welches mit Strafmahregeln gegen die un­glücklichen Opfer der heutigen Gesellschastüordnung Vorgehen wolle. Redner kommt dann auf die Fabrtkinspcctoren zrr sprechen und tadelt die mangelhafte Inspektion der Fabriken, vorzüglich in Sachsen, wo jährlich kaunr bllpEt. derselben inspteirt würden. ES mache nicht die Zabl der Inspektoren, sondern daß man al« solche Personen, welche da« Vertrauen der Arbeiter besitzen, etnstelle. Kein Gesetz könne Früchte tragen, wen» dessen Ausführung nicht ausreichend und entsprechend beanffichttgt werde.

Sächs. BundeübevoUm. Graf o. Ho heut Hai nimmt die sächsischen Fabrtktnfpectoren gegen die Beschuldigungen der Social, demokraten in Schutz. Der Hatz schreibe sich daher, datz dieselben in »erschiedenen Bezirken den soctaldemokratischen Umtrieben entgegen- getreten seien. Dazu seien dieselben aber nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet.

Abg Bebel (Soc.): Dav ist nicht richtig. Die Fabrik» inspectoren sind nicht Beanrte der llnternehmer, welche zu Gunsten derselben ihr Amt versehen. Wa« die Zunahme der Trunksucht an- betrtfft, so erstreckt sich dieselbe aus alle Brvölkcrungsklassen. Bet den Studenten macht inan nicht« darau« und kommen dieselbe»» trotzdem später in die höchsten Staatsämter.

Abg. Ackermann (cons.) verthetdigt die Fadriktnspectoren gegen die Angriffe der Soctaldemokraten. Ehe man solche Klagen im Reichstage vorbiinge, solle man erst den Instanzenweg verfolgen.

Abg. Hartmann (cons.) verthetdigt dte Inspektoren gletchjall« und rühmt da« sächsische Beretnügesetz. (Bebel:ES ist schauder hast !*) Hätten wir nur etn solche« Pretzgesetz, dann wollten wir mit den Soctaldemokraten schon serttg werden.

Abg. Singer (Soc.) ertnnert daran, daß sctne Partei sich stet« lobend über dte Institution der Fabrtktnfpectoren ausgesprochen habe. Ihr Tadel verdiene also doch einige Berücksichtigung.

Die Debatte wird geschlosten.

Line Reihe von Etatütiteln wird genehmigt.

Nächste Sitzung Dienstag. Tagesordnung: Etat.

Schluß 5ya Uhr.

4N. Plenarsitzung. Dienstag, 20. Januar 1891, 1 Uhr.

Die zweite Etatberathung wird mit dem Etat deü Reich «- amtü de« Innern sortgcsetzt.

Abg. Grillenberaer lGoc.) führt Klage über die geringe Besoldung der Diener ve« Germanischen Museums in Nürnberg, daS vom Reiche mit jährlich 48000 Mk. unterstützt wird.

Abg. Br. Witte (dfr.) wünscht eine genauere SpecificaUon über die Verwendung der 200000 Mk., welche der Verein zur För­derung der Hochseefiichetei vom Reiche erhält.

Staatssec>etär Dr. v. Boenrcher erwidert, daß der Verein mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt habe, doch fei eine all­mähliche Aufhebung der Retchvsubvcntton in Aussicht genommen.

Abg. Dr. Buhl (natl.) wünscht eine grötzere Verbreitung und Verdeutlichung der vom Bundeürath erlassenen AuvführungSbesttmm- »ngcu zur Alrerv- und Invaliditälüversicherung.

Abg. Schrader (dsr.) wünscht, daß man da« Inkrafttreten de« Gesrtze« noch auf ein Jahr auüjetzc, da die Arbeit lonft einfach nicht zrr bewältigen sein wird, denn die Hauptarbeit wird voraus­sichtlich erst im nächsten Jahre beginnen.

Staalüsecreiär Dr. v. Boetttcher: ES wird von früheren Gegnern deü Gesetzes anerkannt, daß die Ausführung deü Gesetzes sich einfacher gestaltet, al« man erwartete. Aus eine Entlastung deS ReichSvelstchrrungSamtü wird vielleicht später Bedacht zu vehuren sein. Die Presse Hal leider nicht irr dem Matze, wie dte Wichtigkeit deü Gesetze« erheische, ihre Unterstützung demselben zugewandt.

Abg. Dr. Lingen« ((Str.) schildert die Verhältnisse in den Auüwandere^ LogicHäusern alü äußerst traurig. Von Schwindlern werde den Leuten namentlich im Kümmelblättchen ost ihr Geld ad- genommen.

Staatssekretär Dr. v. Boetttcher. Dte Verhältnisse haben sich, soweit daü Reich dahin wirken konnte, gebesiert. Dem Kümmel- dlärtchen zu steuern, ist Sache der öttlichen Polizei.

Abg. BrühnS (Soc.) schildert die AuSwandererverdälluisse in Bremen alü äußerst traurig; die dreijährige Dienstzeit sei die Ursache der starken Auswanderung.

Abg. Molkenbuhr (Soc) verbreitet sich über die mißliche Lage der SchiffShctzer und Arbeiter.

Bremensischer BundeSbrvollm. Dr. MarcuS: Von den Bremer Behöben werde diesen Verhälinissrn volle Aufmerksamkeit gewidmet. Von Sachversländiaen finb bte Eirrrichlungeu auf den Schiffen deü Norddeutschen Llopo in Bremen al« mustergültig bezeichnet.

Abg. Schwartz (Soc.) bestreitet diese Mustergültigkeit. Die Ventilation und die räumlichen Etnrtchtungeu im Zwischendeck sind äußerst nrangelhaft.

Abg. Dr. Lieber (Etr.) tritt diesen Behauptungen entgegen; er weiß au« eigener Ersah, ung, daß aus den Sch.fs.,» Alles aethan wird, wa« geschehen kann, um die g.sundhettltchen Verhältnisse während der Fahrt so gut wie nur möglich zu gestalten.

Bei der PositionStatistische« Amt" erwidert StaatÜ- fecretär Dr. v. Boetttcher aus eine Anregung de« Abg. Singer, datz in Folge der von diesem im vorigen Jahre erhobenen Beschul dtgung, oatz HiisSarbeiter im statistischen Amte von ihren Borges.tz- len sehr unpassend behandelt würden, gegenwärtig noch eine gericht- lrche Untersuchung schwebe und deßhald ein Urtheii noch nicht gesüllt werben könne.

Abg. Schrader (dsr.) wünscht, daß die Hilfsarbeiter deü In­stituts »richt durch die dort auszubildenden Steuerbeamten v.rdräirgt werden möchten.

Dem von den Abgg. Brömel und Schrader (dfr.) gemein­sam ausgesprochenen Wunsche gegenüber, die handelüstaiiiiischeir Mit- theilungen zu einem billigeren Preise erscheinen iu lasten, um sie weiteren Kreisen zugänglich zu «rachen, erklärt Staalüsecreiär Dr. v. Boetticher, datz di.se Publikationen doch nur für eine tusch,ä, kte Zahl von Pe,sonen Interesse haben und sich deßhalb ein Zuschuß au« öffentlichen Mitteln nicht rechtfertigen laste.

Aus eine Anregung deü Abg. Dr. Bamberger (dfr.) erklärt der Staatssrcretär, daß sich unser Handel nut Oftasien und Australien

bedeutend im letzten Jahre gehoben habe. Der Verkehr mit Samoa sei in Folge der dortigen Unruhen zurückgegangen.

Der Etat bt« ReichSamtev bett Innern wird bi« zur Position RormalAichungü - Eommission" einschließlich genehmigt. Hierauf vertagt sich daü Hau«.

Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Tagesordnung: Etat- berathung.

Schluß 4'/» Uhr.

Neueste Nachrichten.

Wolfis telegraphisches Lonefpondeuz-Bureau.

Berlin, 20. Januar, lieber die Abgabe de« Sl ochs d) e n Heilmittels an die Apotheken sind gegenwärtig im CultnS- Ministerium Verhandlungen im Gange, lieber die damit zusammenhängenden Fragen wird morgen die wissenschaftliche Deputation für Medictnalwesen gehört. CS handelt sich dabei namentlich um die Einreihung deS Heilmittels unter die Zahl derer, über die besondere Vorschriften über die Art ihrer Abgabe durch die Apotheken bestehen. Koch hat, entgegen seiner früheren Ansicht, jetzt erklärt, sein tlHittcl sei den praktischen Aerzten zu übergeben, weil in der Praxis derselben überwiegend Fälle phtisischer AnsangSstadien Vorkommen, für welche das Mittel eigentlich wirksam ist, während in den Kliniken überwiegend hochgradige Phthisen Vorkommen, welche jenseits der Heilgrenze liegen. Der CnltuSminister holte von allen hervorragenden Aerzten, welche mit dem Kach'schen Heilmittel operiren, Gutachten über ihre Beobachtungen und Erfahrungen ein. ES wird darüber eine Pnblieativn vor­bereitet. Bon hervorragender Bedentnng in dieser Hinsicht sind gegenwärtig die von Koch in dein unter SanitätSrath Guttmann stehenden Moabiter städtischen Krankenhanse ge­machten Ersahrungen.

Hannover, 20.Januar. Der Kaiser, der Nachmittags erwartet wurde, traf unerwartet Morgens acht Uhr ein und alarmirte die Garnison, die zu einer Gefechtsübung bei Kirch- rode nuSrückte.

Hannover, 20. Januar. Der Kaiser kehrte mit den Truppen gegen 3 Uhr von der Gefechtsübung zurück und nahm auf dem Waterlooplatze die Parade ab. Um 5 Uhr wurde im Schlosse binirt; eS waren die Spitzen der Eivitt und Militärbehörden geladen, im Ganzen 56 Gedecke. Der Kaiser besuchte danach die Vorstellung im Köntglchen Theater (Freischütz").

Königsberg, 20. Januar. Der gestrige FesteornmerS des Vereins deutscher Studenten, bei dem 100Per­sonen, darunter Professoren, höhere Geistliche und Offiziere anwesend waren, nahm einen glänzenden Verlaus. Reden wurden gehalten auf den Kaiser, daS Reich und die Universität.

Esten, 20. Januar. DerRhein.-Wests. Ztg." zufolge sind aus Schacht l der ZecheEintracht-Tiefbau" heute srilh 500 Mann von der 600 zählenden Belegschaft nicht ein- gefahren, weil den Delegirten der Belegschaft wegenun­gebührlicher Aeußerungen" über die Zechenverwaltung heute die Eiusahrt unter Tage nicht gestattet worden war. Aus Schacht II derselben Zeche wird vollzählig gearbeitet.

Braunschweig, 20. Januar. Die heute hier tagende Versammlung des CentralauSschufseS des l andwirt hschast- lichen Centralverei nS des HerzogthumS Braunschweig beschloß, ans die Tagesordnung der Hauptversammlung nm 10. Februar die Frage zu setzen, welche Maßregeln zu er­greifen seien, um der Verbreitung der Socialdemokratte unter der ländlichen Bevölkerung entgegenzuwirken.

Hamburg, 20. Januar. Die mildere Temperatur und mestlicher Wind lassen eine baldige Besserung der Eis> Verhältnisse erhoffen. DaS Barometer füllt. Im Nordsee­gebiete herrscht Regen. Der Staatüdampser ist bereits mit Öootfen hinauSgesahren.

Wien, 20. Januar. In Folge neuerlicher Schnee - fälle sind abermalige Verkehrsstörungen aus vielen öfter» reichischen und ungarischen Bahnlinien eingetreten.

Bern, 20. Januar. Nordborneo tritt dem Welt' postverein vom 1. Februar ab bei.

Paris, 20. Januar. Nach Nachrichten aus Chile pro teftirten die dortigen Vertreter der auswärtigen Mächte gegen die Blokade von Valparaiso und Jquique. Wie verlautet, beabsichtigt die französische Regierung, einen Kreuzer nach den chilenischen Gewäfferu zu entsenden.

Brustei, 20. Januar. In der heutigen Sitzung der belgischen Kammer verlangte der Depulirte Jansow Brüssel Ausklärung über die Einberufung der zwei Klaffen der Miliztruppen. Minister Bernaert antwortete, diese Maß­regel sei getroffen znr Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Sicherung der Unabhängigkeit der Kammer. (Beifall rechts.)

Kvpeuhageu, 20. Januar. Die regelmäßige Schifffahrt aus dem großen Belt muß wegen des Eise« eingestellt werden. ES werden planmäßige Tag» und Rachtsahrten burd) Eisbrecher vollzogen.

Madrid, 20. Januar. Aus allen Provinzen treffen Nach­richten über den durch die Kälte verursachten Nothstand ein. In Toledo ist der Tajo zugefroren. Der Fluß Gua delmedina (in der Provinz Malaga) ist vollständig eiSbedeckl.

Saragosta, 20. Januar. In einer heute hier tagenden zahlreich besuchten soeialistifchen Versamml ung sprachen mehrere Redner in heftigster Farm für die Weiter­verbreitung der soeialiftischen Ideen. Die Revolution fei daü einzige Mittel zur Verwirklichung deS Ideals der spani­schen Soeialisteu.

Listadon, 20. Januar. Die CorteS werden demnächst zur Prüfung des Abkommens mit England einberufen.

Rewtzork, 20. Januar. Nach einer Meldung aus Val' paraifo ist der Handel daselbst gelähmt.

Washington, 20. Januar. Der Präsident dürste der S i l b e r p r ä g u n g S b i l l ein Veto entgegenfetzen, wofern nicht Beschränkungen auf in Amerika producirteS Silber in dieselbe ausgenommen würden.

Washington, 20. Januar. Meldungen aus P i n e r i d g e zllfolge tödteten die Weißen einige entwaffnete Indianer, wo-

x durch die dortigen Jndianerstämme wieder beunruhigt worden sind. Dieselben liefern ihre Waffen nur langsam ab. Gene^ ral Mileö schob seine Abreise auf. Kaiser Wilhelm übermittelte., telegraphisch durch die deutsche Gesandtschaft den Ausdruck seines Beileids an die Familie deü verstorbenen Geschichtsschreibers Ban er ost, wobei er auf die zwischen seinem Großvater und Bancroft bestandene Freundschaft himvieü.

San Francisco, 20. Januar. Meldung des Bureau Reuter. Der Stünig von Hawaii, Kalakaua, liegt in Folge ein* getretener Urämie im Sterben.

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CfrcMtfs itnfr proHnsiedef.

Gießen, 21. Januar.

Wir erhielten nachstehenden Bericht über den am Montag Abend ftattgehabten FestcommerS:

Der FestcommerS der Gießener und Marburger Burschen- schäft zur Feier der 20jährigen Wiederkehr des Gedenktages der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches. Jrn glänzenden Festeöschmncke hatte sich gestern Abend im Saale des Hotels Steinü Garten" die Gießener und Marburger Burschenschaft versammelt, um die 20jährige Wiederkehr deü Tages zu feiern, der den kühnen Tralim deü deutschen Volkes von de« Vaterlandes bcrcinftigcr Macht und Größe in so herrlicher Weise in Erfüllung gehen ließ. Wie auf allen Universitäten deü Reiches die Burschenschaft diesen Tag festlich begeht, so hielt and) die Gießener Burschenschaft für eine Ehrenpflicht, den Gedenktag der Wiederaufrichtlmg deö Deutschen Reiches, jenen Tag, mit dem die deutsche Burschenschaft ihr hehre« Zlel, die Wiedererweckung alter deutscher Kaiserherrlichkeit, erreicht hatte, in würdiger Weise zll feiern.

Zu diesem Zwecke hatte sich denn der Gießener D. C. mit dem Marburger D. C. und den beiden 1). C. 1). C. treu zur Seite stehenden alten Herren vereinigt. Nachdem der dem Eommerü vorauügehende, größtentheilS aus Aetiven ge­bildete Fackelzug in Steins Garten unter den Klängen deS Gaudoainuo" sein Ende erreicht hatte, begann 81/, Uhr die eigentliche Feier, der Festeommers, eröffnet durch den Sprecher der Germania, Herrn ennd. theol. Bolitsch.

Den ergangenen Einladungen war in zahlreicher Weise Folge geleistet worden. Der 1). C. hatte die Ehre, Seine Magtlisizenz den Herrn Rector der Ludoviciana, Professor Dr. Gottschick, begrüßen zu können, als Vertreter de- Ossiziereorps beehrten den D. 0. Herr Oberst und Regiments- eornmandenr Perthes, begleitet von einer zahlreichen An­zahl Offiziere. Jrn Namen der Stadt Gießen erschien Herr Oberbürgermeister Gnouth.

Nachdem die Klänge des alten BlirschenschasterliedeS ver klungen waren und der Sprecher der im G. D. C. präsi- direnden Burschenschaft Germania die Gäste in herzlicher Weise begrüßt, erhob sich Herr Geh. Hofrath Proseffor Dr. Oncken, Franconiao'£)eibelberg, um in trefflicher Weife der deutschen Burschenschaft und ihrer idealen Bestrebungen zll gedenken. Redner entledigte sich seiner Ausgabe mit ge­wohnter Meisterschaft. Die Rede klang aus in einem Hock auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Königl. Hoheit den Großherzog von Hessen, in das die Versammlung begeistert cinftimmte.

Herr GerichtSaccessist Glässi n g, Alcmanniue, Ger- maniao'Gießen, begrüßte in längerer, mit großem Beifall auf- geuommener Rede die Herren Vertreter deü Offiziercorps, indem er, anknüpfend an die Allfichten Sr. Majestät des Kai^ serö über die Erziehung der deutschen Jugend, einen treff lieben Vergleich zwischen der militärischen nnb der studentischen Erziehungöstätte zog. Nachdem Redner in glänzender Weise die Paralelle bis zum Schlüsse seiner Rede durchgeführt hatte, wurde mit Jubel in das Hoch auf die deutsche Armee als dem sichersten Hort des neu geeinten Vaterlandes eingeftimmt. In verbindlichster Weise sprach hierauf Herr Oberst und Re gimentScommandeur Perthes den Dank deS Offiziercorps für die au dasselbe ergangene Einladung aus und betonte insbesondere im Verlause seiner mit großem Beifall anfge nominellen Rede den traditionell vaterländischen und reichs treuen Standpunkt der deutschen Burschenschaft, ans deren Blühen und Gedeihen er sein GlaS leerte.

Nach einem von Herrn K. Gl äs sing (AJcmnnnia) ans Se. Magnifizenz den Herrn Rector auügebrachten Hoch sprach letzterer in vorzüglicher frischer Weise, nachdem er zunächst deS Gießener D. C. gedacht, auf die noch lebenden großen Paladine Kaiser Wilhelms I.: Fürst Bismarck und Gras Moltke. Auch diese Worte wurden jubelnd ausgenommen, ebenso die durch Humor gewürzten Worte deS Herrn Ober­bürgermeisters G n a u t h, welcher als Vertreter der Stadt Gießen der Marburger Burschenschafter gedachte. ES folgte hieraus noch eine Rede aus die Damen deü D. 0., die in überaus stattlicher und zahlreicher Weise in dem angrenzenden Nebenbau Platz genommen hatten, ebenso eine solche auf die in dem Verbände geeinigtenAlten Herrn", sowie noch ein Toast auf daS deutsche Vaterland, auSgebracht von Herrn D. Winter (Gorrnania BreSlau). Unter den erhebenden Klängen deS LaudeSvaterS fand der osficielle Theil des Festes seinen Abschluß. Aber noch in der spätesten Morgenstunde wurde der Fidulität gedacht.

Sämmtliche Theilnebmer der würdigen patriotischen Feier sind wohl in vollster Befriedigung über daü wohlgelungene Fest geschieden. Die Dekoration deS großen Saales war in jeder Hinsicht prächtig, insbesondere ist daS auf der Bühne desTheater-VereinS" errichtete Podium hervorzuheben, auf dem unter Blattgrün eine wohlgelungene Eopie deS btrilbm teil Bildes von Anton von Werner:Die Kaiserproclamation zu Versailles" hervorblickte, umgeben von den Büsten Kaiser Wilhelms I., Friedrichs und Wilhelms II., sowie unseres Landesherrn. Wir schließen mit dem Wunsche, daß die bei unS verlebten Stunden in sämmtlichen Theilnehmern eine er­hebende Erinnerung an eine würdig begangene Feier zurück- kiffen möge.