Ausgabe 
20.11.1891
 
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genommen werden, welcher die Irreführung an der Börse als \ Strafdelict qualificirt und aufs Strengste ahndet.

Sosuowice, 18. November. In der Kohlengrube Jercy wurden durch das Herabstürzen von Kohlenmassen fünf Berg­leute verschüttet.

Libau, 18. November. Infolge des Ausfuhrverbots herrscht auf allen Gebieten große G e s ch ä f t s st o ck u n g. In vielen Geschäften wurde das Personal entlassen oder reducirt. Die Wechselproteste nehmen zu. Viele Falliffemente werden befürchtet.

London, 18. November. Von den fälligen Atchison- Topeka Garantiefond-Noten wurde etwa die Hälfte von den bisherigen Inhabern prolongirt und der Rest von dem dieserhalb gebildeten Syndicat ausgenommen.

Shanghai, 18. November. Die Vertreter der Mächte forderten neuerdings von der chinesischen Regierung Sühne für das Vergehen gegen die Person und das Eigen- thum der geschädigten Europäer, sowie Garantien für die Zukunft.

Localer uttb provinzielles.

Gießen, 19. November 1891.

Neues Theater.Ultimo." Welch' unangenehmer Tag nicht nur für den Bruder Studio, der mit seinem Wechsel gewöhnlich nicht bis zumLetzten" reicht, oder für den kleinen Beamten, der denErsten" demLetzten" be­deutend vorzieht, oder auch für den, der an diesem Tage eineAbrechnung" zu halten hat. Von Letzterem weiß auch in dem vorgestern hier zur Aufführung gelangten Lustspiel Ultimo" von G. v. Moser der Professor Reinhard Schlegel ein Lied zu singen. Er ist der Meinung, daß der Wissen­schaft gegenüber alles Uebrige Spielerei sei. Diese seine Ueberzeugung verficht er auch bei Gelegenheit eines Besuches ganz rücksichtslos seinem Neffen gegenüber (der sich vom Commis zum Commerzienrath emporgeschwungen), trotzdem er ihn kurz vorher in feiner allbekannten Verlegenheit mit 200 Thaler angepumpt hat. Angepumpt zu werden und dafür mit beleidigenden Redensarten tractirt zu werden, wird selbst dem jovialen Commerzienrath etwas zu bunt, aber er kennt die verschrobenen Ansichten seines Vetters und beschließt, ihn davon gründlich zu curiren. Auf dessen Bemerkung, er könnte, wenn er so viel Geld zur Versügung hätte, ebenso gut an der Börse speculiren, stellt ihm der Commerzienrath dreißig- tausend Thaler (bei Moser scheint dies kleine Sümmchen gar keine Rolle zu spielen) zur Versügung, nach vier Wochen amultimo soll dann die Abrechnung stattfinden. Dies ist der Grundgedanke, der dem Stücke den Namen gegeben hat und sich durch sämmtliche fünf Acte hindurchzieht. Das Gelingen der Darstellung desUltimo" beruht hauptsächlich auf der richtigen Auffassung und Durchführung der Rolle des einseitigen, jeder Aeußerung einen Hintergedanken unter­schiebenden und später als Börsennabob sungirenden Professors. Gerade die letzte Eigenschaft ruft das Comische und damit die Lachlust der Zuschauer am meisten hervor. Diese Rolle zeigte HerrnHPaul Ernst als Characterdarsteller im glänzendsten Lichte. Wir haben sie sowohl in Berlin als in Breslau nicht besser durchgeführt gesehen. Sein Detter, der Commerzienrath Schlegel, der practische Geldmann und nüchterne Verstandesmensch, der besonders nach einem guten Sectsrühstück äußerst jovial ist, wurde von Herrn Director Reiners mit vielem Humor und großer Natürlichkeit ge­geben. Freilich, was letzteren Punkt anbelangt, so hat wohl bezüglich desAeußeren" der Commerzienrath Wolff in Berlin etwasnobler" ausgesehen. Seine Frau schwärmt wie die meisten Commerzienräthinnen in Ermangelung anderer Beschäftigung von Poesie. Diese Rolle, welche große schau­spielerische Routine erfordert, wurde von Frau Lucy Linde­mann bis in die geringste Einzelheit vorzüglich zum Ausdruck gebracht, sowohl von der Moralpredigt über Rauchen und Secttrinken an bis zu dem Augenblick, wo siemit dem Frosch auf den Lippen" ohnmächtig in die Kissen sinkt, d. h. mit dem Frosch, den ihr Garte in seinem wunderbar poetischen" Vergleich angeführt. Ebenso gewandt wurde Therese, die Tochter des Commerzienraths, von Frau Reiners gegeben, jedoch sah derunerfahrene Backfisch" manchmal etwaszu unternehmend" au§; wir können aber mit Be- sriedigung constatiren, daß die Frisur gestern (eigentlich zum ersten Male) eine sehr gelungene war. Herr Albert Rosenow, welcher die Doppelrolle des sehr allen, lukullischen Genüssen wie z. B. eines guten Glas Scct und einer vorzüglichen Havanna trotzdem nicht abgeneigten Onkels Lange spielte und dann des verschmitzten Factotums, des Professor Schlegel, fiel uns gestern zum ersten Male auf. Sein gestriges Spiel zeigte, daß die Direction mir seinem Engagement einen glücklichen Griff gemacht. Abgesehen von den übrigen Rollen, welche sehr gut verlheilr waren, glauben wir, daß die Regie in der wohl in letzter Stunde geänderten Besetzung des blasirten Herrn von Haas und des unbeholfenen Arztes Bruno Berndt einen kleinenSchwupper" gemacht. Wohl führte Herr Georg Stegcmann die Rolle des Herrn von Haas und Herr Jaroczhnski die des Doclor Berndr ganz gut durch, aber doch wären beide Rollen noch mehr zur Geltung ge­kommen, wenn beide Herren die Nollen gespielt hätten, die auf dem Theaterzettel angegeben waren. Herr Jaroczhnski eignet sich mehr zum Bonvivant, während Herr Stegemann eher den Liebhaber mit Hindernissen spielt. Der Georg Richter des Herrn Adolph Peickner war oft zu enthusiastisch und litt in Folge dessen an Natürlichkeit. Im Ganzen darf aber die Vorstellung als eine äußerst gelungene be­zeichnet werden und dürfte nach Beseitigung der angeführten kleinen Mängel bei etwaiger Wiederholung auch einen größeren Zuspruch des Publikums erwarten.

Neues Theater, Am Freitag den 20. November kommt zum ersten Mal ein Lustspiel von Dr. Karl Töpfer Der beste Ton" zur Ausführung. Wir machen umsomehr auf diese Vorstellung aufmerksam, als Dr. Töpfer zu den­

jenigen Lustspieldichtern gehört, welche, wie Roderich Benedix, nicht nach Effecthascherei gesucht haben.

Vortrag. Vor zahlreicher Zuhörerschaft hielt gestern Abend Herr Ingenieur Brockmann aus Offenbach im Ge­werbeverein den angekündigten Vortrag über das Alu­minium. Der Stoff, aus welchem Aluminium gewonnen wird, die Thonerde, findet sich fast überall, denn sie bildet neben Kresel einen Hauptbestandtheil unser Erdrinde,- ihre Verwendung ist sehr mannigfaltig : als Töpferthon, zur Porzellanfabrikation, zum Walken von Tuch u. s. w. Nachdem schon zu Anfang des Jahrhunderts Versuche gemacht worden, das Aluminium mittelst galvanischen Stromes aus der Thonerde auszuscheiden und künstliche Edelsteine herzustellen, gelangen weitere erfolg­reiche Versuche erst Bunsen, mittelst Alcalien eine Scheidung von Thon und Alcalien herbeizuführen. Der 1827 von Wöhler in Göttingen angestellte Versuch, Alu- minium aus Thon auszuschetden, gelang ebenfalls, allein das Aluminium Halle nur Pulverform, und vergingen weitere dreißig Jahre, ehe es gelang, das Aluminium, und zwar unter Anwendung von Natrium, in einer anderen Form herzustellen. Seiner Verwendung stand der enorm hohe Preis (das Kilo kam auf über 6000 Frcs. zu stehen) ent­gegen. Erfolgreichere Versuche wurden ausgeführt, als die Electrotechnik ihren Zug durch die Welt begonnen und die Möglichkeit gegeben schien, mit Ausnützung billiger Kräfte, der Wafferläuse, die Gewinnung des Aluminiums zu einer ertragreicheren zu gestalten. Der Rheinfall bei Schaffhausen war es mit zuerst, welcher seine Kraft in den Dienst der Alu­miniumgewinnung in größerem Maßstabe stellen mußte, denn es wurde in der Nähe von Schaffhausen eine Fabrik (Neu­hausen) errichtet, über deren Anlage und innere Einrichtung Herr Brockmann interessante Mittheilungen machte. Die Fabrik, von einer Actiengesellschast mit einem Grundcapital von 12,000,000 Fr. gegründet, hat die Concession zur Aus­nützung von 4000 Pserdekrästen des Rheinsalles erhalten, nutzt aber vorläufig nur die Hälfte davon aus. Sie ist nach Mittheilung des Vortragenden ein die neuesten Fort­schritte der Technik mit wahrhaft ingeniensen Anlagen ver­einigendes Werk, besonders hinsichtlich der Dynamomaschinen. In Neuhausen wird unter Anwendung eines Stromes von 14000 Ampere und einer Spannung von 30 Volts das Aluminium aus der Thonerde geschieden. Die Thonerde muß in möglichst reinem Zustande verwendet werden, das Verfahren, über welches im großen Ganzen noch ein Ge- heimniß liegt, ist ein sehr verschiedenes- in der Hauptsache erfolgt die Gewinnung des Aluminiums unter der Ein­wirkung der feurig-flüssigen Electrolyse. Was die Eigen­schaften des Aluminiums betreffen, so ist dasselbe bis zu einer gewissen Grenze leicht entzwei zu brechen, der Bruch ist sehr verschieden, es erreicht indeß Bronzehärte, wenn es geschmiedet wird. Obgleich wenig elastisch, kann es sehr dünn ausgewalzt werden- ein Hauptvorzug ist seine Leichtig­keit, das specifische Gewicht liegt zwischen 2,64 und 2,74, es schmilzt bei 700 Grad Celsius und ist 2046 Mal billiger als Gold, z. Z. stellt sich das Kilo auf ca. 8 Mk. Nur hin­sichtlich seiner Tragfähigkeit, für welche es so gut wie aus- geschloffen ist, stellt es sich viel theurer als andere Metalle. Dadurch, daß es durch die Lust nicht angegriffen wird, eignet es sich vorzüglich zu Gegenständen, die der Verwitterung ausgesetzt sind, auch sind sonstige daraus gefertigte Gegen­stände, z. B. Offiziersabzeichen, Portepees, Schilder u. s. w. besser und länger zu tragen. Der Einfluß des Wassers auf Aluminium ist sehr gering, desgleichen derjenige von Schwefel-, Salpeter- ober Obstsäure - Lösungsmittel sind Natron und Salzsäure. Die Bearbeitung des Aluminiums ist außer­ordentlich leicht, es läßt sich drehen, seilen, ciffeliren, graviren u. f. w., es schmiedet sich indeß kalt besser als gewärmt und kann bis zu Hochglanz polirt werden- auch haben die an­gestellten Versuche, aus Aluminium gefertigte Gegenstände durch Beizen zu verzieren, zu schönen Resultaten geführt. Besonders wunderbar ist seine Verarbeitungsfähigkeit zu deco- rativen Zwecken. Das Löthen des Aluminiums geht unter außerordentlichen Schwierigkeiten von Statten, es gelingt nur unter Anwendung eines besonderen, noch Geheimniß bildenden Lothes. Das Vergolden oder Versilbern des Aluminiums bietet ebenfalls besondere Schwierigkeiten, es muß vorher ver­kupfert werden. Aus Aluminium gewonnene Bronze und Messing lassen sich mit gewöhnlichem Löthzinn leicht löthen. Herr Brockmann zeigte an der Hand einer großen Anzahl von aus Aluminium gefertigten Gegenständen, wie Gabeln, Löffeln, ärztlichen Instrumenten, Feldkeffeln, Feldflaschen, Feuerwehr­helm, Schlüsseln, Uhrketten, Portemonnaies, Röhren, Bier­seideln, Fingerhüten u. s. w., welche Rolle das Aluminium in Zukunft zu spielen berufen ist. Eine weitere Eigenschaft des Aluminums ist, daß dasselbe, mäßig dem Eisen zugesetzt, die Arbeit des Gießens erleichtert und den Guß verschönt. Die aus Aluminium hergestellten Gegenstände zeichnen sich, wie schon oben erwähnt, durch ihre Leichtigkeit aus - so war z. B. der Vergleich eines neusilbernen Restaurationslössels mit einem Aluminiumlöffel ein recht überraschender - die Gegenstände nutzen sich, wie an längere Zeit im Gebrauche befindlichen Schlüsseln u. s. w. bargelegt würbe, fast gar nicht ab. Nachbem Herr Brockmann noch eine Anzahl nach bcm Mannes- mann'schen Rohrwalzverfahren hergestellte Gegenstände, sowie solche aus Aluminium-Bronze, welche sich burch Festigkeit unb leichte Bearbeitungsfähigkeit auszeichnet, vorgezeigt hatte, bemerkte er, baß es sich nicht empfehlen würbe, schlechte Maaren aus Aluminium herzustellen, benn bas Aluminium bean­spruche infolge seiner Eigenschaften einen bevorzugten Platz im Kunstgewerbe. Es bedürfe zwar noch vieler Studien, aber dem Aluminium stehe noch eine glänzende Zukunft bevor. Der Vorsitzende des Gewerbvereins, Herr Ang. Heß, nahm nach Beendigung des mit vielem Beifall aufgenommenen, höchst lehrreichen, hier nur skizzenhaft wiederzugebenden Vortrags Gelegenheit, dem Herrn Vortragenden den Dank der Anwesenden auszudrücken. Hoffentlich werden auch die noch folgenden Vortragsabende des Gewerbvereins so zahl­reich besucht wie der gestrige.

Gut Heil! Gestern Abend sand unter reger Bethei­ligung der Mitglieder die vierte ordentliche Haupt­versammlung des hiesigen Turnvereins pro 1890/91 im Cafe Schnell statt. Der erste Sprecher berichtete über das verflossene Vereinsjahr, sowie über den jetzt vollendeten Turn­hallenbau. Die Kosten der Halle belaufen sich incl. des Bau- unb Turnplatzes, sowie ber Anschaffung ber nöthigen Geräthe aus Mk. 47 815.41 unb verbleibt bem Verein jetzt nach Abzug ber Hypothekaufnahme ein Baarvermögen von Mk. 39 784.35. Die Einnahmen bes verflossenen Jahres betragen Mk. 41668.25, bie Ausgaben dagegen Mk. 41382.48, mithin Kassenbestand Mk. 285.77. Die Unsallkasse hat die Summe von Mk. 630.34 erreicht.

Postpersonalnachrichten. Ernannt wurden: ber Post- kassirer Wittich in Mainz . zum Postdirector, ber Ober- Postbirectionssecretair von ber Mülbe in Darmstabt zum Telegraphenbirector, ber Postcassirer Allewelbt in Darm­stabt zum Postinspector, bie Ober-Postbireetionssecretaire Kuhlmann in Mainz unb Meyer in Worms zu Post- cassirern, ber Postsecretair Schallas in Gießen zum Ober- Postsecretair unb ber Postassistent Mees in Darmstabt zum Ober-Postassistenten. In ben Ruhestand tritt auf seinen Antrag ber Ober-Telegraphenassistent Weigelt in Mainz.

Neue Kaserueubanten in Heffen. Im Reichshaus- Halt-Etat für 1892/93 fittb unter militärischen Neu­bauten vorgesehen: Eine Cavallerie - Kaserne für zwei Schwabronen in Darmstabt unb eine Infanterie-Kaserne für zwei Bataillone in Worms.

An der LandeSbaugewerkfchnle in Darmstadt begann, wie bereits berichtet, ber 16. Jahrescursus am 16. No­vember. An ber Schule finb thätig 20 Lehrer, angemelbet 180 Schüler, von benen nur 141 angenommen werben konnten. Von ben Schülern finb 105 aus Starkenburg, 10 aus Rhein­hessen, 19 aus Oberheffen, 6 ans Preußen, 1 aus Bayern.

? Alsfeld, 17. November. Gestern wurde dahier bie erweiterte Han b werker schule feierlich eröffnet. Es hatten sich dazu angemelbet 12 Schüler, es werden in den nächsten Tagen jedoch noch zwei weitere hinzutreten. Da die Grün­dung dieses Instituts einem schon längst gefühlten Bedürfniß abhilft, so darf man hoffen, daß bie Frequenz mit ber Zeit eine größere werben wird. Der Eröffnungsfeierlichkeit folgte ein Festmahl imGambrinus", an welchem etwa 30 Per­sonen theilnahmen. Wir wünschen ber Schule von ganzem Herzen Glück unb gutes Gebeihen.

Friedberg, 18. November. Am Samstag ben 21. No­vember wirb im Gartensaale ber Brauerei Schmibt hier eine Versammlung von Turnlehrern stattfinben behufs Grün- bung eines Turnlehrervereins für Friebberg unb Umgegenb. Da in anberen Stäbten bes Groß- herzogthums: Darmstabt, Mainz, Worms, Gießen rc., ber Beweis geliefert worben ist, baß burch Turnlehrer-Vereine bas Schulturnen wesentlich gefördert werben Fann, ist eine rege Betheiligung an der Versammlung bringenb zu wünschen. Die auf gestern Abend auf Windeckers Felsenkeller ein- gelabene Versammlung ber hiesigen Geschäfts­leute, bie sehr zahlreich besucht war, beschloß in Bezug auf bie Sonntagsruhe einstimmig, vom 1. April 1892 ab bie Geschäfte Sonntags von 81 Uhr offen zu halten unb in diesem Sinne bei bem Gemeinberath vorstellig zu werben.

A Mainz, 18. November. Wie verschiebenen Blättern aus Berlin gemeldet wird, hat ber Gouverneur ber hiesigen Festung, General v. Reibnitz, seinen Ab schieb eingereicht. Als Nachfolger bezeichnet berRheinische Curier" General­lieutenant v. Holleben, Commanbeur ber 1. Garbe-Jnsanterie- Division, wogegen bieCoblenzer Zeitung" melbet, baß General v. Roon als Gouverneur für bie hiesige Festung bestimmt sei.

Der jüngst bahingeschiebene Dr. Perrot, ber viel­genannte Vertreter bes Zonentarifs, ist einer äußerst schmerz­lichen Krankheit erlegen. Bei einem heftigen Blasenteiben währte ber Tobeskampf 14 Tage, ber einzig burch Eingebung von Morphium etwas gelindert werben konnte. Das Schreck­lichste war, baß Perrot bei all seinen sich stets steigernben Schmerzen volles Bewußtsein behielt. Beiläufig bemerkt, ist Dr. Perrot arm gestorben unb feine Wittwe, bie ihm die treueste Pflegerin war, befindet sich in einer bedauernswerthen Lage.

* Mainz, 17. November. Ein bekannter Wirth dahier würfelte gestern Abend mit einigen GästenMax Moritz". Da klopfte es wiederholt an einem entfernten Tische, so daß der gute Mann das Spiel verlassen und einen Schoppen einschenken mußte, weil eben die Frau sich aus dem Zimmer entfernt hatte. Als er eben den Schoppen auftragen wollte, meinte er, die Mitspieler wolltenmogeln" unb er rannte beshalb mit bem Schoppen an ben Spieltisch, sah sich ben eben gemachten Wurf an unb bekam bann ben Würfelbecher zum Wurf. In ber Hitze bes Spiels stülpte aber ber Wirth, der den Würfelbecher in der linken, den vollen Schoppen in der rechten Hand hatte, diesen auf den Tisch, sodaß bie Glassplitter weit umherflogen unb bas edle Naß über ben Tisch lief. Man wirb sich bie unbänbige Heiterkeit der Gäste und den Aerger des Wirthes denken können.

Dermifdyies.

* Lahr, 17. November. Die auf gestern festgesetzte Ziehung der Großen Silber-Lotterie zu Gunsten des Ersten Deutschen Reichswaisenhauses ist auf Antrag betei­ligter Verbände verschoben worden. Der Ziehungstag wird später bekannt gegeben werden. Der Absatz der Loose war in den letzten Wochen ein sehr lebhafter, so daß im Verhält­nis zum Umfange der Lotterie ein nicht sehr bedeutender Theil der Loose noch zu verkaufen übrig ist. Das Gewinn- verhältniß ist ein außerordentlich günstiges, denn ben ausge­gebenen 200000 Loosen stehen Gewinne im Betrage von nicht weniger als 140000 Mark gegenüber.