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1891

Dienstag Len 20. Oktober

Nr. 244

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Neueste 2Iacfe richten.

WsM telegraphisches Eorrespovdmz-Eurecm.

Potsdam, 18.October. Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich heute Vormittag mit den drei ältesten kaiser­lichen Prinzen zu Fuß nach dem Mausoleum bei der Friedens­kirche und legten daselbst aus Anlaß des heutigen Geburts­tages weiland des Kaisers Friedrich Kränze nieder. Die Majestäten verrichteten am Grabe des verewigten Kaisers ein stilles Gebet, wohnten alsdann dem Gottesdienste in der Friedenskirche bei und begaben sich nach demselben ebensallL zu Fuß nach dem neuen Palais zurück.

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gewiß betrachteten Weltkrieg den Krieg im In- und Auslande popu­lär. Das tausendjährige Reich stehe zwar noch nicht bevor, aber er glaube an die baldige Einführung des Normal-Arbeitstages. Durch ungeduldiges Vorgehen werde alles bisher Errungene auf's Spiel gesetzt. (Theilweiser Beifall.) Wildberger stellt in seiner Entgegnung die radicale Tactik als die traditionelle Tactik der socialdemokratischcn Partei dar. Vollmar erwähnt dann noch, dieVolkstribüne" hätte ebenfalls den Dreibund als Friedenserhalter hingestellt, ihn aber gerade deshalb be­kämpft, weil ein baldiger Weltkrieg dringend wünschenswerth sei. (Große Bewegung.)

Meißen, 17. October. Heute Nachmittag erfolgte hier die Enthüllung des von Professor Andressen geschaffenen Böttger-Denkmals, welches die Stadt Meißen und deren Porzellanmannfactur dem Erfinder des Porzellans er­richtet. Das Denkmal besteht aus einer Broncebüste Böttgers, die auf reichverziertem Granitsockel ruht.

München, 17. October. DieAllgemeine Zeitung" meldet die Ernennung des Herzogs Wilhelm von Württemberg zum württembergiscken General der In­fanterie und dessen gestrigen Empfang durch den Kaiser von Oesterreich.

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Ausland.

Paris, 17. October Der Bankier Hoskier übersandte dem Seinepräfecten 10,000 Francs für die Pariser Armen anläßlich des, wie das Begleitschreiben sagt, glänzenden Er­folges der russischen Anleihe.

Rom, 17. October. Die Regierung hat beschlossen, das Verbot der Einfuhr von gesalzenem Schweinefleisch aus Amerika nach Italien aufzuheben.

Rom, 17. October. DemEconomista d'Jtalia" zu­folge wird Rudini in seiner Mailänder Rede am 8. November sich hauptsächlich mit der wirthschaftlichen und finanziellen Lage Italiens beschäftigen,- der Minister werde, an die Zusagen des Cabinets bei seinem Amtsantritt an- knüpsend, feststellen, daß diese Zusagen ihre volle Erfüllung erfuhren. Des Weiteren werde Rudini die durchgeführten Ersparungen eingehend analysiren, das abgeschlossene wie die künftigen Budgets einer Prüfung unterziehen und die Ab­sichten der Regierung darlegen, durch deren Verwirklichung das bereits erzielte Gleichgewicht sichergestellt und dem Budget größere Elastizität verliehen werden solle. Der Minister werde schließlich in Anknüpfung an die Handelsvertrags-Ver­handlungen mit Oesterreich - Ungarn , Deutschland und der Schweiz auch eine Darlegung der Zollpolitik Italiens geben.

Konstantinopel, 17. October. DieAgence de Con- stantinople" erklärt, die Nachricht über den Ausbruch einer Diphtheritis-Epidemie sei übertrieben; nur sporadische Fälle seien in der griechischen Schule in Galata vorgekommen, welche aus diesem Grunde geschlossen worden sei. Die Aerzte versichern, daß in diesem Jahre nicht mehr Fälle vorgekommen seien als alljährlich um diese Zeit. Die Nachricht, daß die Diphtheritis durch russische Juden eingeschleppt worden sei, wird offiziell dementirt.

Buenos Ayres, 17. October. Reuter-Meldung. Hier ist eine Ministerkrise ausgebrochen, zwei Minister haben demissionirt. Eine Wahlversammlung hat die Forderung auf­gestellt, daß das neue Cabinet aus Mitgliedern aller Par­teien gebildet werde.

Buenos Ayres, 17. October. Das Einvernehmen der Parteien bezüglich der Präsidentschafts-Candidatur hat vollständig aufgehört. Mitre zog seine Candidatur zurück und es wird die Berufung einer Versammlung der hervor­ragenden Persönlichkeiten aller Parteien zur Ausstellung eines gemeinsamen Candidaten erwcgen. Mitre habe ein maßvolles Manifest veröffentlicht, in welchem er seinen Rücktritt von der Candidatur ankündigt, aber hinzufügt, daß er an der inneren Politik des Landes mitwirken werde- er halte sich innerhalb der constitutionellen Grenzen zur Vermeidung von Unruhen, deren Freund er niemals gewesen sei.

DerrtHcher Reich.

Darmstadt, 17. October. Seine Kömgliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Domänenrath Stolz aus Friedberg, den Professor Dr. Braun von Gießen, den Betriebsinspector der Oberhessischen Eisenbahnen, Schoberth von Gießen, den Kreisbaumeister Daudt von Butzbach.

Darmstadt, 17. October. II. KK. HH. der Groß- herzog uud Prinz Heinrich von Preußen begaben sich heute Vormittag 83/< Uhr nach dem Griesheimer Schieß­plätze, um den Schießübungen der dort aus Unteroffizieren des 11., 13. und 14. Armeecorps gebildeten Uebungs-Com- pagnie bcizuwohnen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog kehrten von dort um 11 Uhr hierher zurück.

Berlin, 17. October. Der Kaiser und die Kaiserin trafen am Samstag Abend von dem mehrtägigen Aufenthalt in Schloß Hubertusstock im besten Wohlsein im Neuen Palais bei Potsdam ein. Am Sonntag, als dem 60. Geburtstag des hochseligen Kaisers Friedrichs, wohnten die kaiserlichen Majestäten nebst den übrigen zur Zeit in Berlin und Pots­dam anwesenden fürstlichen Herrschaften der feierlichen Ein­weihung des Mausoleums der Friedenskirche zu Potsdam bei.

Von den Vorlagen für die nächste Re ichs- tagssession ist es noch ziemlich still, wenigstens ist die Zahl der schon fertigen Entwürfe eine noch recht geringe. Die aus der Sommersession in die Wintersession mit hinüber­gebrachte Novelle zum Krankenkassengesetz, der Entwurf des neuen Trunksuchtsgesetzes, die Vorlage über Ergänzung und Abänderung von Bestimmungen des Betriebsreglemeurs für die Eisenbahnen Deutschlands und die Vorlage, betreffend die Einführung eines neuen Papieres für die Quittungskarten der Alters- und Jnvaliditätsversicherung das dürste neben einigen kleineren Sachen Alles sein, was zur Zeit an Material für die Reichstagsarbeiten vorhanden ist. Der neue Reichs­etat dagegen scheint noch in keinem einzigen seiner Theile fertig zu sein und was die angekündigten Reichsgesetze über den Verkehr mit Wein und mit Giften anbelangt, so sind noch nicht einmal die Vorerörterungen hierüber zum Abschlüsse gelangt. Hauptsächlich die Rücksicht auf den noch unfertigen Etat soll den Präsidenten Herrn v. Levetzow zu dem Ent­schlüsse bestimmt haben, den Reichstag erst auf den 17. Nov. einzuberusen, obwohl dessen Sommervertagung bekanntlich am 10. November endet. Immerhin könnte das Haus die da­zwischen liegende Woche zur ersten Berathung des Trunk­suchtsgesetzes und der vorhandenen kleineren Entwürfe ver­wenden und es bleibt daher bedauerlich, daß durch die signa- .lisirte Einberufung des Reichstages auf den 17. November demselben eine volle Woche verloren geht.

DieKöln. Volksztg." meldet, Commerzienrath Baare in Bochum beabsichtige, die Leitung des Bochumer Gußstahl-Vereins niederzulegen. Sollte Herr Baare ^wirklich diesen Schritt aussühren, so würde derselbe wohl mit

Gießen, 19. October 1891.

Betr.: Die Vertilgung der Blutlaus.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzt). Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 1. September d. I. (Kreisblatt Nr. 205) noch nicht ent­sprochen haben, werden an Erledigung mit Frist von 5 Tagen erinnert.

v. Gagern.

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Gießen, den 17. October 1891.

Betr.: Aufstellung eines Verzeichnisses derjenigen Gemark­ungen, in welchen Parzellenbrouillons bezw. Par- zellenkarteN'Copien vorhanden sind.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises und an die Polizeicommissariate Arnsburg und Mühlsachsen.

Sie wollen berichten, ob für Ihre Gemarkungen Par­zellenbrouillons bezw. Parzellenkarten'Copien angesertigt, bezw. ob Sie mit einem Geometer 1. Klaffe, eventuell mit welchem wegen Fertigung solcher in Verhandlung getreten sind.

Soweit zu Ihren Verwaltungsbezirken selbständige Ge­markungen gehören, wollen Sie dieselben in Ihren Berichten mitberücksichtigen.

v. Gagern.

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den Angriffen und Anklagen des Redacteurs Fusangel gegen \ den genannten Verein in Zusammenhang zu bringen sein.

Aus Berlin wird das Ableben eines der hervor­ragendsten Beamten des Reichspostamtes, des Geh. Postraths Oberpostdirectors Sachse, gemeldet.

Die von Deutschland auch mit Belgien eingeleite- ten und in Brüssel gesührten Handelsvertragsunter­handlungen werden sehr eifrig betrieben. Die Verhand­lungen werden zugleich von den belgischen Ministerien der Finanzen, des Ackerbaues und des Auswärtigen geleitet. Im Gegensatz zu dem deutsch-belgischen Meistbegünstigungsvertrage von 1865, welcher nur einen kurzen, auf Eisen, Stahl, Kohle und andere einzelne Artikel bezüglichen Taris enthielt, wird der neue Vertrag einen ausführlichen, auf alle Artikel bezüg­lichen Tarif enthalten. Es ist nicht unmöglich, daß der deutsch-belgische Handelsvertrag noch eher zu Stande kommt, als der deutschösterreichisch-italienische Handelsvertrag, ob­schon die Münchener Verhandlungen nun bereits fast zwei Monate dauern.

Berlin, 17. October. Nach derNational-Ztg." werden nach dem Zurücktreten Bonghis außer anderen national­liberalen Abgeordneten auch v. Bötticher am Friedens- c o n greß theilnehmen.

Berlin, 17. October. Der heutigen, in der Capelle des königlichen Domstiftes veranstalteten Feier für König Karl von Württemberg wohnten bei der Reichskanzler, die Minister v. Boetticher und v. Marschall, der Kriegs­minister, Vertreter des Bundesraths, des diplomatischen Corps, zahlreiche Offiziere und Gelehrte. Die Gedächtnißrede hielt Hofprediger Frommel. Er schilderte die Vorzüge des Heim­gegangenen. Mit einem Gebet des Hilsspredigers Neudörffer schloß die Feier.

Gleiwitz, 17. October. Unter den Arbeitern mehrerer Gruben bei Zabrze macht sich eine Bewegung zur Erlang­ung einer Lohnerhöhung bemerkbar. Auf Königin- Louisengrube striken eine geringe Anzahl, aus der Guidogrube gegen 500 Arbeiter.

Köln, 17. October. DieKöln. Ztg." erhält von dem Vorsitzenden der Gasflammkohlen - Vereinigung, Director Kierberg-Gelsenkirchen ein Schreiben, wonach dieser auf Grund der vomMoniteur des interets materiels gebrachten Nachricht über billige Angebote und Verkäufe von Flammkohlen nach Belgien bei den Rheinisch-westfälischen Flammkohlen-Zechen Umfrage gehalten hat und daraus von sämmtlichen Verwaltungen die Erklärung erhielt, daß weder in Flamm-Förderkohlen, noch in Flamm-Gruskohlen die fraglichen Offerten oder Abschlüsse von ihnen abgegeben, bezw. bethätigt worden seien. Es sei demnach durchaus unrichtig, daß in Flammkohlen zu dem angegebenen Preise von Frs. 12^2 frei Lüttich angeboren oder abgeschlossen worden sei. Wenn eine Offerte oder ein Verkauf zu diesem Preise vorliege, so müsse es sich um andere, sehr minder- werthige Grußkohlensorten handeln.

Posen, 17. October. Die Mittheilung von einem Ausfuhrverbot für Kartoffeln und einem bevor­stehenden Ausfuhrverbot für Waizenmehl und -Brod aus Rußland ist unbegründet.

Erfurt, 17. October. Social ist ent ag. Liebknecht sprach als letzter Redner Vormittags gegen Vollmar und die Opposition. Man müsse, um Erfolge zu haben, die Tactik nach den Verhältnissen ändern, während die Opposition, wenn sie consequent sein will, direct zur Proganda der That über­gehen muß. Die Erfolge des Parlamentarismus waren bisher gering, weil eben die Partei noch nicht die Mehrheit im Lande hinter sich hat. Die Weltgeschichte besteht aus Compromissen, aber nicht aus solchen des Capitalismus und Socialismus. Während der Rede herrschte völlige Stille. Oertel beantragt als Einschaltung in die Resolution einen Passus, der Vollmars Standpunkt und Tactik für die nächsten Aufgaben der deutschen Socialdemokratie verurtheilt. Bebel ist mit dem Antrag einverstanden. Ein, Vollmars Tactik ver- hängnißvoll nennender Passus wird zurückgezogen. Fractions- freundlich sprachen noch Tölcke, Agster und Schönlank. Die Programmberathung beginnt Montag. Die Commissiouswahl für die Programm-Berathung fand heute statt.

Erfurt, 17. October. Socialisten-Congreß. Voll­mar hält eine einstündige Rede über die Tactik. Bismarck habe zwar cynisch erklärt,ein Aderlaß diene zur Gesundung des Staatslebens"- die Zeit dieser Blutpolitik sei aber an­scheinend vorüber. Nicht der Dreibund habe das russisch- französische Bündniß bewirkt, sondern dieses jenen. Er (Voll­mar) wolle den Frieden im socialdemokratischen Interesse. Bebel, der als Optimist von einem Weltkrieg den Sieg der Socialdemokratie erwartet, mache durch Sprechen von einem als

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