Aufregung im Saale, welche bei Aufwerfen der Frage bezüglich der Zuständigkeit des Gerichtshofes entstand, ließ der Vorsitzende den Saal räumen. Nachdem die Verhandlung wegen der vorgerückten Abendstunde auf morgen vertagt worden war, verließen die Angeklagten unter großem Geräusche den Saal. %
Paris, 15. October. Die kirchlichen Blätter veröffentlichen die Antwort des Bischofs von Seez aus das Circular des Cultusministers bezüglich der Einstellung der Pilgerfahrten nach Rom. Dieselbe weist es aufs Schärfste zurück, das die Bischöfe gleichsam als die Schuldigen hingestellt habe und schließt: „Wenn auch die geheiligten Rechte der Kirche mit Füßen getreten werden von jenen, welche dieselben vertheidigen sollten, bleiben wir doch ohne Furcht für die Zukunft."
Loudon, 15. October. Der Sturm an den britischen Küsten und die Regengüsse dauern auch heute fort. Aus vielen Orten werden Ueberschwemmungen, auch Unfälle zu Wasser und Lande zahlreich gemeldet.
Petersburg, 15. October. Oelkuchensendungen, deren Frachtbriefe bis spätestens zum 9. October neuen Stils datiren, werden bis zum 27. October zur Ausfuhr zugelassen. Dieselbe Vergünstigung wird den in russischen Häfen lagernden Oelkuchensendungen zu Theil, wenn sie in Petersburg und in Libau bis zum 13., in Riga bis zum 14. und in Reval bis zum 15. October neuen Stils zollamtlich zur Ausführung angemeldet worden sind.
Konstantinopel, 15. October. Nach der „Agence de Constantinople" ist die auf Provenienzen von der arabischen Küste von Jambo bis Condudah verhängte zehntägige Quarantäne gegen Norden bis Omelitsch und gegen Süden bis zum Golfe von Babelinandeb ausgedehnt worden und die über das Küstengebiet von Karamanien und Syrien, Mersina exclusive und bis Tripolis exclusive verhängte Quarantäne wurde gegen Süden bis Jaffa exclusive erstreckt.
Depeschen des „Bureau Herold".
Berlin, 15. October. Das „Berl. Tagebl." meldet aus Rom: Bonghi gab seine Demission als Präsident des Friedenscongresses.
Berlin, 16. October. Nach dem „Tagebl." bestätigt es sich, daß von Blume Eommandeur des 2. Armeecorps wird.
Erfurt, 15. October. Socialisten-Congreß. Singer begrüßt die Ausländer. Auer erstattet den Geschäftsbericht des Parteivorstandes und behandelt die Land-Agitation, sowie den Erfolg durch Verbreitung von Broschüren, bemerkt indessen, daß das gesprochene Wort am wichtigsten sei. Er vertheidigt den „Vorwärts", die Opposition habe freie Meinungsäußerung, aber sie solle die gemachten Vorwürfe beweisen oder widerrufen, sonst erfolge ihr Ausschluß. (Lebhaftester Beifall.) Für die Opposition erhält Werner das Wort. Derselbe lehnt die Jdentificirung mit der Opposition ab, er habe nicht die Parteileitung, sondern den Chauvinismus und Opportunismus Vollmars angegriffen. Der Medacteur des „Vorwärts" habe einen radicalen Club gegen die Parteileitung gründen wollen. Der „Vorwärts" habe Berichte unterdrückt und abgeändert. Die Opposition habe nicht entsprechen können der Aufforderung, Beweise zu liefern, denn es bestehe keine geschlossene organisirte Opposition. Niederauer, von der Opposition, meint, die Berliner hätten ihre Eigenthümlich- keiten (Heiterkeit), dieselben verwürfen den Beschwerdeweg. Außerdem sprach noch Bätge-Hamburg, auch von der Opposition. Die Reden der Opposition fanden keinen Beifall.
Erfurt, 15. October. Socialisten - Congreß. Nachmittags-Sitzung. Alle 230 Mandate sind für gültig erklärt. Außerdem sind 17 Abgeordnete anwesend. Nachdem mehrere Redner ein Zerreißen des Tischtuchs mit der Opposition gefordert haben, sprachen Bebel, Fischer, Liebknecht und Grillenberger gegen die Opposition. Fischer wird sehr lebhaft, Liebknecht spricht äußerst ruhig. Grillenberger bemerkt, er würde einen Trauerrand bei Kaiser Friedrichs Tod angewandt haben, wenn er den Angriff der Opposition vorausgesehen hätte. (Heiterkeit.) Die Oppositiun war gedrückt, beinahe verzweifelt und erklärte, die Parteileitung überhaupt nicht angegriffen zu haben, was Fischer dahin übersetzte: „Rette sich, wer kann." Bebel beantragte die Einsetzung einer Untersuchungs-Commission, sowie eine längere, die Tactik der Parteileitung billigende und dieselbe genauer präcisirende Resolution.
Rom, 16. October. An dem Friedensco ngr eß nehmen 16 Deutsche, 32 Oesterreicher und 12 Ungarn Theil. Aus Oesterreich kamen bisher vier Absagen, von den angemeldeten Deutschen sagte keiner ab.
London, 15. October. Das Hydepark-Thor fiel infolge eines Sturmwindes herab und warf mehrere Personen nieder. Viele Personen erlitten starke Quetschungen, eine wurde schwer verwundet in das Hospital gebracht.
Kiew, 15. October. Infolge der Entdeckung einer Verschwörung gegen den Czaren wurden 500 Studenten verhaftet. Die Universität soll geschlossen werden. In den Kasernen ist das Militär bereit.
Cocales mtfc KvovinzreRes.
Gießen, 16. October.
Feuerbestattung. Nach dem letzten Berichte über die in Gotha vollzogenen Feuerbestattungen sind abermals zwei Angehörige des Großherzogth ums Hessen mit Feuer bestattet worden: Frau Ottilie Senfter, Wittwe des Dr. phil. Senfter zu Oppenheim, und Rentner Jakob Zilz aus Mainz.
— Ende September waren bei den Jnvaliditäts. und Altersverficherungsaustalten und den zugelassenen Kasseneinrichtungen 155338 Ansprüche auf Bewilligung von Altersrente erhoben worden. Von diesen wurden 117 735 Rentenansprüche anerkannt, 24247 zurückgewiesen und 2932 auf andere Weise erledigt, so daß 10424 Ansprüche - unerledigt auf den Monat October übergegangen sind. Von I
den sämmtlichen Ansprüchen waren 148776 in den acht ersten Monaten des Jahres, 6562 im Lause des Monats September erhoben worden.
4" 8ich, 15. October. Eine Dienstmagd wurde von ihrer Herrin in der Weise „bearbeitet", daß das Mädchen in das hiesige Spital verbracht werden mußte.
+ Ettingshausen, 15. October. Nächsten Sonntag findet dahier die feierliche Einweisung des neuernannten Pfarrverwalters Ritter durch Decan Pullmann aus Grünberg statt.
+ Muscheuheim, 15. October. Gestern Abend brannten hier drei Scheuern nieder. Das Feuer soll dadurch entstanden sein, daß durch einen Jungen aus Unvorsichtigkeit eine Laterne umgestoßen worden und hierdurch eine Entzündung sofort stattgefunden haben soll. Leider ist der eine der Abgebrannten nicht versichert.
Dirlammen (Kr. Lauterbach), 9. October. Vor einigen Tagen ist dahier eine Frau beerdigt worden, welche an einer Blutvergiftung verstorben ist. Dieselbe war bei der Aussaat von Korn behülflich und hatte sich bei dieser Gelegenheit eine Distel in den Finger gestoßen. Durch eingetretene Blutvergiftung trat der Tod in kurzer Zeit ein. Die Verstorbene hatte das 70. Lebensjahr überschritten.
Mettenheim, 12. October. Ein Act kaum glaublicher Rohheit wurde vor etwa 8 Tagen hier verübt. Der Landwirth Riel von hier läßt gegenwärtig einen Neubau aufführen. Des Bauherrn Söhnchen sah eines Morgens den Arbeitern zu. Ohne jegliche Veranlassung wurde dem Kinde eine Quantität Mörtel in's Auge geworfen, daß die Eltern genöthigt waren, dasselbe in eine Augenheilanstalt nach Worms zu verbringen, allwo ihnen wenig Hoffnung auf Erhaltung der Sehkraft in Aussicht gestellt wurde. Der Thäter, ein fremder Maurergeselle, ist flüchtig.
A. Lampertheim, 15. October. Zu Anfang Dieses Monats brachten die Zeitungen die Nachricht aus hiesigem Orte, daß die Diph teritis, dieser Kinderwürgengel, plötzlich in erschreckender Heftigkeit aufgetreten fei. Dem Herrn Oberlehrer Baumann dahier starben binnen dreimal vierundzwanzig S.unden drei Kinder üm Alter von 4, 7 und 11 Jahren weg. Auch das vierte Kind war schwer erkrankt und wurde von den Aerzten aufgegeben. Da erschien eine einfache Bürgersfrau aus Mannheim, deren Adresse „F. G. Greulich, G. 3, 11a" ist, ganz freiwillig und ungerufen und erklärte, daß sie das vierte und letzte Kind der tiefgebeugten Eltern retten wolle. Letztere waren anfangs zurückhaltend- als Frau Greulich aber eine ganze Reihe von Zeugnissen über glückliche Euren in schweren Diphteritiserkrankungen, ausgestellt von den verschiedensten Ständen, hervorzog, vertrauten die schwergeprüften Eltern der Frau ihr letztes Kind an. Schon nach drei Tagen trat Besserung ein. Am sechsten Tage verlangte das Kind nach fester Nahrung und jetzt bewegt es sich bereits wieder im Freien. Man kann sich denken, daß dieser Fall in der ganzen Gegend großes Interesse erregt und daß er von Medicinern und Laien lebhaft besprochen wird. Um allen Verdunkelungen und irrigen Auslegungen die Spitze abzubrechen, hat Herr Baumann die Vorgänge im „Mannheimer Tageblatt" veröffentlicht, aus welchem Blatte Obiges ein kurzer Auszug ist.
Langen, 13. October. Ueber die hier zu errichtende Haushaltungsschule vernimmt man nun Folgendes: Es wird Unterricht ertheilt in allen Fächern des Haus- haltungswesens, als: Kochen, Nähen, Waschen, Bügeln, Reinigen, Melken, Suttern, Buchführung und sonstige schriftliche Arbeiten rc. Der Unterricht dauert fünf Monate und werden jährlich zwei (Surfe abgehalten. Die Schülerinnen finden während des fünf Monate dauernden Aufenthaltes Aufnahme in der Anstalt selbst und stehen darin unter Aufsicht der Hausmutter in dem Verhältnisse wie in der Familie die Tochter zur Mutter. Die Zahl der Schülerinnen wird sich auf etwa 25 beschränken. Das Honorar wird sich incl. der kleineren Bedürfnisse im Ganzen aus etwa 150—160 Mk. belaufen.
vermischtes.
* tt Hersfeld, 15. October. Durch unvorsichtiges Hantiren mit einer Schußwaffe hat sich in unserer Stadt während des gegenwärtigen „Lullusmarktes" ein entsetzlicher Unglücksfall ereignet. Am Marktplatze neben „Hotel Kniese" wohnt der Kaufmann Gesing, welcher neben Eisenwaaren auch mit Jagdflinten handelt. Heute Morgen kommt nun der Bürgermeister von Mengers zu ihm und kauft eine Jagdflinte, Hinterlader, nebst Patronen. Nach einer Pause kommt der Bürgermeister wieder zurück in den Kaus- mannsladcn und beschwert sich dem anwesenden Chef der Firma gegenüber, daß das Gewehr nicht losgehe. Herr Gesing nimmt darauf die Waffe in die Hand, um nach der vermeintlichen Ursache zu sehen- kaum hat er das Jagdgewehr jedoch ergriffen, da kracht ein Schuß, die Fensterscheiben klirren und draußen auf dem Marktplatze stürzen mehrere Menschen mit gellendem Aufschrei leblos nieder. Das Gewehr hatte sich (man weiß selbst noch nicht recht, auf welche Weise und durch welche Fahrlässigkeit bei der Hantirung) von selbst entladen, der mit schweren Rehposten geladene Schuß war in einen Knäuel Menschen, die an einer Marktbude vor dem Hause standen, hineingedrungen- es hatte, zum Entsetzen Aller, zwei Todte und mehrere Verwundete gegeben. Der 10 Jahre alte Sohn des Tuchmachers Sauer hatte mehrere Schrote in das Gesicht erhalten, einer war in das Gehirn gedrungen und hatte den sofortigen Tod herbeigeführt- ein zweiter Knabe von 12 Jahren, der Sohn des Bauern Kropp von Branders, wurde dermaßen zugerichtet (das halbe Gesicht wurde ihm fortgeriffen rc.), daß der Tod alsbald eintrat. Der Handelsmann Franz Bernhard von Erfurt, welcher dicht vor dem Gesing'schen Hause Maaren verkaufte, erhielt mehrere Rehposten in den Rücken, das Rückgrad ist verletzt und an seinem Auskommen wird gezweifelt. Ferner ist noch '
der Lehrer Herr Löwe von Buchenau am Arme verletzt und eine Frau hat eine Schußwunde am Bein. Leicht verletzt sollen noch mehrere Personen sein. Die Aufregung in der r unbeschreiblich, der Kaufmann ganz untröst
lich. Die Untersuchung ist natürlich sofort eingeleitet.
* Frankfurt tt. M., 13. October. Ein Opfer der Laufener Kraftübertragung. Gestern Nachmittag wurde der Monteur Rau der Maschinenfabrik Oerlikon, welcher bei der Kraftübertragung Lauffen-Frankfurt in Sauffen beschäftigt ist, von hochgespanntem Strome getödtet, er wurde von dem leitenden Ingenieur, der plötzlich an seinen Instrumenten Schwankungen bemerkte, im Transformatorenhaus leblos auf dem Boden liegend aufgefunben. Rau hatte gegen die Vorschrift das Transformatorenhaus während des Betriebes betreten, wahrscheinlich um eine Aenderung an einer Lampe vorzunehmen, die er ganz leicht nach dem Bettieb hätte vornehmen können. Durch Berührung eines Drahtes in der hochgespannten Leitung ist er dann getödtet worden. Alle sofort angewandten Belebungsversuche hatten k-inen Ersclg.
* Marburg, 15. October. Zehnpfündige Rettige unglaublich, aber wahr! — wurden dieser Tage in dem Garten des Herrn W. Römheld Hierselbst in größerer An- äahl geerntet. Dieselben sind in tiefgründigem Boden gewachsen und erweisen sich als gesund und schmackhaft.
* „Das ist das Ende vom Liede" — ein Zettel mit diesen- Worten sand sich in der Tasche des Erschossenen, der seinem Leben am Goldfischteiche im Berliner Thiergarten ein Ende gemacht hatte. Er war erst 25 Jahre alt, hieß Emil Knoblauch, hatte in wenigen Jahren das von seinen Eltern ihm hinterlassene beträchtliche Vermögen durchgebracht und besaß bei seinem Tode noch 150 Mark davon. Seinem ganzen verfehlten Leben gemäß verjubelte er das ganze Geld in leichtfertiger Gesellschaft. Dieser Tage nahm er einen Wagen, in dem er sich bis ans Brandenburger Thor von Kellnerinnen begleiten ließ und verabschiedete sich dort von ihnen mit den Worten: „Nun sucht Euch einen andern Dummen!" Am Goldfischte^che ereignete sich bann „das Ende vom Liede."
* Sonntagsheiligung. Der belgische Eisenbahnminister Vandenpeereboom ließ in allen Postbureaux Formulare circuliren, worauf alle Briefträger erklären müssen, wann und in welcher Kirche sie Sonntags zur Messe gehen.
* Kathederweisheit. Georg Stephenson (1781—1848), ber berühmte Ingenieur unb Hauptbegründer unseres Eisenbahnwesens, konnte sich ordentlich ereifern, wenn er auf die Anmaßungen der Theoretiker und Herren vom gtünen Tische in technischen Sachen zu reden kam. „Was haben es mir diese Leute schwer gemacht mit ihien wissenschaftlichen Unmöglichkeiten !" rief er einmal bei solcher Gelegenheit aus. „Wenn es nach ihnen gegangen wäre, führen wir heute noa "cl cnso- wenig über das Chat Maß-Moor zwischen Liverpool und Manchester, dessen Ueberschrcitung durch eine Eisenbahn die Gelehrten für unmöglich erklärt hatten, als über das atlantische Meer. Dr. Lardner, mein hochgelehrter Freund, hatte ganz unumstößlich nachgewiesen, es sei unmöglich, daß ein Schiff mit Dampf über den Atlantic fahre, weil es gar nicht die dazu nöthigen Kohlen aufnehmen könne. Und das erste Schiff, das trotzdem mit Dampf hinübersuhr, meines anderen Freundes Cunard „Sirius", nahm die dicke Abhandlung zur Belehrung der Amerikaner mit.
Sehiffsnachvichteu*
Bremen, 15. October. sPer transatlantischen Telegravb.l Der Schnelldampfer Spree, Capt. W. Wtlltgerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 6. October von Bremen und am 7. October von Southampton abgegangen war, ist gestern 7 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angenommen.
Literatur und Unrrst.
— Die Kaiserlich Deutsche Marine. Ein Großfolioheft mit 28 Holzschnttttafeln und 8 Seiten Text. Vierte, veränderte und vermehrte Auflage. Preis in illuftrirtem Umschlag 1.50 Mk Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Zu den seefahrenden Nationen gehörten vor dreißig Jahren die Engländer, Nordamerikaner, Niederländer, Spanier und Portugiesen; nur bedingungsweise konnte man Franzosen, Italiener, Russen und Deutsche dazu zählen. Damals gab es noch keine Flagge des Deutschen Reiches, noch konnte sich der Freie Reichsstädter, der Hannoveraner, Mecklenburger und Oldenburger seiner eigenen Flagge rühmen, ohne zu begreifen, wie sehr diese Vielgestaltigkeit seinem eigenen Ansehen und seinen Interessen schadete. Mit Gründung des Norddeutschen Bundes begann ein ungeheurer Aufschwung, die deutsche Handelsmarine wird in kurzer Zeit die zweite der Welt sein und nicht mehr fern ist der Tag, an dem sich die Flagge des Deutschen Reichs über dem tausendsten Seedampfer entfaltet. Mit dieser Erweiterung des Verkehrs hat die Vergrößerung der Kriegsmarine Schritt gehalten. Wir sind auf dem Wege, eine seefahrende Nation zu werden. Ein Symptom hiervon ist das Aufblühen der nautischen Literatur, welche vor drei Jahrzehnten noch ganz fehlte. Von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der Prachtwerke über die Marine zu und beweist, daß auch theure Bücher über die deutsche Flotte im Lande Absatz finden. Eine Kenntniß der deutschen Kriegsflotte in die weitesten "Kreise des deutschen Volkes zu tragen ist aber kein Werk geeigneter als der Bilderatlas: Die Kaiserlich Deutsche Marine". Das in Großfolioformat gedruckte Buch beginnt mit einer Geschichte der deutschen Kriegsmarine, welcher sich eine Beschreibung aller vorhandenen Schiffe und Schiffstypen der deutschen Marine anschließt. Am Schluß ist dem Text ein Ver- zeichniß des Schiffsbestandes unserer Kriegsmarine zu verschiedenen wichtigen Zeitabschnitten, sowie eine Lifte des Schiffszuwachses vom Jahre 1848 bis 1891 beigegeben. Der Haupttheil des Werkes, der Schigsallas, enthält 25 Darstellungen der deutschen Kriegsschiffe und Kriegsschiffstypen. Jede Darstellung umfaßt eine Seite. Vom größten Panzerschiffe bis zum Torpedoboot sind 33 Schiffe und Fahrzeuge unserer Marine dargeftellt. Auf See und im Hafen, unter Segeln allein, unter Dampf allein, unter Dampf unb Segeln, in schlechtem und gutem Wetter, ftillliegend und manövrirend: kurz in jeder möglichen Lage und unter allen möglichen Umständen wird uns unsere Kriegsflotte vorgeführt, jedes Sckiff in einer für seine Bauart und Verwendung characteriftischen Weise. Die Größe der Blätter und die vorzügliche Ausführung der Holzschnitte machen die Darstellungen in einem Maße werthvoll, welches zu dem geringen Preise ganz außer Verhältniß steht. Eine sehr dankenswerthe Beigabe ist die dem Sckiffsatlas folgende Flaggentafel des Deutschen Reichs und des Preußischen Königshauses, die Darstellung der Schiffahrtszeichen an den deutschen Küsten mit den Sturmsignalzeichen der deutschen


