Rettung bezogenen Maaren mit dem Muster die Entscheidung des Schiedsgerichts innerhalb vierzehn Tagen nach der Lieferzeit anzurufen. Dabei macht sich Käufer verbindlich, sich dem Urtheile des Schiedsgerichts ohne Weiteres zu unterwerfen.
16) Zur Entscheidung der Streitigkeiten steht dem Schiedsgericht die Befugniß zu, die landwirthschaftliche Versuchsstation zu Darmstadt mit Gutachten zu hören, sowie sonstige Sachverständige nach ihrem Ermessen zuzuziehen. ____________
Anmeldung
zu der am........zu Gießen aus LonyS Bierkeller
stattfindenden Saatausstellung.
1) Bezeichnung der Saatwaaren.
2) Die Saatwaare wurde in der Gemarkung.......
gebaut.
3) Verkäufliche Menge in Kilogramm.
4) Preis für 100 Kilogramm.
5) Lieferzeit.
6) Es wird garantirt:
a. für Reinheit,
b. Sortenächtheit,
c. diesjähriges Saatgut.
7) Bemerkungen.
Ich habe von der umstehenden Saatausstellungs-Ordnung Kenntniß genommen und erkenne die Bestimmungen derselben für mich als bindend an.
.........(Ort), den . . ten.......1891.
(Unterschrift des Ausstellers.)
Gießen, den 7. September 1891.
Dar Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. September. Der kürzlich in Köln versammelt gewesene Deutsche Juristentag hat sich u. A. auch mit der durch den Entwurf des Trunksucht s- geseßes sehr zeitgemäß gewordenen Trunksuchtsfrage beschäftigt. freunde wie Gegner eines gesetzlichen Einschreitens gegen die Trunksucht sind aus dem Kölner Juristentag hart aneinander gerathen. Die ersteren proteftirten namentlich gegen die von den Gegnern vielfach beliebte scherzhafte Behandlung des ganzen Gegenstandes und bezogen sich bei ihrem Eintreten zu Gunsten der gesetzlichen Bekämpfung der Trunksucht mit darauf, daß eine solche Maßregel die Concurrenz- sähigkeit des deutschen Volkes aus wirthschastlichem wie geistigem Gebiete steigern würde. Indessen blieb die andere Partei schließlich Sieger, wie aus der mit nicht unbedeutender Stimmenmehrheit erfolgten Annahme eines Antrages erhellt, der besondere gesetzgeberische Maßregeln gegen Trunksucht und Trunkenheit für unnöthig erklärt. Es ist wahrscheinlich, daß dieses Ergebniß der Verhandlungen des Kölner Juristentages über die Trunksuchtsfrage nicht ohne Einwirkung auf deren weitere Entwickelung bleiben wird.
— Die Kette kleinerer wie größerer Mißgeschicke, welche die deutsche Colonialpolitik in Ostafrika betroffen haben, ist soeben um ein neues Glied vermehrt worden. Die aus etwa 450 schwarzen Soldaten und 15 weißen Offizieren und Unteroffizieren bestehende Expedition, welche unter Führung des obersten Commandeurs der deutsch-ostasrikanischen Schutztruppe, Premierlieutenants v. Zelewski, im Juli von Dar-es-Saalam zur Züchtigung der räuberischen Wahehe im Südwesten des deutschen Schutzgebiets ausgezogen war, ist von den Wahehe überfallen und völlig zersprengt worden. Es sind hierbei 10 weiße und 300 schwarze Soldaten gefallen, der Rest der Expedition soll nach Kondoa geflüchtet sein. Unter den Gefallenen befindet sich Herr v. Zelewski selbst. Von den siegreichen Wahehe wurden bei der Affaire
einen sauberen Anzug von braunem Leinen. Sein Haar war in der Mitte gescheitelt und glatt nach hinten gestrichen/ er hatte eine breite Nase, dunkle, ausdruckslose Augen, sehr hervorstehende Backenknochen und dicke Lippen. Er war grundhäßlich, aber von bescheidenem Wesen und sanfter, wohlklingender Sprache. Auf seinem Scheitel kam bereits eine Platte zum Vorschein, beim Gehen hielt er sich nach vorne gebeugt und alles in allem machte er den Eindruck eines beschränkten und gänzlich unbedeutenden Menschen, obgleich er sich einen „Doctor der Medicin" nannte und außerdem behauptete, ein guter Freund des Colonel Hellbrand zu sein.
Ich schenkte ihm Vertrauen. Seine ruhige Stimme übte, im Gegensatz zu der rauhen Sprechweise Mr. Wybrows, eine wohlthuende Wirkung auf mich aus/ außerdem wars zunächst mein einziger Wunsch, jenen neugierigen Gesichtern mit den unheimlichen Augen zu entgehen. Nach Ablauf einer Stunde befand ich mich bereits auf dem holperigen Wege nach Fort Lincoln, neben dem „Doctor" aus dem einzigen Sitze eines von starken Maulthieren gezogenen Wagens.
Ich entsinne mich nicht mehr, wie weit wir schon gekommen waren, als ich plötzlich meine bis dahin so zuversichtliche Ruhe verlor und nervös und ängstlich zu werden anfing. Nur so viel weiß ich, daß wir eine lange Strecke zurückgelegt hatten und daß ich schon herzlich froh gewesen war, Santana verlassen zu haben, da mein Begleiter mir mitgetheilt hatte, daß der frühere Postmeister vierzehn Tage zuvor von Cowboys überfallen und ermordet worden sei. Dies mochte auch eine Erklärung dafür sein, daß mein Bruder meinen Brief nicht erhalten hatte. Ueberhaupt sollte Santana nach seiner Schilderung der übelberufenste und unsicherste Ort aus viele Meilen in der Runde sein.
(Schluß folgt.)
die drei oder vier Geschütze, welche die Expedition mit sich führte, die gesammte Munitwn derselben und viele Gewehre erbeutet. Näheres über den traurigen Vorfall, der sich in der noch wenig bekannten Berglandschaft Uheha ereignete, fehlt noch. Jedenfalls ist aber durch die Vernichtung der Expedition Zelewski die Lage im südlichen Theile von Deutsch- Ostafrika wieder eine bedenkliche geworden, besonders ist die Station Mpwapwa, der hauptsächlichste militärische Stützpunkt der Deutschen im Innern des Schutzgebiets, sowie die dorthin führende Carawanenstraße ernstlich gefährdet. Auch steht zu befürchten, daß die unruhigen Mafiti, welche südlich von den Gebieten der Wahehe Hausen und deutscherseits wiederholt gezüchtigt werden mußten, durch die Niederlage der deutschen Schutztruppe in Uheha zu neuen räuberischen Unternehmungen ermuthigt werden. Wahrscheinlich wird Major v. Wißmann, der zur Zeit mit den Vorbereitungen zu seinem Dampfer-Unternehmen aus dem Victoria-See beschäftigt ist, wieder den Helfer in der Noth spielen müssen.
Darmstadt, 15. September. Aus Erfurt wird der „D. Ztg." unterm 14. d. M. geschrieben: Seine Königliche Hoheit der Großherzog begaben sich heute Vormittag mit dem Gefolge zu Wagen über Schmira nach dem Paradeseld des 4. Armeecorps bei Gamstädt. In der Parade standen die 7. und 8. Division und eine ad hoc zusammengezogene Reserve-Division/ außerdem die Cavallerie-Division A. Seine Majestät der Kaiser befahlen nur einen einmaligen Vorbeimarsch der Truppen, wohl in Rücksicht auf die große Hitze und den Staub und die zum Theil weiten Anmärsche der Truppentheile zum Paradefeld. Seine Königliche Hoheit der Großherzog waren um 1 Uhr wieder nach Erfurt zurückgekehrt. Allerhöchstdieselben wohnen in dem schön eingerichteten Hause des Herrn Geheimen Commerzienraths Stürke, Anger Nr. 56.
Neueste Auchviehten
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Berlin, 15. September. Der „Reichsanzeiger" bringt eine amtliche Erklärung der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über den Schutz der Erfindungen und Handelsmarken der Aussteller auf der Weltausstellung in Chicago, welche wesentlich besagt, das amerikanische Patentgesetz gewähre dem Ausländer dasselbe Recht wie den Bürgern der Union, die Ertheilung eines Patentes aus eine Erfindung sei auch dann noch möglich, wenn diese bereits in einem anderen Lande patentirt sei. Jeder Aussteller habe innerhalb zweier Jahre, vom Tage der Schaustellung der Erfindung ab gerechnet, rechtlichen Anspruch aus die Ertheilung des Patentes. Den Markenschutz anlangend, genieße der Ausländer denselben Schutz im Gebrauche der Handelsmarken wie der Bürger der Union.
Berlin, 15. September. Der „Reichsanzeiger" theilt einen Erlaß des Finanzministers mit, wonach die Ausführungs-Verordnung vom 11. April 1883 zum Einfuhrverbot auf amerikanische Schweine, Schweinefleisch und Würste bezüglich der lebenden Schweine ohne Weiteres seine Geltung verloren habe. Aus Schweinefleisch und Würste dagegen finden die bisherigen Vorschriften Anwendung, soweit nicht durch amtliche Bescheinigung dargethan ist, daß das Fletsch nach Vorschrift in den Vereinigten Staaten von Amerika untersucht und frei von gesundheitsschädlichen Eigenschaften befunden worden ist.
Erfurt, 15. September. Der Kaiser ist um 6V2, die Kaiserin um 7:/< Uhr auf das Manövergelände gefahren. Die Kaiserin reist morgen nach Wilhelmshöhe zurück, wo sie voraussichtlich bis 1. October verbleiben wird. Währenddes Zapfenstreiches läutete gestern zu Ehren des Kaiserpaares die große Domglocke „Maria Gloriosa".
Erfurt, 15. September. Der Kaiser versammelte nach Ankunft im Manöverselde die Schiedsrichter aus der Höhe zwischen Bienstädt und Zimmernsupra, beobachtete eingehend das Gefecht im Erfurter Felde und ließ, als nach dem Entscheidungskampf das Südcorps in den Besitz der Höhe gelangt war, das Gefecht abbrechen. Er hielt dann bei strömendem Regen eine längere Besprechung und nahm zum Schluß den Parademarsch ab. Um 23/4 Uhr traf der Kaiserin Begleitung des Grasen Waldersee in Erfurt ein.
Äfurt, 15. September. Nach 7 Uhr begann das Diner im Rathhause, wozu das Kaiserpaar die Spitzen der Behörden eingeladen hatte. Gegen 83/4 Uhr begann die Serenade der Gesangvereine, darauf folgte der Vorbeimarsch des Fackelzuges sämmtlicher Gewerke und (Korporationen. Der Kaiser und die Kaiserin traten wiederholt aus den Balkon hinaus und wurden laut begrüßt. Auch bei der Fahrt vom Rathhause nach dem Regierungsgebäude wurden sie mit lautem Jubel empsangen.
Stuttgart, 15. September. Das Befinden des Königs war in den letzten Wochen zufriedenstellend. Die anhaltend günstige Witterung ermöglichte den Aufenthalt im Freien, was bei andauernder Ruhe einen ersichtlich guten Einfluß aus die Erholung ausübte.
Paris, 15. September. Nach einer Meldung des „Journ. des Döb." aus Moskau ist der Roggenpreis auf den Binnenmärkten erheblich im Sinken begriffen. Man nimmt an, daß im November und December die Roggenvorräthe beträchtlich genug sein werden, um die Regierung zur Aufhebung des Roggenausfuhrverbots zu bestimmen. *
Haag, 15. September. Die General st aaten sind heute von der Königin-Regentin mit einer Thronrede eröffnet worden.
Petersburg, 15. September. Die Regierung wies für die Nothleidenden bereits 22 Millionen Rubel an, auch werden dieselben mit Wintersaatkorn versorgt. Laut einem amtlichen Verzeichniß sind dreizehn Gouvernements durchweg von einer Mißernte heimgesucht, acht andere nur von einer theilweisen Mißernte.
Newyork, 15. September. Dem „Herald" wird aus i Valparaiso, 14. September, berichtet: Balmaceda hielt >
i sich bisher in Valparaiso verborgen/ er ersuchte den amerikanischen Admiral um Schutz gegen seine Feinde. Der Admiral machte eß Balmaceda möglich, die Tracht eines amerikanischen Matrosen anzulegen. Balmaceda stellte sich trunken und wurde in einer Schaluppe an Bord des amerikanischen Admiralschiffes gebracht, das Abends nach Callao abging.
Madrid, 15. September. Die ostandalusische Küstenprovinz Almeria wurde von einer Ueberschwemmung heimgesucht, die große Verwüstungen angerichtet, u. A. die Telegraphenleitung unterbrochen und die Gasanstalt außer Thätigkeit gesetzt hat. Die Anzahl der Getödteten ist noch unbekannt. Mehr als 500 Gebäude wurden zerstört. Auch in der Provinz Ciudad-Real sind mehrere Dörfer verwüstet. — Nach weiteren Meldungen aus Consuegra sind die dort angerichteten Ueberschwemmungsschäden noch größer, als angenommen wurde. Gegen 2000 Personen sind thatsächlich ums Leben gekommen, zwei Drittel der Stadt zerstört, die noch stehenden Gebäude stark beschädigt, zahlreiche Leichname noch unbeerdigt, so daß der Ausbruch einer Epidemie befürchtet wird. Die Bevölkerung beginnt wegen Hungersnoth zu plündern.
Madrid, 15. September. Telegrammen aus Algesiras zufolge trug sich zwiscyen einem griechischen und einem italienischen Dampfer ein Zusammenstoß zu, bei dem 65 Personen umgekommen sind. Beide Dampfer sind gesunken.
Depeschen deö „Bureau Herold".
Berlin, 15. September. Die „Voss. Ztg." meldet aus Kattowitz (Oberschlesien): Eine Maschine fuhr auf den Morgenrother Personenzug. Fünfzehn, Personen wurden verletzt, darunter fünf schwer.
Berlin, 16. September. Nach der „Apotheker-Ztg. leitete die Reichsregierung die Regelung des Geheimmittelwesens ein.
Erfurt, 15. September. Das Kaiserpaar wohnte den Corpsmanövern des 4. Armeecorps bei Töttelstädt, west- lich von Erfurt, bei. Die Kaiserin verließ wegen des Regenwetters das Uebungsfeld um lO1^ Uhr.
Hamburg, 16. September. Vom „Presidente Pinto" musterten unter polizeilicher Aufsicht 45 Mann ab, infolge dessen konnte die Ausreise nach Havre nicht stattfinden.
Havre, 16. September. Tausend Dock- und Speicher- ; arbeiter legten gestern die Arbeit wegen nicht bewilligter Lohnerhöhung nieder.
Newyork, 15. September. Der von Berlin flüchtige, unter dem Namen Fritz Hildebrand in der Passagierliste des Dampfers „Saale" eingetragene Ernst Bock, Kassirer der Hypothekenbank, wurde bei seiner Ankunft an Bord verhaftet. Man fand 3000 Dollars bei ihm vor. Bei der Mittheilung, daß er angeklagt sei, 25,000 Dollars unterschlagen zu haben, bat er um Rückgabe seines Revolvers und weinte wie ein Kind. Er ist bereits vor den amerikanischen Richter gebracht.
Localer tmb provinzieller.
Gießen, 16. September.
— Provinzialausschuß-Sitzung. Samstag den 19. September, Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzial- Ausschusses der Provinz Oberhessen statt, in welcher folgende Gegenstände verhandelt werden:
1. Klage des Ortsarmenverbandes Kölzenhain gegen den Ortsarmenverband Altenhain wegen Unterstützung der Katharina Kraft aus Altenhain.
2. Klage des Ortsarmenverbandes Frankfurt a. M. gegen den Ortsarmenverband Beuern wegen Unterstützung der Katharina Henß aus Beuern.
3. Klage des Fri e d ri ch Ko ch sen. von Hain-Gründan gegen die Gemeinde Hain-Gründau wegen Allmend- nutznng betreffend.
— Ausstellung des Oberhesfischen Obstbau-Vereins zu Gießen (Steins Garten) vom 15. bis 23. October ds. Js. Gestern Abend fand in Steins Garten zwecks Bildung eines Local-Comitös eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn Gutsbesitzers Schien ke statt. Der Vorsitzende der Geschäftsstelle des Oberhessischen Obstbau - Vereins, Herr Dr. v. Peter, berichtete zunächst über den Verlauf und die Ergebnisse der im vorigen Jahre in Friedberg abgehaltenen Obstausstellung des Wetterauer Obstbau-Vereins, um den Erschienenen ein Bild über die zu treffenden Anordnungen, die finanziellen Ergebnisse, die Verloosung u. s. w. zu geben. Nicht nur finanziell habe diese Ausstellung befriedigt, sie habe auch den hoch anzuschlagenden Erfolg gehabt, daß das Interesse für den Obstbau in weiten Kreisen geweckt und dem Obstbau- Verein eine große Anzahl neuer Mitglieder zugesührt wurde. Der gestrigen Versammlung lag es hauptsächlich ob, die verschiedenen Commissionen einzusetzen, welchen im Anschluß an die Central-Commission die Leitung des Ausstellungs-Unternehmens obliegen wird. Die Central-Commission besteht aus den Herren Oberbürgermeister Gnauth als 1. Präsidenten, Redacteur Scheyda als 2. Präsidenten und aus den noch zu ernennenden Vorsitzenden der nachstehend bezeichneten Special-Commissionen. Es wurden gewählt in die Decorations-Commission die Herren: Carl Reiber, die Gärtner Carl Berger, Louis Becker, Carl Becker und Wilh. Gerhardt/ in die Ver- loosungs-Commission die Herren: Assessor Schliephake, Fr. Helfrich, Franz Senner, Lehrer Curschmann, Jos. Güngerich/ in die Verkaufs-Commission die Herren Dr. Thaer, Aug. Gabriel, Gustav Müller, C. Schlenke, Ad. Busch/ in die Finanz-Commissi on die Herren W. Gail, C. Kliugspor, G. Patz, Dr. Klewitz, Rentner Gw inner in Friedberg/ in die Ord - nun gs-Commission, die je nach Bedarf zu erweitern ist, die Herren I. Bernhardt, Lehrer Brücher, Chr. Pfeiffer, L. G e o r g i, Lehrer Curschmann, H. V o g t,


