Abg. Bebel: Die Palltativmtttel, um die es sich hier handle, seien nur Scheinmittel, die keine wirkliche Verbesserung der Lage der Arbeiter mit sich brächten. Die große sociale Bewegung könne aber durch Palliattvmittel überhaupt nicht aufgehalten werden.
Abg. Möller (natl.): Die Wähler der socialdemokratischm Abgeordneten seien selbst nur zum kleinsten Theile Soctaldemokraten, welche sagten, es könne nicht schaden, wenn die Arbeitgeber einmal etngeschüchtert würden.
Abg. Dr. Hirsch warnt davor, die Arbeiterausschüsse in den Kampf der Parteien zu ziehen.
8 134h wird mit dem Amendement Schmidt-Elberfeld angenommen.
Weiterberathung morgen 11 Uhr.
Neueste Nachrichten.
Wolfis telegraphisches Lorrespondenz-Bureau.
Berlin, 15. April. Die von dem Kaiser in der Schulconserenz vertretene Schulreform wird nunmehr in den Kadetten Häusern zur Durchführung kommen. Gemäß erlassener Cabinetsordre werden dazu neue Lehrmittel ausgearbeitet sür den Geschichtsunterricht, die Sagenkunde und Heimathskunde. Letztere nimmt eine von dem Kaiser als besonders wichtig bezeichnete Stelle ein. Die neuen Lehrbücher erscheinen hier bei dem Hosbuchhändler Mittler.
Berlin, 15. April. Der „Reichsanzeiger" meldet: In der Bildergall erie des Schlosses findet am Samstag Vormittag die Nagelung der dem Regiment Nr. 145, dem Pionier-Bataillon Nr. 17, den Husarenregimentern 3 und 7 zu verleihenden Fahnen bezw. Stand arten statt. Hieran schließt sich eine Parade im Lustgarten.
München, 15. April. Die Vermählung des Prinzen Alfons mit der Prinzessin Louise Alenyon fand unter Theilnahme sämmtlicher Mitglieder des Königs- und des Herzogshauses und zahlreicher Festgäste in der Nymphenburg statt. Die Civiltrauung vollzog der Minister Crailsheim, die kirchliche der Erzbischof.
Geestemünde, 15. April. Bei der heute stattfindenden Wahl im Kreise Geestemünde-Otterndors stehen sich folgende Candidaten gegenüber :
Von den Nationalliberalen: Fürst Bismarck.
„ „ Socialdemokraten: Schmahlfeldt.
„ „ Welfen: v. Plate.
„ „ Freisinnigen: Adloss.
Bei der letzten Reichstagswahl war im 19. hannöverschen Wahlkreise das Stimmenverhältniß folgendes:
Nat.-Ltb. Soctaldem. Welfen. Freisinnige.
Hauptwahl 8086 4888 2332 1798
Stichwahl 13722 6255 — —
Ueber die heutige Wahl liegen der „Frks. Ztg." folgende Berichte vor:
Geestemünde, 15. April. Bis jetzt wurden bei der heutigen Reichstagsersatzwahl im 19. hannöverschen Wahlkreise gezählt, einschließlich der Städte Geestemünde und Lehe, für den Fürsten Bismarck 2250, sür den freisinnigen Candidaten Adloff 1380, Plate (Welfe) 1200, Schmahlfeldt (Socialdemokrat) 2970 Stimmen. Bismarck erhielt weniger als sein nationalliberaler Vorgänger im Wahlkreise, Gebhard, das letzte Mal. Die Stimmenzahl der Socialdemokraten hat abgenommen, die der Freisinnigen ist gewachsen.
Geestemünde, 15. April. Resultate der Reichstagswahl im 19. hannoverschen Wahlkreise. Es sind bisher aus 36 Bezirken bekannt: Fürst Bismarck erhielt 2777, der Freisinnige Adloss 1463, der Welfe v. Plate 1370, der Sozialist Schmahlfeldt 2982 Stimmen.
Geestemünde, 15. April. Die Theilresultate der Reichstagswahl aus 40 Bezirken ergaben für den Fürsten Bismarck 3223, für Adloff 1630, für v. Plate 1391 und für Schmahlfeldt 3264 Stimmen. Etwa 60 Bezirke fehlen noch.
Geestemünde, 15. April. Zur Stunde sind die Stimmresultate in mehr als 45 Bezirken gezählt. Es entfielen auf Fürst Bismarck 3500, Adloff 1710, v. Plate 1480, Schmahlfeldt 3270 Stimmen.
Straßburg i. E., 15. April. Der älteste Professor der hiesigen Universität, Professor Reuß, Theologe und Philologe, ist heute, 87 Jahre alt, gestorben.
Wien, 15. April. Nach einer Meldung der „N. Fr. Pr." aus Rom erklärte der Gesandte der Vereinigten Staaten von Amerika, Herr Porter, gegenübereinem Journalisten, er sei nicht abberufen und die Unionsregierung hoffe auf eine freundschaftliche Erledigung des Streitfalls.
Wien, 15. April. Bei der Gemeiuderathsstich- wahl im ersten Wahlkörper des Bezirks Hernals siegte der Antisemit mit 57 gegen 56 liberale Stimmen. In Folge eines Fehlers beim ersten Scrutinium wurde ein Sieg der Liberalen verkündet, was Scandale verursachte, welche jedoch baldigst beigelegt wurden. Die Wahl des Gemeinderaths von Groß-Wien ist hiermit vollendet. Der Rath besteht aus 96 Liberalen und 42 Antisemiten.
Preßburg, 15. April. Der Districtsconvent der evangelischen Curaten diesseits der Donau, welcher heute die Beschickung der Synode berieth, nahm einen stürmischen Verlaus und endete mit einer vollständigen Spaltung. Die panslavistischen Seniorate beschlossen, überhaupt keine Vertreter in die Synode zu entsenden; die übrigen Seniorate beschlossen, unter Protest gegen den obigen Beschluß, die Beschickung der Synode.
Paris, 15. April. Während des Monats März betrug der Import Frankreichs 485 Millionen gegen 393 im Vorjahre. Industrielle Rohmaterialien wurden für 66 Millionen mehr als 1890 eingeführt. Der Export beziffert sich auf 348 Millionen gegen 338 im Vorjahre.
Cannes, 15. April. Die Großherzogin von Mecklenburg ist heute von hier abgereist. Sie begiebt sich zum Begräbniß der Großfürstin Olga nach Petersburg.
Plymouth, 15. April. Admiral Schröder und die Offiziere besichtigten gestern die königlichen Werften in Devonport unter der Leitung des Herzogs von Edinburg, mit welchem sie Abends dinirten. Die Unteroffiziere
der königlichen Kriegsschiffe in Plymouth gaben am Abend ein Essen zu Ehren der Unteroffiziere des deutschen Geschwaders.
Rom, 15. April. Der „Agencia Stesani" zufolge wurde eine Commission von drei Senatoren, fünf Deputirten und sechs Staatsbeamten eingesetzt, um sich mit dem ganzen Zollwesen zu beschäftigen und die nach Ablauf der be- tehenden Handelsverträge einzuführenden Reformen vorzu- icreiten. Der Bericht darüber soll im Juni vorgelegt werden.
Rom, 15. April. Nach einer Stefanimeldung aus Konstantinopel hat der oberste Sanitätsrath die Ouarantäne für Provenienzen aus Massaua aufgehoben, nachdem festgestellt worden, daß daselbst keinerlei ansteckende Krankheit herrsche.
Belgrad, 15. April. Die serbischen Regierungskreise -alten bestimmt an der Absicht fest, den Scuptfchtinabeschluß, betreffend die Landesverweisung der Exkönigin Natalie, auszuführen.
Newyork, 15. April. Auf dem Handels-Congreß der westlichen und südlichen Staaten in Cansas City wurde gestern ein Brief des Präsidenten Harrison verlesen, in welchem derselbe erklärt, es sei schon ein bedeutender Erfolg bezüglich der Abschaffung des Verbotes der Einsubr amerikanischen Viehs in Europa erzielt und er hoffe auf einen befriedigenden Abschluß der Verhandlungen, sobald die jetzige Viehschau den betreffenden Ländern bekannt sein werde.
Geestemünde, 16. April. Reichstagswahlresultat aus 54 Bezirken. Fürst Bismarck (natl.) 5197, Adloff (frei).) 1955, v. Plate (Welse) 2246, Schmahlfeldt (Soc.) 3490 Stimmen. 38 Bezirke fehlen noch.
Locales unb OrovinzieLes.
Gießen, 16. April.
— Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und Prinz Heinrich von Preußen, ersterer von Darmstadt und letzterer von Kiel kommend, trafen gestern Abend auf dem hiesigen Bahnhose zusammen und fuhren mit dem Zuge um 7 Uhr 35 Min. der Oberhessischen Eisenbahn nach Romrod zur Auerhahnbalz.
— Bei dem alljährlich zur Ergänzung des Heeres stattfindenden Aushebungsgeschäft ist größtentheils ein Ueberfluß an Mannschaften vorhanden, der die Zurückstellung und Ueber- weisung zur übungspflichtigen und nichtübungspflichtigen Ersatzreserve ermöglicht. Der in diesem Jahre zur Ausmusterung gelangende Jahrgang 1871 wird, mit Rücksicht auf die Kriegsjahre 1870—71, nach allen bis jetzt gemachten Wahrnehmungen, ein solches Resultat nicht liefern. In einzelnen Re- krutirungsbezirken sollen die Anmeldungen zur Stammrolle in so geringer Anzahl erfolgt sein, daß nicht einmal die Zahl der unbedingt aufzubringenden Mannschaften vorhanden ist und Ueberweisungen aus anderen Bezirken sich nöthig machen. Ebenso wird ein starkes Zurückgreifen auf ältere Jahrgänge erfolgen. Alle dem Jahrgange 1871 angehörenden jungen Leute, die irgend tauglich sind, dürften sich deßhalb darauf gefaßt machen, den bunten Rock zu tragen.
— Ueber die Ausbildung der Crsatzreservisten, von denen in diesem Jahre 12,500 zur ersten Uebung aus 10 Wochen einberufen werden, hat das Kriegsministenium folgende Bestimmung erlassen: 1) die Ersatzreservisten sind im Allgemeinen dazu bestimmt, im Kriege srühzeitig als Ersatz nach dem Kriegsschauplätze nachgesandt zu werden. Es kommt daher darauf an, sie bereits im Frieden an Manneszucht zu gewöhnen, sie marschfähig und mit dem Gebrauche der Waffe bekannt zu machen. Da sie zu selbstständigen Truppenkörpern nicht zusammengezogen werden, so ist es ihre Aufgabe, im Rahmen eines durchgebildeten Truppentheils ihren Dienst zu erfüllen; bei ihrer Ausbildung ist daher der Hauptwerth aus ihre Einzelausbildung zu legen. Bajonnetsechten ist überhaupt nicht, Turnen nur insoweit zu betreiben, als es die seldmäßige Durchbildung erfordert; eine Uebung des nur Parademäßigen ist ausgeschlossen. 2) Bei der Infanterie und den Jägern ist auf die Gefechtsausbildung besonderer Werth zu legen. Im Uebrigen müssen am Schluffe der ersten Uebung die Ersatzreservisten der Jnsanterie und Jäger befähigt sein, im Zuge zu exercieren und in diesem Rahmen Verwendung zu finden. Bei der zweiten und dritten Uebung sind die Compagnieschule und die verschiedenen Zweige des Felddienstes mit ihnen durchzunehmen. Zum Garnisonwachdienst sind dieselben bei jeder Uebung nur einmal heranzuziehen
§ Herchenhain, 14. April. Aus Anregung des Herrn Pfarrers Röschen wurde gestern hier eine Versammlung ab-- gehalten behufs Gründung einer Spar- und Darlehns- kasse. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht. Herr Landwirthschastslehrer Dr. Ullmann aus Büdingen hielt einen Vortrag und legte die Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit von Darlehnskassen den Anwesenden ans Herz. Es wurde die Gründung einer Spar- und Darlehnskasse für Herchenhain beschlossen und traten sofort 22 Personen als Mitglieder bei. Zum Präsidenten wurde Herr Bürgermeister Weidner von hier, Heinrich K o m p II. als Rechner, Lehrer Weber als Schriftführer gewählt. Gleichzeitig meldete die junge Genossenschaft ihren Beitritt zum Verband der hessischen land- wirthschastlichen Genossenschaften in Darmstadt an.
(D Rieder-Weisel, 15. April. Nie hat um er Ort einen größeren Leichenzug gesehen, als bei der gestrigen Doppel- beerdigung (bereits die zweite in diesem Jahr), in der man neben einem 20jährigen Jüngling die sterbliche Hülle des greisen Lehrers Schmidt zu Grabe brachte. In dem Heimgegangenen ist ein verdienstvoller Veteran der alten Schule aus diesem Leben geschieden. Er hatte, wie in früheren Zeiten vielfach üblich, seine Ausbildung nicht aus einem Seminar, sondern von einem Lehrer Fischer empfangen. Dessenungeachtet war er ein tüchtiger Didactiker, der unter anderen auch Seminardirector Schäfer zu seinen Schülern
zählte. Seine Verdienste wurden auch von der Regierung gewürdigt ; er erhielt zwei Orden von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog.
verinis«htes
* Darmstadt, 15. April. Herr Oberbürgermelfter Küchler zu Worms ist an Stelle des erkrankten Herrn Oberbürgermeisters Ohly zu Darmstadt in die Commission für R e- vision der Verwaltungsgesetze berufen worden.
*△ Mainz, 15. April. In nichtöffentlicher Stadt- verordneten-Sitzung wurde heute Abend die von der Stadt Mainz ausgeschriebene 4procentige Anleihe im Betrage von 5 Millionen vergeben. Dieselbe wurde der Deutschen Genossenschaftsbank Sörgel Parrisius u. Cie. in Frankfurt in Gemeinschaft mit der Oldenburgischen Landesbank, der Hannoverschen Bank, Ephraim Meyer in Hannover und Erich Wasserschleben in Gießen zu 100,60 übertragen. Außer von diesem Consortium war nur noch ein Offert ein- gelaufen und zwar von den Firmen Isaak Fulda und Gebr. Oppenheim hier, die die Hälfte der Anleihe zu 100,15 unter der Bedingung übernehmen wollte, daß die andere Hälfte von der Mainzer Sparkasse übernommen werden soll. Von den zu der engeren Submission eingeladenen Bankhäusern hatten noch einige Bankhäuser Angebote gemacht, aber mit Rücksicht daraus, daß die Darmstädter Bank sich nicht zur Uebernahme des Anlehens bereit gezeigt, vor dem Eröffnungsrermin ihre Offerten zurückgezogen.
* △ Mainz, 15. April. In einer sehr zahlreich besuchten allgemeinen Arbeiterversammlung wurde gestern Abend bezüglich der Feier des 1. Mai folgende Resolution gefaßt: Die Versammlung betrachtet den 1., refp. 3. Mai als einen Feiertag der internationalen organiftrten Arbeiterschaft und macht sich auf Grund dessen zur Pflicht und Aufgabe, dem Interesse der Arbeiterorganisation entsprechend, zu feiern. Ein Antrag, einen öffentlichen Umzug zu veranstalten, wurde abgelehnt.
* Offenbach, 14. April. Durch Genehmigung des Ministeriums werden in der Stadt Offenbach nicht weniger als fünferlei Kirchensteuern — es kommen außerdem noch die Israeliten dazu — erhoben. Es zahlen nämlich nach der diesbezüglichen Bekanntmachung in Offenbach die Evangelischen 1 Pfg. die Katholischen 3 Pfg., die Französisch- Reformirten 0,2 Pfg., die Altkatholiken 5 Pfg. und die Dentfchkatholiken 4 Pfg. von 1 Mk. Normalsteuercapital.
* Frankfurt a. M., 15. April. Vor der hiesigen Strafkammer gelangte heute die Briefmarkenfälschung, deren Entdeckung im Januar großes Aussehen erregte, zur Verhandlung. Wegen derselben wurde der Steindrucker Valentin Bauer ans Höchst, der geständig ist, 16,000 Zehnpfennigmarken angefertigt zu haben, zu vier Jahren Gefängniß ver- urtheilt^ die übrigen Angeklagten erhielten wegen Verbreitung der gefälschten Marken je 9 Monate bis 21/a Jahren Gesängniß.
* Frankfurt, 15. April. Am Montag lvurdeu auf den städtischen Aemtern Listen in Umlauf gesetzt, in denen sich die verheiratheten Beamten einzeichneten, welche Wohnungen in den neuerbauten städtischen Beamten Häusern in der Willemerstraße zu miethen wünschen. Da die Häuser früher fertig werden, als man vorher geglaubt hatte, so sollen die Wohnungen statt vom 1. September schon vom 1. August an bezogen werden können.
* Dresden. In der Antonvorstadt ist vor einigen Tagen eine Almosen-Empfängerin gestorben, deren Erben bei Durchsicht des Nachlasses das ansehnliche Vermögen von 100,000 Mark vorfanden. Die Verstorbene, welche ein sehr zurückgezogenes Leben führte, galt allgemein für eine arme und durchaus unterstützungsbedürftige Frau.
* Helgoland. Von einem Drama auf See gibt ein Zettel Kunde, der in einer dieser Tage in Helgoland an- getriebenen Flasche gefunden wurde. Der Zettel lautet: „Meine l. Marie. Da wir nun den Tod vor Augen haben und es in Gottes Willen ist, daß wir voneinander scheiden müssen, so sei unverzagt und beweine mich nicht, denn im zukünftigen Leben werden wir uns wiedersehen, ich kann nichts mehr schreiben. Wir sind gesunken bei Helgoland 71/2 Grad, 1. März. Dein treuer Bräutigam Hermann Felkens."
* Das deutsche Heer hat seine „Paroledame" verloren ! Wohl einzig in seiner Art war das Verhältniß, welches zwischen einer alten Dame und dem in Rostock garnisonierenden Füsilier-Regiment Nr. 90 bestand. Durch den Tod der alten Dame, welche im 74. Lebensjahre stand, ist dieses Verhältniß nunmehr gelöst und die deutsche Armee hat damit ein gut Stück Poesie verloren. Zwischen den munteren Füsilieren des Obotritenlandes und der Entschlasenen hatten sich seit langen Jahren Beziehungen entwickelt, welche auf der lebhaften Theilnahme für die Angelegenheiten der Garnison einerseits und auf pietätvoller Rücksichtnahme auf der anderen Seite beruhten. Die Soldaten, welche nacheinander dem Bataillone angehörten, die jungen Rekruten, die alten Reservisten, der Tambour und der Hornist, der Sergeant und Freiwillige, der Oberst wie der jüngste Lieutenant kannten alle ihre alte Paroledame oder Soldatenmutter, die jeden Mittag sich pünktlich zur Besehlsausgabe einfand: Fräulein Adelheid Mahn war stets zur Stelle, wenn die Väter und Mütter der Compagnieen, die gestrengen Herren Hauptleute und Feldwebel, sich beim Denkmal des alten Marschall Vorwärts zur Parole-Ausgabe versammelten. Bescheiden wartete sie in der Nähe, bis der Feldwebel an sie herantrat und ihr von den ausgegebenen Befehlen Mittheilung gemacht hatte. Wenn dann am nächsten Morgen die Corporalschasten antraten, so fehlte die Soldatenmutter nicht auf dem Platze. Das Volk erzählte sich, daß die Verstorbene einst eine tiefe, ideale Neigung zu einem schmucken Vaterlandsvertheidiger gefaßt hatte, daß jedoch „aus der Geschichte nichts wurde" und sie infolgedessen tiefsinnig ward. Aber der Farbe blieb die alte Dame, welche sich allgemeiner Achtung erfreute, treu bis zum letzten Athemzuge. Als die Soldatenmutter ihre Augen geschlossen hatte, da schmückte das Regiment ihren Sarg mit


