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fügt, unter einer Betheiligung von Tausenden programm­gemäß von statten und nahm einen glänzenden Verlaus. Gegen 7 Uhr fuhren von Darmstadt ab zwei Sonderzüge mit 35 bis 40 Wagen. Der erste Sonderzug, welcher in Darmstadt schon vollständig überfüllt war, fuhr direct bis Laufach, während der zweite Sonderzug an den verschiedenen Stationen zwischen Darmstadt und Aschaffenburg anhielt und die noch harrenden Menschenmassen ausnahm. Gegen 9 Uhr Vormittags trafen kurz hintereinander die beiden Züge in Laufach ein. Am Bahnhof wurde Ausstellung genommen und in geordnetem Zuge ging es dann nach dem Friedhof. Nach­dem daselbst die Vereinssahnen aufgestellt worden und die Gapelle des Großh. Hess. Feld.-Art.-Regmts. Nr. 25 einen Choral gespielt hatte, hielt Herr Pfarrer Haas von Laufach eine Allen zu Herzen gehende Ansprache. Namens des Ver­bandesHassia" legte hierauf Herr Bezirksvorsteher Engel (Darmstadt) mehrere Kränze auf das Grab nieder- ein Glei­ches geschah seitens des Vertreters des Kriegervereins Aschaffenburg, sowie von dem Präsidenten des Kriegervereins Griesheim für den in Laufach gefallenen Hauptmann Drescher. Die Musik spielte alsdann dasGebet". Nun erfolgte der Abmarsch nach Fronhosen, woselbst am Johanniter-Denkmal die Hauptfeier stattfand. Nachdem die Musik den Choral Wie sie so sanft ruhen" gespielt, hielt Herr Dr. Neuling, Vorsitzender des Kriegervereins Darmstadt, eine Ansprache, in welcher er, anknüpsend an die bei Enthüllung des Nieder­walddenkmals von Kaiser Wilhelm I. gesprochenen Worte: Den Gefallenen zum Gedächtniß, den Lebenden zur An­erkennung, den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung", aus die Bedeutung der Feier von Fronhofen hinwies und insbesondere Derer gedachte, die vor nun 25 Jahren in treuer Pflichterfüllung ihr Leben in die Schanze geschlagen. Der Verlaus des Krieges von 1866 habe gezeigt, daß die hessische Waffenehre unbefleckt aus dem Kampfe hervorgegangen, dies chabe der damals mit weit besseren Waffen ausgerüstete Feind anerkannt- nur 4 Jahre später hätten dieselben Regimenter durch die Namen Vionville-Gravelotte, Metz, Orleans, Briare und Chambord neuen Ruhm in ihre Geschichte eingeflochten. Redner schloß mit den Worten:Möge unserem Volke und möge unserem einigen deutschen Vaterlande bewahrt werden der Segen des Friedens! Möge das Deutsche Reich unter dem Schutze unseres erhabenen Kaisers und unserer Landes- fürften blühen, wachsen und gedeihen! Gott schütze und er­halte Seme Majestät den deutschen Kaiser! Gott schütze und erhalte unsere Landessürsten! Gott schütze und erhalte unser deutsches Vaterland und mit ihm Fürst und Volk unseres Hessenlandes! Das walte Gott!"

Hierauf erfolgte die Niederlegung von Kränzen und zwar seitens des Bezirksvorstehers Engel-Darmstadt für den VerbandHassia", des Großh. Beigeordneten Lauteschläger für die Stadt Darmstadt, Kamerad Zöller für den Hilfs­verein und Jnvaliden-Unterstützungsverein für 1866- sodann wurde ein Kranz Namens des Kriegervereins Aschaffenburg, sowie von dem I. Obmann-Stellvertreter des Militär-Veteranen­vereins Wien, Johann Karl, ein solcher sür die Gefallenen niedergelegt. Auch eine große Anzahl Angehöriger der Ge­fallenen, welche sich ebenfalls zur Feier eingesunden hatte, sowie einzelne Kameraden der Gefallenen legten sowohl am Johanniter-Denkmal, als auch an den verschiedenen Gräbern bei Fronhofen und Laufach Kränze nieder. Die Musik spielte den ChoralLobet den Herrn". Hieraus wurden von den Anwesenden die verschiedenen Massengräber besucht. Nach diesen feierlichen Acten nahmen die Festgäste in Fronhofen das Frühstück ein und erfolgte alsdann der Abmarsch in ge­ordnetem Zuge nach dem Bahnhof Laufach zur Rückfahrt nach Aschaffenburg, woselbst die beiden Sonderzüge um 2 Uhr eintrafen. Hier verteilten sich die einzelnen Vereine zum Mahle in die verschiedenen Gasthöfe. An Seine Majestät den deutschen Kaiser, an Seine König!. Hoheit den Großherzog von Hessen, an Seine Königl. Hoheit den Prinzregenten von Bayern und an Seine Majestät den Kaiser von Oesterreich wurden Telegramme folgenden Inhalts abgesandt:Die hier zur 25jährigen Gedächtnißfeier der Gefallenen von 1866 versammelten hessischen Krieger entbieten hierdurch ihren ehr­furchtsvollsten Gruß."

Cocates utt6 Ovovrirzlelles.

Gießen, 14. Juli.

*** Coucert der Großherzoglichen Kammersängerin Frau- lein Marie Langsdorff. Das Abschiedsconcert des Fräulein Langsdorfs hatte am Sonntag den 12. d. M. eine zahl­reiche Schaar unserer Musikfreunde versammelt, welche mit wohlverdienten Beifallsspenden nicht geizte. Die Lieder, welche Fräulein Langsdorff zu Gehör brachte, gehörten sämmrlich dem besseren Genre an und bekundeten neben dem feinsinnigen Geschmack auch die schöne Begabung der Künst­lerin. Sie sang mit Wärme, Ausdruck und Leidenschaft. Dazu kam die vortreffliche Declamation, verbunden mit dra­matischer Gestaltungskraft, welche bei Liedern, wieLiebes- treu" undMeine Liebe ist grün" von Brahms, sowieDu rothe Ros'" von Leßmann, unbedingt von größtem Vortheil war und in der ZugabeErlkönig" von Schubert den Gipfel­punkt erreichte. Wie die Concertgeberin auf der einen Seite ^rls Sängerin Hervorragendes leistete, so zeigte sie sich in den von ihr geleiteten Frauenchören als ebenso tüchtige Leh­rerin. Die jungen Damen sangen vortrefflich geschult, die -Chöre waren in rhytmischer und dynamischer Beziehung ab­gerundet, während die Soloparthien von schätzenswerten Dilettantinnen ausgezeichnet interpretirt wurden. Besonders in MenkesBlumengeister" traten obenerwähnte Vorzüge -angenehm hervor. Fräulein Sophie Groos brachte durch ihre beiden Claviervorträge, Beethovens D-moU-Sonate und Fantasie von Chopin, welche sie mit Virtuosität und Geist vortrug, eine angenehme Unterbrechung, während sich Fräulein Holzapfel als vortreffliche Begleiterin der Lieder bewährte.

p. Straußconceri. Zu unseren Mittheilungen über das erste Straußconcert tragen wir heute einige Bemerkungen über die Geschichte der Strauß'schen Familie und Capelle nach, weil wir bemerkt haben, daß in dieser Beziehung im Publikum vielfach irrige Vorstellungen bestehen. Begründet ist das Orchester im Jahre 1825 von dem älteren, 1804 in schlichten Verhältnissen geborenen Johann Strauß, der seit dem Jahre 1833 Deutschland, England und Frankreich mit seiner Capelle bereiste. Nach seinem Tode im Jahre 1849 trat Johann, sein ältester Sohn, an seine Stelle. Dieser ist 1824 geboren und als Componist einer Reihe ungemein beliebter Tänze (Schöne blaue Donau, Wienerblut, Kußwalzer u. s. w.) und zahlreicher Operetten (Fledermaus, Lustige Krieg, Zigeuner­baron) das berühmteste Mitglied der Familie. Mit der Strauß'schen Capelle machte er weite Kunstreisen in Europa und kam 1872 auch nach Amerika. Gegenwärtig lebt er aus einem Besitzthum bei Wien, nachdem er sich schon längere Zeit von seinem Dirigentenposten zurückgezogen hat. Die Leitung seiner Capelle war zunächst auf seine beiden Brüder Josef (geb. 1827) und Eduard (geb. 1835) übergegangen, von denen der erstere bereits im Jahre 1870 im schönsten Mannes­alter starb. Seitdem führt Eduard Strauß die Direction allein. Es verlautet, daß auch er demnächst zurücktreten wird. Zum Schluß wollen wir nicht unterlassen, den Herren Stein und Challier sür den Kunstgenuß, den sie uns verschafft haben, unseren Dank auszusprechen.

Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht: am 3. Juli dem Bürgermeister Johannes Vogel V. zu Mainzlar das all­gemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für langjährige treue Dienste" zu verleihen.

Ernennungen. Se. Königliche Hoheit der Groß- ; erzog haben Allergnädigst geruht, am 9. Juli den Prof. Dr. Henneberg zum Director der Technischen Hochschule für die Zeit vom 1. September 1891 bis 31. August 1892 aus Vorschlag des Lehrerraths zu ernennen.

Briefmarkeu-Automaten. Eine allgemeine Einführung von automatischen Apparaten, die an öffentlichen Briefkästen angebracht werden- sollen, plant die Kaiserliche Postverwaltung. Dieselben sollen einem Jeden Gelegenheit geben, sich durch Hineinwerfen einesNickels" in eine dazu bestimmte Oeffnung eine Briefmarke auf diesem kürzesten Wege zu beschaffen. Derartige Automaten sollen nicht nur in Berlin, sondern auch bei den Briefkästen in den Provinzialstädten Verwendung finden.

Der allgemeine deutsche Jagdschutzverein, Landesvereiu Großherzogthum Hessen, hat im Jahre 1890 53 Prämien im Betrage von insgesammt 521 Mk. verliehen und zwar er­hielten: 29 Gendarmen 216 Mk., 10 Forstwarte 138 Mk., 5 Feldschützen 83 Mk., 5 Jagdaufseher 60 Mk, 4 Private 24 Mk. Nach Provinzen getrennt wurden in Rheinhessen 27 Angaben mit 227 Mk., in Oberhessen 13 Angaben mit 168 Mk., in Starkenburg 13 Angaben mit 126 Mk. bedacht. Der Verein verwilligt bekanntlich jedem, welcher einen Wild­dieb oder einen Käufer gestohlenen oder während der gesetz­lichen Schonzeit erlegten Wildes derart zur Anzeige bringt, daß seine Bestrafung' erfolgt, eine Belohnung bis zu 100 Mk. Anträge auf Belohnung sind an den Geschäftsführer des Vereins in Darmstadt zu richten.

Internationale elektrotechnische Ausstellung in Frank­furt a. M. Am 26. August versammeln sich in Frankfurt die Delegirten aller größeren Städte Deutschlands (auch Gießen hat eine Einladung erhalten) und vieler Städte des Auslandes zu einem Congresse, dessen Zweck ist, die städtischen Behörden mit dem gegenwärtigen Stande electrischer Central­stationen, sowie mit den vielseitigen technischen Einrichtungen und den wirthschaftlichen Ergebnissen derselben vertraut zu machen. Die hierdurch verbreiteten Kenntnisse und Aufschlüsse sollen im Kreise der städtischen Verwaltungen, von denen eine Anzahl die Frage der Errichtung städtischer Centralen erst nach den Ergebnissen der Ausstellung regeln will, fördernd wirken und den wichtigsten Principien der Electrotechnik all­gemeinen Eingang verschaffen. Bei der sür diesen Congreß in Aussicht genommenen kurzen Dauer von drei Tagen ist es nicht möglich, alle die vielen interessanten Anlagen durch Vertreter der einzelnen Firmen in mündlichem Vortrage zu erklären und zu erläutern. Um dies jedoch in anderer Weise zu ermöglichen, beabsichtigt der Vorstand, den Vertretern der Städte ein Werk in Form einer Festschrift zu überweisen, in welchem die bedeutendsten im Betriebe und im Bau be­findlichen Centralstationen in Wort und Bild beschrieben und erläutert sind. Zu diesem Zwecke hat sich der Vorstand wegen Lieferung von Text und Abbildungen mit den verschiedenen Firmen ins Benehmen gesetzt. Herr Chesredacteur Uppenborn in Berlin hat die Zusammenstellung, die Firma I. Springer in Berlin den Druck übernommen. Das Werk, dessen Um­fang etwa 15 Bogen 240 Seiten stark sein wird, soll in 1000 Exemplaren in Leinwandeinband mit Goldtitel an die Vertreter der Städte vertheilt werden.

K. Stockheim, 13. Juli. Aus dem soeben ausgegebenen Verwaltungs-Bericht der Actien-Zuckerfabrik dahier ist ersichtlich, daß im abgelaufenen Geschäftsjahr 460,230 Ctr. Rüben mit einem Kaufpreis von 502,133,66 Mk. zur Verarbeitung kamen und daß genannte Rüben auf 2940 Morgen gezogen worden- die Durchschnittsernte be­trägt pro Morgen 157 Ctr. gegen 161 Ctr. im Vorjahr. Der Gesammtgewinn des verflossenen Jahres beläuft sich auf 78,413,13 Mk. und verbleiben nach Abzug von 35,266,36 Mk. Abschreibung noch 43,146,81 Mk., über deren Verwendung die Generalversammlung, welche am 28. d. Mts. stattfindet, zu beschließen hat. Durch Abschreibungen sind bis jetzt 297,238,24 Mk. gedeckt und von den Prioritäten 60,000 Mk. eingelöst. Die im vergangenen Jahre eingerichtete Braun­kohlenfeuerung hat sich sehr gut bewährt. Die Fabrik hat gegen die sonst nöthigen Steinkohlen 12,540 Mk. gespart. Obgleich der Betrieb durch den anhaltenden strengen Winter erhebliche Störungen erlitt, so ersieht man aus angeführtem

Bericht, daß dennoch ein sehr schöner Gewinn gemacht wordew und daß es für die Landwirthe noch nicht das schlechteste iftr Zuckerrüben zu bauen.

Nieder-Ohmen, 13. Juli. Am Samstag ereignete ftdp in dem nahen Bergwerk abermals ein bedauerlicher Un­glücks fall. Der an der Maschine der Eisensteinwasche be­schäftigte Maschinenführer A. K. gerieth mit der linken Hand in die Maschine, wodurch ihm dieselbe zerquetscht wurde. Der Bedauernswerte wurde alsbald nach Gießen verbracht. (Gr. A.)

Saasen, 12. Juli. Heute Mittag wurde von einigen Kindern im Walde bei Reinhardshain der Leichnam eines Mannes aufgefunden, welcher anscheinend schon vor einiger Zeit seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht hatte, da sich an einem Baume ein Strick vorfand, der, mit der Zeit mürbe geworden, seine Last hatte entgleiten lassen. Wie man hört, ist der Selbstmörder der seit etwa sieben Wochen verschwundene Herz berg er aus Queckborn.

8. Herbstem, 13. Juli. Gestern feierte der hiesige Kriegerverein im sogenannten Gallberg, einem äußerst romantischen Punkte, ein Fest, verbunden mit Preisschießen, welches einen recht schönen Verlauf nahm- es hatten sich viele auswärtige Kriegervereine daran beteiligt. Den Schluß des Festes bildete ein Concert mit Tanz in dem Garten des Herrn Otto Suppes dahier.

Vom Vogelsberg, 13. Juli. Der heurige Jahrgang' mit seinem nassen Vorsommer ist vorzüglich geeignet, die- Wirkung der künstlichen Dünger zur Geltung zu bringen. Obwohl ja auch ohne dieselben das Getreide ein üppiges Wachsthum zeigt, so ist doch die Anwendung von Chili­salpeter aus den einzelnen Aeckern deutlich zu erkennen. Noch mehr tritt diese Deutlichkeit zu Tage aus Aeckern, worauf man versuchsweise nur einen Theil mit künstlichem Dünger überstreut hat, hier sieht man haarscharf die Grenze zwischen dem bestreuten und unbestreuten Theil. In gleicher Weise macht sich aus den Wiesen die Anwendung von Tho­masmehl und Kainit, durch fetteren, größeren Gras­wuchs bemerkbar. Das Mißtrauen, welches die Landwirthe anfangs den künstlichen Düngern entgegenbrachten und das in trockenen Jahrgängen sich zu begründen schien, schwindet immer mehr. Es würde in der That ein viel umfangreicherer Gebrauch von künstlichen Düngern gemacht werden, wenn nicht ihr Ankauf den Landwirthen auf den einzelnen Ort­schaften erschwert würde dadurch, daß eben keine Hand­lungen darin vorhanden sind. Als vor einem Jahre in einem Ort unseres Vogelsbergs eine solche Handlung entstand, da machten die Landwirthe nicht nur in diesem Ort, sondern auch in der Umgegend viel fleißigeren Gebrauch von künst­lichen Düngern, als früher und jetzt, seitdem diese Handlung durch besondere Umstände wieder eingegangen ist. Leider spielt allerdings auch die Verfälschung bei den künstlichen Düngmitteln eine Rolle, und sie ist nur zu sehr geeignet, das Vertrauen auf diese für die Landwirthschast recht wichtigen. Hilfsmittel zu untergraben.

Butzbach, 11. Juli. Nachdem dieser Tage auf Veran­lassung Großherzogl. Kreisamts eine nähere Besichtigung des Wachtthurms an der Roßbrunnengasse durch die Großh. Kreisbaubehörde stattgefunden, wurde der Beschluß gefaßt, sofort den Thurm zu stützen und vorsichtig abzutragen. Das erstere ist bereits am Mittwoch durch Herrn Bauunternehmer A. Oehlschläger geschehen, mit dem Abbruch dürfte eben­falls begonnen werden. Bis zur vollständigen Beseitigung bleibt der den Thurm umgebende Platz polizeilich gesperrt.

Alzey, 10. Juli. Das Ministerium des Innern und ber Justiz hat die Errichtung einer landwirthschaftlichen Winter sch ule zu Alzey genehmigt. Der Unterricht an der­selben wird voraussichtlich im November beginnen. Es ist dies die erste derartige Schule sür Rheinhessen.

Lindenfels, 9. Juli. In unserem schönen Odenwald soll demAnzeigeblatt für Lindenfels, Reichelsheim und Um­gegend" zufolge ein merkwürdigesThier" sein Unwesen treiben, von dessen Existenz gewiß kein Naturforscher, viel weniger denn andere Sterbliche bisher eine Ahnung hatten. Die letzte Nummer des oben erwähntenOrgans" bringt nämlich wörtlich nachstehende, von derRedaction" zweifellos in vollem Ernste aufgenommene Mittheilung:Lindensels,- 3. Juli. Von einem empfindlichen Verluste wurde ein hiesiger Wirth betroffen, indem dessen Eisvorräthe von dem so­genanntenEiswurm", einem von Professor Koch entdeckten pilzartigen, mikroskopisch kleinen Thiere, fast vollständig zer­fressen wurden." DieserEiswurm" geht fast noch über die im verflossenen Jahre ausgetauchteStahlmotte", welche bekanntlich" mit besonderer Vorliebe die Eisenbahnschienen anknabbert. Selbstredend erregt die Notiz über den pilz­artigenEiswurm" allenthalben riesige- Heiterkeit.

vermischtes.

* Berlin, 11. Juli. Heber den Eierverbrauch der Reichshauptstadt finden sich interessante Angaben in dem so­eben echhienenen Jahresbericht derAcltesten der Berliner Kaufmannschaft". Darnach brachten die in Berlin mündenden Bahnen im vergangenen Jahre 21285 044 kg Eier, gleich 5 676012 Schock bezw. 1793 534 kg oder 478276 Schock mehr als im Vorjahr nach Berlin. Nach dem Jahresdurch­schnittspreis von 3,15 Mk. hatte demnach die Einfuhr einen Werth von 17 879 437 Mk. Wieder ausgeführt wurden, theils nach Hamburg, theils nach Provinzplätzen, 2 765765 kg, be-w. 446 701 kg mehr als in 1889. Der Verbrauch Berlins selbst betrug 18519279 kg gleich 4 938 474 Schock im Durchschnittswerth von 15556193,10Mk., gegen 13522720,15 Mark im Vorjahre. Da aber die Bevölkerungsziffer unserer Stadt, wie sich bei der letzten Volkszählung herausgestellt hat, in den letzten Jahresberichten wohl etwas zu niedrig an­genommen war, so hat trotz der erheblich vermehrten Ein­fuhr bei der jetzt rund 1580 000 Seelen betragenden Einwohnerzahl der Verbrauch sür Kopf und Jahr doch nur 187,5 gegen 186,8 Stück im Vorjahr bezw. täglich für einen Einwohner 0,514 gegen 0,512 Stück in 1889 betragen-