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1891

Mittwoch den 15. Juli

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Anitlichev Theil.

Bekanntmachung,

betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährigfreiwilligen Militärdienst im Herbst 1891.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1891 stattsind end en rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßsallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von Lieser Prüfung

spätestens bis zum L August 1891

bei der unterzeichneten Commission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- ciellen das Folgende bemerkt:

1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs - Com- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Grotzherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts­ort hat.

2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem

17. Lebensjahr erfolgen.

Z. Das Gesuch mutz von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.

4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizusügen:

a. Geburtszeugniß;

b. Einwilligungs Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein-

c. ein Unbescholteuheitszeugnitz, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde aus­zustellen ist-

d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.

5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, La­teinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.

/6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prü­fung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen.

Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Ausschluß.

Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüsung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekannt­machung- aus specielle Ladung kann nicht gerechnet werden.

Darmstadt, den 4. Juli 1891.

Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.

Der Vorsitzende: Dr. Zeller.

Bekanntmachung.

Mittwoch den 22. Juli 1891, Bormittags 10 Uhr, wird auf Lonys Felsenkeller zu Gießen eine Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirks- Vereins Gießen abgehalten werden.

Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins und der landwirthschaftlichen Ortsvereine, sowie alle Freunde der Landwirthschast werden zu dieser Versammlung hierdurch ergebenst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.

Nach Schluß der Versammlung wird ent gemein­schaftliches Mittagsessen um l1/* Nachmittags stattfinden und ist der Preis eines Couverts auf JL 1.20 festgesetzt.

Tagesordnung:

1) Vorlage und Prüfung der Rechnung des landwrrth- schaftlichen Bezirksvereins pro 1890/91.

21 Vorlage und Festsetzung des Voranschlags pro 1891/92.

3) Neuwahl des Vorstandes des landw. Bezirksverems.

4) Wahl eines Rechners an Stelle des nach Offenbach überziehenden seitherigen Rechners Herrn Laub er von Gießen.

5) Vortrag des Herrn Landwirthschaftslehrers Leit Higer zu Alsfeld über das landwirthschaftliche Genoffenschafts­wesen.

Gießen, den 8. Juli 1891.

Der Director des landwirthschaftl. Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 13. Juli. Se. Königl. Hoheit der Groß­herzog, Se. Großh. Hoheit Prinz Heinrich von Heffen und etwa 80 Offiziere, darunter auch eine Anzahl jetzt in hessischen Regimentern stehender Preußen, welche im Jahre 1866 an den Kämpfen der preußischen Main-Armee Theil genommen, fuhren heute Vormittag in einem Sonderzug zur gemeinsamen Gedächtnißfeier für die gefallenen Kameraden nach Lau fach.

Berlin, 13. Juli. Zwei Ersatzwahlen zum Reichstag werden sich nächstens wieder nothwendig machen. Im Wahlkreise S t o l p in Pommern ist infolge der Ernennung des bisherigen Vertreters desselben, des Herrn v. Puttkamer, zum Oberpräsidemen von Pommern, das Reichstagsmandat frei geworden. Herr v. Puttkamer war im Stolper Kreise bei den letzten allgemeinen Wahlen vom Jahre 1890 mit 10 522 Stimmen gegenüber einem freisinnigen Candidaten, welcher 5923 Stimmen erhielt, und einem socialdemokratischen Zählcandidaten zum Abgeordneten gewählt worden. Es erhellt aus diesem Stimmenverhältniß wohl zur Genüge, daß der genannte Wahlkreis eine sichere Domaine der Conser- vativen ist, dennoch wollen die Freisinnigen, wie es heißt, bei der Stolper Nachwahl eine besonders energische Agitation entfalten. Darüber, ob conservativerseits Herr v. Puttkamer wieder als Candidat aufgestellt werden wird, verlautet noch nichts. Ferner hat im württembergtschen Wahlkreise Hall- Oehringen infolge der Ernennung seines seitherigen nationalliberalen Vertreters, des Regierungsrathes Leemann, zum Professor in Tübingen, eine Ersatzwahl zum Reichstage stattzufinden. Da Herr Leemann am 20. Februar 1890 mit ca. 3100 Stimmen Mehrheit über die Seitens der Volks­partei, der Centrumspartei und der Socialdemokraten auf­gestellten Candidaten siegte, so dürfte es den Nationalliberalen nicht allzu schwer fallen, das Mandat zu behaupten.

Ausland.

Paris, 12. Juli. Von den ausständigen Bediensteten der Orleans-Eisenbahn, denen der Municipalrath 6000 Frcs. bewilligte, nahm neuerlich eine größere Anzahl die Arbeit wieder auf.

Hatfield, 12. Juli. Das Kaiserpaar traf um 6 Uhr mittelst Extrazuges auf dem Landsitze Lord Salisburys ein. Vorher war schon der Prinz und die Prinzessin von Wales, die Prinzessinnen Victoria und Maud von Wales, der Herzog von Cambridge und Andere angekommen. An der Station wurde das Kaiserpaar von Lord Salisbury und dessen ältestem Sohne Lord Cranborne empfangen, worauf sie sich zu Wagen nach Hatfield begaben, wo die Marquise das Kaiserpaar empfing. Der Kaiser trug einen hellgrauen Anzug und weißen Hut. Eine große Menschenmenge hatte sich nach Hatfield begeben, um der Ankunft des Kaisers beizuwohnen. Tausende besetzten den Weg vom Bahnhof nach Hatfield und begrüßten das Kaiserpaar, die Prinzen und Lord Salisbury aus das Wärmste. Die Gemächer in Hatfield House waren auf das Prächtigste geschmückt. Das Schlafzimmer der Kaiserin war dasselbe, wo die Königin Victoria im Jahre 1846, als sie Hatfield besuchte, geschlafen hat. Die Marquise führte die Kaiserin in die Gemächer und Lord Salisbury zeigte dem Kaiser das Schloß und die Waffensammlung, deren Seltenheiten des Kaisers besonderes Interesse erregte. Das Diner wurde im großen Marmorsaale servirt. In Windsor ist der Herzog und die Herzogin von Anhalt zum Besuche der Königin eingetroffen.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Torrespondenz-Bureau.

Braunschweig, 13. Juli. Die Enthüllungsfeier des von der deutschen und deutsch-amerikanischen Sängerschaft gestifteten Abt-Denkmals fand Vormittags statt. Die Festrede hielt Commerzienrath Rittmeyer. Stadtrath Rete- meyer übernahm das Denkmal im Namen der Stadt. Der Vertreter der Bundesliedertafeln, Eduard Greve aus Bremen, dankte Namens der deutschen Sängerschaft. Schließlich wurden Abt'sche Lieder gesungen. Zahlreiche Kränze aus allen Theilen Deutschlands wurden niedergelegt.

Paris, 13. Juli. Trotz der gestrigen Versammlung liegen bisher keine Anzeichen eines Aus st and e S bei den Eisenbahn­gesellschaften vor. Selbst der Strike der Bediensteten der Orleansbahn ist im Abnehmen begriffen. Den Abendblättern zufolge haben die Frachtkutscher der letzteren Bahn Morgens die Arbeit wieder ausgenommen- von 1300 Werkstättenarbeiter striken 475.

Paris, 13. Juli. Als Carnot sich zu der am Nach­mittag stattfindenden Eröffnung der Avenue de la Republique begab, durchbrach ein Individuum den Truppencordon, zog einen Revolver aus der Tasche und feuerte ihn in die Luft. Die Polizei bemächtigte sich des Individuums, welches schrie:Ich will zeigen, daß es noch Bastillen zu zerstören gibt." Bald stellte sich indeß heraus, daß das Indi­viduum irrsinnig ist.

Paris, 13. Juli. Von den bei dem Eisenbahn­unfall im hiesigen Nordbahnhose Verletzten ist heute Vor­mittag eine Dame gestorben. Der Unfall ist durch die Un- ausmerksamkeit eines Beamten verursacht worden, welcher versäumt hatte, das Haltesignal für den von Boulogne kommenden Zug zu geben.

Toulon, 13. Juli. Heute Vormittag fand bei prächtigem Wetter ein fingirter Angriff auf den Hafen statt. Ueber sechzig Schiffe gingen hintereinander vor. Hauptsächlich galt der Angriff dem Fort Saint Mandrier. Deutsche, österreichische, englische, russische und schwedische Militär­attaches wohnten dem Manöver bei. Die bei den See- manövern anwesenden Minister nahmen das Frühstück axt Bord des PanzerschiffesFormidable" ein. Ribot toastete auf die Marine, wobei er hervorhob, die Regierung und das ganze Land nähmen hohes Interesse an der Marine, aus die sie in schweren Zeiten rechneten. Die Marine leiste schon in Friedenszeiten unschätzbare Dienste, indem sie aus allen Meeren die nationalen Farben wehen lasse.

London, 13. Juli. Der Kaiser verlieh dem Lord- mayor sein Bildniß in Oel zur Erinnerung an den Besuch der City. Das prachtvoll eingerahmte Porträt, das den Kaiser säst lebensgroß, in britischer Admiralsuniform mit dem Hosen­bandorden darstellt, ist von Wimer ausgeführt.

London, 13. Juli. Das Kaiserpaar ist Nachmittags 4 Uhr in Windsor eingetroffen und wurde von der Prin­zessin Beatrix, dem Herzog von Connaught und Heinrich von Battenberg empfangen. Vor der Verabschiedung in Hatfield schenkte der Kaiser Salisbury eine kostbare Standuhr.

London, 13. Juli. Das Kaiserpaar kehrte um 5^2 Uhr aus Windsor zurück und begab sich von einer Ab- theilung Cavallerie escortirt nach dem Bahnhof in Liverpool- Street. Hier verabschiedete sich der Kaiser von der Kaiserin, die nach Felixstowe fuhr. Der Kaiser kehrte alsdann nach dem Buckinhampalast zurück und fuhr später nach Dudley- House, um bei Lady Dudley zu diniren. Bei dem Abschied in Windsor am Nachmittag küßte die Königin den Kaiser auf beide Wangen.

London, 13. Juli. Bei East-Hamsestion am Man­chester- Schiffscanal ist der 200 Fuß hohe Stein­damm, welcher während der Nacht wieder aufgebaut war, gestern abermals von der Fluth fort gerissen und die Eröffnung des Canals dadurch auf unbestimmte Zeit ver­zögert.

Hatfield, 13. Juli. Der Kaiser machte Vormittags in Begleitung des Lord Cranborne einen Spazierritt im Parke Hatfield. Später führte Lord Cranborne die Herrschaften durch den intereffantesten Theil der sich sieben Meilen aus­dehnenden Besitzungen Salisburys.

Newyork, 13. Juli. Nach Meldungen aus Guatemala beginnen die vereinigten zahlreichen Unzufriedenen, sich in den Bergen bei Guezaltenanzo zu organisiren, Vor­bereitungen für kriegerische Unternehmungen zu treffen und Proklamationen revolutionären Inhalts zu verbreiten. Der Präsident Barillas hat nach dem Vereinigungspunkte der Re­volutionäre Truppen entsandt. Bisher ist jedoch die Be­wegung ohne weitergehende Bedeutung.

Melbourne, 13. Juli. In Folge anhaltender Regen­güsse ist der Fluß Darra Darra ausgetreten und hat die Stadt überschwemmt. Der Eisenbahnverkehr ist unter­brochen, mehrere Straßen der Vorstadt stehen unter Wasser und etwa tausend Personen sind obdachlos. Die Noth ist groß und der Schaden bedeutend. Seit 1863 hat keine gleich starke Ueberschwemmung stattgefunden.

Die Gedächtnißfeier bei Laufach und Fronhofen.

Die Feier für die am 13. Juli 1866 gefallenen Kame­raden ging am letzten Sonntag, von der Witterung begün-