Ausgabe 
15.5.1891
 
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Otsu auf den russischen Großfürstcn-Thronfolger ein politisches Motiv angesichts der guten Beziehungen zwischen Rußland und Japan für gänzlich ausgeschlossen. Das Attentat dürste in einem der zahlreichen Erfrischungs-Etablissements von Otsu begangen sein.

Wien, 13. Mai. DasFremdenblatt" meldet in seinem finanziellen Theile, die Vertreter Deutschlands bei den Verhandlungen über den Handelsvertrag mit der Schweiz seien die bisherigen, sie dürften nur, der deutschen Reichsverfassung entsprechend, statt der Vertreter Sachsens, Badens und Württembergs mitwirken. Die Leitung der Verhandlungen führt nicht mehr Szögyenyi, sondern der Sectionschef Glanz. Bei den Verhandlungen über den deutsch-österreichischen Handelsvertrag sind zweifellos belang­volle Momente durchberathen worden, so daß die Verhand­lungen mit der Schweiz glatt verlausen dürsten, zumal die Erörterungen über die Viehseuchenconvention durch die vor­jährigen Abmachungen zwischen Oesterreich und der Schweiz ausgeschlossen bleiben.

Triest, 13. Mai. Von Zante lauten die Nachrichten fehr ernst. Der am ersten Osterseiertage durch die Polizei unter Anwendung von Waffengewalt verhinderte Versuch der Menge, in das Judenviertel zu dringen, wurde einige Tage später erfolgreich wiederholt; hierbei wurden Läden geplündert mnb viele Juden mißhandelt.

Budapest, 13. Mai. Heute Nachmittag explodirten in der Citadelle am Blocksberg einige Patronen, wodurch die dortige Kaserne in Brand gerieth. Derselbe wurde so­fort gelöscht.

Rom, 13. Mai. Der Deputirte Torraca, Director derOpinione", veröffentlichte heute eine Broschüre mit dem TitelNeutralität oder Bündnisse?", worin er die Frage des Dreibundes ausschließlich vom Gesichtspunkte der italieni­schen Jntereffen prüft und zu dem Schluffe kommt, wenn Italien überzeugt sei, daß die Tripelallianz seinen Interessen zuwiderlause, so hätte «es nur nöthig, zu sagen:Die Zeiten haben sich geändert, wir bedürfen des Vertrages nicht mehr." Torraca glaubt jedoch, die meisten Gründe, welche Italien 1881 bewogen, sich mit Deutschland und Oesterreich zu ver­bünden, beständen heute noch fort. Der Austritt Italiens aus dem Bündnisse würde keine Lösung der Frage sein und nur zu Unzuträglichkeiten führen.

Rom, 13. Mai. Das nächste geheime Consistorium wird am 1. Juni, das öffentliche am 4. Juni abgehalten.

Rom, 13. Mai. Das Anwachsen der Flüsse ließ nach infolge des schönen Wetters.

Como, 13. Mai. Der Weber st rike dauert fort, eine Beilegung ist vorläufig nicht zu erhoffen. Heute wurden vier Verhaftungen vorgenommen.

Paris, 13. Mai. Der KreuzerBaudin" ist von der Regierung nach den Gewässern von Korfu entsandt, um im Nothfalle die französischen Unterthanen bei den antisemitischen Unruhen zu beschützen.

Paris, 13. Mai. Nach amtlichen Telegrammen aus Tokio war der Zarewitsch in seinemJuvimska" genann­ten Kahne über den See Riva gesetzt und in Ossu angelangt, um sich nach Kioto zu begeben, als er von einem subalternen Polizisten in einem Anfalle von Fanatismus einen Säbelhieb über den Kops erhielt. Derselbe gehört der den Fremden sehr feindlich gesinnten Secte der Samuraiis an. Die Wunde ist drei Zoll lang, aber nicht tief. Nach dem Verband der Wunde begab sich der Zarewitsch nach Kioto. Auch nach an- beren Telegrammen aus japanischer Quelle ist die Wunde un­bedenklich.

Saint-Etienne, 13. Mai. Eine Abordnung der Verg­är b e i t e r des ganzen Loire-Bassins beschloß in einer gestern ab­gehaltenen Versammlung, mit den Mechanikern und Maschinisten, welche striken wollen, sich solidarisch zu erklären und den Ausstand von morgen ab zu beginnen. Wenn dieser Beschluß befolgt wird, feiern sämmtliche Bergwerke des Loire-Bassins.

Saint Etienne, 13. Mai. Trotz des Beschlusses der gestrigen Bergarbeiter-Versammlung in der Arbeiter-Börse, wonach der allgemeine Strike heute beginnen sollte, haben die Arbeiter heute Vormittag die Arbeit fortgesetzt.

La Louvivre, 13. Mai. Der Strike greift um sich. Auf der Kohlengrube von Mariemont ist beinahe Alles aus­ständig. Auch das Walzwerk von Baume wird wohl des Kohlenmangels wegen feiern müssen.

Brüstel, 13. Mai. Der Generalrath der Arbeiterpartei und das Comitv der Bergarbeitervereinigung beschloß in einer heutigen Versammlung, den Strike in den großen Städten möglichst fortzusetzen und durch den Ausstand der Dock­orbeiter das Ausladen ausländischer Kohlen in Gent, Ant­werpen, Ostende und Terneuzen zu verhindern. Nach einer Mittheilung, die in der Versammlung gemacht wurde, ver­sprachen die ausländischen Dockarbeiler Unterstützung durch Geldspenden und Verhinderung von Kohlensendungen nach Belgien.

Brüssel, 13. Mai. Nachrichten aus Mons und Lüt­tich melden eine anhaltende Besserung im Strikegebiete. Sämmtliche Arbeiter derSociSte sclessin und derSo- ciete anonyme de construction de la Meuse nahmen die Arbeit wieder aus. In Gent herrschte gestern vollständige Ruhe.

Mons, 13. Mai. Eine Dynamitpatrone explo- dirte letzte Nacht in Frameries, zertrümmerte aber nur einige Fensterscheiben.

Petersburg, 13. Mai. Sämmtliche Blätter heben die hochherzige That des Prinzen Georg von Griechenland hervor, der den Thronfolger vor weiteren Angriffen bewahrte. Rußland werde dem Prinzen das niemals vergessen. Die Nachricht über das Attentat ries in der Bevölkerung die tiefste Erregung hervor. Ueberall giebt sich die lebhafteste Freude kund, daß der Thronfolger durch Gottes Hand errettet worden.

Liffabon, 13. Mai. Mariano Carvalho conferirte Zestern Abend mit dem Finanzminister bezüglich der

Lage der Industrie und der Wiederaufnahme der Arbeit seitens der Arbeiter.

San Francisco, 13. Mai. In Folge einer Besprechung des hiesigen Generalprocurators mit dem Consul von Chile wurden Maßnahmen getroffen zwecks Beschlagnahme der Waffen und der Munition, welche für Chile aus den östlichen Staaten verschifft werden sollten.

Athen, 13. Mai. Aus Corfu wird gemeldet, die Lage habe sich noch nicht gebessert. Neuerdings sind zwei Juden getödtet worden. Das Judenviertel ist von einem Truppen-Cordon umgeben, den die Juden nicht überschreiten dürfen. Die Läden blieben geschlossen. Der Präsect von Corfu wurde hierher ab berufen und nach Corsu ein Stabsoffizier entsendet, mit dem Auftrage, die Ordnung wiederherzustellen.

Shanghai, 13. Mai. (Reutermeldung.) In der Stadt Wuhu griff eine von Haß und Erbitterung gegen die Fremden ergriffene Menschenmenge die katholische Mission, an und brannte dieselbe nieder. Die Missionsmitglieder sind unversehrt auf im Flusse ankernde Schiffe entkommen. Das englische KriegsschiffJnconstant" wurde beordert, nach Wuhu zu gehen.

Königsberg, 14. Mai. Oberpräsident v. Schlieckmann ist dem gestern erlittenen Schlaganfall heute Nacht erlegen.

Brüffel, 14. Mai. Gestern Abend pro testirte eine Versammlung unter freiem Himmel gegen das von der Bürger­meisterei erlassene Verbot. An der Kundgebung beledigten sich etwa 1OUO Personen - dieselben zogen zur Börse und griffen diese an. Es erfolgte ein Polizeiaufgebot, welches erst nach Verstärkung die Oberhand behielt. Zehn Mann wurden verhaftet.

London, 14. Mai. Ein englisches Kriegsschiff geht nach Corsu zum Schutz der englischen Unterthanen.

Der Prinz von Wales ist leicht an Influenza erkrankt.

fötales unb provinzielles.

Gieben, 14. Mai.

Ernannt. Dem seitherigen Directions-Gehilfen am akademischen Hospital, Wilhelm Schneider, wurde die Stelle des Verwalters der alten Kliniken übertragen.

Von einem gestern Vormittag die Stadt passirenden Fuhrwerk wurden die Pferde scheu. Der Fuhrmann, welcher sich aus dem Wagen befand und von diesem heruntersprang, um die Thiere zu halten, gerieth so unglücklich unter den Wagen, daß er überfahren wurde.

Um den alljährlich den öffentlichen Anlagen drohenden theils muthwilligen, theils fahrlässigen Beschädigungen ent­gegenzuwirken, sei darauf aufmerksam gemacht, daß es ver­boten ist, die Wege zu verlassen, die Einfriedigungen zu überschreiten, den Rasen zu betreten, Zweige, Blüthen und Sträucher zu pflücken, den Vögeln nachzustellen, wie über­haupt Unfug zu treiben. Personen, welche diese Verbote selbst verletzen ober in dieser Beziehung die Aufsicht über ihre Pflegebefohlenen vernachlässigen, werden unnachsichtlich zur Bestrafung angezeigt. Der polizeiliche Schutz allein wird aber zur vollständigen Sicherung der öffentlichen Anlagen nicht ansreichen. Dieselbe ist nur dann zu erlangen, wenn die Besucher selbst, durchdrungen davon, daß die Anlagen dem allgemeinen Schutz anvertraut sind und jedem Einwohner ohne Ausnahme gleichmäßig zugute kommen, auch ihrerseits jedem Frevler sofort entgegentreten. An die Eltern, Vor­münder, Lehrer, Erzieher und Dienstherrschaften ergeht die Bitte, auf ihre Kinder und Pflegebefohlenen, auf Dienstboten und Arbeiter durch angemessene Vorhaltung einzuwirken und auf diese Weise beizutragen, daß im Interesse Aller die Achtung fremden Eigenthums, der Sinn für die Natur und ihre Schönheiten immer mehr ausgebildet und befestigt werde.

Ernennungen. Durch Entschließung Großh. Mini­steriums des Innern und der Justiz wurden die Gerichts- accessisten Kurt Eckstein aus Gießen, Karl Ham mann aus Gießen, Hermann Freiherr von Schenk zu Schweins­berg aus Darmstadt und Karl Seim aus Darmstadt zu Regierungsassessoren und die Gerichtsaccefsisten Adolf Buß aus Offenbach, Martin Hessel aus Mainz, Ludwig Jonas aus Darmstadt, Ludwig Oben au er aus Worms, I)r. Eugen Wagner aus Mainz und Fritz Zimmermann aus Darm­stadt zu Gerichtsassessoren ernannt.

Erledigte Stellen für Militäranwärter im Bezirke des 11. Armeecorps. Eisenbahnbetriebsamt Cassel (Main-Weser- Bahn-, vier Weichensteller, nach Ablauf der Probezeit auf 4wöchentliche Kündigung, je 66 Mk. monatlich. Biebrich, Hauptsteueramt, Diener, auf Kündigung, 800 Mk. Gehalt, 144 Mk. Wohnungsgeldzuschuß und 60 Mk. Dienstbekleidungs- zuschuß. Hanau, Postamt, Postschaffner, auf 4wöchentliche Kündigung, 900 Mk. Gehalt und 144 Mk. Wohnungsgeld­zuschuß. Heppenheim (Bergstraße), Postamt, Landbriefträger, auf 4wöchentliche Kündigung, 650 Mk. Gehalt und 144 Mk. Wohnungsgeldzufchuß. Homburg v. d. H., Polizeiverwaltung, Nachtwächter und Laternenwärter, auf monatliche Kündigung, 1 Mk. 25 Pfg. Tagegebühr. Langenschwalbach, Bürger­meisterei, Bureaugehilse, aus Kündigung, 900 Mk. jährlich. Lüdenscheid, Magistrat, Stadtsecretär, aus Lebenszeit, 2100 Mk. jährlich. Meiningen, Landgericht, Diener, auf Kündigung, 1000 Mk. und freie Dienstkleidung. Rotenburg, Stadtrath, Kuhhirt für die Altstadt und Nachtwächter, auf Kündigung; als Nachtwächter 75 Mk. und als Kuhhirt etwa durchschnitt­lich mit freier Wohnung und Holz 180 Mk. Malsfeld und Schemmern, Postagentur, je ein Landbriefträger, auf 4wöchent- liche Kündigung, 650 Mk. Gehalt und 60 Mk. Wohnungs­geldzufchuß. Wehen, Amtsgericht, Canzleigehilfe, aus sofortige Kündigung, für die Seite Schreibwerk 58 Pfg. Wies­baden, städtische Curdirection, Portier, auf gegenseitige vier- wöchentliche Kündigung, jedoch haben Bewerber sich auf zwei Jahre fest zu verpflichten, 1200 Mk. jährlich und Dienstkleider.

Daselbst, Stadtbauamt, Betriebsbeamter der Kläranlage, auf Kündigung, 1500 Mk. neben freier Wohnung, Heizung und Beleuchtung, sowie Gartenbenutzung. Im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division. Griesheim, Hess. Nebenbahn, Stations­wärter, auf 4wöchentl. Kündigung, 700 Mk. und freie Uni­form. Mainz, Landgericht, Canzleigehilfe, auf 6monatliche Kündigung, 500 M., Stationsort wird bei der Anstellung bestimmt. Direction der Main Neckar-Bahn, zwei Schaffner, auf Widerruf, Gehalt im Höchstbetrage von HöO Mk. pro Jahr, freie Dienstbekleidung und gesetzliche Fahrgebühren.

Das Feilbielen und Verkaufen verdorbener Eier wird auf Grund des Nahrungsmitlclgefetzes bestraft. Die amt­lichen Nachrichten des Reichsgesundheitsamts theilen eine An­zahl gerichtlicher Entscheidungen mit, in denen der Verkauf verdorbener Eter als Verstoß gegen das erwähnte Gesetz nach­gewiesen und auf Strafe gegen die Thäter erkannt wird. Dabei wird in allen Fällen auf Grund sachverständiger Gut­achten von der Annahme ausgegangen, daß der Genuß ver­dorbener Eier gesundheitliche Schäden beim Menschen zur Folge haben kann, indem wegen des hohen Gehaltes solcher Eier an Schwefelwasserstoff eine Störung der Blutbildung sich einstellt. Als sichere äußere Erkennungszeichen verdorbener Eier werden angegeben blaugraues Aussehen der Schale, während ein gutes, frisches Ei weiß oder gelb aussieht; beim Schütteln eines verdorbenen Eies läßt sich ein schlüpfriges, plätscherndes Schwanken des Inhalts wahrnehmen und wenn man das Ei gegen das Licht hält, so scheint es völlig dunkel, während unverdorbene Eier jenes Geräusch nicht erkennen lassen und gegen das Licht gehalten einen mattgelblichen Schein zeigen.

Es kommt sehr häufig vor, daß an Geldmiinzen mancher Unfug verübt wird, indem dieselben zerschnitten, zer­kratzt oder durchlöchert werden. Sogar an 20-Mark-Stücken findet man Beulen, welche wohl von Hammerschlägen her­rühren. Die Thäter kennen jedenfalls den Werth des Geldes nicht, auch scheinen dieselben nicht zu wissen, daß es eine strafbare Handlung ist, wenn man Landesmünzen auf obige Weise verunstaltet.

-n. Mainzlar, 13. Mai. Bei der heute dahier statt- gesundenen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Beigeordnete zum Bürgermeister gewählt.

Storndorf, im Mai. Die M o lke rei - Ge n o s s e n- schast Storndorf-Vadenrod hat sich nach Besichtigung mehrerer Molkereien verschiedener Systeme für Separatoren Bergedorfer Systems entschieden und die complctte maschinelle Einrichtung dem Bergedorfer Eisenwerk in Auftrag gegeben- Zum Betrieb wird Wasserkraft verwandt ivvrh n

-r. Weckersheim, 12. Mai. In dem Wohnhause des Heinrich Heck dahier entstand heute Vormittag, vermuthlich durch Unvorsichtigkeit, ein Feuer, das die in dem betreffenden Zimmer befindlichen Möbel beschädigte und theilweise zerstörte, weiteren Schaden jedoch nicht anrichtete, da dasselbe durch rasch herbeigeeilte Hülse alsbald gelöscht worden ist.

§ Herchenhain, 12. Mai. Der hiesige Laudwirth David Vierheller wollte heute sein Vieh zum ersten Male auf die Weide treiben. Vor dem Ort sprang ein prächtiges Simmenthaler Rind (ca. 500 Mark Werth) über einen Zaun, und brach beide Vorderbeine, sodaß es vom Besitzer sofort getödtet werden mußte.

Vermischtes.

* Marburg, 13. Mai. Am Samstag und am Montag fanden auf Einladung des Herrn Rectors unserer Universität Besprechungen mit den Vertretern hiesiger studentischer Ver­bindungen üc.tt, in denen die Wahl der Comitemitglieder für die demnächst zu erwartenden großartigen Festlichkeiten ge­legentlich der Einweihung unserer Univ er s itäts- aula vorgenommen wurden. Es ist im Anschluß an die schon früher bekannt gegebene festliche Veranstaltung u. a.. ein Fackelzug zu Ehren Seiner Excellenz des Herrn Cultus- ministers und ein großer FestcommerS in Aussicht genommen.

* Hanau, 12. Mai. 19. Mittelrheinisches T ur n- f e ft. Die Bewinhschaftung der Festhalle beim 19. Mittel­rheinischen Turnfest wurde Herrn Restaurateur Theodor Feilbach aus Mainz übertragen. Die Sängerfrage für das Fest hat ebenfalls ihre Erledigung gesunden. Die fünf Gesangvereine Hanaus, die den stattlichen Chor von über 200 Sänger repräsentiren, werden unter Leitung des Herrn Dirigenten Philipp Hartung bei dem Feste concertiren. Mit den Vorarbeiten auf dem Festplatze wird binnen kurzer Frist begonnen werden.

* Berlin, 12. Mai. Die Wirkung eines Ge­schosses des neuen GewehrsModell 88" hat ein Soldat des Garde-Train an sich verspüren müssen. Derselbe wurde durch eine verirrte Kugel auf den Schießständen der Hasen­haide getroffen. Der Angeschossene verspürte plötzlich einen leichten stechenden Schmerz am Oberschenkel, den er jedoch, da derselbe bald nachließ, nicht weiter beachtete- erst nachdem der Soldat noch etwa eine Viertelstunde weit gegangen, wurde er von Passanten daraus aufmerksam gemacht, daß das Blut aus den Kleidern hervorquelle, und nun konnte der Ver­wundete noch nach dem Garnisonlazareth gehen, wo festgestellt wurde, daß das Geschoß, welches bereits imSinken" ge­wesen, als es den Mann getroffen, und das 7,9 Millimeter mißt, den Oberschenkel fast gänzlich durchbohrt hat.

* Prag, 11. Mai. Schreckensscenen in einem Gefängnisse. Hier entlud sich kürzlich ein Gewittersturm, der im Bezirksgerichtsgebäude beim Zizkower Rathhause großen Schrecken verursachte. In der Höhe von drei Metern, über dem Kellerniveau befinden sich in dem Gebäude sieben Zellen, in denen 40 Personen beiderlei Geschlechts inhastirt waren. Die Fluchen strömten bei den vergitterten Gossen­öffnungen in die Kellerräume ein und schwollen zum Schrecken der Häftlinge rasch an. Das Entsetzen erreichte den Gipfel­punkt, als das Wasser bis zur Halshöhe reichte. Ihr Ge­schrei drang durch alle Räume des Gebäudes und in hellster Verzweiflung gellte es aus den Kehlen der Unglücklichen: