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Feuer! Feuer!" Sic warfen sich gegen die Thüren, ver­suchten, die Gitter zu brechen und die Noth war schon am höchsten, als die Gefahr bemerkt wurde. Mit Hintansetzung -es eigenen Lebens wateten die Gerichtsbeamten durch die Wafserfluthen zu den Thüren des Gefängnisses und nach län­gerer Mühe gelang es, die Thür zu öffnen. Zwei benach­barte Fleischer eilten herbei und mit ihrer Hilfe wurden die Häftlinge die weiblichen Inhastirten waren ohnmächtig in die oberen Stockwerke gebracht, wo ihnen in aller Eile in der Gerichtsstube eine Lagerstätte bereitet wurde. Die Er­rettung der Hartbedrohten ist einzig dem Muthe der Beamten zu verdanken, sonst wäre das Leben der vierzig Leute rettungs­los verloren gewesen, denn die Gelasse wurden von dem ein­dringenden Wasser bis zur Decke gefüllt.

Universiläts - Nachrichten.

Die Frequenz der Universität Heidelberg hat in diesem Semester eine Höhe erreicht rote noch nie zuvor. Es sind über 1200 Studenten immatriculirt und dazu kommen noch eine größere Zahl nichttmmatriculirter Hörer.

Eingesandt.

Hebet Pneumatic, cushion und solid tyres!

Unter reger Betvetligung von Sportfreunden, begünstigt vom schönsten Frühlinqswetter, bar am Sonntag den 3. Mai er. vor einer nach Tausenden zählenden Zuschauermenge in Marburg a. Lahn das vorn Gauverband Nr. 9 des deutschen Nadfahrer-Bundes arrangirte Stratzenwettfahren stattgefunden. Wie überall, sah man auch hier dem Verlauf der Rennen mit größter Spannung entgegen, umiomehr als Räder mit pneumatiicher Cushion und auch mit massiven Reifen versehen am Start erschienen waren, um Zeugniß dafür abzulegen, daß die schon seit langer Zeit so außerordentlich gerühmte Fahrgeschwindigkeit der Räder mit pneumatischen Reifen doch nicht so sehr z" fürchten sei. Zum größten Erstaunen aller Anhänger der neuen Reifen, aber zur um so größeren Freude aller Freunde der massiven Reifen sollte sich dieser Tag denn auch wirklich zu einem Siegesseste der letzteren gestalten. War schon beim Er- Kffnungsfahren, 3000 Meter, die Neben aschung sehr groß, als Herr Huber (Mitglied vom Beloc pedclub Frankfurt) mit massiven Reifen dem Herrn Hammel (Radfahrer-Verein Gießen) mit Pneumatic dicht folgend, als Zweiter, gefolgt von Herrn Knittel-Fulda mit Cushton- Reifen als Dritter duichs Ziel ging, so sollte sich das Hauptfahren, 10000 Meter, aber zu einem Triumvh für die Anbänger der Maschinen mit massiven Reisen, ganz besonders aber für Herrn Huber Gestatten, welcher es gewagt hatte, den Kampf mit massiven gegen Pneumatic-Resten aufzunehmen. Diesmal erreichte Herr Huber alS Erster das Siel, während Herr Hamel als Zweiter mit Pneumatic und Herr SchUngloff-Hanau ebenfalls mit Pneu­matic als Dritter folgte. Dieses Resultat ist um so erstaunlicher, als Herr Huber schon im Eröffnungsfahren seine ganze Willenskraft eingesetzt hatte, seine Ansicht, daß auch mit massiven Reifen zu siegen sei, zu vertreten. Wenn man nun auch gern einräumt, daß Herr Huber ein ganz ausgezeichneter Fahrer ist und nebenbei noch in beiden Fahren eine« außerordentlich leistungsfähigen Halb- Dacer ohne Lötdungen aus der Fahrradfabrik der Herren Gebt. Giese & Comp, Offenbach a. M. benutzte, so ist aber doch in Marburg bewiesen, da» die Vorthetle der Pneumatic-Reifen doch nicht so groß sind, wie behauptet wird.

Ein Zuschauer und Fahrer.

Verkehr, Land- nnd Volkswirthd^cssL.

§ Herchenhain, 12. Mai. Heute wurde der erste diesjährige Viehmarkt abgebalten, der sogenannteneue Walpurgis-Markt." Es waren aufgetrieben ca. 80 Stück Rindvieh, meistens Rinder und Kühe, deren Preise sich durchschnittlich zwischen 150300 Mark bewegten. Jungvieh und Stiere waren wenig vorhanden, auch regte sich hierfür keine besondere Kauflust. Die Käufer bestanden nur aus Handelsleuten, da die Landwtrthe zur Zeit sehr stark mit dem Acker­bau beschäftigl sind. Schweine waren angefaforen 800900 Stück, meistens Frühjabrsferkel, welche mit 20 -50 Mark per Paar ver­kauft wurden. Läufer, sogen. Herbstferkel, waren wenig da, die Preise hi-rfür waren 6080 Mark. Fette Schweine und Zuchtschweine fehlten fast gänstich. Auch in Schweinen ist ein großer Rückgang

der Preise zu verzeichnen. Im Ganzen war der gesammte Handel doch ein befriedigter und den jetzigen Verhältnissen entsprechender.

Limbutg, 13. Mai Fruchtmarkt. Rother Weizen X 20 50, weißer Weizen X 20.30, Korn X 16 25, Gerste X 1155, Hafert^l. 845, Erbsen, Kartoffeln.

Arankfrrrt, 13. Mai. Am Bebraer Bahnhof wurde gestern ein Jungslvweinemarkt abgebalten mit einer Zufuhr von 230 Thieren 12 bis 16 Wochen alt, Yorkshire-Rasse. Die Preise stellten sich auf 22 bis 32 X per S>ück.

Die LebenSversicherungS.Gesellschaft zu Leipzig (alte Leipziger), auf Gegenseitigkeit gegründet 1830, veröffentlich! soeben ihren 60. Jahresbericht, dem wir nachstehende Mitteilungen ent­nehmen. Es wurden während des 60jährigen Bestehens der Anstalt im Ganzen 491256940 «X Versicherungen abgeschlossen, an Versiche­rungsbeiträgen 147542373 X, an Zinsen 36328253 X vereinnahmt, an fällig gewordenen Versicherungssummen 60654336 verausgabt, 43070674 X Ueberschüsse erzielt und ein Vermögen angesammelt, das sich am 31. December 1890 auf 86659108 X belief. Die Dividende an die Versicherten ist im Durchschnitt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gestiegen und beträgt gegenwärtig 42pCt. der ordentlichen Jahresbeiträge. Das Wachsthum der Gesellschaft machte sich nament­lich im letzten Jahrzehnt bemerkbar. Vom Jahre 1880 bis 1890 ist, wie die dem Bericht beigegebenen, sehr ausführlichen Tabellen aus- weisen, der Versicherungsbestand von 164590650 X auf 336494300 X, das Vermögen von 31410577 X auf 86659108 X, d»e Jahres­einnahme von 7148209 X auf 16040576 X, der Betrag der Gesammtüberschusse von 6460425 X auf 14253249 X gestiegen, während innerhalb desselben Zeitraums das Verhältniß der Verwal- tungskoften zu den Einnahmen an Versicherungsbeiträgen und Zinsen sich von 8,18pCt. auf 5,94vCt. vermindert hat.

Literatur und riunst.

Eine recht schätzenswerthe Bereicherung wird die Bibliothek vieler Geschäfts-Inhaber erfahren, wenn sie sich das soeben erschienene MKaufmännische Adreßbuch* (Verlag von W. & S. Löwenthal in Berlin 0., Grünstraße 4, anschaffen. Welcher Geschäftsmann steht nicht in Verbindung mit der Außenwelt, von welchem Vortheil ist es aber auch für ihn, sich ohne Mühe und Kosten in derselben zurechtzufinden, sich darin neue Geschäftsverbindung zu suchen und sich selbst würdig einzuführen. Ein recht brauchbarer Comentar ist deshalb dasKaufmännische Adreßbuchs, welches auf XXXIX und 839 eng gedruckten Seiten alles das enthält, was der Kaufmann, der Industrielle, ja fast Jeder im öffentlichen Leben stehende zu Informationen über auswärtige Firmen aller Branchen nöthig hat. So enthält das Buch diesmal außer sämmtltchen Firmen Berlins noch etwa 12000 Firmen aus allen Theilen des Reiches, im Ganzen über 40000 Adressen, die Berliner Firmen wohlgeordnet nach Branchen, die übrigen nach Orten in alphabetischer Reihenfolge. Was dem Buche auch für künftige Auflagen Werth verleiht, ist d'e Möglichkeit, daß jeder Geschäftsmann Mitarbeiter werden kann, sofern er nur feine Adresse der Redaction angiebt, deren Aufnahme kostenlos erfolgt. Das in deutscher, französischer und englischer Sprache ausgearbeitete Jnhalts-Verzeichniß erstreckt sich über die Branchen: Ablaßhähne-Fabrik bis Zwirn und sichert auf diese Weise dem Buche ein internationales Interesse. Ferner ist dem Buch ein Verzeichniß der Orte, an welchen es aufliegt, beigegeben, das Branchen- Verzeichniß erstreckt sich über 572 Seiten, das Firmen- und Orts- Verzeichniß über ca. 260 Seiten. Die elegante Ausstattung in Druck und in Einband wird jedem Bureautisch zur Zierde gereichen, und der Preis von 5 Mk., wofür es noch postfrei versandt wird, ist ein fast beispiellos billiger.

Neue Xenien von einem deutschen Philister" und recht geharnischte eröffnen das fünfte Heft der Monatsschrift »Unfere ZeiP (Leipzig, F. A. Brockhaus). In etwa 200 formgewandten Distichen schnellt der wohlbelesene Kritiker seine Pfeile gegen den Naturalismus der heutigen Literatur, gegen die Fremdländerei der Deutschen, gegen mancherlei krankhafte Auswüchse des geistigen Schaffens unserer Tage. Don Zorn, Spott ober Laune sind feine Geschosse beschwingt, derb sausen sie mitunter durch die Luft und mögen hier und da auch schmerzhaft treffen. Aber man merkt es dem Streiter an, daß Begeisterung für das Wahre, Schöne und Gute ihn zum Kampfe geführt hat. Niemand, der am literarischen Leben theilnimmt, sollte diese bedeulsame Erscheinung an sich vorübergehen lassen. Das Heft bringt ferner vom ungarischen Reichstagsmitgliede Professor I. H. Schwicker eine Darlegung der Stellung, in der man in Oesterreich-Ungarn der in Unterhandlung begriffenen und zur Zeit wohl schon paraphirtenZolleinigung zwischen Oesterreich-Ungarn und dem Deutschen Reiche" entgegensieht. Von Frank Justi, der schon im letzten Sommer ein treffliches Wort zur Schulreform in

Unsere Zeit" gesprochen, erhalten wir im Artikel:Die Berliner Schulconferenz und die Reform des höheren Unterrichtswesens" eine Kritik der Schulcoofermzbeschlüffe und die Andeutung der Bahnen, auf der das Cultus-Ministerium die Gymnasialreform ins Werk zu setzen habe. Gustav Krenke berichtet über die Verhandlungen zur Realtsirung des Plaws der Simplonbahn. Lina Schneider in Köln gibt nach Cäsar Cuys Buch eine -usammenfassende Darstellung der Pflege der Musik in Rußland". Haler Denkwürdiges zählt Ludwig Fuld die Ergebnisse der Reichsgesetzgebung in den letzten vier Monaten auf; Mittheilungen aus den Fortschritten der Physik von Franz Bendt und eine Todtenschau machen den Beschluß des werth- vollen Heftes.

Scbiffsttacbricbktt»

Bremen, 12. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Eider, Capt. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 2. Mai von Bremen und am 3. Mai von Southampton abgegangen war, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

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