Birnenernte. Im Nordosten ist der Ertrag geringer, aber immer noch gut.
Pflaumen und Zwetschen bringen in diesem Jahre den reichsten Ertrag. In Baden, Pfalz, Elsaß-Lothringen und Hessen-Darmstadt gut, im übrigen Süddeutschland reichlich mittelgut. Die Hauptzwetschengegenden Deutschlands: Thüringen, Provinz und Königreich Sachsen, Brandenburg, haben erfreulicherweise eine gute und sehr gute Zwetschen- ernte. Im Westen: Hannover, Rheinprovinz, Westfalen, stehen die Zwetschen und Pflaumen theilweise weniger gut, als im Osten.
WalnLsse sind häufig mittelmäßig und gering im Ertrage, doch in den Gebieten des Oberrheins, wo viel Nüsse gebaut werden, scheint die Nußernte gut zu werden.
Weinreben haben in den Weinbaugegenden sehr vom Froste gelitten und durchweg geringen Ansatz. Ueber die Güte des Weines läßt sich jetzt noch nichts sagen, doch sind die Aussichten auf Qualität bis jetzt ebenfalls sehr gering.
Locales u«6 provinzielles.
Gießen, 13. August.
— Emweihungsfeierlichkeilen. Nächsten Sonntag wird bekanntlich der hiesige Turnverein in sein neues Heim, nämlich in die zweckmäßig eingerichtete und schön ausgestattete Turnhalle in der Nordanlage osfieiell einziehen. Durch möglichste Berücksichtigung aller bei Turnhallebauten in der Neuzeit vorgekommeneu Verbesserungen wird obengenannter Bau allen Anforderungen, welche an einen tüchtigen Turnbetrieb gestellt werden müssen, entsprechen. Nach großen Anstrengungen und wirksam unterstützt durch die Beihülse hochherziger Gönner und Freunde der edlen Turnerei — nicht allein in hiesiger Stadt, sondern selbst in Amerika —, ist es dem Verein endlich gelungen, das seit langen Jahren gehegte Projeet zu verwirklichen.
Durch zahlreiche Einladungen an die Civil- und Militärbehörden, den Stadtvorstand, die Vorstände hiesiger Vereine re. wird voraussichtlich die Betheiligung an dieser Feier eine bedeutende werden, und konnte deshalb, wie uns mitgetheilt, mit Rücksicht auf den beschränkten Raum bei den Feierlichkeiten in der Turnhalle die sonst so wünschenswerthe und gewiß auch diesmal gern gesehene Betheiligung seitens der Damen nicht ins Auge gefaßt werden. Hingegen ist eine Betheiligung derselben bei der weiteren Fortsetzung der Feier in Steins Garten selbstverständlich sehr erwünscht.
— Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 8. August l. I. dem Fräulein Pauline Grüner in Darmstadt die Goldene Medaille des Ludewigsordeus mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste", an demselben Tage dem Amtsgerichtsdiener am Amtsgericht Offenbach Georg Friedrich Ludwig Waldschmidt das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste" zu verleihen geruht.
— Wetterkundige wollen aus dem Verhalten der Störche und Schwalben ersehen, daß ein früher Herbst in Aussicht stehe. Sommer haben wir überhaupt noch nicht gehabt und so dürfte das bekannte Sprichwort, daß es hier dreiviertel Jahr Winter und ein viertel Jahr kalt sei, in diesem Jahr vollständig zutreffen.
— Warnung. Es kommt vielfach vor, daß Landleute mit verschlossenen Briefen nach einem anderen Ort oder der Stadt geschickt werden. Das Mittragen und Besorgen dieser Briefe stellt aber ein Vergehen gegen das Postgesetz vom 2. October 1871 dar und wird demgemäß bestraft. Das Schöffengericht zu Saarbrücken hat letzten Freitag drei Landleute wegen des angedeuteten Vergehens zu Geldstrafen von 5 bis 180 Mk. verurtheilt. Man nehme sich dies also zur Notiz. Das Mittragen von offenen Briefen ist gestattet.
— Die Preußische Staatsbahnverwaltung hat für die Fahrten zum Heiligen Rock nach Trier umfassende Vorbereitungen getroffen. Vom 20. l. M. ab werden auf den
füfilirt sein wollten und dachten, daß keine Preußen bis auf meinen abgelegenen Hof kommen würden."
„Na, das ist ja das reine Depot für die verehrlichen Herren in Holzpantoffeln und blauen Kitteln," fiel Scheibeler ein, „wenn wir nur ein paar Stunden später gekommen wären, so hätten die „Freunde aus den benachbarten Dörfern" sicher ■für eine sachgemäße Verwendung dieser Herrlichkeiten gesorgt. So aber wollten wir ihnen nach unserer Manier die Mühe abnehmen."
Das geschah denn auch und wenige Minuten später hatten wir den Rückmarsch, diesmal allerdings anscheinend auf einem anderen Wege, angetreten, den wir jedoch nur einige Schritte in den Wald hinein verfolgten, um den uns von feinem Hofthore aus beobachtenden Hofbesitzer irre zu führen. Kaurn durch die Bäume vor feinen Blicken geborgen, arbeiteten wir uns an einer lichten Stelle wieder auf unseren alten Weg hinüber und fort ging es, so rasch die Pferde die schwer- beladenen quiekenden Wagen durch den tiefen Sand bringen konnten.
Eine halbe Stunde vielleicht mochte unser beschwerlicher Marsch gedauert haben und schon sprach Scheibeler die Ansicht aus, daß wir diesmal der „verehrlichen Schwefelbande" zu rasch gewesen, was um so erfreulicher fei, als die Sonne fich sehr bedenklich zu neigen begann und eine „Mondfchein- Tlnterhaltung mit blauen Blousen und Bohnen" keineswegs nach seinem Geschmack sei. Da plötzlich machte unsere Spitze Halt und der Verbindungsmann kam in größter Eile heran- gestürmt und meldete, daß allerdings in großer Entfernung zu beiden Seiten des Weges Stimmen zu hören feien, die sich beständig zuriefen und ziemlich rasch näher kamen. Bald auch konnten wir das Rufen, das von einer größeren Anzahl Leute herrühren mußte, deutlich vernehmen und auch einzelne
in Trier einmündenden Bahnstrecken besondere Pilgerzüge mit ausschließlich III. Wagenklaffe gefahren. Zwischen Cob- lenz-Trier sind 8 Pilgerzüge in jeder Richtung vorgesehen. Extrazüge von anderen Bahnen müssen an diese Züge ange- schloffen werden. Die für größere Gesellschaften festgesetzte Fahrpreis-Ermäßigung gilt nur für die Pilgerzüge/ die Prozessionen müssen also die Pilgerzüge benutzen.
— Aus Hessen, 10. August. Man schreibt uns: Dem „Rathgeber für Obst- und Gartenbau", Organ des Wetterauer Obstbauvereins, entnehmen wir nachstehenden, alle diejenigen, denen die Obstbaumzucht in unserem Lande am Herzen liegt, wohl interessirenden Auszug aus einem betreffenden Artikel: „Muster von Ob st Pflanzungen sind jene an den Staatsstraßen in Oberhefsen. Hier sieht man, daß alle Arbeiten an den Bäumen correct durchgeführt werden unter einer geschickten und durch und durch kundigen Oberleitung- da ragt kein Pfahl in die Krone, da werden die jungen Bäume wiederholt mit Kalkmilch versehen, der Schnitt der Krone ist ein formvollendeter. Wenn nun solche vorzügliche Beispiele gegeben werden, sollte man glauben, daß diese alte böse Sitten verderben, man sollte namentlich glauben, daß an den Kreisstraßen die den Gemeinden gehörigen Bäume nach dem guten Vorbilde der Staatsstraßenbäume behandelt würden. Aber weit gefehlt. Schon bei der Auswahl der Bäume werden die ersten größten Fehler begangen. Es soll möglichst billig gekauft werden; man denkt dabei aber nur an die Gegenwart und nicht an die Zukunft und das ist grundfalsch; selten nur wird in dieser Beziehung ein Sachverständiger um Rath gefragt, es werden mitunter schon halbtodte Bäume gepflanzt re. Was hier für Oberhessen gesagt ist, könnnte auf das ganze Großherzogthum Hessen Anwendung finden. Man findet jetzt durchgehends an der Staatsstraße der drei Provinzen nur musterhafte und mit der größten Sorgfalt gepflegte Neupflanzungen. Man sieht hier das ausgesuchteste Pflanzen- material in nur wenigen aber fruchtbaren für Klima und Boden geeigneten Sorten von anerkannt großem Nutzungs- werthe. Hier ist kein Baum zu tief gepflanzt, die Baumscheiben sind stets gehackt und unkrautfrei, und das immer an Dungstoffen reiche Regenwasser wird denselben durch schräg laufende Gräbchen von der Fahrbahn reichlich zugeführt. Kurz, man sieht hier alle Vorbedingungen einer rationellen Obsteultur auf das Gewissenhafteste durchgeführt. Mit Bedauern nimmt der Kundige wahr, wie sehr mit solchen vorzüglichen Leistungen oft die angrenzenden Grundbesitzer mit ihrem geringwerthigen und schlecht gepflegten Pflanzmaterial in geradezu beschämender Weise contraftiren. Nicht viel besser ist es mit vielen Neupflanzungen der Gemeinden und solchen an manchen Kreisstraßen bestellt. Man begreift, wie wenig noch die Einsicht, daß ein rationeller Obstbau dermalen zu den einträglichsten landwirthschaftlichcn Betriebszweigen gehört, bei der ländlichen Bevölkerung Verbreitung gefunden hat. Möchten daher alle Gemeindevertretungen und alle Behörden, welche in der Lage sind, bei Straßenpflanzungen ein Wort mitzusprechen, Veranlassung nehmen, dahin zu wirken, daß dies vorzügliche Beispiel, welches die Straßenverwaltung gibt, überall Nachahmung finde und eine gute Schule wäre zum Vortheile des ganzen Landes.
Bad-Nauheim, 12. August. Eine der wohlthätigsten Anstalten des hiesigen Bade-Etablissements ist die Krnder- heilanstalt „Elisabethhaus". Der Hauptvortheil bei Benutzung der Anstalt liegt darin, daß die Begleitung erwachsener Angehörigen, welche die Kosten des Badeaufenthaltes verdoppeln würden, unnöthig erscheint. Die Anstalt wurde aus Anregung des hiesigen Pfarrers Walz, des zeitigen Vorsitzenden, im Jahre 1879 vom Verein für innere Mission gegründet und besaß im Anfang nur vier, in einem gemieteten Hause aufgestellte Betten. Schon drei Jahre später konnte ein eigenes Haus erbaut und dasselbe am 31. Mai 1882 emgcweiht werden. Fast jedes folgende Jahr brachte eine Erweiterung der Anstalt. Die immer zahlreicher werdenden Aufnahmegesuche machten den Neubau eines weiteren Pflegehauses zur dringenden Nothwendigkeit, das im vorigen Herbste in Angriff genommen und kürzlich durch Hrn. Pfarrer Walz in Gegenwart des Ortsvorstandes, der Pflegerinnen und zahlreicher Gäste feierlich eingeweiht wurde. Der
Worte in französischer Sprache verstehen. Das sah einem Ueberfalle der Franctireurs so ähnlich wie ein Ei dem andern und daß die Gesellschaft sich in so ungeübter Weise näherte, bewies uns zur Genüge, daß sie uns an Zahl weit überlegen sein mußte und gar keine Zweifel hegte, uns ohne Schwierigkeit zu überwältigen.
Ohne Zögern wurden nun unsererseits die nötigen Verteidigungsmaßregeln getroffen und lautlos, das fertig gemachte Gewehr in der Hand, standen unsere braven Jungen hinter den dicken Bäumen zu beiden Seiten des Weges und erwarteten das Hervorbrechen des Feindes. Sehen konnte man von demselben in dem dichten Gestrüpp nicht das Mindeste, dafür aber hörte man ihn schon von allen Seiten durch das Unterholz brechen.
„He-la!u brüllte eine Baßstimme vielleicht hundert Schritte seitwärts im Gebüsch. „Achtung, Antoine, daß uns die Schweine nicht durchbrechen."
„Keine Furcht, mein Alter," erwiderte ein jugendliches Organ boshaft lachend, „diesmal haben wir sie fest, wir haben sie umzingelt!"
Das war denn auch richtig- wie waren eingekreist wie ein Stück Wild und von allen Seiten kamen die Jäger gleichmäßig näher. Jeden Augenblick mußte es zum Aufeinander- stoß kommen, dann aber wollten wir ihnen die Zähne zeigen und wenn sie geglaubt hatten, ein wehrloses Thier erschießen zu können, so sollten sie sich furchtbar getäuscht haben und sich einem borstigen Eber gegenüber finden. So ungefähr characterisirte später unser Vicefeldwebel die Situation.
Immer näher kamen die drohenden Ruse, jetzt rauschte es schon in den Büschen, deren höhere Zweige hin und her wogten wie vom Winde gepeitscht, athemlos standen unsere Leute und suchten einen Zielpunkt für ihre Zündnadel in dem
Neubau enthält zwei große Schlafsäle, vier Badezimmer unt'> die erforderlichen Wohn- und Wirthschastsräume. Ein Jsolir- Haus für mit ansteckenden Krankheiten Behaftete ist schon vor einigen Jahren erbaut worden. Jetzt können 100 Kinder gleichzeitig ausgenommen werden- seit 1882 sind nicht weniger als 2200 Kinder verpflegt worden. Die armen Wesen finden in der Anstalt nicht nur leibliche Hilfe, sondern auch — wie in der Weiherede mit Recht hervorgehoben wurde — für ihr freudeleeres, gedrücktes Gemüth eine herzerquickende Aufmunterung. Den Pflegedienst versehen Schwestern vom Diako- niffenhaus „Elisabethenstift" in Darmstadt mit größter Aufmunterung und in liebevollster Weise. Behandelnder Arzt ist seit Eröffnung der Anstalt Medicinalrath Dr. Abbee, welcher seines Amtes mit der größten Umsicht und in der uneigennützigsten Weise waltet. Die hohe Protectorin und Wohltäterin des „Elisabethhaus" war die jetzt in Gott ruhende Prinzessin Earl von Hessen, die, wie bekannt, auf dem Gebiete werkthätiger christlicher Menschenliebe so sehr thätig war. Die Seele des Vorstandes ist der eigentliche Stifter der Anstalt, Pfarrer Walz, der im Verein mit dem Anstalts- arzt und dem Geschäftsführer, Herrn Lehrer Wagner, die recht zeitraubende Verwaltung führt. — Noch fei bemerkt, daß mit den Städten Darmstadt, Offenbach, Gießen und Mainz, mit der Landeswaisenanstalt zu Darmstadt, sowie mit dem Waisenhaus und dem Heiliggeist-Hospital zu Frankfurt a. M. Specialverträge wegen Aufnahme von Pfleglingen geschlossen wurden. Auch sind einige Freibetten gestiftet. Aus kleinen Anfängen hat sich die Kinderheilanstalt zu dem jetzigen stattlichen Umfange entwickelt. Es können jetzt nämlich in jeder Saison an 400 Kinder, größtenteils ans den unbemittelten Ständen, aufgenommen, leiblich und geistig geheilt und zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft herangebildet werden. Daß dies erreicht wird, dafür gebührt außer der aufopfernden und nicht genug anzuerkennenden Thätigkeit des geschäftsführenden Ausschusses vornehmlich auch der Staatsregierung und der Bade-Direction, die stets lebhaftes Interesse und Werktätige Theilnahme an der Anstalt bekundet, warmer Dank. D. Ztg.
□ Vom Vogelsberg, 12. August. Eine Unzahl von Pilzen und Schwämmen hat der regnerische Sommer im Walde hervorgebracht. Wie gesäet entsprießen sie dem feuchten Waldboden- alle Arten sind vertreten: vom giftigen Fliegenpilz bis zum eßbaren Stein- ober Edelpilz und zum Ziegenbart oder gelben Hirschschwamm. Schade nur, daß die Kenntniß der eßbaren Schwämme allgemein noch so im Dunkeln, liegt, denn die eßbaren Schwämme liefern eine durchaus nicht zu verachtende Speise. Vor einigen Qabvcn unternahmen Kreisämter, so das zu Alsfeld, die dankens^, rthcn Versuche, Klarheit über die eßbaren Schwämme durch Beschreibung dieser und der giftigen in den Kreisblättern unter die Kreiseinwohner zu bringen. Eben zu diesem Zwecke wurden auch Modelle der häufig vorkommenden Arten, aus Papiermache gefertigt, den Gemeinden zur Verfügung gestellt. Es ist dies das beste Mittel, die Kenntniß der Schwämme zu vermitteln. Nur wem diese völlig zu eigen, ist die Verwerthung eßbarer Schwämme zu empfehlen, wem sie aber mangelt, der lasse sich davon. — Auch das Mutterkorn, ein Kernpilz, findet sich in diesem Jahre sehr häufig im Korn. Da sich dasselbe auf zweierlei Art fortpflanzen kann, nämlich durch llebertragung von Wind und Jnsecten auf andere Aehren, sowie durch Bildung von Sporen auf dem Erdboden, so empfiehlt es sich,, die Mmterkörner zu sammeln und zu vernichten. Bekanntlich schaden sie aber auch sehr den Menschen, indem Mehl, worin sich Mutterkorn befindet, die Kriebelkrankheit verursacht. Vielleicht könnten auch die eingesammeltcn Mutterkörner verkauft werden, da dieselben in der Medicin als heftig wirkendes Mittel angeiüaubt werden.
Langen, 11. August. „Es gibt noch gute Meuschen!" Als ich vor einigen Tagen Vormittags das Dörfchen G. durchwanderte, gewahrte ich eine weinende und klagende Gruppe, die Aller Mitleid erwecken mußte, denn das einzige und letzte Pfandobject — die Kuh — sollte durch den Gerichtsvollzieher wegen einer Schuld von 31.80 Mk. den armen Leuten eben entführt werden. Als der Abmarsch beginnen sollte, kam ein Herr die Straße daher, der sich nach den Ver
grünen Chaos — „Alle Hagel!" brüllt da plötzlich Scheibeler, „äst mich der Satan?" und entreißt seinem Nebenmann das Gewehr. Blitzschnell sinkt der ehemalige Forstmann auss- Knie, der Kolben fliegt an die Backe und donnernd hallt der erste Schuß durch den Wald. Ein Moment Todtenstille, dann aber ein Getümmel und Geheule, als käme das wilde Heer vorübergebraust. In wüthender Hast drängt sich in buntem Durcheinander eine Heerde Rindvieh, Schweine u. s. w. über den Weg, einige Blaukittel werden sichtbar und verschwinden sofort wieder, als habe sie der Boden verschlungen- Dazwischen dröhnt der wilde Jagdruf Schcibelers: „Huß Sau? Huß Sau!" begleitet von feinem brüllenden Gelächter.
Einen Augenblick hatten die Leute wie erstarrt dagestan- den, bann aber die Lage sofort begriffen und als wir nach einer kurzen Pause unfern Marsch fortsetzten, lag auf dem ersten Wagen ein mächtiges Schwein mit einem „herrlichen Blattschuß" und zwei feiste Rinder waren hinter dem letzten derselben angebunden.
„Na, die Sorte von Franctireurs lasse ich mir gefallen", lachte der Vicefeldwebel und klopfte den beiden Gefangenen freundlich auf die beiden Nacken. „Aber zur Strafe für den meuchlerischen Ueberfall werdet ihr morgen ohne Gnade vom Leben zum Tode befördert, und so ’ne tobte Sau ist mir schließlich gerabe so lieb vor ihrer Transformation in Erbswurst als nachher!"
Damit aber ber Gutsbesitzer sein Vieh nicht etwa boch noch nach Paris schicken konnte, unternahm unsere Cavallerie am nächsten Morgen einen großartigen unb erfolgreichen Streifzug, von welchem sich bie Kochkessel noch lange Zeit: später, besonbers aber vor Paris, „zum ewigen Hammel", die ausschweifendsten Berichte erzählten.


