Berathung des Antrages Rickert fortgesetzt. Nachdem Gras Kanitz sich gegen den Antrag, Brörnel für den Antrag ausgesprochen, erklärte der Reichskanzler nochmals die Mittheilung ausländischer Berichte für unausführbar- ein russischer Bericht besage, die Gefahr, daß wir aus Rußland nicht genügend mit Getreide versorgt werden könnten, liege nicht vor. Die Stadt Berlin sage in einer ihm zugesandten Denkschrift, die Handelsstetigkeit sei für die arbeitende Bevölkerung die Hauptsache, aber die Agitation trage nicht dazu bei. Die Stetigkeit sei nur in dem Verhalten der Regierung. Schließlich weist der Reichskanzler energisch den Vorwurf zurück, daß die Regierung das Wohl der Arbeiter nicht genügend im Auge habe. Abg. v. Eynern erklärt, die Nationalliberalen ließen die Frage, ob Schutzzoll oder nicht, unbehandelt- entscheidend sei für sie, die Stellung der Regierung nicht zu erschweren, da dieselbe mit wichtigen auswärtigen Transactionen beschäftigt sei. Abg. Rickert vertheidigt die Berechtigung der Freisinnigen zur Agitation. Schalscha bekämpft dieselbe und greift die Börsenfixgeschäfte au. Zum Schluß der Debatte erklärt Richter im Schlußwort, die Minorität für diesen Antrag werde sicher größer sein, als die Minorität der Rechten bei der Abstimmung über den österreichischen Handelsvertrag. Richter schließt mit einer Kritik über das Verhalten der Conservativen. Hieraus wird der Antrag Rickert in namentlicher Abstimmung mit 223 gegen 20 Stimmen abgelehnt. — Nächste Sitzung morgen 11 Uhr: Wildschadengesetz.
Berlin, 12. Juni. Das Herrenhaus nahm den Gesetzentwurf betreffend die Aenderung des Wahlverfahrens debattelos an. Die Denkschrift über das Ansiedlungsgesetz in den Provinzen Posen und Westpreußen wurde nach kurzer Debatte durch Kenntnißnahme erledigt. Die Petition um Gewährung einer Beihülfe von 300 000 Mk. behufs Eindeichung der linksseitigen Odermündung wird der Regierung zur Erwägung überwiesen. Bei der ersten Lesung des Sperrgeldergesetzes erklärte Fürstbischof Kopp, das Gesetz bestimme, Unruhe und Unzufriedenheit zu beseitigen, er werde selbst berechtigte Wünsche zurückstellen, um das Zustandekommen nicht zu gefährden - er bitte, die zweite Lesung der Vorlage im Plenum zu berathen. Das Haus beschloß dem-, entsprechend. Nächste Sitzung: morgen. Rentengüter, Landgemeindeordnung.
Berlin, 12. Juni. Die „Nationalzeitung" berichtet, das Comite zur Niederlegung der Schloßfreiheit habe die Bestimmung des Kaisers oder des Staatsministeriums erbeten, wann mit dem Abbruch vorgegangen werden soll. Die Stadt Berlin lehne noch immer die Uebernahme der Häuser in Eigenthum und Verwaltung ab, bis die Frage des Denkmals entschieden sei.
Straßburg, 12. Juni. Der Landwirthschafts- rath von Elsaß-Lothringen wurde heute in Gegenwart des Statthalters eröffnet. Unterstaatssecretär Schraut theilte mit, daß nach angestellten Ermittelungen für Winterfrüchte im Elsaß eine Mittelernte, in einzelnen Kreisen sogar eine bessere Ernte zu erwarten sei- in Lothringen seien die Aussichten weniger befriedigend. Für Sommer-Getreide, Futter, Kartoffeln und Obst seien die Aussichten überall sehr gut.
Esten a. d. Ruhr, 12. Juni. In der heutigen Sitzung beantragte der Staatsanwalt gegen den Chefredaeteur Fußangel zwei Jahre und gegen den Redacteur Lunemann ein Jahr Gesängniß.
Rom, 12. Juni. Im Senat gab heute der Finanzminister Luzzatti dem festen Willen des Cabinets Ausdruck, das Gleichgewicht im Staatshaushalte durch wirkliche, unverzüglich wirksame Ersparnisse herbeizuführen. Das Gleichgewicht, sagte der Minister, sei bis auf fünf ober sechs Millionen Lire erreicht und es sei keine Uebertreibung, wenn die Regierung behaupte, daß es ihr gelingen werde, auch diese letzte Deckung, und zwar noch vor Schluß des lausenden Etatsjahres, zu finden. Es sei unmöglich, alle alten Uebel in nur fünf Monaten wieder gut zu machen- er wünsche daher, daß man mit dem, was bereits geschehen, rechne. Das Cabinet werde dann das Revisionswerk sortsetzen. Ein Beweis hierfür sei auch das Gesetz, betreffend die Herabminderung der Ausgaben für neue Eisenbahnbauten auf 50 Millionen.
London, 12. Juni. In einer heute Abend abgehaltenen Versammlung der Omnibusbediensteten wurde der Strike für beendet erklärt. Die Angestellten werden die Arbeit morgen wieder aufnehmen.
Cocates tmb Orovinzicües,
Gießen, 13. Juni.
— Sitzung Großherzogl. Handelskammer vom 8. Juni 1891. Anwesend waren die Herren: Scheel, Gail, Heichelheim, Homberger, Klingspor, Kraatz, Wortmann. Seitens des Präsidiums des Deutschen Handelstags ist an die Kammer die Anfrage gerichtet worden, ob der Plan einer etwa im Jahre 1895 zu veranstaltenden Industrieausstellung in Berlin — als welche zunächst eine national-deutsche in Aussicht genommen sei — die Billigung und Unterstützung der industriellen Kreise im hiesigen Bezirke finde. Die von der Kammer veranstalteten Umfragen haben ergeben, daß die betheiligten Industriellen des hiesigen Bezirks dem Projekte große Shmpathieen entgegenbringen und ist deßhalb die Anfrage des Präsidiums des Deutschen Handelstages in diesem Sinne beantwortet worden. — Zu dem Entwurf eines Gesetzes über das Telegraphenwesen des Deutschen Reiches hat die Kammer durch an den Reichstag gerichtete Petionen die nachfolgenden Anträge befürwortet, in dem neuen Gesetzentwurf Bestimmungen dahingehend aufzunehmen: 1. daß die Telegraphen- und Fern- sprech-Anlagen so angelegt werden müssen, daß sie gegen die Einwirkungen benachbarter electrischer Einrichtungen und Leitungen, mögen dieselben bestehen oder erst in Zukunft her- gestellt werden, in sich selbst geschützt sind- 2. daß die Festsetzung der Telegraphen- wie Fernsprech - Gebühren durch Reichsgesetz erfolge- 3. daß Theilnehmer von Fernsprech- Anlagen, welche außerhalb eines Ortsbestellbezirks wohnen,
zur Zahlung vo« Beiträgen zu den Anlagekosten nur für die über den Ortsbestellbezirk hinausführende Leitungslinie herangezogen werden dürfen und zwar nur in Höhe der Selbstkosten der Postverwaltung- 4. daß in allen Postorten mit Fernsprechanlagen öffentliche Fernsprechstellen einzurichten sind. — Im Jahre 1893 findet eine Weltausstellung in Chicago statt. Der Reichscommissar für diese Ausstellung hat der Kammer eine Anzahl von Rundschreiben, betr. die Betheiligung Deutschlands an der Weltausstellung, nebst Programmen und Anmeldungen übersandt und liegen dieselben auf dem Bureau der Kammer zur Einsicht und Benutzung der Interessenten offen. — Seitens Großh. Ministeriums des Innern unb~ der Justiz wird der Kammer mitgetheilt, daß nach einer neuerdings erfolgten Anordnung der französischen Zollverwaltung hinfort in den Ursprungszeugnissen, welche in Frankreich bei der Einfuhr von Wein, Seide, Floretseide, Vieh, Olivenöl, Tafelobst, Email und Glasflüssen aller Art, Wildpret und lebendem oder todtem Geflügel, frischem oder gesalzenem Fleisch, Butter, Strohhüten, flüchtigen Oelen und Essenzen erfordert werden (Deutsches Hand.- Archiv 1888 I, S. 285/86, 739, 1889 I, S. 186) das Gewicht der einzuführenden Waaren nicht in Ziffern, sondern in Buchstaben anzugeben sind.
— Das Programm des dritten historischen Orgelcoucertes bringt in dem vocalsolistischen Theile zwei geistliche Lieder von Beethoven (Bitten und Bußlied von Gellert), die als Muster in ihrer Art hochgeschätzt, aber leider nicht dem entsprechend oft auf den Programmen geistlicher Concerte zu treffen sind. Außer diesen Liedern enthält das Programm das nicht minder geschätzte Schubert'sche Lied „Ruhe in Frieden" (das in seinem Stimmungsgehalt einen weiten Schritt vorwärts gegen Beethoven thut) und einen Psalm von Rinck. Von Rinck werden heute noch in Schul- und Kirchenchören einige vierstimmige Motetten gerne gesungen. Seine geistlichen Lieder für Solostimmen sind dagegen fast völlig vergessen. Leider mit Unrecht! Denn dieselben stehen in ihrem musikalischen Werthe entschieden höher als ein großer Theil der einst und auch noch heute leider vielgespielten Orgelsachen jenes Componisten. Die Rinck'schen Orgelcom- positionen brachten durch ihr starkes Anlehnen an Mozart- Haydn'sche Ctaviermusik die Entwicklung des Orgelspiels in unserem Jahrhundert während langer Jahrzehnte auf eine falsche Bahn. Aus Rücksicht auf diese Thatsache wurden Rinck'sche für geistliche Concerte bestimmte Cornpo- sitionen, die eben nur Sprößlinge Mozart-Hahdn'scher Urbilder sind, nicht in das Programm aufgenommen, sondern es wurde für diese eine Mozart'sche Originalcornposition (Sonate für Orgel, 2 Violinen und Cello, herausgegeben und mit Cadenz versehen von Rheinberger) gewählt, um jene Entwicklungsphase der Orgelcomposition in ihren Anfängen zu zeigen. — Die claviermäßigen Formen drangen bei Rinck auch in Compositionen ein, die für den Gottesdienst bestimmt sind, wenn auch nicht in so crasser Form wie in seinen Concert- sachen- was die im Programm enthaltenen Choralvariationen zeigen werden. Rinck ist bei seinen Lebzeiten oft als letzter Ausläufer der Bach'schen Schule in panegyrischen Kritiken bezeichnet worden. Aber wie unrichtig diese Lobeserhebung war, kann man sehen, wenn man die Compositionen von Krebs, dem bedeutendsten Schüler Bachs, mit den Rinck'schen vergleicht. Auch der Vergleich Mendelssohns mit Rinck ist interessant. Während Rinck den Mozart und Haydn nach Form und Inhalt ohne weiteres auf die Orgel brachte, suchte Mendelssohn durch angemessene Verschmelzung des musikalischen Sinnen- und Seelenlebens seiner Zeit mit Bach'schen Formen dem Orgel- und Vocalstil neue Bahnen zu eröffnen. Nur der craffefte ästhetische Barbarismus kann die große Bedeutung, welche Mendelssohn in diesem Punkte für die Musikgeschichte hat, leugnen. Gewiß hasten Mendelssohn manche Schwächen an- und wenn wir" gerade mit seinen Orgelsachen zu thun haben, so kann speciell von seinen Fugen gesagt werden, daß dieselben zwar streng der Form nach gearbeitet und melodisch schön find, daß sie aber hingegen thematisch des eigentlichen Fugencharacters manchmal entbehren. Dennoch muß aber zugestanden werden, daß die Orgelcomposition durch Mendelssohn vornehmlich wieder zu dem unerschöpflichen Brunnen zurückgeführt worden ist, der sie für alle Zeit zu tränken im Stande ist- dieser Brunnen heißt eben Joh. Seb. Bach. — Dieselbe Richtschnur auf das Gediegene in der Form wie Mendelssohn bekundet auch Fr. Lachner. Bei ihm wächst aber auch der ideelle Gehalt auf streng classischem Boden. — Den Schlußstein des dritten Concertes bildet die Toepfer'sche ä-moll-Sonate. Dieselbe ist lange Jahrzehnte in den Concerten der Orgelspieler ganz besonders stark vertreten gewesen, wird aber jetzt erst allmälig von den Rheinberger'schen Sonaten verdrängt. Sie trägt in ihrem ersten und dritten Satze heroisch-pathetischen Grundcharacter, zu welchem der zweite Satz in seinem pastoralen Ton angenehm contraftirt. Namentlich der erste Satz dieses Werkes war mit seinen gewaltigen Tonmassen früher ein untrüglicher Probirstein für die Ansprache der alten mechanischen Orgeln - unsere jetzigen pneumatischen finden sich dagegen leicht mit Tyepser'schen Anforderungen ab. — Zum Schluß fei bemerkt, daß der Inhalt des dritten Concertes wie der folgenden dem heutigen musikalischen Geschmacke natürlich weit näher kommt als Bach und seine Vorläufer.
— Mittelrhein. Kreistnrnsest. Die Einladungen zu dem diesjährigen Kreisturnseste, welches bekanntlich in Hanau stattfindet, sind nunmehr an die einzelnen Turnvereine des Kreises erfolgt. Hiernach müssen die theilnehmenden Turner bis zum 26. Juni an dem Festort angemeldet sein. Wie uns nun mitgetheilt, ist in dem hiesigen Turnverein die Einrichtung getroffen, daß Einzeichnungslisten für seine Mitglieder, welche sich an dem Feste betheiligen wollen, bis zum 24. l. M. auf dem Lahnstein und im Vereinslocale (Cafe Schnell) offen gelegt sind.
— Theater. Wir wollen nicht verfehlen, hierdurch nochmals auf die am nächsten Sonntag den 14. statlfindende Gast
vorstellung des Widmann'schen Ensembles vom Cur- theater zu Bad Naubeim ganz besonders aufmerksam zu machen. Nach Allem, was uns bis jetzt über den Character der Vorstellung mitgetheilt worden ist, verspricht uns der Abend ein für unsere Stadt hochinteressanter zu werden und sehen wir — da, wie wir bereits mittheilten, nur ein gut- besetztes Haus eine Fortsetzung der Gastspiele bringen kann — einem wärmeren Interesse unseres kunstliebenden Publikums entgegen.
— Braud. Am Donnerstag Vormittag 10 Uhr entstand in dem untersten Stocke eines Hauses in der Schillerstraße dahier ein Zimmerbrand, der jedoch glücklicherweise noch vor weiterer Ausbreitung bemerkt und gelöscht wurde. Das Feuer ist angeblich dadurch entstanden, daß zwei mit Streichhölzern spielende Kinder in ihrem Unverstände ein brennendes Zündholz in ein Bett warfen.
— Die Frist für den Umtausch der Postwerthzeichen älterer Art bauert bis zum 30. d. M. Vom 1. Juli ab sind die Verkehrsanstalten zum Umtausch älterer Postwerth- zeichen nicht mehr befugt.
— Verzeichniß der Sitzungen des Schwurgerichts der Provinz Oberhrssen pro 2. Quartal 1891:
Montag den 15. Juni, Vormittags 9 Uhr: Anklage gegen Johannes Hofmann von Rodheim v. d. Höhe wegen Körperverletzung und Todschlag. Die Anklage vertritt Großh. Staatsanwalt Theobald. Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch.
Dienstag den 16. Juni, Vormittags 10 Uhr: Anklage gegen Johannes Hermann II. von Busenborn wegen räuberischen Diebstahls. Die Anklage vertritt Großh. Staatsanwalt Schilling-Trygophorus. Vertheidiger: Rechtsanwalt Holzapfel.
Mittwoch den 17. Juni, Vormittags 8 Uhr: Anklage gegen Karl Dörr von Angersbach wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Die Anklage vertritt Großh. Staatsanwalt Schilling-Trygophorus. Vertheidiger: Rechtsanwalt L a b r o i s s e.
Donnerstag den 18. Juni, Vormittags 8 Uhr: Anklage gegen Johannes Ruf ser von Eulersdorf wegen Urkunden- fälfchung und Unterschlagung. Die Anklage vertritt Großh. Staatsanwalt Theobald. Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Jung.
Freitag den 19. Juni, Vormittags 8 Uhr: Anklage gegen Karl Bloß von Heisters wegen Brandstiftung. Die Anklage vertritt Großh. Staatsanwalt Schilling-Trygophorus. Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Rosenberg.
Alsfeld, 11. Juni. Ein höchst seltenes Ereigniß kommt am 1. Juli d. I. in unserer Stadt vor. Es ist das fünfzigjährige Dienstjubiläum eines Schuhmachergesellen, des jetzigen Altgesellen dieses Handwerks, mit Namen Jacob Kemmer von Alsfeld. Derselbe trat am 1. Juli 1841 bei Herrn Jeremias Diehl dahier in die Lehre, bestand diese mit großem Eifer zur Zufriedenheit seines Lehrherrn, setzte seine Thätigkeit als Geselle im Hause bis zum Ableben des Meisters fort, stand während diesen Jahren seinem Herrn bei schweren Krankheiten, welche die Familie betroffen hatte, mit großer Opferwilligkeit zu dessen Seite. Nach dem Tode des Herrn Diehl übernahm der Sohn, Herr Albert Diehl, das Geschäft, auch hier blieb Herr Kemmer in seiner Thätigkeit und weilt heute noch bei der Wittwe Diehl mit vollem Eifer auf seinem Stuhle. Ehre dem wackeren Manne!
+ Hopfgarten, 11. Juni. Am 8. dss. Mts. brach im hiesigen Gemeindebackhause Feuer aus, welches jedoch sofort gelöscht wurde und größeren Schaden nicht anrichtete. ' Die Entstchungsursache des Brandes ist nicht bekannt.
Södel, 12. Juni. Gestern feierte Herr Lehrer Loos in voller Gesundheit sein 50jähriges Dienstjubiläum. Ist es auch nur Wenigen vergönnt, so lange ihrem Amte vorzustehen, so ist hier besonders hervorzuheben, daß der Jubilar ununterbrochen im Orte thätig war und sich rühmen kann, daß säst alle Bürger zu ihm in die Schule gegangen sind. Welcher Hochachtung er sich seitens der Gemeinde und seiner Collegen erfreute, zeigte der heutige Tag. Die Schulkinder überraschten ihn mit hübschem Gesang, der Gemeinderath, der Gesangverein und der Kriegerverein machten ihm werthvolle Geschenke.
— Die unrichtige Declaration von Frachtgütern zum Eisenbahntransport behufs Ersparung der an sich geschuldeten Frachtgebühren ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, 3. Strafst, vom 19. Februar 1891 als Betrug zu bestrafen, auch wenn die Eifenbahnverwaltung auf Grund des Reichseisenbahn-Betriebsreglements berechtigt ist, bei unrichtiger Angabe des Gewichts ober Inhalts eine Conventionalstrafe von dem Versender zu erheben und auch tatsächlich von diesem erhoben hat.
— Eine wichtige Neuigkeit für Markensammler. Für jede der überseeischen französischen Colonien werden jetzt eigene Briefpostmarken verausgabt werden. Diese neuen Marken für die Colonien werden sich von den gegenwärtig im Gebrauch befindlichen dadurch unterscheiden, daß sie außer dem gewöhnlichen Bild noch eine aus zwei Kugeln gebildete Vignette besitzen, in der der Name jener Colonie, für welche sie Geltung haben, eingetragen sein wird.
— In der Sitzung des Frankfurter Bezirkseisenbahn- raths vom 10. Juni fragte Herr Syndikus Puls an, warum noch keine Fahrpreisermäßigungen für den Besuch der Elec- trischeu Ausstellung eingeführt wären. Die Königl. Direction erwiderte, daß deßwegen Anträge beim Minister gestellt, von diesem aber abgelehnt worden seien. Inzwischen wurde bekannt, daß der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten zu Gunsten der Berliner Kunstausstellung nunmehr doch Fahrpreisermäßigungen eingeräumt habe und zwar nicht nur auf besonderen Extrazügen, sondern auf allen Zügen je an einem Tage in gewissen Zeitabschnitten. Der Ausstellungsvorstand hat diese Bewilligung zum.Ausgangspunkt einer zweiten Eingabe an den Herrn Minister genommen, um auch für die Elektrische Ausstellung, an welcher die Königl. Eisenbahn-


