Ausgabe 
13.10.1891
 
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Dienstag den 13. Oktober

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Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger.

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Durch die Post bcgef« 2 Mark 50 Pf,.

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Aints- und Anzeigeblutt für den Tkreis Gieren.

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Anrtlichev Theil.

Gießen, den 10. October 1891. Betr.: Die Aufstellung der Voranschläge der Gemeinden für 1892/93, hier Einstellung eines Betrags für An­schaffung der nach dem Gesetz betr. die Landesfeuer­löschordnung vorgesehenen Feuerlöschgeräthschaften und Ausrüstungsgegenstände.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

<m die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Das Gesetz vom 29. März 1890, die Landesfeuerlösch­ordnung betr., bestimmt in Art. 1, daß jede Gemeinde die nöti­gen Feuerlösch- und Rettungsgeräthschaften anzuschaffen und im Stand zu halten für Beschaffung von Waffervorräthen, sowie für die Einrichtung und Unterhaltung einer ausgerüsteten Feuerwehr und eines sachgemäßen Feuermeldewesens zu sor­gen hat. /

Dieses Gefttz ist mit dem 1. April 1891 ins Leben ge­treten. Wir werden bei seiner Durchführung zwar mit thun- lichster Schonung der finanziellen Kräfte der Gemeinde vor­gehen und nicht auf einmal auf Beschaffung der vollen Aus­rüstung dringen, wir empfehlen Ihnen aber, einen entsprechenden Betrag schon in dem Voranschlag für 1892/93 vorzusehen.

Die Höhe dieses Betrages wird sich nach der Beschaffen­heit und Anzahl der in Ihrer Gemeinde vorhandenen und der nach dem Gesetz die Landesfeuerlöschordnung betr. und der Ausführungsverordnung zu derselben noch anzuschaffenden Geräthe und Ausrüstungsgegenstände richten.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betr. den Herbstfaselmarkt des landwirthschaftlichen Bezirks- Vereins Friedberg pro 1891.

Der diesjährige Herbstfaselmarkt des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins Friedberg soll Mittwoch den 28. l. M. zu Friedberg abgehalten werden.

Die aufgetriebenen Fasel werden durch eine hierzu be­stimmte Commission gemustert und wird den Eigenthümern der als preiswürdig erkannten Thiere eine Geldprämie be­willigt, wozu der landwirthschastliche Bezirks-Verein und die Kreisstadt Friedberg entsprechende Beträge zur Disposition gestellt haben. Die eigene Züchtung der Thiere durch deren Eigenthümer erscheint nicht als eine Bedingung der Prämii- rung.

Von der Preisbewerbung sind Gemeindefasel ausge­schlossen, desgleichen Fasel, die um 9 Uhr Vormittags noch nicht am Platze sind.

Für Fasel, welche als tauglich befunden aber nicht prä- miirt worden, wird auf Verlangen eine Wegvergütung aus­gezahlt.

Nicht genügend gefesselte Thiere werden vom Platze weggewiesen.

Die zum Abschluffe kommenden Verkäufe wollen dem Großh. Bürgermeister Herrn Steinhäußer zur Anzeige gebracht werden.

Zu recht zahlreichem Besuche des Marktes wird hiermit eingeladen und hofft man mit Rücksicht darauf, daß in diesem Jahre etwa 400 Mark zu Prämien zur Verfügung stehen, auf eine rege Betheiligung an dem Markte.

Friedberg, den 3. October 1891.

Der Director des landwirthschastl. Bezirks-Vereins Friedberg.

Dr. Braden._________________

Bekanntmachung,

betr. das Einhalten der Tauben zur Saatzeit.

Die Besitzer von Tauben werden aufgefordert, während der Saatzeit - vom 15. October bis 15. November ihre Tauben in den Schlägen einzuhalten. Uebertretungen dieser Vorschrift muffen nach Art. 79 des Feldstrafgesetzes zur An. zeige und Bestrafung gebracht werden.

Gießen, den 12. October 1891.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

______________Gnauth. ____________

Bekanntmachung.

Hiermit diene den Mitgliedern des Oberhess. Obstbau­vereins zur Nachricht, daß Se. Erlaucht Herr Gras Solms- Laubach in Laubach, als Präsident des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen, das Ehrenpräsidium der Aus­stellung in Gießen gütigst übernommen und in dankenswerther Weise die Summe von 100 Mark zu Ehrenpreisen für die

Ausstellung gestiftet hat........100 Mk.

Ferner sind an Preisen eingegangen:

Von der Stadt Gießen........150

Von einzelnen Gartenfreunden in Gießen, ge­

sammelt durch Herrn Provinzialdirector v. Gagern 124 Vom landw. Verein f. d. Provinz Oberhessen . 100 Von Herrn Grafen Oriola.......60

Von Herrn Commerzienrath Heyligenstaedt, Gießen 50 Vom landw. Bezirksverein Friedberg (1 Chrono­

meter) .............25

Desgl. für Baumwärter aus dem Kreis Fried­berg .............100

Vom landw. Bezirksverein Alsfeld.....25

Vom landw. Bezirksverein Schotten (1 Chronometer) 25

Vom landw. Bezirksverein Lauterbach .... 20

Von der Stadt Friedberg (ein silberner Tafel­

aufsatz) .............25

Von Herrn Rentier Gwinner, Friedberg . . . 15 ,,

Summa 819 Mk.

Allen Gebern den besten Dank im Namen des Ober­hessischen Obstbauvereins unter Hinweis auf die Bekannt­gabe, daß die Verkeilung der Preise am Schluffe der Ausstellung

Donnerstag den 22. October, Nachmittags 3 Uhr

stattfindet.

Friedberg, den 10. October 1891.

Der Präsident des Oberhessischen Obstbauvereins.

Dr. Braden.

Zugleich ersuchen wir ergebenst aus jedem Kreise ein bis zwei Leute namhaft zu machen, die als Baumwärter im Dienste einer Gemeinde stehend, sich besonderer Anerkennung würdig gezeigt haben, um sie, falls das auf der Ausschußsitzung des Oberhess. Obstbauvereins vom 15. October, Vormittags 10 Uhr in Gießen (Steins Garten) beschloßen werden sollte, am Sonntag den 18. October in der Ver­sammlung Oberhess. Baumwärter mit Gaben von 2030 Mk. bedenken zu können.

Der Präsident des Oberhess. Obstbauvereins, gez. Dr. Braden.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 10. October. Wie uns aus'jStutt gart berichtet wird, hatten Seine Königliche Hoheit der Groß- herzog beabsichtigt, an den Beisetzungsfeierlichkeiten dortselbst theilzunehmen, sahen jedoch wieder davon ab, da ein Tele­gramm Seiner Majestät des Königs den letztwilligen Wunsch des verstorbenen Monarchen ausdrückte, daß steine Fürstlich­keiten sich zu der Beisetzungsseier begeben möchten.

Darmstadt, 10. October. Seine Majestät der Kaiser wurden heute Vormittag 7 Uhr 30 Minuten, auf der Durch­reise von Stuttgart begriffen, auf dem Bahnhof der Main- Neckar-Eisenbahn Hierselbst von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog, sowie II. K.Gr. HH. den Prinzessinnen Heinrich von Preußen und Alix begrüßt. Auf Ein­ladung Seiner Majestät bestiegen die Höchsten Herrschaften den kaiserlichen Wagen, um mit nach Frankfurt zu fahren. Allerhöchstdieselben besuchten dort die electrische Ausstellung, wobei Geh. Hofrath Professor Dr. Kittler von der Groß­herzoglich Technischen Hochschule die Ehre hatte, Seine Kaiser­liche Majestät zu führen.

Frankfurt a. M., 10. October. Die Ankunft Seiner Majestät des Kaisers sowie der Besuch in der electrischen Ausstellung erfolgte ganz unerwartet. Letzterer dauerte etwa zwei Stunden. In Begleitung Seiner Majestät befanden sich Ihre Königliche Hoheiten der Prinz Heinrich von Preußen mit Gemahlin und der Großherzog von Hessen mit der Prinzessin Alix. Se. Majestät besichtigte, Anfangs unter der Führung des Geh. Rath Kittler aus Darmstadt, später unter der Führung der Vorstandsmitglieder von Miller und Sonne­mann, den größten Theil der Ausstellung und widmete den Ausstellungshallen, der Main-Ausstellung, den Werkstätten und dem Theater besonderes Interesse, beehrte auch verschiedene Aussteller mit huldvollen Ansprachen. Das aus die Nachricht von der Ankunft Sr. Majestät des Kaisers zahlreich herbei­geströmte Publikum begrüßte Allerhöchstdenselben mit wieder­holten lebhaften Zurusen. Um IO1/» Uhr wurde die Reise nach Homburg fortgesetzt.

Stuttgart, 10. October. Der König hat an die Offiziere und Mannschaften des 13. Armeecorps einen Tages­befehl erlassen, in welchem derselbe die Ueberzeugung aus­spricht, daß die Truppen die ersten Soldatentugenden, Treue, Muth, Ausdauer in Gefahr und Beschwerde, Manneszucht und Gehorsam bewahren, und wenn Noth thut, auch bethätigen

werden. In dem Tagesbefehl heißt es sodann weiter:Ich habe in zwei Feldzügen an eurer Seite gekämpft und die Gefahren mit euch getheilt. Seid meiner treuväterlichen Ge­sinnungen versichert- machet der Hingebung an euren König wie an den obersten Kriegsherrn als Glied des großen gemeinsamen deutschen Heeres und unserem Namen Ehre! Wilhelm."

Stuttgart, 10. October. Der König kündigte einen Amnestieact an, besonders berechnet für ärmere Leute, die aus Noth Vergehen verübten.

Berlin, 10. October. Gutem Vernehmen nach tritt der Colonialrath am 21. d. M. zusammen.

Berlin, 10. October. DerReichsanzeiger" veröffent­licht ein Telegramm des Gouverneurs v. Soden aus Zanzibar vom 9. October, welches meldet, daß Lieutenant Prince, der behufs Recognoscirung nach Kondoa marschirt und von dort an die Küste zurückgekehrt sei- in Mpwapwa herrsche vollständige Ruhe.

Berlin, 10. October. Dem Bundesrathe ist eine Mittheilung in Sachen der Aufhebung des Einfuhrver­botes für amerikanische Schweine usw. zugegangen, wonach es dem Bundesrathe anheimgestellt wird, die Aus- sührungsbestimmungen zu dem Einfuhrverbot gänzlich außer Kraft zu setzen. Dies würde namentlich auch das Fallenlassen der Forderung, wonach bei der Einfuhr von Schweinewaaren Ursprungszeugnisse beizubringen sind, zur Folge haben. Zweifellos wird der Bundesrath von der ihm ertheilten Er­mächtigung Gebrauch machen und da nunmehr die Schweine­einfuhr aus Amerika nach Deutschland auch der letzten Fesseln ledig wird, so steht hiervon eine Steigerung der amerikanischen Zufuhr von Schweinen usw. mit Sicherheit zu erwarten.

Der bayrischen Abgeordnetenkammer ist der angekündigte Gesetzentwurf, betr. die Herstellung weiterer Doppelgeleise auf den bayerischen Bahnen, zugegangen- für gedachten Zweck wird die Summe von 25 Millionen Mark gefordert. Mit dieser Maßregel wird eine Reform einge­leitet, welche sich im Hinblick aus den immer stärker werden­den Durchgangsverkehr auf den bayerischen Bahnen als un­umgänglich gezeigt hat. Bereits durch das Gesetz vom 8. December 1889 wurde eine Vermehrung der bayerischen Doppelgeleise von 411 Kilometer aus rund 880 Kilometer ausgesprochen, jetzt sollen die Doppelgeleise der bayerischen Bahnen abermals erheblich vermehrt werden, um 400 bis 500 Kilometer. Vor Allem werden hierdurch die großen Linien Wien-Salzburg-München-Ulm, Treuchtlingen-Würzburg- Köln, Treuchtlingen-Nürnberg-Bamberg-Hof, Rom-Kufstein- München-Regensburg-Hof, soweit sie durch Bayern gehen, vollständig mit Doppelgeleisen versehen, womit künftig der Eisenbahndurchgangsverkehr durch Bayern eine bedeutende Er­leichterung erfährt.

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Wien, 10. October. DieCorrespondenz" meldet aus Alexandrien: Im Sudan ist alles ruhig. Die Streit­kräfte des Mahdi in seiner Anzahl von 8000 Mann sind schlecht verpflegt- da die meisten Sheiks dem Khedive unter­worfen wurden, unterbleibt die englische Sudan-Expedilion.

Paris, 10. October. DerTemps" meldet aus Rom: Der Leiter der sranzösischenPilgersahrten, Harmel, verfaßte über die Vorgänge, welche von dem Zwischenfall im Pantheon zu Rom ausgingen, einen ausführlichen Bericht, der in katholischen Blättern veröffentlicht werden soll. Außer­dem sollen die dem letzten Pilgerzuge angehörenden Arbeiter sich gegenüber Cardinal Langeniaux verpflichtet haben, eine Darstellung dessen niederzuschreiben, was ihnen widerfahren ist. Diese Einzelberichte sollen Harmels Bericht einverleibt werden.

Toulon, 10. October. Frey einet ist hier eingetroffen, um die Befestigungssrage zu prüfen. Beim Dejeuner, das er den Offizieren gab, toastete er auf die Armee, aus der Frankreich jenes Stcherheitsgefühl schöpfe, welches es zwanzig Jahre nicht kannte. Die Armee biete die Bürgschaft für ein besseres Geschick und höheren Rang in der Welt. Frankreich wolle den Frieden. Das sicherste Mittel hierzu sei, ihn von Niemanden zu erwarten, sondern ihn sich selbst und der Achtung, welche man einflöße, zu verdanken.

Rom, 10. October. Nachdem die Massenpilgerzüge ein­gestellt worden sind, forderte der Vatican die katholischen Gesellschaften aus, das anläßlich des Krönungsjahres­tages bestimmte Geld für den Peterspfennig zu sammeln und an den Papst zu überweisen.

Rom, 10. October. Morgen treffen die liberalen Ver­eine von Belle tri in Begleitung der Stadträthe hier ein, um bas Grab Victor Emanuels zu besuchen und hier-