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6916
Börfeuwochenbericht
von E. Wassersehleben, Bankgeschäft.
Wieder eine Woche mit leidlich fester Börsenlendenz! „Leidlich fest" — man wird ihr dieses Prädikat nicht versagen können, trotz der geringfügigen Steigerung des Coursniveaus, trotz mancherlei Schwankungen, welche die Course von der schon erklommenen Staffel wieder zurückwarfen, und trotz der Geschäftsstille, die im Gegensatz zu früheren Jahren sich jetzt wieder drückend fühlbar macht. Offenbar trägt die Geschäftsstille mit Schuld daran, wenn die Course nicht ein schnelleres Tempo der AufwärtSbewegung anschlagen können. Die Aufträge fehlen eben, und mit diesen fehlt den Speculanten auch der Muth zu energischerem Vorgehen. Deckungen laufen allerdings nebenher, und ihnen ist auch wohl der Hauptantheil an der Aufwärtsbewegung zuzuschreiben. Daß aber die Course immer von Neuem rückläufig werden, liegt daran, daß neben einer günstigeren Auffassung der Situation, wie sie sich in letzter Zeit geltend macht und in den glänzenderen Abschlüssen der Kohlenbau- gesellschaiten und den Verhandlungen über die russische Anleihe Nahrung findet, auch der alte Pessimismus sein Recht behauptet und theils durch passiven Widerstand, theils durch Neuoerkäufe auf jedem erhöhten Niveau seine Meinung zum Ausdruck bringt. An den Positionsverhältnissen mag durch dieses Für und Wider insoweit eine Verschiebung etntreten, als durch das Ueberwiegen von Deckungen eine Herab mi' derung der Blancorngagements und folglich der Kaufnachfrage herbeigeführt wird- Ob dieses Minus durch ein Plus der Meinungskäufe in gegenwärtiger Zeit überhaupt zu ersetzen sein wird, mag unentschieden bleiben; es ist eine Frage, die wesentlich davon abhängt, ob das Publikum nach all den schlimmen Erfahrungen wieder Vertraw-n zu der Situation fassen kann.
Die politischen Befürchtungen sind allerdings an der Börse wieder in den Hintergrund getreten, aber im Publikum gähren sie noch fort — ein Punkt, der bei Beantwortung obiger Frage nicht außer Acht gelassen werden kann —, und auch die Börse wird daraus Rücksicht nehmen müssen, daß sie jede Stunde neu erstehen können.
Tag für Tag drehte sich in der abgelaufenen Woche die Dtscussion an der Börse um die neue russische Anleihe, und wurde geschürt und genährt durch ständige Meldungen aus Parts über den Fortschritt der Verhandlungen. Für Deutschland hat ja diese Anleihe herzlich wenig Interesse, denn weder das Publikum noch die Börse wird Neigung haben, sich an ihr zu betheiligen. Wenn man trotzdem den Verhandlungen mit so regem Interesse folgt, so ist vielleicht nur der Gedanke maßgebend, daß man, im Falle dieselben zum Ziele führen, einen Beweis darin erblicken könnte, daß leitende Kreise die Situation wett besser beurtheilen als im Fiühjahr, da die Rothschtldgruppe von dem bereits abgeschloffenen Vertrag wieder zurücktrat. Daß die unterhandelnden Firmen in der Thal nicht frei von Befürchtungeen sind, darauf scheint der Vorschlag zu deuten, die Anleihe nur zur commtssionswetsen Einführung zu unternehmen, aber sollte auch dieser Vorschlag fallen gelassen werden, so müßte man doch selbst die Thatsache der definitiven Uebernahme der Anleihe noch immer mit Reserve begrüßen, weil zu dieser Entschließung wesentlich politische Sympathien beigetragen hätten. Auch eine sympattsche Aufnahme der Emmisston beim Publikum sollte nicht zu voreiligen Schlüssen verleiten, denn der Fehler, den man vielleicht begeht, indem man einem ohnehin geschwächten Markte die Aufnahme einer so großen Anleihe zumuthet, würde nicht im ersten Zetchnungstaumel sich geltend machen.
Eine thatsächliche Stütze hat" jedoch der Markt erhalten durch die Abschlüffe der Zeche Dannebaum und der Harpener Bergbau-Gesellschaft, die in dieser Woche bekannt geworden sind. Man hat den vorzeitigen Meldungen, welche über diese Abschlüsse in Umlauf kamen, lange Zeit daS höchste Mißtrauen entgegen gebracht, weil man trotz aller Kohlenverkaufsvereine nicht für möglich hielt, daß die Gewinne des laufenden Jahres die vorjährigen noch übertreffen könnten. Der Beweis, den die Ziffern gebracht haben, ist für die Börse außerordentlich viel werth, denn es muß das gerade im Jndustrieacttenmark stark erschütterte Vertrauen neu beleben, mag auch die Coursentwickelung vorläufig nicht dieser Ansicht entsprechen.
Es berührt allerdings etgenthümltch zu sehen, wie mitten in einer rückläufigen Conjunctur, da die ganze Industrie die Roth der Zett auf das Schwerste empfindet, die Kohlenwerke durch künstliche Aufrechterhaltung der Preise so ungeheure Gewinne erzielen können. Indessen bleibt die Frage, in wie weit die heutigen Kohlenpretse der Industrie eine lohnende Beschäftigung unmöglich machen, noch immer eine offene. Die Bereitwilligkeit, mit welcher Eisenwerke zu den heutigen Preisen Lieferungen auf Jahre hinaus annehmen, spricht jedenfalls dafür, daß auch bei den gegenwärtigen Kohlenpreisen ein wenn auch vielleicht geringer Verdienst übrig bleibt.
Viel beachtet wurde in dieser Woche ein Rückgang der Scrips, die am Dienstag wieder bis auf 83 % sanken. Es ist später sestgestellt worden, daß das ganze Angebot, welches diesen Coursdruck von ca. % verursachte, nur etwa eine Million betrug und ein zufälliges war, das jedes politischen Hintergrundes, den man anfänglrch argwöhnte, entbehrte. Der Cours hat sich seitdem auch wieder gehoben, aber das Vorkommntß hat doch gezeigt, wie schwach der Markt dieses vornehmsten deutschen Anlagepapicrs ist.
Daß sich das große Publikum noch immer nicht an den dreiprocentigen TupuS gewohnt hat und daß aus diesem Grunde noch immer massenhaftes Material in erster Hand liegt, mag mit Schuld daran tragen; der Hauptgrund der Schwäche liegt jedoch in den immer wiederkehrenden Ankündigungen von Neuemissionen, welche die Börse und Eapitaltsten von Anlagen in diesem Papier abschrccken. Man braucht dabei noch nicht an eine sofortige Emission zu denken, denn diese scheint, da ja erst die Be- w lligung neuer Credtte durch den Reichstag oorhergehen müßte, ausgeschlossen, aber selbst eine neue Anleihe, welche in den ersten Monaten des neuen Jahres zur Aus- gabe gelangte, würde m.E. von nachtheiligster Wirkung auf den Coms fein. Der Discontsatz an der Bör e zieht langsam an und scheint damit im Gegensatz zu stehen iU dem Status der Retchsbank, der nach Ueberwindung des Monatswechsels wieder verhältnißmäßig starken Ruckfluß zeigt. Es kommt der Reichsbank zu statten, daß ihr die niedrigen Wechselcourse ermöglichen, Gold aus dem Ausland heranzuziehen und so einen-Thetl des zweifellos starken Jnlandbedarfs zu decken. Zudem lasse man sich durch die Ueberdeckung der Notenausgabe nicht täuschen, die bobe Ziffer ber SDepo^en ist eine Position, die in dieser Zett mehr wie je als Passtoum gezählt werden muß.
Im Bankenmarkt war ein Courssturz der Darmstädter Bank-Actien nnf fällig, ble am Montag Abend bis auf 124 geworfen wurden. Es war daS Resultat eines falschen Gerüchtes, das von Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung sprach. Der CourSdruck war natürlich nicht von langer Dauer am Mittwoch nollrttn b<= Mellen bereit« wieder IM, schließen jedoch heule mit 128 genau auf dem vorwöchent tchen Niveau. Der Cours schwankt ständig mit dem der Portugiesen, weil noch immer nicht feststeht, wie groß der Besitz der Bank an
""d die Börse geneigt ist anzunehmen, daß der ganze Anthetl der Tabmsanleihe sich noch in den Händen der Bank befindet. Die übrigen Aciien zeigen kleine Avancen von etwa 1%, nur Handelsgesellschaft haben von einem größeren Gew nn 2% behauptet Credil |inb etwa 2 fl. besser! Die Wiener Boe" behauptet im Allgemeinen ihre feste Haltun?, aber es fehlt die Energie, mit welcher sie früher ihre Meinung vertheidigte, und die Course schwanken daber zremlieb oenau
mit der Tendenz an den deutschen Börsen. Das Tempo der Aufwärtsbewegung hat sich deshalb auch hier verlangsamt. Einzelne Böhmische Bahnen machten anfänglich noch gute Fortschritte, gegen Ende der Woche sind jedoch Duxer scharf rückgängig geworden, anläßlich einer Nachricht, nach welcher die Regierung einen neuen Verstaatlichungsmodus — natürlich zu ihrem Vortheil — anzubahnen sucht, und damit ist auch die Bewegung der anderen Actien zum Stillstand gekommen. Vielleicht drückt auch die Ungewißheit über den Einfluß, welchen die neuen deutschen Staffeltarife auf den Getretdeexport haben werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Vergünstigung billiger Tarife das Getreide auf Bahnen zur Grenze führt, welche bisher nicht am Export betheiligt waren, aber den Vortheil des kürzesten Weges zur Grenze für sich haben. Schweizer Bahnen blieben unverändert, Mittelmeer zogen weiter an.
Auch Montanactten haben die höchsten Course nicht behauptet, wahrscheinlich nur aus dem Grunde, weil mit Bekanntwerden der erwähnten Abschlüsse der Stimulus für die Speculatton gefallen ist. Indessen bleiben speciell Harpeuer noch 5% über den vorwöchentlichen Schlußcours, und die übrigen Kohlenactien ztigen Gewinne von 2 - 3%.
Auch Eisenactien, namentlich Bochumer, sind bedeutend besser, und gründet sich deren Coursaufschlag vornehmlich auf ein Gerücht, nach welchem die Soci6b'> Cockerill in Unterhandlungen wegen Uebernahme deS Stahlwerkes Savona eingetreten sei.
Der FoudSmarkt blieb bis auf das erwähnte Vorkommniß in ScripS ohne Bewegung, und die Course, namentlich der ausländischen Fonds, konnten sich behaupten, zum Theil auch kleine Fortschritte machen.
Course der Frankfurter Börse.
Staatsanleihen.
Pfandvriefe.
Cours vom
4./IX.
11./IX.
Cours vom 4./IX.
U./IX.
t°/o Hessische Obligation.
103.50
103.15
4V^/oPortug.-A.88u.89
55.75
55.70
„ Bauern ....
104 90
104.75
5o/o amort. Serb. Gold-
„ Baden.....
102 60
102.30
Rente ....
85.95
86.20
3°/0 Sächsische Rente. .
3V,°/o BremerStaatSanl.
84.90
84.60
5o/o SerbtscheEisenbahn-
—— ——
— —
Hyp.-Obl. L. A. .
4o/oSchwed.Oblig.l880r
87.35
87.70
„ Hamb.Staatsrente
—.—
95 50
100.65
101.—
4o/vOestr. Goldrente . „ GriechischeMonopol-
95.05
95.15
1% Türken cono. Ltt. D.
18.05
18.05
50/o Argent. Gold - Anl.
45 90
45.20
Anleihe . . .
63.—
63.80
v. 1887 ...
5o/o Rumänische Rente .
98.10
98.25
3Vi% Egypt. prio. Anl.
91.55
91.40
lo/o Russ. Consols S. III
97.30
—.—
Giseirbahrr-PrioritLteir.
4o/o Pfälz. LudwigSbahn
5% Südbahn Lombarden
102 30
102.80
(Bexbach) . . . , Hessische LudwigSb.
101.95
101.95
4o/o do. do.
3% do. do.
94.40
63.20
93.55
63.-
68/69 garant. .
100.95
100.90
4% Prag-Duxer Gold .
98.20
98.15
, Eltsabethb. steuerfrei
„ Rudolf Gold (Salzk.)
99.30
99.20
Gold ....
98.90
99.20
„ Franz-Josef Silber
83 60
82.60
5% Oestr. Staatsbahn.
105.15
105 —
3% staatl. garant. Jtal.
4o/o do. do.
98.25
98.75
Eisenbahn . .
54 85
54.20
3°/o do. do.
3% Lioorneser . . .
63 10
62.60
I.—VIII.Emiff.
84.—
83.95
4o/o Ruff. Südw Etsenb.
93 80
94.35
30/0 do. ErgänzungSnetz 5% Nordwestbahn Gold
81.—
104.90
81.40
104.55
4o/g Wladikawkas garnt.
4% gar. Sardin.Sec.stfr.
92.50
80.—
93 60
79.80
Etsaubahn-Aetie«.
Ludwigshafen-Bexbach.
221.901
220.50
Galtz CarlLudw.-B.-Act.
1778/4
177.75
Hessische LudwigSbahn.
111.20
110 30
Otst Nordw.-Bahn Ltt.L.
1871/4
1877/s
Pfälzische Nordbahn .
113.90
113 85
Gotthardt.....
130.45
129.30
Lübeck-Büchner . . .
148.—
150.50
Jtal. Mtttelmeer . .
93 40
94.-
Barrl Aetterr.
Deutsche Reichsbank .
141.80
142 —
Dresdmer Bank. . .
133.55
134 90
Berlin. Handelsgesellsch.
131.95
183.—
Mitteldeutsche Credttb. .
98.20
98 50
Deutsche Bank . . .
145.20
145.50
Wiener Bank-Verein .
94.50
943/8
DeutscheGenoffenschftSb.
Württemb. Vereinsbank
122.10
122.—
o.Soergel,Parristu8LCo.
121.-
121.50
Deutsche VeretnSbank .
104.—
104.50
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155.20
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Deutsche VerlagSanstalt
196.70
198.20
131.80
131.20
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Bad. Anilifi- u. Soda-
Lucius & Brüning.
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Riebeck'scheMontanwerkc
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92 40
92.40
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