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Nr. 37
Freitag den 13 Februar
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Rvnahme von Rntzrigen zu d-r Nachmittags für den frlßeode« Tag erscheinenden Nummer bis Gorm. 10 Uhr.
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Alle Annoncen.Vureaux de» In- und Ausländer nchv»« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen
GmLisSeikage: Hießmrr AamikienßkäLLer.
2lurtlicHev Cheil.
Bekanntmachung,
Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche betreffend.
Wir haben dem practischen Thierarzt Herrn Löffler zu Hungen die Ermächtigung ertheilt, Vieh-Gefundheitsscheine in Gemäßheit unserer Bekanntmachung vom 13. November 1889, betr. Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche auszustellen.
Gießen, den 11. Februar 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
Feldbereinigung in Saasen betreffend.
Nachdem die Vollzugscommission - für die Feldbereinigung in Saasen beschlossen hat, die Fluren IV, V, VI, VII, VIII und X, soweit dieselben mit Sommerfrucht ausgestellt werden sollen, in diesem Frühjahre neu zuzutheilen, wird den Betheiligten Gelegenheit gegeben, in der Tagsahrt
Dienstag den 2AL Februar, Vormittags 10 Uhr, aus dem Saasener Bürgermeistereibüreau ihre Wünsche (z. B. über Zusammenlegungen, Verlegungen u. s. w.) dem Unterzeichneten mündlich oder schriftlich mitzu- theilen.
Darmstadt, am 5. Februar 1891.
Der Vollzugscommiffär:
Nover, Regierungsrath.
Deutsches Reich.
Aus Oberheffen, 9. Februar. Der Abgeordnete Jöckel- Friedberg hat den Antrag eingebracht: Die Großherzogl. Regierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher die Bestimmungen des Art. 3 des Gesetzes vom 27. November 1874, betr. die Revision der Bestimmungen über die Versetzung der Civilbeamten in den Ruhestand, dahin ergänzt, „daß durch landesherrliche Entschließung in die Dienstzeit ganz oder theilweise die Zeit eingerechnet werden kann, während welcher der Beamte in der Rechtsanwaltschaft thätig war." Werde den Staatsbeamten nach bestehender Gesetzgebung die Zeit ihrer dienstlichen Verwendung vor ihrer Anstellung und die Zeit eines auswärtigen Dienstes angerechnet, jo sei es ein Gebot der Gerechtigkeit, eine gleiche Bestimmung für die aus der Rechtsanwaltschaft hervorgegangenen Beamten zu treffen, um so mehr, als durch das Richtergesetz bestimmt sei, daß bei Rechtsanwälten, welche als Land- oder Amtsrichter zur Anstellung gelangen, das Ministerium das Dienstalter festzusetzen habe. Das badische Beamtengesetz vom 24. Juli 1888 habe in § 40 die gleiche Bestimmung wie die beantragte.
Berlin, 10. Februar. Die Ausprägung von Reichsmünzen hatte Ende Januar l. I., nach Abzug der wieder- eingezogenen Stücke, folgenden Bestand erreicht: Goldmünzen: Doppelkronen 2,012,056,440 Mk., Kronen 501,043,920 Mk., halbe Kronen 27,960,070 Mk. - Silbermünzen: Fünfmarkstücke 74,096,535 Mk., Zweimarkstücke 104,956,022 Mk.- Einmarkstücke 178,982,380 Mark, Fünfzig - Pfennigstücke 71,483,392.50 Mk., Zwanzigpsennigstücke 22,714,618.60 Mk., Nickelmünzen: Zwanzigpfennigstücke 28,487,237.20 Mk., Fünfpfennigstücke 14,082,270.70 Mark - Kupfermünzen: Zweipfennigstücke 6,213,178.28 Mark, Einpfennigstücke 5,199,491,34 Mk.
- i»^i> j. ,< ii ii।
Dentseher Reistag
63. Plenarsitzung. Mittwoch, 11. Februar 1891, 1 Uhr.
Die Berathung das Etats der Zölle unb Verbrauchssteuern wild bet tkr Zuckeisteuer fortgesetzt.
Von der Ädstimmung über den zweiten Theil des vom Abg. Menzer zur Tabaksteuer (Herabsetzung der Steuer) gestellten Antrages wird vo- erst mit Rücksicht aufdie schwache Besetzung des Hauses abgesehen.
Die Positionen Zuckern, Salz- und Branntweinsteuer, sowie die Stempelst uer werden oebattttos angenommen.
Petitionen betr. das Wahlgesetz und Herabsetzung bezw. Erhöhung einiger Zölle werden durch Uebergang zur Tagesordnung, Petitionen betr. die Rechtsverhältnisse der kaufmännischen Agenten durch Überweisung an den Reichskanzler erledigt.
Zu feer Petitimien aus Veränderung von Zollsätzen bemerkt Abg. Hultzscb (cons), daß der gegenwärtige Augenblick, in dem wir »or neuen Handelsvertragsverhandtrmgen stehen, für derartige An- »rdnungen nicht geeignet sei. Dazu komme, daß den in den Pelt- Etonen virm’/enen Interessen andere entgegenstehen, die gleichfalls Anspruch aas Berücksichtigung hätten.
Hierauf wird über den zweiten Theil des Menzer'schen Antrags ^Herabsetzung der Tabaksteuer) cchgchimmt und derselbe mit Lroßer Mehrheit angenommen.
Die Anträge Auer auf Erweiterung der Erhebungen hinsichtlich der Wahl des Abg. Dr. Porsch werden abgelehnt.
Abg. Stöcker (cons.) begründet seinen Antrag, gegen das gleichzeitige Wirken von Missionaren verschiedener Confesston in Denselben Bezirken der deutschen Schutzgebiete. Er weist auf den regen Eifer hin, den sowohl die evangelischen und katholischen Missionen entwickeln. In Dar es Salam würden sich die Missionen beider Confessionen Concurrenz machen, was in Kamerun glücklicherweise vermieden sei. Redner widerspricht sodann dem Wtßmann'schen Urtheile über die Wirksamkeit der beiderseitigen Missionen. Wißmann habe leider den Anlaß dazu gegeben, daß das Wirken der evangelischen Mission in den Schatten gestellt worden sei. Er begreife nicht, worauf Wißmann sein Urtheil begründe. Es widerspreche den That- sachen und sei um so unverständlicher, als Wißmann selbst evangelisch sei. In die evangelische Missionsschule am Nyassasee würden 300 Negerkinder geschickt und die Arbeit werde von der evangelischen Mission ausreichend berücksichtigt. Es sei unzulässig, daß der Netchs- commistar ohne ausreichende Information derartige Urtheile ausspreche. — Wo Missionen einer Confession bestehen, solle verhindert werden, daß Missionen anderer Consessionen concurriren. Das bezwecke sein Antrag.
Bundescommissar Geh. Rath Kayser constattrt, daß nicht nur katholische, sondern auch große evangelische Missionsgesellschaften eine solche Abgrenzung der Missionswirksamkeit nicht wünschen. Bet dieser Sachlage sei es für die Colonialoerwaltung doch kaum möglich, ihrerseits nun eine Abgrenzung der Mtssionssphären vorzunehmen. Die Thätigkeit der Missionen sei für die Colontalpolitik unbedingt nöthig, wir müßten letztere ohne die erstere aufgeben.
Abg. Dr. Wtndthorst: Die Erörterungen Stöckers hinsichtlich der Auslassungen Wißmanns seien hier nicht am Platze, da sie nicht officteller Natur seien und da es zudem jetzt ausgeschlossen sei, Wißmann selbst zu hören. Er berühre auch nicht den Anthetl, den Wißmanns Auslassungen über die Missionen auf die Strömungen gegen ihn etwa gehabt. Betreffs der Missionen verlange er weiter nichts als Freiheit für alle Thetle. Nur auf dem Wege der Freiheit können die großen schwebenden Fragen gelöst werden.
Abg. Stöcker zieht seinen Antrag zurück. Die Erörterung des Wtßmann'schen Urtheils gehöre allerdings bei der officicllen Stellung und Bedeutung des Reichstags hierher.
Es folgt Berathung des Antrags Stöcker und Genossen auf Beschränkung des Handels mit Spirituosen in den deutschen Schutzgebieten.
Abg. Stöcker weist Darauf hin, daß Dieser Antrag bereits früher vom Reichstage angenommen worden sei. Es hätte daraufhin eine Erhebung über den deutschen Antheil am Branntweinhandel in Afrika stattsinden sollen, deren Ergebniß vielleicht manche Vorurtheile beseitigt Härte. Was nach den vorliegenden Berichten geschehe, gereiche dem deutschen Namen nicht zur Ehre. Der deutsche Branntwein- tmport in Afrika errege in der ganzen Welt Aergerntß.
Bundescommissar Geh. Rath Kayser tritt der Angabe entgegen, daß auf den Antrag des Reichstags hin nichts geschehen sei und erinnert an die Ergebnisse der Brüsseler Conferenz, an der Deutschland hervorragenden Antheil habe. Der. Branntweintmport sei in den deutschen Schutzgebieten erschwert und die Regierung werde bemüht sein, auch weiterhin dem Branntweinconsum entgegenzutreten. In dieser Beziehung werde in den Berichten von verschiedenen Seiten übrigens manches übertrieben.
Abg. Stöcker: FürWestafrtka sei die Frage eine brennende; er bitte die Regierung, dieselbe nicht außer Augen zu lassen.
Auf Antrag des Abg. Dr. Windthorst wird angesichts der Erklärungen des Regicrungscommtssars über den Antrag Stöcker zur Tagesordnung übergegangen.
Gegen den Uebergang zur Tagesordnung stimmten Conseroative und Socialdrmokraten.
Morgen 1 Uhr: Zweite Berathung des Arbeiterschutzgesetzes.
Neueste Nachrichten.
MolsiS telegraphisches Corrcspondenz-Bureau.
Hamburg, 11. Februar. Eine Bersammlung der Cigarren ar beiter beschloß nach längerer Debatte über die Frage eines Ausstandes, es jedem anheimzustellen, den Revers des Vereins der Cigarrenfabrikanten von 1890 zu unterschreiben. Gleichzeitig wurde beschlossen, die seit Längerem geplante Productiv Genossenschaft der Cigarrenarbeiter und Sortirer ins Leben treten zu lassen.
Paris, 11. Februar. Der oberste Rath der Arbeiterpartei erließ einen Ausruf an die Arbeiter Frankreichs, in welchem dieselben zu einer öffentlichen Kundgebung am 1. Mai aufgefordert werden. Der Anfrus sagt, der gesetzliche achtstündige Arbeitstag, um welchen es sich zunächst bei der Kundgebung handle, sei nur der erste Schritt zur gänzlichen Befreiung der Arbeit und der Arbeiter.
Marseille, 11. Februar. Der Forschungsreisende Capitän Trivier trat gestern eine Reise nach Libreville in Gabon an, um seine Forschungen fortzusetzen zu dem Zweck, an den afrikanischen Küsten bezüglich der natürlichen Pro- ducte derselben Studien zu machen und neue Absatzgebiete zu suchen.
London, 11. Februar. Das Unterhaus nahm mit 202 gegen 155 Stimmen in zweiter Lesung die Bill an, durch welche die Ehe eines Wittwers mit der Schwester der verstorbenen Frau als gesetzlich zulässig erklärt wird.
Brüffel, 11. Februar. Die jüngst einberufenen beiden Klassen der M i l i z t r u p p e n, welche in Brüssel garnisonirten, wurden heute auf einen Monat in die Heimath entlassen.
Brüffel, 11. Februar. Die dritte Section der Repräsentantenkammer genehmigte den Antrag auf Verfassungsrevision mit 5 gegen 4 Stimmen. Sieben Repräsentanten enthielten sich der Abstimmung. — Der Genera lrath der Arbeiterpartei richtete eine Denkschrift an den belgischen Episcopat, in der letzterer ersucht wird, sich der Versassungsrevision nicht zu widersetzen.
Petersburg, 11. Februar. Der Erzherzog Franz Ferdinand kehrte heute von dem Jagdausflug bei Jaschtscheri zurück und dinirte dann bei dem Großfürsten Paul.
Petersburg, 11. Februar. Der russischen „Petersburger Zeitung" zufolge ist es jetzt entschieden, daß der Bau der sibirischen Bahn im Frühling beginnen soll. Zunächst werden gleichzeitig die Strecken Wladiwostok-Chabarowka und Tomsk-Irkutsk gebaut und dann Chabarowka und Irkutsk miteinander verbunden. Inzwischen soll der Ausbau des russischen Eisenbahnnetzes von Slatonst bis Tscheljabinsk, woran schon jetzt gearbeitet wird, fertiggestellt fein. Dann wird die Strecke Tscheljabinsk-Tomsk hergestellt. Die sibirische Bahn soll 1894 ganz fertig sein und die Kosten sollen 75 Millionen Rubel betragen.
Alexandrien, 11. Februar. Professor Koch ist heute hier eingetroffen. Er beabsichtigt, morgen nach Oberegypten sich zu begeben.
Washington, 11. Februar. Man betrachtet das vo« Senate zu dem Gesetze über die Autorenrechte angenommene Amendement als einen gegen das ganze Gesetz gerichteten Beschluß. Der Senat trat, statt die Berathung des Gesetzes fortzusetzen, in die Berathung des Marinebudgets ein.
Newyork, 11. Februar. Im Strike-Districte von Cornels- ville sind alle Fabriken geschlossen- 16 000 Arbeiter feiern.
Locales ttni* provinzielles.
Gießen, 12. Februar.
— Se. Königliche Hoheit der Erbgroßherzog beehrten den am 9. l. M. Abends stattgehabten Ball des Gesellschafts- Vereins (Ctubball) mit Höchstseiner Anwesenheit. Der außerordentlich stark besuchte Batt verlief in festlicher und animirter Weise. Während der Pause nahmen Se. Königliche Hoheit mit den Herren des Vorstandes, deren Damen und noch einigen vom Vorstand zugezogenen, Sr. Königs. Hoheit bekannten Familien im sog. Kaiserzimmer das Souper. Der Director des Gesellschastsvereins, Herr Amtsrichter Gebhardt, brachte hierbei aus den hohen Gast ein Hoch. Erst nach dem Cotillon, in vorgerückter Stunde verließen Se. Königliche Hoheit das schöne Fest.
— Heute Nachmittag 2 Uhr findet zu Ehren Seiner Königlichen Hoheit des Erbgroßherzogs im Gasthof zum Einhorn ein von den Mitgliedern der Stadtverordneten-Versamm- lung gegebenes Mittagessen statt, an welchem auch die Spitzen der Behörden thettnehmen werden.
— Theater. Ueber die Darstellung der „Dora" durch Fräulein Theffa Klinkhammer wird aus Liegn itz geschrieben: Das Gastspiel Theffa Klinkhammers auf unserem Stadttheater brachte uns „Dora". Dieses Schauspiel enthält in der Titelrolle eine Parthie, von der wir es begreifen, daß bedeutende Künstlerinnen sich ihrer gern bemächtigen. Die Darstellung dieser Parthie durch Theffa Klinkhammer hat nun in uns einen Eindruck hinterlassen, der nicht so bald verlöschen wird. Die Künstlerin stand überall vollkommen auf der Höhe ihrer Aufgabe- im leichten Geplauder, wie im innigen Liebesgeflüster, in der verzweiflungsvollen Klage, wie im lauten Aufschrei des Wehs schlug sie so wahre, ' so ungekünstelte Töne an, daß sie in gleichem Maße erwärmte und erschütterte. Mir dieser Rolle hat unser Gast den voll- giltigsten Beweis seiner außerordentlichen hohen Künstlerschaft abgelegt. Der laute und anhaltende Beifall, den Fräulein Klinkhammer nach jedem Abgang erntete, bewies, wie sehr ihr Spiel das Publikum hinriß.
— Gestern Vormittag schlich sich ein Bettler in die oberen Stockwerke eines Hinterhauses der Marburgerstraße, nachdem er vorher das Vorderhaus abgebettelt hatte. Er durchwühlte mit aller Gemüthsruhe verschiedene Behälter, packte sich einige Wäschegegenstände ein, entnahm einem Kleiderschrank 40 Mk. in Gold und machte sich, als er sich entdeckt sah, auf den Rückweg. Als der Dieb im Hausgang an zwei Frauen grüßend vorüberging, bemerkte die eine ihr Weißzeug unter dem Arm desselben. Da der Bettler sich entdeckt sah und die Frauen: „Ein Dieb, haltet ihn!" riefen, ließ derselbe das Weißzeug fallen und entkam, ohne verfolgt zu werden. Das


