Ausgabe 
13.1.1891 Zweites Blatt
 
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am Kreuz.

201

WnibaWtkHttu

BanMktUtu

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SB 6rfen»t>dbe*I,erid?t

UM E. W asserschleben, Bankgeschäft.

Der Verlauf der Woche hat gezeigt, wie sehr die Reserve am Platze war, mit welcher der vorige Bericht die plötzliche Haussebewegung aufnahm. Von Be­ginn dieser Woche an zeigte die Börse einen Wankelmuth, der seltsam abstach gegen das ungestüme Vorwärtsdrängen der letzten Berichtspertode. Von Tag zu Tag änderte sich die Tendenz, was die Eourse heute gewonnen, zerstörte der nächste Tag, die Börse reagtrte auf jeden Impuls, der ihr von Außen gegeben wurde gewiß ein Zeichen ihrer Schwäche und durch den wechselnden Einfluß von Parts, Lon­don und Wien entstand ein Auf- und Ntederschwanken der Eourse, dessen schließ­liches Resultat eine nicht unbeträchtliche Ermäßigung des gesammten Niveaus bildet. Es muß hervorgehoben werden, daß außer einer plötzlichen Geldklemme in Paris kein Moment hinzugetreten ist, welcher die schwankende Haltung der Börse gegen­über der Vorwoche rechtfertigen könnte. Im Gegentbeil, die Gestaltung des Geld­marktes bet uns sowohl, wie in London und Wien, die Aussichten auf große Eon- vertirungsoperationen und Rentenemissionen, die Transportverhältnisse der Bahnen, die Preisentwickelung der Kohle, Alles würde für Beibehaltung der eingeschlagenen Richtung sprechen, aber jede Aufbesserung der Eourse scheiterte an der ungenügenden Belheiltgung des Publikums. Das Anlagebedürfniß ist bet Weitem nicht groß genug, um eine irgend erhebliche Steigerung des Coursniveaus aufrecht zu erhallen. Soweit ein solches überhaupt vorhanden denn ein erheblicher Thetl der zurück- fließenden Gelder muß zur Abtragung von Schulden benutzt werden, die im Laufe des vergangenen Jahres ausgenommen werden mußten, wendet sich dasselbe fast ausschließlich den festverzinslichen Renten zu, und die übrigen, für die Börse so außerordentlich wichtigen Gebiete werden davon gar nicht berührt. Aber selbst im Rentenmarkt ist die Nachfrage für diese Jahreszeit so gering, daß die vorwöchent- ltchen Eourse nicht behauptet werden konnten. Diese Symptome sind zu bedeutsam, als daß man leichten Sinnes darüber htnweggehen könnte. Die Emissionen des Jahres 1889 hatten ein Mttzverhältniß geschaffen zwischen dem Angebot neuer Eapitalanlaaen und dem Wachsthum des Nationalreichtbums. Der Coursfturz des versloffenen Jahres und die fortlaufenden, sehr beträchtlichen Neu-Emissionen hatten dieses Mißoerhältniß nur vergrößert, so daß jetzt nur von dem Beginn einer Ge­nesung, keineswegs aber von der Rückkehr normaler Verhältnisse die Rede sein kann. Allerdings sind die Eourse niedrig und nach unten ist kaum etwas zu be­fürchten, seitdem diese Verhältniffe völlig ihren Ausdruck in den Coursen gefunden haben und die Zett der zunehmenden Geldknappheit glücklich überwunden wurde. Ebensowenig kann aber nach oben hin eine kräftige Entwickelung erhofft werden, denn solche Verhältnisse bedingen Zett zu ihrer Aenderung, selbst wenn in dem An­gebot der Neuanlagen ein vollkommener Stillstand eingetreten wäre. Aber die Schaffung neuer Werthe dauert fort, es mag unmöglich fein, sie gänzlich einzustellen, es mag zum Thetl auch eine Nichtachtung dieser Verhältniffe an der Häufung der Emissionen Schuld tragen. Wie dem auch sei, gewiß ist, daß jede Neu-Emission den Gesundungsproceß auf das Empfindlichste schädigt und gegenwärtig sind die Anforderungen an die Börse wieder so zahlreich, daß sie trotz des bedeutenden Rück- fluffes der Gelder wahrscheinlich jede Besserung in Frage stellen werden. Wenn die Möglichkeit vorläge, über diese Beziehungen, das Wachsthum des Nationalwohl- ftandes und die Production neuer Werthe irgendwie verlaßdare Ziffern aufzustellen, so würde es nicht schwer sein, beide Factoren in Einklang zu dringen und die Klippen zu vermeiden, die in günstigen Fällen eine einschneidende wirthschastliche Depression in schweren, furchtbaren Krisen für die Nation bedeuten. Aber bei dem Mangel und der Unmöglichkeit jeder solchen Aufzeichnung müssen die Erscheinungen des Geldmarktes doppelt sorgfältig untersucht werden, denn sie allein offenbaren dem Beobachter die wahre Lage der Dinge und vermögen die Richtschnur für ferneres Verhalten zu geben.

Wie bereits bemerkt, hat sich der Geldmarkt im Gegensatz zu der Cours- tzewegung günstiger entwickelt als erwartet werden konnte. Die Relchsbank ist zwar wieder in Notensteuer htnetngerathen, aber mtt einem Betrag, der nicht in daS Ge­wicht fällt gegenüber der Summe, mtt welcher im vergangenen Jahre das Steuer- contingent überschritten wurde. Vermuthlich wird dieser Betrag schon durch den Rückfluß der ersten Woche deS Jahres gedeckt sein, besonders da auch im offenen Markt sich Geld außerordentlich willig zeigte und der Prioatdiscont eine stark weichende Richtung einschlug, so daß Neueinretchungen bei der Bank nur in sehr beschränktem Umfange werden stattgefunden haben. Man erwartet daher auch mit Bestimmtheit, daß die Bank mit der Veröffentlichung ihres neuesten Status die offizielle Discontrate ermäßigen werde, ebenso wie dies bereits die Bank von Eng­land und die Oesterretchtsch - Ungarische Bank gethan haben. Man hat der Bank­leitung von mancher Seite einen Vorwurf daraus gemacht, daß sie nicht bereits längst diesen Schritt gethan habe. In der That wird sie weniaer Tadel als Lob dafür verdienen, denn eine vorzeitige Ermäßigung wäre eine Wiederholung der ver­fehlten Discontpolttik des verflossenen Jahres gewesen. Die argentinischen Verhält­niffe sind wieder einigermaßen in den Vordergrund der Diskussion getreten durch eine Meldung derNordd. Allg. Ztg.", daß auf eine Vorstellung der Reichsregierung Argentinien sich bereit erklärt habe, das Abkommen mit dem englischen Comil« nicht auf die deutschen Gläubiger auSzudehnen. Anscheinend sind dadurch mancherseits Hoffnungen erweckt worben, daß für die in Deutschland contrahirten Anleihen die Zinszahlung aufrecht erhalten werden könnte. Da aber die wichtigsten der bet unS «otirten Anleihen zu gleicher Zeit auch in London aufgelegt wurden, so ist unerfind­lich, in welcher Weise die verschiedene Behandlung der Gläubiger durchgeführt werden soll. Die Tendenz der Börse wurde von dieser Meldung jedoch nicht beeinflußt. Dieselbe war vornehmlich abhängig von den auswärtigen Börsen, zum Theil auch von Berlin, wo die Eontremincn wieder eifrig am Werke war. Am Donnerstag kam Wien sehr fest wegen der Discontermäßigung und einer Bestimmung der dor­tige« Bankleitung, Renten in Zukunft zu einem billigeren Vorzugssatze zu beleihen. Snbeffen warf man trotzdem die Valuta-Anleihen beträchtlich zurück, weil die Meldung verbreitet wurde, die Valutaconferenz würde sofort zusammentreten. Diese Nach­richt hat sich nicht bestätigt, sie scheint auch für die thatsächliche Durchführung der Regultrung ohne Bedeutung zu sein, denn schwerlich wird die Valutafrage auf dem Wege der Enqueteveranstaltung gelöst werden. Die Valuta blieb jedoch trotzdem «att, denn man muthmaßt, daß int Falle der Durchführung des ProjecteS die Werthdeclaration eine niedrigere als der gegenwärtige Marktpreis des Guldens sein werde.

Die Courseinbußen der Woche reprasentiren sich als ziemlich gegenstandslos im Bankenmarkte, nur bei einigen Wiener Werthen erreichen sie größere Beträge: Eredit iy2 fl., Ungarische Eredtt 2 fl., Unionbank 2 fl., Escompt-Bank und Bank-

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Nordbahn verloren 3 fl., Westbahn 2</*, Buschtherader 3 fl., Duxer 6 fl., Galizier 1 fl., flQItm ttl fj f f

Staatsbahn 4i/r» fl., Lombarden 1 fl., Elbthal 4»/,.fl. Auch Schweizer Bahnen ermäßigten ^**9***9 PV1?* ihre Eourse, namentlich Eentral- und Nordostbahn, während sich Gotthardt annähernd behaupteten. Mittelmeer fielen auf große Berliner Verkäufe bis auf 101.80, schließen aber wieder zu 103.90 mit 2*/o Verlust gegen die Vorwoche. Von deutschen Bahnen sind namentlich Mainzer gedrückt aus die Befürchtung, daß eine neue Eoncurrenz- linie zum Ausbau kommen werde. Renten sind, wie bemerkt, zum Theil nicht ganz, behauptet, namentlich Silberrente, Russen, Portugiesen erscheinen niedriger, nur Türken sind höher auf neue Anleihe-Projecte. Kohlemverthe haben trotz der an­haltenden Kälte etwas nachgeben müssen, Eisen erschien höher auf den günstigen Quartalsschluß der Laurahütte und größere Schienenlteferungen für das Ausland. Norddeutsche Lloyd wurden vorübergehend stark gedrückt, sind aber zum Schluß erholt. ES scheint, daß der neue Pier in Nordenham nicht eisfrei ist und dadurch erhebliche Schwierigkeiten und Kosten bet der Beförderung der Dampfer entstehen.

Prioatdiscont 3V2, in Berlin sogar noch niedriger auf forcirte Discontkäufe für ausländische Rechnung.

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101.60

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Rente ....

89.

89.30

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88.55

88.45

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3V,°/e BremerStaatSanl.

97.90

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Hyp^Obl. K. .

93.75

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97.20

97.20

4o/oSchwed.Oblig.1880r

101.80

101.95

95.60

95.95

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18.90

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52/o Argent. Gold - Anl.

Anleihe . . .

74.30

73.10

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69.

72.20

5o/g Rumänische Rente .

99.80

99.95

3Va% Egypt.....

92.70

93.50

4V«o/a Russische Anl.. .

101.70

102.05

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104.50

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3% do. do.

99.30

67.60

67.50

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102.10

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4o/o Prag-Duxer Gold .

100.

100.40

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Rudolf Gold (Salzk.)

100.40

100.70

Gold ....

100.75

101.10

Franz-Josef Silber

85.70

85.35

50/0 Oeftr. Staatsbahn.

106.55

106.95

30/0 staall. garant. Jtal.

40/0 do. do.

100.30

100.45

Etsmbahn . .

57.20

57.45

3% do. do.

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4o/g Rufs.Südw -Eismb.

64

64.95

I.VHLEmiff.

83.30

83.85

94.25

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79.80

80 40

4o/g Wladikawkas garnt.

93.05

93.85

5°/0 Nordweftbahn Gold

106.50

106.80

40/g gar. Sardin.Sec.stft.

85.50

84.95

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224.50

115.90

117.

57.30

226.80

113.80

116.25

56.50

Lübeck-Büchner . . .

Mecklenburger . . . Gotthardt ..... Jtal. Mittelmeer . .

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160.60

106.25

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