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Gütung für Straßenauffüllung. 9. Den Fußweg von der Grünbergerstraße nach der Schmall'schen Bleiche. 10. Die Goffe am Uebergang von der Marktstraße zur Rittergaffe. 11. Geländeerwerb zur Liebigstraße. 12. Anschaffung eines weiteren Schneeschlittens. 13. Unterhaltung der städtischen Wiesen. 14. Vertilgung der Blutlaus, hier Wahl der Sach­verständigen. 15. Befreiung der untersten Steuerklassen von der Gemeindesteuer.

Die Sonntags-Abendversammlungen, desFeierabends fir Lehrlinge" erreichen mit dem nächsten Sonntag ihren Abschluß für diesen Winter. Diese Abende wurden im Ganzen nach einer vorläufigen Zusammenstellung von 158 Lehrlingen besucht. Der stärkste Besuch war am 14. December «it 94 Lehrlingen, die nur schwer in dem dem Feierabend freundlichst überlaffenen Saale des alten Rathhauses Platz hatten. Der schwächste Besuch fand am 1. und 8. März statt mit je 32 Lehrlingen. Im Ganzen wurden dem Feier­abend von fämmtlichen besuchenden Lehrlingen 1103 Besuche gemacht, die sich auf 20 Abende vertheilen und mithin einen Durchschnittsbefuch von 5556 Lehrlingen den Abend er­geben. An jedem Sonntag Abend war der Feierabend von 610 Uhr geöffnet. Die zahlreich vorhandenen Bücher, gute Spiele (Schach oder Damenbrett und dergl.), eine unter Leitung des Vorstandes stehende gemeinsame Unterhaltung, Gesänge und fast allabendlich ein Vortrag über geschichtliche Ereignisse, Erzählungen, Schilderungen u. s. w. gaben mannigfache Anregung. Eine einfache Weihnachtsfeier, die durch freundliche Unterstützung von Freunden des Feierabends ermöglicht wurde, eine Kaisergeburtstagseier (mit Vertheilung eines guten Kaiserbüchleins) seien besonders erwähnt. Eine neue Einrichtung, durch die freundliche Unterstützung des Stadtvorstandes ermöglicht, war in diesem Winter die Eröffnung eines Bibliotheks- und Leseabends. Um den Lehrlingen nicht nur außer ihrem Hause durch den Feierabend, sondern auch daheim in ihren freien Stunden zu bienen, wurde für jeden Mittwoch Abend die freie Benutzung der Bibliothek eingeführt. Diese Einrichtung findet denn auch lebhaften Zuspruch; es werden jedes Mal etwa 150 Bücher verliehen. Bis auf Weiteres sollen diese Leseabende auch jetzt noch sortdauern. Leiter des Feierabends ist Herr Pfarrer D i n g e l d e y, dem in eifriger Mitarbeit Herr Custos Dr. Heuser zur Seite steht. In der bewährten Hand des Letzteren liegt auch die Verausgabung der Bücher. Diener ist Schuldiener Schneider. Zu besonderem Dank ist der Feierabend einer Reihe von hiesigen Handels- und Fabrik- strmen verpflichtet, die durch finanzielle Unterstützung das Unternehmen förderten und damit verständnißvolles Interesse an dieser Anstalt bekundeten. Daß der Feierabend in seiner Weise an der wichtigen Aufgabe der Bewahrung und sittlichen Festigung der Heranwachsenden Jugend mithilft und hierbei ein nicht zu unterschätzender Factor ist, wird auch jedem Volks- und Jugendfreund unzweifelhaft sein.

Kunstverein. Die Ausstellung des hessischen Kunst­vereins (im alten Hofgerichtsgebäude, täglich geöffnet von 11 1 Uhr) hat im Laufe der letzten Woche wieder eine wesentliche Erneuerung erfahren; unter den ausgestellten Bildern heben wir besonders vier Aq u ar ell e von Architect Hermann Lauter, Oberingenieur der Firma Phil. Holz­mann & Co., in Frankfurt a. M. hervor. Einer Besprechung derselben (in der Offenbacher Ztg.) entnehmen wir Folgendes: Zwei der Bilder sind exotischen Characters: Darstellungen vom Land des Nils. Lauter weilte im Auftrage seines Hauses vorigen Winter mehrere Monate in Egypten, um daselbst das Project zu einer Eisenbahn durch das Nilthal und die Wüste zu bearbeiten, und hat dort auch die An­regung zu den beiden Bildern empfangen, welche wir hier vor uns haben:Arabisches Cafehaus in Kairo" und Schiffswerft am Nil". Egypten mit der wunderbaren Klarheit seiner fast nie getrübten Atmosphäre, dem von seinem heiligen Strome zurückgestrahlten tiefen Azur des Himmels, der grünen Oasis feiner von Palmen- und Sykomorenhainen überschatteten Thalgesilde, der sie auf beiden Seiten einschließenden Wüste und dem sich dahinter, namentlich aber auf der östlichen Seite dahinziehenden kahlen Kalk­gebirge mit seinen in der Morgen- und Abendbeleuchtung so unsagbar herrlichen Farbentinten die Lichter rosa, die Schatten blau Egypten ist so recht ein gelobtes Land für die Aquarellisten. In derBootswerft am Nil", Land­schaft mit Staffage, führt uns der Künstler denn diesen Namen verdient der sonst in einem ganz anderen Lebensberuf thätige Maler in der That nach Oberegypten, wo uns der grelle, aber der Natur abgelauschte Farbencontrast zwischen dem tiefblauen Himmel und Skrom und dem bräun­lichen Gelb der Wüste und Wüstenberge sofort in die Augen springt. Die Gerippe mehrerer im Bau begriffener Boote und eine Anzahl Dahabiehs, wie sie mit ihrem gertenartig hinausgebogenen Segelmast dem Nile eigenthümlich sind, liegen vor uns am Ufer. DasCasehaus in Kairo" zeigt uns dagegen einen jener schattenkühlen, von Matten, durch die das Blau des Himmels hereinschimmert, überdeckten hos- artigen Räume der märchenhaften Khalifenstadt, in denen der weißbeturbante Moslem beim Dampfe des Tschibuk ober Nargileh seinen würzigen, unverfälschten Mokka ohne Milch und Zucker aus kleinen Porzellanschälchen zu schlürfen liebt. Aus dem sonnigen Süden führt uns der Pinsel des Malers dann in eine öde Felsenwildniß des Ober-Engadin:Die Bernina mit dem Rosegg-Gletscher", ein Aquarellbild von ungewöhnlicher Größe. Eine Hochgebirgswelt von gewaltiger Erhabenheit thut sich hier vor den Blicken des Beschauers auf, in welche sich der weißlich-graue Gletscher gespensterhast herniedersenkt, ein Leichentuch, das sich erstarrend über alles Leben ausbreitet und es mit ewigem Schweigen zudeckt. Neben diesem großen bietet uns der Maler schließlich noch ein ganz kleines Aquarell:Groß-Steinheim", in die warme Beleuchtung eines Sommerabends getaucht. Wir wollen bei diesem Anlaß nicht unterlaßen, die Kunstfreunde in unserer Stadt zu regerer Betheiligung an der Mitgliedschaft auf­

zufordern,- eine Zahl von nur 72 Mitgliedern in Gießen entspricht weder der Einwohnerzahl unserer Stadt im Ver- hältniß zu den übrigen am Kunstverein betheiligten hessischen Städten (Offenbach z. B. hat 234 Mitglieder aufzuweisen), noch reicht dieselbe hin, um unserer Stadt den Vortheil einer wenn auch kleineren, so doch ständigen Kunstausstellung zu sichern. Man sollte glauben, dieser Genuß, sowie die Theilnahme an den jährlichen Verloosungen werthvoller Oelgemälde und an der Vertheilung von Prämienblättern seien den Jahresbeitrag von 10 Mark pro Familie wohl werth.

Lebeusmittel-Preise Ende Januar 1891. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes­statistik kosteten:

; Ochsenfletsch per Pfund

! Rindfleisch - per Pfund

. Kalbfleisch ! per Pfund i

Schweinefl. ! per Pfund

Hammelfleisch per Pfund

Gemischtes Brod

' Roggen- Brod__

Butter per Pfund

Milch

1 1 Liter

Eier

1 Stück

tittt

Dctroi Darmstadt

76

70

70

72

66

14

12

86-100

17

7-10

Mainz

72

60

70

70

65

15

13

90-99

19

6-7

Offenbach

70

52

70

70

70

15

13,5

102-116

21

6-10

Worms

76

70

68

72

75

13

12

87-97

16

7-11

Gießen

71

62

65

65

65

14

12,5

78-88

17

7-9

Städte ohne Dctroi

Bingen

75

70

60

75

60

13

12,5

81-95

18

8-10

Bensheim

66

60

60

64

60

11,5

10,5

86-100

17

8-9

Alzey

65

60

70

70

70

15

12

77-97

17

9-10

Frievberg

68

60

60

60

60

14

13,5

80-90

16

8-9

Alsfeld

65

59

60

55

15

12,5

12

95-100

14

7-8

Lauterbach

64

64

56

60

56

15,5

100

14

7

+ Hungen, 9. März. Der hiesige Consumverein, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, hat sich aufgelöst. Die seitherigen Mitglieder dieses Vereins haben nunmehr einen neuen Verein gebildet, welcher den gemeinsamen Bezug von künstlichem Dünger, Ankauf von Futterartikeln usw. zum Zweck hat und dessen Mitglieder sich monatlich bereinigen, um Beobachtungen und Erfahrungen in der Landwirthschast gegenseitig auszutauschen.

Ruppertsburg, 8. März. Um eine Verbindung mit unserem Orte, sowie mit dem in der Nähe desselben gelegenen SchmelzwerkeFriedrichshütte" herzustellen, wurde beim Er­bauen der Bahnlinie Hungen-Laubach ein schmalspuriges Geleise nach genannten örten erbaut. Die Wagenladungen wurden mittelst Pferden von der Friedrichshütte, sowie vom hiesigen Orte aus, wo sich auch eine Gütereinladestelle be­findet, seither auf dieser Schienenverbindung nach der Halte­stelle genannter Bahnlinie verbracht. Dieses Verkehrsmittel hat sich jedoch als ein sehr beschwerliches bei ungünstigem Wetter kaum zu bewältigendes erwiesen und ist man deshalb gesonnen, diese schmalspurige Schienenverbindurg in eine normalspurige umzuändern und haben bereits die nöthigen Vorarbeiten begonnen. Die betr. Wagenladungen würden bann mittelst Locomotive hier wie auf der Friedrichshütte abgeholt werden können.

X Echzell, 8. März. Herr Bürgermeister Habicht dahier, welcher seit etwa 12 Jahren das Amt eines Bürger­meisters der Gemeinde bekleidet, ist gesonnen, dieses Amt nieder zulegen und hat bereits die vorgesetzte kreisamtliche Behörde hiervon in Kenntniß gesetzt.

Schlitz, 6. März. Gestern Abend gegen 10 Uhr ereignete sich hier ein höchst bedauernswerther Unglücksfall, welcher mehrere Familien in tiefe Bekümmerniß versetzt hat, infolge fahrlässiger Handhabung einer Schießwaffe. Ein junger Bursche zielte mit einem Terzerol von dem er wahr­scheinlich nicht wußte, daß es geladen auf einen andern jungen Mann, die Waffe entlud sich und die Ladung drang dem letzteren in den Kopf. Der Getroffene, welcher dieser Tage das Lehrerseminar tn Friedberg verlassen und die Abgangsprüfung bestanden hat, liegt sehr schwer verletzt darnieder.

E. Homberg a. d. Ohm, 9. März. Unser auf den 18. d. M. anberaumter Markt darf in Rücksicht auf das Bestehen der Maul- und Klauenseuche mit Vieh nicht befahren werden.

-ci<. Vom Vogelsberg, 9. März.Lätare, das sind die wahre!" sagt ein bekannter Waidmannsspruch von den Schnepfen. Aber für unsere Gegenden hat er heuer keine Geltung, um so weniger, alsOenli, da kommen sie!" sich nicht bewahrheitet hat. Unseren Jägern ist überhaupt in diesem Vorfrühling noch keine Schnepfe zu Gesicht gekommen, während man in den Rhein- und Maingegenden deren schon vor Oculi erlegt hat. Jedenfalls werden diese delicaten Vögel noch von den weißen Koppen des Vogelsbergs in der Ebene zurückgehalten. Es ist übrigens, schreibt dasBerl. Tagebl.", ein Jrrthum, daß alle jene Schnepfen, welche im Frühjahr bei uns eintreffen, den Winter in Nordasrika zu- bringen. Neuere Feststellungen haben ergeben, daß es haupt­sächlich Spanien, Albanien und Griechenland sind, wo Ende October ober Anfang November bie Schnepfen anlangen, um der wärmeren Sonne des Südens theilhaftig zu werden. Auch . auf Sardinien und ©Übitalien überwintern sie zahl­reich, währenb sie in Afrika selbst, z. B. in Egypten, nur vereinzelt gesehen werden. In Massen aber finden sich die Schnepfen an den Westküsten Kleinasiens ein, wenn die rauhe Jahreszeit in Nord- und Mitteleuropa beginnt. Das also sind die Länder, aus denen in den Märztagen die Schnepfen zu uns zurückkehren, soweit ihnen nicht schon dort das Lebens­licht ausgeblasen wird, waS leider in großen Massen geschieht. So giebt es z. B. in Smyrna allein einige Tausend Jagd­liebhaber, welche dem delicaten Vogel mit Pulver und Blei gar arg nachstellen. Aehnlich liegen die Verhältnisse in Griechenland. Einigen Engländern gelang es hier in den Ebenen von Patras und Pyrgos im Peloponnes binnen drei Tagen 1000 Stück Schnepfen zu schießen. Daß solche Maffenvertilgung eine Verminderung der Schnepfen herbei­führen muß, liegt klar auf der Hand, anderntheils freilich

spielt auch die bessere Bewirthschaftung der Waldungen da­bei eine Rolle, denn die moderne Forstwissenschaft ist daraus bedacht, gerade solche Waldstrecken, wie sie die Schnepfe liebt, zu melioriren, ihre Nässe zu mildern und die undurchdring­lichen Dickichte von Dornbüschen zu lichten, welche der Lieb­lingsaufenthalt der Waldschnepfen sind.

Dermifdytes.

* Darmstadt, 5. März. Po st personalnach richten. Der Postsecretär E n s i n g e r in Langen (Hessen) ist zum Post­meister ernannt worden. Versetzt wurde der Postassistent Siegler von Mainz nach Worms. Der Postverwalter Kremer in Alsheim ist gestorben.

* Von der Lahn, 10. März. Adolf Müller. In wenig Wochen wird der als Naturforscher und Schriftsteller in den weitesten Kreisen hoch angesehene und verdiente Kgl. Oberförster A. Müller von Crosdorf scheiden, um in Darm­stadt, wie Viele mit uns dem verehrten Manne von ganzem Herzen wünschen, ein langjähriges otium cum dignitate in Frische des Geistes wie Leibes zu verleben. Unsere besten Wünsche geben ihm dorthin das Geleite. Wir kommen sicher- !ich den Empfindungen vieler Freunde und Verehrer des scheidenden Mannes entgegen, wenn wir uns den Vorschlag gestatten, daß wir uns mit ihm noch einmal zu einem fröh­lichen Abschiedsmahle zusammenfinden- wir schlagen als Gast­hof dasEinhorn" in Gießen vor und als Zeit etwa die Tage nach dem Osterfeste. Ein Comitö wolle das Nähere festsetzen.

* Marburg, 9. März. Gestern Abend wurde in der Nähe der Haltestelle Nieder Weimar von dem gegen 9 Uhr diese Strecke pafsirenden Schnellzuge Nr. 74 ein Mann über­fahren. Infolge eines heftigen Ruckes der Maschine ließ der Locomoüvsührer den Zug halten und man gewahrte sodann auf dem Geleise die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leiche eines Mannes, dessen Identität bis jetzt nicht festgestellt wer­den konnte.

Frankfurt a. M., 9. März. Die Actiengesell- schaft für billtge Wohnungen hat soeben Bericht über ihre Thätigkeit im Jahre 1890 erstattet. Dem Bericht fei entnommen: der Gesellschaft stehen insgesammt 705000 Mk. zur Verfügung. Von dieser Summe hat Herr Georg Speyer Hierselbst der Gesellschaft allein 100 000 Mk. unter der Be­zeichnungGeorg Speyer'sche Ueberweisung" übergeben. Die an der Burg- und Eichwaldstraße begonnenen sieben Häuser konnten infolge des strengen Winters noch nicht fertiggestellt werden, man hofft indeß, daß sie bis zum 1. Juni beziehbar sind. Miethkasemen will die Gesellschaft eigentlich nicht er­richten, wenn auch das Cottages-System sich in einer Stadt wie Frankfurt nicht durchführen läßt. In vier Geschossen sollen sechszehn Wohnungen ä zwei Zimmer, zum Theil mit Küche, sich befinden. Der Preis für solche Wohnungen soll betragen: für Parterre und zweiten Stock 15 Mk., für den ersten Stock 16 Mk., den dritten Stock 14 Mk.; kommt zu den zwei Zimmern Küche, so stellen sich die bezüglichen Preise auf 22, bezw. 24 und 20 Mk. Jetzt schon sind die An­meldungen für die Wohnungen in den im Bau begriffenen Häusern so zahlreich, daß lange nicht alle Petenten berück­sichtigt werden können. Jrn Nordende wird die Gesellschaft noch zwei weitere Häuser errichten, so daß sich dann dort elf befinden werden. Finanzminister Dr. Miquel, welcher an der Thätigkeit der Gesellschaft den regsten Antheil nahm und noch nimmt, hat den Vorsitz im Aufsichtsrath beibehalten. Er wird, wie die hiesigen Blätter melden, der Uebergabe der Neubauten im Mai beiwohnen.

nttiHtfitöb - Nachrichten.

Tübingen, 8. März. Einen sehr tntereffanten Beitrag r»r neuesten Entwickelung der deutschen Universitäten im Allgemeinen und der Tübinger Hochschule im Besonderen gab anläßlich deS Ge­burtsfestes Seiner Majestät des Königs der Rector der hiesigen Uni­versität, Professor vr. v. Jolly, in seiner Festrede in der Aula. Während seit Anfang der 60er Jahre die Zahl der Studirenden überhaupt tn Deutschland um 120 pCt. wuchs, nahm Tübingen um . 73 pCt. zu, nimmt aber heute wie damals die sechste Stelle unter den deutschen Universitäten ein. Von Nichtwürttembergern wird es in steigendem Maße besucht, neuerlich von 35 aufs Hundert der Studirenden, während die Württemberger, die früher nur zu 6 pEt. außer Landes studirten, jetzt bis zu 28 pEt. an auswärtige Hoch­schulen gehen. In Preußen studiren durchschnittlich 25, in Sachsen 19 pEt. außerhalb ihres Vaterlandes. Dieser Austausch kräftigt die geistigen Bande zwischen den deutschen Stämmen. Tübingen ist trotz wachsender Neigung der Fremden, auch im Winter hier zu studiren, eine Sommeruniversität und würde es noch mehr, wenn, was nicht zu wünschen, der Schuljahranfang in Württemberg aut§ Frühjahr verlegt würde. Dann müßten auch jetzt eben reichende Laboratorien und Hörsäle erweitert werden. Die Durchschnittsfrequenz Tübingens in den letzten Jahren ist 1335. Auffallend ist, daß von den fremden Studirenden jeder sechste beim hiesigen Infanterie - Bataillon sein Einjähriges" abdient, von den Württembergern erst jeder drei- undzwanzigste. Wahrend die Zahl der ordentlichen Profesforen über­haupt um 40 pEt. wuchs, sind es bei jetzt 52 ordentlichen Professoren tn Tübingen nur 18 pCt. Zunahme gegen das Jahr 1864, doch war damals Tübingen voraus. Den durchschnittlich 26 außerordentlichen Professoren und 31 Prioatdozenten der anderen deutschen Universitäten stehen in Tübingen nur 14, bezw. 9 gegenüber, ein Verhältniß, das sich besonders bei der hiesigen medictnifchen Facultät zeigt, wohl zum Theil verursacht durch die geringe Praxis, welche das kleine Tübingen weniger bemittelten jüngeren Dozenten bietet. Von allen deutschen Universitätsstädten ist in Tübingen die Zahl der Studirenden zu der der Einwohner am stärksten. 1864 kam bei 8700 Einwohnern ein Student auf 10 Einwohner, heute kommt bei 13,200 Einwohnern (einschl. Militär) 1 Student auf 9 Einwohner. Das Lehrpersonal hat im Jahre durchschnittlich zwei Abgänge. Der Gesammtgehalt der ordentlichen Professoren ist seit 1864 von 3000 X auf 6560 ge­stiegen. Bezüglich der Penfionirung wäre das preußische System bei Emeritirung ober das bayerische zu wünschen. Der Gehalt der außerordentlichen Professoren hat sich seit 1864 verzehnfacht Die Gesammtsumme der Besoldungen stieg von 175,000 X aui 390,000, der Aufwand für die Institute von 100,000 X auf 340 000. Aus 17 Assistenten wurden 43, aus 29 Bediensteten der Universität 81, ohne die gemietheten Personen. Die Verwaltungskosten stiegen von 15,000 auf 23,000 X Der Gesammtetat erhöhte sich von 290,000 X auf 750,000. Hierzu kommen aber noch mehrere Poften, so die Bor - lesungshonorare, die 1864 35,000 X, in den drei letzten Jahren durchschnittlich 80,000 X betrugen. Damals entfielen auf einen Studenten 42, auf einen Professor 566 X, heute sind es 60, bezw. 1050 X Die Erhöhung rührt von der stärkeren Zunahme der