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Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
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Durch die Post bezog«
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K-rfrecher 51.
Amts- und Anzeigeblatt für den ALreis Giefzen.
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Anrtlichev Theil.
Bekanntmachung.
6s wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dem Turnverein zu Bad-Nauheim, welcher beabsichtigt, zur Gewinnung der Mittel zum Bau einer eigenen Turnhalle, eine Verloosung von Mobiliar- und Silbergegenständen, sowie Gegenständen des Kunstfleißes im September d. I zu veranstalten, bei welcher Loose bis zu 10,000 Stück, das Stück zu 1 JL ausgegeben werden sollen, die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt hat, daß nicht mehr als die vorstehend bemerkte Zahl non Loosen ausgegeben werden dürfen und mindestens 60% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf non Gewinngeaenständen zu verwenden sind.
Grvßh. Ministerium des Innern und der Justiz hat den Vertrieb der Loose in der Provinz Oüerheffen, jedoch mit Ausschluß des Verkaufs auf dem Wege der Colportage und «nter Beschränkung aus die Turnvereine der Provinz gestattet.
Gießen, den 6. März 1891.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen 'g
v. Gagern. ___
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Gießen, 9. März 1891.
Betreffend: Volksbibliotheken.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen 4itt die Grvßh Bürgermeistereien der Land« gemeinden des Kreises.
6s ist uns von Interesse zu erfahren, ob in Ihren Gemeinden Volksbibliotheken bestehen. Wir beauftragen Sie deshalb, hierüber an uns zu berichten, und wenn solche Bibliotheken bestehen, zugleich anzugeben, auf wessen Veranlassung dieselben angelegt wurden und wer die Kosten derselben bestritten hat bezw. noch bestreitet, die Kirche, die Gemeinde oder etwa Volksbildungsvereine. Die bloßen Schüler- Sibliotheken sind in gegenwärtiger Verfügung nicht gemeint.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Die Pläne und Verhandlungen über die neue Zuteilung der Grundstücke in den Fluren IV, V, VI, VII, VIII, X und XII der Gemarkung Saasen liegen von 7. bis 21. März I. I. auf der Großh. Bürgermeisterei Saasen zur Einsicht der Betheiligten offen.
Verhandlungstagsahrt daselbst findet g ______
Samstag den 21. März !♦ I, von Vorm. 8 Uhr an, statt. In derselben sind alle auf die neue Zutheilun'g bezüglichen Anträge, sowie auch etwaige Wünsche bezüglich des noch ruzuthellenden Restes der Gemarkung Saasen bei Meldung späterer Nichtberücksichtigung vorzubringen.
Die Ueberweisung der neuen Grundstücke zur einstwelligen Benutzung, jedoch vorbehältlich etwaiger noch nothwendig werdenden Aenderungen, soll
Samstag den 28. März l. I., von Vorm. 8 Uhr an, an Ort und Stelle erfolgen. Der Anfang wird an der Ge- markungsgrenze von Lindenstruth von der Staatsstraße aus erfolgen.
Gleichzeitig wird zur Kenntniß der Betheiligten gebracht, daß die neue Zutheilung des Restes der Gemarkung noch im Herbste dieses Jahres nach vollzogener Ernte stattfinden und daß eine Vergütung für Aussaat, Dung, u. s. w. nicht erfolgen soll, weshalb empfohlen wird, dergleichen Aufwendungen bis «ach dem Vollzüge der Ueberweisung der neuen Grundstücke zu unterlassen.
Darmstadt, den 25. Februar 1891.
Der Vollzugscommiffär: Rover, Regierungsrath.
Reichstag.
♦4. Plenarsitzung. Montag, 9. Marz 1891, 1 Uhr.
Die Berathung des Marineetats wird fortgesetzt.
Die ersten Raten für die Panzerfahrzeuge 8 und U werde« an die Budgetcommission zurückoerwiesen.
Die ersten Raten für das Panzerfahrzeug T, 1500000 Mk., zum Bau des Kreuzers F, 500000 Mk., und zum Bau des Avisos H, 1000000 Mk., sowie die Forderungen zur artilleristischen Armtrung dieser Schiffe werden gestrichen.
Zur Ausrüstung und Armtrung von Kriegsschiffen zum Gelbrauche von Torpedos sind ats zweite Rate 1221000 IRL eingestellt, ivovon 214000 Mx. abgesetzt werden.
Gestrichen werden ferner 60000 Mk. zur Beschaffung eines -rffernm Verschlußpontons für die Helling I. auf der Werft zu Danzig
und lOOOOO Mk. zur Herstellung einer electrischen Beleuchtungsanlage auf der Werft zu Danzig, erste Rate.
Die Posilton des außerordentlichen Etats, Zuschuß zu den einmaligen Ausgaben im ordentlichen Etat, wird an die Budget- commission der calculatortschen Feststellung wegen verwiesen.
Damit ist der Marineetat erledigt.
Eine Reihe kleinerer Etats werden debattelos in zweiter Lesung angenommen, ebenso das Etats- und das Anleihe-Gesetz. Damit ist die zweite Elatberathung beendet.
Es folgt die erste Berathung des Gesetzes über das Telegraphenwesen des Deutschen Reichs.
Abg. v. Buol-Behrenberg (Ctr.) anerkennt das Princip der Borlage, das Fernschretb- und oas Fernsprechwesen nach gleichen Grundsätzen zu regeln. Redner erörtert dann den Unterschied zwischen Monopolen und Regalen und die Entwickelung des staatlichen Verkehrswesens, das aus dem Postregal sich auf das Telegraphenwescn und von da auf das Telephonwesen in natürlicher Entwickelung aus- gebrettet habe. Im Anschlüsse an die Vorlage ergibt sich eine Fülle juristischer Fragen, die eine Commissionsberathung der Vorlage nöthig erscheinen lassen.
Abg. v. Bar (dfr.) regt ebenfalls einige juristische Bedenken gegen die Vorlage an; es sei bet der Einrichtung eines Monopols immer nöthig, den Umfang desselben genau einzugrenzen und das Nutzungsrecht des Publikums in ausreichender Weise zu sichern. Ferner werde man die Entschädigung der Besitzer bereits vorhandener Anlagen in Erwägung zu ziehen haben. Auch wird der Reichstag sich seinen Einfluß auf die Gebührentarife und auf die Gebührenfreiheit sichern müssen. Im Princip erkennt Redner das Monopol für das Telegraphenwefen als nöthig an.
Abg. Kurtz (cons.) ist mit der Vorlage einverstanden. Es werde lediglich ein Zustand, der usuell besteht, legalisirt. Bedenklich scheine es, die Gebührenfrage mit in das Gesetz aufzunehmen. Eine Commission von 21 Mitgliedern möge die Vorlage vorberathen.
Oberpostdirector Dam mb ach will Mängel des Entwurfs nicht verkennen. Es handelt sich um einen ersten Versuch, das Telegraphenwesen aus eine staatsrechtliche Basis zu stellen. Das Geheimniß der Telegramme ist durch strafrechtliche Vorschriften gesichert. Der vorliegenden gesetzlichen Vorschriften bedürfen wir dringend.
Abg. Möller (natl.) hat Bedenken gegen Einzelheiten der Vorlage, so namentlich gegen die Bestimmungen über Entfernungen, die für die Anlage von Privateinrichtungen gefordert werden; auch für die Regelung der Gebührenfrage sollte sich der Reichstag seine Mitwirkung Vorbehalten.
Die Vorlage geht an eine Commission von 21 Mitgliedern.
Es folgt die Berathung des internationalen Ueberetnkommens über den Etsenbahnsrachlverkehr.
Präsident im Reichseisenbahnamt, Dr. Schultz: Es handle sich hier darum, für den Etfenbahnfrachtverkehr eine internationale Rechtsbasis zu schaffen. Bei der Vorlage ist es erfreulich, daß die mit anderen Mächten getroffenen Vereinbarungen sich mit den Wünschen unseres Handelsstandes decken. Im Anschlüsse an die Vorlage wird eine Umarbeitung des Betrtebsreglements auf den deutschen Bahnen stattfinden, mit der eine Umarbeitung des Reglements für die österreichischen Bahnen Hand in Hand gehen wird.
Die Abgg. Dr. v. Bar (dfr.) und Dr. Hammacher (natl.) beantragen Commissionsberathung.
Das Haus verweist die Vorlage an dieselbe Commission, der das Telegraphen-Gesetz überwiesen ist.
Damit ist die Tagesordnung erledigt.
Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr. Tagesordnung: Strafgesetz- Novelle, Wahlprüfungen, Schutztruppe für Ostafrika.
Schluß 48/4 Uhr.
Ae«efte Nachrichten.
WolffS telegraphische- Correspondenz-Dureau.
Berlin, 9. März. Anläßlich der Gedächtnißseier für weiland Kaiser Wilhelm werden im Mausoleum zu Char- lottenburg zahlreiche Kränze niedergelegt. Der Kaiser, das Großherzogliche Paar von Baden, der Erbprinz von Meiningen und Gemahlin und Prinz Alexander verrichteten in der Gruft ein stilles Gebet, ebenso die Herren aus der persönlichen Umgebung des verstorbenen Kaisers. Die Kaiserin war an der Theilnahme behindert.
Berlin, 9. März. Wie der „Reichsanzeiger" mittheilt, nahmen an der Versammlung der Bergwerksleiter und Bergwerksbesitzer aller Kohlenreviere Beamte der preußischen, bayerischen und sächsischen Bergverwaltung theil, die bei Beginn der Sitzung erklärten, sich an den Discussionen und Beschlüssen der Versammlung nicht betheiligen zu können.
Berlin, 9. März. Bei Berathung des Reichsschuld-Etats im Reichstage wiederholte heute Schatzsecretär Maltzahn die bereits in der Commission abgegebene Erklärung, daß voraussichtlich eine Begebung neuer Anleihen nicht erfolgen werde, ehe nicht die letzten Einzahlungen aus die jetzt begebene Anleihe erfolgt seien.
Berlin, 9. März. Der Balneologen-Congreß ist heute geschlossen worden. Der Antrag auf einheitliche Bestimmungen für Quellenanalysen, insbesondere hinsichtlich des Kohlensäuregehalts, wurde einer besonderen Commission überwiesen.
Berlin, 9. März. Den Berliner „Polit. Nachr." zufolge suchte der Oberschlesische Berg- und Hüttenmännische Verein bei dem Staatsministerium Maßnahmen nach, event. eine Enquete zur Beseitigung des periodisch wiederkehreuden Wagenmangels und petitionirte beim Abgeordnetenhause, statt der geforderten 550 Locomotiven und 6500 Gepäck- und
Güterwagen 2500 Locomotiven und 51 000 Gepäck- und Güter wagen zu je 10 Tonnen oder 34000 zu 15 Tonnen zu bewilligen.
Berlin, 9. März. Die Reichsschulcommission, welche aus Erfordern des Reichskanzlers Anträge auf Erthei- lung der Berechtigung höherer Lehranstalten zur Ausstellung des Einjährig-Freiwilligen-Zeugnisses begutachtet, tritt hier am 19. März zusammen.
Breslau, 9. März. Aus Neisse wird gemeldet, daß der Vorsteher der Reichsbanknebenstelle, Mayer, wegen Wechselfälschung gestern Nacht verhaftet wurde.
München, 9. März. Das heutige Militär-Verordnungsblatt veröffentlicht einen Gnadenerlaß des Prinzregenten für die Armee, demzufolge die Disciplinarstrase und militärgerichtlichen Freiheitsstrafen bis zu 6 Wochen vom 11. März ab erlassen sind. Ehrenstrasen sind hiervon ausgeschlossen.
Hamburg, 9. März. Bei einem Nachts durch eine Petroleumexplosion entstandenen Feuer wurden 11 Personen aus den Etagen gerettet. Ein Mädchen erlitt Brandwunden.
Wien, 9. März. Mehrere Kirch en für st en trafen zu den morgen beginnenden Bischossconferenzen ein.
Bellinzona, 9. März. Nach offizieller Mittheilung ist die Versa ssungsr evision mit 11,100 gegen 10,625 Stimmen angenommen worden. Aus fünf Gemeinden steht das Ergebniß noch aus, doch kann das Endresultat, die Annahme der Revision, dadurch nicht geändert werden.
Paris, 9. März. Das „Journal de Debats" kündigt die Schließung weiterer Spiritusbrennereien als unmittelbar bevorstehend an und bemerkt, diese ersten Resultate des Schutzzollsystems gestatteten einen Blick in die Zukunft. Der Ruin der französischen Spiritusindustrie sei nur ein Vorspiel der Vernichtung mehrerer hundert anderer Industrien und des Elends einer Million von Arbeitern. Das Blatt schließt mit der Frage, ob Meline und Genossen wohl den traurigen Muth haben werden, bis ans Ende zu gehen.
Paris, 9. März. Bei dem ersten Rennen in Auteuil liefen nur drei Pferde. Es fand keinerlei Kundgebung statt und das Rennen verlies ohne Zwischenfall. Zwei Personen, welche „Nieder mit Constans" gerufen hatten, wurden verhaftet. Das Publikum verhielt sich sehr ruhig.
London, 9. März. Auch hier und in anderen Theilen Englands wüthet furchtbarer Schneesturm. Der Telegraphenverkehr ist an verschiedenen Orten unterbrochen.
Lima, 9.März. Eine große Quantität Lebensmittel und Schlachtvieh ist von Callao nach Jquique gesandt worden, wo die Ordnung wieder vollständig hergestellt ist. Der Hafen von Arica ist gegenwärtig blokirt.
Localer and j-rovinzielles.
Gießen, 10. März.
— Wir dürfen nachträglich verrathen, daß unser Landesherr am Samstag und Sonntag in strengem Jncognito in unseren Mauern weilte. Se. König!. Hoheit der Großherzog waren am Samstag Nachmittag eingetroffen, um einer musikalischen Abendgesellschaft beizuwohnen, zu welcher Se. Königl. Hoheit der Erbgroßherzog in seiner Villa einen größeren Kreis hiesiger Familien geladen hatte^ bei welchen Höchstderselbe während seines hiesigen Aufenthaltes zu Gaste gewesen. Die Ueberraschung war eine große und freudige, als der Landesherr zu der bereits versammelten Gesellschaft eintrat; und alle Eingeladenen waren entzückt sowohl von der Leutseligkeit, mit welcher die hohen Herren in dem Kreise verkehrten, wie von dem ganzen Arrangement des Festes, welches das hohe musikalische Talent und den seinen Geschmack des Hausherrn in jeder Beziehung bewies. — Am Sonntag Vormittag besichtigte Se. Königl. Hoheit der Großherzog noch eingehend das alte Kanzleigebäude^ dessen Restaurirung bekanntlich in Frage steht, und fuhren Nachmittags mit Sr. Königl. . Hoheit dem Erbgroßherzog nach Darmstadt zurück. Letzterer wird, wie wir von anderer Seite hören, voraussichtlich in acht Tagen unsere Stadt definitiv wieder verlassen.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 12. März 1891, Nachmittags 3 Uhr:
1. Gesuch des I. Boller um Erlaubniß zum Wirth- schastsbetrieb. 2. Gesuch des A. Noll II. um Erlaubniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße. 3. Gesuch des Fr. Textor um Erlaubniß zur Aufstellung eines Dampfkessels. 4. Desgl. des Wilhelm Gail. 5. Gesuch des P. I. MöbS nm Erlaubniß zur Aufstellung eines Dampfkessels. 6. Baugesuch der Firma Kauffmann u. Comp. 7. Desgleichen des Eberhard Fenster. 8. Ausbau der Schillerstraße, hier Ver»


