Ausgabe 
10.6.1891
 
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oder Geschenke, welche ihnen angeboten werden, nicht mehr annehmen. lieber die Auslegung, was unter Geschenken zu verstehen sei, entspinnt sich eine lebhafte Discussion- des­gleichen über die Verpflichtung des Transports der Geist­lichen nach anderen Gemeinden zur Aushülse oder zu Trauungen rc. Man könne doch dem Geistlichen nicht zu- muthen, aus seiner Tasche dieses zu bezahlen. Seitens des Kirchenregiments konnte nach dieser Seite hin keine bestimmte Erklärung gegeben werden. Dieses soll nach eingehender Berathung in zweiter Lesung am nächsten Dienstag geschehen. Der Paragraph wurde hiernach einstimmig angenommen. § 2 handelt von den Amtshandlungen der Geistlichen und die Vertretung derselben in Verhinderungsfällen und bei der Beurlaubung. Der Ausschuß hat hier beantragt, dem Geist­lichen die Verpflichtung aufzuerlegen, den Amtsbruder in solchen Fällen der Verhinderung zu vertreten. Dies soll sich auch aus solche Geistliche beziehen, welche nicht in Städten wohnen. Hierin wird Seitens der Synode eine große Härte und Un­gerechtigkeit gesunden. An der Discussion betheiligen sich die Synodalen Diesfenbach, Wiener, Heger, Dr. Gott­schick, Dr. Weisfenbach, Hallwachs u. A., welche sich gegen den Ausschußantrag aussprechen. Nach erfolgter Ab­stimmung wird derselbe mit einem Modifications-Antrag des Synodalen Rieger, dahin, daß der Geistliche nicht ver­pflichtet sei, die Vertretung zu übernehmen, mit großer Majorität angenommen, der Regierungsantrag mit 25 gegen 26 Stimmen verworfen. Die §§ 37 werden dem Aus­schußantrag gemäß genehmigt. Die nächste Sitzung findet am Montag statt.

nn. Darmstadt, 8. Juni. Die heutige Sitzung der Landessynode wird um i/z 10 Uhr eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung wird eine Eingabe aus Mainz zum Accidenziengesetz verlesen, worin die Synode ersucht wird, Geschenke, welche den Geistlichen aus persönlicher Dankbarkeit gewidmet werden, auch für oie Folge in Mainz zur Annahme zuzulassen. Die Eingabe wird dem Ausschuß überwiesen. Synodaler Weiffenbach stellt eine Interpellation an das Kirchenregiment auf Einführung eines allgemeinen deutschen Buß- und Bettages etwa am Freitag nach Trinitatis. Die Interpellation wird morgen beantwortet werden. Nunmehr erfolgt die zweite Lesung des Gesetzentwurfs, die Versetzung der evangelischen Geistlichen in den Ruhestand und die Festsetzung der Ruhegehalte betreffend. Das ganze Gesetz wird nach längerer Discussion nach den Beschlüssen erster Lesung angenommen. Ein Antrag des Synodalen Dr. Dieffenbach, die Erweiterung des Confirmanden- Unterrichts, steht zur Berathung. Der Antragsteller begründet seinen Antrag dahin, um eine tiefere religiöse Gründung unseres Volkes herbeizuführen, sei es nöthig, dieses durch einfache Vermehrung des Religionsunterrichts in der Schule anzustreben. So dankenswerth eine Betheiligung der Geist­lichen bei dem Religionsunterricht sei, so habe dieses doch auch unverkennbare Nachtheile, da eine Theilung des Religions­unterrichts in der Schule nicht ganz richtig sei. Derselbe müsse von einem Lehrer ertheilt werden und in seinem ganzen Umfang in die Hand des Lehrers gelegt werden. Es empfehle sich die Einführung ^zweijährigen Confirmationsunterrichts. Der erste Curs solle Kinder von 12 bis 13 Jahren mit wöchentlich 2 Stunden, der zweite solche von 13 bis 14 Jahren mit wöchentlich 3 Stunden Confirmationsunterricht in sich schließen und das ganze Jahr hindurch lausen. Die Unter­richtsstunden sollen von 1112 Uhr stattfinden. Gegen den Antrag sprechen die Synodalen Müller, Strom­berger, Frommann, sowie Prälat Habicht. Sämmt- liche Redner halten es für unzweckmäßig, an der heutigen Ordnung der Dinge zu rütteln. Da der Antrag keine Aus­sicht aus Annahme hat, wird er vom Antragsteller zurück­gezogen. Nach einer kurzen Pause tritt die Synode in die Berathung des Antrags der Synodalen Rieger und Genossen, betreffend anderweite Regelung der kirchlichen Ver­mögensverwaltung. Die Antragsteller wünschen, die Synode möge das Oberconsistorium ersuchen, im erforderlichen Be­nehmen mit Großh. Staatsregierung die an mehreren Stellen der Kirchenverfaffung in Aussicht genommene anderweite Regelung der kirchlichen Vermögensverwaltung nach Maßgabe der betreffenden Verfassungsbestimmungen, hier das verheißene Kirchengesetz über die Verwaltung sämmtlicher kirchlichen Fonds und Stiftungen in thunlichster Bälde zur Vorlage zu bringen. Nach längerer Discussion wird die Angelegenheit aus morgen vertagt.

Berlin, 8. Juni. Das preußische Abgeordneten­haus hat mit seinen Arbeiten, nachdem Anfang dieser Woche auch das Rentengütergesetz definitiv zur Annahme gelangt ist, im Großen und Ganzen aufgeräumt. Es könnte daher ganz gut etwa nächsten Sonnabend der Schluß der Landtagssession erfolgen, wenn ja wenn eben das Herrenhaus seine Pfingstferien nicht so unnöthig lange ausgedehnt hätte. Nun tritt dasselbe aber erst am Freitag, den 12. Juni, wieder zusammen, und wenn auch das Haus mit dem noch zu er­ledigenden Arbeitsmaterial reinen Tisch machen dürste, so wird der Sessionsschluß immerhin nichtbor Mitte nächster Woche stattfinden können. Das hauptsächlichste Interesse bei den Vor­lagen, welche im Herrenhause der endgiltigen Entscheiduug harren, knüpft sich an die Landgemeindeordnung, mit der sich bekanntlich das Herrenhaus nochmals beschäftigen muß. Wenn in der Pairskammer, wo ja die konservativen Elemente die Oberhand haben, die Conservativen eine ebensolche Tactik in der Frage der Landgemeindeordnung einschlagen sollten, wie ihre Gesinnungsgenoffen im anderen Hause, so erschiene freilich das Schicksal dieser wichtigen Neformvorlage noch in der letzten Minute als ernstlich gefährdet. Indessen huldigt man in parlamentarischen Kreisen der Anschauung, das Herren­haus werde nunmehr der Landgemeindeordnung in der jüngsten, den Anschauungen der zweiten Kammer entgegenkommenden, Fassung der letzteren zustimmen. Höchstens erwartet man einige sachlich völlig belanglose Aenderungen, die allerdings zur Folge haben würden, daß die Landgemeindeordnung noch einmal an das Abgeordnetenhalls zurückgehen müßte. Was

das in den letzten Tagen ausgetauchte Gerücht anbelangt, es würde noch vor Schluß der Landtagssession einPairsschub" im Herrenhause stattfinden, so wird man dessen Bestätigung natürlich abzuwarten haben.

Anstand.

Wien, 7. Juni. Eine Versammlung von 3000 Schrift­setzern beschloß den Strike fortzusetzen.

Paris, 7. Juni. Oberst Lebel, der Erfinder des Lebelgewehrs, ist gestorben.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Lorrespondenz-Bureau.

Berlin, 8. Juni. Das Abgeordnetenhaus nahm heute in dritter Lesung die Rentengütervorlage unverändert an, nachdem die Minister für Landwirthschaft und Finanzen dieselbe nochmals befürwortet hatten. Das Haus erledigte sodann ohne Debatte in dritter resp. zweiter Lesung einige kleinere Vorlagen. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Kleinere Vorlagen.

Berlin, 8. Juni. Nach einem Telegramm der deutschen Botschaft zu Konstantinopel von heute Nachmittag sind sämmtliche Gefangene befreit und befinden sich aus dem Wege nach Kirkilisse.

Wien, 8. Juni. Die erste Commission des Welt- post-Congresses hat die Revision des Hauptvertrages des Weltpostvereins beendigt. Dieselbe empfiehlt die Rege­lung des Sortirens der von dem Commandanten eines Kriegs­schiffes ausgegebenen Correspondenzen und schlägt die Ein­führung einer neuen Vertragsbestimmung vor, nach welcher sich die Vereinsstaaten gegenseitig zur Verfolgung von Nach­ahmungen und Mißbrauchs von Postwerthzeichen verpflichten. Die dritte Commission beendigte die Revision des Ueberein- kommens bezüglich der Postanweisungen und der zugehörigen Reglements, wodurch, Dank dem Entgegenkommen der fron« zösischen Delegirten, ein neuer wichtiger Schritt zur Verein­heitlichung des Vereinsverkehrs geschieht. Die vierte Com­mission beschloß, den ersten Theil des österreichischen Vor­schlags, betr. die Codificirung der gesammten Bestimmungen in einem Hauptvertrage und einem Ausführungsreglement, einer Enquete-Commission zu überweisen. Ueber den zweiten Theil ist noch kein Beschluß gefaßt.

Wien, 8. Juni. Die halbamtlicheWiener Abendpost" veröffentlicht eine Reihe von Bestimmungen betreffs der Ver­zollung der am 1. Juli mit Aushebung des Freihafen­gebietes von Triest dortselbst vorfindlichen Waarenvorräthe. Hiernach unterliegen ausländische Waaren einer Nachverzollung nach dem österreichisch-ungarischen Zolltarif mit Berücksich­tigung der am 1. Juli eintretenden Modifikationen.

Wien, 8. Juni. DasTelegr. Corresp.-Bureau" meldet aus Kairo auf das Authentischste, daß bisher kein einziger Cholerafall, weder im Delta, noch im übrigen Egypten, vorgekommen sei.

Rom, 8. Juni. In Vicenza sind leichte Erdstöße wahrgenommen worden,- auch in Verona zeigte der Seis­mograph heute leichte Erschütterungen an, die in Fregnago, Cotognola, Badiacalavena stärker verspürt wurden. Die Be­völkerung verhält sich indeß beruhigter. Weitere hundert Zelte sind in die verschiedenen Landestheile versendet worden.

Rom, 8. Juni. Das gestrige Erdbeben reichte nach dem Centralbureau für Meteorologie gemäß den Erdbeben- Apparaten bis Florenz, Aquila und Rom. Rom verspürte das Erdbeben um 2 Uhr 62/3 Minuten Morgens.

Paris, 8. Juni. Bei dem gestrigen Jahresbankette der monarchischen Presse hielt Graf d'Hauffonville eine Rede, in welcher er feiner Zustimmung zu der Haltung der Deputirten der monarchischen Partei Ausdruck gab, welche alle ihre Anstrengungen auf die Vertheidigung der religiösen und conservativen Interessen richtete. d'Hauffonville wies sodann aus die der conservativen Presse zufallende Aufgabe hin, welche darin bestehe, das Land aufzuklären,- der Redner appellirte an die Hingebung der royalistischen Jugend und schloß, Frankreich müsse nach der Rückkehr eines Königs streben, der dem Vaterlande den ihm gebührenden Rang in Europa wieder verschaffen werde.

London, 8. Juni. Der Präsident des Verbandes der Omnibusbediensteten hatte eine Unterredung mit den Directoren der beiden Ornnibusgesellschasten und sorrnulirte vor diesen die Forderungen der Strikenden. Die Entscheidung der Directoren ist bisher offiziell unbekannt. Voraussichtlich aber wird der Zwölfstundentag bewilligt werden, freilich soll derselbe erst mit dem 13. Juli beginnen. Ein freier Tag aus je 14 Tage wird wohl nicht bewilligt werden. Die Kutscher sollen 6 Schilling 6 Pence täglich, die Conducteure 5 Schilling erhalten.

Stockholm, 8. Juni. Nach zweitägigem leichten Unwohl­sein erkrankte der Kronprinz gestern an heftigen Kopst schmerzen und Gelenkschmerzen, so daß er das Bett hüten muß. Die Aerzte bezeichnen die Krankheit als Influenza. Die Körpertemperatur betrug heute 39% Grad.

Belgrad, 8. Juni. Ein liberaler Parteitag im Negotiner Kreise sprach seine Mißbilligung über den Aus­weisungsbefehl gegen die Königin Natalie aus und be- zeichnete die Durchführung dieses Beschlusses Seitens der Regierung als Versaffungsverletzung.

New-Nork, 7. Juni. Der DampferKite" ist gestern mit der von dem Schiffsingenieur Peary organisirten Nordpol­expedition abgegangen. Die Expedition besteht aus 16 Per­sonen, unter denen sich auch die Frau Pearys befindet, und wird sich zunächst nach Grönland begeben, dort das Schiff verlassen und versuchen, den Nordpol mittelst Schlitten zu erreichen.

Washington, 8. Juni. Der Ackerbau-Secretär Rusk hat ein ausführliches Reglement für Viehtransport­schiffe erlassen. Die Schiffe müssen von Rusk ein aus ein Jahr lautendes Certificat einholen, in welchem unter anderen

die Anzahl der Viehstücke angegeben ist, welche das Schiff tragen darf. Das Reglement schreibt ferner den dem Vieh auf Deck zu gebenden Raum vor, sowie zur Bequemlichkeit und Sicherheit des Viehes dienende Einrichtungen.

Shanghai, 8. Juni. Reuter-Meldung. Ernste europäer- feindliche Unruhen sind in Wuhu bei Kinkiang vorge­kommen. Ein Zollbeamter und ein Missionär wurden er­mordet und mehrere Häuser angesteckt. Frauen und Kinder der Europäer haben sich nach Mnkiang gerettet.

Cocales unö provinzielles.

Gießen, 9. Juni.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 11. Juni 1891, Nachmittags 3 Uhr:

1. Gesuch des M. Leichner um Ertheilung der Concession zum Wirthschaftsbetrieb. 2. Desgleichen des Georg Psaff dahier. 3. Gesuch der Karl Kratzenberger um Ertheilung der Concession zum Wirthschaftsbetrieb. 4. Anschaffung von Pflanzen für die städtischen Anlagen. 5. Gesuch des Karl Euler um Bauerlaubniß für den Hamm. 6. Gesuch des Ernst Wallenfels um Erlaubniß zum Wiederaufbau der durch Brand zerstörten Scheuern. 7. Ankauf der ehemals Schüler- schen Besitzung. 8. Das OctrottReglement der Stadt Gießen. 9. Die Dienstverhältnisse der Gemeindebeamten der Stadt Gießen. 10. Die städtische Pumpe auf dem Seltersweg. 11. Die an dem Weg nach den Mühlen befindliche Pumpe. 12. Gesuch des H. Balser HI. und Konrad Marx um Be­willigung von Frist zur Herstellung von Einfriedigungen vor ihren Häusern. 13. Die Benennung der sogen. Wodestraße. 14. Herstellung einer Closetanlage im Bürgermeistereigebäude. 15. Verbesserung des Weges über den Schweinemarkt. 16. Telephonleitung zwischen den einzelnen Stationen des Polizeiamts und der Wohnung des Vorstandes Großherzog- lichen Polizeiamts. 17. Die Verwerthung des Grassamens im Gießener Stadtwald.

Feuerlöschprobe. Wir machen unsere geehrten Leser auf eine in vorliegender Nummer enthaltene Bekanntmachung aufmerksam, nach welcher morgen Mittwoch, Nachmittag um 3 Uhr, auf Oswalds Garten eine Probe mit der von Herrn Bauer in Wien sabricirten Feuerlöschmafse stattsinden wird. Der Erfolg dieser Masse bei Bränden ist nach vor­liegenden Zeugnissen ein ganz überraschender.

Die Nr. 13 des im Austrage des Evang. Pfarr­vereins im Großherzogthum Hessen von Herrn Pfarrer Dr. Naumann hier herausgegebenenHessischen Kirchenblattes" hat folgenden Inhalt: 1. Treue im Kleinen. 2. Die evan­gelische Landessynode in 1891. 3. und 4. Religions- und Confirmanden-Unterricht durch die Geistlichen. 5. Zu dem Wittwenkassenartikel in Nr. 12. 6. Ueber Stolgebühren.

7. Kirchengesetz über Aushebung der Accidenzien. 8. Der Antisemitismus evang. Geistlichen in der ersten hessischen Ständekammer: Prälat und Staatsminister. 9. Zur Be­seitigung der Eidesnoth (Schluß). 10. An die Mitarbeiter des Hessischen Kirchenblattes. 11. Hessisches Kirchenblatt: Abonnement.

Ernennungen. Der Calculator bei den Oberhessischen Eisenbahnen Ph. Deibel wurde zum Registrator bei diesen Bahnen, der Kreisbauaufseher-Aspirant Heinrich Lotz aus Wieseck zum Zeichner bei den Oberhessischen Bahnen ernannt.

Erledigte Lehrerstellen. Eine Lehrerstelle an der ev. Schule zu Bingen mit einem nach dem Dienstalter sich be­messenden jährlichen Gehalte von 10001400 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.

Das Amtsblatt des Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, Nr. 12 enthält Ausschreiben vom 28. Mai an sämmtliche Justizbehörden, betreffend die Fortführung der Grundbücher, insbesondere den Eintrag und die Löschung der Bemerkung beschränkt", sowie der Vormerkungengehemmt" und streitig".

Hartmanushain, 7. Juni. Ein hiesiger 74 Jahre alter Taglöhner A. hat sich heute Vormittag erhängt.

Londorf, 5. Juni. Heute Mittag 12 Uhr ertönte hier plötzlich der schauerliche Rus: Feuer! Feuer! Es brennt! Mitten im Dorfe drangen aus den Fenstern eines Hauses dichte Rauchwolken und ein erstickender Brandgeruch hatte sich bereits in der Umgebung verbreitet. Als man in das Haus eindrang, fand sich das dicht am Ösen stehende Bett in hellen Flammen stehend. Die Frau eines Steinhauers hatte näm­lich im Ofen das Mittagessen gekocht und war fortgegangen, dasselbe ihrem im Steinbruch arbeitenden Manne zu bringen. Vor ihrem Weggehen hatte sie, als ob wir mitten im Winter seien, nochmals tüchtig eingeschürt und ihre zwei kleinen Kinder allein in der Stube gelassen.

Queckboru, 5. Juni. Montag vor 14 Tagen entfernte sich der ledige G. Herzberger von hier und ist bis heute noch nicht zurückgekehrt. Er fuhr borgens an den Acker, spannte aber auf dem Felde beide Kühe aus, trieb sie nach dem Dorfe und entfernte sich in der Richtung nach Göbeln­rod. Seit dieser Zeit ist er spurlos verschwunden.

Arnshain, 6. Juni. Am 4. d. Mts. wurden von hier ans nach Erbenhausen zwei mit je 4 Pferden bespannte Brautwagen im Werthe von ca. 3000 Mark befördert. Zwischen Kirtorf und Erbenhausen, nahe an der Retschenhäuser Mühle wurden durch Unvorsichtigkeit mit einer brennenden Cigarre beide Wagen in Brand gesetzt und vollständig ein Raub der Flammen. Die bedauemswerthe Eigenthümerin, welche wohl freudigen Herzens und in der Hoffnung, sich durch ihre wohleingerichtete Ausstattung in Erbenhausen ein schönes Heim bereiten zu können, aus Arnshain gegangen, war bei dem Unglück zugegen.

Friedberg, 8. Juni. Die gestern im Saalbau abgehaltene Katholikenversammlung war trotz des schlechten Wetters sehr gut besucht.

Friedberg, 8. Juni. Es hat sich in hiesiger Stadt ein neuer Verein unter dem NamenHandwerker-Sterbe--