Ausgabe 
7.7.1891
 
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Nr. 154.__

Dienstaa den 7. Juli

1891

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Amts- und Anzeigeblatt für den Arris Giefzea.

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach 8 10 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Kreis­ausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält.

Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen, dagegen wird der Lauf der gesetzlichen Fristen dadurch nicht unter­brochen.

Gießen, 3. Juli 1891.

Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.

__________________v. Gagern.__________________

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach § 12 des Regulativs vom 26. Febmar 1875 der Pro­vinzialausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. Sep­tember Ferien hält.

Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen.

Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen sind dieselben ohne Einfluß.

Gießen, 3. Juli 1891.

Der Provinzialausschub der Provinz Oberhessen.

v. Gagern, Provinzialdirector.

Gießen, den 1. Juli 1891. Betr.: Ausführung der Feuerlöschordnung.

Das Großherzogliche KreDamt Gießen

«r die Grotzh. Bürgermeiftereterr M Kreises.

Soweit Sie unserer Auflage vom 16. Juni I. I. (An­zeiger Nr. 142) noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an umgehende Erledigung.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Juli. Seit vorigem Samstag weilt das deutsche Kaiser paar nach Beendigung seines dreitägigen glanzumstrahlten Aufenthaltes in Holland auf englischem Boden, womit das erlauchte Paar das zweite Hauptziel seiner gegenwärtigen Sommerreise erreicht hat. Kaiser $

Wilhelm II. ist jetzt zum dritten Male seit seinem Regierungs­antritte in England erschienen, während dies bei der Kaiserin zum ersten Male der Fall ist, so daß der jetzige Aufenthalt der deutschen Majestäten jenseits des Canals gewissermaßen den Antrittsbesuch der deutschen Kaiserin am verwandten Königshofe von England darstellt. Das Ereigniß erhält somit zunächst einen familiären Character, dennoch weist es aber auch einen bedeutsamen politischen Hintergrund aus, denn die neueste englische Reise Wilhelms II. besiegelt auss Neue das so überaus innige Verhältniß zwischen Deutschland und England, wie es sich namentlich seit dem Regierungsantritte des jetzigen Kaisers herausgebildet hat. Sicherlich wird auch der jüngste Besuch des deutschen Herrschers auf englischem Boden ebensowenig irgendwelche politische Abmachungen zeitigen, wie die früheren Besuche des hohen Herrn daselbst, solche sind einfach nach Lage der Verhältnisse nicht zu erwarten. Aber doch bekräftigt das Ereigniß erneut die enge Freundschaft Deutschlands mit dem britischen Jnselreiche und beleuchtet hiermit zugleich in erfreulichster Weise die Stellung Englands zum Dreibunde, besonders nachdem derselbe soeben seine Er­neuerung erfahren hat, und darum begrüßen alle Friedens­freunde den Kaiserbesuch in England als eine abermalige Verstärkung der Bürgschaften für die Erhaltung der Völker­ruhe in Europa.

Berlin, 4. Juli. Die Blätter begleiten die Kaiser- reise nach England mit warmen sympathischen Betrach­tungen. DieNorddeutsche" hebt hervor, die soeben kund gewordene Verlängerung des Dreibundes werde allenthalben als schönstes Geschenk gepriesen, womit der Kaiser das Volk Großbritanniens erfreuen konnte. Heute mehr als je werde die gegenseitige Anerkennung der beiden stammverwandten Nationen, der Deutschen und der Englänoer von dem Bewußt­sein getragen, daß an der Kulturarbeit der Menschheit beide mitzuarbeiten berufen, ohne durch widerstreitende Interessen eine Störung des friedlichen Wetteifers befürchten zu müssen.

DerStaatscourant" im Haag schreibt an­läßlich der Abreise des Kaisers und der Kaiserin von Holland nach England: Der vom deutschen Kaiserpaare dem nieder­ländischen Hofe abgestattete Besuch werde zweifellos dazu beitragen, die guten Beziehungen und die Bande der Freund­schaft, welche seit alter Zeit zwischen den Dynastien und Völkern Niederlands und Deutschlands bestanden hätten, zu erhalten und zu kräftigen.

Berlin, 4. Juli. Die Bischofs-Conferenz in Fulda beginnt am 12. August.

Berlin, 4. Juli. Das Marineverordnungsblatt ver­öffentlicht eine kaiserliche Verordnung über das strasgerichtliche

Verfahren gegen die Militärpersonen der ost afrikanisch en Schutztruppe, welches im Wesentlichen den Vorschriften der preußischen Militär-Strafgerichtsordnung entspricht- ferner eine Verordnung über die Ehrengerichte für die deutschen Offiziere der ostafrikanischen Schutztruppe, entsprechend der Verordnung betreffs der Ehrengerichte für die Marineossiziere vom 2. November 1875, die Anordnung des ehrengerichtlichen Verfahrens über den Commandeur der Schutztruppe steht nur dem Kaiser zu, über den Stabsoffizier nur dem Reichs­kanzler.

München, 4. Juli. Osficiell wird gemeldet: Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhofe Eggolsheim entgleiste die als zweite expedirte Abtheilung des seiner Länge wegen in drei Theilen abgefertigten Berliner Ferien-Extrazuges, aus neun Waggons bestehend, vermuthlich in Folge Unterspülung des Bahngeleises. Frau Dupont aus Berlin oder Magde­burg ist tobt, sechs Personen schwer, sechs leicht verwundet. Der Bahnverkehr ist unterbrochen, der Telegraphenverkehr gestört.

Bamberg, 4. Juli. Der bei Eggolsheim heute früh 7 Uhr entgleiste Berlin -Münchener Sonderzug bestand aus 2 Maschinen, 2 Gepäck- und 15 Personenwagen und führte 350 Personen mit sich. Sofort getödtet wurde Frau Geheimrath Dupont-Berlin, verwundet 14 Personen, welche nach Bamberg ins städtische Krankenhaus befördert wurden- sechs Personenwagen sind total zertrümmert. Der Verkehr Bamberg-Nürnberg ist nur durch Umsteigen möglich. Die Entgleisung wird auf eine Dammrutschung zurückgeführt. Der folgende Sonderzug wurde über Würzburg geleitet.

Bamberg, 4. Juli. Die hiesigeAllgemeine Zeitung" gab ein Extrablatt mit folgendem Inhalt heraus: Heute früh 7 Uhr ereignete sich hier ein gräßliches Eisenbahn­unglück bei Eggolsheim. Der um 7 Uhr hier durchgehende Extrazug München-Berlin verunglückte dadurch, daß am Bahnhofe Eggolsheim die zweite Maschine dieses Vergnügungszuges bei der Ausfahrt aus dem Wechsel entgleiste. Die folgenden Wagen, alle erster und zweiter Klasse, wurden aus dem Geleise geschleudert, theilweise zertrümmert, theilweise erheblich be­schädigt. Bis jetzt zählt man ein todtes älteres Fräulein, sechs sehr schwer Verwundete und vierzehn Verletzte, welche mit dem Sonderzug nach Bamberg geschafft wurden. Von Forchheim, Erlangen und Bamberg traf sofort Hilfspersonal ein, ebenso viele Aerzte, von Eggolsheim und Forchheim die Feuerwehr, von Bamberg die Sanitätskolonne. Die meisten Verletzungen sind Schenkelbrüche, Rippenbrüche und Kopf- contusionen. Die Verwüstung ist gräßlich, die Verbindung nach Nürnberg vorerst unterbrochen. Das Oberbahnamts

Feuilleton.

Der Tsusendmsrkschein.

Von Julius Bergen.

(Fortsetzung.)

Einige Tage mochten aus diese Weise verstrichen sein. Aber immer wiederholte sich des Abends das nämliche Klopfen im Zimmer Nr. 5 und jeden Morgen bezahlte der Graf seine Tagesrechnung mit einem Zwanzigmarkschein.

Der Wirth hatte berechtigterweise angefangen, mißtrauisch zu werden, denn jeder Geldschein, welcher aus der Hand des Grafen gekommen, war auffallend neu, als ob er erst das oberste Finanzbureau verlassen- das seltsame Klopsen im Zlmmer Nr. 5 war allabendlich hörbar gewesen, und der Fremde hatte den Inhalt seiner beiden Koffer, welche sich durch auffallendes Gewicht auszeichneten, durch eine Anzahl complicirter Schlösser der üblichen Dienerneugierde entzogen.

Obwohl der Wirth keinerlei Beweisgründe, als die eben ausgesührten, dafür hatte, bestand er fest auf seiner nun ge­faßten Meinung, daß jener Gras nichts anderes als ein Falschmünzer sei, der ihm schon zum vierten Male einen nach­gemachten Zwanzigmarkschein eingehändigt habe. Und um so mehr wurde seine Ansicht bekräftigt, als am Abend des fünften Tages das dumpfe Klopfen sich wiederum vernehmen ließ und am kommenden Morgen der seltsame Gast seine Rechnung mit einem neuen Zwanzigmarkscheine beglich.

Eine unsagbare Unruhe bemächtigte sich des Wirthes. Kaum hatte sich der Fremde entfernt, so suchte er die fünf neuen Banknoten zusammen, die er glücklicherweise noch nicht verausgabt hatte, und machte sich auf den Weg in das un­weit belegene Central-Wechsel-Geschäft der Hauptstadt. Dort mußte er erfahren, daß die Scheine unecht seien und wollte sofort weitere Schritte gegen den Falschmünzer unternehmen.

Doch kaum war er in den geräumigen Saal eingetreten,

so erblickte er auch schon in einer entlegenem! Ecke des Ge­schäftes, mit dem Ches sich unterhaltend, seinen Gast den Grasen Katuscheff.

Bedauere unendlich, Herrn Grasen augenblicklich damit nicht auswarten zu können."

Mit diesen Worten, die der Wirth deutlich vernehmen konnte, empfahl sich in unterthänigster Art und Weise der Ches des Hauses von dem Fremden, welcher in freundlichen Worten entgegnete:

Thut durchaus nichts zur Sache - wohne ja in nächster Nähe und werde in Kürze meinen Besuch wiederholen."

Graf Katuscheff verließ das Wechselgeschäft, indem er seinen Hotelwirth, den er zufällig zu bemerken schien, mit einem lächelnden Blick streifte. Letzterer war schon an den Inhaber des Geschäfts herangetreten und fragte ihn, ob er den Herrn, der das Haus soeben verlassen, kenne.

Gewiß," sagte er,wenigstens seit einigen Minuten, er nannte sich Graf Katuscheff und wollte einen Tausend­markschein einwechseln - leider habe ich zufällig einen solchen nicht an der Kasse. Uebrigens gab er vor, in Ihrem Hotel zu wohnen. Da werden Sie ihn doch bester kennen."

Natürlich ist mir Graf Katuscheff bekannt, er wohnt bereits seit fünf Tagen da."

Dem Wirth war im Augenblick klar geworden, daß er wohl auf falscher Fährte sei und in Gedanken dem Grafen doch eigentlich großes Unrecht zugefügt habe. Glücklicherweise hatte er sich noch gegen Niemanden geäußert. Wie konnte er auch einen Grafen, der augenscheinlich über große Geld­mittel verfügte, für einen Falschmünzer halten! Jede weitere Unterhaltung über den Fremden vermeidend, fragte er dennoch, um feine Unruhe vollständig zu bannen, in dem Bankgeschäft nach, ob die von ihm vorgezeigten Kaffenscheine ächt wären.

Nach kurzer Untersuchung meinte ein Geschäftsdiener lächelnd:Lassen Sie sich nur recht viele solcher Zwanzig­markscheine schenken, dann geben Sie mir die Hälfte und da können wir beide ganz zufrieden fein."

Kaum war der Wirth, stillvergnügt und innerlich befrie­

digt, im Hotel angelangt, so meldete man ihm, daß ihn der fremde Graf auf seinem Zimmer zu sprechen wünsche.

Graf Katuscheff saß, als der Wirth eintrat, mit über­aus heiterer Miene in der Ecke des Plüschsophas und blies dichte Rauchwolken vor sich hin. Nachdem er letzteren ersucht hatte, neben sich Platz zu nehmen, begann er:

Lieber Freund, Sie sind ohne Zweifel schlau, aber dennoch nicht schlau genug, den Grafen Katuscheff zu über­listen."

Der Wirth, in sichtlicher Verlegenheit, stotterte:Herr Graf, ich bitte . .

Doch jener fuhr in ruhigem Tone fort:Sie waren vor kaum einer Viertelstunde in das Wechselgeschäft gegangen und hielten einige Kassenscheine in der Hand. Gestehen Sie mir, daß es meine Zwanzigmarkscheine waren, jene, mit denen ich Sie alltäglich bezahlt habe. Sie zweifelten an ihrer Echt­heit. Und nun? Man hat Ihnen gesagt, daß es feine falschen seien."

Leichenblässe wechselte mit einer fliegenden Röthe auf dem Gesichte des Wirthes, der sich faßte, um einige Worte der Entgegnung, der Entschuldigung zu stammeln.

Wieder unterbrach ihn der Graf.

Lasten Sie es gut sein, lieber Freund. Ich verstehe Sie, ich habe Sie schnell erkannt. Ich weiß genau, daß Sie dieses Hotel, das durch Ihren Vorgänger in Verruf gekommen war, noch nicht allzu lange besitzen und red­lich zu kämpfen haben. Fürchten Sie nicht, daß ich der be- regten Angelegenheit halber Sie verlassen und um den an und für sich geringen Verdienst bringen werde. Im Gegen- theil! Ich habe Sie als einen aufmerksamen Mann lieb­gewonnen. Seien Sie mein Freund. Zwei Kräfte ver- mögen mehr, als nur eine - reichen Sie mir Ihre Hand und in wenig Monaten sind Sie ein reicher Mann."

(Schluß folgt.)