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intern er erwähnte, Sc. Majestät der Kaiser habe ihn an eine andere Stelle versetzt, als Soldat gehorche er, ohne zu fragen warum.

Berlin, 5. Februar. Der deutsche Landwirthschafts- rath erklärte es mit 24 gegen 23 Stimmen für unthunlich, zum Reichsheimstättengesetzentwurs Stellung zu nehmen, weil es zweifelhaft sei, ob die Reichsgesetzgebung völlig zuständig sei und eine vorgängige Klärung der bestehenden Rechtsver­hältnisse sowie die Ermittelung der Bedürfnißfrage für das ganze Reichsgebiet oder Theile desselben angezeigt scheine.

Berlin, 5. Februar. Aus Moskau wird gemeldet: Das Katharinen-Hospital für Kinder ist vollständig nieder­gebrannt. Neun Kinder sind in den Flammen umgekommen. Biele haben schwere Körperverletzungen davongetragen.

Hamburg, 5. Februar. DerHamb. Börsenhalle" zu­folge genehmigte der Reichskanzler den Verkauf eines Theils der der Deutschen Colonialgesellschast für Südwestafrika gehörenden Ländereien an eine nach Gesetz vom 15. März 1888 mit dem Sitze in Hamburg zu begründende neue Colonialgesellschaft. Das Capital der letzteren beträgt zwanzig Millionen Mark.

Wien, 5. Februar. Die officiösePresse^ hält den Tariskrieg zwischen Oesterreich und Ungarn für beendigt, da zweifellos, wenn die Forderung Deutschlands auf tarifarische Gleichstellung mit den ungarischen Provenienzen acceptirt würde, dies auch Oesterreich gegenüber gelten müsie.

Wien, 5. Februar. DasFremdenblatt" erklärt neuer­lich, die Petersburger Reise des Erzherzogs Franz Ferdinand sei ein erfreuliches Symptom. Von einer politischen Mission dabei zu sprechen, sei allerdings unrichtig. Die Friedensliebe des Czaren ist hier ebenso bekannt, wie er von der Friedlichkeit der österreichischen Absichten überzeugt sein muß. Das deutsch-österreichische Bündniß, der feste Wille Lcr Alliirten, den Frieden zu erhalten, und die selbstlose Orientpolirik Oesterreichs bilden ebenso bestimmte politische Factoren, wie die Friedensliebe des Czaren. Aber die Reise des Kaisers Wilhelm nach Narwa, die Reise des Erzherzogs Franz Ferdinand und der jüngste Ausenthalt des Großfürsten Nikolaus hätten alle großen symptomatischen Werth.

Paris, 5. Februar. Der Ministerrath beendete die Prüfung des Budgets für 1892. Die Einnahmen sind um 32 Millionen niedriger veranschlagt, wegen Aufhebung der Abgabe für Eilzug-Beförderung, und die Ausgaben um 40 Millionen höher eingesetzt, wegen Einsührung der drei­jährigen Dienstzeit. Die Ausgaben-Erhöhung wird durch höhere Veranschlagung der Zolleinnahmen compensirt.

Rom, 5. Februar. Der König hat betreffs der Cabi- netskrisis bisher noch keinen Beschluß gefaßt. Er con- ferirte heute mit dem Generalstabschef wegen militärischer Ersparungen. Die Blätter stellen die Combinationen Rudini- Saracco-Nicotera und Zanardelli-Brin-Giolitti einander gegen­über. DerOsjervatore Romano" meint, ein Cabinet Rudmi- Saracco werde sich der Kammer mit einem Programm über militärische Ersparungen und Rückkehr zum Einzelwahlsystem vorstellen.

Rom, 5. Februar. Gutem Vernehmen nach hat der König noch keinen Entschluß über die Bildung des Cabi- n ets gefaßt, noch Jemand damit beauftragt. Unterredungen, welche der König mit dem Kriegsminister und dem Marine- minister hatte, bezogen sich lediglich auf Ersparnisse in beiden Ressorts.

Madrid, 5. Februar. Die Wahlergebnisse werden jetzt folgendermaßen angegeben: 289 Conservative, 12 Re- sormirte, 9 liberale Dessidenten, 7 Carlisten, 5 Unabhängige, 2 republikanische Autonomsten von den Antillen, 25 Re­publikaner in Spanien, 89 Liberale in Spanien und 6 in Kuba.

Lissabon, 5. Februar. Nachrichten aus O p o r t o zufolge beginnen die Kriegsgerichte an Bord der Kriegsschiffe auf der dortigen Rhede ihre Thätigkeit am nächsten Montag.

Petersburg, 5. Februar. Die französische Mili­tär-Commission besuchte gestern die Constantin-Kriegs­schule und machte sich eingehend mit der Art des Unterrichts in allen Fächern bekannt.

Koustautinopel, 5. Februar. Ein Jrade des Sultans sanctionirt das zwischen der Pforte und der Patriarchats- Commission vereinbarte Abkommen zur Regelung der Patri­archatsfrage. Der Patriarchatsrath hat von dem die Bestallung des Patriarchen Phanar betreffenden ministeriellen Erlaß Kenntniß genommen und wählte eine Commission, mit dem Auftrage, den Patriarchen Phanar wieder einzusühren.

totales un- OesVinzreWes.

Gießen, 6. Februar.

Sitzung der Stadtverordneten vom 5. Februar. An­wesend : Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Langsdorfs, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Georgi, Grüneberg, Habenicht, Heyligenstädt, Hom- berger, Jughardt, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Schmall, Schopbach, Simon, Dr. Thaer und Wallenfels. Von dem Eingänge eines Dankschreibens desAllgemeinen Vereins für Armen- uno Krankenpflege" für die auf Gesuch desselben bewilligte Ausstellung einer Laterne am Eingang zum Schwestern- hause (Lonystraße) gibt Herr Oberbürgermeister Gnauth der Versammlung Kenntniß, und berichtet sodann über den am 2. Februar in Offenbach a. M. abgehalrenen hessischen Städtetag. Diese zum zweiten Male zusammengetretene neugeschaffene Institution soll lediglich der Wahrnehmung der Interessen der betheiligten hessischen Städte, in denen die Städteordnung eingesührt ist, und zum Austausch von Meinungen und Besprechungen über Gemeinde-Angelegenheiten dienen, auch abwechselnd in den betheiligten Städten unter Vorsitz des jeweiligen Bürgermeisters stattfinden. Ueber die Verhandlungen des Städtetages selbst ist mitzutheilen, daß bezüglich des 1. Punktes des Tagesordnung: dieGehalts­verhältnisse des Lehrer" mehrsach auf die Verhältnisse in Gießen hingewiesen und dieselben als mustergiltjg erwähnt

wurden, weshalb von den verschiedenen im Lande zu ver­zeichnenden Eingaben der Lehrer Gießen unberührt blieb. Das Gesuch der Lehrer um Anrechnung ihrer auswärts ver­brachten Dienstzeit bei Antritt eines Lehramtes in einer andern Gemeinde wurde, wenn auch als an und für sich gerechtfertigt erachtet, doch als zur Zeit für nicht annehmbar- erklärt - es könne dies nur nach vorhergehender Gesetzes­änderung, die den Städten bezw. Gemeinden einen entscheidenden Einfluß bei der Neubesetzung von Lehrerstellen sichere, ge­schehen. Ueber Punkt 2 der Tagesordnung:Befreiung der un ter st en Steuerklassen von der Gemeinde­steuer" wurde ein besonderer Beschluß nicht gesüßt, es erklärten indeß fast einstimmig die Vertreter der betheiligten Städte ihr Einverständniß mit dem von der Stadt Mainz gestellten Anträge. Der Vorbehalt, daß die aus Grund dieses Antrages ' von der Entrichtung der Steuer befreiten Steuerpflichtigen im Besitze des Wahlrechts verbleiben sollten, habe nicht viel zu bedeuten, denn von den ins Auge gefaßten niedersten Stufen seien überhaupt kaum 10 %, weil meistens Frauen und Minderjährige, wahlberechtigt. Bezüglich des 3. Punktes der Tagesordnung:Fürsorge für Irr­sinnige" erklärte es der Städtetag für wünschenswerth, daß auf diesem Gebiete möglichst eine Decentralisation, bezw. eine Vermehrung der Irrenanstalten und Verkeilung derselben aus die drei Provinzen stattfinde. Man erachtete deshalb die bereits bewilligte eine Million zur Erweiterung des Landes­hospitals Hofheim für genügend und sprach sich dahin aus, daß eine weitere zu gleichem Zweck vorgesehene Million zum Bau einer neuen Jrrenpflegeanstalt, womöglich in Oberhessen, verwendet werden möge. Der Voranschlag der Stadt Gießen für 1891/92 wird der Finanz-Deputation zur Vorprüfung und Antragstellung überwiesen. Das Gesuch des Herrn I. L. Hartmann (Rud. Schlabachs Nachf.) um Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein über die Straße wird befürwortet, desgleichen die Gesuche von Christian Holzel (Wirthschastzum Löwen") und Heinrich Benner (Wirthschast von Johs. Sick am Hamm) um Ertheilung der Wirthschafts-Coneession. Der Voranschlag über die sach­lichen Bedürfnisse der Volksschulen für 1891/92 wird gut geheißen, unter spezieller Bewilligung von 300 Mk. zur Beschaffung einer Handbibliothek für die Lehrer. Das Gesuch des Herrn P. Jmmel am pachtweise Ueberlassung städtischen Geländes wird nicht genehmigt. Gesuchsteller be­absichtigt, ein zwischen seiner Sandgrube an der Liebigshöhe und dem Mittelweg liegendes, früher als Abfuhrweg be­nutztes Geländestück zu pachten, um dasselbe wieder als Abfuhrweg zu benutzen. Als Grund für ihren ablehnenden Antrag hat die Bau-Deputation angeführt, daß der Mittel­weg eine Benutzung durch schweres Fuhrwerk ohne Chaussirung, zu deren Ausführung auf eigene Kosten Gefuchsteller sich wohl schwerlich entschließen werde, nicht vertrage, der Gefuch­steller sich auch leicht einen Anschlußweg nach dem alten Rödgener Weg anlegen könne. Das Gesuch des Herrn Ingenieur Koch um Erlaubniß zur Errichtung eines Ziegel­ringofens zwischen der Oberhessischen Eisenbahn und dem Schiffenberger Walde soll mit Rücksicht auf die isolirte Lage des Werkes befürwortet werden, ohne daß daraus der Stadt die Verpflichtung zur Anlage und Erhaltung der Zufuhrwege erwächst. Gleichzeitig soll dem Gesuchsteller die Verlegung eines Feldweges in der Nähe seiner Dampfziegelei und Be­nutzung des alten Feldweges zu einer Geleisanlage gestattet werden. Die Anlage eines Verbindungsweges zwischen der Ziegelei und der Kreisstraße nach Steinberg soll Herrn Koch ebenfalls gestaltet werden, sofern er sich zur Erwerbung des hierzu uöthigen Geländes zum Preise von 2 Mk. 50 Pf. pro lHKlafter, Ersatz der entstehenden Kosten und Errichtung einer Einfriedigung des Wasenplatzes längs der neuen Weg­strecke versteht. Dem Pächter des Wa l t h e r'schen Hauses war mit Rücksicht aus die bevorstehende Niederlegung der Hofraithe zum 1. Januar d. I. gekündigt worden. Pächter (Herr Schmiedemeister Lindenstruth) hat um Belassung in seinem Pachtverhältniß bis 1. Februar d. I. nachgesucht, da der von ihm erworbene Theil der Lotz'schen Besitzung am Tiefenweg noch nicht bezogen werden könne. Es wird mit Rücksicht darauf, daß über die Verwendung des Platzes der Walther'schen Hofraithe in allernächster Zeit ein bestimmter Plan nicht ausgearbeitet werden kann, beschlossen, dem Gesuche stattzugeben. Herr Franz Nolte, welchem im Jahre 1887 ein Stück Gelände in der Nähe der neuen Kaserne pachtweise überlassen wurde, hat um käufliche Ueber­lassung deffelben nachgesucht, um sich den Besitz eines auf genanntem Grundstück errichteten Hauses zu sichern. Die Bau-Deputation hat Ablehnung des Gesuches beantragt, da­gegen empfohlen, das seither bestandene Pachtverhältniß noch auf einige Jahre zu verlängern. Es wird beschlossen, das Gesuch an die Deputation behufs Festsetzung des Kaufpreises zurückzuverweisen. Gegenüber den bei der Baufluchtlinie für den Tiesenweg von Gr. Ministerium erhobenen Ein­wendungen wird beschlossen, aus der von der Stadtverordneten- Versammlung früher festgesetzten Linie zu beharren. Der auf Veranlassung des Herrn Schmall in einer früheren Sitzung gefaßte Beschluß, die Pumpe vor dem Gail'schen Hause in der Neustadt event. durch einen Ventilbrunnen der Wasserleitung zu ersetzen, hat zunächst Veranlassung gegeben, das Wasser dieses Brunnens einer Untersuchung hinsichtlich seiner Bestandtheile zu unterziehen. Als zulässigste Maximalgrenze des Gehaltes eines zum Genuß bestimmten Wassers sind 5 Theile organischer Substanzen bezw. 50 Theile Abdampfungsrückstand unter 100 000 Theilen Wasser angenommen, die Untersuchung des betr. Brunnens hat 2,3 Theile organischer Substanzen und 47,3 Theile Abdampfungsrückstände ergeben. Gegenüber den Untersuchungsresultaten der übrigen Brunnen kann das Wasser des genannten Brunnens immer noch als das beste bezeichnet werden. Es würde ganz unverdächtig sein, wenn festgestellt würde, daß der Gehalt an. Ammoniak nicht aus Zuflüssen, sondern aus dem Boden selbst bestehe. Auf Grund dieses Ergebnisses wird beschlossen, den betr. Brunnen vorläufig offen zn lassen. Ueber den letzten

Gegenstand der Tagesordnung : Reinigung der Straßen von Schnee und Eis, theilt Herr Oberbürgermeister Gnauth die bei dem letzten Schneefall hinsichtlich des Entfernens deS Schnees aus den Straßen gemachten Erfahrungen mit Da­nach liegt ein Anlaß nicht vor, in der seitherigen Praxis eine Aenderung eintreten zu lassen, und soll dementsprechend auch beibehalten werden die Verpflichtung der Angrenzer zur Nei­gung der Trottoirs bei Schneefall; ferner die Entfernung des Schnees aus der Altstadt unter Belassung einer Schlittenbahn, wogegen in den Straßen der Außenstadt der Schnee lediglich zwischen Fahrbahn und Trottoir aufgeschichtet werden soll. Weiter wird beschlossen, daß das Wegfahren des von den Trottoirs entfernten Eises jederzeit durch die Stadt zu erfolgen und die polizeiliche Aufforderung zum Aufeisen der Trottoirs erst nach Benehmen mit der Bürgermeisterei zu geschehen hat. Der letztere Beschluß wurde infolge Anregung des Herrn Dr. Thaer gefaßt, welcher es als durchaus nothwendig bezeichnete, daß das Aufeisen der Trottoirs von sachverstän­diger Seite angeordnet werde und nicht von den Schutzleuten. Es sei nicht möglich, nach einer so strengen und dauernden Kälte, wie die heurige, sofort das Eis von den Trottoirs zu entfernen, wenn es zu thauen beginne. Ueber die von Herrn Heyligenstaedt angeregte Anschaffung eines weiteren Schneeschlittens soll der Baudeputation Vorlage gemacht werden.

Gießener Theater-Vereiu. Unter den zahlreichen Freunden, die sich der Theater-Verein während der kurzen Zeit seines Bestehens erworben hat, sind hie und da Stim­men laut geworden, die einestheils in den Vorstellungen das klassische Element vorherrschend, anderntheils in jugendlichem Ueberdrang eine Filiale der freien Bühne hier errichtet wisse» wollen. Die Leitung des Vereins wird bemüht bleiben, allen Parteien gerecht zu werden, allein man bedenke, daß es, nach­dem die ersten Schwierigkeiten überwunden waren, vor allen Dingen daraus ankam, bedeutende Kräfte heranzuziehen, und daß der Verein nur durch die bereitwillige Unterstützung der erlesenen Frankfurter Künstlerschaar in der Lage war, seine idealen Bestrebungen zu verwirklichen. Der Erfolg des zwei­ten Spiel-Abends war gleich dem ersten ein ausgezeichneter. Den Anfang machte Wilhelm Jordans geistreiches Lustspiel Durch's Ohr".Dies Stück," sagt der Dichter in, seiner Vorrede,hat sich sehr langsam, nämlich im Lause von 13 Jahren, dafür aber dauernd siegreich die Mehrzahl der in Betracht kommenden Bühnen erobert, auf den bessere» dauernd eingebürgert.Durch's Ohr" verdankt seine be­währte Gestalt beträchtlichen Aenderungen, die ich bei der Leitung mehrerer Einstudirungen als nothwendig erkannte. Von den glücklichsten Wendungen und Scherzen habe ich meh­rere am Souffleurkasten niederknieend in's Theaterbuch ein­geschaltet." Während alle großen Theater das Stück in ihr Repertoir aufnahmen,fand das oft ausgesprochene Verlange» der Einwohnerschaft von Frankfurt nach dem auswärts be­rühmt gewordenenDurch's Ohr" nur taube Ohren." Erft Emil Claar brachte das Lustspiel zur Aufführung.Ich be­nutze die Gelegenheit," sagt Jordan in der Vorrede zur 4. Auflage,meinen Dank öffentlich auszusprechen, sowohl den hochbegabten und fleißigen Darstellern, Herren Stägemann und E. Schneider und den Fräulein Gündel und Weiße, als namentlich auch dem Intendanten Herrn E. Claar, unter dessen so umsichtiger als energischer Leitung unser Theater einen verheißungsvollen Anlauf genommen hat." Die Dar­stellung des Stückes ist angesichts des eigenartigen Dialoges und der gebundenen Rede, in der das Lustspiel geschrieben ist, unverkennbar schwierig, gestern war die Wiedergabe ge­radezu mustergültig. Die Rollen lagen in den bewährte» Händen der Damen Gündel und Minow, der Herren Wallner und Hosmann. Fräulein Gündels Spiel ist vornehm, allein sie weiß auch Herzenstöne zu finden und die Ueberlegenheit, mit der sie zu characterisiren versteht, gibt ihrer Kunst die Reise. Wenn Fräulein Johanna Minow zum drittenmal nach Lahn-Athen pilgert, werden die besonnen­sten Leute für sie zu schwärmen anfangen. Die Künstlerin hat gestern wieder gezeigt, daß Anmuth und Naturwahrheit ohne übertriebene Kunstmittel einen großen Erfolg be­siegeln können. Die Herren Wallner (Heinrich) und Hof­mann (Robert) waren ihrer Aufgabe in jeder Hinsicht ge­wachsen, ihr Zusammenspiel war fein durchdacht und dem geistreich-prickelnden Ton des Lustspiels angepaßt.

Es ist eine Ehrenpflicht der Kritik, Frau Hermine Claar-Delia den Kranz zu reichen. In dem Dramolet von E. MautnerEine Mutter vor Gericht" hat sie das athemlos lauschende Auditorium nicht gerührt, sondern er­schüttert. In dieser meisterhaft vorgetragenen Scene war jedes Wort Empfindung, jede Bewegung Natur, es war eine Kunst, wie sie nur die vollendete Meisterschaft offenbaren kann.

Herr Intendant Claar hat unerachtet seiner angestreng­ten amtlichen Thätigkeit noch Zeit gesunden, ftch in der Lite­ratur einen Namen zu erwerben. Seine Gedichte gehöre» zur Gattung der vornehmen Lyrik und seine zahlreiche» dramatischen Arbeiten sind auf allen großen Bühnen geschätzt. Der gestrige Abend machte uns mit Claars liebenswürdigem LustspielSimson und Delila" bekannt. Die Idee, die dem Stück zu Grunde liegt, ist originell, der Dialog ist durchaus gewandt. Die Darstellung durch die Damen Claar- Delia, Eichenberg und Herrn Wallner war eine vor­zügliche. Frau Claar-Delia (Helene) war unerreicht - uns scheint die Größe ihrer Kunst darin zu liegen, daß sie die gewöhnlichen Effecte vollkommen verschmäht und mit den einsachsten Mitteln die größte Wirkung her­vorzubringen vermag. Die Rolle des Hypolit war durch Herrn Wallner sehr gut vertreten und Fräulein Eich en berg (Helene) hat sich so vortheilhaft hier eingesührt, daß wir nur wünschen können, die geschätzte Künstlerin bald wieder in Gießen zu sehen. Auch diesmal war Herr In­tendant Claar so gefällig, die Vorstellung persönlich i» leiten und zu überwachen.

Bei der am 4. d. Mts. stattgehabten Neuwahl dcs Vorstandes des Krieger-Vereins Gießen wurden gewählt: als