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Vorsitzender Herr Postsecretär Mayer, als Stellvertreter- Herr Kaufmann Pi stör und als Kassier Herr Kaufmann Dort. Als Ausschußmitglieder wurden gewählt: die Herren Hausverwalter Dietz, Kaufmann Flimm, Werkmeister vrüneberg, Verwalter Keller, Steuercommiffariats- Sehülse Möbus, Rathsdiener Ochs, Stations-Assistent Schad, Spenglermeister Schneider.

Das Hk»kn btt Kettknhundr im Winter.

De« einigermaßen aufmerksamen Beobachter wird es nicht entgangen sein, daß gerade die Kettenhunde, diese treuen Wächter des Hauses, gar häufig von unbarmherzigen Be­sitzern schlecht behandelt werden, denn er wird namentlich in Beziehung der Hundehütten wahrgenommen haben, daß viele derselben sich in einem höchst mangelhaften Zustande befinden. Oftmals sieht man einen aus dünnen Brettern zusammengenagelten Kasten, in dem sich große Risse befinden, durch welche Regen, Schnee und Wind massenhaft eindringen können, dem Kettenhund zur Wohnung angewiesen. Die be- dauernswerthen Geschöpfe, denen die Kette die Freiheit geraubt hat, finden oftmals darin eine recht schlechte, harte, mitunter alte Unterlage, bei welcher an eine Erwärmung des vor Frost starrenden Körpers gar nicht zu denken ist, und alle Menschen, die ein fühlendes Herz für die leidende Thierwelt haben, müssen darauf bedacht sein, daß in diesem Punkte Abhilfe geschaffen wird. Da leider die Gesetzgebung die auf diese Weise gequälten Thiere nicht schützt, so muß sich die öffent­liche Meinung gegen diese traurigen Wahrnehmungen empören und gebieterisch verlangen, daß den Kettenhunden Wohnstätten eingerichtet werden, in denen sie vor dem Unwetter einiger­maßen Schutz finden. Wir fordern doch wohl nicht zu viel, wenn wir aus dicken Brettern gutgebaute, geräumige, öfters mit frischem Stroh reichlich gefüllte Hütten verlangen, denn nur solche sind im Stande, im Winter die Leiden des ge­quälten Thieres abzuschwächen. Bester und wünschenswerth ist es freilich, wenn die Hundehütte bei allen kalten Winter- tageu in einem warmen Stalle oder an einem sonst geeig­neten Platze untergebracht wäre. Anstatt dasür Sorge zu tragen, wird der arme, vielleicht auch durch Hunger geplagte Hund, wenn er seine Leiden durch gräßliches Heulen kund­gibt, oftmals noch durch kräftige Peitschenhiebe zur Ruhe verwiesen, waS doch gewiß eine unverdiente abscheuliche Be­handlung ist.

Schließlich bemerken wir noch mit Vergnügen, daß wir auch eine ziemliche Anzahl wohlverwahrter Hundehütten gesehen haben, denn dieselben waren von allen Seiten mit dichten Decken behängt, im Innern sehr reichlich mit Heu und Stroh ausgesüttert und der Eingang war so weit zugenagelt, daß -em Hunde nur ein kleiner Raum zum Einschlüpfen übrig blieb.

Möchte doch diese kleine Notiz Veranlassung geben, das bittere Loos der armen Kettenhunde zu erleichtern, was ja schon geschieht, wenn aus den Bau der Hütten etwas mehr Sorgfalt verwendet wird und wenn denselben namentlich im Winter die Portionen des Futters etwas reichlicher zugemesten werden. H. Curschmann.

Vermißtes.

*tt Do« der Rhon, 5. Februar. Vatermord. In Herdathurm bei Tann a. d. Rhön wurde vor einigen Tagen der Oeconom Jung in einer Scheune mit zerschmettertem Schädel tobt aufgesunden. Bei gerichtlicher Untersuchung

deS ThatbestandeS ergab sich, daß Jung nicht verunglückt, wie man zuerst glauben machen wollte, sondern vorsätzlich umgebracht worden ist. Als der fürchterlichen Mordthat dringend verdächtig ist der 24 Jahre alte Stiefsohn deS Jung verhaftet und in das Gefängniß zu Hilders trans- portirt worden.

* Bielefeld, 4. Februar. Der älteste MannDeutsch- lands, der Rentner Marcus Jordan zu Bielefeld, ist heute Morgen zur letzten Ruhe eingegangen. Der Ent­schlafene, der bis auf wenige Tage vor seinem Tode sich einer bewundernswerthen körperlichen und geistigen Frische erfreute, stand im 112. Lebensjahre. Er war im Jahre 1779 geboren.

* Auch ein Uufallinvalide. In der Secrion II (Bochum) der deutschen Knappschasts - Berufsgenossenschast errang ge­legentlich einer von mehreren Turnvereinen veranstalteten Sedanseier am 7. September 1890 ein Mann im Preis- Ringen den zweiten Preis, welcher wegen früher er­littener Brustquetschung aus Grund eines ärztlichen Attestes vom 9. August 1890 eine Rente bezog.

Universität»»Nachrichten.

Wie aus Straßburg geschrieben wird, hat der Privat- docent in der dortigen naturwissenschaftlichen Facultät, Herr Dr. Wortmann, einen Nus als Director der pflanzenphysiologischen Versuchsstation der Lehranstalt für Obst- und Weinbau zu Geisenheim erhalten und wird demselben Folge leisten.

In der Geschichte der Univerfität Greifswald ist der Tägl. Rundschau" zufolge ein seltenes Ereigniß zu verzeichnen. Dem derzeitigen Rector Professor Dr. Reifferscheid ist ein Sohn geboren, welchen sein Vater, altem Herkommen gemäß, sofort imma- Iriculiren lassen darf.

In Dorpat ist der ordentliche Profeffor der physikalischen Geographie und Meteorologie Dr. Karl Weihrauch gestorben.

Der außerordentliche Professor in der theologischen Facultät zu Königsberg Dr. August Dörner ist zum außerordentlichen Pro­fessor daselbst und der Bibliothekar der Paulini'schen Bibliothek zu Münster, Dr. Karl Gerhard, zum Bibliothekar der Königlichen und Universitäts-Bibliothek zu Königsberg ernannt worden.

Verkehr, Land- und Vo!ks«rLmyzchast.

S Ober-Ohmerr, 5. Februar. Eine günstigere Gelegenheit zur wirksamen Vertilgung bezw. Verminderung der in hiesiger Gegend thatsächlichen Uebcrzahl von Raben bietet wohl keine Zett und kein Ort als gegenwärtig der unserige. Schon seit langer Zeit bildet unser Ort und seine Umgebung der Hauptsammelplatz aller Raben der stundenweiten Umgegend. Wie ungemein zahlreich sie vorhanden, das zeigt das erstaunlich große Rabenheer, das allabendlich sich hier sein Stelldichein gibt. Dämmert der Abend, dann kommen sie heran- gezogen in kleinen Trupps und größeren Schwärmen aus allen Himmelsgegenden, bis der ganze Schwarm, viele Tausende von Raben zählend, zusammen ist. Ein sinnbetäubendes Geschrei erfüllt oft die Lust und man hält neben dem gewöhnlichenRabenschretzauch das Bellen des Kolkraben und den kurzen Ruf der Dohle. Mithin sind in dem Rabenheer alle Repräsentanten der gemeinen Raben­familie vertreten. Läßt sich das Rabenheer auf die nahen Wiesen nieder, dann erblickt man unzählig schwärzliches Gewimmel. Nachts campiren sie in dem unmittelbar an das Dorf schließenden Wäldchen Kirchberg, ein Theil benützt aber oft auch das Dach und den Thurm der Kirche zum Nachtlager. Graut der Morgen, dann thetlt sich der Rabenschwarm und zerstiebt, wie er am Abend gekommen, unter Geschrei nach allen Richtungen. Vom Spätherbst bis zum Anbruch des Frühjahrs, dem Beginn der Paarungszeit, dauert dieses Treiben. Unterbrechung erleidet es nur, wenn der Schnee geschlossen die Erde bedeckt und der Frost feste Brücken über die Bäche schlägt. Dann stellen die Raben sich nur vereinzelt ein und schweigsam kommen und gehen sie wieder. Jetzt aber, wo milde Witterung eingetreten, ver­säumt kein Rabe den Sammelplatz. Und jetzt wäre die günstige Gelegenheit, mit Erfolg unter ihnen aufzuräumen. Uns wundert es nur, daß bisher noch hier gar nichts zu ihrer Verminderung geschehen ist, wiewohl man doch in anderen Gegenden alles Mögliche hierfür aufbietet. So hat man mit ersichtlichem Erfolg in Rheinhessen die

Ueberzahl der Raben bekämpft und auch in oberhesfischen Kreisen geschah im letzten Frühling die Aufforderung zur Vertilgung der rabenartigen Vögel durch Aushebung der Nester und Abschiehen der Raben selbst. Wir betonen nochmals, erfolgreicher als wie hier, wo viele Tausende von Raben zusammen kommen, kann aber wohl nicht leicht ihre Ueberzahl vermindert werden. Wir wollen der gänzlichen Vertilgung der Raben das Wort nicht reden, aber betonen wollen wir, daß ihre Verminderung im Interesse der Landwirthschaft durchaus geboten ist. Alljährlich häufen sich zur Zeit der Ernte die Klagen der Landwirthe über den großen Schaben, welchen die'Raben den Getreidefeldern zufügen. Die Ernte ganzer Gerste- und Weizen- äcker vernichten sie. Daneben schaden sie, wenn auch nicht so evident, noch empfindsamer der Landwirthschaft durch Plünderung der Vogel­nester. Man sehe sich doch einmal aufmerksam in unserer Gegend nach der Anzahl der nützlichen Vögel um und man wird finden, daß sie seit einer Reihe von Jahren in demselben Maße abgenommen, als das Rabenheer sich vermehrt hat. Wenn diese Zeilen dazu bei­tragen, daß man hier dem Nabenheer energisch zu Leibe rückt, dann ist ihr Zweck erfüllt.

Ei« fauler Apfel steckt den ander« an. Wir erinnern unsere werthen Leser deshalb daran, ja nicht zu vergessen, täglich den Obftoorrath durchzusehen und Früchte, die Stellen bekommen, sofort zu verbrauchen. Das Ptlzmycel verbreitet sich schnell im Fruchtfleisch und ruft hier in kurzer Zett Zersetzungserscheinungen hervor.

Bei den jetzigen Ihenren Eaffeepreife« wird jede Haus­frau gerne vernehmen, bah in der nach einem neuen besonderen Verfahren zuberetteten Pfeiffer & Diller'S Kaffee-Essenz in Dosen ein Ersatz geboten ist, welcher es ermöglicht, eine billige und gute, dabet gefnnde Tasse Kaffee herzuftellen, wie man sie gerne wünscht, voll und kräftig von Geschmack und schön in Farbe. Diese vor­zügliche, mit der goldenen Medaille preisgekrönte Kaffee-Effenr, welche sich überall, wo dieselbe bekannt ist, einer großen Belieothett bet dem consumtrenden Publikum erfreut, tft in den meisten Colonial- waarengeschäften erhältlich, doch Vorsicht beim Einkauf zu empfehlm und besonders genau auf die Firma zu achten, da viele minder- werthtge Nachahmungen im Verkehr sind.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Sonntag Estomihi, 8. Februar:

Vormittags 91/» Uhr: Pfarrer Schlosser.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Kinderkirche Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Bibelftunde am Montag den 9. Februar, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderschule; Hebräerbrief, Kap. 1: Christus der Gottes­sohn erhaben über die Propheten und die Engel. Pfarrer Dr. Nau­mann.

1. Passionsandacht am Mittwoch den 11. Febr., Abends 6 Uhr, in der Kirche: Pfarrer Dr. Naumann.

Am Sonntag Jnvocavit, den 1b. Februar, Beichte und hei­liges Abendmahl im Abendgottesdienst.

Die Pfarrgeichäfte in der Woche vom 8. bis 14. Februar besorgt Pfarrer Schlosser.

Katholische Gemeinde.

Sonntag Quinqugesimä, 8. Februar:

Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.

Sonntag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um Vi7 Uhr Austheilung der hl. Communion; um V28 Uhr Früh­messe; um 8A10 Uhr Hochamt mtt Predigt. Nachmittags um Va» Uhr Christenlehre und Andacht.

Mittwoch: Morgens um 7 Uhr Aschenweihe. Abends um 6 Uhr Fastenandacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Samstag, 7. Februar.

Freitag Abend 4" Uhr, Samstag Morgen 8* Uhr, Samstag Mittag 3°° Uhr, Samstag Abend 5" Uhr.

Oberh. Verein für Innere Mission.

Bei der heute in Gegenwart des Herrn Polizeiraths Fresenius vor­genommenen Ausloosuug der Schuldscheine der Herberge zur Hriwath in Gießen wurden folgende Schuldscheine

zur Rückzahlung am 1. März 1891

bestimmt:

I. Von Serie B. zu JL 200: Rr. 6. 35. 65. 110. 137.

II. Von Serie A. zu «4L 50: Nr. 2. 6. 21. 32. 44. 51. 78. 91. 108, 117. 135. 136. 147. 174. 176. 182. 185. 202. 219. 227.

Die Auszahlung erfolgt bei dem Bankhause A. Heichelheim in Gießen. 847

Gießen, den 23. October 1890. Der Vorstand.

Knußoerein für das GroHerWthunl Mu.

Ausstellung von Oelgemälden im alten Hofgerichtsgebäude (Brand).

Täglich geöffnet von 111 Uhr.

Die Mitglieder des Kunstvereins mit ihren Familien an gehörigen haben gegen Vorzeigung der Mitgliedskarten freien Zutritt zu der Ausstellung.

Für Nichtmitglieder beträgt der Eintrittspreis 50 H.

Eine Liste zum Einschreiben von Beitrittserklärungen liegt offen.

*8_______________________Der Ausschuß

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