amstag dm 7. Februar
Nr. 32
1891
Gießener Anzeiger
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do« Anzeigen zu der !XacorvittagS für den fokg^den Laa erscheinenden flhitiimer bis Bonn. 10 Uhr.
ist auch da und Deinem Gretchen Anwesenheit auch
Reihe sehr ernster Bedenken gegen den Vorschlag des Freundes, denn er hatte nie in seinem Leben eine Maskerade besucht, und das Herz klapste ihm bei dem Gedanken, wie er sich in irgend einem phantastischen Costüm ausnehmeu und bewegen würde. Aber der Assessor ließ ihm gar nicht Zeit, seine bänglichen Einwendungen vorzubringen, und die Stimme der Liebe war es, welche seine Ueberrednngskunst mächtig urtter-
Dte Gießener W«»itte«AtLtter »Oben dem Anzeiger SschrnUich dreimal dägelegt.
Hüller,
Amts- ttttb Airzeigeblatt für den Weis
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Sonntag den 8. Februar l. Z., Nachmittags 21/, Uhr, Lang Göns halten wird.
Gießen, den 5. Februar 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
ÄLe Ännencen-Bureanr bt-S Jn^ mti) AuLlande- etbrwä Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgegen.
Der
Hte-euer -«zeiger erscheint täglich, mit Ausnahme beS Montags.
findet. Der Stadtrath mit seinen Damen unter der schützenden Larve kannst Du Dich nähern, ohne daß Tante Dorette Deine nur zu ahnen braucht."
Doctor Emmerich Mertelmann hatte
haben wir die (Kolonie in die Verwaltung des Reichs genommen, weil selbst nach der Anficht der ostafrikanischen Gesellschaft ohne diese Uebernahme durch das Reich nichts erzielt worden wäre. Die Schutztruppe darf nicht verringert, wohl aber in ihrer Organisation um- gestallet werden, der Offijiersbestand muß verringert werden. DaS Schicksal der Offiziere liegt der Regierung am Herzen. In absehbarer Zeit werden die Einnahmen Ostafrikas die Verwaltungskosten decken. Freiherr v. Soden hätte den Gouverneurposten nicht übernommen, wenn er nicht an die Zukunft des Schutzgebietes glaubte. Wtßmann und Emin bleiben hoffentlich im Dienste Ostafrikas, es ist Raum genug für ein unabhängiges Nebeneinanderarbeiten; selbstverständlich muß Soden die Oberleitung haben. Wir hoffen, den colonialen Besitz zum Wohle des Reiches zu fördern.
Richter (dfr.): Der Entrüstungssturm, den der Reichskanzler erwähnt habe, entstamme nur einem kleinen Kreise lauter Schreier ebne großen Einfluß. Ihm scheine es, als ob der Reichskanzler den Strömungen in den Colonialkreisen doch mehr Rechnung getragen habe, al8 eS einer nüchternen Colonialpolitik entspreche. Ob Emin und Wtßmann noch im Dienst bleiben könnten, sei zweifelhaft. Redner macht aufmerksam auf den Gegensatz zwischen Emin und Wtßmann, rote er in den letzten Weißbüchern heroortrete. Es sei bedauerlich, daß Oechelhäuser gegen England mißgestimmt sei, der Kernpunkt der Beurtheilung der Colonialpolitik für die Freisinnigen sei aber die Stellung zu England, er freue sich daher über der Reichskanzlers freundliche Stellung zu diesem Lande. Deutschland habe die Hauptaufgabe, seine Stellung in Europa zu behaupten.
Reichskanzler Caprivi erklärt, er bedauere, daß Richter fich so schlecht über Wtßmann ausgesprochen habe, dem man so viel verdanke; dte Streitigkeiten mit Emin seien noch unaufgeklärt.
An der ferneren Debatte betheiligen sich V ollmar (Soc.) und Kardorff (freicons).
Morgen Fortsetzung.
Eorrnabend den 20. Juni 1L91, Bormittags 10 Uhr,
anberaumten Termin vor dem unterzeichneten Gericht zu erscheinen, widrigenfalls die wider sis^eingeleitete Untersuchung geschlossen, sie in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und in eine Geldbuße von Eintausend und fünfzig bis Dreitausend Mark verurtheilt werden.
Darmstadt, den 3. Februar 1891.
Gericht der Großherzoglich Hessischen (25.) Division.
Gießen, am 4. Februar 1891.
Betr.: Die Einsendung der Waisenbüchsengelder.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an dir Brotzh. Bürgermeistereien des «reifes.
Unter Hinweis auf unser Amtsblatt Nr. 3 vom 10. Febr. 1877 erinnern wir Sie an Einsendung der Waisenbüchsen- zelder und zwar durch eine Kosten nicht veranlassende Gelegen-
Deutscher Reichstag.
58. Plenarsitzung. Donnerstag, 5. Februar 1891, 1 Uhr.
Merbach (freicons.) wird an Stelle Müllers (Marienwerder) zürn Schriftführer gewählt.
Die Berathung deS Etats des Auswärtigen Amtes wird bei dem Titel Oftasrika fortgesetzt.
Oechelhäuser (natl.) sucht in einstündiger Rede die Angriffe der Freisinnigen auf Ostafrika zu widerlegen.
Mirbach (cons.) erklärt Namens eines großen ThellS der Colonialfreunde. Helgoland sei eine zu geringe Compensation für den Verlust Zanzibars, aber als conservativer Mann wolle er das Ansehen der verbündeten Regierungen durch retrospectioe Kritik nicht alteriren. Die Freisinnigen hätten durch ihre Kritik die Lage verschärft.
Reichskanzler Caprivi: In den Worten Mirbachs, rote gestern in denen Kardorffs liege ein unendlich schwerer Vorwurf für die Regierung. Er werde versuchen nachzuweffen, daß die Regierung keine Fehler gemacht habe und daß der Entrüstungssturm in der Presse über das Abkommen mit England unbegründet gewesen sei. Was habe denn in Ostafrika vor einem Jahre bestanden? Nichts. Schon am 2. Mai vorigen Jahres habe der Kaiser durch eine Ordre, dte Redner verlieft, die Directiven dessen gegeben, was in dem englischen Abkommen niedergelegt und durch dte Umwandlung der Schutztruppe in eine kaiserliche, Einsetzung von Gouverneurs rc. jetzt eingerichtet sei. Wir sind im Vertrage mit England nicht zu kurz gekommen; wir haben für das, was wir mit unserem (Selbe und Menschenmaterial behaupten können, genug erhalten. Früher hatte man gleichzeitig an zu vielen Stellen angefangen, das war ein Fehler. Wir sind diese gesährliche Ueberlaft losgeworden, wobei ich aber meinen Amtsoorgänger nicht Critifiien will. Witu war in seinem Werth übertrieben worden, es verlor an Werth, als im Verlaute der Verhandlungen heroortroch.daß wir die vorgelagerten Inseln Manda und Patta nicht erhalten könnten, was ich des guten Hafens wegen gewünscht hätte. e>d)on vor dem Vertrag war Witu als Compen- sationsobject ausersehen. Unsere Ansprüche auf Zanzibar waren nicht stichhaltig, wir mußten den Küstenstreif haben, ohne viel Geld aufwenden zu können, also war das Aufgeben von Zanzibar kein großes Opfer. Mein Vorgänger theilt meine Ansicht; im October 1889 schrieb er, die Freundschaft Salisburys sei roerthvoller als ganz Witu, an anderer.Stelle schrieb er: Die Freundschaft Englands ist mir wichtiger als Zanzibar und Ostafrika. Der Vertrag mit der ostafrikaniscbkn Gesellschaft entspricht den Interessen dieser und des Reiches zugleich. Daß man von des Sultans Oberhoheit losgekommen, sei schon ein hoher Gewinn. Nur der Noth gehorchend,
„Du hast schauderhaftes Pech gehabt, amice, das läßt sich nicht leugnen, aber noch ist Polen nicht verloren! Du mußt die Scharte wieder auswetzen, mußt dem alten Drachen Abbitte leisten —"
„Nein, nein, ich kann das Haus nicht wieder betreten, denn selbst wenn man mich nicht ohne Weiteres hinauswerfen würde, was doch das Wahrscheinlichste ist, fände ich doch niemals den Muth, Fräulein Dorette Haberkorn noch einmal Auge in Auge gegenüberzustehen. Du ahnst nicht, wie schreck- lich sie war in ihrem Zorn."
„Nun, wenn es Dir dazu also an Courage fehlt, wirst Du doch wenigstens den Wunsch haben, Dich mit Deinem Gretchen auszusprechen. Im Hause des Stadtraths darf das allerdings nicht geschehen, denn nach den heutigen Vorfällen möchte auch ich Dir für einen freundlichen Empfang nicht garantiren. Aber ich will Dir trotzdem Gelegenheit verschaffen, noch heute ungestört mit ihr zu reden."
Ein schwacher Hoffnungsschimmer breitete sich über Doctor Mertelmanns wehmuthsvolles Antlitz.
„Ich fürchte, Du versprichst mir Unmögliches, Georg," sagte er zaghaft, „wie in aller Welt wolltest Du das Ungeheuerliche vollbringen?"
„Sehr einfach, indem ich Dich aus den Fastnachts- Maskenball einsühre, welcher heute in der Ressource statt-
Netteste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureair
Berlin, 5. Februar. Die Budgetcommission des Reichstags genehmigte heute das Ordinarium des Militäretats für Sachsen und Württemberg und lehnte an einmaligen Ausgaben, welche bis Titel 36 bewilligt wurden, 70 000 Mark für den Neubau eines Commandanturgebäudes für die Feste Boyen ab.
Berlin, 5. Februar. Die „Berliner Politische Nachrichten" haben gegründeten Anlaß, anzunehmen, daß die Verwaltungen der Reichs- und Sta ats sin an ze n sich bei der demnächstigen Ausgabe von 3procentigen Consols im Wege der öffentlichen Ausschreibung direct an das große Publikum wenden würden.
Berlin, 5. Februar. Den Abendblättern zufolge übergab Graf Waldersee gestern die Geschäfte des Großen Generalstabes an den Generalquartiermeister Grafen Schliessen II., da sein Nachsolger noch unernannt ist und verabschiedete sich mit bewegter Stimme von den Offizieren,
Bekanntmachung.
Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß eingetretener Hindernisse halber der Großh. Regierungsrath I o ft den Vortrag über Jnvaliditäts- und Altersversicherung nicht am 7. d. Mts., sondern
Edictalladung.
Nachdem wider die Rekruten:
1) Christian Julius Eberhard Keßler aus dem Landwehr-Bezirk Gießen, geboren am 31. März 1868 zu Wieseck, Kreis Gießen,
2) Karl Schaum aus dem Landwehr-Bezirk Gießen, geboren am 16. December 1870 zu Leihgestern, Kreis Gießen,
der sörmliche Desertionsproceß eröffnet worden ist, werden dieselben hiermit aufgefordert, sich sofort bei ihrem Truppen- thcil zu gcstellen, spätestens aber in dem auf
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schien ist
Der blaut Domino.
Eine Fasinachtsgeschichte. Von Reinhold Orturantr.
(1. Fortsetzung.)
„Ach, Du weißt erst den Anfang meines Mißgeschicks, Georg! WaS später kam, war ja noch viel schlimmer — ich habe ihren Kanarienvogel todtgetreten."
„Unglücksmensch! — Du hast das Wunderthier umgebracht, welches die heroische Selbstüberwindung besaß, dieser alten Schachtel aus Befehl ein Küßchen zu geben. Das verzeiht sie Dir nie, denn dazu läßt sich kein anderer Vogel mehr dressiren."
Doctor Mertelmann stützte den Kopf in die Hand und starrte düster vor sich hin.
„Es war ein Verhängniß, Georg! Wie konnte ich auch ahnen, daß das Thier neben meinem Stuhle auf der Erde saß! Als das Entsetzliche geschehen war, verfiel die Dame in Weinkrämpfe, und ich glaube, sie hat mich sogar einen brutalen Mörder genannt. Der Stadtrath machte eine Handbewegung gegen die Thür, welche ich unmöglich mißverstehen konnte, und als ich mich in surchtbarster Verlegenheit zurückzog, sah ich mein angebetetes Gretchen draußen auf dem Corridor vor mir stehen. Ich glaube beinahe, sie hatte ein wenig gehorcht, denn in ihren schönen Augen funkelten Thränen, — ach, die Thränen des Zornes! — und mit halb erstickter Stimme ries sie mir zu: „Was haben Sie an- gerichtet ! — Nun ist natürlich alles aus!" — Weinend lies sie davon, und ich — nun, ich stürzte wie sinnlos aus die Straße hinaus und verfluchte die Stunde, da ich meinen Fuß in jenes Haus gesetzt."
Der Assessor schwieg eine kleine Weile, dann aber trat «, einer plötzlichen Eingebung folgend, auf den Doctor zu u.nd legte ihm die Hand aus die Schulter.
Bekanntmachung.
Nachdem die in den Stallungen des Handelsmanns Juda Katz zu Gießen ausgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, werden die angeordneten Sperrmatzregeln wieder aufgehoben.
Gießen, den 3. Februar 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bringerlohr« Durch btt Post be;
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Kedactiou, Expet und Druckere-.
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stützte. Beklommen gab der Doctor endlich seine Zustimmung und Breitschwert machte sich sogleich aus den Weg, um die Maskenanzüge zu beschaffen.
Um die neunte Abendstunde war es, als die beiden Freunde über die breite Treppe zum Festsaale der Ressource emporstiegen; hätte er sich nicht vor seinem Begleiter geschämt, so wäre Doctor Mertelmann sicherlich noch hart vor der Thür umgekehrt, denn er hatte sich noch nie so hilflos und unbehaglich gefühlt, als in dem Costüm, das der Assessor da für ihn besorgt hatte. Nach der Behauptung desselben stellte es die Tracht eines jungen venezianischen Edelmannes dar, — ein geschlitztes und gepufftes Sammetwamms, ein winziges Pluderhöschen und ein ultramarinblaues Tricot, daS war neben dem kecken Barett und dem langen Stoßdegen die ganze Herrlichkeit. Und wenn auch der Assessor hundertmal der Wahrheit gemäß versichert hatte, daß sich der Doctor darin ganz samos ausnchme, so hatte er doch die grenzenlose Verlegenheit seines ungewandten Studiengenossen damit nicht aus dem Felde schlagen können. Und diese Verlegenheit steigerte sich ins Ungemessene, als sich nun der glänzend erleuchtete Saal mit seinem bunten Gewühl mannigfach mas- kirter Männlein und Weiblein vor ihnen austhat. Mit beinahe krampfhaftem Druck erfaßte Doctor Mertelmann des Asseffors Arm.
„Um Gotteswillen, Georg — laß mich nicht allein! — Ich sagte ja gleich, daß es ein unsinniges Unternehmen sei. Wie in aller Welt soll ich Gretchen in dieser verlarvten Menge ausfindig machen?"
„Laß das nur meine Sorge fein," tröstete der andere. „Ich werde sie schon entdecken und Euch als der Schutzgeift Eurer Liebe zusammensühren. Aber Du mußt hier aus dieser Seite des Saales meine Rückkehr erwarten. Hoffentlich wandelt Dich nicht inzwischen die Lust an, auf eigene Hand einige kleine Abenteuer zu bestehen."
(Fortsetzung folgt.)
ler.
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