undzwanzig Entgleisungen in Folge von Schienenbrüchen vorkamen, davon achtzehn auf Stationen, fünf aus freier Bahnstrecke, sechszehn in Winterszeit, sieben in Sommermonaten. Bei allen diesen Entgleisungen wurden Reisende weder ge- tödtet, noch verletzt. Besorgnisse, welche bezüglich der Sicherheit des Betriebes auf deutschen Bahnen aus dem Bochumer Prozeß entstanden, erscheinen daher unbegründet.
Berlin, 3. Juli. Der Aus st and der Omnibus- Kutscher ist beendet. Die Direcüon bewilligte den Kutschern eine tägliche Zulage von 50 Psg.
Crefeld, 3. Juli. Ueber den Schaden, den die vorgestrigen Wirbelwinde hier und in der Umgegend angerichtet haben, wird weiter gemeldet: Mehrere Personen in der zum Bundesschießen errichteten Festhalle wurden leicht verletzt. Der angerichtete Schaden in S ü ch t e l n an Häusern, Bäumen und Vieh beträgt mindestens 600 000 Mk. Die durch Einsturz eines Ringziegelofens verschütteten Arbeiter wurden sämmtlich lebend hervorgezogen. In Anrath blieb fast kein Haus verschont; 40 wurden ganz zerstört, gegen 100 beschädigt.
Rostock, 3. Juli. In Dargen bei Gnoien stürzte die ' Giebelwand eines brennenden Hauses aus die mit dem Löschen der Feuersbrunst beschäftigten Mannschaften der freiwilligen Feuerwehr ein und tödtete vier Mann, darunter den Feuerwehrhauptmann. Fünf andere Feuerwehrleute erhielten lebensgefährliche Brandwunden.
Königgrätz, 3. Juli. Sächsische Veteranen sandten folgendes Telegramm an den Kaiser von Oesterreich: „Beim Ueberschreiten der Landesgrenze senden zweihundert sächsische Veteranen Ew. Majestät unterthänigste Grüße und ein donnerndes Hurrah."'Desgleichen wurde dem König von Sachsen ein ehrfurchtsvollster Gruß der Veteranen telegraphisch übermittelt.
Luxemburg, 3. Juli. Der Kaufvertrag über die im Großherzogthum gelegenen Privatdomänen des verstorbenen Königs von Holland zum Preise von nahezu drei Millionen Frcs. ist nunmehr perfect. Der Großherzog hat den Besitz derselben am 1. Juli angetreten.
Amsterdam, 3. Juli. Vor dem Verlassen der neuen Kirche, worin der Kaiser das Mausoleum des Admirals de Ruyter besichtigte, sagte der Kaiser zu dem ihn führenden Viceadmiral Casembroot und den Herren seines Gefolges: „Es ist ein großes Volk, das so seine großen Männer ehret!"
Amsterdam, 3. Juli. Das Kaiserpaar und die Königin-Regentin begaben sich gestern Abend um 9T/4 Uhr aus das D zu dem von der Stadt veranstalteten Feuerwerk; dasselbe bestand aus 303 Nummern und gewährte einen seenhaften Anblick. Die Hauptpiecen stellten eine Seeschlacht zwischen Admiral de Ruyter und der englischen Flotte und das Bild des Kaisers in der Höhe von 20 Meter dar. Eine ungeheuere Menschenmenge war anwesend. Die Herrschaften kehrten um IP/4 Uhr zurück.
Amsterdam, 3. Juli. Das Kaiserpaar ist mit der Königin-Regentin heute nach Haag abgereist. Auf der Fahrt nach dem Bahnhofe wurden sie von der dicht gedrängten Volksmenge herzlichst begrüßt. Die Herrschaften verabschiedeten sich auss Huldvollste von den Spitzen der Civil- und Militärbehörden. Aus dem Perron besichtigte der Kaiser die Ehrencompagnie. Um 10 Uhr 10 Min. setzte sich der Zug in Bewegung.
Rotterda», 3. Juli. Das Kaiserpaar, die Königin- Regentin und die Königin sind Nachmittags 4 Uhr 45 Min. hier eingetroffen. Aus dem reich geschmückten Bahnhose waren zum Empfange der Bürgermeister und die Spitzen der Behörde erschienen. Nachdem der Kaiser die Front abgeschritten hatte, wurde eine gemeinsame Spazierfahrt durch die Stadt unternommen. Eine zahlreiche Volksmenge begrüßte die Herrschaften mit begeisterten Zurufen. Dre Musik spielte die Nationalhymne.
Rotterdam, 3. Juli. Nach der Spazierfahrt durch die Stadt und der Besichtigung des Hauptquais traf das Kaiserpaar gegen 6 Uhr am Landungsplätze der „Hohen- zollern" ein. Die Königin-Regentin und die Königin Wilhelmine geleiteten dasselbe an Bord. Nach herzlichster Verabschiedung, während welcher die Nationalhymnen gespielt wurden, erfolgte die Abfahrt, wobei das Geschwader, welches die kaiserliche Dacht bei der Ankunft empfangen hatte, dieselbe bis ans Meer begleitete. Auf dem ganzen Wege wurde das Kaiserpaar enthusiastisch begrüßt.
Scheveningen, 3. Juli. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin und die anderen Allerhöchsten Herrschaften statteten auch dem prachtvoll decorirten hiesigen Seebadeorte einen Besuch ab, fuhren durch den Ort, das Seeufer entlang und kehrten sodann nach dem Haag zurück.
Kopenhagen, 3. Juli. Der König beabsichtigt morgen das französische Geschwader zu besuchen. Für Sonntag sind die Offiziere des Geschwaders und die höheren Hos- beamten zur Hostasel geladen.
London, 3. Juli. Der Prinz von Wales geht zum Empfange des deutschen Kaiserpaares nach Port Victoria. Lord Salisbury geht in seiner Eigenschaft als erster Staatssecretär der Königin am Samstag zum Empfange nach Windsor.
— Aus Jerusalem erfährt das „Jewish Chronicle", daß 200 bis 300 mittellose jüdische Familien dort wöchentlich eintreffen- die Noth sei infolge dessen sehr groß- Typhus und Scharlachfieber seien ausgebrochen und die steigenden Brodpreise vermehrten das Elend.
Petersburg, 3. Juli. Die Nachricht, daß die russische Regierung Canets System einer Schnellfeuerkanone adoptirt habe, wird als unbegründet bezeichnet.
Newyork, 3. Juli. Aus Valparaiso wird aus englischer Quelle gemeldet, daß der Gouverneur zwei Beamte des englischen Generalconsulats zu sich berufen habe unter dem Vorwande, von ihnen Auskunft zu erhalten. Er habe dieselben dann verhaften lassen, weil sie bei dem Versuche, das Torpedoboot „Giralda" der Congreßpartei in
die Hände zu spielen, betheiligt gewesen sein sollen. Einer derselben sei wieder freigelassen, der andere trotz der Einsprache des englischen Gesandten in Santiago gefangen gehalten worden.
San Francisco, 3. Juli. Ueber die Unruhen in Nanking wird gemeldet: Am Sonntag vor dem Ausbruche erhielten die Missionäre die behördliche Warnung, daß ihre Häuser würden niedergebrannt werden. Sie schifften sich deßhalb am Tage vor den Unruhen nach Shanghai ein. In Taniang plünderte der Pöbel am 1. Juli das Missionsgebäude und überwältigte einen Mandarin. Die Soldaten gruben christliche Leichname auf dem Friedhose aus, legten die Köpse aus einen Haufen und schleppten den Mandarin nach dem Orte der Unthat. Aehnliche Ausschreitungen haben in anderen Orten stattgefunden.
Cleveland (Amerika), 3. Juli. „Bureau Reuter" meldet: Der Personenzug der Erie-Eisenbahn stieß heute früh um drei Uhr mit einem Güterzuge bei Ravenna zusammen. Zwei Schlafwagen und ein anderer Personenwagen fingen Feuer und verbrannten vollständig. Bisher sind neunzehn Leichen unter den Trümmern aufgefunden worden. — Nach weiteren Meldungen wurden viele Passagiere während des Schlafes in den Betten getödter, andere durch ausströmenden Dampf verbrüht, und noch andere von den Flammen des brennenden Zuges ergriffen. Die letzten Berichte geben die Zahl der Todten aus27 an. Unter den Verwundeten befinden sich mehrere mit tödtlichen Verletzungen. Der Zusammenstoß war ein außerordentlich heftigerem Wagen des Personenzuges wurde vollständig zertrümmert, so daß es unmöglich war, mehrere noch lebende Personen aus den brennenden Trümmern zu retten. Der verunglückte Zug wurde hauptsächlich benutzt von Personen, die anläßlich des Nationalfeiertages sich zu Freunden begeben wollten.
Bamberg, 4. Juli. Der von Berlin nach München abgegangene Vergnügungszug ist bei Eggolsheim entgleist. Zur Hilfeleistung ist ein Zug mit ärztlichem Personal nach der Unfallstelle abgegangen. Zuverlässige Details sehlen.
Locale» and provinzielles.
Gieße«, 4. Juli.
— Ernennungen. Gerichtsschreiber-Aspirant Katzenbach in Lich ist an Stelle des zum Polizeisecretär in Gießen ernannten Herrn Bischofs zum Revier-Commissär in Offenbach ernannt worden.
— Welche Handbetriebe find unfallversicherungspflichtig? Die „Offenb. Ztg." schreibt hierüber: In den letzten Monaten sind an eine Reihe hiesiger Industrieller, insbesondere der Porteseuillebranche, behördliche Aufforderungen zur Anmeldung des Betriebes zur Unfallversicherung gerichtet worden. Diese Aufforderungen, welche wohl sämmtlich aus Anträge der betreffenden Berussgenossenschaften zurückzuführen sind, wurden nicht blos an Fabriken, in welchen Dampfkessel, Gasmotoren 2c. benutzt werden oder welche 10 Arbeiter beschäftigen, gerichtet, sondern auch an zahlreiche kleine Betriebe, welche seither weder von den Geschäftsinhabern selbst noch von der Polizeibehörde als versicherungspflichtig betrachtet wurden. Es fragt sich nun, ob für diese kleinen Betriebe die Unfallversicherungspflicht wirklich besteht und auf Grund von welcher Gesetzes- Vorschrift. § 1 des Unsallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 erklärt bekanntlich „Fabriken" als versichcrungspflichtig. Nach Absatz 3 des genannten Paragraphen sind Betriebe mit Dampfkesseln rc., sowie solche Geschäfte, in welchen die Bearbeitung von Gegenständen gewerbsmäßig durch mindestens 10 Arbeiter erfolgt, als Fabriken anzusehen. Hiernach wären also kleinere Geschäfte nicht versicherungspflichtig, wenn nicht Absatz 5 desselben Paragraphen den wichtigen Zusatz enthielte: „welche Betriebe außerdem als Fabriken im Sinne dieses Gesetzes anzusehen sind, entscheidet das Reichsversicherungsamt." Das Reichsversicherungsamt hat also die Befugniß, die Unfallversicherungspflicht durch seine Entscheidungen noch weiter auszudehnen und hat hiervon auch ausgiebigen . Gebrauch gemacht. So wurden in wiederholten Entscheidungen insbesondere solche kleine gewerbliche Etablissements verschiedener Branchen für unfallversicherungspflichtige Fabriken erklärt, welche nicht für den Detailverkauf, sondern zum Berkaus en Gros arbeiten, auch wenn keinerlei gefährliche Maschinen im Betrieb gebraucht und nur 2 bis 3 Arbeiter beschäftigt werden. Da sonach der gesetzliche Begriff der „Fabrik" keineswegs feststeht, sondern durch die Entscheidungen des Neichsversicherungsamts im einzelnen Fall bestimmt wird, so kann es den betreffenden Industriellen nur empfohlen werden, sich durch Anmeldung ihrer Betriebe zur Unfallversicherung Gewißheit zu verschaffen, ob der Betrieb als unfallversicherungspflichtig angesehen ist.
— Alsfeld, 3. Juli. Ein in der That seltenes Jubiläum feierte hier der brave Bürger Jacob Kemmer, nämlich sein 50jähriges Arbeitsjubiläum in ein und demselben Hause der Familie Diehl. Von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog wurde ihm die silberne Medaille für langjährige, treue Dienste verliehen und von Herrn Kreisrath v. Grolmann überreicht. Der Vorsitzende des Provinzial- Gewerbe-Vereins, Herr Eisenbahnbaumeister Schoberth, übergab ihm Namens des Gewerbevereins 50 Mk. Auch sonst empfing der Jubilar zahlreiche Geschenke. Eine Capelle brachte ein Ständchen, wobei der Dirigent derselben herzliche Worte an den biederen Arbeiter richtete. Fürwahr, solche treue Arbeiter sind eine Seltenheit in unserer Zeit und verdienen der Ehre und Anerkennung umsomehr.
Nierstein, 2. Juli. Ein recht bedauernswerther Unglücksfall ereignete sich heute Abend unterhalb Nierstein am Rheine. Der circa 20jährige Wingertsarbeiter Stephan Hebling war damit beschäftigt, aus einem Nachen Säcke, die mit Weizen gefüllt waren, in die dem Weingutsbesitzer Herrn Anton Balbach gehörende Rheinmühle zu tragen. Ob hierbei
H. ausrutschte oder infolge der schweren Säcke das Gleichgewicht verlor, ist nicht ermittelt, genug, er stürzte von der Pritsche in den dort sehr tiefen und reißenden Strom und ertrank, ehe Hilfe zur Stelle eilte. Wegen der balv eingetretenen Dunkelheit konnte die Leiche bisher nicht geborgen werden.
Vermischtes.
* Wetzlar, 3. Juli. Die Lahn hat auch dieses Jahr wieder ihr Opfer gefordert. Heute Morgen gegen 11 Uhr ist der 11jährige Knabe Wilhelm Brühl beim Baden in der Lahn, unterhalb der früheren Schwimmanstalt, ertrunken. Die Leiche ist bis zur Stunde noch nicht geborgen. — Wie der „Wetzl. Anz." aus bester Quelle erfährt, soll bei dem vorstehend erwähnten Ereigniß kein Unfall, sondern — kaum glaublich — em unzweifelhafter Selbstmord vorliegen. Der Knabe soll seinen Kameraden gegenüber schon wiederholt und zuletzt heute Morgen geäußert haben, daß er sich ertränken werde. Auch scheint für eine solche Absicht der Umstand zu sprechen, daß der Junge nach Aussagen der Augenzeugen direct von einer Stange kopsüber in das tiefe Wasser gesprungen ist. Nach dem Sprunge soll er noch einmal aufgetaucht sein und den am Ufer stehenden Buben zugerufen haben, daß er nicht mehr wiederkommen werde.
* Frankfurt a. M., 3. Juli. Der Fall Lieske, der mit einer gewissen Regelmäßigkeit um die wärmere Jahreszeit in irgend einer neuen Form wieder austaucht, beschäftigt, wie eine hiesige Localcorrespondeuz zu melden weiß, von Neuem unsere Polizeibehörde. Ein im Norden der Außenstadt wohnhafter Kaufmann, der beim Lieskeproceß Geschworener war, erhielt gestern ein mit drei Kreuzen unterfertigtes Schreiben folgenden Inhalts: „Nehmen Sie sich in Acht beim Nachhausegehen Abends. Man hat noch nicht vergessen, daß Sie s. Z. für den Tod Lieskes gestimmt haben!" Der Kaufmann hat das Schreiben der Polizeibehörde vorgelegt. Hoffentlich gelingt es, den Urheber dieses unpassenden Scherzes- gebührend zur Rechenschaft zu ziehen.
* Berlin, 23. Juni. Ein mit sehr lebhafter Phantasie begabter hiesiger Localberichterftatter weiß folgende Neuigkeit zu melden: „Ein ganz eigenartiges Ansinnen ist der türkischen Regierung vor einigen Tagen gestellt worden. Einer unserer Landsleute, ein „Unternehmer" oder „Impresario", der jenseits des Oceans mehrere Tournees mit Erfolg unternommen und den die Lorbeeren des kürzlich verstorbenen Barnum nicht schlafen lassen, will sich verpflichten, der türkischen Regierung 250000 Francs zu zahlen, wenn ihm dieselbe den Räuberhauptmann Athanas, falls derselbe gefaßt wird, für „ein Jahr leihweise" überläßt. Der deutsche Barnum will sich nämlich contractlich verpflichten, Athanas, mit dem er eine Rundreise durch die ganze Welt zu machen, gedenkt, nach einem Jahre wieder an die Pforte zurückzu- liesern und für genügende Bewachung des Räubers Sorge zu tragen, überhaupt durch eine zu hinterlegende hohe Cau- tion jede Sicherheit gegen einen etwaigen Fluchtversuch des Räubers von Tscherkeßköi zu übernehmen. Wie der Herr Impresario am Schluffe seines Bewerbungsschreibens sagt, wäre durch Eingehen der Regierung auf feinen Antrag beiden Theilen geholfen: die Regierung bekäme dadurch ihr an Athanas gezahltes Geld mit reichlichen Zinsen wieder und außerdem nach Ablauf des Jahres ihren Räuberhauptmann, den sie ja dann noch vor Gericht stellen könne!"
* Gotha, 30. Juni. Von einem „neuen Sport", einem Wettlaufen in einem Krankenhause, wird berichtet : Der Wettlauf wurde von vier am Beine amputirten Patienten des hiesigen städtischen Krankenhauses unternommen und zwar auf Anregung des Directors, der auch drei Preise, zwei Flaschen Rothwein und 25 Stück Cigarren, zur Verfügung stellte. Den ersten Preis holte sich der 20jährige M., den zweiten der 64jährige S. und den dritten der 36- jährige W. Dieser Sport sollte vorzugsweise dazu dienen, die betreffenden Patienten anzuspornen, ihre fehlenden und durch mechanische Bestandtheile ersetzten Glieder richtig gebrauchen zu lernen.
* Der an die Johannisnacht anknüpsende Aberglaube hat diesmal ein Menschenleben gefordert. Von Rummelsburg meldet man darüber: Die bei dem Rentier Sch. bedienstete 18jährige Auguste Z. wurde in der Nacht zum Donnerstag von einem spät nach Hause zurückkehrenden Bewohner bewußtlos im Garten liegend gefunden. Da das Mädchen sich nicht wieder erholte, wurde ein Arzt herbeigerufen, der die Uebersührung der Patientin nach einem Krankenhause anordnete, wo die Z. im Laufe des nächsten Tages verstarb. Die Bedaueruswerthe hatte, einem alten Brauche in der Mark folgend, sich in der Johannisnacht nach dem Garten begeben, um dort von verschiedenen Pflanzen Blätter zu sammeln, die, unter das Kopfkissen gelegt, der Schlafenden im Traum das Bild des Zukünftigen zeigen sollten. So war das Mädchen bis an einen Kreuzpsad des Gartens gekommen, als ihm plötzlich eine Gestalt entgegentrat, bei deren Anblick die Z. so erschrak, daß sie ohnmächtig zu Boden stürzte, während das Gespenst verschwand. Es war ein in demselben Hause dienendes Mädchen gewesen, das ebenso wie die Z. den Brauch in der Johannisnacht hatte probiren wollen. Leider hatte sie die Z. nicht bemerkt und war wieder rasch nach Hause zurück- gekehrt, ohne der Ohnmächtigen Hülse leisten zu können.
* Interessante Einblicke in die Geschäftsgeheimnisse der fahrenden Leute, jenes Völkchens, das unsere Volkslocale belebt, bietet der Jnseratentheil des „Phönix", des Haupt- und Centralorgans reisender Schausteller, Artisten und Beruss- genoffen. Es ist eine bekannte Thatsache, daß alle diese Glücksbuden-, Schießhallen-, Carousselbesitzer, Schnellphotographen und dergleichen meist so gute Geschäfte machen, daß sie nach einigen Jahren ruhelosen Wanderns in ein behagliches Privatleben sich zurückziehen können, und in der That, der Verdienst dieser Leute ist ein ganz respektabler. Wer hätte nicht schon einmal zum Würfelbecher gegriffen, wenn man für 10 Psg. „allemal" gewinnt und doch kosten die Sachen, die


