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5.7.1891 Erstes Blatt
 
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Nr. 153» Erstes Blatt Sonntag den 5. Juli

1891

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? 4<bta dem Anzeiger Ä'>'.chs«tttch dreimal betgeiegt.

Gießmer Anzeiger

Henerat-Unzeiger.

vierjähriger

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Durch die Post begog«.

2 Mark 50 M

Rebaction, flfcgjcbiÄw und Druckerei:

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Amts- und Anzeigeblatt fite den Urei« Gießen.

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Anttlicher Thsil.

Betreff: Gesuch des Sterbekassen-Vereins in Oels in Schlesien um die Concession zum Geschäftsbetriebe im Großherzogthum Hessen.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz dem Oelser Sterbekassenverein in Oels die Erlaub- niß zum Geschäftsbetrieb im Großherzogthum unter den nachstehenden Bedingungen auf Widerruf ertheilt hat.

Die Versicherungs-Anstalt verpflichtet sich:

1. von jeder Veränderung der bei der Zulassung gültigen Statuten bei Verlust der Concession dem Großh. Ministerium des Innern und der Justiz alsbald Anzeige zu machen;

2. über ihre Geschästsverhältnisse jede in Bezug auf die Interessen des Großherzogthums verlangt werdende Auskunft zu geben;

3. einen Hauptagenten für das Großherzogthum Hessen, welcher in diesem Staate seinen Wohnsitz hat, zu be­stellen und dem Großh. Ministerium des Innern und der Justiz, namhast zu machen, durch diesen sowie die übrigen Agenten ordnungsmäßige Bücher und Akten führen und solche den betreffenden höheren Polizei­behörden, auf deren Verlangen, jederzeit zur Einsicht vorlegen zu lassen;

4. in allen auf das Versicherungsgeschäft bezüglichen Rechtsstreitigkeiten zwischen der Anstalt und Versicherten aus dem Großherzogthum Hessen als Klägerin nnd Be­klagte vor den Großh. Gerichten Recht zu nehmen und zwar, sofern die Anstalt als Beklagte erscheint, je nach der Wahl des Versicherten entweder bei dem Gerichts­stand ihres Hauptagenten für das Großherzogthum oder des Agenten, welcher die Versicherung vermittelt hat. (Diese Verpflichtung hat die Anstalt in jeder für einen Versicherten aus dem Großherzogthum aus­zustellenden Versicherungspolice ausdrücklich auszu­sprechen) ;

5. die Namen der Personen, welche sie zur Besorgung ihrer Geschäfte im Großherzogthum Hessen beauftragt, sowie jede Veränderung, welche in diesen Aufträgen eintritt, insbesondere das Erlöschen derselben, binnen 14 Tagen in der Darmstädter Zeitung bekannt zu machen, sowie auch alle wichtigeren Bekanntmachungen, insbesondere den jährlichen Rechnungsabschluß in diese Zeitung einzurücken, und zwar den letzteren so voll­ständig, daß derselbe jedenfalls aus einer Vermögens­übersicht (Verzeichnis^ der Activa und Passiva in der herkömmlichen Form, Generalbilanz) und einer Ueber- sicht über Einnahmen und Ausgaben der Anstalt im abgelausenen Geschäftsjahre nach den üblichen Haupt- rubriken (Gewinn und Verlustconto), sowie einer sum­marischen Darstellung der im abgelaufenen Geschäfts- jahr im Großherzogthum betriebenen Geschäfte besteht;

3. jährlich den Verwaltungsbericht, den Rechnungsabschluß und die Generalbilanz der Gesellschaft, sowie eine Uebersicht ihres Geschäftsbetriebs im Großherzogthum Hessen an das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz einzusenden.

Gießen, den 2. Juli 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

__________________v. Gagern.

Gießen, den 4. Juli 1891.

Betreffend: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir sehen der Einsendung der Verzeichnisse der von Ihnen ausgestellten Bedeckscheine binnen 8 Tagen entgegen. ___________________v. Gagern.______________

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Frau Anna Elisabeth Wenzel von Harbach zur Ausübung der Hebammenkunstgut" befähigt ist, als Hebamme verpflichtet wurde und sich in Harbach mederge- 4assen hat.

Gießen, den 1. Juli 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gefunden: 1 Kette, 1 Stock, 2 Paar Handschuhe, 1 Armband, 1 Strumpf, 2 Wagenkapseln, 2 Kinderschuhe, 1 Kinderkragen, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Brille mit Futteral, 1 Arbeitstäschchen, 2 Waschzuber und 1 Taschentuch.

Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.

Gießen, den 4. Juli 1891.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.

Schliephake, Reg.-Ass.

politische Wochenschau.

Gießen, 4. Juli 1891.

Von den inneren Angelegenheiten des Reiches, welche in der vergangenen Woche die öffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch genommen haben, ist auch diesmal die Frage der Lebensmitteltheuerung in erster Reihe zu nennen. Einen neuen Beitrag zur Klärung der einschlägigen Ver­hältnisse hat ein Artikel des deutschen Reichsanzeigers ge­bracht. In demselben werden die Ergebnisse von Unter­suchungen, welche im Königreich Preußen angestellt worden sind und sich einmal auf die Zahl der umgepflügten Hec- tare Ackerland und in zweiter Linie auf die diesjährigen Ernte­aussichten beziehen, offenbar in Berücksichtigung der im preußischen Abgeordnetenhaufe laut gewordenen Wünsche auf Mittheilung des amtlichen Materials in Betreff der Getreide- zollsrage der Oeffentlichkeit zur Kenntnißnahme übergeben. In Bezug auf die voraussichtlichen Erträge der diesjährigen Ernte erfahren wir, daß bei Roggen etwa 83% und bei Weizen ungefähr 75y2% einer Mittelernte zu erwarten sind. Umgepflügt worden sind im Ganzen etwa 421,000 vorher mit Winterroggen bestellte Hectare. Dem gegenüber sind überhaupt nur 58,000 Hectare mit Sommerroggen bebaut worden, so daß selbst bei der Annahme, daß diese sämmt- lichen 58,000 Hectare vorher mit Winterroggen besät ge­wesen wären, nur ein Siebentel des zu Grunde gegangenen Winterkorns einen Ersatz durch Sommerfrucht finden würde.

In Preußen werden die Minister v. Berlepsch und Mi­quel eine Jnspectionsreise nach Ost- und Westpreußen unternehmen. Die dort herrschenden Zustände geben aller­dings zur Besorgniß vollen Anlaß. Während die Bevölkerung in Deutschland insgesammt um 1 °/o zunimmt, hält die Be­völkerungsziffer in Westpreußen in vielen Bezirken mit diesem Fortschreiten keinen gleichen Schritt; ja in Ostpreußen hat sogar seit 1883 eine Abnahme um 1343 Seelen Platz ge­griffen. Die Gründe dieser betrübenden Verhältnisse sind aus verschiedenen Seiten unseres wirthschaftlichen Lebens zu suchen. Vor allem fällt die Absperrungspolitik des russischen Nach­bars ins Gewicht, durch die eine industrielle Entwicklung der deutschen Grenzgebiete so gut wie ausgeschlossen ist und der oft beklagte Zug nach dem Westen zum großen Theil Hervor­gernfen wird. Dazu kommen die gerade seit 1883 in Szene gesetzten Polenausweisungen, die Gebundenheit des ländlichen Besitzes infolge der großen Zahl der Fideicommisse^ und anderes mehr. Auch die Hoffnungen, die man in Bezug auf eine Besserung der agrarischen Verhältnisse an die neue preußische Landgemeindeordnung und die Einrichtungen von Rentengütern und Rentenbanken unter Gewährung von Staats- credit geknüpft hat, werden nicht von Allen getheilt.

Ein hocherfreuliches Ereigniß ist auf dem Gebiete der auswärtigen Politik in den letzten Tagen eingetreten: Die Erneuerung des Dreibundes auf sechs Jahre. Wir haben unsere Leser an dieser Stelle gewissenhaft über die Kämpfe orientiert, die dem Vollzug dieser Thatsache namentlich in Italien vorausgegangen sind. Man hatte hier eine kleine Weile ernstlich geglaubt, daß das Ministerium Rudini das unter Mancini im Jahre 1883 zum ersten Mal eingegangene und unter Crispi 1887 erneuerte Offensivbündniß überhaupt nicht oder wenigstens nicht in dem alten Umfang der gegen­seitigen Verpflichtungen fortzusetzen gedenke. Auch in Oester­reich sind im Abgeordnetenhause heftige Worte gegen den Dreibund gesprochen worden. Der tschechische Abgeordnete Vasaty war es, der hier ganz offen ein Bündniß Oesterreich- Ungarns mit Rußland als das politisch Richtigere bezeichnete. Indessen ist Vasaty von seiner eigenen Fraction, die den segensreichen Einfluß der Trippelallianz aus die Erhaltung des Weltfriedens rückhaltlos anerkannte, im Stiche gelassen worden. Eine Zusammenkunft der drei Minister Caprivi, Kalnoky und Rudini soll für Juli geplant sein. Sehr be- merkenswerth ist die überaus freundschaftliche Stellungnahme Englands zu der Erneuerung des Dreibundes. Auf der anderen Seite schließen sich auch Rußland und Frank­reich enger zusammen, wenn gleich die Mitthellung eines Re­porters des ungarischenNemzet", daß nach Aussage des

früheren französischen Ministers Flourenszweifellos ein russisch-französisches Bündniß bestehe", wenig Glauben ver­dient. In Schw ed en ist eine Ministercrisis ausgebrochen. Es heißt, daß der gegenwärtige Ministerpräsident Akerhjelm noch vor der am 14. Juli stattfindenden Abreise des Königs zurücktreten werde. Sein Nachfolger werde der seitherige Finanzminister von Essen sein. Im Uebrigen ist nichts Neues zu berichten. Die Mussifizierungsbestrebungen und Judenaustreibungen in Rußland werden immer noch fortgesetzt, ebenso wie auch die Volksbewegungen auf Haiti und in Chile andauern. Ein Ausstand in Santiago in Argentinien ist zu diesen neu hinzugekommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Juli. Die Commission zur Vorberathung des Entwurfes eines bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich hat sich am 1. Juli vertagt, um erst am 12. October wieder zusammenzutreten. Bis jetzt ist von der Commission in zweiter Lesung der allgemeine Theil des Ent­wurfes erledigt worden, mit Ausnahme des einstweilen zurück­gestellten Abschnittes über die juristischen Personen. Die Referenten der Commission werden bereits im August ihre Thätigkeit wieder aufnehmen und am 1. September tritt ein besonderer Ausschuß zusammen, um für die weiteren Be- rathungen der Hauptcommission das Material vorzubearbeiten.

Eine neue Telegraphen-Convention ist zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn ab­geschlossen worden. Durch dieselbe werden die beiden Länder, wie schon im Briefverkehr mit einander, nun auch im gegen­seitigen Depeschenverkehre vollständig gleichgestellt. Künftig wird der Preis eines Wortes einer Depesche aus Deutschland nach Oesterreich-Ungarn 5 Pfennige und für ein Wort einer Depesche aus dem Donaustaate nach dem Reiche 3 Kreuzer betragen, also in beiden Ländern ein völlig gleicher sein. Der Mindestbetrag einer Depesche ist auf 50 Pfennige oder 30 Kreuzer festgesetzt worden. Die neue Uebereinkunft, durch welche der deutsch-österreichische Telegramm-Verkehr zweifellos eine bedeutende Steigerung erfahren wird, tritt am 1. Januar 1892 in Kraft; sie ist in Budapest abgeschlossen und unter­zeichnet worden.

Aus dem Schlachtfelde von Königgrätz sand am Freitag anläßlich der 25jährigen Wiederkehr des Tages der weltgeschichtlichen Entscheidungsschlacht von Königgrätz eine große Gedenkfeier statt. An derselben nahmen zahlreiche ehemalige Kämpfer von 1866 aus Oesterreich, Preußen und Sachsen Theil. Den Mittelpunkt der Feierlichkeit bildete das um 10 Uhr Vormittags im Mausoleum zu Chlum ab­gehaltene Requiem, worauf die Bekränzung der 269 auf dem Schlachtfelde von Königgrätz errichteten Denkmäler erfolgte. Nachdem gestern Abend vor dem Platzcommando eine Serenade mit Zapfenstreich stattgesunden hatte, begann die heutige Hauptfeier mit einem Requiem in der Kathedrale und einem Feldgottesdienst beim Mausoleum. Die Gottesdienste wur­den von einem katholischen, einem evangelischen Geistlichen und einem jüdischen Rabbiner abgehalten. Die Ehrenwache bildeten Vertreter des Dragoner-Regiments Nr. 8, des Infanterie- Regiments Nr. 14 und des preußischen Grenadier-Regiments Nr. 10. In den 48 Gemeinden, welche im Umkreise des damaligen Schlachtfeldes liegen, wurden gleichzeitig Messen abgehalten. Hierauf folgte die Einweihung der neu aufge­stellten Monumente und die Niederlegung von Kränzen. In Wiener - Neustadt wurde von ehemaligen Angehörigen des Infanterie-Regiments Nr. 49 eine Königgrätzfeier veranstaltet, die einen sehr würdigen Verlauf nahm. An dem Denkmal des damals gefallenen Oberst Binder wurde ein Kranz nieder­gelegt.

Netteste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Äorrespondknz-Bureak.

Berlin, 3. Juli. Gegenüber anderweitigen Nachrichten der Blätter kann diePost" melden, daß die Ernennung Puttkamers zum Oberpräsidenten von Pommern die Er­füllung einer Bitte war, welche die Provinzialvertretung Pommerns an den Kaiser gerichtet hat.

Berlin, 3. Juli. Die Berl.Polit. Nachr." fassen das Jstergebniß des Finanzjahres 1890/91 dahin zusammen, daß neben einem unerheblichen Ueberschuß im Reiche ein Rück­gang des Ueberschusses in Preußen von rund 100 Millionen aus 12 Millionen zu verzeichnen sei.

Berlin, 3. Juli. DerReichsanzeiger" bringt an­schließend an die Miltheilnng über Schienenbrüche auf preußischen Bahnen weitere Mittheilungen, wonach aus den deutschen Eisenbahnen von 1885 bis 1891 im Ganzen drei«