Ausgabe 
5.2.1891
 
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Berlin, 3. Februar. De» Reichstag ist heute ein am 2. Februar eingegangener Bericht WißmannS vom 9. Jan. zugegangen, worin derselbe darauf hinweist, daß mehrfach die Situation für einzelne Theile der Emin-Expedition höchst Litisch war und die Besorgnis über derartig gewagte Unter­nehmungen ausgesprochen wird. Unter den Anlagen befindet sich ein Bericht Langhelds und des Sergeanten Kühne über das Gefecht bei Jdabura, worin der Feind 163 Todte und Verwundete, die Expedition 2 Todte und 5 Verwundete hatte. Lieutenant Langheld beglückwünscht Emin zu dem beispiellosen Erfolg der Expedition in der Massaua-Affaire.

Köln, 3. Februar. Wegen GüternnHäufung auf ihren Linien verweigert die Niederländische Staatsbahn die An­nahme von Gütern über Emmerich. Die bereits angenomme­nen und unterwegs befindlichen Stückgüter und Wagen­ladungen über genannte Strecke werden zurückbehalten. Die Rheinschifffahrt zwischen Köln und Duisburg ist wieder er­öffnet.

Wien, 3. Februar. Die in den hiesigen Fabriken be­schäftigten Schuhmacher haben die Arbeit nie ber­ge legt. Die Zahl der Ausständigen beträgt etwa 12000. Mit den Arbeitgebern werden Verhandlungen eingeleitet, welche Erfolg zu versprechen scheinen.

Paris, 3. Februar. Der heutige Ministerrath be­schäftigte sich mit dem Budget für 1892 und hat festgestellt, baß die Durchführung der neuen Gesetze und die Realisirung ber der Kammer gegenüber übernommmenen Verpflichtungen eine Mehrausgabe von 28 Mill. Frs. erfordern werden. Der Arbeitsminister erstattete sodann Bericht über seine Ver-- Handlungen mit den Eisenbahngesellschaften, betreffend die Reduction der Uebertaxe bei Schnellzugsbeförderung. Danach werden die Fahrpreise der ersten Klasse um 10pCt., die der zweiten um 20, die der dritten um 30 pCt., die der Retour- billets um 17 pCt. herabgesetzt. Die Gütertarife für Sen­dungen bis 50 Kilogramm und für Nahrungsmittel und für lebende Thiere werden ebenfalls ermäßigt.

Paris, 3. Februar. Der wegen Ermordung des Ge­richtsvollziehers Gouffe zum Tode verurtheilte Michel Eyraud ist heute früh kurz nach 7 Uhr hingerichtet worden.

Lavdoa, 3. Februar. Im Unter Hause wurde heute die Einsetzung einer Untersuchungscommission beantragt, betr. die Magazingewehre, welche der Antragsteller als mangelhaft, gefährlich und kostspielig bezeichnete. Hanbury bekämpfte den Antrag,- es fei nicht angezeigt, die Verantwortlichkeit des Kriegsamts durch eine derartige Untersuchung abzuschwächen. Kriegsminister Stanhope erklärte, er scheue die Untersuchung über die Magazingewehre nicht, aber er wünsche auch, daß das Kriegsministerium verantwortlich dafür bleibe. Daher Unterstütze er Hanburhs Ansicht. Er erklärte, daß das Gewehr das beste sei, das die Regierung beschaffen konnte und hofft, die englische Armee werde auch bald Munition mit rauch­losem Pulver für die Magazingewehre besitzen. Das Unter­haus nahm darauf mit 108 gegen 74 Stimmen den Unter­antrag H^nburys an, wonach die Verantwortung für die Beschaffenheit des Magazingewehrs dem Kriegsminister über- laffen wird.

Rom, 3. Februar. Heute Vormittag 9 Uhr conferirte der König mit Zanardelti.

Rom, 3. Februar. Der König hatte heute nach seiner Unterredung mit Zanardelli keine weitere Conferenz in Betreff der Ministerkrisis. DieAgenzia Stesani" erklärt jedoch, der König habe keine Entschließung gefaßt.

Oporto, 3. Februar. Sergeanten von der Besatzung der auf der hiesigen Rhede vor Anker liegenden (Sorbette , Sag res" versuchten am 31. Januar früh die Schiffsbesatzung aufzuwiegeln, wurden jedoch sofort verhaftet. Bei einem der Verschwörer, Santos Cardoso, wurden wichtige Schrift­stücke beschlagnahmt. Derselbe erklärte beim Verhör, er sei ein Anhänger der föderalen Republik mit einer Regierungs­stelle in Oporto, die von derjenigen in Lissabon unabhängig wäre. Er soll auch gesagt haben, die spanischen Revolutio- näre hätten zu dem Ausstande vorher ihre Zustimmung aus­gesprochen. Die amtliche Zeitung veröffentlicht das Decret, wonach die Militärgerichte alle beim Ausstande begangenen, im Strafgesetzbuch vorgesehenen Verbrechen aburtheilen sollen.

Cocains uitö ^provinzielles»

Gießen, 4. Februar.

Das Kaiser Panorama bietet uns diese Woche eine entzückende Serie und zwar Landschaftsbilder aus Oberitalien. Diese bieten, was imponirende Majestät und erhabene Natur- fchönheiten a'nbelangt, unendlich viel, sowie auch die pracht­vollen Städte, Thäler, Dörfer, Seen, wovon namentlich der Luganosee besonders zu erwähnen ist. Die hohen Berge, im sommerlichen und winterlichen Gewände, die Wunder seiner Gletscher, Eishöhlen und Schneeselder werden auch hier mit plastischer Formen- und Farbmtreue und in denkbar günstig­ster Beleuchtung gezeigt, sodaß Derjenige, welcher die Gegend durchwandert hat, die herrlichen Landschaften wie alte liebe Bekannte begrüßt und bis in's Einzelne wledererkennt; wer aber die Hochgebirgswelt noch nicht auS eigener Anschauung kennt, der kann hier eine klare und durchaus zutreffende Vor­stellung von ihr gewinnen. Die Extra-Ausstellung findet besondere Beachtung/ fie bringt das Bad einer römischen Kaiserin (aus dem Passage-Panopticum, Berlin), unsere jugend­liche Kaiserin, den Schah von Persien, Kaiser Wilhelm und Kaiser Alexander III., die Parade abnehmend. Außerdem noch die Einzugsfeierlichkeiten des Königs Humbert, eine Gallerie Sculpturen der Antike und Sittenbilder re. Der Besuch 'des Panoramas sei Jedem, der ein Auge für land­schaftliche Schönheit, ein Interesse für die Kunst hat, bestens empfohlen.

Theater Verein. Es ist dem Vorstande des Theater- Dereins gelungen, am zweiten Schauspiel-Abend die hervor­ragendsten Kräfte des Frankfurter Stadttheaters hier zu ver­einigen. Die Wahl der Stücke ist derart getroffen, daß die

Mitwirkenden darin ihre künstlerische Individualität ganz be­sonders zur Geltung bringen können. Der ersten großen Soloscene der Frau Claar-Delia,Eine Mutter vor Gericht", worin die Meisterin die ganze Gewalt ihrer Kunst zeigen wird, folgt Wilhelm Jordans feinsinniges Lustspiel: Durch's Ohr", das seit Jahren in allen literarischen Kreisen als eine anmuthige Gabe des großen Dichters geschätzt und gewürdigt wird. Den Beschluß des Abends macht Emil Claars wirksames Lustspiel:Simson und Delila". Als Trägerin der Titelrolle hat Frau Claar-Delia darin seiner Zeit am Residenz-Theater in Berlin sensationelle Er­folge errungen. Wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn wir auch diesmal einen äußerst genußreichen Abend in Aus­sicht stellen.

w. Theater. Gestern erlitt dieEhre" von Suder­mann ihre siebente Aufführung im Neuen Theater. Sieben ist bekanntlich eine Unglückszahl; das machte sich auch gestern Abend fühlbar. Zuschauer waren kaum eine Handvoll da und zwar ganz natürlicher Weise. Denn schließlich lebt der Mensch doch nicht vom Sudermann allein, und sieben Mal dieselbe Leier ist in der That des Guten etwas zu viel. Die Aufführung war zudem nicht nur die schlechteste aller bislang dagewesenen Darstellungen derEhre", sondern auch an sich herzlich schlecht. Lob verdienen Frl. Elisabeth Bischofs, Herr Biebrach (dem es schwer genug gemacht wurde, den rechten Ton zu wahren), Herr Winolt, Frau Anni Rei­ners. Im Uebrigen hatte mau sich in eine fidele Fastnachts­stimmung hinemgearbeitet,- es war ein lustiger Kehraus, den man sich mit einem der gedankenreichsten und tiefsinnigsten Erzeugnisse moderner Literatur gestattete. Allerhand Kurz­weil wurde getrieben, komische Extempores sanden statt und ähnliches mehr. Die wenigen Anwesenden gingen' auf den Ton ein und so kam es, daß mitten in Herrn Biebrachs schöne und wahre Darstellung der Qualen des jungen Heineke im dritten Acte völlige Lachsalven ertönten. Man ging weg nicht mit dem Gefühle, eines der geistreichsten Kunstwerke der Zeit genossen zu haben, sondern mit dem Eindruck, in einer sehr amüsanten Posse gewesen zu sein, in der einige deplacirte ernste Stellen nur zur Erhöhung der Heiterkeit durch den Contraft wirken. Das hätte nicht zu sein brauchen und auch nicht sein sollen.

Theater. Benesizvorstellung für Elisabeth Bischofs. In dem ausgezeichneten Schauspiel, das Fräulein Elisabeth Bischoff zur Darstellung an ihrem Ehrenabende bestimmt hat, in OhnetsHütten- besitzer", stoßen ähnlich, wie in den Stücken mo­derner deutscher Bühnendichter, zwei verschiedene Welten socialer Anschauungen aufeinander: der Stolz hochadliger Ge­schlechter mit dem Selbstbewußtsein des Bürgerthums, das sich seine gesellschaftliche Stellung im harten Kampfe und mühseliger Arbeit errungen hat. Zu diesem, in der geist­reichsten und unterhaltendsten Weise geschilderten socialen Con- flict gesellt sich ein solcher, der auf dem rein menschlichen Widerstreit einiger ganz trefflich gezeichneter und differencirter Individualitäten beruht. Ein stolzes hochsinniges Mädchen, Claire, wird von dem Geliebten ihrer Jugend schmählich verrathen und verlassen. Aber ihr Stolz läßt es nicht zu, daß sie dem feilen Verräther die Größe ihres Schmerzes zu erkennen gibt. Sie reicht darum einem Bürgerlichen, der sie leidenschaftlich liebt, ihre Hand, aber nicht um seine Gattin zu sein, sondern nur, um als solche zu erscheinen. In dem Augenblicke, wo ihr Gemahl sie als sein Weib begrüßen will, stößt sie ihn zurück. Ein furchtbares Verhältniß ist die Folge, aus dem der Dichter in ergreifender und psychologisch durch und durch wahrer Weise die Wege zu einem guten Ende zu finden weiß. Diese Andeutungen mögen genügen, um wenig­stens eine annähernde Vorstellung von dem Esprit des fran­zösischen Dichters und der spannenden Handlung seines Dramas zu bewirken, soweit dies mit so wenigen Worten überhaupt möglich ist.

Im Rechnungsjahr 1889/90 wurden im Großherzog- thum Hessen an inbitecte» Auflage» erhoben. Tranksteuer von Wein in der Provinz Starkenburg 112507 Mk., Ober­hessen 26 881 Mk., Rheinhessen 161916 Mk. Brückengeld und für Uebersahrten in Starkenburg 6244 Mk., Rheinhessen 161 448 Mk. Stempel und Gerichtsgebühren in Starkenburg 646988 Mk., Oberhessen 350 556 Mk., Rheinhessen 630 004 Mk. Aichgebühren in Starkenburg 3328 Mk., Ober­hessen 632 Mk., Rheinhessen 14971 Mk. Erbschaftssteuer in Starkenburg 200846 Mk., Oberhessen 72 928 Mk., Rhein­hessen 199 056 Mk. Schenkungssteuer in Oberhessen 459 Mk., Rheinhessen 1829 Mk. Abgabe von Hunden in Starkenburg 77 015 Mk., Oberhessen 48170 Mk., Rhein­hessen 50710 Mk.

Aus Friedberg wird denN. Hess. Volksbl." über den nach dort gekommenen Lotterie-Gewinn noch geschrieben: Fortuna hat ihr Füllhorn über eine Anzahl von hiesigen Einwohnern ausgeschüttet. Es spielten nämlich dreizehn hiesige Einwohner zusammen ein Viertel eines Looses der preußischen Klassenlotterie und fiel aus dieses Loos der Haupttreffer. Jeder der Betheiligten wird nach Abzug der Kosten noch etwa 10000 Mark erhalten. Die Spielgesellschaft bestand aus fünfzehn Personen (meist kleinen Handwerkern) und belief sich der Wochenbeitrag aus 15 Pfg. Erst vor Kurzem traten zwei Mitglieder aus und kann man sich jetzt deren Aerger ungefähr vorstellen.

E. Friedberg, 2. Februar. Nach der Uebung am 28. Januar befaßte eine Generalversammlung unserer Feuer­wehr sich mit der Berathung eines neuen Statuts, wie solches gemäß dem am 1. April d. I. in Kraft tretenden Feuerlöschgesetz für das Großherzogthum Hessen ferner ge­handhabt werden soll. Die ganze Mannschaft der Feuerwehr erklärte sich bereit, für weitere fünf Jahre, wie es das Ge­setz verlangt, auch unter noch schärferen Bedingungen wie seit­her den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr zu übernehmen. Die Statuten wurden noch während der Generalversammlung

von 118 Mann unterzeichnet. Die stete Bereitschaft einer so großen Zahl von Männern aller Stände und Berufsarten gibt der Bürgerschaft die Zuversicht, daß bei eintretenbcr Ge­fahr auf eine sichere, thatkräftige und rasche Hülse zu rechnen ist. In der hiesigen Suppenküche wurden vom 2. bis 31. Januar verabreicht: unentgeltlich 3026V2 Liter, gegen Zahlung 49 Liter, im Ganzen 3075^ Liter, im Durchschnitt täglich also rund 103 Liter Suppe.

U. Schotten, 3. Februar. Ein rasfinirter Dieb­stahl wurde in der Nacht von Montag auf Dienstag in dem Laden des Uhrmachers Herrn K. Mehring dahier ver­übt. Ungefähr 30 Uhren im Werthe von 400500 Mk., welche in einem kleinen Schaufenster hingen, waren die Beute des Gauners. Da am selben Abend um 9 Uhr ein un­bekanntes Individuum auffallend, mit einem kleinen Handkoffer versehen, die Straße östers passirte, glaubt man in ihm den Thäter zu erblicken.

Kleine Mittheilungen aus dem Großherzogt hu« Hesse». Die Stadtverordneten in Worms haben ebenfalls eine ein­gehend motivirte Petition an die Regierung und die Kammern betreffend die Erbauung einer Rheinbrücke gerichtet. Zu Ostern d. I. werden cs 70 Jahre sein, daß das Lehrer­seminar zu Bensheim eröffnet wurde. Seinen Character als consefsionelle (katholische) Bildungsanstalt behielt es bis zum Jahre 1874, zu welchem Zeitpunkte es simultan wurde und eine Fachleitung bekam. Wie verlautet, wird der Ge­denktag der Eröffnung des Seminars in würdiger Wesse be­gangen werden. Der Domcapellmeister Weber in Mainz hat seiner Heimathsgemeinde Ober-Erlenbach ein neues Glockengeläute geschenkt. In Wagen schwend (Oden­wald) entleibte sich am Samstag ein 50jähriger Landwirth. Als ein Stich, den sich der Lebensmüde in der Herzgegend beibrachte, nicht den gewünschten Erfolg hatte, erhängte sich der Mann mittelst einer Heckenweide an einem Walt bäume. In Eschenbach stürzte ein 74jähriger Bauersmann vom Heuboden und starb nach 3 Stunden an den erhaltenen Verletzungen. Bei Heppenheim wurde am 1. Februar die Leiche eines jungen Mannes gefunden, welcher sich durch einen Revolverschuß getöbtet hatte. Die Leiche schien schon lange zu liegen, denn Lippen und Nase waren bereits von den Mäusen angefressen. Die Stadtverwaltung zu Alzey hat sich ebenfalls dem Anträge der Stadt Mainz an die Regierung betreffs des Communalsteuer-Erlasses für die untersten Staatssteuerstufen angeschloffen. In vergangener Woche wurde das von Sr. Großh. Hoheit dem Prinzen Wilhelm von Hessen gestiftete Fenster im Querschiff des Ost­chors der Katharinenkirche zu Oppenheim eingesetzt, wel­ches von prächtigster Farbenwirkung ist. In Worms wurde am 2. Februar ein Reblaus-Cnrsns eröffnet, an wel­chem über 40 Interessenten theilnehmen.

* Mainz, 3. Februar. Der Trajectverkehr zwischen hier und (Saftet ist heute Nachmittag wieder eröffnet worden. Um dies zu ermöglichen, war es uothig, mit mehreren schweren Dampfern an dem jenseitigen Ufer durch das Saumeis eine Bahn zu brechen, was wegen der Stärke des Eises nicht ohne Schwierigkeit bewerkstelligt wurde. An der Mainspitze finden fortgesetzt Sprengungen statt, die bis jetzt nur den Erfolg gehabt hatten, daß sich kleinere Eis- stücke abbröckelten, während in die großen Eismaffen des Mains noch keine Bewegung zu bringen war. Aus dem Rhein, der immer noch im Fallen ist, entwickelt sich bereits einiges Leben. Mehrere Dampfer und sonstige kleine Fahr­zeuge haben sich bereits aus den Häfen herausgewagt. Hier war der Rhein vom 16. Januar bis zum 1. Februar fest zugefroren.

Gestern fand hier eine öffentliche Versammlung von Schneidern und Schneiderinnen statt, in welcher die Frage erörtert wurde, ob es angezeigt sei, zur Erreichung der gestellten Lohnforderungen im jetzigen Augenblick in eine Strikebewegung einzutreten. Mit Rücksicht auf die noch zu mangelhafte Organisation der hiesigen Schneidergehilseu wurde beschlossen, vorerst noch von einem Strike abzusehen und zu­nächst eine Commission zur Ausarbeitung eines neuen Lohn­tarifs zu ernennen.

* A Mainz, 3. Februar. Mit Einführung des neuen Telegraphentarifs am 1. Februar hat die Hessische Ludwigs- bahn für Privattelegramme die Gebühren ebenfalls auf 5 Pfg. für das Wort Mindesterhebungsbetrag 50 Pfg. her abgesetzt.

Seit gestern ist hier eine von Gehilfen gegründete Central-Schneiderwerkstätte, resp. Genossenschafts- Schneiderei, im Betrieb.

*+ + Kassel, 3. Februar. Fürsorge für ent­lassene Strafgefangene. Im ehemaligen Kurhessen besteht seit einigen Jahren ein Verein, welcher die Fürsorge für aus dem Gefängniß entlassene Gefangene sich zur Aus­gabe gemacht hat, und zwar indem er dieselben mit Rath und That unterstützt, damit sie, wenn sie ehrlich wollen, ein neues, ordentliches Leben beginnen können. Es wird den Gefangenen vor allen Dingen eine ihren Fähigkeiten, bezw. ihrem Hand­werk entsprechende Beschäftigung verschafft, wenn nicht hier und in der Provinz, dann außerhalb. Ferner wird ihnen Reisegeld gegeben, Kleidungsstücke und nötigenfalls auch neues Handwerkszeug angeschafft. Wie in der gestern Abend ab­gehaltenen Generalversammlung zur Sprache kam, hat der Verein auch im abgelaufenen Vereinsjahre wieder eine sehr segensreiche Thätigkeit entfaltet, indem 34 Personen die Hilfe des Vereins nachsuchten. Bei 22 Gefangenen war sie erfolg­reich, es wurde ihnen Arbeit verschafft und sie haben einen energischen Schritt gethan, die abschüssige Bahn des Verbrechens zu verlassen und wiederum brauchbare Glieder der mensch­lichen Gesellschaft zu werden. Es befinden sich darunter nicht nur leichte Strafgefangene, sondern eine ganze Anzahl schwerer und schwerster Verbrecher, die wegen Raub, Brandstiftung, Eiubruchsdiebstahl, Todtschlag, Sittlichkeitsvergehen rc. yi