Ausgabe 
4.10.1891 Zweites Blatt
 
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trächtltch abgekühlt und hat namentlich in Lombarden Realisationen vollzogen auf die Erkenntniß hin, daß die VerstaatltchungSfrage noch nicht so bestimmt ist, als man angenommen hatte. Dieselben verloren darauf hin reichlich 4 fl., wovon sie indessen 1 fl. wieder zutückgewinnen konnten. Die anderen Bahnen sind jedoch theil- ; weise nicht unbeträchtlich besser, so Staatsbahn 3 fl., Graz-Köflacher 2 fl., Buschtherader 4 fl. und Duxer und Böhmische Nordbahn 3 fl.

ii « 9?l0I}1!?rnmQr^ bekundete eine außerordentlich feste Tendenz, sowohl

mit Kohlen als mit Etsenactten, obgleich gerade der Beschluß, eine Verminderung der Cokesproduclion anzuempfehlen, keine günstige Deutung finden kann. Nichts- destoweniger gewannen Gelsenkirchener 2o/o, Harpener 3 o/0 unb Htbernia l*/0. Die lebhafteste Bewegung vollzog sich indessen im Eisenmarkt; hier wirkten Gerüchte über den endgilttgen Verkauf des Savonawerkes, die schon einmal ermähnten Fustons- projecte der Oberschlestschen Werke und mehrere große Abschlüsse von Spiegeleisen nach Amerika. Bochumer sind 7Vr°/o besser, Dortmunder 31/2% und Laura eben­falls JVj %.

, . 1 Der Rentenmarkt stand unter dem Einfluß des flüssigen Geldstandes und hat deshalb zum Thcil ebenfalls steigende Course aufzuweisen. Deutsche Werthe sind gut behauptet, Oesterreichische und ungarische Renten ziemlich beträchtlich besser, .Portugiesen und Russen aber schwächer, im Einklang mit den weichenden Pariser Notizen. Empfindlich gedrückt sind Argentinen auf die D.cretirung der zwangs­weisen Regultrung der inländischen Goldverpflichtungen zum Eourse von 25o/o. ®anfben fommen nun Notenemissionen, abenteuerliche Finanzpläne in Hülle unb Fülle, sodaß immer klarer wird, daß gegenüber der aubauernden Mtßwtrthschaft nur die europäische Controle Abhilfe schaffen kenn.

Zwangsdeckungen haben in dtefer Woche mehr alö einmal eine Rolle gespielt und die EourSbewegung beschleunigt. Die kleinen und großen Speculanten, die jroductendörfe, nicht minder etn großer Procentsatz der Bankgeschäfte an den Börsenplätzen hatten das Bedürfniß gefühlt, in der oorangcgangenen Zett ihrer Meinung durch Abgaben Ausdruck zu verleihen. Der plötzliche Umschwung fordert natürlich feine Opfer, da aber die Liquidation beendet, so ist die Reihe der Insol­venzen mit den bisherigen Zwischenfällen wohl vorläufig abgeschlossen. Die noch bestehenden Engageinents fino außerordentlich schwer zu schätzen, indessen sollte, da schon dte Liquidation eine starke Herabminderung der Deportsätze gebracht hat und da bei der scharfen Aufwärtsbewegung dtefer Woche Deckungen offenbar stark mit- gewirkt haben, Grund zu der Annahme vorhanden fein, datz dieselben nicht mehr bedeuiend sind; dem widerspricht jedoch die andauernde Festigkeit, dte im vollen Gegensatz stebt zu dem Verhalten der auswärtigen Börsen.

Der Bankenmarkt steht unter dem Einflutz eines Gerüchte«, daS stch trotz aller Demenltrungen hartnäckig erhält und an der Börse auch vollen Glauben findet das behauptet, es werde zwischen der Handelsgesellschaft und der Internationalen Bank eine TranSaction vorbereitet, die auf eine Eapitalverminderung oder gar au dte Liquidation der letzteren hinausläuft. ES ist trotz allen Kanzlerreden kaum ver- pändtrch, wie ein solche« Gerücht als Hauffemotiv benutzt werden kann. Vermindert die Internationale Bank ihr Eapital, fo redrefstrt sie allerdings eilten fchweren Fehler, den sie im vergangenen Jahre begangen hat, und liquidirt sie gar, so mögen die Actionäre frohlocken, baß sie wenigstens einen Theil ihres schon abgeschriebenen Verlustes zurückvcrgütet bekommen. Ader in dem einen wie in dem anderen Falle würve doch ein so trostloses Bild von der Lage de« Bankgeschäftes entrollt, datz die gletchzettige Aufwärtsbewegung der anderen Bankactien widersinnig erscheint. Die Eourse waren am Freitag auch schwankend im Bankenmarkte und während der osfteiellen Bölsenstunden vollzog sich eine nicht unerhebliche Abwärtsbewegung. D,e Nachbörse war aber wieder so fest, datz dte höchsten Course abermals erreicht wurden. Dtsconto gewannen nahezu 6<>/0, Dresdener 4 0/0, Deutsche Bank 8 o/g, Internationale Bank dagegen 76/0 und HandclSgesellschast 4ö/o- Credtt, die an der FrettagS- börse ebenfalls empfindlich gedrückt waren, sind nachbörslich wieder so viel besser, datz sie dte Woche mtt 5 fl. Gewinn verlassen.

Der Wiener Markt ha: sich gegenüber dem Ueberschwung der Vorwoche be-

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von E. Wasserschleben, Bankgeschäft.

Die Ultimoliquidation ist beendet, aber die Börse segelt weiter in dem Fahr­wasser der Hausse, in welches sie diese erst hineingelettet hat. In Beiten, wie den gegenwärtigen, erscheint schwierig, selbst an dec Hand der vollendeten Thatsachen unter dem Gewirr der wechselnden Erscheinungen die Fäden zu entdecken, welche alS die leitenden der jeweiligen CourSbewegung anzu,ehen sind, fast unmöglich aber die letztere auch nur annähernd im Voraus zu bestimmen. Wenn in der Vorwoche dte Betheiligung deutscher Firmen an der russischen Anleihe die Contre- mtne zu Deckungen drängte, und heute die Nachricht, daß die betreffenden Firmen von einer Subscrtption Abstand nehmen, die Course nur noch höher hinaufschnellt wenn Gerüchte über eine Capitalreduction einer großen Bank, ober gar deren Liquidation Oie volle Hausse im Bankenmarkt entfesseln, so sind das widersprechende Erscheinungen, die auch den irreführen können, der sich seit Jahren bemüht, in dem scheinbar so willkürlichen und doch gesetzmäßigen Lauf der Course die leitenden Gedanken zu erkennen. Und doch dürfte die Erklärung dafür nicht allzuweit zu suchen fein. I

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Matzgebenb für bie Bewerthung eines Papiers ist in ihrem letzten Enbe immer nur die Rente und mtt der HandelSconjunctur und der Bewegung des Zinsfußes geht demnach die CourSbewegung der Ebbe unb Fluth vergleichbar in gewaltigem Zuge auf unb ab. Aber wie die Meeresfluth in Hunderten und tau­senden von Wellen hereinströrnt, die sich erheben, aufspritzen und wieder versinken, so oollzicht sich auch die CourSbewegung in immerwährendem Wellenschlag und auf den großen Wogen, die heranrollen, tanzt und spricht das Wellengekräusel der Speculatton. Den Kräften aber, welche hier in Wtrksamkett treten, nachzuspüren bringt meist wenig Gewinn, weil Neigungen, Meinungen, Stimmungen und ZwangS- Ingen von Einzelnen oder von ganzen Gruppen eine große Rolle habet spielen und fo schnell wie sie auftreten wieder verschwinden können. Freilich wird man sagen eine CourSbewegung, die innerhalb zweier Wochen Spannungen von zehn Procent umfaßt, sieht nicht auS wie Wellengekräusel, und dem soll auch nicht widersprochen werden. Zu berücksichtigen bleibt aber, datz die Lage der Börse eine anormale ist, weil der solide Stamm beS Anlage suchenden Publikums fehlt, unb daß dadurch die DtSpositioNlN und Maßnahmen oer Speculatton eine ganz unverhältnißmäßig »roße Wirkung hervorbringen. Bet solcher Sachlage gewinnt der Umstand doppelte Bedeutung, datz beim Böcienspeculanten zwischen Denken unb Handeln nur ein unendlich kleiner Schritt liegt. Die Bildung der Meinung fällt meist mtt der Bc- thättgung derselben durch Kauf oder Verkauf zusammen, und wenn der Reichs­kanzler, offenbar nur in der Absicht, Beunruhigungen zu verscheuchen, urbi ot orbi, verkündet, baß den politischen Horizont keine Wolke trübe, so kann es Niemand Wunder nehmen, wenn die Speculatton, die seither die Mobil­machung schon vor der Thür sah, in demselben Moment vereint zu Deckungen und Ankäufen schreitet. Zu einet dauernden CourSbewegung gehört aber mehr al« die Käufe von Speculanten, dazu gehören auch Leute, die diesen da« Material zu den gelegenen Coursen wieder abkaufen, und ob diese sich ein- lellen werden, daS wollen wir nicht zu prophezeien suchen, sondern die Entscheidung ruhig den kommenden Tagen überlassen. Dabet soll indessen nicht verkannt werden daß in der Beruhigung der Gemülher, die des Reichskanzlers Rede in Osnabrück bezweckt unb auch heroorgerufen hat, in ber That ein Grunb zu einer Höherbewerth. ung beS CourSnioeauS liegt. Die politischen Besürchtungen haben vorher in nicht geringem Maatze beigetragen bte BarssterS in ihrem Vorgehen zu bestärken, und da nun vielen Engagements die Voraussetzung, unter denen sie eingegangen wurden genommen ist, so erfolgt au« deren Lösung allein schon eine Aufbesserung ber Course' ganz abgesehen bavon, ob neue unb kapitalkräftige Käufer im Markte erscheinen oder nicht. Ein andere« Moment, da« eine AuswärtSbewegung der Course nadjbiüct "ch unterstützt, ist der für diese Jahreszeit unverhältnißa äßia flüssige Geldstand. In dcn letzten Wochen sind auS England mehr al« l1/» Millionen Lstr. herüber geflossen, und diese Zufuhren find den deutschen Märkten so zu statten gekommen daß der gefürchtete Octobertermin selbst an der Productendörse ohne Schwierigkeiten überwunden wurde. Der Bankausweis, welcher die Ansprüche be« OuartalwechselS ziffernmäßig barlegen wirb, kann zwar erst nächste Woche erscheinen, aber nach ben bereit« autzt.rorbentlich günstigen Z.ffern ber letzten Veröffentlichung unb im An­betracht der weiche,»den Tendenz des PrivatdisconteS ist kaum anzunehmen, daß der- elbe unangenehme Ueberraschungen bringen wirb, cs sei denn, daß bas Reich dcn größten Tfieil seiner Guthaben zurückgezogen hätte. ES sind nun allerdings in diesen Tagen und mit Beginn de« nüchsien Monats dte Nesteinzahlungen auf bie 3% Anleihen zu leisten, unb diese werden große Beträge absorbiren; ob der Markt auch für diese außergewöhnlichen Anforderungen hinreichend gerüstet ist, steht zwar zu hoffen, bleibt aber immerhin zweifelhaft.

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102.20

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Rente ....

85.

84 80

84.30

85.

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94.70

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101.50

101.60

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94.85

95.-

l°/o Türken conv. Lit. D.

17.85

17.95

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43.80

41.50

Anleihe . . .

62.35

61.60

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97.05

97.65

3Vi% Egypt. priv. Aul.

91.20

91.80

4o/c, Rufs, ConsolS S. III

97.20

1 96.50

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4% Psälz. LubwtgSbahn * (Bexbach) . . . , Hessische LubwlgSb.

5% Südbahn Lombar den

102 60

102 70

101.70

101.50

4°/o bo. do.

94.

3% bo. bo.

63 20

63.10

68/69 garant. . * Eltsabethb. steuerfrei

101.

4% Prag-Duxer Gold .

97.

99.

Rudolf Gold (Salzt.)

99.

99.25

Golb .... 5% Oestr. StaatSbahn.

99.65

99.60

Franz-Josef Silber

82.60

83 95

105.

105.80

3% staatl. garant Jtal.

4% do. bo.

98.70

99.80

Eisenbahn . .

58.90

54 25

Bo/o bo. bo.

8% Livorncser . . .

61.60

61 50

I.-VIil.Emtff.

88.90

83.70

4°/o Ruff. Südw 3. ismb.

92 55

92 90

3% do. Ergänzungsnetz

81.05

80.75

4°/o Wladikawkas garnt.

92 80

92.15

5 To Rorbweftbahn Gold

104.70

105.40

4% gar. Sardin.Sec.stfr.

78.90

79 50

Gifenbahu-Aetien.

Ludwigshafen-Bexbach.

Hessische LudwigLbahn'.

220.60

220.50

Galiz CarlLublv. B.-Act.

176.25

178.

11085

111.

De ft. Nordw.-Bahn Lit.v.

189.75

1895/s

Pfälzische Nordbahn .

113.70

114 60

Gotthardt.....

129.85

129.40

Lübeck-Büchner . . .

148

149

Jtal. Mittelmeer , .

93.

91.90

Bank «etien.

Deutsche ReichSbank . Berlin. HandelSgescllsch.

148.

142 80

Dresdener Dank. . .

134 75

187.75

184.

188.45

Mittel!.eulschc Creditb. .

98.30

99.50

Deutsche Bank . . . DeutfcheGenoffenschftSb.

145.60

147 95

Wiener Bank-Verein .

94'/g

94.50

Würifemb. Vereinsbank

121.70

122.80

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120.80

120.55

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