■rit den Regierungstruppen vorgekommen - dabei stürzten Leute auS dem Volke vor der Municipalgarde aus die Kniee und flehten um Gnade. Die große Mehrzahl der Einwohner ist bestrebt, wachsende Anhänglichkeit an die bestehenden Einrichtungen zum Ausdruck zu bringen. Trotz dieser Haltung soll daß Standrecht aus einmonatliche Dauer in Kraft bleiben. Der Kriegsrath urtheilt Militär- wie Civilpersonen ab. An der Bewegung haben nach den neuesten Schätzungen gegen 600 Insurgenten theilgenommen. Die für die Regierung verfügbaren Truppen betrugen 1000 Mann, darunter 700 Gendarmen, wovon 9 getödtet und 28 verwundet worden find. ____
Berlin, 3. Februar. Die „Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht eine Allerhöchste Ordre an den Grafen Walder- fee, worin derselbe von seiner Stellung eines Generalstabs- chess entbunden und zum Commandeur des 9. Armeecorps ernannt wird.
Mttö provinzielles.
Gieße«, 3. Februar.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten «it Donnerstag den 5. Februar 1891, Nachmittags 8 Uhr:
1. Mittheilungen. 2. Voranschlag der Stadt Gießen für das Etatsjahr 1891/92. 3. Gesuch des I. L. Hartmann um Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein über die Straße. 4. Gesuch des Christian Hölzel um Ertheilung der Wirth- schastsconcession. 5. Gesuch des Heinrich Benner II. um Ertheilung der Wirthschastsconcession. 6. Decretur von Kostenrechnungen. 7. Voranschlag über die sachlichen Be- dürsniffe der Volksschulen für 1891/92. 8. Gesuch des P. Jmmel um pachtweise Ueberlassung von städtischem Gelände. 9. Gesuch des Ingenieurs Koch um Erlaubniß zur Errichtung eines Ziegelringosens in der Gemarkung Gießen. 10. Ver- miethung des ehemals Walther'schen Hauses. 11. Gesuch des Franz Nolte um käufliche Ueberlassung von städtischem Gelände. 12. Baufluchtlinie für den Tiesenweg. 13. Brunnen am Gail'schen Hause in der Neustadt. 14. Reinigung der Straßen von Eis und Schnee.
— Das am 31. Januar außgegebene Großh. Regierungsblatt (Beilage Nr. 2) enthält unter Dienßnachnchten u. A.: Am 16. November wurden dem prov. Zeichenlehrer an der Volksschule zu Gießen Georg Gerhard die Rechte eines definitiv angestellten Volksschullehrers verliehen- am 4. De- oember wurden den Volksschullehrern Joh. Peter Traut- mann zu Wimpfen, Heinr. Knauß zu Atzenhain, sowie dem Schulamtsaspiranten Aug. Feuerbach zu Offenbach Lehrerstellen an der Volksschule zu Gießen übertragen.
— Die Nr. 4 des „Hessischen Kirchenblattes", herausgegeben im Auftrage des Evangelischen Psarrvereinß für das Großherzogthum Hessen von Pfarrer Dr. Naumann in Gießen, hat folgenden Inhalt: Des Predigers Gebet und Kürbitte. — Die Verfassung der evang. Kirche in Hessen und die Verwaltung des Kirchenvermögens. — Die Pfarrstellen M«b die Geistlichen in der hessischen Landeskirche. — Von Mitarbeitern des Hessischen Kirchenblattes. — Sitzungen der Ausschüsse des Pfarrvereins. — Sterbekasse-Verein für die evang. Geistlichkeit. — Gottesdienststörung und Reichsgericht. — Die Pfarrer in Hessen und die Darmstädter Zeitung. — Anfrage. — Eingesandt. — Mitglieder des Pfarrvereins. — Briefkasten. — Stellen-Gesuch. — Vom 12. bis 26. Januar find dem evang. Pfarrverein 11 ordentliche Mitglieder beigetreten; er zählt jetzt 242 ordentliche und 4 außerordentliche Mitglieder.
— Von jetzt ab findet bei schöner Witterung von Mittwoch von 12—1 Uhr Mittags in der Südanlage Promenade-Con- eert der hiesigen Regimentsmusik statt, und wird das Programm durch den Gießener Anzeiger veröffentlicht. — Programm für Mittwoch den 4. Februar: 1) Fest Ouvertüre (Lortzing, nachgelassenes Werk), 2) Fantasie über Koschats „Verlassen bin i" [neu] (Reindel), 3) Mein Walzer (Ernst Ludwig, Königl. Hoheit), 4) Fantasie aus der Oper „Der fliegende Holländer" (Wagner), 5) Jubiläums- Marsch (Krauße). — Diese von Herrn Regiments-Com- Mandeur Oberst Perthes angeordnete Neuerung wird jedenfalls von unserer Einwohnerschaft mit Freuden begrüßt.
— Theater. Das Schauspiel, das sich Frl. Elisabeth Bischofs zu ihrem Benefiz am Freitag ausgewählt hat, ist daß bekannte, treffliche Drama von Gnet „Der Hüttenbesitzer". Im Anschluß an die Aufführung der Sardou- schen „Fernande" hat der Referent des „Gießener Anzeigers" mit Recht darauf hingewiesen, daß die französischen Stücke dieser Art an einer großen Oberflächlichkeit leiden und bei der Berührung gewagter Probleme doch nirgends den Muth der Wahrheit besitzen. Anders steht es mit dem Hüttenbesitzer von Gnet. Man hat seiner Zeit, als das Stück seinen Siegeszug über alle leistungsfähigeren Bühnen nahm (z. B. in Berlin, Leipzig, Hamburg, Köln, Frankfurt u. s. w.), innerhalb der deutschen Kritik das geflügelte Wort erfunden, das überall den lebhaftesten Anklang sand, daß sich in dem Gnet'schen Drama deutsche Innerlichkeit, Schärfe und Wahrheit der Characterzeichnung mit französischer Grazie und Fähigkeit auss Geistreichste und Interessanteste zu unterhalten und die größte Spannung zu erzeugen und durch das ganze Stück zu erhalten, auss Glücklichste vereint fänden. Infolge dieser Vorzüge hat Gnets Drama thatsächlich auch überall einen gradezu bezaubernden Eindruck gemacht und vermöge der Zartheit und Feinheit der Töne, die zur Schilderung der Personen und zur Darstellung der immerhin auch sehr intime Verhältnisse des menschlichen Lebens berührenden Handlung verwandt sind, ist es allerorten ein Lieblingsstück auch der Damen in viel höherem Grade geworden, als es die neuen Stücke der modernen deutschen Richtung gemeinhin zu sein pflegen.
— Heute trafen die ersten zwei Ueberweisungen zum Bezüge der Alter!- ««d Invalidenrente für zwei betagte Personen in unserer Stadt hier ein.
— Seit einer Reihe von Jahren ist Gießen ein längerer Aufenthaltsort des Herrn Kalligraphen Gottlieb, und dieses Bedürsniß ist durch die Inanspruchnahme des genannten Herrn, resp. seiner Methode in der Kalligraphie, bedingt worden. Eine ganze Reihe von Besuchern seiner Curse haben ihm für die erlernte bessere Handschrift Dank gewußt und solches öffentlich zur Kenntniß des Publikums gebracht. In diesen Tagen beginnt Herr Gottlieb den zweiten Cursus in der Kalligraphie und bedarf es gewiß nur dieses Hinweises, um eine Zahl von mit unschöner Handschrift behafteten jungen Leuten zu veranlaffen, Besucher dieses Cursus zu werden und sich von der Zweckmäßigkeit zu überzeugen. (Siehe Inserat.)
— Der Hausbursche eines hiesigen Geschäfts, der vor einigen Tagen wegen Betrugs aus der Untersuchungshaft entlassen war, wurde, weil mittlerweile sich eine Reihe von von ihm verübter Geldunterschlagungen herausgestellt hatte, am Nachmittag desselben Tages wieder auf! Neue verhaftet. Heute nun wurde weiter ermittelt, daß der Beschuldigte an jenem Tage während der kurzen Dauer seiner Freiheit neue Betrügereien, sowie Urkundenfälschungen begangen hat.
— Nach § 1 des Invalidität s- und Alters-Versicherungs-Gesetzes beginnt die VersicherungSpsticht vom vollendeten sechszehnten Lebensjahre ab. Das sechszehnte Lebensjahr aber ist mit Beginn des Tages vollendet, an welchem Jemand nach dem allgemeinen Sprachgebrauche seinen sechözehnten Geburtstag hat, denn dann hat er sechszehn Lebensjahre hinter sich. Wer also am l.März 1875 geboren ist, wird am l.März 1891 versicherungspflichtig, nicht etwa, wie vielfach angenommen wird, am 1. März 1892.
$ Aus der nordöstlichen Wetterau, 2. Februar. Gleich wie aus anderen Gegenden, so ist auch von hier ein rapides Steigen der Hoizpreise zu berichten. Wenn z. B. in vergangenen Jahren der Raummeter Buchen-Scheitholz 6 bis 8 Mk. kostete, so wird derselbe in diesem Jahre bei saft allen Holzversteigerungen mit 8 bis 11 Mk. bezahlt.
Lich, 1. Februar. Am Sonntag den 18. Januar wurde um Mitternacht in den Straßen unserer Stadt ein hiesiger junger Mann Namens Heinrich Merle meuchlerisch überfallen und derartig zerschlagen, daß nach einer Bescheinigung des denselben behandelnden Arztes die inneren Verletzungen jederzeit den Tod gewärtigen lassen. Seitens des hiesigen Amtsgerichts ist nun in diesen Tagen aus Grund einer auf diese Bescheinigung hin erfolgten Anzeige der Gendarmerie die Verhaftung zweier der That verdächtiger in der Brauerei des I. H. Jhring hier beschäftigter Brauer angeordnet worden; es sollen sich jedoch außer diesen Beiden noch verschiedene andere junge Leute an dem Ueberfalle beiheiligt haben und werden diese allgemein als die alleinigen Urheber dieses scandalösen Vorfalls bezeichnet.
Grüuberg, 30. Januar. Obgleich nur vereinzelt auftretend, hat die gefährliche Halskrankheit Croup seit Weihnachten in unserer Stadt schon mehrere Opfer gefordert. Namentlich sind es noch nicht schulpflichtige Kinder, die von der tückischen Krankheit befallen werden.
Bad-Nauheim, 29. Januar. Das Gesetz über die Abänderung des Verfahrens in Forst- und Feldrügesachen vom 30. September 1890 ist am 20. November v. I. in Kraft getreten. Die wesentlichste Abänderung von dem bisherigen Verfahren besteht darin, daß der Einspruch gegen einen in Forst- und Feldrügesachen erlassenen Strafbefehl nicht mehr, wie seither in einem für die Strafbefehle der jeweiligen Periode gemeinsamen Termin mündlich vor dem Forst- bezw. Feldgerichte erhoben werden kann, sondern binnen einer Woche nach der Zustellung bei dem Amtsgerichte mündlich oder zu Protokoll des Gerichtsschreibers erhoben werden muß. Nur die Sachen, in denen dieser Einspruch rechtzeitig erhoben worden ist, werden verhandelt. Heute standen hier die ersten Tagfahrtcn nach dem neuen Verfahren. Während nun das Forstgericht ganz ausfiel, wurden btos vier Feldrügesachen aufgerusen, da weitere Einsprüche nicht erhoben worden waren. Blos in diesen vier Sachen waren die Denuncianten und resp. Zeugen geladen worden. In dem früheren Verfahren erschienen regelmäßig eine größere Anzahl Frevler, die wenigstens den Versuch machten, um die Strafe ganz ober theilweise herumzukommen. Durch das neue Verfahren werben dem Staate nicht unwesentliche Kosten und den Behörden viele Arbeiten erspart. Nach der hier gemachten Erfahrung ist der Hauptzweck des fraglichen Gesetzes erreicht. D. Z.
Friedberg, 2. Februar. Dreizehn Einwohner von hier spielten zusammen ein Viertel eines Looses der preußischen Lotterie. Aus die gespielte Nummer fiel das große Loos und trägt es jedem von ihnen nach Abzug der unvermeidlichen Kosten noch etwa 9000 Mk.
Büdingen, 1. Februar. Das hiesige Kreisamt hat, gestützt auf Art. 288 des Polizeistrafgesetzes, ein Verb ot erlassen, dahin gehend, daß Inhaber von Schankwirthschasten an Sonn- und Feiertagen von Morgens früh bis zum Schlüsse des öffentlichen Nachmittags-Gottesdienstes Gäste, mit Ausnahme Auswärtiger, in ihren Localen nicht aufnehmen dürfen. Aus Gasthäuser und Garküchen bezieht sich das Verbot nicht.
)( Hnngen, 2. Februar. Sicherem Vernehmen nach beabsichtigt der practische Thierarzt Dr. Löffler, seither in Mainz wohnend, sich in hiesiger Stadt niederzulassen und feine Praxis zu beginnen.
D Ruppertenrod, 2. Februar. Wie ungemein streng der Frost gewesen und wie tief er das Erdreich durchfroren, geht aus der noch immer herrschenden Wassercalamität, unter welcher viele Einwohner zu leiden haben, klar hervor. Obwohl die gelinde Witterung nun schon seit acht Tagen herrscht, ist das Erdreich m der Tiefe noch immer nicht ausgethant. Im anderen Falle könnte sich nicht, das Wasser heute noch immer in den Kellern, Ställen und Scheunen stauen. Es ist nachgerade zur wahren Plage der Einwohner geworden, die darunter zu leiden haben. Kaum haben sie mit vieler Mühe
das Äusser herauSgeschöpft, so dringt wieder neue- nach. Man kann sich niemals erinnern, daß so fest die Fundamente der Gebäulichkeiten und ihre Abzugscanäle zugefroren waren. Hoffentlich schafft das anhaltend milde Wetter bald Abhilfe.
K. Lißberg, 1. Februar. Ein hiesiger Landmann erlegte am 27. v. M. in seinem Schafstalle eine Wildkatze, welche sich dort eingeschlichen und bereits ein Lamm todtgebissen hatte.' Da in den letzten Jahren mehrere derartige Raub- thiere erlegt wurden, so glaubt man annehmen zu können, daß sie in hiesiger Gegend gar nicht so selten sind.
§ Bom hohen Vogelsberg, 1. Februar. In unserem ganzen Vogelsberg besieht schon seit langer Zeit der Brauch, bei Begräbnissen für die Leidtragenden einen Schmaust zu halten. In der Kirchengemeinde Herchenhain ist dieser Brauch kürzlich abgeschafft worden und zwar auf Veranlassung des dortigen Herrn Pfarrers, unter Mitwirkung des Kirchenvorstandes. Hoffentlich findet dieses Vorgehen auch in anderen Kirchengemeinden Nachahmung.
Vermißtes.
* Darmstadt, 1. Februar, lieber die Ursache des Unfalls, der den Tod des in einen Schacht am hiesigen Bahnhose gestürzten Directors Pfaltz au8 Stuttgart herbeiführte, wird berichtet: Psaltz wollte das neben dem Bahnhofe befindliche Closet aussuchen. Die Bestimmung dieses kleinen Gebäudes ist Nachts bei der mangelhaften Beleuchtung schwer zu entdecken und so gerieth der Verunglückte zunächst an das Damencloset. Beim Aussuchen des Herrenclosets nahm er bann bie falsche Richtung und stürzte die Treppe zu einem tiefen Raume hinunter, der früher als Brunnen, jetzt als Kohlenraum benutzt wird. Die Treppe wird durch eine einfache eiserne Stange abgesperrt, bie jeboch in bem vorliegenden Falle nicht vorgelegt gewesen sein soll. Außerdem ist ein solcher einfacher Abschluß durchaus nicht zur Absperrung genügend. Die Wittwe des Verstorbenen, der ein Gehalt von über 10,000 Mk. bezog, hat einen hiesigen Anwalt beauftragt, bei der Bahndirection Entschädigungsansprüche geltend zu machen.
* DaS „große LooS" der preußischen Lotterie ist am Samstag gezogen worden. Der Hauptgewinn von 600,000 Mk. fiel auf bie Nr. 125,583. Drei Viertel des Looses wurden in Frankfurt a. M. gespielt.
* Wien, 28. Januar. Der Professor der Chirttrgie, Mosetig, machte in der gestrigen Sitzung der Aerzte-Gesell- schaft die Mittheilung von der Entdeckung eines neuen Heilmittels gegen krebsartige, bisher für unheilbar gegoltene Neubildungen. Das Mittel ist Methylviolett und bewirkt, in die Geschwüre injicirt, den Schwund derselben ohne gefährliche Reaction wie bei Köchin. Die angeführten Fälle von Heilung erregten Aussehen.
Uttttxrfitäis < naebriebiett.
— Dem ordentlichen Professor in der medicinifchen Facnltät und Director der Chirurgischen Klinik und Poliklinik der Untverfität Bonn, Dr. Friedrich Trendelenburg, wurde der Charact« als Geheimer Medictnalrath verliehen.
Ctttvdtit und lütnft
— I« rweiten Hefte der Monatsschrift »Unsere Stil*, herausgegeben von Friedrich Bienemann (Leipzig, F. A. Brockha«s), erweist sich die Novelle „Mondschein" von Martha AsmuS, deren Schluß mttgetheilt wird, als ein fein beobachteter und sauber anS- gearbeiteter Ausschnitt aus dem täglichen Umgangsleben; chic einfache, wohlthuend vornehme Auffassung der Menschen und Erscheinungen spricht aus den erzählenden Dichtungen dieser Schriftstellerin, der wir schon mehrfach mit Freuden in „Unsere Zeit" begegnet sind. In der Auffassung liegt auch der Reiz der anonymen Slizze „Die Petersburger Gesellschaft". Professor Wilhelm Müller, der Verfasser der „Politischen Geschichte" jedes Jahres, wirft einen Rückblick auf „Die süddeutschen Staaten und Sachsen im neunten Jahrzehnt". Aus der Feder eines Sachkenners, des Generalmajors z. D. G. Schröder, wird unter dem Titel „Die Septemberwoche des Gruson- Werks" ein Ueberblick über dessen Artilleriematertal und seine Panzer- conftructionen gegeben. Aus dem Nachlasse Feodor von Wehle ist an „Eine französisch-deutsche Dichterschule" in den fünfziger und sechziger Jahren und damit an die engen geistigen Beziehungen beider Völker erinnert, denen die Franzosen durch den von ihnen hervorgerufenen Krieg leider ein Ende bereitet haben. Dr. Heinrich Albrecht schildert „Industrielle Wandlungen" und die durch sie bewirkten Veränderungen im gesellschaftlichen Gefüge und Verhalten. Käthe Schir- macher bespricht des General Booth Aufsehen machendes Buch „The darkest England“ in einem Aussatze: „Das dunkle England". Der Herausgeber, Friedrich Bienemann, macht unter der Rubrik „Denkwürdiges" darauf aufmerksam, daß die fast halbhundertjährige That- sache bet Einführung einer richtigen Datumszählung auf den Philippinen der deutschen Wissenschaft ziemlich unbekannt geblieben sei. Eine leider reiche Todtenschau bildet den Schluß des HesteS.
ÖcrMpe, £onö> ttttd
ö iefiett, 3. Februar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmartt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,85—0,90, Hühnereier 1 ©t 7-9, 2 St. - H, Enteneier 1 St.--H, 2 St. - H,
Käse pr. St. 5—8 H, Käsematte pr. St. 3 H, Erbsen vr. Liter 30 A, Linsen pr. Liter 28 A, Tauben pr. Paar X 0,60—0,70, Hühner pr. Stück X 1,20—1 50, Hahnen pr. St. X 1,40—1,70, Enten pr. Stück X 2,00—2,20, Ochsenfleisch pr. Pfd 70—74 A, Kuh- und Rindfleisch 60—64 A, Schweinefleisch 60-70 A, Hammelfleisch 62-68 A, Kalbfleisch 60-64 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 6,00-0,00, Weißkraut pr. St. 3—7 A, Zwiebeln per Centn er X 5,00—0,00, Milch per Liter 12—18 A. Gänse pr. Pfd- 60— A.
Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seidensabrik-Döpöt von G. Henne- berg (K. u. K. Hoslies) Zürich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und zollfrei ins Haus. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 1019


