Bundescommtssar Legationsrath Kayser legt die Verhältnisse der einzelnen Colonialgesellschaften dar, «m nachzuweisen, daß bereits Bedeutmdes für die Colonien geleistet sei und daß dieselben in Zukunft auch die aufgewendeten Mittel reichlich wieder einbrüigen werden.
Abg. Graf v. Arnim (Rp.) verthetdigt die Colonialpolitik von allgemeinen Gesichtspunkten aus. Deutschland könne der Colonien nicht entrathm. Mag auch augenblicklich ein Zinsgewinn für die angelegten Capttalten nicht erzielt werden, so ist für die Zukunft doch das Beste von den Colonim zu erhoffen. Die Niederlagen einzelner Expedttionssührer sind unvermeidlich, aber es fehlt wahrlich nicht an anderen kühnen Unternehmern, die bereit sind, in die entstandene Lücke zu springen. Wir besäßen Helgoland heute nicht, wenn wir nicht die von Herrn Peters errungenen Compmsattons-Objecte dafür batten bieten können. Wir wollen in den Colonim ein Gebiet schaffen, in dem sich unsere jungen Kräfte ein nützliches Wtrkungs- gebtet schaffen können, dmen der preußische Exercierplatz zu monoton erscheint. Der Untergang Graoenreulhs sei wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß er nicht gmügend ausgerüstet gewesen sei.
Geh. Legationsrath Kayser tritt der letzteren Behauptung mt- gegen. Gravmreuth sei gmügmd ausgerüstet gewesen, habe allerdings noch verschiedene Forderungen gestellt, die abgelehnt werden mußtm; aber ein Fehler sei ihm vorzuwerfen, er habe sich nicht blos an die Regierung, sondern auch an Privatpersonm um Unterstützung gewmdet.
Abg. Strom deck (Ctt.): Das Centrum habe die Anregung zur Colonialpolitik nicht gegeben, sondern dieselbe nur unterstützt. Aussichtslos feien die Colonialunternehmen nicht, im Gegenthetl, es mache sich deutlich eine Besserung der wirthschaftlichm Verhältnisse in dm Colonien bemerkbar» Aus dm früheren Aeußerungm des Reichskanzlers gehe hervor, daß die Colonialpolttik nur innerhalb eines gewtffm Rahmms geführt werdm soll. Redner empfiehlt die Vorberathung der Vorlage durch die Budget-Commission und wmdet sich dann gegm einzelne Bestimmungen der Vorlage, für die er eine präcisere Fassung verlangt.
Abg. Scipio (natl.) widerspricht dem Abg. Bamberger darin, daß der Handel in dm Colonien so geringfügig fei. Aus dem Ertrage der Steuern könne man die Erträge der Colonim nicht zuverlässig beurteilen; denn diese Zölle sind nur gering an sich und die Preise der Producte, nach denen sie bemeffm werdm, sind ebenfalls nur gering. Man möge sich von einem klaren Vorgehen in der Colonial- politik nicht abbringm taffen, der Erfolg werde dann nicht fehlen. „ , Abg. Dr. Bamberger (bfr.) verwahrt sich gegen angebliche Unterstellungm, die der Abg. Graf Arnim ihm gemacht habe.
Abg. Graf Arnim (Rp.) erwidert, daß er den Vorwurf, Bamberger habe einzelne Colonialunternehmm mit Spott überschüttet, nicht zurücknehmm könne, da dieser Vorwurf begründet fei.
Die Vorlage geht hierauf an die Budgetcommisston zur Vorberathung.
Einige Rechnungssachm gehm an die Rechnungscommission.
Das elsaß-lothringische Etatgesetz wird in erster und zweiter Lesung erledigt.
Die Dmkschrfft über die Ausführung der Anleihegesetze wird durch Kenntnißnahme erledigt erachtet.
Damtt ist die Tagesordnung erschöpft.
Nächste Sitzung Mtttwoch 1 Uhr. Anträge aus dem Hause.
Schluß 4y< Uhr.
Netteste Nachrichten.
Wolffs telegraphische- Lorrespondenz-Burean.
Wien, 1. December. Der Handelsvertrag zwischen Deutschland und Belgien ist heute hier im Auswärtigen Amte paraphirt worden. Die Paraphirung des Handelsvertrags zwischen Oesterreich-Ungarn und Belgien steht unmittelbar bevor.
Cherbourg, 1. December. Gestern gab der hiesige Stadtrath ein Banket zu Ehren der Offiziere der russischen (Sorbette „Vitias" und des französischen Nord-Geschwaders. Die Musik spielte einige russische und französische Weisen und es wurden zahlreiche patriotische Toaste ausgebracht.
Petersburg, 1. December. Das „Journal de St. Peters- bourg" meldet: Giers übernahm wieder die Leitung der Geschäfte und hielt heute zum erstenmale wieder dem Kaiser Vortrag und bemerkte dann: Obwohl die Reise ausschließlich aus Gesundheitsrücksichten unternommen war, führte sie doch zu Begegnungen. Die unzähligen Commentare hierzu, anfangs von einander abweichend, zeigten später zutreffendere Auffassungen. Es dürfte sich aus den Zusammenkünften in Italien und Deutschland und aus dem Besuche in Paris ergeben, daß die Lage klarer und frei von Mißverftändniffen geworden sei, während gleichzeitig neue Unterpfänder für ein gegenseitiges Vertrauen, für die Aufrechthaltung des allseitig gewünschten und wünschenswerthen Friedens gewonnen werden.
Petersburg, 1. December. Giers besuchte gleich nach seiner Rückkehr den Botschafter v. Schweinitz. Der Besuch währte über eine Stunde.
Depeschen deS „Bureau Herold".
Berlin, 1. December. Die „Voss. Ztg." meldet aus Lemberg, der Gouverneur von Vollhynien verlangt, daß die Eisenbabnverwaltungen aus den Zügen ambulante Kirchen einrichten und orthodoxe Geistliche dafür anstellen.
Graubeuz, 2. December. Die Polen bereiten große Volksversammlungen vor, um für die Einführung der polnischen Sprache in dem Unterricht auch in Westpreußen Propaganda zu machen.
München, 2. December. Der Finanz-Ausschuß der Abgeordnetenkammer gi« g über die Petitionen für probeweise Einführung des Zonentarifs zur Tagesordnung über.
Wien, 1. December. Den ungarischen Delegirten wurde vertraulich mitgetheilt, der deutsche Kaiser werde den nächstjahrtgen großen Manöver» bei Fünskirchen bei- wohnen und während 14 Tagen bei diesem Anlaß, zusammen mit Kaiser Franz Joseph, Gast des früheren Cabinets-Chess Coloman Tisza sein.
.. , ' Die //Neue Freie Presse" erblickt
die hauptsächlichste Bedeutung der Rede Caprivis in dem offenen Kampfe desselben gegen Bismarck.
London, 1. December. Ein Telegramm aus Rio de Janeiro meldet, daß die Absendung von Truppen nach Rio Grande do Sul wegen des dort herrschenden gelben Fiebers unmöglich ist.
Bayonne, 2. December. Ein Jesuit predigte in der hiesigen Kathedrale und sagte, der Papst billige das Verhalten des Erzbischofs von Aix Der Bischof von Bayonne unterbrach den Prediger. Er komme von Rom, der Papst
wünsche nicht, daß der Clerus sich in den Streit der Parteien mische, er verbot dem Jesuiten über Politik zu sprechen.
Sidney, 1. December. Das Parlament nahm die Bit über den Achtstundentag mit großer Majorität an.
totales rinv provinzielles.
Gießen, 2. December 1891.
— Ausstellung. Im Erker der Buchhandlung E.Trenckmann (Sonnenstraße 5) sind die gelungenen photographischen Blitzlicht-Aufnahmen von dem im Clubgebäude unlängst stattgehabten „Wohlthätigkeits-Bazar" ausgestellt. Gefertigt wurden dieselben von dem photographischen Atelier des Herrn W. Becker, Bahnhofstraße.
— Betrug. Wegen in fünf Fällen verübter Betrügereien wurde eine erst kürzlich nach hier verzogene Familie, Mann und Frau, zur Anzeige gebracht. Die Eheleute hatten hier Bäcker, Metzger und Specereihändler zur Abgabe von Maaren zu bestimmen gewußt, indem sie angaben, der Mann arbeite in einem hiesigen Geschäft und bekomme erst Samstag sein Geld u. s. w. In Wirklichkeit arbeitete aber der Mann gar nicht.
— Diebstähle. Aus einer umzäunten und verschlossenen Hosraithe in der Dammstraße sind in gestriger Nacht verschiedene Wäschegegenstände entwendet worden. — Aus einem Laden der Wallthorstraße wurde gestern Nachmittag von der Ladentheke weg ein Butterweck und ein Päckchen trockene Hefe in dem Augenblick gestohlen, als die Ladenbesitzerin, nachdem es geklingelt, von ihrer Stube in den Laden ging.
— Geldverlust. Ein durchreisender Getreidehändler, welcher gestern auf hiesiger Station auf kurze Zeit ausstieg, vermißte in der Nähe der Station Ostheim seine Brieftasche mit ungefähr 25000 Mk. Inhalt, bestehend in Eintausend-, Einhundert- und Fünszig-Markscheinen, sowie einigen Wechseln über mehrere hundert Mark.
Braud. Durch die Fahrlässigkeit eines Lehrjungen brach gestern Mittag in der Werkstätte eines hiesigen Glasermeisters Feuer aus, das größere Dimensionen anzunehmen drohte. Nur durch energisches Eingreifen der Hausbewohner und einiger Nachbarn wurde größerer Schaden verhütet,
Das am 30. November ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 38 enthält: 1. Verordnung, die Organisation des zur Ausübung der Feldmeßkunst bestellten Personals betreffend. 2. Bekanntmachung Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Zutheilung gemeinschaftlicher Gebietsteile zu dem hessischen und badischen Standesamtsbezirk Kürnbach betreffend.
— Der die innere Verwaltung und Vertretung der Kreise und Provinzen betreffende Gesetzentwurf ist im Druck erschienen. Wir entnehmen dem Entwürfe Folgendes: Die Kreise (Land- und Stadtkreise) sind staatliche Verwaltungsbezirke- jeder Kreis bildet zugleich nach näherer Vorschrift dieses Gesetzes einen Verband zur Selbstverwaltung seiner Angelegenheiten mit den Rechten einer Corporation. Städte, welche mit Einschluß der activen Militärpersonen eine Einwohnerzahl von mindestens 50,000 Seelen haben, bilden für sich einen Kreisverband (Stadtkreis) und scheiden zu diesem Behufe aus dem seitherigen Kreisverbande aus. Städte, welche mit Einschluß der activen Militärpersonen eine Einwohnerzahl von mindestens 20,000 Seelen haben, sind befugt, für sich einen Kreisverband (Stadtkreis) zu bilden und zu diesem Behufe aus dem seitherigen Kreisverbande auszuscheiden. Auf Antrag der Stadt wlrd dieselbe, falls der Antrag innerhalb sechs Monaten nach Verkündigung dieses Gesetzes gestellt wird, durch das Ministerium des Innern und der Justiz für ausgeschieden erklärt. Wird der Antrag erst nach Ablauf dieser Frist gestellt, so hängt das Ausscheiden der Stadt aus dem seitherigen Kreisverbande von der Zustimmung des Ministeriums des Innern und der Justiz ab. Vor Ausscheiden einer Stadt aus dem seitherigen Kreisverbande ist in allen Fällen eine Auseinandersetzung darüber zu treffen, welchen Antheil die ausscheidende Stadt an dem gemeinsamen Activ- und Passivvermögen des seitherigen Kreisverbandes zu übernehmen hat. Die Auseinandersetzung ist im Verwaltungswege zu bewirken. Der Kreistag besteht in Kreisen mit einer Bevölkerung bis zu 50,000 Seelen aus 15 Mitgliedern, bis zu 60,000 Seelen aus 18 Mitgliedern, bis zu 70,000 Seelen aus 21 Mitgliedern, über 70,000 Seelen aus 24 Mitgliedern. Die Kreistagsabgeordneten werden in zwei Abtheilungen gewählt, ein Drittheil wird von den fünfzig im Kreise Höchstbesteuerten, zwei Drirrheile von Bevollmächtigten der Gemeindevorstände gewählt. Wählbar zum Kreistagsmitgliede ist jeder männliche Deutsche, der zur Zeit der Wahl 25 Jahre alt ist und dem die Ausschlußgründe der Art. 14 und 15 der Städte-, bezw. Landgemeindeordnung nicht entgegenstehen. Die Wahlen zur regelmäßigen Ergänzung des Kreistages finden alle drei Jahre statt. — Zu den Befugnissen des Kreistags sind gekommen : Die Wahrnehmung der ihm im Reichsgesetz, betr. die Krankenversicherung der Arbeiter vom 15. Juni 1883 und in der Ausführungsverordnung vom 1. November 1883 überwiesenen Verrichtungen, und die ihm im Reichsgesetz, betr. die Jnvaliditäts- und Altersversicherung vom 22. Juni 1889 und in der Ausführungs-Verordnung vom 2. August 1890 übertragenen Verrichtungen. — Der Kreistag jedes Kreises und die Stadtverordneten jeder Stadt, welche für sich einen Kreisverband bildet, wählen aus den Kreisangehörigen, bezw. den Einwohnern der Stadt, auf volle 10,000 Seelen und den etwaigen Ueberschuß von vollen 5000 Seelen der Kreis-, bezw. Stadtbevölkerung je ein Mitglied des Provinzialtages. Die (wieder wählbaren) Provinzialtagsabgeordneten scheiden mit Ablauf des dritten Kalenderjahres zur Hälfte aus und werden durch Ersatzwahlen ergänzt. — Der Provinzialausschuß besteht aus dem Provinzialdirector und 8 Mitgliedern, welche von dem Provinzialtage aus der Zahl
der zu Kreistagsabgeordneten wählbaren Angehörigen der Provinz, und zwar mindestens vier derselben aus seiner Mitte, mit absoluter Stimmenmehrheit gewählt werden.
— Frequenz der Großherzoglichen Technischen Hochschule zu Darmstadt im Wintersemester 1891—92. Die Gesammt- zahl der Studirenden und Hospitanten der Großherzoglichen Technischen Hochschule zu Darmstadt hat im Wintersemester 1891—-92 eine erhebliche Steigerung erfahren- sie beträgt gegenwärtig 405. Auf die einzelnen Abtheilungen vertheilt sich diese Zahl folgendermaßen: 1. Bauschule 48, 2. Bau- Ingenieurschule 50, 3. Maschinenbauschule 80, 4. Chemisch- technische Schule: Chemiker 25, Pharmaceuten 13, 5. Mathematisch-naturwissenschaftliche Schule 25, 6. Electrotechnische Schule 165. Mit dem Stand Ende des Wintersemesters 1890 91 verglichen (318), ergibt sich eine Zunahme für das lausende Semester von 88.
— Zur Einführung besserer landwirthschaftlicher Maschine«. Der Landwirth ist bekanntlich im Allgemeinen sehr schwer zur Anschaffung einer neuen Maschine zu veranlassen, wenn er diese Maschine nicht bei der Arbeit gesehen, sondern nur auf Grund von Empfehlungen anschaffen soll. Diese Abneigung des Landwirthes hat aber zum Theil recht gute Gründe, denn der Landwirth kann keine Maschine brauchen, die nicht wirklich practisch für ihn erprobt ist, und sein Mißtrauen gegenüber angepriesenen neuen Maschinen und Gerüchen ist deshalb sehr erklärlich. Diesem Uebelstande könnte dadurch entgegengearbeitet werden, daß die betreffenden Industriellen unter Mitwirkung der Gemeindebehörden und Kreisvereine in geeigneten Städten ständige Gewerbe- oder Maschinenausstellungen einrichteten, wo der Landwirth die ihm empfohlenen Maschinen und Geräthe in practischer Weise erproben kann. Eine solche Einrichtung ist neuerdings mit der ständigen Leipziger Gewerbe-Ausstellung verbunden. In dieser finden für die nächste Zeit an jedem Samstag und Sonntag practische Vorführungen neuer landwirthschaftlicher Maschinen statt.
— Der Getreidemarkt. Die Tendenz des Getreidemarktes ist in Folge der in Nordamerika gesunkenen Preise seit Wochenfrist matt und flau und konnte an dieser Tendenz auch das russische Weizenausfuhrverbot nichts ändern, da die Getreidebörsen bereits feit vier Wochen mit dem russischen Weizenausfuhrverbot rechneten. Zu einer vollständigen Baisse ist es indessen auf dem Getreidemarkte nicht gekommen, denn dazu fehlt es der Baissepartei an bedeutenden Vorräthen, die Preise bröckelten nur etwas ab.
Schlitz, 1. December. Vorige Woche verirrte sich ein alter Mann auf dem Nachhausewege von Bernshausen nach Schlitz und geriert) in die dort ziemlich tiefe Schlitz, wobei er feinen Tod sand. Es ist dies in kurzer Zeit das dritte Opfer, welches die Schlitz an dieser Stelle gefordert.
?. Gedern, 1. December. Gestern Abend y310 Uhr brach in dem Holzschuppen des Schreinermeisters Chr. Gebhardt Feuer aus. Dem schnellen Eingreifen der Gederner Feuerwehr und der Einwohnerschaft, von welcher sich besonders einige Bürger auszeichneten, ist es zu danken, daß die anstoßende Scheuer des Schuhmachermeisters Vonalt nicht Feuer fing. Die neue Spritze war hierbei zum ersten Male in Thätigkeit.
-dt. Neu Ulrichstein, 1. December. Monatsbericht der Arbeiter-Colouie pro November 1891. Ende November 1891 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 92 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 18. Königreich Preußen: Provinz Berlin 1, Provinz Brandenburg 3, Hessen-Kassel 14, Provinz Hessen- Nassau 15, Provinz Schlesien 2, Provinz Pommern 1, Provinz Rheinlande 6, Provinz Westfalen 5, Provinz Sachsen 1; Reichslande 1. Königreich Bayern 7, Königreich Württemberg 2, Großherzogthum Baden 4- thüringische Staaten 9. Ausland: Kaiserreich Oesterreich 2, Holland 1. Hiervon waren: Arbeiter 34, Bäcker 1, Brauer 1, Bergleute 1, Bandagist 1, Drechsler 2, Färber 1, Former 1, Glaser 1, Gürtler 1, Goldschläger 1, Gärtner 1, Klempner 1, Kupferschmiede 1, Kaufleute 5, Krankenwärter 1, Korkschneider 1, Kellner 1, Lackirer 2, Metzger 1, Maschinenschlosser 2, Maurer 1, Metallarbeiter 1, Portefeuillearbeiter 1, Schuhmacher 3, Schneider 7, Schreiber 3, Schleifer 1, Schlosser 5, Seiler 1, Schmiede 1, Schweizer 1, Tapezirer 1, Tüncher 2, Weber 1, Zimmerleute 2. Im Monat November wurden entlassen 6 Mann, und zwar in die Familie zurück 1, in Arbeit durch eigenes Bemühen 1, auf eigenen Wunsch 4. Verpflegungstage im November 1891 : 2293. Gearbeitet wurde an 1972 Tagen, hierunter 1528 Tage für fremde Rechnung. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 1822 Mann, dagegen abgegangen im Ganzen 1730- bleibt Bestand 92 Mann.
Offenbach, 29. November. Die sehr reiche Fabrikanten- wittwe Levi, welche wegen Meineids verhaftet wurde, ist gegen Stellung einer sehr hohen Caution (man spricht von 60,000 Mark) wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Frau Levi hatte einer Putzmacherin gegenüber den Empfang eines Hutes bestritten und als sie verklagt wurde, ihre Aussage vor Gericht beschworen. Bei der angeordneten Haussuchung war aber der Hut aufgefunden. Die Affaire hat hier großes Aufsehen erregt.
△ Mainz, 1. December. In Folge einer von socialdemokratischer Seite gelegentlich eines Anttags auf vorübergehende Aufhebung des Octrois auf die nothwendigsten Lebensmittel ausgestellten Behauptung, daß hier unter den unbemittelten Klassen ein großer Nothstand bestände, werden eben auf Anordnung der Bürgermeisterei durch die einzelnen Polizeibezirke diesbezügliche Erhebungen gemacht. Falls sich die beregte Behauptung als begründet erweist, sollen Vorschläge zur Abhilfe gemacht werden. — Zur Zeit sind die in Hessen bestehenden Besserungsanstalten derart überfüllt, daß die jungen Taugenichtse aus den hessischen Volksschulen in den preußischen Besserungsanstalten bei Urft untergebracht werden. Urft ist ein kleines Dörfchen


