Ausgabe 
3.12.1891
 
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mit 350 Seelen im Kreise Schleiden, Regierungsbezirk Aachen.

Mainz, 1. December. Gestern wurde hier ein Arbeiter wegen eines Diebstahls verhaftet- bei der Feststellung der Person wurde conftatirt, daß derselbe bereits seit 12 Jahren als unsicherer Heerespflichtiger verfolgt wird und wurde der nun bereits 32jährige in das 117. Regiment eingestellt.

Worms, 1. December. Der Unterricht an der Fort­bildungsschule, über den gegenwärtig in Rheinhessen ein heftiger Streit entbrannt ist, wird diesen Winter hier zum ersten Male nach den Erwerbszweigen der Schüler ge­trennt ertheilt. Kellner, Metzger und Bäcker zweimal wöchent­lich von 131 /2 Uhr Mittags - Handwerker dreimal wöchent­lich von 57 Uhr Nachmittags Unterricht, während Fabrik­arbeiter und Taglöhner viermal wöchentlich je eine Stunde zum Unterricht erscheinen müssen.

vermischter.

* Mord auf offener See. Auf dem Ende letzter Woche in Kopenhagen eingetroffenen deutschen SchoonerTherese" tödtete der Schiffskoch, als das Schiff sich auf hoher See befand, den Capitän, Namens Fritz, und warf dessen Leiche über Bord. Der erste Steuermann führte den Schooner nach Kopenhagen und erstattete, wie von dort telegraphirt wird, dem deutschen Consul Bericht. Der Mörder erklärte, sich in der Nothwehr befunden zu haben. DieTherese" befand sich auf der Reise von Bremen nach Königsberg.

* Ein salomonisches Urtheil. Rözsa und Julcsa kommen mit einer Gans zum Ortsrichter gelaufen, von der Jede be­hauptet, daß sie ihr gehört. Richter:Rözsa, gehört das Gans der Julcsa?" Rözsa:Nem batta! Najn sog' ich!" Richter:Julcsa, gehört das Gans der Rözsa?" Julcsa:Nem batta! Sog ich auch nojn!" Richter: Gehört das Gans nit Rözsa, gehört das Gans nit Julcsa, gehört das Gans majn! Janos, trag' 'naus tn Küchel!"

Citeratur uni Kattft

Soeben erschien im Verlag von Fcied. Ernst Fehsenseld in Freiburg i. B. eine kleine Schrat, welche das Interesse eines

jeden Gebildeten in hohem Grade erregen wird: Kaleidoscopischj« i Slud^n über Hypnoti-mn- «n- Sngaefiio« von Otto von I Berlin (Preis 1 M). In bunten, wechselvollen BUdern zeigt der Ber asser von Beginn der Geschichte an üts tn die Zeit der Electri- c.tät, den Hang Der Menschen danach, das Uebernatürliche zu er­gründen, er zeigt, wie so viele früher als Wunder oder Phantafie- gevilde betrachtete Ereignisse durch die Suggestion erklärt werden können, er bietet die Utthetle der größten Denker und Forsch.r, die sich wänderbarer Weise oft auf das Schärfste widersprechen. Zum Schluß gibt er noch einige wunderbare Ereigniffe (sodas EmpfangS- immer der Herzogin"), deren Erklärung er dem Urtheil des Lesers überläßt, sowie bicj hypnotischen Versuche des belgischen Malers Mertz während der Enthauptung eines Mörders. Die kleine Schrift feffelt von Anfang bis zum Schluß und bietet eine solche Masse von Belehrung, wie viel dickleibige Bände über diesen Gegenstand nicht. Wir empfehlen sie unfern L.stru auf das Wärmste.

Die «opifien irr de« Gemäldegalerie«. Aus Paris kommt die Nachricht, daß die Verwaltung deS Louvre sich genöthtgt gesehen bat, Maßregem gegen die Copisten anzuordnen, welche in den Sälen des Louvre sich so ungenirt als möglich benehmen und tn ihrer Rücksichtslosigkeit oft so weit gehen, daß sie den Orginalen Beschädi­gungen zufügen. Einen Einblick in daS Treiben der Eoptsten ge­währt einKunstjünger" betitelter Artikel in dem neuesten Heft VI. der »Modernen Kirnst* (Berlins. 57, Rich. Bong). De, von Paul Dobert geschriebene Artikel ist mit fesselnden Illustrationen geschmückt, die bie Sitten und Gewohnheiten der Copisten zum Aus­druck bringen. Von den Kunstbeilagen dieses Heftes feffelt na­mentlich Serra's BildAm Tiber-Ufer", deffen Orginal aus der Berliner Ausstellung sich befand. Das nächste Heft VII. ist die diesjährige Weihnachtsnummer, welche in prächtiger Weise autzgestattet wird. Reicher künstlerischkr Schmuck durch Kunstblätter und Textbilder in Aquarelldruck wird dem Hefte den Charakter eines wahr.n Prachlwerkes geben. Außer sechs schwarzen Kunstbeilagen enthält die Weihnachtsnummer eine doppelseitige Extrabeilage, die in reichem Farbendruck hergestellt ist. Der Preis der Weihnachts-Nummer dettägt für die Abonnenten der (Moderr en Kunst" 1 Mark, für die Einz-ckkäuser 3 Mark.

Die Heilige Schrift de- Alten und Renen Testament». Nach der Uebersetzung von Dr. Joseph Franz von Alltolt. Mit bischöflicher Approbation. Neue illustrtrte Volksausgabe mit 45 Voll- btlbern in Farbendruck, nach Meisterwerken der christlichen Kunst, über 1000 erklärenden Bildern von Stätten und Plätzen der Heiligen Schrift, von Alterthümern. Pflanzen und Thteren usw. im Text, mit Karten und etr- er Familienchronik. In Heften zu 50 Pfg.; 25 Hefte sind bis jetzt erschienen. Verlag von Friedrich Pfeilftücker in Berlin W., Bayceutherstratze 1. Durch jede Buchhandlung beziehbar. Lei dem die deutsche Literatur allen Volksschichten passende und nichtpassende ßcctüre jeglichen Inhalts liefert und das Leben genuß­reicher sich gestaltet hat, findet man keinen Geschmack mehr an den

tiefsinnigen, erhebenden Worten der Bibel. Die ehrwürdige» Folianten, in die sich unsere frommen Vorfahren mit Wonne und heiligem Schauder versenkten, liegen vernachlässigt in irgend einem Winkel des Hauses, wenn ihm nicht kindliche Pietät einen befferen Platz anwies; gelesen werden sic nicht mehr. Die groben Schriftformen, bie einförmig dreinschauenben Seitenflächen kommen ber jungen Generation fremb vor und haben nicht mehr die magische Gewalt, Auge und Herz zu sich hinabzuziehen. Unsere Zeit, unsere moderne Erziehung fordert lebhaftere, wissenschaftlich angehauchte oder durchgeifttgte Retzmitte!. Dieser Forderung und einem reUaiofen Bedürfnisse nachkommend, veranstaltete die obengenannte Buchhandlung tme Neuausgabe der Bibel. Viele prachtvolle Illustrationen geben dem forschenden Geiste Aufschluß über naturwissenschaftliche und culturhistorische Fragen, die in engster Beziehung zu dem biblischen Worte stehen. Die ganze Ausstatlung ist sehr geschmackvoll uub an­ziehend, der Preis tfl billig und das langsame Erscheinen gestattet auch dem minder gut frtuirten Burger die Anschaffung. Möchte die Bibel wieder eine freundliche Stätte in jeder Familie finken, die Jugend von dem verführerischen Treiben der Welt abzuziehen und da? reifere Alter zeitweise über die Grenzen des irdischen Lebens hinaus erheben. A. G.

Wöchentliche Aeberficht der Todesfälle in Meßen.

47. Woche. Vom 22. November bis 28. November 1891.

Einwohnerzahl: 20 611 (tncl. 1600 Mann Militär).

Sterblichkeitsziffer: 25,24 ®/oo bezw. 7,57 nach Ausschl. der Ortsfremden.

Kinder

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen

ES ftorben en: Zusammen: Erwachsene: im vom

1. Lebensjahr: 2.15.Jahr:

Masern 1 1

Lungenschwindsucht 1 (1) 1 (1)

Acute entzünbliche Er­

krankungen der Ath-

mungs-Organe 2 (2) 2 (2)

Andere bekannte

Krankheiten 6 (4) 4 (4) 1 1

Summa: 10 (7)

7 (7)

1 2

werden darauf aufmerksam ge- ill Am macht, daß man in dem Special-

M 11 Geschäft von Phil. Weiler,

Rr rWHWIVV Marttpl. 1, die arötzte Auswahl 7 in Cigarren, Cigaretten und Tavaken findet. Ein Versuch zeigt, daß selbst dem verwöhntesten Geschmack Rechnung getragen werden kann. 9741

KeikgeSoknes.

Achte Nürnberger Lebkuchen.

Die so sehr beliebten Elisen-, Macronem, Haselnuß-, Chocolade-, Mar cipan-, Baseler und braunen dickgemandelten Lebkuchen wieder vorrSthig in «. G. SleinhennS Delicat.-, Fisch- u. Geflügelhdlg , Bahn­hofstr. 59, Telephon 66. äW* Täglich frLluß'U. Seefische, schönst Mastgeflügel Sb Sämmtl. neue Südfrüchte. [10623

Holzversteigerung

im Gießener Stadtwalde.

Montag den 7. December 1891, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in den Districten Haingesboden und Walds­hute nachverzeichnetes Holz versteigert werden:

A. Bau., Werk, und Nutzholz:

14 Eichen-Stämme mit 1,51 Fest­meter,

31 Fichten-Stämme mit 6,88 Fest­meter,

234 Eichen - Derbstangen mit 10,49 Festmeter,

539 Fichten-Derbstangen mit 44,45 Festmeter.

Das Eichenholz ist für Wagner geeignet.

B. Brennholz:

Scheith. Prügelh. Etockh. Reish.

Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen Eichen 14 3 500

Nadel 9 469 63,5 5430

(Durchforstungswellen) Aspen 2 2

Die Zusammenkunft ist am Anne- röder Weg, 3. Schneise.

Gießen, den 30. November 1891.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 10610

Schafversteigerung.

Donnerstag den 10. De- eewber d. I., von Vormittags 9 Uhr an, soll das der hies. Schäferei- Gesellschaft gehörige S ch a f v i e h, 183 Schafe (meistens zur Zucht ge­eignet), 13 Hammel- und 10 Mutter­lämmer, versteigert werden.

Ebersiadt, am 1. December 1891.

I. 21.:

10628______Der Borstand.

Freitag bett 4. ttttb Samstag bett 5. De- cetttbct, von Nachm. 2 Uhr ab: Fortsetzung ber Ver­steigerung von Wall-, Kurz- ttttb Galanterie- waaren imAbler".

10483 H. C. Werner.

Bau- und Nutz Holz-Verkauf

aus den

Waldungen der Stadt Lich.

Die Stadt Lich will nachverzeichnetes Holz aus dem Holzerntejahr 1891/92 vor der Fällung auf dem Submissions- wege verkaufen. Termin hierzu ift | auf

Montag den 21. Decbr. 1891,

Mittags 1 Uhr, im Rathhause zu Lich angesetzt und werden die Herren Käufer zur Betheiligung eingeladen.

Die Gebote sind verschlossen späte­stens bis 20. Decbr. l. I., Mittags 1 Uhr, bei unterzeichneter Stelle ein­zureichen, woselbst gleichzeitig die Be­dingungen zur Einsicht offen liegen.

Nähere Auskunft ertheilen die Forst- warte Eise und Uhl dahier, sowie die unterzeichnete Stelle.

70 Fm. Eichen-Schnittholz,

160 -Schwellenholz,

440 -Grubenholz,

30 Fichten-Schnittholz,

165 -Bauholz,

18 Kiefern-Bauholz,

20 -Grubenholz,

85 Hainbuchen-Stämme,

35 Linden-Stämme.

Lich, am 1. December 1891.

Großherzogliche Bürgermeisterei Lich.

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Bekanntmachung.

Aus der Stiftung der Kinder und Erben des Commerzienraths Georg Karl Gail sind für das Jahr 1892 an zwei bedürftige, dahier wohnende Familien oder alleinstehende Personen Unterstützungen von je 200 JL. zu vergeben. Bewerbungen haben bis zum 15. December 1891 auf dem Armenamt, Zimmer Nr. 6, zu geschehen.

Gießen, den 1. December 1891.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

__Gnauth.___________________10612

Bekanntmachung.

Aus der Stiftung der Ludwig Theodor Felsing Eheleute zu Gießen sind die diesjährigen Zinsen mit 120 JL an zehn in Gießen geborene würdige Arme zu gleichen Theilen zu vergeben. Anmeldungen hierzu haben bis zum 10. k. M. auf dem Armenamt, Zimmer Nr. 6, zu erfolgen.

Gießen, den 28. November 1891.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

_______________Gnauth.____________________10611

Der Voranschlag der Gemeinde Langd pro 1892/93 liegt vom 3. d. Ms. an acht Tage lang aus hiesigem Bürgermeisterei-Bureau zur Einsicht der Betheiliqten offen.

Langd, den 2. December 1891.

Großherzogliche Bürgermeisterei Langd. _______________________Ronthaler.__10617

Spar, und Leihkaffe Gießen.

Es können an brave Dienstboten, welche in unserem Sparkassebezirke 10 oder nahezu 10 Jahre lang bei einer und derselben Herrschaft dienen, Prämien von uns ausbezahlt werden.

Es ergeht darum an solche Dienstboten die Aufforderung, sich binnen 14 Tagen beim unterzeichneten Director oder Herrn Rechner Döring mündlich oder schriftlich zu melden und zugleich ihre Dienstbücher und Zeugnisse ihrer Herrschaft vorzu legen.

Gießen, am 1. December 1891.

Die Direction des Spar- und Leihkasse-Vereins. Langsdorfs.

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