Ausgabe 
2.4.1891
 
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Mr. .5

Donnerstag dm 2. April

1891

Der

Ixzeiger scheint täglich, ctitt Ausnahme des Montags.

Dir (Siebener W««itte«StLtter ü««rden dem Anzeiger ^Kchnttlich dreimal beigelegt.

Kießmer Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Bierteltähriger ASonuemevtsPretLr 2 Mark 20 Pfg. mtt Lringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gieren.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den I Wt *£ ff ß fÄff I Annoncen-Bureaux deS Jn. und Auslandes nehm«

senden Tag erscheinenden Nummer bis «arm. 10 Uhr. Anzeigen für den .Gießener Anzeiger^ entgegen.

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AnrLlrchev Sheil.

Gießen, den 31. März 1891.

BeLr.: Die Ablieferung der Vacanzüberfchüsfe erledigter Schulstellen an den Provinzialschulfonds.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen ait die GroHH. Bürxerweistsreien des Kreises» Sofern Schulstellen in Ihren Gemeinden während des nunmehr abgelaufenen Rechnungsjahres 1890/91 vacant waren, sehen wir, unter Hinweis auf unser Ausschreiben vom 24. Januar 1878 (Amtsblatt Nr. 1) der Vorlage der von Ihnen mit den Schulvorständen gemeinschaftlich auszustellenden Berechnungen der an den Provinzialschulfonds abzuliefernden Vacanzüberschüffe in doppelter Ausfertigung bis zum 20. k. Mts. entgegen.

v. Gagern.

Lehrer-Conferenz

des Conferenz-Bezirks Gießen: Mittwoch den 8. Aplil, Vormittags 10 Uhr, in Gießen. Lieder: 216.138. 185.175.

Präcis 10 Uhr wird die Chor-Schule singen. Gießen, den 28. März 1891.

Büchner, Schulrath.

Derrt-ches Lieich.

Darmstadt, 31. März. Seine Königliche Hoheit dec G r o ß h e r z o g empfingen gestern Nachmittag vor 2 Uhr den Rector der Landesuniversität Professor Dr. Gottschick, Decan der evangelisch-theologischen Facultät, den Prodecan der theologischen Facultät Professor Dr. Kattenbusch, den Decan der juristischen Facultät Professor Dr. Jörs, den Decan der medicinischen Facultät Professor Dr. Löhlein, den Decan der philosophischen Facultät Prof. Dr. Behaghel. Die Herren hatten darauf die Ehre, an der Großherzoglichen Frühftückstafel theilzunehmen.

Berlin, 29. März. DerPost" zufolge erhielt der Hof­prediger Schrader, welcher heute seine Abschiedspredigt zu halten gedachte, gestern Abend ein Schreiben des Kaisers, welches ankündigt, daß er bis auf Weiteres das Amt an der Domgemeinde weiterzuführen habe. Der heutigen Predigt Schraders wohnten der Kaiser und die Kaiserin bei; Schrader theilte der Gemeinde den kaiserlichen Befehl am Schlüsse der Predigt mit.

Köln, 28. März. LautKöln. Volksztg." gründeten die.Tabakbauer des Niederrheins einen Tabakverein, ein­getragene Genossenschaft. Der Tabak soll an einer Centralstelle fermentirt und verkauft werden. Die consti- tuirende Generalversammlung wird am 2. April in Xanten stattfinden.

Dortmund, 30. März. Am Samstag Abend wurde die won den Bergleuten Bunte, Schröder und Siegel einberusene Bergarbeiter-Versammlung in Folge anhaltender tumultuarischcr Scenen während einer Rede des Redacteurs Lensing polizeilich aufgelöst. Leasing war auf Einladung erschienen und sprach in Erwiderung auf die Reden der Ein- Lerufer. Die Versammlung war von ungefähr 1000 Berg­leuten besucht.

Hamburg, 28. März. DerHamb. Corr." bezeichnet die Meldung der PariserAutorite", wonach Kaiser Wil­helm eine Geschichte seines Großvaters vollendet habe, als erfunden, auch die Meldung desPester Lloyd", wonach der Kaiser im Monat Mai die Königin der Niederlande besuchen werde, sei falsch.

Ausland.

Wien, 29. März. Zu Rittern des Ordens vom Goldenen Vließ hat der Kaiser ernannt: die Erzherzöge Joses, Ferdinand Salvator urib Josef Augustin, den Sohn des Erzherzog Josef, den General der Kavallerie Grafen Sternberg, den Fürsten Edmund Clary, den Grafen Richard Clam-Martinitz und den Banus von Kroatien, Grafen Khuen.

Prag, 28. März. Die Marianischc Congregation richtete eine mit zahlreichen Unterschriften bedeckte Verwahrung an den Statthalter gegen den Beschluß des Prager Stadt- verordneteu-Collegiums in Betreff des Hußdenkmals.

Paris, 31. März. Heute wurde in der medicinischen Facultät der chirurgische Congreß eröffnet. Ueber 300 Chirurgen Frankreichs und des Auslandes sind anwesend. Guyon wies in seiner Eröffnungsrede auf die Fortschritte der Chirurgie hin, welche vielfach an die Stelle der medicinischen Behandlung trete. Bökel-Straßburg erstattete Bericht.

Brüffel, 29. März. Die Polizei hat in der vergangenen Nacht in Seraing einen mit 250 Kilo Dyramit beladenen Wagen in Beschlag genommen, welcher von drei als Socialisten bekannten Personen transportirt wurde.

Brüffel, 30. März. Das JournalLe Peuple" spricht sein Bedauern über den Entschluß des Ministerpräsidenten Beernaert aus, der Arbeiterdelegation die nachgesuchte Audienz nicht zu ertheilen, und meint, es dürfte jetzt un­möglich sein, die für den 6. April in Aussicht genommene allgemeine Arbeitseinstellung zu verhindern.

Brüffel, 31. März. Die am Samstag Nacht beschlag­nahmten Dynamitwagen enthielten neun Kisten mit 8000 Patronen, welche aus der Pulverfabrik in Ombret bei Lüttich gestohlen worden sind und ursprünglich aus der Fabrik Nobel in Hamburg stammten. Es ist bisher nicht ermittelt, wie sie über die Grenze gebracht wurden. Die Kisten wurden in der Schule zu Seraing untergebracht. Auf Befehl des Kriegsministers wurden Offiziere von Seraing zur Unter­suchung der Kisten und Entladung der Patronen gesandt, auch ist die gerichtliche Untersuchung bereits eingeleitet. Ein als Anarchist bekannter Wagenführer wurde in Haft genommen; er leugnet die Theilnahme am Diebstahl. Ein gewisser Stereny wurde als verdächtig verhaftet- gegen drei weitere Anarchisten aus Ougree wurde ein Verhaftbefehl erlassen. Angeblich sollten die Patronen im Walde von Cornillon bei Ougree versteckt werden.

Belgrad, 28. März. Die Skupschtina nahm in zweiter Lesung die C o u s u m st e u e r conform ihrer Fassung in erster Lesung, ausgenommen die Verminderung der Tarifsätze für Rohkaffee und Speiseöle an.

Sofia, 28. März. DieAgence Balcanique" meldet über das Attentat g e g e n S t a m b u l o w und B e l t s ch e w noch Folgendes: Bis heute Nachmittag sind zahlreiche Ver­haftungen vorgenommen worden- unter den Verhafteten be­finden sich viele Macedonier. Der Mörder des Finanz­ministers wurde bisher nicht entdeckt- es wird eifrig nach dem Jndividium geforscht, das von dem Gendarm bei dem Mordansall verwundet wurde. Dasselbe feuerte auch auf den Gensdarm, als dieser ihm einen Hieb versetzte, einen Schuß ab, traf denselben jedoch nicht. Der Ort des Verbrechens ist von Soldaten und Gensdarmen umstellt. Im Stadtpark sind drei Revolver und eine Patrone ausgesunden worden, letztere entspricht dem Kaliber der Kugel, welche Beltschew tödtete. Ein Waffenhändler sagte aus, vor einigen Tagen hätten drei Personen bei ihm Revolver ge­kauft, eine derselben habe macedonische Kleider getragen. Aus dem Bahnhofe sind strenge Vorsichtsmaßregeln getroffen; alle Reisenden werden genau untersucht. Im Lause des gestrigen Abends ist eine wichtige Verhaftung vorgenommen worden in der Person desjenigen, der bei dem Waffenhändler Partl denselben Revolver gekauft hat, den man am Vor­mittag im Stadtgarten aufgefunden hat. Der Verhaftete leugnet nicht, diesen Revolver gekauft zu haben, behauptet jedoch, daß er den Einkauf für feinen Bruder besorgt habe, der sich gegenwärtig in einem Dorfe im Districte Sofia aufhalte. In Folge dessen wurden Gensdarmen in das bezeichnete Dorf entsendet. Ein bei dem Waffenhändler Partl Bediensteter hat den Verhafteten als diejenige Person recognoscirt, die den RevolvA: gekauft hat. Derselbe ist ein im Dorfe Stanimaka bei Philipopel geborener Grieche. Der Revolverkauf ist vor drei Tagen durch den Verhafteten und zwei andere Personen erfolgt, welche mit einander griechisch sprachen. Man hofft demnach, auch der beiden Letzteren habhaft zu werden. Der um den Stadtgarten gezogene Cordon ist im Laufe des Nachmittags eingezogen worden, dagegen wird der Cordon um die Stadt strengstens aufrecht erhalten und Niemand, ohne Ausnahme, gestattet, dieselbe zu verlassen.

Sofia, 30. März. Gestern Nachmittag fand unter großer Betheiligung der Bevölkerung die Beerdigung Beltschews tatt. Fürst Ferdinand und Prinzessin Clementine, welche aus Philippopel eingetroffen waren, wohnten derselben bei- erfterer legte'eigenhändig einen Kranz auf den Sarg Belt­schews nieder und folgte alsdann dem Leichenzuge zu Fuß ni^ch der Kathedrale. Hier fand die Einsegnung der Leiche statt, welcher außer dem Fürsten die Prinzessin Clementine, die Minister, die diplomatischen Agenten und zahlreiche hoch- gestellte Persönlichkeiten beiwohnten. Von hier begaben sich der Fürst, sowie zahlreiche Leidtragende zu Wagen nach dem Friedhöfe, woselbst die Beerdigung stattfand. Die Leichen­feier verlief in vollster Ordnung.

Newyork, 30. März. Der Correspondent desHerald" in Parkersburg (Westvirginien) berichtet über ein Ver­brechen, welches von italienischen Arbeitern, die an einem abgelegenen Orte bei einem Eisenbahnbau beschäftigt waren,

begangen wurde. Als sie das Lynchverfahren in Neworleans discutirten, rief ein Schotte Namens Mc'Canley, der Führer der Arbeiter aus, die Einwohner von Neworleans hätten recht gethan, so zu handeln. Darüber erbittert, stürzten sich die Italiener auf den Schotten, tödteten ihn und verstümmelten den Körper. Bisher wurde Niemand verhaftet.

Chicago, 28. März. Infolge der Grippen-Epidemie hat die Sterblichkeit in der vergangenen Woche Hierselbst einen sehr hohen Grad erreicht- es starben 900 Personen gegen 419 in der entsprechenden Woche des Jahres 1890. In den letztvergangenen vier Wochen betrug die Zahl der Sterbefälle 2904 gegen 1819 in dem entsprechenden Zeitraum von 1890. In Wabach (Indiana), wo die Epidemie noch im Zunehmen ist, sollen 1500 bis 2000 Personen krank, jedoch Niemand gestorben sein. In Pitisburg und Alleghany sollen an 15000 Personen von der Epidemie ergriffen sein.

Buenos-Ayres, 30. März. Meldung des Bureau Reuter. Bei den gestern stattgehabten Wahlen kam es zwischen Wählern und der Polizei zu einem heftigen thätlichen Angriff, wobei gegen zwanzig Personen getödtet oder verwundet wurden.

Aus Chile wird gemeldet, daß bei einer an Bord des chilenischen KriegsschiffesPilcomayo" entstandenen Meuterei drei Matrosen getödtet und neun andere ver­wundet worden sind.

Aeneste Nachrichten.

Wolfis telegro-hischr- Eorrespondenz-Bureau.

Dresden, 31. Marz. Generalmajor Edler von ber Planitz ist unter Beförderung zum Generallieutenant zum Kriegsminister ernannt worden.

Bremen, 31. März. Eine am 28. März in Düsseldorf stattgehabte Versammlung von Vertretern sämmllicher am continentalen Passagierverkehr nach Nordamerika beseitigten Dampfschifffahrts-Gesellschaften hat das Ueber* einkommen getroffen, vom 1. April ab die Zwischendeck s- Passagepreife auf sämmtlichen Linien gleichmäßig aus­gehend um zehn Mark, in Amerika um drei Dollars zu erhöhen.

Wien, 31. März. Vom 10. April ab tritt ein neuer Tarif für den österreichisch-schweizerischen Personen- und Gepäckoerkehr über die Arlbergroute, wie über Bayern ein.

Prag, 31. März. Die strikenden Maurer fordern einen Minimallohn von 2 Gulden und die Verlegung des Arbeitsbeginns auf Morgens 7 Uhr, anstatt wie bisher 6 Uhr. Am Nachmittag kamen nur geringe Ansammlungen vor. Eine Person wurde verhaftet.

Bern, 31. März. Heute wurde die außerordentliche Session der Landesversammlung eröffnet. Die Haupt- berathungsgegenstänbe werben der Zolltarif und der Ankauf der Centralbahnactien bilden.

Paris, 31.März. Der internationale Bergarbeiter- Co ngr wurde heute früh in der Arbeiterbörse eröffnet. Der Secretär der Arbeiterbörse bewillkommnete die Dele- girten, hob die Bedeutung des Eongreffes hervor und forderte zur Bildung einer Arbeiter-Internationale auf. Nachdem die Rede von einem deutschen und einem englischen Delegirten übersetzt war, dankte Piccard, Generalsecretär des Organi- sations-Comites, für die Bewillkommnung und conftatirte die Fortschritte der arbeitenden Klassen in Paris- er hob her­vor, daß Belgien und besonders Deutschland feit dem letzten Kongresse in Jolimont in der Arbeiterfrage vorwärts ge­kommen seien, pries die Vereins- und Versammlungsfreiheit und erklärte, auf dem (Songreffe feien 600,000 Bergarbeiter repräsentirt. Hierauf prüfte die Versammlung die Delegirten- mandate.

Paris, 31. März. Es sind Zustimmungstelegramme der Bergarbeiterschaft aus verschiedenen Theilen Deutschlands und Oesterreichs beim Berg ar b ei ter-Co ngr eingegangen. Der Congreß ernannte drei Präsidenten: Burt für die eng­lischen, Schröder für die deutschen, Cavrot für die belgischen und französischen Theilnehmer. Die drei Präsidenten werden heute gleichzeitig den Vorsitz führen. In der Nachmittags- Sitzung wurde Piccard zum Generalsecretär ernannt und so­dann ein Ausschuß von drei Mitgliedern für die Abfassung der Protocolle eingesetzt: Lamendin für die französische, Mayer für die deutsche und Haslam Asyton für die englische Sprache. Der Engländer Burt wurde zum Schatzmeister gewühlt. Der­selbe führte in längerer Rede die Wichtigkeit der dem Con- greffe vorliegenden Fragen aus, insbesondere auch betreffs der Verkürzung der Arbeitszeit, worüber alle Delegirten einig waren. Bei der Erwägung, ob ein allgemeiner Ausstand zu beschließen sei, müsse man sich vorher vergewiffern, daß später keinerlei Abtrünnigkeit eintrete. Schröder überbrachte den