Gruß der deutschen Bergarbeiter. Er sagte, wenn die Bergarbeiter in den Kampf einträten, so seien sie durch den internationalen Capitalismus dazu gezwungen; Schröder ermahnte die Delegirten zur Einigkeit.
London, 31. März. Earl Granville ist heute Nachmittag gestorben.
Petersburg, 31. März. Eine neue Verordnung betreffend die Beaufsichtigung der Flottenmann schäften zu Lande wurde vollzogen. Danach soll die Zahl der Flottenequipagen nunmehr von 11 auf 33 erhöht und in drei Divisionen getheilt werden. Die Mannschaftszahl wird augenblicklich nicht erhöht. Eine Flottenequipage zählt 800 bis 1000 Untermilitärs.
Pittsburg, 31. März. In dem Steinkohlengebiete von Pennshlvanicn dauert die Arbeitseinstellung noch immer fort und dehnt sich sogar aus. Heute fanden cnifte Ruhestörungen statt. Gegen 1000 Strickende griffen die Fabrik Frick in Mortwood an, rissen die Eisenbahnschienen in einer Länge von 500 Fuß aus, zerstörten 12 Coaksösen. Mehrere einzeln gelegene Häuser und Scheunen wurden in Brand gesteckt. Etwa 1500 Strikende umzingelten die Fabrik in Jimtown, vertrieben die Angestellten und bedrohten die Oberausseher.
Sofia, 31. März. Der Ministerrath bewilligte der Wittwe Beltschews eine lebenslängliche Pension von 9000 Francs. — Eine Kundmachung des Präfecten setzte eine Belohnung von 20,000 Francs Demjenigen aus, dessen Mittheilungen die Verhaftung des Mörders ermöglichen würden. — Natschowic übernahm das Finanzportefeuille. — Vom Sultan ist ein Beglückwünschungstelegramm au Stambulow eingetroffen, das in offiziellen Kreisen den besten Eindruck hervorgerufen hat.
Sofia, 31. März. Die „Agence Balcanique" bezeichnet Vie Meldung des serbischen offiziösen Journals „Objekt", wonach in der bulgarischen Provinz Widdin ein Ausstand ausgebrochen sein sollte, die Bevölkerung die Beamten getödtet hätte und Militär zur Unterdrückung des Ausstandes dorthin entsendet sein sollte, als absolut unbegründet. Im ganzen Lande herrsche Ruhe und Ordnung.
Athen, 31. März. Den aus Kreta eingegangencn Meldungen zusolge hätten sich bei den vorgestern stattgehabten Wahlen für die gesetzgebende Körperschaft die Christen überall der Abstimmung enthalten.
Washington, 31. März. Der italienische Gesan dte Fav a verlangte seine Pässe in Folge der Vorgänge in New- Orleans. Er überreichte Vormittags dem Staatsdepartement seine Abberufung. Dieser Schritt verursachte lebhaftes Erstaunen, da er vollständig unerwartet kam und die Untersuchung in New-Orleans noch nicht beendet ist. Die Abberufung wird mit der Mißstimmung motivirt, welche König Humbert über das Fortschreiten der Arrangements zwischen beiden Ländern betreffs des Lynch-Vorsalls von New-Orleans empfindet. Der „Star" bemerkt, Fava habe sich verpflichtet gehalten, abzureisen. Der Legationssecrctär Jmperiali bleibe jedoch zur Erledigung der lausenden Angelegenheiten noch zurück. Die Pässe wurden dem Gesandten sosort ausgehändigt werden.
Chicago, 31. März. Die Grippe tritt sortgesetzt epidemisch auf. Gestern sind 300 Personen gestorben und etwa 600 Leichen sind noch unbeerdigt.
Saigon, 31. März. Der Großfürst-Thronfolger von Rußland ist nach China weitergereist.
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Gießen, 1. April.
— Auf der Post hat von heute ab wieder der Sommerdienst begonnen und findet die Schalteröffnung anstatt wie bisher um 8, schon um 7 Uhr früh statt.
— Wie aus dem Anzeigentheile ersichtlich, werden von heute ab zwischen Hamburg und Frankfurt a. M. über Cassel in jeder Richtung zwei Eilgüterzüge eingelegt. Soweit die gesammte Eilgut- und Viehbeförderung mit Personenzügen stattfand, gehl dieselbe auf der ganzen Linie auf diese beiden Eilgüterzüge über. Der Fahrplan dieser Züge kann aus den Eilgutabsertiguugsstellen der an der Linie liegenden Stationen cingesehen werden.
— Der außerordentliche Prosessor an der Universität Jena, Dr. Dietrich Behrens, wurde zum ordentlichen Prosessor in der philosophischen Facultät der Universität Gießen mit Wirkung vom 1. April an ernannt.
— Der Hauptsteueramtscontrolleur bei dem Hauptsteueramt Mainz, Johannes Dern, wurde zum Hauptsteueramts- rcndant bei dem Hauptsteueramt Gießen ernannt.
— In Sachen der Fleischbeschau im hiesigen Schlacht- Hans hatte der Vorstand der Metzgerinnung zu Gießen in Nr. 60 unseres Blattes auf zwei vorausgegangene „Eingesandt" eine Erklärung erlassen, welche im Wesentlichen für Ausübung der ständigen Fleischbeschau int Schlachthaus einen Thierarzt, bezw. den Ersatz des derzeitigen Schlachthausverwalters durch einen solchen verlangte. Wir sind heute in der Lage, das Ergebniß der über sraglicheu Vorfall bei Großh. Kreisamt Gießen geführten Disciplinaruntersuchung mitzutheilen:
1. Der stellvertretende Fleischbeschauer ist aus seinem Dienste entlassen worden, weil er sich einer schweren Verletzung seiner dienstlichen Verpflichtungen schuldig gemacht, als er von einem geschlachteten Ochsen ein mit Geschwüren behaftetes Stück von der Lunge weggeschuiticn und das Fleisch l)es Ochsen danach für ladenrein erklärte,- derselbe habe als erfahrener Fleischbefchauer wissen müssen, daß die in der Lunge gesundenen Geschwüre durch Tuberkulose hervorgerusen waren, und sonach seiner Dienstinstruction bewußt zuwider- gehandelt. Aber auch wenn derselbe, seiner Entschuldigung gemäß, die Tuberkulose thatsächlich nicht erkannt hätte, so wurde dies nur bewiesen haben, daß er den an einen Fleisch- beschauer (nicht Thierarzt) zu stellenden Ansprüchen nicht gewachsen war, weil nach dem Gutachten Großh. Kreisveterinär
amtes die Krankheit der Lunge jenes Ochsen von jedem Fleisch beschauer als Tuberkulose erkannt werden mußte.
2. Der Schlachthausverwalter war nicht befugt, den fraglichen, von der Fleischbeschau für ladenrein erklärten Ochsen im Schlachthaus zurückzuhalten; sein Verfahren, möglichst rasch das Gutachten des beamteten Thierarztes zu erwirken, „verdient eher eine Anerkennung statt einer Rüge".
— Die Nr. 8 des im Auftrage des Evang. Pfarrvereins im Großherzogthum Hessen von Herrn Psarrer Dr. Naumann hier herausgegebenen „Hessischen Kircheublattes" hat folgenden Inhalt: 1. Ostersreude. 2. Antwort aus die 10 Anfragen bctr. die Verfassung der ev. Kirche in Hessen und die Verwaltung des Kirchenvermögens. 3. Zur Beseitigung der Eidesnoth. 4. Katholische Patrone evangelischer Pfarreien. 5. Literarische Thätigkeit Hess. Psarrer. 6. An die Mitarbeiter und Leser.
— Wie der „Frkf. Ztg." berichtet wird, trifft in den nächsten Tagen eine Commission in Gießen ein, die im Auftrage des preußischen Cultusministeriums das hiesige pädagogische Seminar und den Unterrichtsbetrieb an dem Seminargymnasium kennen lernen soll. Als Mitglieder der Commission werden die Geheimräthe Stander und H i n z p e t e r genannt.
— Infolge deS im October v. I. erlassenen Preisausschreibens eines Wettbewerbes zur Anfertigung von Entwürfen für eine neue evangelische Kirche in Gießen sind 39 Entwürfe eingelaufen. Heute am 1. April begannen die Berathungen des Preisgerichtes, bestehend aus den Architecten Oberbaurath Dr. vonLeins - Stuttgart, Prof. K. Schäser - Berlin, Geh. Baurath Prof. H. Wagner-Darmstadt und den Mitgliedern des Kirchenvorstandes Dr. Naumann und Pfarrer Schlosser. Nach getroffener Entscheidung, die am 3. oder 4. dieses Monats zu erwarten ist, soll die öffentliche Ausstellung der Entwürfe in der großen Aula des Collegien- hauses hier stattfinden. Der Bauplatz der beabsichtigten neuen Kirche ist in der neuen Anlage.
— Eine Sammlung prächtiger Raubthiere, wie wir sie noch in keiner Menagerie gesehen, 'überraschte uns beim gestrigen Eintritt in diejenige des Herrn Weid an er aus dem Oswaldsgarten. Vor allen anderen Thiercn hervorragend, bewegten sich elastischen Ganges zwei asiatische Löwen (Männchen und Weibchen) und ein Löwe aus der Berberei, die Mähne des Letzteren sich bis über den halben Körper erstreckend, durch welche dieses Thier fast unerreicht dasteht. Ein Königstiger aus Bengalen, schwarze Panther und Jaguare sind in sehr schönen Exemplaren vertreten, auch Lama und Strauß, welchen die Kälte nicht recht behagt, sind vorhanden^ dahingegen ist der riesige Eisbär und das Rennthier mit unserm langen Winter recht einverstanden. Gestreifte und gefleckte Hyänen, durch ihr lachendes Geschrei und ihre Kauwerkzeuge Respect einflößend, sowie russische und sibirische Wölfe sind ebenfalls vorhanden. Weiter gehend, gelangen wir an einen Käfig, welcher uns unwillkürlich zu längerem Verweilen zwingt. Er enthält drei junge Löwen, welche vor vier Monaten geboren wurden, cs sind sehr schöne Kätzchen, possirliche Thiere, mit ihren munteren Springen und Sätzen. Eine Kategorie von Affen und überseeischen Vögeln vervollständigen die schone interessante Sammlung aller Thiergattungen. Auch die Riesenschlange erregte unsere volle Bewunderung. Nachdem wir die Thiere besehen, wenden wir uns zur Dressur derselben. Der Elephant mit seinen riesigen Stoßzähnen entwickelt eine große Fertigkeit im Harmonika- und Orgelspielen, schlägt mit dem Rüssel fein Notenbuch aus und amüsirt uns durch seine acrobatischen Künste. Die nächste Dressur mit den beiden asiatischen Löwen ist wohl die interessanteste, die wir gesehen haben. Ein junger Thier- bändiger, Charles Weidauer, begiebt sich in den Käsig, läßt die Löwen voltigiren, durch Feuerreise springen, ans die Erde legen und sonst noch andere Kunststücke aussühren. Ebensalls ein schönes Bild der Dressur wird uns durch den jungen Thierbändiger, Hary Weidauer, bei den sechs nubischen Löwen geboten. Derselbe begiebt sich in den Central-Käfig und führt mit den Thieren die schwierigsten Productionen aus. Dieselben gruppiren sich in verschiedenen Stellungen, schießen Revolver ab, küssen den Dresseur und nehmen ihm das Fleisch aus dem Mund u. dgl. m. Reicher Beifall lohnte den kühnen Mann beim Verlassen des Käfigs. Zum Schluß lernen wir die Freßgier der Thiere bei der Fütterung mit Fleischportioncn kennen. Wir verließen die Menagerie mit dem Bewußtsein, daß hier wirklich etwas Sehenswerthes geboten und können wir den Besuch derselben Jedem aufs Wärmste empfehlen.
— In der Charfreitag-Nacht wurden an Laternen der Marburgerstraße mehrere Scheiben entzwei geworfen. Der Thäter, ein Cigarrenarbeiter aus Wteseck, ist ermittelt und zur Anzeige gebracht worden.
— Ein seither in Gießen conditionirender Metzgergeselle wurde wegen Sittlichkeitsverbrechen verhaftet.
Friedberg, 30. März. Steuerassessor Dr. Victor Würth in Friedberg wurde zum Hauptsteueramtsrevisor bei dem Hauptsteueramt Mainz ernannt.
Storndorf, 27. März. Nachdem am vergangenen Samstag infolge eines Vortrags des Herrn Laudwirthschastslehrers Leithiger von Alsseld und nach verschiedenen Besprechungen die Gründung einer Molkerei beschlossen worden war und sich eine Anzahl Laudwirthe aus Storndorf und Vadenrod unter das Statut eingezeichnet hatten, ist nunmehr auch das von vornherein für diesen Zweck in Aussicht genommene Gebäude, die sogenannte Papiermühle, definitiv gekauft worden. Es ist also damit der erste Schritt zu einem Unternehmen geschehen, wie sie anderwärts zum Segen der Landwirthschast eingerichtet worden sind, und auch wir hoffen, daß eine Molkerei bei uns nur vorteilhaft auf die Entwickelung unserer Landwirthschast einwirken wird. Anmeldungen zum Be'tritt werden noch ohne Eintrittsgeld bis zum 1. Mai von Herrn Joh. Weiß III. in Vadenrod entgegengenommen.
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*tt Kassel, 31. März. Eisenbahnunsälle. Der gestrige Tages schnellzug Frankfurt-Hamburg bezw. Berlin erlitt auf der Strecke Gießen-Kassel zwischen den Stationen Treysa und Zimmersrode einen bedenklichen Unfall. Auf freier Strecke wurde der Kessel der Maschine desect und konnte infolge dessen der Zug nicht weiter, mußte vielmehr längere Zeit auf freier Strecke liegen bleiben, bis eine telegraphisch beorderte Hülssmaschine ankam und den Zug wieder zurück nach der Station Zimmersrode zog. Von hier aus ging cs dann erst nach Kassel, wo die mit dem Schrecken davongekommenen Passagiere mit P/2 Stunden Verspätung eintrafen. Die Anschlüsse nach Berlin und Hannover waren verfehlt, von Kassel aus wurde ein Vorzug abgelassen. — Aus der Westfälischen Bahn ereignete sich gestern Morgen ebenfalls ein erheblicher Unfall. Auf den im Geleise haltenden Frühpersonenzug nach Kassel stieß auf der (Station Warburg beim Rangiren eine Locomotive auf und zwar mit solcher Vehemenz, daß ein Personenwagen und der Packwagen ineinander geschoben und stark demolirt wurden. Die Passagiere wurden in den Waggons durcheinander geworsen unb erlitten Hautabschürfungen 2c., der Packmeister erlitt eine Quetschung des Beines, eine ganze Anzahl Milchkannen mit Milch wurde zertrümmert.
* Karlsruhe, 29. März. Bei einem heute Nacht um 3 Uhr im Hause des Regierungsraths Schneider ausgebrocheneu Feuer ist ein D i e n st m ä d ch e n verbrannt/ ein anderes Mädchen wird vermißt. Beim Bruch einer Leiter trug der Feuerwehrmann Marx einen Nippenbruch davon.
* Aecht amerikanisch. Aus New-Iork wird gemeldet . Die Legislatur von Minnesota ist hinter einen sonderbaren Betrug gekommen. Im letzten Jahre wurden nicht weniger als 25 000 Doll. Prämien im Betrage von je 5 Doll, für erlegte Wölse bezahlt. Die Höhe dieser Summe erregte denn doch Bedenken und bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, daß es in den nördlichen Theilen des Staates in großem Maßstab eingerichtete Wo l sszü ch t er e i c n gab. die ein sehr einträgliches Geschäft daraus machten, Wölfe zu ziehen und später ihr Fell dem Staate zu verkaufen
£iteratur unö "Kunft.
— Nr. 13, vi. Bd. der Raturwiffenschaftttchen Wschan» schrift, Redacteur Dr. H. Potoniv, Verlag von Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin, hat folgenden Inhalt:
Dr. E. von Rebeur-Paschwitz: Wellenbewegung des Erdbodens in Puerto Orotaoa. (Mit Abbildungen.) — Harry Gravelius: lieber WettersLulen. — Dr. C. Matzdorff: Zur Zellenlehre (Schluß). — Aus dem Leben des Alpenseglers. — lieber den Einfluß des Windes auf den fliegenden Vogel. — Honigihau und Pflanzenläuse. — Mtrification und Kohlmstoffasstmilation ohne Licht und Chlorophyll. — Vorweltliche Riesenhöhlenbären ausgestellt. — Die Kälte im December und Januar dieses Winters im westlichen Europa. — Frau Prof. Sophie Kovalevsky f. — Literatur.
Spielplan der vereinigten Iraukfurter Stadttheater.
Opernhaus.
Donnerstag den 2. April: Die!Meistersinger. Große' Preise.
Freitag den 3. April: Zum Besten des Chor-Pensionssonds Neu einstudirt: Robert und Bertram. Gewöhnliche Preise. Außer Abonnement.
Samstag dm 4. April: Stumme von Portier. Gewöhnliche Preise.
Sonntag dm 5. April: Walküre. Große Preise.
Schauspielhaus.
Donnerstag dm 2. April geschlossen.
Freitag den 3. April: Jphigenia aus Tauris. Gewöhnliche Preise.
Samstag den 4. April: Zum ersten Male: Benedikt. Characterbild in 4 Acten und einem Vorspiel von B. Schwemer Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 5. April: Zum ersten Male wiederholt: Benedict. Gewöhnliche Preise.
Amtliche Prüfung der Lichtstärke der Leuchtgase,.
Vorschriftsmäßige Lichtstärke bei 150 Liter stündlichem Gasverbrauch 13 bis 15 deutsche Vereins-Paraffinkerzen.
Monat März 1891: 14*/, Kerzen.
Buchner.
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50 Pfennig.
Durch üdt Buchhandlung zu betkben


