Ausgabe 
29.5.1890
 
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Wilhelms I. in Metz durch Gontaut Biron ist in Folge gegen­seitigen Einverständnisses von derartigen Begrüßungen beider­seits Abstand genommen worden.

Berlin, 27. Mai. Der VIII. deutsche Lehrer tag wurde bei seinem Zusammcntretcn heute Vormittag in der Philharmonie" vom Oberbürgermeister v. Forckenbeck, Namens des Cultusministers durch den Ober-Regierungsrath Schnei­der, Namens der städtischen Schuldeputation vom Stadtschul­rath Bertram begrüßt. Der Vorsitzende Tiersch (Berlin) brachte sodann ein Hoch aus Se. Majestät den Kaiser aus, wonach die Absendung einer Ergebenheilsadresse an Seine Majestät beschlossen wurde. Hierauf hielt Dittes-Wien eine begeistert aufgenommene Festrede zum Gedächtniß Diester­wegs ; sodann wurde an Se. Majestät ein Huldigungstele­gramm einstimmig genehmigt, begleitet von der ehrerbietigen Bitte, die Fürsorge, welche der Kaiser aus Herzensneigung dem bedrängten Theile des Volkes entgegenbringe, auch der Schule und ihren Pflegern bewahren zu wollen. Sodann sprach Clausnitzer-Berlin über die Aufgabe der Volksschule gegenüber der socialen Frage. Eine Besprechung der Thesen wird morgen stattfinden.

Potsdam, 27. Mai. Bei einer Vergnügungsfahrt, welche mehrere Soldaten und Mädchen gestern gegen Abend mit einem Segelboote aus dem Seddiner See unternommen hatten, sanden 4 Personen durch Umschlagen des Bootes in den Wellen ihren Tod, die übrigen wurden gerettet.

Danzig, 27. Mai. Gestern Nachmittag unternahmen 11 Personen auf der Ostsee in einem Segelboote eine Fahrt nach dem Vergnügungsorte Heubude. Das Boot kenterte und 7 Personen, darunter der Schiffer, ertranken. Unter den Ertrunkenen befindet sich die Tochter eines Stolper Arztes, ferner eine Frau v. Sprockhoff mit zwei Kindern und zwei erwachsenen Schwestern. Der ertrunkene Bootssührer heißt Schulz.

München, 27. Mai. Zu dem gestrigen Begrüßungs­abend der dritten Hauptversammlung des Allgemeinen deutschen Sprachvereins hatten sich an hundert Philo­logen aus allen Theilen Deutschlands eingefunden. Nach dem Gesänge des Festliedes sprach Hofschauspieler Stury den Prolog. Stadtschulrath Rohmeder hieß die Erschienenen im Namen des Ortsausschusses willkommen, woraus der erste Vorstand Riegel den Dank erwiderte. Geheimrath Reuleaux aus Berlin feierte den hiesigen Zweigverein. Hierauf folgten Musik- und Chorlieder-Vorträge.

Altona, 27. Mai. Als Ersatz für die strikenden Maurer traf heute hier eine Anzahl italienischer Maurer ein. Die Bauplätze derselben werden polizeilich überwacht.

Belfort, 27. Mai. Car not ist um 11 Uhr hier ein­getroffen und wurde sehr sympathisch empfangen. Bald nach der Ankunft des Präsidenten sand ein Empsang der Behörden aus der Mairie statt. Carnot erwiderte aus die dabei ge­haltenen, an die Belagerung der Festung und an die repu­blikanische Gesinnung der Bevölkerung erinnernden Ansprachen, er sei tief bewegt vom Besuche der Stadt und von den patriotischen Kundgebungen, womit man ihn in derselben em- psangen habe.

Paris, 27. Mai. Carnot ist Abends in Besoul ein­getroffen ; er geht morgen nach Chaumont und Troyes und trifft Abends wieder in Paris ein.

CocaUs r»nd provinzielle».

Gießen, 27. Mai.

Neues Theater in Gießen. Ein herrlicher Kunstgenuß steht uns bevor durch die Ausführung der Schauspiel-Novität Die Ehre", die uns am Freitag Abend vorgeführt wird und zwar durch das Widmann'sche Ensemble vom Kgl. Opernhaus in Bayreuth. Herr Widmann beginnt mit seinen Vorstellungen im Kurhaustheater in Nauheim erst nächste Woche, und diesem Umstande ist es zu danken, daß wir mit einer so vortrefflichen Novität bekamt gemacht werden, die gegenwärtig in Frankfurt, Kassel, Darmstadt u. s. w. so großes Aussehen erregt. In dem ersten größeren Werke eines jungen, reichbegabten Autors tritt uns zum ersten Male

Tessa, dem Assessor glücklich lächelnd die Hand reichend. Bach gab Tessa den Arm. Welch beseligendes Gefühl war es für ihn jetzt, an der Seite der Geliebten sitzen zu dürfen; viel zu schnell langte man am Portal der Kirche an.

Nach der Trauung fuhr man in das Hundheim'sche Palais zum Festmahle.

Bach und Tessa unterhielten sich ausgezeichnet, die Augen sprachen noch mehr, als Worte vermochten. Bach, als der älteste Brautführer, hielt eine begeisterte Rede auf die Braut­jungfern. Das neuvermählte Paar war verschwunden, die Tafel wurde ausgehoben und der Kaffee herumgereicht. In einer halben Stunde sollte im großen Saale getanzt werden.

Bach erspähte in einem Zimmer den Vater Tessas. Kurz entschlossen bat er ihn um eine kurze Unterredung; sie wurde gewährt, ebenso die Hand der Tochter, um welche der Assessor gebeten.

Beim Beginn des Balles werde ich Eure Verlobung veröffentlichen, ich will jetzt mit meiner Frau und Tessa- sprechen!" sagte Herr v. Hundheim.

Wer war glücklicher als Bach. Leuchtenden Auges trat er in das Rauchzimmer. Ein Geheimer Justizrath, der die Kenntnisse des Assessors zu schätzen wußte, redete denselben wegen eines wichtigen Processes an und fragte ihn um seine Meinung.

Bach mußte eine Weile den alten Herrn anhören, end­lich erlöste ihn der Diener, welcher Bier präsentirte; er eilte nach dem Toilettenzimmer, um etwaige kleine ent­standene Mängel an Haupthaar und Anzug wieder in Ord­nung zu bringen.

Wirklich brillant sitzt alles!" murmelte er, sich vor dem großen Toilettenspiegel drehend und wendend.

(Fortsetzung folgt.)

wieder ein wirkliches, gesundes Schauspiel entgegen, welches mit all seinen Figuren und Situationen, mit all seiner sceni- schen Gliederung aus einem festen Grundgedanken, aus einer echten Schauspielidee beruht.Die Ehre" hat so viel des Guten, diese Novität ist so reich an echtem Humor und ernsten Motiven, es spricht aus ihr eine so ehrliche, beachtenswerthe Moral und berührt in seiner ganzen Farbe und Gestalt so herzlich und anheimelnd, so gesund und warm, daß wir den jungen Autor beglückwünschen können. Das Widmann'sche Ensemble, das wir am Freitag Gelegenheit^haben sehen zu können, erzielte in Bayreuth mit derEhre" einen Erfolg, wie er noch selten dagewesen. Keine Vorstellung war eine so in allen Theilen vollendete, wie gerade diese, und so war es denn auch nicht zu verwundern, daß die Ehre" 6 Mal nacheinander bei total ausverkaustem Hause aufgesührt wurde. Nach der ersten Aufführung schrieb dasBayreuther Tage­blatt" u. a. Folgendes:Nach den bisherigen Leistungen des Widmann'schen Ensembles konnte man wohl einer guten Aus­führung dieses vorzüglichen Schauspiels entgegensehen, wir müssen aber gestehen, daß wir auf solch einen großartigen Kunstgenuß nicht gerechnet hatten. Die gestrige Aufführung kann als eine mu st er gültige bezeichnet werden, und war der stürmische Beifall, welcher den Mitwirkenden zu Theil wurde, ein wohlverdienter."

Wer sich also einen recht genußreichen Abend verschaffen will, versäume es nicht, dieser Vorstellung beizuwohnen.

Der wegen den Anfang Mai dahier verübten Ein­brüchen in Frankfurt a. M. verhaftete Friedrich Kelter aus Rockenberg ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag aus seiner im 2. Stockwerke des hiesigen Arresthauses belegenen Zelle ausgebrochen. Ketter durchbrach zunächst die nur einen halben Backstein starke Zimmerdecke, schwang sich von dem aufrecht gestellten Bettgestelle aus unter Zuhilfenahme eines um eine ausgebrochene Eisenstange der Bettlade geschlungenen Leinentuches durch die Oeffnung und gelangte von da auf das Dach, von dem er sich an dem Blitzableiter in den Hof herabließ. Hier gab er sich zunächst dem Wachtposten gegen­über den Anschein, als ob er mit Arbeiten im Arresthofe, Kehren und Gießen, beauftragt sei, und ersuchte denselben, mit einer Gießkanne in der Hand, ihm das Thor zu öffnen, da er auch draußen gießen solle. Dieses Begehren wurde aber von dem wachhabenden Unteroffizier, da die Wache über­haupt Niemand aus dem Gefängnißhose zu lassen hat, abge­lehnt. Ketter begab sich nun wieder auf das Dach zurück und stieg von da durch den Abzugsschlot der Luftheizung in den Heizungskanal. Als die Entweichung des Ketter aus seiner Zelle am Morgen bemerkt wurde, die Wache aber auf das Bestimmteste versicherte, denselben nicht hinausgelassen zu haben, ein Ueberspringen der Mauer ohne Hilfsmittel auch nicht möglich erschien, wurde in dem Schornstein nachgesorscht, jedoch ohne Erfolg, da Ketter in den Luftheizungskanal ge­krochen war, und infolge deffen nicht gesehen werden konnte. Hier brachte der Verbrecher zwei Tage und eine Nacht zu, stieg dann wieder in dem Schornstein empor und am Blitz­ableiter aus den Hof herab, hob hier eine Abortthüre aus, mittelst deren ihm das Uebersteigen der Mauer gelang, und kam so ins Freie. Die gleich nach dem Entweichen energisch ins Werk gesetzte Verfolgung des Ketter war von Erfolg, Ketter sollte sich nicht lange der goldenen Freiheit erfreuen. Bereits gestern Abend ist es einer gemeinsamen Patrouille hiesiger Gendarmen .und Schutzleute gelungen, den gefährlichen Menschen vor dem Dorfe Griedel bei Butzbach zu ver­haften. Unter sicherer Bedeckung wurde Ketter, der aus seiner Flucht wiederholt Gendarmerie-Patrouillen wahrgenommen haben will und während der Zeit, vom Ausbruch ans seiner Zelle in der Sonntag-Nacht bis zu seiner Verhaftung, weiter nichts als die Eier zweier Rabennester genossen hatte, heute Nacht wieder in das hiesige Provinzialarresthaus eingeliefert. Wahrscheinlich werden ihm hier weitere Fluchtversuche, trotz der bei dem eben unternommenen bewiesenen Gewandtheit, unmöglich gemacht.

Friedberg, 27. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog fuhren heute Morgen nach Bad Nauheim und von dort zum Bahnhof. Seine Großh. Hoheit Prinz Heinrich reifte um 8 Uhr 52 Min. ab, begleitet von Major Frhr. Schenk zu Schweinsberg. Gestern fuhren die Allerhöchsten Herrschaften nebst Gefolge nach Salzhausen und nahmen dort das Mittagessen im Curhause ein. Die Rück­fahrt erfolgte gegen Abend.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute den Professor Dr. Vossius, Director der Augen­klinik, und den Justizrath Baist von Gießen, den Forst- inspector Reuß von Butzbach und den Frhrn. Gil brecht ü.o n Löw von Nieder-Florstadt.

Friedberg, 24. Mai. Se. Königl. Hoheit der Erb- großherzog sind heute früh 6 Uhr von Leipzig hier ein­getroffen.

Friedberg, 24. Mai. Die 28. Jahresversamm­lung des hessischen Unterverbands der deutschen Erwerbs - und Wirthschaftsgenossen schäften wird am 30. Mai, Morgens 8 Uhr, im Hotel Trapp dahier statt­finden, woraus ein gemeinschaftliches Mittagsessen folgt. Die Vorversammlung ist am 29. Mai, Abends 7 Uhr. Als Ver­treter der Anwaltschaft wird Herr Ludw. Parrisius ans Berlin anwesend sein.

x Friedberg, 26. Mai. Heute Morgen scheute in der Nähe der' neuen Post ein Pferd und ging mit seinem leichten Wägelchen, auf dem ein älterer Mann aus Echzell saß/ durch. In rasendem Laufe durcheilte das Pferd die Stadt, au mehreren Ecken stieß der Wagen an, so daß auch leider der Führer des Gefährtes herausfiel und zwar so unglücklich, daß er das Bein dreimal brach. Der Verunglückte wurde ins Spital gebracht, die Wunden sind so gefährlicher Art, daß man sehr an seinem Aufkommen zweifelt. DaS weiter­rasende Pferd konnte erst wieder eingefangen werden, nachdem es noch in dem Seminarhof einen Flügel des eisernen Thores mitsammt dem Sandsteinposten umgerissen hatte.

-e- Lich, 27. Mai. Lehrer Roth in Altenstadt wurde zum Lehrer an der hiesigen Stadtschule ernannt und Schul­verwalter Stork dahier nach Altenstadt versetzt. Karl Dörmcr und Ludwig Erb von hier wurden als Schnl- vcrwalter in Garbenteich bezw. Ilbeshausen und Heinrich Vogt von hier als Schulgehülfe in Allendors a. d. Lumda bestellt. Gestern in der Mittagszeit wurde in das zur sog. Westendhalle gehörige Gebäude cingcbrochen und daraus ein Kistchen Cigarren, eine Flasche Liqneur und eine Quantität Wurst entwendet. Dem Thäter ist man auf der Spur, hoffentlich wird er auch die verdiente Strafe erhalten-

3. Lich, 25. Mai. Dem MännergesangvereinCäcilia" und den meisten hiesigen Einwohnern wurde heute eine Über­raschung dadurch zu Theil, daß dem Herrn Schulverwalter Stork dahier ein Versetzungsdecret nach Altenstadt zugestellt wurde. Der hier allgemeiner Beliebtheit sich erfreuende Mann wurde neulich für die definitiv zu besetzende 5. Lehrer- ftelle dahier vom Stadtvorstand einstimmig vorgeschlagen und dieser Gemeinderathsbeschluß von dem Schulvorstande befür­wortet- man wundert sich daher allgemein, daß nicht Herr- Lehrer Stork, sondern Herr Lehrer Roth von Altenstadt die betr. Stelle erhielt. Dem Cäcilienverein besonders war diese Versetzung insofern unerwünscht, als er in Herrn Stork seinen tüchtigen Dirigenten verliert; dadurch ist auch der Be­such des Lahnthal-Sängerbund-Festes in Gießen, auf welches sich alle Mitglieder so sehr gefreut und bei der Einübung der Bundeschöre so große Mühe gegeben haben, in Frage gestellt.

A Lindheim, 27. Mai. Die Schlußseier des 1890er I. Cursus der la ndwirthschaftlich en Haushaltungs­schule in Lindheim findet Samstag den 31. Mai 1890, Vormittags 10 Uhr, in dem Anstaltsgebäude unter folgendem Programm statt: 1-) Gesang der Schülerinnen. 2) Ansprachen des Präsidenten des landwirthschastlichen Provinzialvereins Oberhessen (Graf Friedrich von Solms - Laubach) und des Vorsitzenden des landwirthschastlichen Bezirksvereins Büdingen (Kreisrath Dr. Klietsch). 3. Uebergabe der Zeugnisse an die Schülerinnen. 4) Ansprache einer Schülerin an das Lehrer- personal. 5) Besichtigung von in dem Arbeitszimmer offen gelegten weiblichen Handarbeiten, schriftlichen Arbeiten und Molkereiproducten. 6) Gesang der Schülerinnen.

** Aus dem südöstlichen Vogelsberg, 26. Mai. Wie

aus anderen Gegenden berichtet wird, sind die Maikäfer so

stark aufgetreten, daß dieselben zur Plage geworden sind. Hier ist gerade das Gegentheil der Fall, denn man findet

sehr wenig Maikäser und trifft nun auch die Bauernregel

Maikäfer-Jahr, ein gutes Jahr" keine Anwendung, denn hier stehen, wie auch in anderen Gegenden, alle lcmdwirth- schastlichen Gewächse so prächtig, daß auch wir eine durchaus gute Ernte erhoffen, namentlich in Roggen und Weizen, welche feit 4 Jahren nicht gediehen. Welche Hoffnungen nun erst in der fruchtbaren Wetterau! In der Gegend von Dauernheim müssen viele Laudwirthe Stücke mit Korn grün füttern und bann Kartoffeln darauf pflanzen, weil das Korn zu fett gewachsen ist und sich lagern würde. Gute Gegenden haben auch oft ihr Unangenehmes.

40 Büches, 26. Mai. Angeregt durch die interessanten Mittheilungen des Herrn Curschmann über absonderliche Vogelnistplätze theile ich Ihnen mit, daß hier ein Birnbaum, da wo die Straße von Wolf in die große Staatsstraße mündet, steht, auf welchem im letzten Jahre nicht weniger als fünf Sänger erster Klasse ihre Residenzen ausgeschlagen hatten: eine Amsel, zwei Buchfinken und zwei Schwarzköpschen. Es war ein Hochgenuß seltener Art, diesen auserlesenen Sängern Morgens und Abends zuzuhören oder sie in ihrem Wohnungsbau und ihrem Lege- und Brutgeschäfte zu beob­achten. Nicht weit davon steht der roth und weiß ange- strichene Pfahl, worauf Ortsname, Gerichtsbezirk, Militär­bezirk u. s. w. verzeichnet ist. Obgleich wir seit einem Jahrzehnts keine Landgerichte, sondern Amtsgerichte besitzen und oft aus diese unrichtigen Bezeichnungen von der Behörde hingewiesen wurde, haben wir immer noch einLandgericht" Büdingen, was. zuweilen die Heiterkeit der Vorbeireisenden heraussordert.

cf Altwiedermus, am Fuße der Ronneburg, 25. Mai. Von dem Hauptthurme unserer altehrwürdigen Ronneburg, der sich durch seine interessante Architectur auszeichnet, hat man eine bedeutende Rundsicht, die bereits vor zwei Jahren zu geodätischen Beobachtungen benutzt wurde. In die Gallerte des Thurms wurden eiserne Bolzen zum Befestigen von Reflexionsspiegeln und Fernrohren eingelassen. Kürzlich erschienen ein Major, ein Hauptmann und ein Premierlieutenant vom großen Generalstabe und inspicirten die Station. Ein Soldat ist beständig hier. Alltäglich um 4 Uhr Nachmittags besteigt er den Thurm und gibt und empfängt Spiegelzeichen nach und von Bergen bei Frankfurt a. M., wenn die Sonne nicht von Wolken bedeckt ist. Auch nach dem Taufstein im Vogelsberge und dem Hahnenkamm im Spessart seien Ein­schlüsse gemacht worden. Die Beobachtungen werden noch den Monat Mai in Anspruch nehmen. Eine große Anzahl Offiziere (es sollen 19 gewesen sein) haben sich die hiesige Gegend vor einiger Zeit ebenfalls angesehen, aber diese Jn- spection hatte ihren Grund in den Herbstmanövern dieses Jahres.

vermischte».

* Darmstadt, 27. Mai. Ein Liebesdrama mit recht traurigem Ausgang wird aus dem benachbarten Nieder- Rarnstadt gemeldet. Ein noch sehr jugendliches Liebespaar, Kinder achtbarer Handwerkerfamilien, war letzten Freitag Abend von einem Ausgange nicht mehr zurückgekehrt. Die Eltern hatten das Verhältniß der jungen Leute (der Bursche war 19, das Mädchen erst 16 Jahre alt) nicht gebilligt und waren darum die Nacht schon beunruhigt. Schon in aller Frühe suchten sie daher am Samstag in den benachbarten Wald­ungen nach den Verschwundenen und sah man auf demWaltersteich amLndwigswegeinenHemdkragenschwimmen. Beivorgenommener