Untersuchung des Teiches sand man auf dem Grund desselben das vermißte Paar, das sieb mit den Händen zusammengebunden und so gemeinsam den Tod im Wasser gesucht und gesunden hatte. Gestern, am zweiten Pfingstseiertage, sand im Beisein einer außerordentlich zahlreich zusammengeströmten Menge die Beerdigung des unglücklichen jungen Liebespaares auf dem Nieder-Ramstädter Friedhöfe statt.
* Wetzlar, 27. Mai. Ein schweres Unglück hat sich am Samstag Morgen gegen 11 Uhr auf der unweit der Station Braunfels gelegenen Grube „Maria" ereignet. Drei Bergleute, Heinrich Schnorr und Bender von Leun, sowie Wilhelm Hebel aus Tiefenbach, hatten in kurzen Entfernungen von einander drei Sprengschüssc gelegt und warteten die Entladung derselben in angemessener Entfernung ab. Da eine längere Zeit verging, ohne daß die Explosion erfolgte, machte sich Schnorr, ein schon bejahrter Mann, auf den Weg, um nachzusehen und eine neue Ladung anzubringen. Während er hiermit beschäftigt war, ging der Schuß los und traf den Unglücklichen mit voller Gewalt, ihm die Brust auf das furchtbarste zerfleischend. Sein Körper wurde unter den durch die Sprengung herabgestürztcn Gesteinsmassen fast vollständig vergraben. Bender, welcher das Unglück wohl ahnen mochte, eilte trotz der Gefahr sogleich herzu, um seinem Genossen Hilfe zu bringen. Ihn ereilte dasselbe Schicksal, indem während seines Hinzutretens der von ihm gelegte Schuß sich entlud und ihn tödtlich verwundete. Obwohl der Dritte, Wilhelm Hebel, das Unglück seiner Milarbeiter vor Klugen sah, zögerte der muthige Mann keinen Augenblick, Hilfe zu bringen. Auch er sollte ein Opfer seines Wagemuthes werden. Der letzte der unglückseligen Schüsse streckte ihn mit zwar erheblichen, aber glücklicherweise nicht gerade tödtlichen Verletzungen zu Boden. Erst einem Vierten, dem Bergmann Klotz, gelang es, das Schicksal der Verunglückten näher zu erforschen- durch seine Vermittelung wurde ihnen die erste Hülfeleistung zu Theil. Schnorr starb bereits aus der Station Braunfels, als er in die Gießener Klinik verbracht werden sollte, auch Bender soll bereits gestorben sein, während Hebel sich besser befindet. Alle drei sind verheirathet und Familienväter. — Das traurige Loos, welches die braven Männer und ihre Familien betroffen hat, wird nicht verfehlen, unter der Bevölkerung unseres Kreises die herzlichste Antheilnahme hervorzurufen. Die Gestorbenen sind gleich tapfern Soldaten in der Ausübung ihres gefahrvollen Berufes gefallen — Ehre ihrem Andenken, Friede ihrer Asche!
— Frankfurt a. M., 24. Mai. Von Mainz wird hierher berichtet, daß der angebliche Complice Lieskes, des Mörders des Polizeiraths Rumpf, der Anarchist Wilhelm Gebhard, von der Mainzer Strafkammer heute zu 15 Monaten Gefängniß verurtheilt wurde und zwar wegen Meuterei und Bedrohung. Bei der Verhandlung soll sich herausgestellt haben, daß Gebhard zur Zeit der Ermordung Rumpfs sich im 'Auslande befand, so daß seine Theilnahme an dem mehrerwähnten politischen Morde eine Ente ist.
— Die Specialdirection der Hessischen Ludwigsbahn in Mainz theilt mit, daß der Verwaltungsrath in seiner gestrigen Sitzung die Erhöhung der Gehälter der unteren und mittleren Beamten genehmigt und die Auszahlung vom 1. Januar d. I. ab beschlossen hat.
.= Frankfurt a. M., 24. Mai. Der Vorstand für die internationale e l e c t r o t e ch n i s ch e A u s ft e l l u n g hat für die Aussteller folgenden Kraft-Tarif festgesetzt: Für Maschinen von 1—50 Pferdekräften 60 Mk., von 50 bis 100 Pferdekräften 50 Mk., für solche von 100 bis 300 Pferdc- kräften 40 Mk. und endlich für Maschinen über 300 Pferdekräften 30 Mk. pro Pferdekraft für die Dauer der ganzen Ausstellung ohne Berechnung nach Tagen und Stunden.
*X Koblenz, 24. Mai. Das 18. Turnfest des Mittelrheinkreises wird am 3., 4. und 5. August hier gefeiert werden. Die verschiedenen Festausschüsse sind bereits in voller Thätigkeit. Der Preßausschuß beabsichtigt, eine reich ausgestattete Festzeitung in 5 Nummern herauszugeben, die im Verlage der Hosbuchhandlung von Wilhelm Groos (Kindt u. Meinardus) zum Preise von 1 Mark erscheinen wird. Namhafte Schriftsteller haben bereits Beiträge zugesagt. Daß die Bürgerschaft dem Feste ein lebhaftes Jnter- effe entgegenbringt, beweist der Umstand, daß in kurzer Zeit ein Garantiefond von 60 000 Mk. gezeichnet worden ist. Als Festplatz dient der Clemensplatz und der Schloßplatz. Au dem Clemensplatze, den das stattliche neue Postgebäude und der Espenschied'sche Prachtbau begrenzen, wird eine Festhalle für 2000 Personen nach Plänen des Stadtbaumeisters errichtet. Unter den schattigen Linden des Schloßplatzes soll die turnerische Arbeit geleistet werden. Für Sonntag den 27. Juli, Nachmittags 4 Uhr, ist eine Vorfeier geplant, bestehend in einem Schauturnen der Coblenzer Turnerschaft.
Samstag den 2. August, Abends 8 Uhr, findet die Begrüßung der auswärtigen Gäste in der Festhatte statt. Der Haupt- fcsttag ist Sonntag den 3. August. Nachmittags 1 Uhr bewegt sich der Festzug durch die Stadt, an dem sich neun Musikcapellen betheiligen- Nachmittags 3 Uhr: Freiübungen und Mustcrriegenturnen- Abends 8 Uhr: Fackelreigen- Abends 9 Uhr: Verkündigung der Sieger. Montag den 4. August, Vormittags 7 Uhr: Beginn des Einzelwettturnens - Nachmittags 4 Uhr: Schülerschauturnen - Abends 8 Uhr: Verkündigung der Sieger. Dienstag den 5. August, Vormittags 7 Uhr: Beginn des Wettfechtens - Nachmittags 3 Uhr: Wettringen, hierauf Turnspiele- Abends 6 Uhr>- Verkündigung der Sieger. Für Mittwoch den 6. August sind Ausflüge geplant. Herr Franz Litterscheid hat zum Kreisturnfeste einen Turnermarsch componirt und der Eoblenzer Turnerschaft gewidmet. Der Marsch ist im Verlag der Gebr. Prem erschienen.
Universttäts. Nachrichten.
Marburg. 24. Mar. Herr Lwential Link in der ideologischen Fücultäl der ht.sigen Unioafität ift ooni nächsten S'meUer an zum außrrord.nlitchen Professor an der Uttwerstläl Königsberg ernannt worden.
Viehhaltung und Milchwirthschafl.
Milchergievigleit einer Simmenthaler Kuh.
Herr Schäfer, Administrator auf dem Freiherrlich Riedesel'schen Rittergute Sickendorf bei Lauterbach in Oberhessen, kaufte mit anderen Kühen auch die Kuh Nr. 42 am 24. September 1888 als trächtige Kuh von einem Händler, direct ans dem Simmenthale bezogen - dieselbe ist von reiner Rasse, gelbscheckig, hat jedoch wenig schwarze Hornspitzen und wiegt 1450 Pfund lebend. Die Kuh brachte am 16. November 1888 ein Bullenkalb zur Welt, welches 120 Pfund bei der Geburt wog. Bis zum 12. November 1889 gab die Kuh 4110 Liter Milch. Bis zum 15. December 1889 trocken stehend, brachte sie an dem Tage ein Kuhkalb von 100 Pfund Lebendgewicht zur Welt. Gleich vom ersten Tage ab säugte die Kuh neben ihrem eigenen noch ein fremdes Kalb und wurden doch noch täglich 8—10 Liter von ihr gemolken. Am 31. December 1889 wurden beide Kälber abgestoßen und gab die Kuh vom 1. bis 20. Januar 630 Liter Milch, am 20. Januar 35 Liter.
Am 21. Januar wurde die Milch vor Zeugen (Ortsvorstand) gemolken und zwar Morgens um J/27 Ufyr, Mittags um r/zlL Uhr, Abends um V27 Uhr: 153/4 Liter, 10 Liter, 91/4 Liter, Summa 35 Liter. Die Milch der einzelnen Melkzeiten wurde je in eine Kanne gefüllt, diese versiegelt und zur Molkerei nach Fulda geliefert. Die dort vorgenommene Untersuchung mit je doppelten Proben zur Controlle lieferte folgendes Ergebniß:
Morgenmilch Mittagmilch Abendmilch 16 Kilo 150 Gr. 9 Kilo 900 Gr. 9 Kilo 400 Gr.
bei 15° Wärme:
spec. Gew. 1,030 1,026 1,029
Fettgehalt 2,95 pCt. 6,05 pCt. 4,56 pCt.
Das Gemisch aller drei Melkungen ergab eine Gesammt- menge von 33 Kilo 450 Gramm, spec. Gewicht 1,0288, Fettgehalt 4,32 pCt. (zeigte im Kremometer Chevalier 12Theil- striche Rahm).
Fulda bezahlt die Milch nach dem Fettgehalte und zwar per 1 pCt. Fett 23/4 Pfg. Es berechnet sich also obige Milch mit 11,88 Pfg. per Liter und somit im Gesammtertrage an diesem Tage auf 3.97 Mk. (rund 4 Mk.), ein gewiß seltenes Ergebniß.
Die musterhafte Viehwirthschaft, Haltung, Pflege,
Ergebniß nicht als ganz genau bezeichnet werden. Die Molkereianstalt in Fulda ist zu weiterer Auskunft gern bereit. D. Allg. Ztg. s. Landw.
Schiffsnachrichten.
Bremen, 24. Mai. [Per transallantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Trave, Capt. W. Willigerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 14. Mai von Bremen und am 15. Mai von Southampton abgegangen war, ist gestern 12 Uhr Mittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
Bremen, 24. Mai. [$er transatlantischen Telegraph.) Der Postdampser Weser, Capt. H. Winter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 8. Mai von Bremen abgegangen war, ist gestern Vormittag wohlbehalten in Newyork angekommen.
Bremen, 24. Mai. [93er transatlantischen Telegraph.) Der Postdumpfer München, Capt. A. Jäger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 8. Mai von Bremen abgegangen war, ist gestern 1 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Verfälschte schwarze Seide.
Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt fofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterlaßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seidenfabrik-Depöt von G. Henneberg (K. u. K. Hoflief) Zürich versendet gern Muster von seinen echten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und zollfrei ins Haus. 1873
Rademarms Kindermehl, ?:r goldenen Medaille, unerreicht i. Nährwerth und Leichtoerdaulichkeit, ist nächst der Muttermilch thatsächlich die beste und zuträglichste Nahrung für Säuglinge. Zu haben ä JL 1.20 pro Büchse in allen Apotheken, Drogen- und Colonialwaarenhandlungen.[7 Gummi- Paris.
Feinste Speeialitäten.
Zollfr. Versandt durch W. H. Mielck, Frankfurt a. M.
Ausfiihrl. Special-Preisliste gegen 20 Pfg. Portoauslage. [4447
Verkehr, Land- rrnd VoU-wirthschaft.
Srünberg, 24. Mai. (Fruchtpreise). Weizen JL 20.50, Korn <X 18 80, Gerste JL. —, Hafer JL 17.50, Erbsen , Linsen ——, Lein —Wicken —, Samen —, Kartoffeln 3.—.
Apirlpla« der vereinigten Frankfurter Atadttheatrr.
Ohernhaud»
Donnerstag 29. Mai: Lohengrtn. Gewöhnliche Preise.
Freitag den 30. Mai geschlossen.
Samstag den 31.Mai: Der Widerspänstigen Zähmung. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 1.Juni: Norma. Hierauf: Die Puppenfee. Gewöhnliche Preise.
Montag den 2. Juni: Zur 100jährigen Geburtstagsfeier Ferdinand Raimunds. Vorstellung bet ermäßigten Preisen. Der Verschwender. Außer Abonnement.
EchnushielhnuO.
Donnerstag den 29. Mai: Ehre. Außer Abonnement. Gewöhnliche Preise.
Freitag den 30. Mai: Zum ersten Male wiederholt: Die Schachpartie. Die Platonischen. Vermischte Anzeigen. Gewöhnliche Preise.
Samstag den 31. Mai: Neu einstudirt: Hasemanns Töchter. (Hasemann: Herr Richard als Gast) Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 1. Juni: Hasemanns Töchter. (Hase- mann: Herr Richard als Gast.) Gewöhnliche Preise.
Wöchentliche Aeberficht der Todesfälle in Gießen.
21. Woche. Vom 18. Mat bis 24 Mat 1890. Einwohnerzahl: 20 500 (incl. 1600 Mann Militär).
Sterblichkettsziffer: 22,8 %o.
Kinder
Fütterung rc., die auf besagtem Gute herrscht, trägt zu dieser Milchergiebigkeit hauptsächlich mit bei. Die Kuh erhält täglich 8 Pfd. Kraftfutter und werden weitere Proben angestellt. Im Speciellen wird die Milch täglich genau gewogen, um zu erfahren, wie lange die Kuh diese großartige Milchergiebigkeit beibehält. Hervorzuheben ist noch, daß die Kuh verhältnißmäßig nur kurze Zeit vor dem Kalben trocken stand.
Interessant ist, daß die 35 Liter rund 33!/2 Kilo wogen, daß durch den hohen Fettgehalt von 6,05 pCt. das spec. Gewicht so niedrig ist, daß nach der langen Pause zwischen den Melkzeiten (des Nachts) die Morgenmilch wenig fett, nach der kurzen Zeit (Vormittags) die Mittagsmilch so sehr fettreich ist.
Bemerkt sei noch, daß die Molkerei in Fulda bereits 8 Tage früher die Milch dieser Kuh untersucht hat- das Ergebniß war über 6pCt. Fett. Da jedoch das Melken weder vor Zeugen geschah, noch die Entnahme der Probe aus der Gesammtmilch eine ganz richtige war, so kann dieses
CS starben an : Zusammen: Erwachsene:
tm
vom
Diphtherie
1. Lebensjahr: 2.-
2 (1) - 1 (1)
-15. Jahr: 1
Luftröhrenentzünd.
1 (1)
—
1 (1)
Darmentzündung
1 —
1
—
Knochenbautentzünd.
1 (1) -
—
1 (1)
Miliartuberkulose
1 (1) 1 (1)
—
—
Kinderzehrung
2 -
2
—
Altersschwäche
1 1
—
—
Summa:
9 (4) 2 (1)
4 (1)
3 (2)
Anm. Die In Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen
Temperatur der Lahn und der Luft am 28. Mai, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15, Luft 15 Gr.
Rü bsam en.
Briefkasten.
Korrespondenzen aus dem Vogelsberg in nächster Nr.
ff
Warme Bäder
bei
Andreas Euler.
LSalich aeöfftttt vor» 6 Uhr Morgen» bi» 1 Uhr Abend- Sonntag» bi» Mittag IS Uhr.
Die Zellen sind durch Dampf geheizt. [121 Außer verschiedenen Salzen und Mutterlaugen sind sämmtliche Bade- Extracte, als: Fichtennadel-. Mal,-. Lah- und Weizenkleie-Extracte zu haben. WWT Abonnements werden jederzeit entgegengenommen.
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Die Rübsamen sche
Rade- und 8chmimmanstatt
ist i« allen ihren Abtheilnnge« eröffnet.
Nähere Bedingungen sind in der Anstalt zu erfahren, wo auch die Abonnements-Liste zur gefälligen Einzeichnung offen liegt
Der Beirieb der Anstalt erleidet durch den Tod meines Manne« keinerlei Veränderung, und bitte ich, wie bisher das freundliche Wohlwollen meiner Anstalt bewahren zu wollen.
L Or. Rübsamen Wwe.
Soeben erschien:
t dressbuch der deutschen Zeitschriften
f| und der hervorragendsten politischen Tagesblätter.
11 31. Jahrg. 1890. 4«. 324 8. Gebd. Jt 4.
, Unbedingt weitaus das Beste aller ähnlichen Werke“.
(Böreenbl. f. d. Deutschen Buchhandel.)
Verlag der Exped. des Zeitschriften-Adressbuchs in Leipzig.


