weitere Unterhandlungen nöthig seien und die Einladungen einer Modisteirung unterworfen werden könnten. Die Schweiz habe angesichts der beabsichtigten Berliner Conserenz die Ab- haltung der Berner Conferenz verschoben. Die Regierung habe aus die Einladung Deutschlands in fernem unsympathischen Geiste geantwortet; dieselbe müsse jedoch das Amendement bekämpfen, da es die Hände der Regierung binden würde. Das Amendement wird sodann mit 198 gegen 87 Stimmen abgelehnt.
Brüssel, 25. Februar. Die belgische Regierung beant- wortete heute die Einladung zur Berliner Con- screnz. Sie nimmt die Einladung bereitwilligst an und tritt den Gesinnungen bei, welche den deutschen Kaiser bei seiner Einleitung leitete». Wenn ihr das Couserenzprogramm zugegangen, würde die belgische Regierung wahrscheinlich einige Vorbehalte machen müssen, namentlich betreffs der Schwierigkeiten, welche aus den in den Gesetzen, den Arbeitsbedingungen der einzelnen Länder und in den internationalen Arbeitsverhältnissen hinsichtlich der Zollirage bestehenden Verschiedenartigkeiten sich ergäben.
Rom, 25. Februar. Bor dem Schwurgericht begann der Proceß gegen 32 bei den am 8. Februar 1889 hier statt- gesnndenen Unruhen betheiligte Arbeiter. Eine bedeutende Anzahl von Zeugen und Beschädigten ist vorgeladen. Die Bcrhandlnng dauert jedenfalls mehrere Wochen.
Madrid, 25. Februar. Das Befinden des Königs hat sich bedeutend gebessert.
Petersburg, 25. Februar. Dem „Invaliden" zufolge wird durch eine kaiserliche Verordnung der Kriegsstand des Kuban'schen Kosaken Heere s um 2 Ersatzregimenter zu 4 Sotnien, der Kriegsstand des Terek'schen Kosakenheeres nm eine Sotuie für jedes Ersatzregiment erhöht. Das Ural'sche Kosakenheer stellt im Kriegsfälle zukünftig 32 berittene Sotnien außer dem Friedenöstande.
Stockholm, 25. Februar. Aus dem Gute Vrcten im Bezirk Skaraborg ist vor einigen Tagen neuerdings die S ch iv e i n e p e st a n s g e b r o ch e n.
Rewyork, 25. Februar. Nach weiteren Meldungen über die Katastrophe in Arizona stürzte am Samstag eine ungeheuere Wasserwoge den Hassayampafluß hinunter, wobei 34 am Damm beschäftigte Arbeiter ertranken. Im Gegensätze zu den ersten Meldungen wird nun berichtet, daß die Stadt Wickenburg gerettet ist. Der Menschenverlust zwischen Wickenburg und dem Damm dürste 40 nicht übersteigen.
Locales und provinzielles.
Gießen, 26. Februar.
— Reichstagswahl. Bei der Wahl am 20. Februar slimmten in hiesiger Stadt von rund 3100 Wahlberechtigten nur 2650, es machten sonach ca. 450 von ihrem Wahlrechte keinen Gebrauch. Wie viele von den Weggebliebenen durch Krankheit, BerussgeftjMe u. s. w. verhindert wurden, an die Wahlurne zu treten, soll hier nicht untersucht werden, Thctt- sache aber ist, daß von den Weggebliebenen der größte Theil zu den Säumigen, Gleichgültigen gerechnet werden kann. An diese Letzteren wenden wir uns angesichts der am Freitag den 28. ds. Mts. stattfindenden Stichwahl nochmals mit dem Ersuchen, doch von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Die Wahl findet nach dcnselb en Listen und in denselben Localen statt, Stimmzettel sind an den Wahllocalen zu haben. Nachstehend veröffentlichen wir wiederholt zur Nachachtung für alle Dicjeni gen, die am 20. Februar den Weg zum Wahllocale nicht finden konnten, eine Uebersicht über die Eintheilnng der Wahlbezirke und Wahllocale in der Stadt Gießen:
I. Wahlbezirk: Wallthorstraße, Lindengasse, Hundsgasse, Zozelsgasse, Flügelsgasse, Asterweg, Schillerstrabe, Nordanlage, Steinstraße, Schottstraße, Ederstraße, Weser- straße, Dammstraße, Marburgerstraße, Rodberg, Wiesecker- weg. Wahllocal: Schulhaus, Asterweg.
Jagdgründen in Schottland, dann unterwegs oder andere Familien besuchend.
Er war das Ziel, auf welches die Blicke und Gedanken der Mütter gerichtet waren, er war das Ideal ihrer Töchter __ er war der verzogene Liebling der Gesellschaft. Eines Tages, als er hier in Gesellschaft heiterer, vornehmer Gäste lebte, wurde ein tölpelhafter Versuch von einem paar Ein- | brechern gemacht, das Haus zu berauben- ich glanbe, es war der Herr selbst, der die Räuber zuerst gehört- wie dem auch sei, jedenfalls wurden dieselben verscheucht, ehe sie einen Eingang finden konnten, und nur ein kleiner Knabe, welchen die Elenden Lurch eine mit Gewalt durchbrochene Oesfnung steckten, um die Thür von Innen zu öffnen, war der einzige Gesungene. Dieser Knabe war das einzige Kind einer Frau, die ein sehr stilles, zurückgezogenes Leben führte in einer ziemlich ärmlichen Hütte, die man ihr gegeben- man sagte, von dem verstorbenen Herrn selbst. Sie war Spanierin von Geburt, ein wundervolles dunkles Weib, von welcher, obgleich sie ihm so nahe wohnte, nie Jemand gehört, daß sie den Namen jenes reichen Mannes genannt, welcher sie aus ihrer Heimath hierher gelockt — ein armes Weib, deren einsames Leben verknüpft war mit dem ihres Kindes.
Als sie erfahren, was geschehen, und daß der Besitzer ihren Knaben eingeschlofjen und zur Polizei gesandt hatte, kam sie aufs Schloß, zum ersten Male seit jener Zeit, als der Vater des jetzigen Herrn und zugleich der Vater ihres eigenen .Kindes sich herzlos abgewandt von ihr und erzählte dem jungen Edelmann mit heißen bitter« Thränen den einzigen Grund, warum er Mitleid haben möge mit ihrem Knaben. (Fortsetzung folgt.)
* Angeklagter (zu seinem Vertheidiger): „Herr Doctor^ i dank Jhna schön für mei Freisprechung — zahlen kann i Jhna net — erlaubens, daß i Jhna an Schinken von der gestohlenen San schick!"
II. Wahlbezirk: Kirchen- und Lindenplatz, aus der Bach, Wetzsteingasse, Braugafse, Brandgasse, Braudplatz, Ost I anlage, Wiesenstraße, Schloßgasse, Eanzleiberg, Kaplancigasse, Schülstraße, Waagengasse, Dreihäuscrgasse, Neuen Bäue, Erlcngasse, Weidengasse, Sonnenstraße. Wahllocal: Schnl- I Haus, Schul st r a ß e.
III. Wahlbezirk: Gartenstraße, Ludwigsplatz, Grün- bergerstraße, Wolsstraße, Eichgärteu, Licherstraße, Nahrungs berg, Schiffenbergerweg, LudwigSstraße, Löberstraße, Lony- straße, Stephanstraße und Gemarkung Schissenberg. Wahllocal: alte Realschule (Bürgermeisterei).
IV. Wahlbezirk: Marktplatz, Neuenweg, Südanlage, BiSmarckstraße, Göthestraße, Bleichstraße, Seltersweg, Mai- gasse, Plockstraße. Wahllocal: altes Nathhaus.
V. Wahlbezirk: Mäusburg, Kreuzplatz, KaplanS- gasfc, Katharinengasse, Burggraben, Marktstraße, Wettergasse, Sandgasse,' Rittergasse, Neustadt, Tiesenweg, Korn- blumeugasse, große und kleine Mühlgasse, Lahnstraße, Rod- heimerstraße, Hammstraße, Schützenstraße, Krofdorferstraße | und der Weg an der Hardt. Wahllocal: Sch ul haus in der Ne ust adt.
VI. Wahlbezirk: Wolkengasse, Löwengasse, Teusels- lustgärtchen, Bahnhosstraße, Westanlage, Frankfurterstraße, Alicestraße, Liebigstraße, Riegelpsad, Leihgesternerweg, Wil- helmstraße, an den Bahnhöfen. W a h l l o c a l: S ch u l h a u s, W e ft anlage.
Aber auch au die außerhalb Gießens wohnenden Wähler | unseres Wahlkreises richten wir die dringende Bitte, von ihrem Wahlrechte den ausgiebigsten Gebrauch zu machen, nicht nur selbst zu wählen, sondern auch die Säumigen herauzuziehen. lieber 3000 Stimmen wurden im Vergleich zur Abstimmung im Jahre 1887 bei der Wahl am 20. Februar d. Js. weniger abgegeben, trotzdem angenommen werden muß, daß seit 1887 eine der Bevölkerungszunahme entsprechende Vermehrung der Wahlberechtigten stattgesnnden hat.
— Am Montag Abend fand in Steins Garten die erste Sitzung des Gesammt-Comites für die Abhaltung des Lahnthal-Sangerbund Festes, welches bekanntlich in diesem Jahre am hiesigen Orte abgehalten wird, statt. Herr I. Kirch als 2. Festpräsident eröffnet die Sitzung, begrüßt die Versammlung und spricht noch insbesondere den Herren
I Vertretern der Civil- und Militärbehörden für ihr Erscheinen und ihre Mitwirkung bei den Arbeiten des Festes seinen Dank aus. Nach einem von Herrn Ph. Uhl eingegangenen Schreiben legt derselbe sein in voriger constituirenden Sitzung übertragenes Amt als 1. Festpräsident wegen Krankheitsfällen in seiner Familie nieder, was von der Versammlung mit
I Bedauern zur Kenntniß genommen wird. Da Herr I. Kirch dieses Amt geschäftlicher Verhinderung halber nicht annehmen zu köünen erklärte, wurde aus Vorschlag Herr Fabrikant Georgi als 1. Festpräsident einstimmig gewühlt. — ES folgt hierauf ein Bericht des engeren Comitös über seine seitherige Thätigkeit, sowie Bekanntgabe der in der letzten Sitzung desselben gefaßten Beschlüsse. — Zum Fest-Dirigenten wurde alsdann Herr Musiklehrer Bauer ernannt. — Da sich die Anstellung eines Dieners als nothwendig ergibt, wird Herr Clubdiener Berg als solcher angenommen. - Nach einem Anträge des Musik-Ausschusses werden hierauf folgende Chorlieder bestimmt: 1) Das Grab am Bussento, 2) Die Nacht am Meer, 3) Der frohe Wandersmann, 4) Das deutsche Lied. Zur Mitwirkung bei dem Feste haben sich von hiesigen, nicht zum Lahnthal-Sängerbund gehörigen Vereinen bestimmt erklärt: Männergesangverein, Concordia, Bürgergesellschajt, Heiterkeit, während 3 Vereine bedingungsweise zugesagt, resp. ihre Mitwirkung von der Erbauung einer zur Abhaltung des Coneertes geeigneten größeren Halle abhängig machen und sich die weitere Beschlußfassung ihrer betreffenden Vereine Vorbehalten. — Die weiter für das (Somite zugezogenen Herren werden alsdann in die verschiedenen Ausschüsse eingekeilt und besteht der engere Fest- Ausschuß nunmehr ans den Herren: Provinzialdireetor Frhr. v. Gagcrn, Oberst v. Rogge, Geh.HosrathProfessor Dr. Oncken, Professor Dr. Pasch, Prof. Dr. Streng, sowie den Herren: Bürgermeister Gnauth als Ehren-Fest- präsident, Fabrikant Georgi, 1., und I. Kirch, 2. Fest- i Präsident, C. Stohr und L. Huhn, Schriftführer, Ferd.
Hoffmann, Rechner, ferner den Obmännern der einzelnen Ausschüsse und den Vorsitzenden der beiden festgebenden Vereine, W. Löb er nnd Balth. Schwan. — Als Festtage wurden der 29. und 30. Juni bestimmt und für den Abend des 28. Juni ein Commers in Aussicht genommen. — lieber I die Beschaffung eines Garantiesonds, resp. die Uebernahme der Kosten, entfpinnt sich eine längere Debatte, da die beiden sestgebenden Vereine, der „Bauer'sche Gesangverein" und „Harmonie", sich nur zur Uebernahme eines allensallsigen Deficits erklären, wenn von der Erbauung einer größeren, bedeutende Kosten verursachenden Halle für das Concert Abstand genommen und das Fest in ähnlicher Weise, wie das 1878 hier abgehattene, ausgesührt würde. Auch die Frage i bezüglich des Platzes zur Abhaltung des Festes wurde hierbei einer eingehenden Debatte unterzogen und die beiden Vorschläge, Oswalds Garten und Steins Etablissement aus ihre Zweckmäßigkeit geprüft. Die Abstimmung ergab, daß Oswalds Garten bezüglich seiner Größe und Lage als der geeignetste Platz befunden wurde. Weiter würde die Erbauung einer zweckentsprechenden größeren Bühne für Sänger
I und Musik beschlossen.
— Als ordentlicher Prosessor der Augenheilkunde wurde der außerordentliche Prosessor Dr. Vossius, seither in Königsberg, nach hier berufen.
— Herr Postseeretär Ockel hier wurde zum Ober-Post- I directions-Secretür in Darmstadt ernannt.
— Vor der Strafkammer wurde gestern ein junger • Mensch abgenrtheilt, welcher in einem hiesigen Geschäfte als Hausbursche bedienstet war und in unbewachten Augenblicken
des öfteren die Ladeukasse um recht erhebliche Beträge plünderte. Ein Jahr Gesängniß ist die Sühne für die verschiedenen Be- gangenschasten.
* Friedberg, 25. Februar. Ein Leichenzug, wie einen solchen Friedberg wohl noch nie gesehen hat, bewegte sich gestern Nachmittag 4 Uhr durch die Straßen unserer Stadt dem jüdischen Friedhöfe zu. Galt es doch, die irdischen Uebcrrefte des edlen, heldemnüthigen Jünglings, des 22jährigen Moritz Löb, dem Schooße der Erde zu übergeben, der am Samstag aus dem Nauheimer Teiche bei Errettung Anderer ertrank. Alle Civil- und Militär-Behörden, das Lehrer- und Predigerseminar, Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen Friedbergs und der ganzen Umgegend gaben dem Edlen das letzte Ehrengeleite. Ein Landauer Wagen, gefüllt mit prachtvollen Kränzen, Blumen, Palmzweigen mit Schleifen, alle gewidmet von christlichen Mitbürgern, fuhren un Zuge. Auch eine Schaar seiner christlichen Freundinnen, jede mit einem schönen Kranze, hatte sich dem Zuge angeschlossen- das Weinen und Schluchzen war weit vernehmbar. Der Verstorbene wollte Retter zweier Menschenleben werden, dabei verlor er sein eigenes Leben. Eingedenk des Spruches: „Stehe nicht zurück bei der Lebeusgesahr Deines Neben- menschen", schlug er sein Leben in die Schanze, nm die in Gefahr des Ertrinkens Schwebenden zu retten, was ihm leider nicht gelang. Unermeßlich groß ist der Schmerz seiner Eltern über den Verlust des einzigen, hoffnungsvollen Sohnes, der geliebt, geschätzt und geachtet wurde von allen Bewohnern Friedbergs, und ebensogroß ist die Theilnahme aller Einwohner. Wohl kann das Ehrengeleit, das ihm folgte, nach Tausenden gerechnet werden. In kernigSn, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten schilderte Herr Lehrer Ehrmann die edlen Tugenden des jungen Helden. Möge die Erde dem edlen Todten leicht jein! — Die Beerdigung der Frl. Deicke findet heute Nachmittag statt. Candidat Hotz ist nach seinem Heimathsort Laubach gebracht, er war der Sohn des dortigen pens. Lehrers. In 14 Tagen wäre sein Studium vollendet gewesen und sollte alsdann die Verlobung zwischen ihm und Frl. Deicke (der Ertrunkenen) stattfinden.
Lauterbach. Am vergangenen Samstag Abend wurde zwischen den Stationen Burg- und Niedergemünden und Ehringshausen nach dem letzten von Gießen kommenden Zug der Oberhessischen Eisenbahn mit einem saustdicken Stein geworfen. Der Stein flog durch das Fenster und traf ein mitfahrendes zweijähriges Kind an den Kopf. Dasselbe mußte in Alsseld in ärztliche Behandlung gegeben werden.
Lauterbach. Der am 13. Februar stattgefundene diesjährige erste Vichmarkt war trotz der winterlichen Witterung doch ziemlich befahren. Aufgetrieben waren: 239 Stück Rindvieh , 142 Stück Schweine und wurden ziemlich hohe Preise erziehlt. Es waren sehr viele Handelsleute, sogar welche , vom Rhein, eingetroffen und war der Handel sehr lebhaft. | Den höchsten Preis erzielte der Landwinh S. in R. für einen fetten Ochsen, welcher für 459 Mark verkauft wurde. Derselbe wurde von einem Handelsmaune erstanden, welcher ihn nach Köln verbringen wollte. — Der nächste Biehmarkt wird am 13. März abgehalten. (L. A.)
Bad Nauheim, 25. Februar. Ein von Ober-Nosbach gcfcürtigter Knecht des Rollfuhrmaims Konrad Meier von hier, welcher Dung in's Feld gefahren hatte, verunglückte daselbst. Die Pferde waren nämlich scheu gelvvrden, der Verunglückte stürzte vom Wagen und die Räder des mit einem schweren Pfuhlfaß beladenen Wagens gingen über den Oberkörper. Da eine innere Verletzung der Brust conftatirt ist und starke Blutauswürse vorhanden sind, so wird der Verletzte jedenfalls schwerlich mit dem Leben davonkommen.
vevinischtes.
* Darmstadt, 25. Februar. Heute sind zwei Selbstmorde zu verzeichnen. Ein alleinstehender, von unheilbarer Krankheit befallener Mann hat sich heute Nacht in seiner Wohnung mittelst eines Messerstiches in die Brust getöbtet. — Ferner wurde heute Vormittag im Woog die Leiche eines etwa 20jährigen Dienstmädchens ausgefunden.
*△ Mainz, 25. Februar. In einer zahlreich besuchten Versammlung beschloß heute Abend die hiesige nationalliberale Partei nach längeren Debatten, entsprechend dem am Vormittag gefaßten Beschlüsse der Vertrauensmänner deS Wahl kreises, bei der bevorstehenden Stichwahl zwischen Centrumscandidaten N. Racke und dem Socialisten Jöst sich der Wahl zu enthalten. In der Versammlung wurden vielfach Stimmen laut, die ein Eintreten für den Centrumscandidaten befürworteten, dieselben blieben aber bei der Abstimmung in der Minderheit. Durch diesen Beschluß der nationalliberalen Partei sind die Chancen des socialistischen Candidaten, der gegen seinen Gegner schon einen Vorsprung von 1500 Stimmen hat, wesentlich gestiegen.
* Wetzlar, 24. Febrnar. Amtlich festgestelltes Resultat der Reichstagswahl: Krämer (Cartell) 8832, Dr. Alberti (freif.) 7268, v. Nassau (Antisem.) 3447, v. Rintelen (Cent.!
! 130, Paul (Soc.) 1073 Stimmen. Die Stichwahl zwischen Krämer und Alberti findet am 1. März statt.
* Warschau, 22. Februar. Ein hier aufgedecktes $er' brechen bezüglich Ermordung kleiner Kinder führte zur Der I Haftung einer Hebamme als Hauptschuldigen, zweier Genol sinnen derselben und eines Bnrschen. Letzterer gestand, m Lause der Zeit 50 Kiuderleichen fortgeschafft zu haben. De> j großes Aufsehen erregende Vorfall hat zu weiteren Haus I suchnngen und Verhaftungen geführt.
* Das mißverstandene Apport'l. Die Gelehrigkeit eine I Pudels hat einem Schlächtermeister in Berlin eine arg- | Verdrießlichkeit bereitet. Zn besagtem Meister kam W I Tage, wie das „D. T.-Bl." schreibt, ein Gerichtsvollzieher I bei dessen Eintritt der Meister schnell die mit 40 Mark gf füllte Geldtasche unter das Sopha warf. Diesen Wurf mod)1; wohl des Schlächters Pudel, der sich im Zimmer tummelt« I als eine Aufforderung betrachten, feine Kunststückchen zu zeige'


