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Nr. 49.

1890

Donnerstag den 27. Februar

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»ießener Anzeiger

General-Anzeiger.

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Deutsches £tetd>.

Darmstadt, 25. Februar. Die Zweite Kammer der Stände tritt am Dienstag, den 4. März, zu ihrer 38. Sitzung zusammen; auf der Tagesordnung stehen n. A.:

Berathungen über:

die Rückäußerung Erster Kammer bezüglich des Gesuchs von Steuercommissariats-Gehilfen um Regelung ihrer Ge­halts- und Pensionsverhältnisse,'

die Borlage Großh. Ministeriums der Finanzen, betr. die Verwendung von 10 550 Mk. aus dem Kurfonds des Bades Bad-Nauheim zum Zwecke der Herstellung der neuen Terrassenstraße daselbst-

die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, betr. Verwendung eines Betrags von 31 100 Mk. zur Erbauung eines Küchenanbaues, der Vergrößerung der nördlichen Terrasse und der Restaurationshalle, sowie zur Verlegung der westlich des Curhanses gelegenen Zufahrtstraße zu Bad-Nauheim zu Lasten des Curfonds;

die Vorstellung des Ortsvorllandes von Unrerschmitten, betreffend den Bahnbetrieb von Nidda nach Schotten, ins­besondere die Personentaxe;

die als Antrag von den Abgg. Haas, Hechler und Ge­nossen übergebene Vorstellung mehrerer in den Ruhestand getretener Steuercommissäre um Erhöhung ihrer Pension -

die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, den Personal-Etat für' die Oberhessischen Eisenbahnen betreffend, zugleich die Vorstellung der Stationsvorsteher der Ober­hessischen Eisenbahnen, deren Gehaltsverhältnisse betreffend, sowie das Gesuch der Bahnmeister genannter Bahn, wegen Aufbesserung ihrer Gehalte -

die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, den Personal-Etat für die Nebenbahn HungenLaubach (mit Abzweigung nach der Friedrichshütte) betreffend -

die Vorstellung und Bitte der Firma S. Merzbach in Offenbach a. M., betreffend Begründung einer Großh. Hessischen Staats-Klassenlotterie -

die Eingabe einer großen Anzahl Gewerbtreibender des Großherzogthums, betreffend die Besteuerung des Gewerbe­betriebs der Cousumvereine, bezw. Hausfrauenvereine im Großherzogthum Hessen -

die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, betreffend Bewilligung der durch die Reparatur der Fulda-Brücke (Eisenbahn-Linie GießenFulda) erwachsenen Kosten int Betrage von 3750 Mk. aus den Ueberschüffen der lau­fenden Finanzperiode.

nn. Darmstadt, 25. Februar. Unter dem Vorsitz des 1 Präsidenten, Oberlandesgerichtsrath Heinzerling, trat heute , Morgen die vierte ordentliche evangelische Landes­synode zu einer dreitägigen Sitzung zusammen.

Vor Eintritt in die Tagesordnung fand zunächst die Beeidigung der neu cingetretenen Mitglieder der Synode statt, sowie die Verkündigung neuer Einläufe und Bcrichts- anzeigen. Sodann trat die Synode in die Berathung der Vorlage Großh. Oberconsistoriums, den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben des evang. Centralkirchensonds für die Jahre 1890/95 betr. Der Synodale Brandt-Mainz als Berichterstatter conserirte zunächst über das Budget, indem er hervorhob, daß, obwohl sich die Finanzlage nicht geändert habe, in der bevorstehenden Periode große Anforderungen bezüglich der Einnahmen und Ausgaben an den Central- Kirchenfond gestellt würden, so daß bei Festsetzung des Vor­anschlags große Vorsicht und Sparsamkeit geboten erschien. Nach Eintritt in die Detail-Berathungen derAusgaben" nahm die Synode im Großen und Ganzen die einzelnen Positionen, welche zur Berathung standen, an, so daß für Kosten der Landessynode Mk. 2000, für die Kosten des Oberconsistoriums Mk. 57300, für Bureaukosten der Super­intendenten Mk. 925, für Zuschuß zu dem Besoldungsfond der Snperintendantur Darmstadt Mk. 2911, für Diäten und Reisekosten der Superintendenten Mk. 6500, für Gebühren der Stiftungsanwälte Mk. 500, für Kosten des evangelischen Prediger-Seminars Mk. 22000 bewilligt wurden. Aus der Mitte der Synode wurde auch der Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß man nach der Errichtung einer Pensicviskasse streben möge, selbst wenn dieses auf Kosten der Erhöhung der Kirchensteuer geschehen müßte.

Morgen findet die Fortsetzung der Budgetberathung statt.

Neueste Nuchvichten.

Wolffs telegraphisches Corrcspondenz-Bureai'.

Berlin, 25. Februar. Der Kaiser conserirte Mittags längere Zeit mit dem Fürsten Bismarck.

Das Abgeordnetenhaus setzte die Berathung des Budgets des Ministeriums des Innern fort und be­willigte nach unerheblicher Debatte das Gehalt des Ministers. Nächste Sitzung Mittwoch 11 Uhr. Fortsetzung.

Berlin, 25. Februar. Amtliches Wahlresultat. (Schluß.) Von 9 restirenden Wahlen ist das Ergebniß: Gewählt: 1 Conservativer, 1 Nationalliberaler, 1 Elsässer, 1 Antisemit und 5 Stichwahlen - daran sind betheiligt: 4 Nationalliberale, 1 Freisinniger, 3 Socialisten, 1 Wilder, 1 Centrum. ,

DenBerl. Pol. Nachr." zufolge werden demnächst zwei auf die Trennung der Bergabtheilung vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten und die Zutheilung derselben zum Handelsministerium bezügliche Vorlagen dem Abgeordnetenhause zugehen.

Feuilleton.

Nemesis.

Eine Erzählung aus dem Leben von Arthur Stein.

In der paradiesisch schönsten Gegend der Grafschaft Mid­land lag das alte verfallene Herrenhaus, und obgleich der .hauch des Frühlings alles ringsum mit Duft und Sonne erfüllte, erschien es mir, als hätte ich nie im Leben einen io traurigen Ort gesehen, als diesen, trotzdem ich öfter schon verfallene Schlösser sah und mich in vergessenen, vernach­lässigten Parks ergangen habe. Diese Einsamkeit, diese Ver­wüstung indeß scheint mir ganz anderer Natur. In diesem 2inne äußerte ich mich zu dem Bicar, als er mich um das öde Haus führte und mir die Merkmale vergangener Schön­heiten wies, die selbst jetzt sehr wohl erkennbar waren.

Sie müssen dies aber nicht etwa mit einer gewöhn- . Ich en Ruine vergleichen", versetzte er.Die einfache That- siche ist, die Besitzung ist der Krone anheim gefallen als herrenloses Gut. Auf dem Weftflügel dort ist eine Thür, hic man mir etwas Geschick und Anstrengung öffnen kann. Würde es Ihnen gefallen, das Innere des Hauses in Augen- - ichein zu nehmen, soweit das nämlich möglich ist, denn der Algang ist nur zu drei Zimmern."

Die Thür führte in ein kleines Borzimmer, so winzig, daß; ein Sopha, Tisch nnd Stuhl nebst einem kleinen Bücher- iiänider dasselbe vollständig auszusüllen schien. Der Vicar vismete eine andere Thür, der ersten gegenüber, und ich folgte ihm: in ein großes luftiges Schlafzimmer, dessen Vorhänge kiiisü hochroth gewesen sein mochten, jetzt aber zu einem röth- lidjen Braun verschossen waren und in Fetzen hingen, an den LleAen, wo Hände dieselben einst auf- und zugezogen. Von einem Ende zum andern waren sie von Myriaden von Motten

zernagt. Das Zimmer selbst war mit kostbaren und präch­tigen Verzierungen ausgestattet und die Wände mit noch so wohlerhaltenen Gemälden behangen, als wollten sie die ge­brauchten und abgenutzten Möbel verhöhnen.

Gibt es schönere Gemälde selbst in einer Bildergallerie als diese es sind?" fragte ich den Vicar, als derselbe aber­mals eine gegenüberliegende Thür geöffnet, durch welche wir eintraten.

Nein, dieselben sind die ausgesuchtesten einer Samm­lung, und in diesem Zimmer sind die vorzüglichsten Familien- portraits, kommen Sie!"

Er schob einen schweren seidenen Vorhang zur Seite und wir traten in ein Gemach, das an Größe und Form bem_ Schlafzimmer genau entsprach, aber zu einem Gesell­schaftszimmer , einer Bibliothek, einem Musikzimmer alles vereinigt, nicht nur hübsch, sondern sogar reich ausgestattet war, wie ich trotz des Verfalls und des Nagens des Zahns der Zeit bemerken konnte- jedoch war die Einrichtung eine so vielfältige, als ob hundert verschiedene Geschmacksrichtungen oder möglicherweise ein solcher, der rastlos von Jahr zu Jahr änderte, dieselbe vorgenommen.

Diese," sagte der Vicar, auf die dicht besetzten Wände weisend,sind die besten der Familienportraits oder besser gesagt die neuesten. Wollen Sie sich gefälligst dieses eine näher ansehen? Er ist der letzte Besitzer?"

Starb er jung?"

N ein!"

Wollen Sie, da Sie dieselben zu kennen scheinen, mir die Geschichte dieses trostlosen Aufenthalts mittheilen," bat ich den Vicar, mich auf einem Sessel vor jenem Portrait niederlassend.

//Ich werde sie Ihnen erzählen, während wir nach Hause gehen," antwortete er, als er jedoch sah, wie ermüdet ich

Dortmund, 25. Februar. Auf der ZecheSieben Planeten" hat gestern eine Explosion schlagender Wetter stattgefunden. 5 Bergleute erlitten Brandwunden, eine Betriebsstörung wurde nicht verursacht.

Barmen, 25. Februar. Eine zahlreich besuchte Ver­sammlung der Riemen dreh er sprach sich für die zehn­stündige Arbeitszeit, Abschaffung aller Ueberstunden, Accord- und Nachtarbeit aus. Von den 15 größten Riemendrehereien wurden je 3 Arbeiter gewählt, um gütlich mit den Fabrik­besitzern über Lohnerhöhung zu unterhandeln. Vorn Strike wurde vorläufig Abstand genommen.

Zwickau, 25. Februar. Der Verband sächsischer Berg- und Hüttenarbeiter richtete eine Petition an den Landtag, in welcher nm die Einführung eines Rechts­mittels gegen die Entscheidungen des Bergschiedsgerichts ersucht wird. Die Petition führt aus, das bloße Vorhanden­sein einer Berufungsinstanz werde das Nechtsbewußtsein stärken und eine gleichmäßige Auslegung der specietlen Berg­rechtssätze schaffen.

Bremen, 25. Februar. An Stelle Gildemeisters wurde heute Richter Stadtläuder zum Senator gewählt.

Paris, 25. Februar. Die Verhandlung über die Be­schwerde wegen der Einschränkung der Anklagen in der Affaire der (Societe de Metaux hat heute stattgefunden. Das Unheil erfolgt in nächster Woche.

Paris, 25. Februar. Eine Versammlung von sechs­hundert Maurern in Marseille protestirte gegen die Ver­wendung italienischer Arbeiter beim Bau des Postgebäudes. Der Prüftet versprach, sich mit der Angelegenheit, zu be­schäftigen und ermahnte die Arbeiter, den Italienern gegen­über Ruhe zu beobachten, um einen internationalen Zwischen­fall zu vermeiden.

~ Der Herzog von Orleans wurde nach Clairvaux überführt.

Clairvaux, 25. Februar. Der Herzog von Orleans ist heute früh 7 Uhr 35 Minuten hier eingetrofftn und wurde alsbald in das Gefängniß aufgenommen. Der Herzog wird der für politische Gefangene giltigen Hausregel unter­worfen.

London, 25. Februar. Im Unterhause theilte Fer- gusson heute mit, daß die Regierung sich bereit erklärte, an der vom deutschen Kaiser vorgeschlagenen Conferenz in Berlin in Gemäßheit der von England aeceptirten Grund­sätze der Gesetzgebung theilzunehmen.

London, 25. Februar. Bei der Adreßdebatte bringt Graham ein Amendement ein betreffs der Erörterung der Beschränkung der Arbeitsstunden auf der Berliner und Berner Conferenz. Fergusson erklärt, da die Regierung Einladungen von Deutschland und der Schweiz erhalten habe, so könne das Amendement jetzt nicht berathen werden, indem

war und wir nichts dir nichts gezwungen, dort Rast zu halten, nahm er einen anderen Sessel und, den dicken Staub nebst verschiedenen Spinnweben mit der Hand abstäubend, setzte er sich und begann die Erzählung in einem so un­ruhigen Flüsterton, daß meine Nerven dermaßen aufgeregt wurden, daß ich mich fast scheute, mich umzublicken.

Lindley Warwick war ein sehr junger Mann, als er diese Besitzung ererbt, bildschön, wie Sie sehen können, und stolz, und zwar mit einem Stolz, der empfindlich und höchst verfeinert zu nennen war.

Daß solch ein Mann, im unbeschränkten Besitz eines feinen Gutes, von hoher Geburt, erzogen und vollendet, wie wenig Gentlemen des Landes zu jener Zeit es waren, die Zierde jedes Gesellschaftszimmers von London war, ist wohl kein Wunder, daß solch ein Mann, geübt in jedem gesell­schaftlichen Umgang, frei und fast verschwenderisch mit seinem Reichthum, der Liebling eines jeden Landsitzes war, ist gleich­falls natürlich. Wenige, die sich seiner geistreichen Unter- haltungsgabe freuten, bemerkten das Fehlen edelsinniger Zu- rieigung, oder die kalte Gleichgiltigkeit, denen gegenüber, welchen es nicht vergönnt war, in den magischen Zirkeln verfeinerter und cultivirter Gesellschaft, in welcher er glänzle, zu erscheinen.

Wenige, die mit Bewunderung in das vollendet edle Antlitz blickten, bemerkten, daß die Hoheit, die ihm so wohl anstand, doch nichts war als grausam kalter Stolz.

Hier lebte er ein ober zwei Monate im Jahr und bann hatte er stets das Haus voll Gäste und übte die Pflicht der Gastfreundschaft mit dem verschwenderischsten Glanze.

Zwischen diesen Besuchen erfreute er sich öfters heiterer Unterhaltung in seinem Schlosse zu London, dann auf seinen