Ausgabe 
26.9.1890
 
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1890

Freitag den 26. September

Nr. 224

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Keneral-Mnzeiger

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Amtlicher Lbeil.

Bekanntmachung.

Unter der Schafheerde zu Weitershain ist die Räude ÄUSgebrochen. Es wird deßhalb die Sperre über diese Heerde verfügt. Gestattet ist die Ausfuhr von Schafen nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung und ist in jedem einzelnen Falle, in welchem dieselbe erfolgen soll, unsere Erlaubnis ein­zuholen. Zuwiderhandlungen gegen die angeordneten Schutz- -maßregeln unterliegen der gesetzlichen Strafe.

Gießen, den 24. September 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

die Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge betreffend.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, Laß Herr Landwirthschastslehrer Leithiger von Alsfeld

1) Sonntag den 28. September 1890, Nach­mittags 3 Uhr, zwei Vorträge: 1) über landwirth- fchaftliche Buchführung; 2) über Gründüngung und Kunstdünger, in dem GasthofeZum Rappen" zu Grüuberg;

2) Sonntag den S. Oktober 1890, Nach­mittags 2 Uhr, einen Vortrag über: Anlage von Gewannwegen in dem Locale des Herrn Zoh. Heiland zu Lich

Halten wird.

Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins, der landwirthschaftlichen Localvereine und alle Freunde der Landwirthschaft werden zu diesen Versammlungen hierdurch krgebenst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister der Gemeinden, in welchen Vorträge gehalten werden, sowie die der benachbarten Gemein­den werden hierdurch ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.

Gießen, den 8. August 1890.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen- Jost, Regierungsrath.

politische Uebevsicht.

Gießen, 25. September.

Kaiser Wilhelm weilt zur Zeit in Ostpreußen, um hier mach den bewegten Fest- und Manövertagen in Schlesien des .edlen Waidwerkes in den ausgedehnten Wäldern der masurischen Landschaft zu pflegen. Der Jagdaufenthalt des Kaisers in Ostpreußen wird bis nächsten Dienstag währen, an welchem

Tage der Kaiser direct nach Wien zum Gegenbesuche beim Kaiser von Oesterreich abreist.

In einem Theile der deutschen Gewerbetreibenden und Industriellen macht sich allmälig eine Agitation gegen das In­krafttreten des Jnvalidit'ätsverfichernngsgesehes zum 1. Januar 1891 bemerklich, welcher Termin in den betreffenden Kreisen als zu frühzeitig bezeichnet wird. Speciell geht jetzt in dieser Richtung die Bielefelder Handelskammer vor, welche jüngst den einstimmigen Beschluß gefaßt hat, an den Bundesrath und an den Reichstag Eingaben zu richten, in denen um Aufschub des erwähnten Gesetzes ersucht werden soll, damit dasselbe einer nochmaligen Prüfung hinsichtlich besonders schwieriger Punkte unterzogen werden könne. Es wird hierbei besonders betont, daß eine endgiltige Einführung des Gesetzes die nach Ansicht der Petenten nothwendige nochmalige Revision desselben unmöglich machen würde, dem gegenüber freilich hervorgehoben werden muß, daß die Einzelheiten des Jn- validitätsversicherungsgesetzes ja im Reichstage wie in der Tagespresse schon so erschöpfend behandelt worden sind, daß sich kaum noch wesentlich neue Gesichtspunkte werden aufstellen lassen. Zunächst soll den übrigen deutschen Handelskammern von dem erwähnten Beschlüsse der Bielefelder Handelskammer Mittheilung gemacht werden, mit dem Ersuchen, in gleicher Richtung thätig zu sein. Uebrigens verlautet, daß noch während des Beisammenseins des Reichstages im Juni von national­liberalen Abgeordneten bereits ein Antrag, betreffend die Hinausschiebung des Zeitpunktes für das Inkrafttreten des Jnvaliditätsversicherungsgesetzes erwogen worden sei, doch habe der Antrag nicht die nöthige Unterstützung gefunden.

Ein blutiger Vorfall, welcher das Eingreifen der deutschen Negierung nach sich ziehen dürfte, wird aus Ostafrika gemeldet. Der deutsche Reichsangehörige Künzel gerieth am 15. d. M. in der Stadt Witu mit Einwohnern desselben in Streit und wurde hierbei mit sieben andern, ihn begleitenden Deutschen, getödtet; ein achter Gefährte Künzels, ebenfalls ein Deutscher, entkam. Ueber die Ursachen der blutigen Katastrophe enthält die ihrem Inhalt nach mitgetheilte erste officiöse Depesche noch nichts, doch wird die sofort eingeleitete Untersuchung sicherlich hierüber bald näheren Aufschluß ertheilen. Sollten Künzel und seine mit ihm hingemordeten Gefährten ein Opfer des Fanatismus der Bewohner von Witu geworden sein, wie man wohl schon jetzt annehmen darf, so wird gewiß nicht daran gezweifelt werden können, daß die deutsche Regierung beim Sultan von Wituland zum mindesten auf die exem­plarische Bestrafung der Mörder dringen wird.

Es bestätigt sich, daß derSchweineconflict" zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien noch keineswegs beigelegt ist. Vielmehr befinden sich die zwischen dem ungarischen Ackerbau­ministerium unb der serbischen Regierung eingeleiteten Ver­handlungen über die Regelung der Schweine-Einsuhr von

Serbien nach Ungarn noch in der Schwebe und hält das Pester RegierungsblattNemzet" daran fest, es handele sich nicht um die Aufhebung des Einfuhrverbotes, sondern lediglich um die Einführung von Erleichterungen. Letztere werden vomPester Lloyd" als leichte Übergangsbestimmungen characterisirt. Da von den Gegnern Oesterreich Ungarns in Serbien diese neuerliche Verzögerung in der Austragung des Schweineeonflictes" dazu benutzt wird, im serbischen Volke aufs Neue gegen den großen Nachbarstaat zu Hetzen, so wäre zu wünschen, daß die ganze leidige Angelegenheit endlich durch möglichstes gegenseitiges Entgegenkommen aus der Welt ge­schafft würde.

Der vom Cardinal Lavigerie einberufene und geleitete Antisclaverei - Cougreß in Paris ist am Dienstag nach nur zweitägiger Verhandlungsdauer wieder geschloffen worden. In der Schlußsitzung wurden von den zahlreichen dem Congreß vorgeschlagenen Resolutionen elf genehmigt. Ihnen zufolge wird die Antisclavereisache in von einander unabhängige nationale Comites eingetheilt, welche sich bemühen sollen, die private Hingebung und freiwillige Hilfeleistung unter den bei der Conserenz in Brüssel bekanntgegebenen Bedingungen wachzurufen. Weiter spricht sich der Congreß in den ge­nehmigten Resolutionen für eine jährliche Collecte zu Gunsten der Ansclaverei-Bestrebungen, für Bekämpfung gewisser, der Civilisation und der Freiheit der Schwarzen gefährlichen, mohamedanischen Secten, Befreiung der nach Afrika ent­sandten Missionare von Zollabgaben u. s. w. aus.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 24. September. DerReichsanzeiger" meldet: Die an Berlin ertheilte Erlaubniß zur Einfuhr lebender Schweine aus Bielitz-Biala und Steinbruch ist nunmehr auch auf die mit öffentlichen Schlachthäusern versehenen Städte Ostrowo, Krotoschin, Bromberg, Jnowrazlaw, Schneidemühl, Thorn, Neustadt, Görlitz, Liegnitz, Brandenburg, Spandau, Prenzlau, Cottbus, Forst, Sorau, Hannover-Linden, Hildes­heim und Göttingen ausgedehnt worden.

Tangerhütte, 24. September. Auf dem hiesigen Schieß­plätze werden die Schießversuche des Grusonwerkes fort­gesetzt. Zum Versuche gelangten drei »Schnellfeuerkanonen in Schiffslaffeten von 4,7, 5,3, 5,7 Cmtr.-Caliber, bestimmt zur Abwehr von Torpedoboots-Angriffen. Besonders in­teressant und wirkungsvoll war die Beschießung eines Torpedo­bootes auf 500 Meter. Zum Schluß der ersten Hälfte der heutigen Versuche wurde mit einer 3,7 Cmtr.-Bootskanone gefeuert.

Stuttgart, 24. September. Die Generalversammlung des evangelischen Bundes richtete an den Kaiser ein

Feuilleton.

Der Mann ohne Kopf.

Novelle von Woldemar Urban.

(Fortsetzung.)

Aber, Mama, ich werde doch nicht lügen. Ich habe es ganz genau gesehen. Aus dem Rockkragen guckt ein großer Henkel aus schwarzer Borte heraus und weiter nichts. Kein Kops und nichts," betheuerte das Kind.

Das ist ja unmöglich, Lisbeth."

Ich will Dirs zeigen, Mama, wenn Du mir nicht -glaubst. Komm, ich will Dirs zeigen."

Das Comptoir von Claasen u. Co. war ein wenig rbeneidenswerther Aufenthalt. In den Parterreräumen eines Hofhauses gelegen, umgeben von himmelhohen Häusern, wie man sie im Innern von Berlin praktisch findet, fiel nur in der Zeit der Sommersonnenwende die Sonne für einige Minuten in eines der großen Bogenfenster, hinter deren fftaubigen Scheiben die Herren saßen und ihrer auch nicht sonderlich hinreißenden oder geistig auffrischenden Thätigkeit oblagen. War die Sommersonnenwende vorbei, dann sahen die Herren die Sonne für den Rest des Jahres nicht wieder, rind es wäre gar nicht so unverzeihlich gewesen, wenn sie auf den Gedanken gekommen wären, sich am Nordpol zu befinden. Gaslicht, trockene Luft und andere unvermeidliche Uebelstände vertrieben im ewigen Einerlei der Jahre auch das hart­näckigste Roth auf den Wangen.

An den Fenstern des Comptoirs entlang war eine Reihe Schreibpulte ausgestellt und wenn man von dem etwas weiter zurückgelegenen Privatcomptoir des Herrn Commerzienrath Claasen nach dem dritten Schreibpulte sah, so konnte man

allerdings auf den Gedanken kommen, daß da ein Mann ohne Kopf sitze, weil der betreffende Herr, der dort saß und schrieb, seinen Kops so tief auf seine Schreiberei herab­gebeugt hatte, daß wie die kleine Lisbeth ganz richtig gesehen hatte aus dem Rockkragen weiter nichts als ein großer Henkel heraussah.

Siehst Du, Mama, da sitzt er, da sitzt der Mann ohne Kopf," klang plötzlich die kleine Stimme des Commerzienraths- Töchterchens durch das stille Comptoir, woraus die jüngeren Herren im Comptoir sofort in ein nur schlecht unterdrücktes Lachen ausbrachen und der betreffende Herr selbst tief erröthend auffuhr.

Willst Du wohl still und artig sein, Du kleine Unart," sagte Frau Claasen ebenfalls erröthend und verlegen ob der etwas schlecht angebrachten Offenheit des Kindes.Geh und bitte den Herrn sofort um Verzeihung."

Damit trat sie mit dem Mädchen aus dem Privatzimmer ihres Mannes heraus und führte es direct zu dem Schreiber hin. Zögernd, mit kleinen langsamen Schritten und scheuen Blicken näherte sich Lisbeth. Dann senkte sie die hübschen, kindlichen Augen verschämt, brachte aber kein Wort der Ent­schuldigung über die Lippen. Der Herr, der von seinem Sessel aufgestanden war und in respectvoller gebeugter Haltung vor seiner Gebieterin stand, sah flüchtig und wieder hastig erröthend über sie hin. Er war ein Mann von einigen fünfzig Jahren. Sein Gesicht war bleich und verhärmt, sein Haar dünn und stark ergraut, auch sein Anzug und seine ganze Haltung machten einen dürftigen, verfallenen Eindruck. Die hageren, faltigen Hände, die müden Augen, die kraft­lose Gestalt erzählten lange, wuchtige Kapitel von des Lebens Sorge und Arbeit und ließen den Mann älter erscheinen als er war. Frau Commerzienräthin Claasen sah den Mann saft erschrocken an.

Nun? Wirds bald?" herrschte sie die ängstliche Kleine mit ganz ungewohnter Heftigkeit an.

O, es hat durchaus nichts zu sagen, gnädige Frau. Ich bin ja für alle Welt der Mann ohne Kopf, warum sollte ichs nicht für Ihr Töchterchen sein?"

Der Mann hatte eine bescheidene, unterwürfige Sprache, gleichwohl glaubte Frau Claasen ein leises Zittern der Stimme, wie von einer tiefen, inneren Erregung, zu ver­nehmen. Sie hatte unwillkürlich das Gefühl, daß, wenn auch der Herr, der so demüthig und ergeben vor ihr stand, wirklich für alle Welt derMann ohne Kops" war, er deß­halb doch nicht auch der Mann ohne Herz sei. Wenn auch alle Welt ihn so nannte, so fühlte er deßhalb die Mißachtung und die frivole Spottsucht, die darin lag oder darin liegen konnte, gewiß nicht weniger. Im Gegentheil glaubte sie, daß ein solcher entwürdigender Spitzname ein Fluch für den Be­treffenden werden konnte.

Nun, so gestatten Sie mir, Herr" Schmalmann heiße ich, gnädige Frau."

So gestatten Sie mir, Herr Schmalmann, Sie für mein Töchterchen um Verzeihung zu bitten. Sie hat sich wirklich nichts Unrechtes dabei gedacht und hat Ihnen nichts Böses sagen wollen."

O, gnädige Frau Commerzienräthin, es hat wirklich nichts zu sagen. Es gibt in gewisser Beziehung so viele Leute ohne Kopf, weßhalb sollte ich es deßhalb so sehr übel nehmen, wenn man mich so nennt?"

Sind Sie kurzsichtig, Herr Schmalmann?" fragte Frau Claasen, um das etwas peinliche Gespräch auf ein weniger heikles Thema zu bringen.

Ja. Ich bin ein wenig kurzsichtig."

Ein wenig? Sie sollten einmal einen guten Augen--