1890
Nr. 48
Mittwoch den 26. Februar
47.
Gießener Anzeiger
6
Kenerat-Wnzeiger
Amts- ttnb Anzeigeblatt für den TLvsis Gieren.
chraiisLeilage: Gießener Aamilienöläiter
3rQ!«i&HKX»y2Z»:.te%.£1^aajKdr'>SW/^^5L£^^
Anrtticher Lveil
00.
5» £?■
"fh.fietrink.
miuen
beanstandet die Resolution.
Im weiteren Verlaufe der
|ip6 entgegen.
in Len 24 odi
Zuversicht ist nicht unbegründet, denn
oder 25 engeren Entscheidungen, welche zwischen
müsse am B er-
liplom mit Stern.
welche in Bern zur Erörterung kommen sollten und die Berner
ui
tdoch nach den hierüber vorliegenden Meldungen nicht zu
Constans wurde noch einige Tage
kS
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden erscheinenden Nummer bis Barm. 10 Uhr.
Die Gießener
Iiimiktenökätter verden dem Anzeiger sSchentlich dreimal beigelegt.
ivciujv in otin gut knuuciuiig lUHiintii |uium unv viv wn
* ion serenz dürfte daher überflüssig werden, indessen steht , |fj)! dieser Hinsicht noch nichts Bestimmtes fest. Eine Betheiligung lKußzlands an der internationalen Arbeiterschutzconserenz ist
v B
Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, nut Ausnahme des MonlagS.
erwarten, da die Ausfuhr Rußlands keinen industriellen Charakter trägt, während die Arbeiterschutzconferenz doch zunächst nur der internationalen Regelung der Verhältnisse der Berg- und industriellen Arbeiter gelten wird. Ebenso erscheint eine Betheiligung der nordamerikanischen Union an der Conferenz ausgeschlossen, da eben die wirthschaftlichen und socialen Verhältnisse in Nordamerika ganz andere sind, als bei uns in Deutschland.
In der italienischen Depntirtenkammer ist es am Samstag wieder einmal zu einer irredentistischen Debatte gekommen. Der Deputirte Jmbrjani hatte eine Anfrage wegen der Auflösung des in Rom bestandenen irredentistischen Comites gestellt, welche Crispi in längerer Darlegung beantwortete. Die Ausführungen des Ministerpräsidenten liefen darauf hinaus, daß die Nothwendigkeit der Aufrechterhaltung der guten Beziehungen Italiens zu Oesterreich-Ungarn die Auflösung des Comites gefordert habe und gab Crispi seinem Erstaunen darüber Ausdruck, daß die beständige Herausforderung einer- auswärtigen Macht gerade von der äußersten Linken ausgehe, die doch das Princip der Abrüstung proclamirt habe. Ueber die Aufnahme der Crispi'schen Erklärungen durch die Kammer- Hat der Telepraph noch nichts gemeldet.
X)laden.
ndnngen verbesserte bestem Rohmateriil I
'-Präparate eckendes Fabrikat, 31 Ehren-Diplome, 81
Bekanntmachung,
die Reichstagswahlen betreffend.
Der Unterzeichnete bringt hiermit zur öffentlichen Kenntniß, dch
Dienstag den 4. März l I. Vormittags 11 Uhr, in dem Sitzungssaals des Regierungsgebäudes zu Gießen die Protokolle über die am 28. Februar d. Js. stattsindenden engeren Wahlen in den einzelnen Wahlbezirken durchgefehen und die Resultate der Wahlen zusammengestellt werden. Das Srgebniß wird sodann verkündet werden.
Der Zutritt zu dem Local steht jedem Wähler frei. Gießen, am 24. Februar 1890.
Der Wahl'Commissär: v. Gagern.
liner Congreß theilnehmeu mit vollkommener Loyalität der Gesinnung.
London, 24. Februar. Im Unterhaus kündigt Morley heute an, daß Gladstone den von Smith angekündigten Resolutionsantrag, betreffend die richterliche Parnellcommission, durch einen Unterantrag bekämpfen werde, In demselben wurde erklärt, daß es die Pflicht des Hauses sei, seine Verdammung der falschen, gegen Abgeordnete, besonders gegen Parnell auf Grund von Verläumdnng und Fälschung erhobenen Anklagen der größten und abscheulichsten Art auszusprechen und es würde weiter neben der Genugthuung über die Bloslegung der Verleumdungen erklärt werden, das Haus bedauere das durch diese flagrante Bosheit zugefügte Unrecht und die dadurch verursachten Leiden und Verluste.
Nom, 24. Februar. Vergangene Nacht um 11 Uhr »wurden hier leichte Erderschütterungen wahrgenommen. Es wurde keinerlei Schaden angerichtet.
Sofia, 24. Februar. Der „Agence Balcanique" zufolge betragen nunmehr die an Rußland auszuzahlenden rückständigen Occupationskosten 3600000 Papierrubel. Die Forderung wegen verschiedener Lieferungen von Waffen und Munition an Bulgarien werde nach Prüfung der bezüglichen Rechnungen in gleicher Weise beglichen werden.
Lifiabon, 24. Februar. Der König hat anläßlich seines Regierungsantritts eine Amnestie für Personen, welche wegen politischer Vergehen und Widerstandes gegen die Staats gewalt verurtheilt worden sind, erlassen.
unserer Staatsbürger fährt fort, sich freiwillig zu Bürgern zweiter Klasse zu machen, indem er ohne Zwang und ohne Noth sein wichtigstes Recht, das Wahlrecht, preisgibt. Daß dieser Zustand auf die Dauer nicht haltbar, ist klar und überall sollte man daher auf Mittel sinnen, mit denen diese politische Gleichgültigkeit in wirksamer Weise bekämpft werden kann. Auch sie mag zum Theil mit durch unser zersplittertes Parteiwesen bedingt sein.
Sitzung verlangte der Präsident Rousselle Aufklärung über das Verhalten der Polizeibeamten, welche den Wagen Mar- digras auf dem Boulevard angehalten und sich auf ihre Dienstinstruction berufen hätten. Der Gegenstand wurde nach einigen Bemerkungen des Polizeiprüfecten verlassen und der Zwischenfall für erledigt erklärt. Rousselle erachtete sich jedoch für verletzt und gab seine Entlassung.
Paris, 24. Februar. Die Blätter melden: In einer
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Kaufmann Karl Loos dahier zum Stellvertreter des Wahlvorstehers des II. Wahlbezirks der Stadt Gießen für die bevorstehende engere Wahl zum Reichstage ernannt worden ist.
Gießen, am 24. Februar 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 25. Februar. Bis jetzt sind 388 osficiclle Wahlresultate bekannt, Stichwahlen 141, gewählt sind 51 Conservative, 14 Reichspartei, 16 Nationalliberale, 91 Centrum, 21 Freisinnige, 20 Socialisten, 14 Polen, 2 Wilde, 11 Elsässer, 2 Demokraten, 1 Däne, 3 Welfen, 1 Antisemit. Zur Stichwahl stehen: 30 Conservative, 19 Reichspartei, 72 Nationalliberale, 20 Centrum, 62 Freisinnige, 54 Socialisten, 5 Polen, 10 Demokraten, 7 Welfen, 3 Antisemiten.
Berlin, 24. Februar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Ministerialdirectors Wirkt. Geheimraths Dr. Bartsek zum Director der wissenschaftlichen Deputation für Medicinalwesen.
Berlin, 24. Februar. Der Oberpräsident von Pommern und der Regierungspräsident von Cöslin haben nach der „N. A. Ztg." die Landräthe angewiesen, das Getriebe der brasilianischen Auswanderungsagenten auf das Strengste zu überwachen und gegen unerlaubte Agitation Untersuchung einzuleiten. Die Landräthe sind ferner angewiesen, die Arbeiter wegen Contractbruches zu verfolgen, worauf eine Anzahl Contractbrüchiger in das Gefängniß zu Rummelsburg abgeführt worden sind, ebenso wie der Aus- wanderungsagent Selchow. Bei dem entstandenen Auflaufe blieben die Gensdarmen Herren der Situation.
Paris, 24. Februar. Der Gemeinderath von Paris nahm mit 33 gegen 13 Stimmen eine Resolution an, in welcher derselbe gegen jeden Act der Gnade für den Prätendenten, den Herzog von Orleans, protestirt. Die Republikaner seien wegen Vergehen gegen das Vereins- und das Preßgesetz verurtheilt worden. Die Resolution fordert die sofortige Amnestie für alle Vergehen gegen das Vereins- und Preßgesetz, sowie für die Strikevergehen. Der Seinepräfect
8-
(e
Derrtschss Reich.
— Die „Magd. Z." fragt: Was uns die Wahlen lehren, und antwortet:
Ein sicherer Schluß auf das Gesammtergebniß der Reichstagswahlen ist immer noch nicht verstattet. Die Zahl der Stichwahlen wird überaus groß werden, weit größer noch als bei den letzten Wahlen. Das war vorauszusehen bei der Zersplitterung der bürgerlichen Parteien. Und die nächste Frage, die durch den Ausfall der Wahlen uns aufgedrängt wird, ist, ob diese Zersplitterung fortdauern soll, fortdauern darf angesichts des erschreckenden Anwachsens einer Partei, welche den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung offen auf ihre Fahne geschrieben hat.
Ueberall sehen wir diese Partei im Wachsen, am auffälligsten in den städtischen Bezirken mit übergroßem Industriebetriebe. Aber auch in rein ländlichen Kreisen und zwar sogar in Pommern, Ost- und Westpreußen, in Mecklenburg rc. tritt uns die gleiche Erscheinung entgegen. Als Herr Miquel vor einigen Monaten auf die Nothwendigkeit einer Umgestaltung der jetzigen Parteiverhältnisse hinwies, begegneten seine Ausführungen vielfach spöttischen Bemerkungen. Wir meinen, die Pflicht der Selbsterhaltung wird den einzelnen bürgerlichen Parteien die Frage immer gebieterischer aufdrängen, ob sie sortsahren dürfen, ihre Kraft in einem verderblichen Bruderkriege zu schwächen, während die Anhänger der Social- demokratie geschlossen wie ein Mann zusammenstehen. Zn Magdeburg ist der socialdemokratische Candidat nur mit einer ganz geringen Mehrheit gewählt worden. Wären die bürgerlichen Parteien hier zusammen gegen den gemeinsamen Gegner vorgegangen, so wäre ein Sieg wohl möglich gewesen. Und anderwärts tritt uns die gleiche Erscheinung entgegen. Hoffentlich werden bei den Stichwahlen die Erfahrungen, die jetzt gemacht worden, nach Gebühr berücksichtigt. Es wird dann immer noch möglich werden, die jetzt begangenen Fehler wenigstens zum Theil wieder gut zu machen.
Eine andere Wahrnehmung, welche die neuen Wahlen aufdrüngen, ist, daß trotz der eindringlichsten Mahnungen die Zahl Derer, die von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch machen, in vielen Wahlkreisen beschämend groß bleibt. In Berlin war ein Anwachsen der soeialdemokratischen Stimmen am ehesten zu erwarten. Es durfte deshalb daraus gerechnet werden, daß auch die anderen Parteien alle ihre Kraft daran setzen würden, um nicht die Bedeutung der aus die social- demokratischen Candidaten entfallenen Stimmen noch größer erscheinen zu lassen, als sie in der That ist. Und trotzdem haben von den 352 765 als wahlberechtigt in die Listen eingetragenen Personen sich 114 333 der Abstimmung enthalten, d. h. ungefähr der dritte Theil der Wähler. Da die Socialdemokratie selbst seit dem Jahre 1887 in der Hauptstadt einen Stimmenzuwachs von 33187 erfahren hat und danach wohl angenommen werden darf, daß von dieser Seite Alles aufgeboten wurde, um auch den letzten Mann an die Urne zu schaffen, so darf mit einiger Sicherheit angenommen werden, daß der größere Theil Derer, die sich der Abstimmung enthielten, den bürgerlichen Parteien angehört, eine Erscheinung, dis doppelt betrübend ist angesichts der beständigen Klagen über die aus dem Socialismus uns drohenden Gefahren.
Jeder Versuch, an dem bestehenden allgemeinen gleichen Wahlrecht Einschränkungen vorzunehmen, würde voraussichtlich allgemeinem Widerstande begegnen. Aber ein großer Theil
Besprechung zwischen Tirard, Carnot und beschlossen, den Herzog von Orleans in der Conciergerie zu behalten.
— Der „Figaro" sagt, Frankreich
Vierteljähriger ASonnemcntsprelS« 2 Mark 20 Pfg. nrit Bringcrlohn. Durch die Pos! bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
KchutfiraßeAr.7,
Fernsprecher 51.
Never>sicht.
Gießen, 25. Februar.
Noch immer läßt sich feine erschöpfende Uebersicht über bic Ergebnisse der Neichstagswahlen ermöglichen, da die ab- Meßenden Nachrichten aus den ausgedehnteren ländlichen Wahlkreisen noch fehlen. Außerdem erfahren verschiedene Wa hlresultate fortgesetzt Berichtigungen, da z. B. bezüglich bex Volkspartei feststeht, daß sie im ersten Wahlgange nur 2, nicht 4, Abgeordnete durchgesetzt har; außerdem scheint in Ärtsesden-Land nicht der bisherige Vertreter, Ackermann (cons.), Wern der socialdemokratische Candidat gewählt worden zu ieüt. Infolge dieser Unsicherheit hinsichtlich des Gesammt- mhlresultates läßt sich auch die Zahl der Stichwahlen noch nicht bestimmt nennen, indessen kann man sie auf 135 bis 140 vermischlagen. An ihnen sind am meisten die Nationalliberalen Ietfieiügt. Mit großen Hoffnungen sehen die Freisinnigen en Stichwahlen entgegen, bei denen sie, den neuesten Nctzh ichten zufolge, mit 58 Candidaturen berheiligt sind, aber ud) die Socialdemokratie, welche mir etwa 60 Candidaten ii die Stichwahl eintritt, sieht denselben mit Siegeszuver-
*1 1*7
„ sSn
^ationalliberalcn und Socialdemokraten zu treffen sind, dürften mist die letzteren siegen und auch die Freisinnigen werden kt den engeren Wahlen einige Mandate an die Socialdemo- Mt.en nbgeben müssen. Indessen wäre es müßig, angesichts der bevorstehenden zweitert großen Wahlschlacht speciellere ^trachtungcn über* deren AuSgang an stellen zu wollen, da icrfetbe in allen seinen Einzelheiten schon in den ersten Tagen tifter Woche bekannt fein wird.
Auch im Auslande hat der oppositionelle Ausfall der cittschen Wahlen einen tiefen Eindruck gemacht, obwohl die irr über vorliegenden Preßkundgebungen noch ziemlich lücken- aft sind. Die österreichischen wie die italienischen Zeitungen hm men darin überein, daß die Reichstagswahlen eine schwere Niederlage für die Regierung und dafür einen colossalen Er- clg der Socialdemokratie bedeuteten und auch die Londoner 'lotter bezeichnen das gewaltige Auschwellen der Socialdemo- iQiic als das charakteristischste Merkmal der deutschen Wahlen. :ie französische Presse begrüßt den oppositionellen Ausgang er Reichstagswahlen natürlich mit Hellem Jubel und einige jeititngen, spceiell in der französischen Hauptstadt, wollen aus ler Niederlage der Ncichsregierung sogar den bevorstehenden iiismmmenbruch des deutschen Reiches erkennen!
Die Berliner Arbeiterschutzconferenz soll bereits Mitte Niz zusammentreten. Die meisten Staaten, welche sich zur kksichickung der Berner Conferenz bereit erklärten, sollen nun jncin die Einladung Deutschlands angenommen haben. Die berliner Conferenz wird mit diejenigen Punkte umfassen,
sich die bayrische Seriv esellschaft, lür ihre M in der Serie bereits S- Ztaat^-Anlehmslooseji rt gewinnen mW Munter die MM zertheilung, W S-sL--
itet. , 5chulh°£- ,undB*
455 Nee. Medaille. Medaille, ich, Markt 8.
A'le Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
INZEI
lERSp
AOS


