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25.12.1890 Erstes Blatt
 
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M. 30L Erstes Blatt. Donnerstag den 25. December 189V

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Wsrhncrchten.

Nun wiederum ist aufgetwngen von Bethlehem der hehre Stern. Ihn schaut in seinem Wunderglanze die C-hristenheit von Nah' und Fern,

Weithin wohl üter alle Lande wirft heut er Hellen Gnadenschein, !v.j dringen seine galdne^'. Sttahlen in jedes Herz vnkräiend ein.

O sei gegrüßt, Du Slern der Liebe, die nimmer hört zu spenden nuf, C sei gegrüßt, Du Stern der Frrude, die rein im Herzen steigt herauf,

Geprlrsen sei, Du Stern des Fliedens, der leinen lichten Bogen spannt

Z-.? Christi froh-'w Jubelfeste, von M^er zu Meer, von Land zu Land.

Wie duftet du'.ch des Hauses Räume des Ehr ist da ums holdes Tannen grün

Er zaubert uns zu Winterszeiten den Fiühlina in die Stube hin; W'e leuchtet er im Lichlerschmucke in die geweihte Nacht hinaus: -Es ist, als schwebt auf seinem Schimmer ein Engel still von Haus zu Haus!

Und leise steigt in unsrer Seele empor der Kmdheit sei'ger Traum, Ter sich in tausend bunten Fäden knüpll an den hehren Weih- nachtsbaum

Llnb unter den geschmückten Zweigen ersteht aus's Neu' das Märchenbild,

Dav einst mit seinem Zauberglanze das Kir derherz so tief erfüllt.

l Wrihnachtsfest, so dnstumflossen, du schöner Lenz zur Winterszeit, Du Fest der Liebe und der Gnade, du Fest der frohen Kindlichkeit, C, laß in Deinen Strahlen sonnen sich Reich wie Arm und Jung wie Alt,

Und in. Palästen wie in Hütten herrsch Deines Zaubers Allgewalt. F. Bert hold.

Weihnachten 1890.

F riebe auf Erden" das ist heute die alte Weih- nachlslosung. Auf einige wenige Tage schweigen die Stim­men des Streites, und die Händel der Welt treten zurück vor der hehren Festcsfeier der Christenheit. Wer nur irgend empfänglich ist für die geistigen Güter, Friede, Vertrauen, Einigkeit u. s. w., der suhlt sich angezogen und erfreut durch das Weihnachtssest. Auf einen Augenblick geben wir uns gerne dem schönen träumerischen Gedanken hin, wie glücklich die Menschheit sein müßte, wenn jene Güter in ihr herrschten.

Ist cd denn nur ein träumerischer Gedanke? Dieser Gedanke ist vielmehr schon einmal Wirklichkeit geworden, das Ideal eines von jedem selbstsüchtigen Gedanken freien Ge- müthes, eines Willens, der sich ganz und allein leiten läßt von der Absicht aus das geistige Wohl feiner Mitmenschen dies Ideal hat die Christenheit in Jesus Christus, jenem Wunderbaren, von dessen Leben uns kein Zug berichtet wird, der nicht eine sonst unerreichte Liebe zeigte, dem fein Mensch zu gering und fein Opfer zu groß war. An Weihnachten gedenken wir dankbar all' des Segens, der durch ihn in die Weir gekommen. Unermeßlicher Segen! Mag im Namen des Christenthums manches Falsche geschehen sein von solchen, die dasselbe nicht verstanden was ist das Alles gegen den Fortschritt der Liebe, der sich die höchsten Ziele unter den größten Opfern setzte. Auch wenn wir den Quellen der modernen Liebesthätigkeit nachgehen, werden wir finden, daß sie, offen ober verborgen, sich selbstbewußt oder unbewußt zurückleitet zu jenem Kinde von Bethlehem. Darum treten wir heute ans allen Sorgen und Mühen oder vielmehr mit allen unfern Sorgen vor die Krippe von Bethlehem und lassen uns gerne von ihrem Lichte umstrahlen.

Ob wir diese Strahlen nicht noch recht nöthig haben? Hätten wir mehr uneigennützige Liebe in allen unfern Ver­hältnissen, so wären wir glücklicher! Jesus Christus hat ein Reich verkündigt und in seiner Person begründet, in dem Alle . sich von keiner anderen Ursache, als von der opferbereiten Liebe leiten lasten. Würden wir dies Reich mehr darzustellen Züchen, wir wären glücklicher. Denn nur dann kannFriede

auf Erden" sein, wenn Jeder nicht sein eigenes Interesse J sucht, sondern das Wohl des Ganzen und das Wohl jedes Einzelnen, der seinen Lebensweg kreuzt. Unsere Gesellschafts­schichten scheinen oft so gegenseitig getrennt, als gingen sie sich einander gar nichts an; gar ost wird das Thun durch Mißtrauen bestimmt. Viele Verhältnisse, mit denen wir täg­lich zu thun haben, Familie, Dienstverhältnisse, würden mehr Frieden athmen, wenn jene vom Weihnachtsfest gefeierte un­eigennützige Liebe mehr vorhanden wäre.

Aber keine Liebe ohne Opfer. Nur wenn man vor Opfern nicht zurückweicht, wenn man sich nicht mit einer oft bequemen, vorübergehenden Liebesthätigkeit begnügt, sondern begreift, daß wir da sind nicht um von einander, sondern für einander zu leben, nur dann wird der Weihnachtsgruß seiner Ersüllung näher gebracht:

Friede auf Erden."

Arrrlairv.

Paris, 22. Deeember. Die landwirthfchastlichen Vereine von Meaux und Melun haben ihre Impfungen von Vieh mit Koch'scher Lymphe begonnen. Sie benutzen 15 Kühe für die Versuche. Sie machen zuerst 5 Kühe schwindsüchtig und impfen sie dann sofort. Bei 5 anderen beginnen sie erst zwei Monate nach der Erkrankung mit der Impfung. Endlich impfen sie 5 gesunde Kühe, um zu erkennen, ob dieselben gegen das Mittel reagiren ober nicht.

Buenos Ayres, 22. December. Gerüchtweise verlautet, daß die Polizei die Spuren eines Compl o ts zum Sturze der gegenwärtigen Negierung entdeckt habe; es sind mehrere Verhaftungen vorgenommen worden.

tlcMcfte Nachrichten.

Wolff» tclezraphfiches Correspvudenz-Bur-l»w

Berlin, 23. December. In dem günstigen Befinden der Kaiserin und des neugeborenen Prinzen ist keine Aenderung eingetreten.

Berlin, 23. December. In Herbesthal ist die dritte englische Post ausgeblieben. Grund: Geleisesprung infolge einer Zugentgleisung bei Quatrecht.

Berlin, 23. December. DerReichsanzeiger" meldet: Der Landwirthschastsminister genehmigte widerruflich und unter gewissen Bedingungen die Einfuhr lebender Rinder aus Italien nach den Städten, welche die Erlaubniß zur Ein­fuhr italienischer Schweine erhielten.

Hannover, 23. December. Der Magistrat wählte heute den Stadtdirector Haltenhofs zur Präsentation für das Herrenhaus.

Aachen, 23. December. Die erste englische Post vom 22. d. M. ist ausgeblichen. Grund: Entgleisung bei Gent.

München, 23. December. In den gestrigen Schluß­sitzungen des obersten Schulrathes betonte Bauernseind besonders die Existenzberechtigung der Realgymnasien. Der Cultusminister hob in der Schlußrede hervor, daß nicht an dem bewährten Grundbau der bayerischen Gymnasien gerüttelt worden fei, sondern daß die Berathungen nur deren Ge- sammtwerth für die idealen Güter der Menschheit erhöhen wollten.

Wien, 23. December. Im Gemeinberathe berichtete der Bürgermeister über den Empfang beim Kaiser anläßlich der Danksagung für die Sanction der Gesetze, betreffend die Schaffung Großwiens, und wiederholte die bereits gemeldeten Worte des Kaisers. Der Bürgermeister betonte, daß Wien dieses große Werk vor Allem der Gnade und dem steten Wohlwollen des Kaisers für Wien verdanke. Die Versamm­lung brachte begeisterte dreimalige Hochrufe auf den Kaiser aus. Der Bürgermeister berichtete, daß er auch dem Grafen Taaffe, dem Statthalter GrafKielmannsegg für deren kräftige Mitwirkung bei dem Zustandekommen des Werkes Dank ans- sprach.

Budapest, 23. December. Die Fachreferenten des Handels­ministeriums haben sich in die eingehenden Besprechungen mit den an den deutsch-österreichischen Vertrags-Ver­handlungen interessirten Kaufleuten und Industriellen über die Wünsche derselben vollständig informirt.

Budapest, 23. December. DemNemzet" zufolge wird die Regierung auf dem Sandgebiete von Delblat dreitausend ungarische Winzerfamilien anfiedeln und ihnen Wohn­ungen bauen und, so lange die Anpflanzungen noch nicht ge­

diehen sind, ihnen eine jährliche Unterstützung von je 240 fl. gewähren. Von Versecz bis Pancowa wird eine Vicinalbahn gebaut und in Versecz ein Musterkeller' angelegt.

Paris, 23. December. Nach der Meldung der Blätter über die gestrige Sitzung des Generalraths der Seine wurde ein die früheren Meldungen bestätigendes Schreiben Freycinets verlesen, wonach die neue Ringmauer viel aus­gedehnter als vorher projectirt sei, sic werde sich von Point du Jour oder einem benachbarten Punkte auf dem linken Seine-User bis jenseits der Fortificationen von Saint Denis erstrecken und die Bevölkerung in der Mitte zwischen beiden Ufern einschließen.

Paris, 23. December. In der heutigen Verhandlung gegen La buyere wegen der Begünstigung der Flucht Pad­lewskis erklärte der Angeklagte, über die Verwendung der für die Flucht Padlewskis bestimmt gewesenen Fonds keine Auskunft geben zu können. Er habe Padlewskis Entkommen deßhalb erleichtern wollen, weil derselbe nur ein Vollzieher der Gerechtigkeit an General Seliverstow gewesen fei. Die mitangeklagte Madame Duc Quercy war geständig, die ihr zur Last gelegten Handlungen begangen zu haben. Nach den Reden des Staatsanwalts und der Vertheidiger wurde der Urtheilsspruch aus morgen vertagt.

London, 23. December. Das Amtsblatt meldet: Der bisherige Geschäftsträger in Dresden, Strache y, wird zum Ministerresidenten daselbst ernannt.

Glasgow, 23. December. Der Strike der Eisen- bahnbeamten in Schottland nimmt zu. Die Bahn-» gesellfchaften beschlossen,, den Forderungen der Strikcnden nicht nachzugeben. Der Verkehr der Züge beginnt zu stocken, ins­besondere auf der Linie der North British Railway-Company, welche anzeigt, sie könne keine Güter zur Beförderung an- nehmen. . Die Strikenden von Carlisle, einem wichtigen Knotenpunkte der englisch-schottischen Eisenbahnen, veranstalteten eine Straßenfundgebung. Der Londoner Postzug langte Vor­mittags in Perth mit dreistündiger Verspätung an. Ruhe­störungen kamen bisher nicht vor, die Polizei hält sich nichts­destoweniger in steter Bereitschaft.

Rom, 23. December. DerAgenzia Stefani" wird aus Tripolis gemeldet, daß gestern vier berittene französische Spahis dort eingebracht worden sind. Dieselben sind am 12. December durch türkisches Militär bei Nahut, 60 Kilo­meter von der türkischen Grenze entfernt, gefangen genommen worden.

Rom, 23. December. Der Papst, dessen Befinden ein durchaus gutes ist, nahm heute die Weihnachtsglückwünsche des Cardinalcollegiums entgegen und erwiderte auf die an ihn gerichtete Ansprache, inmitten solcher Tröstungen empfinde er dennoch die Schmerzen, welche der Kirche besonders von. jenen Nationen zugefügt würden, die- die Wohlthaten der Kirche in hervorragender Weise genössen. Namentlich zeichne sich Italien durch seine feindselige Haltung gegen die Kirche aus. Man glaube dadurch ein gutes Werk zu thun, be­schwöre aber Elend, Verfall und künftiges Unheil heraus. Der Krieg gegen die Kirche erreiche feinen Höhepunkt beson­ders in Nom, obwohl die Kirche keine Feindin der Regie­rungen fei, vielmehr die Throne befestige. Italien möge zu guten Principien zurückkehren.

Turin, 23. December. Der Afrikaforfcher Schwein­furt weilt gegenwärtig in Genua und schrieb hierher an Professor Cora, daß er beabsichtige, nach Massauah zu gehen und in. Keren zu überwintern.

Rewyork, 23. December. Gegenwärtig werden hier 116 Kranke in neun verschiedenen Anstalten mit Koch- fcher Lymphe behandelt; die erzielten Resultate sind günstig.

Buenos Ayres, 23. December. Das Gerücht von der Entdeckung eines Complots zum Sturze der Regierung bestätigt sich. Daß Complot ist nicht von solcher Be- deutung, als Anfangs geglaubt wurde. Es herrscht vollständige Ruhe.

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Gießen, 24. December.

Herr Postdirector Ritsert dahier wurde in den Rang der Räthe vierter Klasse versetzt.

Ernannt wurde am 18. ds. der HilsSheizer bei den Oberhessischen Eisenbahnen, Martin Hartmann aus Dingel­stedt, zum Heizer bei diesen Bahnen, mit Wirkung vom 1. Januar 1891 an.

Unter den im Lause des letzten Jahres dem Musen« des Gefchichtsverems übergebenen Geschenken ist eine Anzahl