Ausgabe 
21.11.1890
 
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1890

Nr. 272

Amtlich« Lhril

Neueste Nachrichten.

Wolff» telegraphilches Lorrespondcnz-Hurcau.

Berlin, 19. November. Heute Nachmittag 5 Uhr fand die Trauung der Prinzessin Victoria mit dem Erb­prinzen von Schaumburg-Lippe in der Capelle des Königlichen Schlosses durch Consistorialrath Dryander statt. Gesänge des Domchors begleiteten und schlossen die Feier. Um halb 7 Uhr folgte die Galatafel im Weißen Saale des Köniolichen Schlosses. Das Brautpaar saß zwischen dem Kaiser und der Kaiserin Friedrich. Die Kaiserin Augusta Victoria nahm an der Trauung, aber nicht an der Tafel Theil. Bald nach dem Anfang der Tafel brachte der Kaiser das Wohl des Brautpaares aus, wobei er auf Kaiser Friedrich hinwies, dem es nicht vergönnt gewesen sei, diesen Tag zu erleben. Das Brautpaar möge fest aus ihn, seinen Schutz und seine väterliche Freundschaft als neue Glieder des Königshauses vertrauen. Der Tafel im Schloß folgte nach 8 Uhr Cercle, an dem alle Botschafter und hohen Würdenträger theilnahmen.

«uvahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

Umschlags unserer inneren Wirthschasrspolttik zu.

Berlin, 19. November. Die Arbeiterschutz-Com­mission berieth § 153, Coalitionsrecht der Arbeiter betr. Die weitere Berathung wurde, ohne Beschlüsse zu fassen, auf

Vierteljähriger ASonnemcntspret»» 2 Mark 20 Psg. mtt Dringerldha. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pig.

Redactton, Expedit«-» und Druckerei:

Schutstraße Hlr.T Fernsprecher 51.

Deutsche- Reich.

Darmstadt, 19. November. Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzog- thums Hessen, Nr. 11, ausgegeben am 15. November 1890, enthält: 1( Verzeichniß der im dritten Vierteljahr 1890 erfolgten Schenkungen und Vermächtnisse für evangelisch­kirchliche Zwecke. 2. Dienstnachrichten. 3. Concurrenz- eröfsnung.

Berlin 19. November. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und der Erbgroßherzog von Hessen waren gestern zum zweiten Frühstück bei den Meiumgenschen Herrschaften- von da sand eine Fahrt zur Jagd im Grüne­wald statt. Die Allerhöchsten Herrschaften wohnten im Wagen der Parforcejagd auf Sauen bei. Um < Uhr fand Familien- tasel bei Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich, nach derselben Soiree bei den Meiningenschen Herrschaften statt.

morgen ausgesetzt. .

Königsberg, 19. November. Die Provinztalsynode nahm den Antrag an, bei den Behörden des Kirchenregiments sowie bei der Generalsynode dahin zu wirken, daß die Ver­waltungsordnung für das Kirchenvermögen in den Ost­provinzen der preußischen Landeskirche im Sinne größerem Selbstständigkeit und Freiheit der Kirchenorgane abgeändert werde.

Königsberg, 19. November. Die von Professor Reusch modellirte Büste des verstorbenen Ophthalmologen Professors Jacobson wurde heute im Garten der Universitäts-Augen­klinik feierlich enthüllt.

Wilhelmshaven, 19. November. Die Leiche des aus der Heimreise von Kamerun gestorbenen Corvetten-Capitäns Bur ich traf mit dem LloyddampserKronprinz Friedrich Wilhelm" hier ein und wird Nachmittags ausgeschifft.

Wien, 19. November. Die österreichisch-ungarische Zollconferenz beendigte gestern ihre Berathungen. Der Presse" zufolge sind alle auf die geplanten Verhandlungen mit Deutschland sich beziehenden Fragen eingehend erörtert und ist eine Verständigung erzielt worden.

Paris, 19. November. Der Ausstand in den Gruben von Carvin endigte gestern nach 55tägiger Dauer.

Pasteur beglückwünschte Koch telegraphisch.

Paris, 19. November. Der russische General Se- liv erst off wurde gestern Vormittag im Hotel de Bade mit einer Schußwunde bewußtlos aufgefunden. Man glaubt an einen Mord. Die Kugel wurde Abends aus der Wunde entfernt. Der Zustand des Generals ist hoff­nungslos.

Paris, 19. November. Der russische General Selivers- koff ist heute Vormittag seinen Verwundungen erlegen. Die Untersuchung der Angelegenheit wird eifrig geführt.

Die Blätter glauben, General Seliverskoff sei das Opfer eines nihilistischen Racheactes.

Paris, 19. November. Das Individuum, welches dem General Seliverskoff die Einladung des Hauses Bernow überbrachte, ist noch unentdeckt.

Paris, 19. November. Die Armee - Commission nahm den Gesetzentwurf, betteffend die Verp roviantirunA der bürgerlichen Bevölkerung der festen Plätze, an, ferner den Gesetzentwurf, wonach hilfsbedürftigen Soldaten- samilien im Falle der Mobilmachung Beistand zu leisten tfL Riboi versprach der Delegation dramatischerAutoren, Schritte zu thun, um ihren Werken im Auslande berechtigten Schutz zu verschaffen.

Paris, 19. November. Der Katholiken Congreß für die Departements Nord und PaS de Calais ist gestern

Der

Gießener erscheint täglich, glit Ausnahme de» Montag».

Die Gießener

M«»tkienvlLtter Werden dem Anzeiger WÜchentlich dreimal beigdcgL

Mieten

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Logis zu

Werthe des Anlage- und Betriebskapitals der einzelnen Be- triebe. Diejenigen Gewerbe, deren jährlicher Ertrag die Summe von 1500 Mk. nicht erreicht und deren Anlage- und Betriebscapital unter 3000 Mk. bleibt, sind von der Gewerbe- steuer befreit. Weiter enthält der Entwurf eingehende Be­stimmungen über die Veranlagung der Steuer und die Satze in den einzelnen Classen und schlagt ferner ur ®a\t= und Schankwirthschaften, sowie für den Kleinhandel mit Braimt- wein oder Spiritus eine besondere Betriebssteuer vor. Die üblichen Schluss- und Strafbestimmungen beschließen den

polMschs Nsberficht.

Gießen, 20. November.

cstt der Reichshauptstadt wurde am Mittwoch Nachmittag die feierliche Vermählung der Prinzessin Victoria von Preußen mir dem Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe in Gegenwart zahlreicher fürstlicher Gäste nnd unter herzlichster und freudig­ster Antheilnahme der Bevölkerung vollzogen. Der standes­amtliche Trauungsact sand im Palais der Kaiserin rsnedrich statt, woraus um 5i/4 Uhr die kirchliche Vermahlung der, er­lauchten Paares in der Capelle des Residenzschloste^ so g . Alsdann nahmen die hohen Neuvermählten die Glückwünsche der versammelten Fürstlichkeiten im Kursürstenztmmer des Rcsidenzschlosses entgegen, hierauf sand bei den kaiserlichen Majestäten Galatasel statt und den Beschluß der gelammten Hochzeitsfestlichkeiten bildete der Gratulationscercle in der Bilder-Gallerie.

Dem preußischen Abgeordnctenhause ist setzt auch die Ge­werbesteuervorlage zugegangen nnd liegen dem Hause nun­mehr die sämmtlichen Resormentwürse vor. Die genannte, ziemlich umfangreiche Vorlage enthält folgende Hauptbestim- tnunqen: Der neuen Besteueruug unterliegen die m> Prusten betriebenen stehenden Gewerbe, während es hinsichtlich der Besteuerung des Gewerbebetriebes im Umherziehen und be_> Wanderlagerbetriebes bei den bisherigen Vorschriften st,n Bewenden haben soll. Die Besteuerung erfolgt in vier Ge- »rverbesteuerklassen je nach dem jährlichen Erttage oder dem

Berlin, 19. November. Aus dem Schooße der Stadt, verordneten - Versammlung sind Anträge gestellt, einerseits Herrn Geheimerath Koch das Ehrenbürgerrecht zu verleihen, andererseits ihm bis zur Fertigstellung der ihm vom Staate zuaesicherten Klinik alle zur Förderung feiner neuesten Ent­deckung benöthigten Räume sofort zur Verfügung ju stellen, auch allen etwaigen Bedingungen Kochs in Betreff der Auf­nahme von Kranken oder sonst stattzugeben.

Berlin, 19. November. Nach einem Beschlüsse des Moltke-Comites wird die dem Grasen Moltke zum 90. Ge­burtstage von deutschen Städten überreichte provisorische Adresse in monumentaler Weise als Bronce-Votivtasel mit eingegrabenem Text der Adresse hergestellt und an einem von Moltke zu bestimmenden Orte angebracht werden. Gleich- zeitig soll dem Feldmarschall ein Nußbaumschrank, enthaltend 27 lederne Mappen, mit den Unterschriften der städtischen Vertreter Deutschlands, überreicht werden.

Berlin, 19. November. DieNordd. Allg. Ztg. fuhrt aus, daß der Rücktritt des Ministers von Lucius keine wirthschaftspolitische Umkehr bedeute- eine solche würde selbst dann nicht vorliegen, wenn an Oesterreich und Ungarn behufs Herbeiführung einer handelspolitischen Einigung I eine Herabsetzung der Getreidezölle bewilligt werden sollte, was bisher keineswegs beschlossen sei. Abgesehen von rem politischen Erwägungen würden diesseitige Zugeständnisse wesentlich von Gegenleistungen abhängen, welche zweifellos nur auf industriellem Gebiete liegen könnten. Aber auch die Landwirthschaft habe lebhaftes Interesse an einer günstigen I Lage der Industrie. Käme übrigens die Herabsetzung unserer

Die Frage der Reform des Schulunterrichtes hat durch den jetzt veröffentlichten Schnlerlaß Kaiser Wilhelms an das preußische Staatsmiiüsterium vom 1. Mai 1889, sowie die hierauf erfolgten Vorschläge des preußischen Staatsministeriums vom 27. Juli 1889 und die Verlautbarungen des königlichen Provinzial-Schulcollegiums nur noch an aktuellem Jutereste gewonnen. Man darf daher den Berathungen der am 4. December in Berlin in Sachen der Schulreform zusammen­tretenden Enquete-Commission mit besonderer Spannung ent­gegensetzen und sicherlich werden auch die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses über das neue Schulgesetz diese specielle Resormfrage mit berühren.

Ueber daszollpolitische Programm" des neuen preutzi- scheu Landwirthschaftsministers, Herrn v. Heyden, liegen noch keine Mittheilungen vor. Das Wahrscheinlichste ist, daß er neue Minister in dieser Beziehung überhaupt noch keinPro­gramm" hat und daß er vermuthlich in seinen Entschließungen mehr die allgemeinen Interessen, die Bedürsmsse der Gefamm - I E,^jd'°rölle 'in Frage, so wäre auch die Frage zu beant- heit berücksichtigen wird, als irgendwelche parteipolitische Getreidezolle $cr=

Interessen. stärkung des landwirthschaftlichen Schutzes nothwendig mache.

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Oesterreich-Ungarn fortgesetzt sehr lebhaft, Dank der Volks- thümlichkeit, deren sich der Erzherzog daselbst erfreute. E» hieß nun, daß in diesen Tagen der verwittweten Groß­herzogin von Toscana, der Mutter Johann Orths, Nach­richten zugegangen seien, denen zufolge ihr Sohn sich am Leben befinden und sein Schiff nur starke Beschädigungen er­litten haben sollte. Eine Bestätigung dieser Meldungen liegt jedoch noch nicht vor, sie werden sogar von anderer Seite für irrig erklärt und so dauert demnach die Ungewißheit über Johann Orth noch immer an. Die Großherzogin von Tos­cana ließ in der Stadtpsarrkirche zu Gmunden einen Bitt­gottesdienst für die Rettung ihres Sohnes abhalten.

Bekanntmachung,

Volkszählung im Jahre 1890 betreffend.

Montaa den 1. December findet im ganzen Deutschen Reiche eine Volkszählung statt. Die Zahlung«. Kommissionen werden in den Tagen vom 28. 30. November jeder Haushaltung einen Zählbries mit so viel Zahlkarten zukommen laffen, als in der Nacht vom 30. November aus den 1. December voraussichtlich Personen in dem Haushalte sich aushalten oder nur vorübergehend aus demselben abwesend sein werden. Bei der hohen Bedeutung, welche eine genaue Feststellung der Zu- und Abnahme der Bevölkerung in den einzelnen Staaten und Gemeinden hat, sowie bei der umnittel« bar practischen Bedeutung der Bevölkerungszahlen zur Berech- nuna der Mitglieder der Gemeinde-, Kreis« und Provinzial« Verwaltung, zur Abgrenzung der Wahlbezirke und zur Ver- theilung der Schöffen und Geschworenen aus die einzelnen Gerichtsbeziike, wird an alle Haushaltungsvorstände das dringende Ersuchen gerichtet, sich mit der Anleitung zu einer richtigen Aussüllung von Zählbriesen und Zählkarten, welche dem Zählbrief aufgedruckt ist, alsbald vertraut zu machen und die Einträge in diefelbe mit der größten Gewiffenhaftig« keit zu vollziehen. Im Zweifelsfalle sind die Mitglieder der Zählungscommifsion und die Zähler zur Auskunstertheilung foctßit.

Die Einsammlung von Brief und Karten erfolgt am 1. December Nachmittags und am 2. December. Die HauS- chaltungsvorstände werden ersucht, für richtige Zustellung an üie einsammelnden Zähler Vorkehrung zu treffen.

Gießen, am 18. November 1890. Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, den 18. November 1890. Betr.: Wie vorherstehend.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« GroSb. PoUzciawt Gi-tzen und an btt G,oßh Bürgcrmctste^i-n d.r Landgewcrndn»

Nachdem Ihnen nunmehr die Formularien für die Volks­zählung zugegangen sind, empfehlen wir Ihnen, mit der Zählungscommifsion und den ausgewählten Zählern dw Be­stimmungen und die Anweisung für ine Zähler nochmals 0enaUSieriä6tungäcommif|ionen werden mit Rücksicht aus die Wichtigkeit der Volkszählung Alles so vorbereiten, daß mit dem MblunaSgeschäft pünkllich begonnen und dasselbe vor fckriftsmäßig durchgeführt werden kann und jodann die Arbeiten derart fördern, daß dar gelammte Material 'n vorgefchriebener Qrdnuna bi» tum 21. Dcccmbcr l. I. längstens 20 der Bestimmungen und Schlußsatz unseres Ausschreibens vorn 15. September l. I., Anzeiger Nr. 220) uns vorliegt.

v. Gagern.

Amts- und Amsigrblatt fite den Anis (Bkfcen. ?

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Mreitag den 21. November______________________

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ÜOcnrPirrn Äfeiiant imiegehabte Wohnung ist Am« Per 1. D-cmb-r LM* Südanlage 15, 'Erbanlage 187Z?M '7"bst Zubehör und 'ttmtethen.

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Parterre, und dritte Hames, Lonnensttahe »aMleitung und allem sott zu vmnietbe«.

L. Feidel, schönes Mansmenlvais mit r (Wasserl., BleM), an amilie zu vermieden. 4. Dr. BuLhold. les Familicnlogis zu oer-

Scbloßgasse 17. rüherBender'schen Hause, 13, ist der Parterre- und Zimmer mit Zubehör und :ng, alsbald in oermiethen« . filtti, Südanlage 18. >s Logis im Vorderhaus, Mche, Wasserleitung nebst miethen. Ostanlage 9. Mansardenwohnung, drei iubehör, per December zu Ehr. Haudach H.. Ecke und Rodheimerstraße. arde, 4 Zimmer, Küche

Südanlage 17. tT Logis, 6 Zimmer mit und Lleichplatz, Bahn- unächst der Meseckbckcke)

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