1890
Nr. 192
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Die Gießener
»erden dem Anzeiger »Tchentlich dreimal bevgefegt.
Der Gießener KnzeiKer erscheint täglich, Bit Ausnahme deS Montags.
Als Baumle aus der ersten Ohnmacht erwachte, rief aus:
Amts- und Anzeigeblatt für den Atreis Gieren.
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fehl: „Das zweite bayerische Corps hat sich östlich zu wenden, die Maas zu überschreiten und sich südwärts von Bazeilles zu entwickeln."
Sogleich ertönten die Hörner und General v. d. Tann, der gewaltige bayerische Held, führte die Truppen bei Nacht und Nebel sicher an ihren Platz, als ob er in den Straßen von München marschire.
Morgens gegen drei Uhr hatten alle Truppen ihre Stellungen eingenommen und Baumle erklärte gegen Hans und Ludwig:
„Links reichen wir unseren Brüdern die Hand und dort befinden sich auch die Hauptquartiere des preußischen Kronprinzen und König Wilhelms,- rechts haben wir die tapferen Sachsen zu Nachbarn und dahinter wieder Preußen. Das sieht mir ganz wie ein Kesseltreiben aus. Wehe Euch, Franzmänner, dort im Grunde!"
Eine Stunde dursten die Truppen ruhen, dann gingen sie im dichtesten Nebel aus das große, fast stadtartig gebaute Dors Bazeilles vor. Die Bayern hofften hier leichte Arbeit zu finden, da sich außerhalb des Ortes kein Franzose sehen ließ/ sie waren aber gewaltig enttäuscht, als sie mitten auf der Hauptstraße förmlich vom Feuer überschüttet wurden.
105."
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Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau.
Halle a. d. S., 18. August. Die heutige zahlreich besuchte Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure wurde nach der Eröffnungsrede durch den Vorsitzenden, Bechler-Barmen, Namens der Regierung durch den Berghauptmann Heyden-Rynsch, Namens der Stadt durch den Oberbürgermeister Staude und Namens der Universität durch den Rector Pros. Bernstein begrüßt. Der Verein ist nach dem Jahresbericht auf 6900 Mitglieder gewachsen. Abends gibt die Stadt Halle ein Fest auf der Nachtigalleninsel.
Alle Annoncen'Burcaux be8 In« und Auslandes nehm«« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen, J_________LLUJU™ MII!. IHR U
aber auch schon Hans den Angreifer mit Bäumles Gewehr, welches er ergriffen hatte, nieder.
Bäumle war in die Schulter getroffen. Ludwig schleppte ihn zum nächsten Verbandplatz, Martin aber holte Soldaten herbei, welche das Gesindel im Hause aufhoben und zum nächsten Commandoplatze führten. Hier machte man kurzen Prozeß und schoß die Meuchelmörder, denn eine solche furchtbare Maßregel verlangt der Krieg, wenn sich die Bewohner meuchlings an demselben betheiligen, nieder.
Feuilletsn.
Deutsche Herzen.
Erzählung aus ben Kriegsjahren von 1870/71.
Bon Carl Cassau.
(Fortsetzung.)
Selbst Lieutenant v. d. Beck und Hauptmann v. Hün- horchten auf die verwunderliche Darstellung des Kampfes den Turkos, denen die Bayern bös mitgespielt hatten.
Da sprengte ein Adjutant herbei und brachte den Be-
gesammten russischen Geschwader erwidert wurde. Se. Majestät ging im alten Hafen vor dem Zollhause an Land, woselbst er von dem Großfürsten Wladimir, dem deutschen Botschafter General von Schweinitz, dem Grafen Pourtales, dem Oberst Villaume und den Angehörigen der Revaler deutschen Colonie erwartet wurde. Die an der Landungsbrücke aufgestellten Ehrenwachen des Wyborg'schen Infanterie-Regiments und des Petersburger Grenadier-Regiments präsentirten unter den Klängen der preußischen Nationalhymne. Die Mitglieder der Revaler deutschen Colonie überreichten Sr. Majestät eine Adresse, welche derselbe allergnädigst entgegennahm. Der Hafen sowohl wie der Bahnhof und die umstehenden Gebäude waren prächtig mit Blumen und Guirlanden geschmückt. Von der Landungsbrücke begab sich Se. Majestät nach dem für denselben eigens hergerichteten Perron und bestieg den daselbst bereitstehenden kaiserlichen Separatzug. Um 23/4 Uhr erfolgte die Abreise nach Narwa." — „Bei der Ankunft der Dacht „Hohenzollern" hatte sich der Commandeur des im Hafen liegenden russischen Geschwaders, General-Admiral der Flotte Großfürst Alexis, an Bord der „Hohenzollern" zur Begrüßung des Kaisers begeben. Als Se. Majestät die Ehrencompagnie abschritt, begrüßte Allerhöchstderselbe Sein Wyborg'sches Regiment in russischer Sprache, was die Garden mit enthusiastischen Hurrahs beantworteten. Die Offiziere überreichten Sr. Majestät auf einem Tablet Brod und Salz."
Abends 8y2 Uhr traf der Kaiser in Narwa ein, wo er am Bahnhofe vom Czaren, dem Großsürsten-Thronfolger und den übrigen anwesenden Mitgliedern der russischen Kaiserfamilie empfangen wurde. Kaiser Wilhelm trug die Uniform seines Wyborg'schen Regiments, Kaiser Alexander diejenige des Alexander - Garde - Grenadier-Regiments. Die Begrüßung zwischen den beiden Monarchen war eine sehr herzliche. Von Fürstlichkeiten waren u. A. zum Empfange des Kaisers Wilhelm noch anwesend der Großherzog von Hessen, Herzog Michael von Strelitz, die beiden Prinzen Oldenburg u. s. w. Nach Beendigung der gesammten Empfangs- und Vorstellungscere- monien begaben sich die allerhöchsten und höchsten Herrschaften zu Wagen nach der Polewzew'schen Villa, dem Absteigequartier des Kaisers Wilhelm, wo der hohe Gast von der Kaiserin von Rußland herzlich bewillkommnet wurde. Aus der ganzen Fahrt vom Bahnhose nach genannter Villa wurden die Majestäten, ebenso Reichskanzler v. Caprivi, von der Volksmenge enthusiastisch begrüßt.
Sehr sympathisch lauten die Kaiser Wilhelm gewidmeten Begrüßungsartikel der russischen Preffe. So schreibt das „Journ. de St. Petersburg": „Da die neue Zusammenkunft der Kaiser schon lange vorher angekündigt war, konnte die Presse derselben zahlreiche Besprechungen widmen/ die Einen sprechen derselben fast jede Bedeutung ab, die Anderen schreiben ihr die höchste politische Tragweite zu. Bezüglich der internatio-
^nftart apwrsorle ange. ferN in der
Deutscher Reich.
Darmstadt, 18. August. Das heute ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 31 enthält:
Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, den Text der Verordnung über die Gerichtskosten und Gebühren, sowie des derselben beigefügten Stempel- und Gebühren-Tarifs betreffend. Vom 31. Juli 1890.
Die Franzosen hatten sich verborgen und eine große Villa, welche die Straße beherrschte, in eine förmliche Festung ver- wandelt. Ebenso wurde fast jedes Haus von tapferen sranzö- 'sischen Seesoldaten, die man rasch aus den Häfen herbei- gerusen hatte, vertheidigt, und die Bewohner, meistens alle bewaffnet, selbst die Weiber, halsen bei diesem Guerillakriege mit. Jedes Haus mußte man im Sturme nehmen. War das aber geschehen, so tauchte hinter den Stürmern gewöhnlich französisches Gesindel auf, welches selbst auf Aerzte und Krankenträger schoß, Verwundete tödtete und barbarisch in die Flammen der brennenden Gehöfte warf.
Da entbrannte in den biederen Bayern der unbändigste Zorn. Nun gaben sie keinen Pardon mehr und alle Franzosen, welche in Bazeilles Waffen trugen, mußten über die Klinge springen.
Bäumle, Hans und Ludwig gehörten mit zu den letzten, die ins Dors eindrangen. Da gab man aus einem halb zerstörten Hause hinter ihnen auf sie Feuer.
„Halt!" rief Sergeant Bäumle. „Deckt Euch! Ihr jungen unerfahrenen Kerle werdet sonst todtgeschossen wie die Hasen! Aber Denen da drinnen will ich beibringen, was es heißt, aus dem Hinterhalt zu schießen!"
Damit stürmte er in das Haus.
Ludwig und Hans duckten sich hinter einer halbzerstörten Lehmmauer/ als aber der Sergeant nicht wiederkam, rief Ludwig:
//Auf, Martin, wir müssen hinein in das Haus!"
Eben betrat er den Flur, als Bäumle auf einer halbzerstörten Treppe den Ausgang suchte. Da tauchte aus einer Kelleröffnung ein Kerl mit weißer Zipfelmütze und einer langen Büchse aus und feuerte aus den Sergeanten, der sofort zusammenbrach. Im nächsten Augenblicke schlug
Arr-larrd.
Washington, 17. August. Die Kammer nahm einen Gesetzentwurf an, betr. die Ausschließung derLotterie- Correspondenz von der Postbeförderung.
„Gebt mir einen Tropfen zu trinken! Und Du, braver Ehrbrecht, beim heiligen Lambertus, meinem Schutzpatron, das vergesse ich Dir nicht, Du junger, tapferer Kerl!"
Ludwig schüttelte ihm die Hand und stürmte weiter. Martin war wieder an seiner Seite und Lieutenant v. d. Beck mußte die Verwegenen oft zügeln, nicht zu weit vorzudringen.
Gegen 9 Uhr rückten die Franzosen im Sturmschritt und in großer Ueberzahl wieder vor und drängten die Bayern aus Bazeilles hinaus. Sie wichen aber nur Schritt für Schritt. Hier fand Oberst v. Hünfeld den Heldentod. Ludwig stützte dem Obersten den Kopf, als er gefallen war. Der schwer Verwundete sah ihn dankbar an und sagte:
"Gott gebe uns den Sieg! Mein armes Weib!" Damit sank er zurück und war tobt.
Ludwig bettete den Todten beiseite und wischte die Thränen ab/ dann ward er von einer namenlosen Wuth ersaßt, er ergriff ein Gewehr und feuerte damit blindlings in den dicksten Hausen der heranstürmenden Franzosen. Bald hatte er aber die einem tobten Kameraben entrissenen Patronen verschoffen unb nun stach er mit bcm Bayonnet nieber, was ihm in benj Weg trat, unb merkwürbiger Weise blieb der
Mittwoch den 20. August
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6 Restbetrags an die Mitglieder: en, daß damit nun diese ftänh: i am Freitag beträchtlich besser/ ;n 3% Französische Rente ausgesij lutaanleihen. Man hegt die ati iS des russischen Exportes, besorg Mstiger lauten, und Angesichts er Blätter so weit, ernstlich die tzj besprechen. Qesterretchisch-llngeris
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: bereits berührt. Neben diesen c.r| it Glasgower WarrantcourscS. du .in meist erheblich höher als Niet bis aus eine größere Wb^m ihrs. Privatdiscont 3%.
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Agenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. [" Gratisbeilage: Gießener Kamikienökätter.
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nalen Beziehungen genügt indessen, sich an die Thatsachen'^zu halten, um der wirklichen Sachlage gerecht zu werden. Es ist unbestreitbar, daß die Beziehungen der guten Nachbarschaft und Freundschaft der beiden mächtigen Kaiserreiche durch die Begegnung der Souveräne, von denen bekannt ist, daß sie ihre ganze Thätigkeit der Sorge um die Wohlfahrt ihrer Völker und der Förderung ihres Gedeihens widmen, wofür die Aufrechterhaltung und Befestigung des Friedens die erste Bedingung ist, befestigt werden. Der dem erhabenen Gaste in Rußland bereitete herzliche Empfang kann im Geiste dieses Monarchen und bei den hervorragenden Persönlichkeiten seiner Umgebung nur die Ueberzeugung befestigen, daß Rußland in Frieden und in guter Freundschaft mit der deutschen Nation zu leben wünscht. Dies ist sicherlich eines der kostbarsten Friedenspfänder. — Auch der „Grashdanin" legt der kommenden Kaiserbegegnung eine große Bedeutung bei. Er begrüßt den Besuch Kaiser Wilhelms für Europa als ein besonders freudiges Ereigniß. — Der „Swiet" spricht sich ebenfalls in bemerkenswerthester Weise über den Besuch des Kaisers Wilhelm in Rußland aus und setzt festes vertrauen in die Bewahrung des europäischen Friedens. Das Blatt begrüßt die Ankunft des deutschen Monarchen auf russischem Boden unb hofft zuversichtlich, baß die Folgen der Monarchenbegegnung für beide Völker wohlthätige seien.
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d. 1887 . . .
Bekanntmachung,
Waffergenoflenschaft Dorf-Gill betreffend.
Nachdem Großh. Ministerium des Innern und der Justiz mit Verfügung vom 10. Juli l. I. zu Nr. 18122 dem Statut der rubr. Waffergenoffenschast die Genehmigung erthellt hat, wird in Gemäßheit des Art. 38 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 nachstehender Auszug aus demselben unter dem Anfügen zur öffenttichen Kenntniß gebracht, daß das Statut mit der Verkündigung int Kreisblatt in Kraft tritt.
1) Name der Genossenschaft: Waffergenoffenschast Dorf- Gill.
2) Sitz derselben: Dorf-Gill.
3) Gegenstand des Unternehmens: Entwässerung der Fluren VI, VII und VIII der Gemarkung Dorf-Gill.
4) Die von der Genossenschaft ausgehenden Bekanntmachungen werden unter der Bezeichnung „Waffergenoffenschast Dorf-Gill" im Kreisblatt für den Kreis Gießen bekannt gemacht und vom Vorsteher unterzeichnet.
Gleichzeitig wird Tagfahrt zur Wahl deS GenoffenschaftS-BorstandeS aus
Freitag den 5. September l. I., Nachm. 4 Uhr, in das Gemeindehaus zu Dorf-Gill anberaumt und zu derselben die Generalversammlung der Genoffenschafts- mitglieder hierdurch einberufen.
Gießen, den 18. August 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: _________________Jost, Regierungsrath._________________
Bekanntmachung.
Die Kreisstraße Grünberg—Lauter kann wegen des Umbaus der Flachsbachbrücke von Montag den 23. August d. IS. bis auf Weiteres nicht befahren werden.
Gießen, den 16. August 189G.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.:
Jost, Regierungsrath.
politische Nebersieht.
Gießen, 19. August.
Lieber,_ben Empfang Kaiser Wilhelms in Reval liegen fotgenbe officielle Melbungen vom Sonntag vor, aus genannter Stabt: „Se. Majestät ber Kaiser Wilhelm traf heute Mittag hier ein. Bei ber Einfahrt in ben Hafen gaben die „Hohenzollern" unb bie „Irene" Salut, welcher von bem
Meßmer Anzeigers
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