Ausgabe 
18.4.1890
 
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1890

Freitag den 18. April

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schwer Anzeiger

Generat-Mnzeiger

Vie Gießener

Oiitcueeraittt irrbm dem Anzeiger Amtlich dreimal deigelegt.

Der

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Amts- und Anzeigebtntt für den Areis <8iefzen

Hratisöeitage: Gießener Kamitienötätter.

Ivsahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» stlganden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen.Burcaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher Theil.

Gießen, am 12. Aprll 1890.

Netr.: Die Bildung der für das Jahr 1890/91 nöthigen Weinsteuer - Einschätzungscommissionen.

DM Grotzherzogliche Kreisamt Gießen m die Großh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden de- Kreise-.

Unter Bezugnahme auf die Artikel 4, 6 und 7 des Ge- ßtzes und § 4 der Verordnung vom 9. December 1876, die Mauerung des Weins betr-, beauftragen wir Sie, alsbald burc) den Gemeinderath drei Mitglieder und zwei Stellvertreter berfeCben für die nach § 4 des genannten Gesetzes zu bildende örtliche Commission wählen zu lassen und das Ergebniß der Vahl! uns binnen 14 Tagen anzuzeigen.

v Gagern.

Gießen, am 14. April 1890.

Betr.: Die Ausführung der Unfallversicherung der bei Bauten beschäftigten Personen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

a« die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Erledigung unserer "Verfügung vom 31. v. Mts. Anzeiger Nr. 79 im Mckffande sind, werden hieran mit Frist von 3 Tagen erinnert.

v. Gagern.

politische Ueverficht.

Gießen, 16. April.

Fürst Bismarck spricht in derNordd. Allg. Ztg." seinen MttLlichen Dank für die ihm anläßlich seinerEntlassung" iint deines 75. Geburtsfestes so überaus zahlreich zugegangenen lvolilimollenden Kundgebungen aus.

Der Beschluß der am Sonntag in Halle versammelt ge- Ljetncn Mitglieder der socialistischen Reichstagsfraction, es hu deutschen Arbeitern in den einzelnen Städten und Ge- Mb szweigen zu überlassen, ob und in welcher Weise sie die zcplamte Kundgebung zum 1. Mai begehen wollen, wird jeden- lalls die Folge haben, daß derArbeiterfeiertag" wenigstens Deutschland in noch eingeschränkterem Maße begangen Werden wird, als dies schon bislang erwartet werden durfte. In einer Einstellung der Arbeit während des ganzen Tages tiitste es am 1. Mai wohl nur an wenigen Orten kommen - toutljlid) werden sich die Arbeiter meist damit begnügen, stur Nachmittags zu feiern, ja, vielleicht steht zu erwarten, iU die Arbeiter überhaupt nicht aus der Arbeit wegbleiben |nb sich erst nach Feierabend an etwaigen Kundgebungen, Mrsßammlungen u. s. w. zu Gunsten des achtstündigen Nor- Mlüirbeitstages betheiligen werden.

Der Generalstabschef Graf Waldersee ist von seiner Ur- Mb-sreise nach Italien nunmehr nach Berlin zurückgekehrt M hat seine Geschäfte wieder übernommen. Aus der Heim- anie verweilte Graf Waldersee einen Tag in Karlsruhe, wo ..ti muf specielle Einladung des Großherzogs im Residenz- Moh'se Absteigequartier nahm.

Die Erklärungen, welche im englischen llnterhause bei am Montag erfolgten Fortsetzung der Session desselben Pin Unterstaatssecretär Fergnsson u. A. über die deutsch eng- üchml Beziehungen in Ostafrika abgegeben wurden, werden Hon den meisten Londoner Blättern sehr beifällig besprochen. Sud» in Deutschland sind die Erklärungen Fergussons sehr »luftig ausgenommen worden, denn sie beweisen, daß in den Edoner Negierungskreisen nicht die mindeste Erregung gegen Deutschland wegen dessen Vorgehens in Ostafrika herrscht, li'dit einmal wegen der bevorstehenden Emin-Pascha-Expedition Dst dem Innern Ostasrikas. Wenn trotzdem gewisse handels- Mmsche Kreise in England noch immer auf die Handlungen _> Deutschen in Ostafrika mit Neid und Mißtrauen sehen, |( eoann dies die Deutschen in Anbetracht des fortdauernden Mir Einvernehmens zwischen den beiderseitigen Regierungen Mngkalt" lassen. Wenn sich indessen die Londoner Blätter im Anschlüsse an die Darlegungen Fergussons für eine ge- .Werre Abgrenzung der internationalen Jnteressenshpären im Muhen Afrika aussprechen, so kann man dem nur zustimmen,

Verhältniß der in jenen Gebieten concurrirenden euro- paisahen Nationen zu einander fönnte durch eine solche Fest- [lelimng lediglich gewinnen. Besonders gilt dies von den engliisch-portugiesischen Beziehungen, die infolge des Streites um das Land am Nyassa-See und Schive-Fluß noch ziemlich Mivvickelte sind und es wäre zu wünschen, daß hierüber end­lich eine Einigung stattsände. Die Londoner geographische

Gesellschaft verlieh Emin Pascha die goldene Medaille in An­erkennung der hervorragenden Verdienste, die sich Emin während seiner zwölfjährigen Verwaltung der Aequatorial- provinz um die geographische Wissenschaft erworben hat.

In Spanien hat die famose Dalan-Affaire nunmehr ihren parlamentarischen Abschluß gesunden. In der Dienstagssitzung der Deputirtenkammer brachte der Deputirte und ehemalige Kriegsminister Cassola einen Antrag ein, welcher die Unver­letzlichkeit der dem Militärstande angehörenden Mitglieder der Deputirtenkammer und des Senats ausspricht. Obwohl der Antrag eigentlich eine Rechtfertigung der Generäle enthält, welche im Senate der Regierung wegen ihres Vorgehens gegen General Daban Opposition machten, erklärte sich Minister­präsident Sagasta doch um des lieben Friedens willen mit dem Anträge Cassola einverstanden und wurde derselbe mit einem von Sagasta besürworteten Zusätze einstimmig ange­nommen.

Ein unblutiger, aber politisch trotzdem bedeutsamer Wafsen- erfolg der Franzosen wird aus Westafrika gemeldet. Ein französisches Expeditionscorps besetzte jüngst, ohne Widerstand zu finden, Segu-Sikoro, die am Oberlauf des Nigerstromes gelegene Hauptstadt des Segn-Reiches, dessen Bewohner den Franzosen bislang immer feindlich gesinnt waren. Nunmehr ist die Macht der Segn gebrochen und die Einnahme ihrer Hauptstadt durch die französischen Truppen wird nur als der Vorläufer einer bedeutenden Erweiterung der Interessen- und Machtsphäre Frankreichs in Westafrika betrachtet. Ob sich die in den Pariser Negierungskreisen gehegte Hoffnung, daß jetzt ein großes französisches Colonialreich in Westafrika, den Ungeheuern Landstrich zwischen Timbuktu im Norden und der Sklavenküste im Süden umschließend, entstehen werde, erfüllen wird, erscheint freilich noch etwas zweifelhaft.

Derrtsches Reich.

nn. Darmstadt, 16. April. Zweite Kammer der Stände. Nach Verkündigung einer Anzahl von Gesuchen hessischer Gemeinden um Berücksichtigung bei der Ausführung der Nebenbahnen setzte die Kammer die General-Debatte über die Erhebungen der Lage der Land wirth sch ast in Hessen fort.

Abg. Frank polemisirt gegen die gestrigen Ausführungen der Abgg. Jöst und Ulrich, indem er deren Durchführbarkeit bestreitet.

Abg. Jöst behauptet seinen Standpunkt, indem er nochmals hervorhebt, wie gerade die in den ärmeren Gegenden des Landes betriebene Hausindustrie nach zwei Richtungen hin schädlich wirke. Einmal schädige dieselbe die Industrie durch den billigen Arbeitslohn und das andere Mal schädige sie die Gesundheit der armen Leute, welche für wenige Pfennige bis in die Nacht hinein arbeiteten, um sich das Leben zu fristen. Er erwarte auch nach dieser Richtung hin eine Besserung nicht nur sür die Landwirthschast, sondern auch sür die gewerblichen Arbeiter.

Abg. Wasserburg vertritt in allen Punkten die Ansicht des Abg. Frank und kann sich in keiner Weise mir den von der Socialdemokratie vorgeschlagenen Mitteln zur Besserung der volkswirthschastlichen Lage einverstanden erklären.

Abg. Osann erklärt, es sei keineswegs zu leugnen, daß große Beschwerden in der Landwirthschast vorhanden seien, welche ihre volle Berechtigung verdienten. Es sei daher Sache der Regierung, diesen Beschwerden näher zu treten und diejenigen Mittel auszuwählen, um diese Beschwerden zu beseitigen. Er streife hier nur die Frage des Baues der Nebenbahnen und der Kreisstraßen. Hier müsse der Staat den Gemeinden mit größeren Mitteln entgegenkommen, denn der Staat sei verpflichtet, für die Herstellung von Verkehrs­wegen zu sorgen, nicht die Gemeinden. Auch die Belastung der Gemeindebeamten sei eine zu große. Heutzutage sei der Bürgermeister eines Ortes fast Staatsbeamter, so groß seien die Anforderungen, welche an denselben gestellt würden und vor lauter Verordnungen und Erlassen könne derselbe sich säst nicht helfen. Es sei ein förmliches Spießruthenlausen gegen die Bürgermeister. Auch die Rechtspflege müsse den Leuten zugänglicher gemacht werden. Dieses sei aber nur möglich durch die Herabsetzung der Gerichtskosten. Es sei notorisch, daß, veranlaßt durch die hohen Gerichtskosten, kleine Leute sich kein Recht mehr suchen könnten, denn nicht Jeder sei in der Lage, ohne den Weg der Armenklage beschreiten zu wollen, 4050 Mk. Gerichtsvorlage zu machen. Was die Organisation der Verwaltungsorgane anlange, so sei dort eine völlige Umbildung nöthig. Er zweifle nicht, daß man damals die beste Absicht gehabt habe, etwas Gutes zu schaffen durch die Centralisirung der Behörden. Die Erfahrung habe aber gelehrt, daß die Behörden in allen Theilen des Landes

vertheilt sein müßten, um den richtigen Einblick in die Ver­hältnisse zu gewinnen. Auch die Thätigkeit der landwirth- schaftlicheu Behörde scheine ihm nicht das Richtige zu sein, indem sie nicht die nöthige Fühlung mit der Landwirthschast habe. Wäre dieses der Fall gewesen, so hätten Erscheinungen, wie sie z. B. bei der Reichstagswahl in Oberhessen kürzlich der Antisemitismus zu Tage gefördert, nicht vorkommen können. Dort wäre wohl die Thätigkeit der Behörden am Platz gewesen- nicht etwa in agitatorischem Sinne, sondern in aufklärender und belehrender Weise.

Staatsminister Finger erwidert, daß er nicht die Absicht gehabt, in die Debatte einzugreisen, allein durch dre Ausführungen des Abg. Osann und der Abgg. Jöst und Ulrich sehe er sich hierzu veranlaßt. Nach den Ausführungen des Abg. Osann könne man glauben, die gesetzlichen Zustände im Staate Hessen seien derart, wie man sie nirgends mehr im Deutschen Reiche finde und unser Land sei in einer Weise in einer so schlechten Verwaltung wie nur irgend möglich. Ich muß die oft recht übertriebenen Ausführungen des Herrn Abg. Osann Ihrem Urtheil überlassen, ob dieselben richtig sind oder nicht. Ich spreche nur Denjenigen, welche mit­gewirkt, die Mittel zn suchen, wie und wo unserer Land- wirthschaft geholfen ^werden soll, unfern Dank aus. Die Regierung ist nicht im Zweifel, daß die Zustände, wie sie in der Landwirthschast bestehen, nach und nach beseitigt werden. Auch früher habe die Landwirthschast schlechte Zeiten gehabt, heute sei man indeß überall bestrebt, zu helfen wo es gehe. Zu bedauern sei allerdings, daß bei der Agitation gegen das Judenthum hochgestellte christliche Staatsbeamte ihre Hand dazu geboten haben, mitzuwirkeu. Dieses sei verwerflich und verdiene jede Verachtung. Auch die Herren Ulrich und Jöst, welche das Heil der Welt zu predigen glauben, befänden sich auf einer schiefen Ebene, denn es sei nicht denkbar, daß die Ausführungen jemals durchgeführt würden.

Cs sprechen noch die Abgg. West er« ach er, Erb, Schröder, Wasserburg, Metz und Muth für die Vorschläge der Commission und wird die Debatte heute abermals abgebrochen, um morgen fortgesetzt zu werden.

Flensburg, 14. April. Der große Zapfenstreich, der gelegentlich des Kaisermanövers des 9. Armee-Corps stattfinden soll, wird von 900 Musikern und 500 Spielleuten ausgeführt werden. Aus dem königlichen Marstall sollen 100 Reit- und Wagenpferde mit den zugehörigen Equipagen für den Kaiser, die fremden Fürsten und das königl. Haupt­quartier hierher gebracht werden. Außerdem werden von sämmtlichen Cavallerieregimentern des 9. Armeecorps 300 Pferde für die sremdherrlichen Offiziere hergegeben. Bei der, großen Parade sollen auch die Kriegervereine der Pro­vinz Aufstellung finden und zwar an den Seiten der Zuschaner- tribüne.

Neueste Had?ricfyten.

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 16. April. Samstag den 19. April findet ein Botschaftsdiner bei dem Kaiser statt.

Berlin, 16. April. Die oft angekündigte Novelle zur Gewerbeordnung, welche sich mit dem Arbeiter­schutz beschäftigt, ist als Antrag Preußens nunmehr dem Bundesrath zugegangen und auf die Tagesordnung der nächsten Plenarsitzung desselben gesetzt worden. Das Plenum wird die Novelle, die in der Hauptsache eine sehr weitgehende Umgestaltung des Titels 7 der Gewerbeordnung darstellt, wohl an die betreffenden Ausschüsse verweisen, die somit zur Vorbereitung der Novelle genügend Zeit haben, ehe der Reichstag znsammentritt.

Die von einer Berliner Correspondenz gebrachte Meldung vom Rücktritt Stephans als Staatssecretär des Reichspostamts ist völlig erfunden.

Berlin, 16. April. Die Colonialabtheilung im Auswärtigen Amte ist wie folgt gebildet: Dirigent Dr. Krauel, vortragender Rath Dr. Rettich - ständige Hilfs­arbeiter: Legationsrath Stemrich, Assessor König- Hilfs­arbeiter: Consul Nordenflycht, kaiserlicher Commissar Sonnen­schein, Viceconsul Schuckmann - geheimer Calculator: Hosrach Krüger- geheime Registratur: Biermann als Vorsteher- geheime Registratoren: Schönborn und Schober.

Berlin, 16. April. Abgeordnetenhaus. Fort­setzung der Etatsberathung. Minister Herrsurth erklärt auf die Anfrage des Abgeordneten Windthorst, die Projecte für den Bau eines neuen Abgeordnetenhauses lägen dem Vor­stande des Herrenhauses vor. Ferner erwidert der Minister auf die Anfrage des Abgeordneten Rickert betreffs der offi­ziösen Presse, das Verlangen der Gegner derselben laufe darauf