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Nr. 161
Dienstag den 15. Juli
1890.
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Aamlkienvtätter voerden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Weßener Anzeiger
General-Anzeiger.
Vierteljähriger ASonnemcntspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Burcaux des In» und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Theil.
Nr. 20 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 10. d. M», enthält: t nn
(Nr. 1905.) Gesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1890/91. Vom 5. Juli 1890.
(Nr. 1906.) Gesetz, betreffend die Feststellung eines zweiten Nachtrags zum Reichshaushalts - Etat für das Etatsjahr 1890/91. Vom 5. Juli 1890.
(Nr. 1907.) Gesetz, betreffend die Feststellung eines dritten Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1890/91. Vom 5. Juli 1890.
(Nr. 1908.) Gesetz, betreffend die Ausnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres und der Post und Telegraphen. Vom 5. Juli 1890.
Gießen, am 14. Juli 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Deutsche- Reich.
Berlin, 13. Juli. Der Bundesrath hat in voriger Woche seine Thätigkeit ebenfalls beendigt und der Schluß der Bundesrathssession bedeutet, daß wir nun vollständig in die sommerliche Ruhepause auf dem Gebiete der innern Politik eingetreten sind. In der That treten die hier noch schwebenden Tagessragen mehr und mehr zurück, da mit der Beendigung der parlamentarischen Thätigkeit auch die rechte Grundlage für die Erörterung dieser oder jener Frage fehlt. Bereits haben denn auch die Sommerurlaubsreisen der Mitglieder des preußischen Ministeriums sowie den Staatssecretäre begonnen und ist die Reihenfolge dieser Reisen derartig geordnet worden, daß immer vier Minister in Berlin anwesend sein werden. Gar keinen Urlaub werden bekanntlich nur Reichskanzler v. Caprivi und Finanzminister Dr. Miguel nehmen, da beide Herren sich möglichst rasch in ihre neuen Aemter hineinzuarbeiten wünschen. Besonders Herr Dr. Miquel entwickelt eine große Arbeitskraft und ist er gutem Vernehmen nach mit Aufstellung eines Finanzplanes beschäftigt, welcher, von den preußischen Etatsverhältnissen ausgehend, die Beziehungen feststellt, in welche das Reichsschatzamt zum führenden Bundesstaat Preußen treten soll. Die Regelung dieses Verhältnisses erachtet Dr. Miquel für d,ie natürliche Voraussetzung zu einer Reform des Steuerwesens in Preußen und zu einer Revision des Zolltarifs, welches Beides in Rede
steht. Jedenfalls ist zu erwarten, daß bis zum Beginn der parlamentarischen Wintersession im Reiche und Preußen der Miquel'sche Finanzplan vollständig fertiggestellt sein wird.
— Nachdem Fürst Bismarck in Friedrichsruh verschiedene auswärtige Journalisten empfangen hat, ist nun auch einem Vertreter der deutschen Presse, Julius Rittershaus, Herausgeber des nationalliberalen „Frankfurter Journals", die Ehre eines Empfanges durch den früheren Reichskanzler zu Theil geworden. Ueber den Verlaus seiner Unterredung mit dem Fürsten Bismarck hat Herr Rittershaus in seinem Blatte einen hochinteressanten Bericht veröffentlicht, dessen auch nur auszugsweise Wiedergabe an dieser Srelle indessen unmöglich ist. Es sei daher nur hervorgehobeu, daß sich Fürst Bismarck in der Audienz in äußerst charakteristischer Weise über die verschiedensten Themata sehr bestimmt und offen verbreitete, so über die deutsche Presse, über sein Verhältniß zu den Nationalliberalen, über Finanzminister Dr. Miquel, über die nun erledigte Frage der Candidatur des Fürsten im Wahlkreise Kaiserslautern-Kirchheimbolanden, ferner über das Socialistengesetz, über das deutsch-englische Abkommen, über die Arbeiter-Erlasse des Kaisers und die Berliner Arbeiterschutz-Conferenz u. s. w. Die Aeußerungen des Fürsten Bismarck enthalten manches schon Bekannte, doch auch viel Neues und haben sie jedenfalls zur Klärung einer Reihe von Fragen und Vorgängen, über welche in der öffen- lichen Meinung bislang noch viele widerspruchsvolle Anschauungen verbreitet waren, beigetragen. Nur bezüglich der Gründe seines Rücktrittes beobachtete der Fürst große Zurückhaltung und deutete lediglich an, daß zwischen ihm und dem Kaiser, noch mehr aber zwischen ihm und seinen Collegen Meinungsverschiedenheiten bestanden hätten. — Herr Rittershaus ist von Friedrichsruh in dem wehmüthigen Gedanken geschieden — wie er am Schluffe seines Berichtes bemerkt — welch ungeheure Kraft, wie viel Genie, Arbeitslust und Energie in der Einsamkeit von Friedrichsruh latent (verborgen) bleiben müsse.
Berlin, 12. Juli. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, werde die zur Beleuchtung des deutsch-englischen Vertrages bestimmte Denkschrift erst publicirt werden, wenn der Vertrag vom englischen Parlament sanctionirt sei. Der Zweck der Denkschrift sei, die Motive darzulegen, welche für die an England gemachten Zugeständnisse und die Deutschland gewährten Entschädigungen maßgebend gewesen seien, um das allgemeine Urtheil über den Vertrag zu klären.
Lanterberg, 12. Juli. Major Wißmann hatte gestern stärker austretende Asthmabeschwerden. Heute ist sein Zustand befriedigend, jedoch ist er noch bettlägerig.
Homburg v. d. Höhe, 11. Juli. Von Seiten des Civil- cabinets Sr. Majestät des Kaisers ist dem Vorstande dec Homburger Schützengesellschast folgendes Schreiben zugegangen:
Potsdam, den 9. Juli 1890.
Seine Majestät der Kaiser und König haben aus der Jmmediat-Eingabe des Vorstandes vom 3. vor. Mts. mit Interesse davon Kenntniß zu nehmen geruht, daß die Homburger Schützengesellschast in den Tagen vom 31. August bis 7. September d. I. das Fest ihres 5O0jährigen Bestehens und des 35Ojährigen Jubiläums der Einführung des Büchsen.schießens begehen wird. Allerhöchst dieselben haben die Gnade gehabt, das eingereichte Exemplar der Festschrift huldreichst anzunehmen und zugleich der Homburger Schützengesellschaft aus Anlaß ihres seltenen Doppelfestes einen silbernen Humpen zu verleihen, welcher dem Vorstande später zugehen wird. Seine Majestät wünschen der Schützengesellschast ein ferneres langes und fröhliches Gedeihen und halten Allerhöchst sich überzeugt, daß derselben die Allergnädigst gewährte Auszeichnung zum steten Antriebe dienen werde, sich selbst durch Festigkeit in der Treue für König und Vaterland auszuzeichnen.
Ausland.
Bern, 12. Juli. Die italienische Regierung hob ihrerseits das Verbot der Vieheinsuhr aus der Schweiz, sowie die Quarantäne vom 13. Juli ab auf, nachdem der schweizerische Bundesrath beschlossen hatte, die Einfuhr von Kleinvieh aus Italien vom 14. Juli an wieder zu gestatten.
Wien, 12. Juli. Die „Polit. Corresp." ist von com- petenter Seite ermächtigt, die Nachricht, daß Kriegsminister Bauer zurücktreten und zum Corpscommandanten von Pest an Stelle des verstorbenen Grafen Pejacsevich ernannt werden solle, sowie alle daran geknüpften Combinationen für vollständig unbegründet zu erklären.
Vofsewangen, 12. Juli. Der Kaiser hat am 11. ds., früh 8 Uhr, die Fahrt von Eide nach Vofsewangen im Cariol mit Gefolge bei gutem Wetter zurückgelegt. Um 11 Uhr erfolgte die Ankunft in Vofsewangen. Nach dem Frühstück, bei welchem der Kaiser das Wohl der Frau Prinzessin Heinrich aus Anlaß ihres Geburtstages ausbrachte, fand Weiterfahrt nach Stahlheim statt, wo der Kaiser, von den Anwesenden aufs Sympathischste begrüßt, eintras. Das Wetter war etwas regnerisch. Abends fand zu Ehren des Kaisers Feuerwerk statt. Heute, den 12. Juli, setzte der Kaiser die Reise zu Fuß und zu Wagen nach Gudwangen fort, wo ihn die „Hohenzollern" erwartet hatte. Gegen 7 Uhr erfolgte die Abfahrt nach Faleide.
Feuilleton.
Siegfried.
Ein Bild aus dem Leben von Emma Dorn.
(Schluß.)
Sie zogen glücklich ab, voran der Aelteste mit dem doch noch erbeuteten Pfannkuchen, dann Fritzchen mit der Familien- nafe und zuletzt der Kleinste, von dem Niemand etwas zu sagen wußte.
„Sie sind ja so still, gnädige Frau?" wandte sich das ältliche Fräulein, welches sich mittlerweile von seinem Schrecken erholt hatte, an die schweigsam dasitzende Frau Baumeister.
„Ich weiß nichts mitzureden, die Damen sprechen nur von ihren Söhnen, ich bin fremd darin."
„Sie haben keine Kinder?" *
„Doch, drei Mädchen."
„Oh!"
„Drei Mädchen?"
„Keinen Knaben, wirklich keinen Knaben?"
So klang es durcheinander, und ungläubig starrte man, die Arbeit vor Schreck in den Schooß fallen lassend, zu der Frau herüber, die eigentlich gar kein Recht hatte, hier zu sitzen. Denn es war merkwürdig, die ganze Damengesellschaft mit Ausnahme der Frau Baumeister und des ältlichen Fräuleins, bestand aus Müttern von Knaben. Es war dies weniger Zufall als weise Berechnung der Hausfrau, welche ihre Bekannte gern unter diesen vom Schicksal Bevorzugten wählte.
Da die mehr oder weniger tactlosen Tröstungen so energisch zurückgewiesen wurden, als es die Höflichkeit nur erlaubte, begann die Situation sich zuzuspitzen.
Das ältliche Fräulein überlegte.
Sie ernährte sich von den Anfangsgründen alles Wissens, welches kleinen Kindern beizubringen sie sich bemühte; neben
bei auch von Kaffees. Böse Zungen behaupteten, das letztere wäre ihr Haupternährungszweig.
Also war Vorsicht geboten.
Von der Frau Baumeister war nicht viel zu hoffen, da die Zwillinge längst über das bescheideue Maß ihres Wissens hinausgewachsen waren, an das Baby noch nicht zu denken war, und sie über die Kaffeegesellschaft im Hause nichts Bestimmtes wußte. Kurz entschlossen schlug sie sich auf Seiten der Jungensmütter.
„Ja, ja, ein Haus ohne Söhne ist wie ein Garten ohne Bäume. Ich bin unter sechs Brüdern ausgewachsen, „wie eine Lilie unter Eichen", pflegte mein seliger Vater oft zu sagen."
Ihre Nachbarin unterdrückte die Frage, warum die „jungen Eichen" ihre „Lilie" dem rauhen Schicksal überließen, von A-B-C-Schülern uud Kaffees zu leben.
In diesem kritischen Augenblicke klingelte es.
„Jetzt kommt sie doch noch!" rief die Hausfrau, nervös aufspringend.
„Wer kommt?"
„Die Frau Lohmeier."
Eine kleine runde Frau mit blonden, spiegelglatt anliegenden Scheiteln trat ein.
Frau Baumeister Stern athmete auf.
Lohmeiers besaßen gleichfalls drei Tochter, wie die Orgelpfeifen, eine nur ein paar Fingerbreit höher als die andere. Lange hatte sie die kleine blonde Frau nicht gesehen, jetzt interessirte sie sich plötzlich lebhaft für sie und ihre drei kleinen Mädchen.
Die Gastgeberin drückte die zuletzt Angekommene in einen Sessel und reichte ihr die Cremeschüssel, dabei lag ein Ausdruck hoher Spannung aus ihren Zügen, ein Ausdruck, den auch die Gesichter der anderen Anwesenden trugen. Alle blickten erwartungsvoll zur Frau Lohmeier herüber.
„Trinkt er?" platzte endlich die Müllern los.
„Trinkt er?" wiederholte es im Chorus.
Die Frau Lohmeier lehnte sich in ihren Sessel zurück, strich mit beiden Händen ihre spiegelnden Scheiteln noch blanker und sagte, sich triumphirend im Kreise umblickend, mit tiefem Athemholen: „Ja, er trinkt."
„Ah!"
Aengstlich blickte die Frau Baumeister von einem zum anderen.
Was war geschehen? Wer trank? Und warum diese allgemeine Befriedigung über eine sonst bedauerliche Thatsache.
„Ueberhaupt ein großartiger Junge."
„Welcher Junge?" kam es zaghaft von den Lippen der Frau Baumeister Stern.
„Ach so, Sie wissen es am Ende noch gar nicht? Es hat doch im Blatt gestanden. Unser Junge nämlich, er ist heute schon sieben Wochen alt; anfangs wollte Siegfried gar nicht trinken, aber jetzt —"
Bei dem Namen Siegfried war die Fragestellerin etwas zusammengezuckt. Also auch die!
Dann hob sie anmuthig ihr Glas: „Aus den jungen Siegsried!"
Eine Weile noch hörte sie dem Geplauder der Damen zu, dann rollte sie ihre Arbeit zusammen.
„Ich muß fort, meine Liebe, vielen Dank für den reizenden Nachmittag."
„Und ein Körnchen Wahrheit ist doch daran," dachte sie auf dem Heimwege, „sie waren ja insgesammt lächerlich in ihren Uebertreibungen, aber ein Körnchen Wahrheit ist doch dabei." —
„Die Bowle war wohl schlecht, Du scheinst Kopfschmerzen zu haben?" meinte der Gatte beim Abendessen zu der schweigsamen Frau.
Sie antwortete nicht gleich.
„Du, Lohmeiers haben ja einen Jungen!"
„Laß sie doch."
„Und Siegsried haben sie ihn genannt,"
„Ein schöner Name!"


